Part 15
Klugheit und Rechtschaffenheit aber erfordern, daß man sich selber gegen die Eindrücke größerer Liebenswürdigkeit, welche fremde Personen auf uns machen könnten, waffne. In der frühen Jugend, wenn die Phantasie lebhaft ist, die Begierden heftig wirken, und das Herz noch oft mit dem Kopf davon läuft, würde ich rathen, solchen gefährlichen Versuchungen sorgfältig auszuweichen; ein junger Mann, welcher merkt, daß ein Frauenzimmer, mit dem er umgeht, ihm vielleicht einst besser, als seine Frau, gefallen, wildes Feuer in ihm entzünden, oder wenigstens seine häusliche Glückseligkeit stören könnte, thut wohl, wenn er, in so fern er sich nicht Festigkeit genug zutrauet -- und er urtheilt weise, wenn er sich diese nicht leicht zutrauet, -- den verführerischen Umgang, so viel möglich, meidet, damit er ihm nicht zum Bedürfnisse werde und sein Herz überwältige. Diese Vorsicht ist am nöthigsten gegen die feinern Koketten, die, ohne eben Plane auf Verletzung der Ehre zu haben, ihr Spielwerk mit der Ruhe eines gefühlvollen redlichen Mannes treiben, und einen zwecklosen Triumph darin suchen, schlaflose Nächte zu verursachen, Thränen zu veranlassen, und Eifersucht rege zu machen. Es gibt viel solcher eiteln Damen, die nicht immer durch böses Herz, noch Temperament, aber wohl durch die nimmersatte Begierde, zu glänzen und zu gefallen, getrieben, manche stille häusliche Ruhe und den Frieden unter Eheleuten auf diese Weise unbarmherzig zerstören. In reifern Jahren dürfte die entgegengesetzte Heil-Methode anwendbarer seyn. Ein Mann von festen Grundsätzen, der seinem Verstande Rechenschaft von den Gefühlen seines Herzens gibt und dauerhaftes Glück sucht, wird am leichtesten von einer zu günstigen Vorstellung, die er von fremden Personen in Vergleichung mit seiner Gattin gefaßt hat, zurückkommen, wenn er Jene so oft und vielfältig sieht, daß er an ihnen mehr Fehler wahrnimmt, als an seinem edlen, verständigen, treuen Weibe. Und dann kommen die Augenblicke des Seelen-Bedürfnisses, wo man sich nach der theilnehmenden Gefährtin sehnt, wenn schwere Bürden das Herz drücken, die kein Fremder so uns tragen hilft, oder wenn höhere Freuden das Herz erweitern, Freuden, die kein Fremder so mit uns theilt, oder Verlegenheiten uns ängstigen, die wir keinem Fremden so aufrichtig, so sicher entdecken dürfen, wie der Person, die einerlei Interesse mit uns hat; und dann ein Blick auf wohlerzogene, durch gemeinschaftliche Sorgfalt erzogne Kinder, auf die Früchte der ersten jugendlichen Liebe! -- und das Herz kehrt ungezwungen zu den süßesten Pflichten zurück.
8.
Uebrigens ist es eine bedauernswürdige Schwachheit, wenn Eheleute durch die priesterliche Einsegnung ein so ausschließliches Recht auf jede Empfindung des Herzens erzwungen zu haben glauben, daß sie wähnen: nun dürfe in dem Herzen des Gatten auch nicht ein Plätzchen mehr für irgend einen andern guten Menschen übrig bleiben; der Gatte müsse für seine Freunde und Freundinnen todt seyn, dürfe für kein Geschöpf auf der Welt, als für die werthe Ehehälfte, Theilnahme und Zuneigung empfinden, und es sey Verletzung der ehelichen Pflicht, mit Wärme, Zärtlichkeit und Theilnahme von und mit andern Personen zu reden. Diese Forderungen werden doppelt abgeschmackt bei einer ungleichen Ehe, wo von der einen Seite schon Aufopferungen mancher Art Statt finden. Wenn da der eine Theil, um sich in dem Umgange mit liebenswürdigen Leuten aufzuheitern, neue Kräfte zum Ausdauern zu sammeln, und seinen Geist zu erheben und zu erwärmen, in die Arme zärtlicher, ihm wahrhaftig treu ergebener Freunde eilt: so sollte der andre Theil ihm dafür danken, und jeden kränkenden Vorwurf unterdrücken.
9.
Die Wahl dieser innigeren Freunde muß aber dem Herzen, so wie die Wahl sittlicher Vergnügungen und unschuldiger Liebhabereien dem Geschmacke eines Jeden überlassen bleiben. Es wird nicht durchaus Gleichheit von Neigungen, Temperamenten und Geschmack zum Eheglück erfordert. Unerträgliche Sclaverei wäre es daher, sich seine Erheiterungen aufdringen lassen zu müssen. Es ist wahrlich schon hart genug, wenn der Gatte die Freude entbehren muß, edle Empfindungen, erhabne Gedanken, feinere Eindrücke, welche seelen-erhebende Schriften, Kunstwerke und Ereignisse hervorbrachten, mit der Gefährtin seines Lebens theilen zu können, weil die stumpfen Organe derselben dafür nicht empfänglich sind; aber nun gar diesem allen entsagen, oder sich in der Wahl seines Umganges und seiner Freunde nach den Grillen eines schiefen Kopfs und kalten Herzens richten, allen wohlthätigen Erquickungen von der Art entsagen zu müssen: -- das ist Höllenpein! und ich brauche wohl nicht hinzuzufügen, daß am wenigsten ~der Mann~ eine solche Beschränkung und Sclaverei dulden dürfe, da er von der Natur und durch die bürgerliche Verfassung bestimmt ist, das Haupt der Familie zu seyn, und Gründe haben kann, ~warum~ er diesen oder jenen Umgang wählt, dieser oder jener Beschäftigung sich widmet, diesen oder jenen Schritt thut, der Manchen auffallend seyn kann. Es erleichtert hingegen das Leben unter Menschen, die nun einmal verbunden sind, alle Leiden und Freuden zu theilen, wenn nach und nach eine ähnliche Seelenstimmung unter ihnen eintritt, sey es auch nur von der Liebe zum Frieden erzeugt, und es zeugt wahrlich von der verächtlichsten Indolenz, wo nicht von dem bösesten Willen, wenn man, nach vieljähriger Verbindung mit einem verständigen, gebildeten und feinfühlenden Geschöpfe, noch eben so unwissend, roh, stumpf und starrköpfig geblieben ist, wie man vorher war.
10.
Wie soll man sich bei wirklichen Ausschweifungen verhalten? -- denn bis jetzt war nur von Verirrungen die Rede. -- Wie soll man sich zur Nachsicht und Ausdauer waffnen, wenn von einer Seite heftiges Temperament, ein reizbarer Körper, Mangel an Herrschaft über die Leidenschaften, Verführung, Buhler-Künste, anlockende Schönheiten und Verhältnisse in Versuchung führen; von der andern vielleicht der Gattin mürrisches Betragen, üble Laune, Geistes-Armuth, Kränklichkeit, Mangel an Schönheit, an Jugend, an Gefälligkeit, an Temperament, lebhaft zurückstoßen? -- Diese Schrift soll keine Pflichtenlehre enthalten; darum überlasse ich es jedem vernünftigen Manne, diese Frage sich selbst zu beantworten, und selbst zu beurtheilen, wie er es anfangen müsse, über seine Begierden Meister zu werden, gefährlichen Gelegenheiten und Verführungen auszuweichen, welches freilich in der Jugend nicht so leicht ist, wie man wohl denkt. Doch so viel über diesen Gegenstand, als hieher gehört, und sich ohne Beleidigung der Sittsamkeit sagen läßt! Man gewöhne sich selbst, und Einer den Andern, nicht an Ueppigkeit, Wollust, Weichlichkeit und Schwelgerei; lasse die körperlichen Bedürfnisse und Begierden nicht zu heftig werden; man sey, selbst in der Ehe, schamhaft, keusch, zart und sparsam in den Aeußerungen der Liebe, um Ekel, Ueberdruß und faunische Lüsternheit zu entfernen! Ein Kuß ist ein Kuß, nichts mehr, und nichts weniger, als ein Zeichen der Zärtlichkeit, und es wird fast immer des Weibes Schuld seyn, wenn ein sonst nicht schlechter Mann diesen Kuß, den er von treuen, reinen und warmen Lippen ehrenvoll und bequem zu Hause erlangen könnte, mit Hintansetzung seiner Pflicht und der Ehrbarkeit, bei Fremden holt. Hat aber die größre Schwierigkeit und Neuheit so viel Reiz: ei nun! so suche man auch der ehelichen Vertraulichkeit diesen Reiz der Neuheit zu geben, zuweilen kleine Hindernisse in den Weg zu legen, oder durch Enthaltung, Entfernung u. dgl. das Verlangen nach Befriedigung der sinnlichen Liebe zu vermehren! In späteren Jahren fällt dann auch dieser Vorwitz so ziemlich weg; denn da werden ja die Triebe bescheidner und lassen sich williger von der Vernunft regieren, oder man müßte sie muthwilliger Weise reizen.
11.
In der Ehe soll gegenseitiges uneingeschränktes Zutrauen, soll Offenherzigkeit Statt finden. Kann denn aber gar kein Fall eintreten, wo Einer vor dem Andern Geheimnisse haben dürfte? Ich denke. Freilich, da der Mann von der Natur bestimmt ist, der Rathgeber seines Weibes, das Haupt der Familie zu seyn; da die Folgen jedes übereilten Schrittes der Gattin auf ~ihn~ fallen; da der Staat sich nur an ~ihn~ hält; da die Frau eigentlich gar keine Person in der bürgerlichen Gesellschaft ausmacht; da die Verletzung der Pflichten von ihrer Seite schwer auf ~ihm~ liegt, und diese Verletzung die Familie weit unmittelbarer beschimpft, und derselben Schande und Nachtheil bringt, als die Ausschweifungen des Mannes; da die Frau mehr von dem äussern Rufe abhängt, als der Mann; endlich, da Verschwiegenheit mehr eine männliche, als weibliche Tugend ist: so kann es wohl nur in äusserst seltenen Fällen der Frau erlaubt seyn, ohne ihres Mannes Wissen Schritte zu thun, Verbindungen anzuknüpfen, in Verhältnisse mit Männern zu treten, und dem Manne das alles zu verheimlichen. Er hingegen, der an den Staat geknüpft ist, oft Geheimnisse zu bewahren hat, die nicht ihm gehören, und durch deren Verbreitung er zugleich mit Andern in Verlegenheit kommen könnte; er, der das Ganze seines Hauswesens übersehen soll, auch vielfältig den Plan, nach welchem er handelt, nicht den schwächern Einsichten unterwerfen darf, sondern fest und unerschüttert seinem Verstande und Herzen folgen, und das Urtheil des Volks verachten muß: ~er~ kann unmöglich alles erzählen und mittheilen, was er unternimmt. Verschiedenheit der Lagen aber kann diesen Gesichtspunkt verrücken. Es gibt Männer, die sehr übel fahren würden, wenn sie einen einzigen Schritt ohne Rath und Wissen ihrer Weiber thäten; es gibt sehr plauderhafte Herren und sehr verschwiegne Damen; und eine Frau kann weibliche Geheimnisse von einer Freundin anvertrauet bekommen haben. -- In allen diesen und ähnlichen Fällen müssen Klugheit und Redlichkeit das Verhalten beider Theile bestimmen. Das aber bleibt eine heilige Wahrheit, daß, wenn wahrhaftes Mißtrauen sich einschleicht, wenn man ein offenes Geständniß erzwingen muß, alles Glück der Ehe entflieht. Nichts kann endlich strafbarer seyn, als wenn der Mann niedrig genug denkt, heimlich die Briefe seiner Frau zu erbrechen, ihre Papiere zu durchwühlen, oder ihre Schränke zu durchsuchen. Auch verfehlt er mit solchen unwürdigen Mitteln immer seines Zwecks. Nichts ist leichter, als die Wachsamkeit eines Menschen zu täuschen, wenn es bloß auf beweisbare Vergehen ankömmt, und man die feinern Bande zerrissen, sich über alle Bedenklichkeiten des Zartgefühls und der Ehre hinweggesetzt hat. Ein Mann, der ~einmal~ seine Frau eine Treulose nennt, steckt sich selbst das Horn der Hahnreischaft auf. Nichts ist leichter, als einen Menschen zu hintergehen, den man genau kennt, bei dem man allen Glauben verloren hat, den man oft auf ungerechtem Argwohn ertappen kann, weil Leidenschaft ihn blind macht, und der es wegen seiner argwöhnischen Ungerechtigkeit verdient, getäuscht zu werden. -- Betrug ist fast immer die sichere Folge davon, und man kann auf diese Weise das edelste Geschöpf moralisch zu Grunde richten und zu Verbrechen reizen.
12.
Ich rathe, aus Gründen, die wohl jeder vernünftige Mensch selbst einsehen wird, auch nicht einmal an, daß Eheleute alle ihre Geschäfte gemeinschaftlich treiben, sondern daß Jeder seinen angewiesenen Wirkungskreis habe. Es geht selten gut im Hause, wenn die Gattin für ihren Gatten die Berichte an die höchste Behörde entwerfen, und er dagegen, wenn Fremde eingeladen sind, die Tafel besorgen, Cremen machen, und die Töchter ankleiden helfen muß. Daraus entsteht Verwirrung; man setzt sich dem Gespötte des Hausgesindes aus; der Eine verläßt sich auf den Andern, will sich aber dagegen in alles mischen, alles wissen. -- Mit Einem Worte: das taugt nicht!
13.
Was aber die Verwaltung der Einkünfte betrifft, so kann ich die Weise der mehresten Männer von Stande nicht billigen, welche ihren Gemahlinnen eine gewisse Summe geben, womit sie auskommen und den ganzen Haushalt ohne Ausnahme bestreiten müssen. Dadurch entsteht getheiltes Interesse; die Frau tritt in die Klasse der Bedienten, wird zum Eigennutz verleitet, muß ängstlich sparen, findet, daß der Mann zu lecker ist, macht verdrießliche Gesichter, wenn er einen guten Freund zur Tafel einladet; der Mann, wenn er nicht fein denkt, meint immer, er speise für sein theures Geld zu schlecht, oder wagt es im andern Falle aus übertriebener Zurückhaltung und Feinheit nicht, zuweilen ein Gerichtchen mehr zu fordern, um seine Gattin nicht in Verlegenheit zu setzen. Willst Du also Deine Hausfrau nicht in Versuchung führen, so gib, wenn nicht etwa ein Haushofmeister oder eine Ausgeberin diejenigen Geschäfte bei Dir versieht, die eigentlich zu den Pflichten der Gattin gehören, eine Summe Geldes, die Deinen Einkünften und den Zeitverhältnissen angemessen ist, zur Ausgabe! Wenn diese verwendet ist, so sey ihr verstattet, mehr von Dir zu fordern; findest Du, daß zu viel ist ausgegeben worden, so laß Dir die Rechnung zeigen! Ueberlege mit ihr gemeinschaftlich, auf welcher Seite gespart werden könnte! Mache ihr kein Geheimniß aus Deinen Vermögensumständen; allein bestimme ihr auch eine kleine Summe zu ihren unschuldigen Vergnügungen, zu ihrem Putze, zu stillen wohlthätigen Handlungen, und fordre davon keine Berechnung!
14.
Gute Hauswirthschaft ist eins der nothwendigsten Stücke zur ehelichen Glückseligkeit. Man suche daher vor allen Dingen, wenn man auch im ledigen Stande einigen Hang zur Verschwendung gehabt hätte, sich davon loszumachen, und sich häuslicher Sparsamkeit zu befleißigen, sobald man heirathet! Wer noch einzeln da steht, erträgt leicht alles Ungemach der Zeit: Noth, Mangel, Demüthigung, Zurücksetzung; am Ende steht ihm, wenn er gesunde Arme hat, die ganze Welt offen; er kann alles im Stiche lassen, und in einem unbekannten Winkelchen der Erde leicht mit seiner Hände Arbeit sein Leben fristen. Aber wenn schlechte Haushaltung den Ehemann und Vater in Armuth gestürzt hat, und er nun den Blick auf die Personen seiner Familie umherwirft, die von ihm Unterhalt, Nahrung, Wartung, Erziehung, Vergnügen fordern; wenn er dann oft nicht weiß, woher er auf morgen Brod nehmen, wovon er die heranwachsenden Mädchen kleiden soll, oder wenn seine bürgerliche Ehre, seine Beförderung, die Versorgung seiner Kinder davon abhängt, daß er mit den Seinigen in einem gewissen anständigen Aufzuge, vielleicht gar mit einigem Glanze erscheine, und es doch von allen Seiten dazu fehlt; wenn das Silbergeräthe vom Wucherer, wo es im Versatze steht, auf einen Mittag geborgt werden muß, um Gäste bewirthen zu können, indeß unten im Hause ein Knabe wartet, der es gleich nach der Mahlzeit wieder in Empfang nehmen soll; wenn Gläubiger und Advokaten ihn in die Enge treiben, und Juden an den Zipfeln seines schlaffen Geldbeutels melken: dann fallen böse Launen, Krankheit des Leibes und der Seele den Unglücklichen an; Verzweiflung ergreift ihn; er sucht sich zu betäuben, verfällt in Ausschweifungen; von Innen zernagt ihn das unruhige Gewissen, von Aussen verfolgen ihn bittre Vorwürfe seines Weibes; das Winseln seiner Kinder schreckt ihn aus fürchterlichen Träumen auf; die Verachtung, womit der vornehme und reiche Pöbel auf ihn herabblickt, umwölkt jeden Strahl von Hoffnung; Muth und Trost schwinden; die Freunde fliehen, das Hohngelächter der Feinde und Neider erschüttert jede Nerve, und in dieser traurigen Lage schwindet dann freilich aller Schatten von häuslicher Freude, das Haus wird zur Hölle. Der Elende flieht auch nichts so sehr, als den Anblick und den Umgang derer, die er mit sich in's Unglück gestürzt hat. -- Sollte also einer von den Eheleuten zur Verschwendung geneigt seyn, so ist es rathsam, weil es noch Zeit ist, Mittel vorzuschieben, jener gräßlichen Lage auszuweichen. Der ~andre~ Theil, der besser mit dem Gelde umzugehen weiß, übernehme die Kasse! Man mache sich einen genauen Etat, wie man dem Haushalte wieder aufhelfen will, und befolge diesen pünktlich, schränke sich ein, sorge aber dafür, daß, wo möglich, auch etwas zu erlaubten Vergnügungen übrig bleibe, damit dem Verschwender die Einschränkungen und Entbehrungen nicht zu schwer werden!
15.
Ist es aber besser, daß ~der Mann~, oder daß ~die Frau~ reich sey? Wenn eins seyn soll, so stimme ich für Ersteres. Gut ist es, wenn Beide einiges Vermögen haben, um zu den Nothwendigkeiten des Lebens gemeinschaftlich beitragen zu können, damit nicht Einer so ganz auf Kosten des Andern zehre. Soll aber nun einmal Abhängigkeit, welche doch natürlicher Weise auf Seiten des ärmern Theils entsteht, Statt finden: so ist es der Natur gemäßer, daß das Haupt der Familie am mehrsten zum Unterhalte der Familie beitrage. Heirathet ein Mann eine reiche Frau, so verhüte er wenigstens durch angestrengte Thätigkeit, daß er nie in eine sclavische Abhängigkeit von seiner Frau gerathe. Aus Verabsäumung dieser Vorsicht sind so wenig Ehen von ~der~ Art glücklich. Hätte meine Frau mir großes Vermögen zugebracht, so würde ich mich doppelt bestreben, ihr zu beweisen, daß ich geringe Bedürfnisse hätte; ich würde wenig an meine Person wenden; ich würde sie überzeugen, daß ich dies Wenige mit meinem Fleisse mir erwerben könnte; ich würde ihr Kostgeld geben; ich würde nur der Verwalter ihres Vermögens seyn; ich würde Aufwand im Hause machen, weil das sich für reiche Leute schickt; aber ich würde ihr zeigen, daß dieser Aufwand meiner Eitelkeit nicht schmeichele; daß ich bei zwei Speisen eben so vergnügt, wie bei zwanzigen sey; daß ich keine Aufwartung bedürfe; daß ich gesunde Beine habe, die mich eben so weit, wenn gleich nicht so schnell fortbringen, wie ihre prächtigen Wagen; und dann würde ich, wie es dem Hausherrn zukömmt, über die Anwendung ihres Vermögens unumschränkte Gewalt verlangen.
16.
Ist es nöthig, daß der Mann klüger sey, als die Frau? -- Das ist wiederum eine nicht unwichtige Frage; wir wollen sie näher beleuchten. Der Begriff von Klugheit, von Vernunft, wird, mit allen seinen Beziehungen und Modifikationen, nicht immer auf einerlei Art verstanden. Die Klugheit eines Mannes soll wohl von ganz anderer Art seyn, als die, welche man von einer Frau verlangt; und wenn nun vollends Klugheit mit Welt-Erfahrung, oder gar mit Gelehrsamkeit verwechselt wird, so wäre es Unsinn, von diesen bei dem einen Geschlechte so viel, wie bei dem andern, voraussetzen oder verlangen zu wollen. Ich fordre daher von einem Frauenzimmer einen verständigen Kleinigkeitsgeist, Feinheit, unschuldige Verschlagenheit, Behutsamkeit, Witz, Duldsamkeit, Nachgiebigkeit und Geduld: -- lauter Stücke, die doch auch zur Klugheit gehören; -- welche in gleichem Grade nicht immer das Eigenthum des männlichen Charakters sind. Dagegen erwarte ich, daß der Mann umsichtiger, gefaßter bei allen Vorfällen, fester, unerschütterlicher, weniger den Vorurtheilen unterworfen, ausdauernder und gebildeter sey, als das Weib. Jene Frage aber war in allgemeinem Sinne zu verstehen, nämlich also: Wenn einer von beiden Theilen schwach, stumpf von Organen und unwissend in manchen zum Weltleben nöthigen Kenntnissen seyn sollte: würde es da besser seyn, daß der Mann, oder daß die Frau der schwächere Theil wäre? -- Ich antworte ohne Anstand: Noch habe ich nie eine glückliche und weise geordnete Haushaltung gesehen, in welcher die Frau die entschiedne Alleinherrschaft gehabt hätte. Es geht in einem Hause, wo ein Mann von mittelmäßigen Fähigkeiten das Regiment führt, größtentheils immer noch besser her, als in einem, wo eine kluge Frau ausschließlich gebietet. Es kann vielleicht Ausnahmen davon geben; allein ~ich~ kenne deren keine. Es versteht sich aber, daß hier nicht von der feinern Herrschaft über das Herz eines edlen Gatten die Rede ist: wer wird diese nicht gern einem klugen Weibe einräumen? welcher verständige Mann wird nicht fühlen, daß er oft sanfter Zurechtweisung bedarf? Jene ausschließliche Herrschaft hingegen scheint der Bestimmung der Natur zuwider zu seyn. Schwächerer Körperbau; eingepflanzte Neigung zu weniger dauerhaften Freuden; Launen aller Arten, die den Verstand, oft in den entscheidendsten Augenblicken fesseln; Erziehung; und endlich unsere bürgerliche Verfassung, welche die Verantwortung dessen, was im Hause geschieht, allein auf den Mann wälzt: das alles bestimmt die Gattin, Schutz zu suchen, und legt dem Gatten die Pflicht auf, zu schützen. Nun ist aber doch nichts lächerlicher, als wenn der Weisere und Stärkere bei dem Thoren und Schwachen Schutz suchen soll. Frauenzimmer von vorzüglichen Geistesgaben handeln daher wahrlich gegen ihren eignen Vortheil, und bereiten sich unangenehme Aussichten, wenn sie aus Herrschsucht sich dumme Männer wünschen oder wählen; die sichern Folgen davon sind Ueberdruß, verwirrte Haushaltung und Verachtung des Publikums für einen von beiden Theilen, und das heißt ja: für ~beide~ Theile. Männer aber, die so unmündig am Geiste sind, daß sie die Rolle eines Hausvaters nicht gehörig zu spielen, nicht Herr in ihrem Hause zu seyn vermögen, thun besser, Hagestolze zu bleiben, und sich ein Plätzchen in einem Hospital, oder eine Präbende zu kaufen, als daß sie sich vor Kindern, Hausgesinde und Nachbarn lächerlich machen. Ich habe einen schwachen Fürsten gekannt, dessen Gemahlin so unumschränkte Gebieterin über ihn war, daß, als sie einst bestellt hatte, auszufahren, der Fürst hinunter in den Schloßhof schlich, und den Kutscher, welcher da hielt, leise fragte: »Wisset ihr nicht, ob ich mitfahre?« Wer möchte wohl Geschäfte mit einem Manne treiben, dessen Willen, dessen Freundschaft und dessen Art, die Dinge anzusehen, von den Launen, Winken und Zurechtweisungen seiner Frau abhängen, -- der seine Briefe erst seiner Hofmeisterin zur Durchsicht vorlegen, und über die wichtigsten, geheimsten Angelegenheiten erst Instruktion bei der Toilette holen muß? Sogar in der Gefälligkeit und Aufmerksamkeit gegen die Ehefrau soll der Mann seine Würde nicht verleugnen. Verächtlich ist, selbst den Weibern, ein Mann, der, bevor er sich zu etwas entschließt, erst jedesmal sagt: »Ich will es mit meiner Frau überlegen;« der ihr immer das Mäntelchen nachträgt, sich nicht untersteht, in eine Gesellschaft zu gehen, wo ~sie~ nicht ist, oder der seine treuesten Bedienten abschaffen muß, wenn Madam deren Gesichtsbildung nicht ertragen kann.
17.