Conduct of life

Ueber den Umgang mit Menschen

Ich habe den Wunsch der Verlagshandlung, Knigge's bekanntes und geschätztes Werk über den Umgang mit Menschen für die neunte Ausgabe durchzusehen, und mit einer Einleitung, Anmerkungen und Nachträgen zu vermehren, gern erfüllt, weil ich glaubte, dadurch nützlich zu werden. Die...

Chapters

1. Part 1

Ich habe den Wunsch der Verlagshandlung, Knigge's bekanntes und geschätztes Werk über den Umgang mit Menschen für die neunte Ausgabe durchzusehen, und mit einer Einleitung, Anme...

2. Part 2

Wenn auf der einen Seite unsere Begriffe durch den Umgang bereichert und berichtigt werden, so verwirrt er sie auf der andern. Wir hören Menschen, mit Witz und Scharfsinn ausges...

3. Part 3

In freien Städten ist diese Anhänglichkeit an väterliche Sitten, Kleidertrachten u. dgl. sehr auffallend, und hat nicht selten Einfluß auf Regierungs-Verfassung, Religions-Vertr...

4. Part 4

Es gibt eine falsche Bescheidenheit und Zurückhaltung, die in einem kleinmüthigen Mißtrauen gegen sich selbst ihren Grund hat, und die Furcht erzeugt; von dieser gefesselt, läßt...

5. Part 5

Zwei Gründe hauptsächlich müssen uns bewegen, nicht gar zu offenherzig gegen die Menschen zu seyn: zuerst die Furcht, unsre Schwäche dadurch aufzudecken und gemißbraucht zu werd...

6. Part 6

An Oertern, wo man sich zur Freude versammelt: beim Tanze, in Schauspielen, rede mit niemand von häuslichen Geschäften, noch weniger von verdrießlichen Dingen! Man geht dahin, u...

7. Part 7

So viel über den Anstand, über schickliche Manieren, und über die Höflichkeit im äussern Betragen, über Bescheidenheit und Mäßigung; und nun noch etwas über die ~Kleidung~. Klei...

8. Part 8

Baue nicht eher fest auf treue, immer sich bewährende Liebe und Freundschaft, als bis Du solche Proben gesehen hast, die ~Aufopferung~ kosten! Die mehrsten Menschen, die uns so...

9. Part 9

Von Herrschsucht, Ehrgeiz und Eitelkeit ist ~Hochmuth~, so wie von ~Stolz~, unterschieden. Ich möchte gern, daß man Stolz für eine edle Eigenschaft der Seele ansähe; für ein Bew...

10. Part 10

Endlich noch Andre sind in allen Stücken freigebig, und achten das Geld nicht; in einem einzigen Punkte aber, worauf sie gerade eine thörichte Wichtigkeit setzen, sind sie läche...

11. Part 11

Man findet Menschen, denen es schlechterdings unmöglich ist, irgend etwas zu verschweigen. Man sieht es ihnen an, wenn sie ängstlich umherlaufen, daß sie etwas Neues bei sich tr...

12. Part 12

Einen ganz eignen Abschnitt verdienen die ~Enthusiasten~, ~überspannten~, ~romanhaften Menschen~, ~Kraft-Genies~ und ~excentrischen Leute~. Sie leben und weben in einer Atmosphä...

13. Part 13

Der erste Theil dieses Buchs enthält Bemerkungen über den Umgang mit Menschen von allerlei Art, ohne Rücksicht auf ihre besondern Verhältnisse unter einander. Die mannigfaltigen...

14. Part 14

Es ist in unsern Tagen nichts Seltenes, Kinder zu sehen, die ihre Eltern vernachlässigen, oder undankbar, unehrerbietig und unedel behandeln. Die Jünglinge finden ihre Väter nic...

15. Part 15

Klugheit und Rechtschaffenheit aber erfordern, daß man sich selber gegen die Eindrücke größerer Liebenswürdigkeit, welche fremde Personen auf uns machen könnten, waffne. In der...

16. Part 16

Es gibt in diesem Leben eine Menge Ungemachs zu tragen. Auch der, welcher der Glücklichste zu seyn scheint, hat geheime Leiden mancher Art, wahre und eingebildete, unverschuldet...

17. Part 17

In den Jahren, in welchen so leicht das Herz mit dem Kopfe davon läuft, bauet so Mancher das Unglück seines Lebens durch übereilte Ehe-Versprechungen. Im Taumel der Liebe vergiß...

18. Part 18

Ich sollte hier billig auch etwas von dem Umgange mit groben Koketten und Buhlerinnen sagen; allein das würde mich zu weit führen, und schwerlich möchte meine Mühe mit Erfolge b...

19. Part 19

Hast Du nun einen solchen treuen Freund gefunden, so bewahre ihn auch! Halte ihn in Ehren, auch dann, wenn das Glück Dich plötzlich über ihn erhebt, auch da, wo Dein Freund nich...

20. Part 20

Wie aber, wenn uns Freunde täuschen, wenn wir nach einiger Zeit wahrnehmen, daß unser gutes Herz uns irregeleitet, uns an Menschen gekettet hat, die unsrer nicht werth sind? --...

21. Part 21

In alten Zeiten hatte man hohe Begriffe von den Rechten der Gastfreundschaft. Noch pflegen diese Begriffe in Ländern und Provinzen, die weniger bevölkert sind, oder wo einfacher...

22. Part 22

Uebrigens hat man nicht Unrecht, wenn man behauptet, daß unsre Feinde oft, ohne es zu wollen, unsre größten Wohlthäter sind. Sie machen uns aufmerksam auf Fehler, die unsre eign...

23. Part 23

Ich habe bei mancher Gelegenheit Gegenwart des Geistes und Kaltblütigkeit, als Haupt-Erfordernisse zu allen Geschäften und Verrichtungen im menschlichen Leben, empfohlen; nirgen...

24. Part 24

Mit dem Alter des Spieles und der wirkenden Phantasie wird die positive Einwirkung nothwendig; denn überließe man die Kinder sich selbst, so würden sie auf dieses und jenes, und...

25. Part 25

Das Kind unterscheidet sehr gut den starken und ernsten Ton von dem zürnenden; die Mutter fällt leicht in diesen, wenn sie jenen dem Vater nachzumachen gedenkt. Sie nimmt leicht...

26. Part 26

Wenn aber jeder Stillstand soll verhütet werden, so darf auch, besonders in den eigentlichen Kinderjahren, keine lange Pause in den Arbeiten, keine öftere Ausnahme von der Ordnu...

27. Part 27

~Das Spiel ist die eigentliche Heimath der kindlichen Seele, ist sein Paradies, auch mit dem Baum der Erkenntniß.~ Hütet euch aber, der flammende Cherub zu seyn, der sie aus die...

28. Part 28

3. Der Erzieher hüte sich, der Ehrliebe Gewalt anzuthun; er würde nur Haß und Verachtung ernten, und Hartnäckigkeit bewirken. Daher sind alle solche Beschämungsmittel, welche Le...

29. Part 29

Die sittlichen Eigenschaften, die mit den Fertigkeiten vereint wirken müssen, sind: Geduld und Ausdauer, Selbstverleugnung und Enthaltsamkeit, Besonnenheit und Ueberlegung, Erfi...

30. Part 30

Eben so unglücklich muß der Erfolg einer Erziehung seyn, die es nur darauf anlegt, den Kindern das Gepräge der conventionellen Bildung oder des Zeitgeistes zu geben, und ihnen a...

31. Part 31

In den Herzen der mehresten Großen wohnt Mißtrauen. Es herrscht bei ihnen der Gedanke: alle übrigen Menschen hätten einen Bund gegen sie gemacht. Deswegen sehen sie es ungern, w...

32. Part 32

Aber diese Höflichkeit sey auch wohl geordnet; sie sey nicht übertrieben! Sobald der Geringere fühlt, daß ihm die Ehre, welche wir ihm erweisen, unmöglich zukommen kann, so schr...

33. Part 33

Jeder durch Bildung oder Verdienste ausgezeichnete Mann messe sein Betragen gegen Hofleute pünktlich nach dem ihrigen gegen ihn ab, und gehe ihnen keinen Schritt entgegen! Diese...

34. Part 34

Es ist ein recht garstiger Zug in dem Charakter unsers lesenden Publikums (wenn es anders erlaubt ist, einem Publikum einen Charakter zuzuschreiben), daß man so gern von guten S...

35. Part 35

Nun noch ein Wort zur Warnung für den Jüngling, in Betracht der Künstler, besonders der Schauspieler, nämlich derjenigen von gemeiner Art! Ich habe vorhin gesagt, daß der vertra...

36. Part 36

Doch ist es in der That traurig -- um auch das Böse nicht zu verschweigen -- daß die Handlungen so vieler Richter und Advocaten, so wie die Justiz-Verfassung in den mehrsten Län...

37. Part 37

Wirklich ist es eine recht lästige Beschäftigung, zu Erringung seines Unterhalts den ganzen Tag durch, in Wind und Wetter, von einem Hause in das andere zu laufen, und ohne frei...

38. Part 38

Keine Leidenschaft kann so weit führen, keine kann den Jüngling, den Mann und ganze Familien in ein grenzenloseres Elend stürzen, keine den Menschen in eine solche Kettenreihe v...

39. Part 39

Wer diese Betrachtungen und Aufforderungen für thörichte und schwachsinnige Empfindelei zu erklären, oder damit zu verwechseln fähig ist, dem habe ich nichts zu sagen, als daß i...