Category: Novels

Sämtliche Werke 5-6

>Herr, wir haben in dem Dunkel uns verirrt. Was tun wir nun? Jede Wegspur ist verloren! Teufel haben ganz gewiß uns hier auserkoren, -- zerren jetzt und drehen uns mit Dämonenmacht wohl zickzack im Kreis herum, in dem Schneesturm und der Nacht.

Chapters

1. Part 1

>Herr, wir haben in dem Dunkel uns verirrt. Was tun wir nun? Jede Wegspur ist verloren! Teufel haben ganz gewiß uns hier auserkoren, -- zerren jetzt und drehen uns mit Dämonenma...

2. Part 2

Die beiden Strophen des ersten Mottos hat Dostojewski der Ballade »Bjéssy« von A. Puschkin entnommen und deren Titel auch zum Titel des Romans gewählt: mit »Bjéssy« bezeichnet d...

3. Part 3

Nach seiner Rückkehr aus dem Auslande hatte er als Lektor auf dem Lehrstuhl einer Universität geglänzt, bereits ganz am Ende der vierziger Jahre. Es gelang ihm aber nur, ein paa...

4. Part 4

Der Mai stand in voller Blüte; die Abende waren wundervoll. Maulbeerbäume dufteten. Die beiden Freunde kamen allabendlich im Garten zusammen, saßen bis in die Nacht hinein in ei...

5. Part 5

»Wir waren wie betäubt, als wir abfuhren,« erzählte Stepan Trophimowitsch, »ich konnte noch überhaupt nichts fassen, und ich erinnere mich, zum Rattern der Räder murmelte ich im...

6. Part 6

Eine Zeitlang hieß es von uns in der Stadt, unser Kreis sei eine Pflanzstätte der Freigeisterei, der Sittenverderbnis und der Gottlosigkeit; ja eigentlich behauptete sich dieser...

7. Part 7

Er war ein sehr schöner junger Mann von etwa fünfundzwanzig Jahren, und ich muß gestehen, seine Erscheinung überraschte mich. Ich hatte erwartet, einen schmutzigen, verkommenen,...

8. Part 8

Unser Prinz reiste drei Jahre lang und noch länger, so daß er bei uns fast ganz in Vergessenheit geriet. Unser Kreis freilich wußte durch Stepan Trophimowitsch, daß er ganz Euro...

9. Part 9

Warwara Petrowna sagte nur, sie kenne Darja und das sei alles Unsinn. An _Nicolas_ aber schrieb sie noch am selben Tage und bat ihn sehr, doch wenigstens einen Monat früher zu k...

10. Part 10

Sie wollte ihm offenbar nichts erklären und verließ ihn sichtlich verstimmt. Eine solche Bereitwilligkeit seinerseits hatte sie doch wohl überrascht. Er aber -- ach! -- er übers...

11. Part 11

»Er wird herkommen! Endlich werde ich ... Ja, sehen Sie, ich habe Petrúscha so lange nicht mehr gesehen!« Stepan Trophimowitsch kam von diesem Satz nicht los. »Ich erwarte jetzt...

12. Part 12

»Eh, wollen Sie sich nicht lieber bei Herrn Kirilloff, der mich soeben einen Spion nannte, danach erkundigen? Ich weiß nichts und rede nur so zum Zeitvertreib, das nennt man dan...

13. Part 13

Schatoff war ausgegangen. Nach zwei Stunden ging ich wieder zu ihm -- und wieder war er nicht zu Hause. Um acht Uhr abends ging ich zum dritten Male hin, um ihm, wenn ich ihn wi...

14. Part 14

Stepan Trophimowitsch hörte zerstreut meinen Versicherungen zu, ganz als gingen sie ihn nichts an. Ich erwähnte auch mein Gespräch mit Kirilloff und fügte hinzu, daß ich ihn im...

15. Part 15

»Aber die Hauptsache ist doch, wie wir es drucken! Glauben Sie mir doch endlich, daß es mir mit dem Buch wirklich ernst ist!« beteuerte Lisa in wachsender Unruhe. »Wenn wir es n...

16. Part 16

»Gut, der Gast soll mir willkommen sein. Ich weiß nicht, wen du da mitgebracht hast, ich glaube aber, solch einen habe ich noch nie gesehen.« Dabei sah sie mich, über das Licht...

17. Part 17

An eben diesem Sonntage war der Adel und die ganze Gesellschaft der Stadt fast vollzählig zum Morgengottesdienst erschienen. Man wußte, daß die neue Gouverneurin zum erstenmal n...

18. Part 18

Für Praskowja Iwanowna konnte in einem solchen Empfang nichts Unerwartetes liegen. Warwara Petrowna hatte sie von Kindheit an unter dem Anschein der Freundschaft von oben herab,...

19. Part 19

»Das heißt, gnädige Frau, nicht auf brüderliche ... oder nur in dem Sinne auf brüderliche Art, daß ich der Bruder meiner Schwester bin, gnädige Frau, und, glauben Sie mir, gnädi...

20. Part 20

Um die nun folgende furchtbare Frage Warwara Petrownas verstehen zu können (um derentwillen sie ihn mit dieser Bewegung und diesem Befehl nicht nähertreten ließ), diese Frage, d...

21. Part 21

»Aber Sie können sich ja gar nicht vorstellen, was für Intriguen hier gesponnen worden sind! Sogar unsere arme Praskowja Iwanowna hat man beunruhigt -- und dazu war doch wirklic...

22. Part 22

Was mich an der ganzen Szene am meisten wunderte, das war die erstaunliche Würde, mit der Stepan Trophimowitsch sich hielt. Während der ganzen »Überführung« durch seinen Sohn un...

23. Part 23

Pjotr Stepanowitsch war übrigens nur zweimal zu seinem Vater gekommen, doch zu meinem Bedauern stets in meiner Abwesenheit. Das erste Mal hatte er ihn am Mittwoch besucht, also...

24. Part 24

Er war schon aufgesprungen und fuchtelte wieder mit den Händen, als wollte er sich an ihn gestellter Fragen erwehren: da aber überhaupt keine gestellt wurden und er noch nicht d...

25. Part 25

Die untere Etage war unbewohnt, seitdem man Lebädkins fortgeschafft hatte. Die Fensterläden waren geschlossen. Nur oben in Schatoffs Dachzimmer sah man noch Licht. Da es an der...

26. Part 26

»In Amerika änderten Sie dann Ihre Anschauungen, und als Sie nach der Schweiz zurückgekehrt waren, wollten Sie sich vom Bunde lossagen. Man antwortete Ihnen nicht, sondern beauf...

27. Part 27

»Noch kein einziges Volk,« begann er, als lese er Zeile für Zeile aus einem Buche ab, während er dabei Stawrogin unverändert streng ansah, »noch kein einziges Volk hat sich auf...

28. Part 28

»Ja, Pjotr Stepanowitsch mag wohl ein Astrolom sein und hat jetzt vielleicht auch alle Gottesplaneten erkannt, aber der Allerklügste ist er doch noch nich. Ich bin vor Ihnen, gn...

29. Part 29

»Nun ja, das eine Herz dem anderen Herzen, ich weiß schon, aber man braucht doch nicht gleich blödsinnig zu sein. Wenn Sie den Gedanken hatten, so hätten Sie ihn für sich behalt...

30. Part 30

»Ähnlich bist du ihm, ja, sehr ähnlich, vielleicht bist du auch verwandt mit ihm, -- schlaues Volk! Nur ist _meiner_ ein lichter Falke und ein Fürst, du aber bist eine Eule und...

31. Part 31

»Ich habe durchaus nicht erklärt, daß ich jedesmal in die Luft schießen werde!« rief Stawrogin, der nun wirklich die Geduld verlor. »Wie können Sie wissen, was ich im Sinne habe...

32. Part 32

Natürlich begnügte sich die Gesellschaft auch diesmal nicht mit den bekannten Tatsachen. Man sprach wieder über die Freundschaft Stawrogins mit dem berühmten Grafen K., dessen s...

33. Part 33

»Seht doch, was ein Mensch alles fertig bringt!« Pjotr Stepanowitsch wunderte sich wirklich. »Na, leb wohl, Alter, werde nie mehr zu dir kommen. Den Aufsatz schick etwas früher,...

34. Part 34

»Aber ich kann doch nicht deinen Favorit wie einen Untergebenen traitieren!« verteidigte sich von Lembke. »Und noch dazu, wenn wir unter vier Augen sind ... Ich konnte mich vers...

35. Part 35

Zwei Tage nach diesem aufregenden Ereignis begegnete ich Lisa wieder auf der Straße. Eine ganze Gesellschaft hatte sich zu Wagen und zu Pferde aufgemacht, um irgend wohin zu fah...

36. Part 36

Dieser war schon längst auf das Wiedersehen vorbereitet und hatte täglich gerade so eine plötzliche Aufforderung erwartet. Als er sich in die Equipage setzte, bekreuzte er sich:...

37. Part 37

In einer kleinen Kreisstadt (in derselben, in der Pjotr Stepanowitsch vor nicht langer Zeit mit den Offizieren ein paar Abende lustig zusammengewesen war) hatte der Kommandeur e...

38. Part 38

»Ja, wer leitet denn? Dreieinhalb Menschen! Wenn man sie ansieht, sage ich Ihnen, kann man bloß Lust zum Gähnen bekommen. Und was sind denn das für >Bewegungen bei uns<? Etwa di...

39. Part 39

»Und eine Menge Proklamationen,« fuhr Blümer fort und tat, als habe er die Bemerkung nicht gehört. »Wir werden auf diese Weise bestimmt auf die Spur der neuen Proklamationen kom...

40. Part 40

»In der Gesellschaft entstand der Gedanke,« fuhr er mit derselben Stimme fort, »daß ich damit nützlich sein kann, wenn ich mich töte und daß, wenn Sie hier vieles gemacht haben...

41. Part 41

»Wie es geht? Wie man es sich leichter gar nicht wünschen kann. Warten Sie, ich werde Sie zum Lachen bringen! Also, das erste, das ungeheuer wirkt -- das ist die Montur. Es gibt...

42. Part 42

»Das heißt, wir wissen zum Beispiel, daß das Vorurteil, daß es einen Gott geben müsse, durch den Donner und Blitz hervorgerufen worden ist,« ereiferte sich sofort wieder die Stu...

43. Part 43

»Wieso, warum soll denn das ein Unsinn sein?« griff sofort der lahme Lehrer die Bemerkung auf, als hätte er nur auf das erste Wort von Werchowenski gewartet, um ihn angreifen zu...

44. Part 44

Stawrogin erhob sich, sofort sprang auch Werchowenski auf und stellte sich mechanisch vor die Tür, wie um den Ausgang zu versperren. Stawrogin machte schon eine Bewegung, um ihn...

45. Part 45

Der befand sich in einer sonderbaren Verfassung: er war erschrocken und erregt, und schien doch zu gleicher Zeit zu triumphieren. Auf dem Tisch kochte der Samowar und daneben st...

46. Part 46

Das Erlebnis, das wir unterwegs hatten, war gleichfalls eines von den sonderbaren. Doch ich muß wohl alles in derselben Reihenfolge erzählen, in der es sich zugetragen hat. Unge...

47. Part 47

»Die Mützen ab!« sagte er kaum hörbar und atemlos. »Auf die Kniee!« rief er dann plötzlich laut -- am unerwartetsten wohl für ihn selbst. Und vielleicht war es gerade diese ersc...

48. Part 48

»Erlauben Sie, Ihnen einmal _nicht_ beizustimmen, Karmasinoff,« beeilte sich Julija Michailowna zu bemerken. »Ich habe sonst nichts gegen Karlsruhe, aber Sie lieben zu mystifizi...

49. Part 49

Das Fest war nach dem Programm in zwei Teile geteilt: zunächst, am Vormittage, von zwölf bis vier, sollte die literarische Matinee stattfinden, der Ball aber sollte erst abends...

50. Part 50

Jetzt sahen alle in ihrem Gesicht eitel Glück. Mit offener Miene, in einer prachtvollen Toilette schritt sie am Arm ihres Gemahls durch den mittleren Gang. Offenbar war sie auf...

51. Part 51

Mit einem Wort, wenn ich es auch vielleicht nicht richtig wiedergebe oder es überhaupt nicht wiederzugeben verstehe, so war doch der Sinn des Geschwätzes gerade von dieser Art....

52. Part 52

Ein unbändiges Gebrüll erhob sich von allen Seiten. Ohrenbetäubendes Klatschen und Trampeln erschütterte den Saal. Es applaudierte schon beinahe die Hälfte der Anwesenden. Die H...

53. Part 53

»Ich sehe ein, ja, ich fühle es jetzt selbst, daß ich verpflichtet bin ... aber wie, wenn mich eine neue Schande erwartet? Und wenn der Ball am Ende gar nicht zustande kommt? Ke...

54. Part 54

»Hm, man sagt, keine Stadt könne bestehen ohne sieben Gerechte ... sieben, glaub' ich, müssen es sein, entsin--ne mich nicht mehr genau der vor--schriftsmäßigen Zahl. Ich weiß n...

55. Part 55

Als ich kaum eine Stunde nach der Flucht vom Ball am anderen Ufer anlangte, tobte das Feuer bereits mit größter Wut. Die ganze Straße, die dem Fluß parallel läuft, lohte. Es war...

56. Part 56

»Darin liegt nichts, was Ihre Eigenliebe kränken könnte. Es ist einfach die Wahrheit. Es begann mit einem schönen Augenblick, den ich nicht ertrug. Vor drei Tagen, als ich Sie v...

57. Part 57

Stawrogin stand in der Mitte des Saales und erwiderte kein Wort. Er griff mit der linken Hand in sein Haar und lächelte blicklos. Pjotr Stepanowitsch riß ihn heftig am Ärmel.

58. Part 58

Es war gegen acht Uhr abends und schon ganz dunkel, als am Rande der Stadt, in einem kleinen, schiefen Häuschen, in dem der Fähnrich Erkel wohnte, die _Unsrigen_ sich versammelt...

59. Part 59

Doch Pjotr Stepanowitsch hatte keine Zeit, die alten Römer und ihre Tugenden heraufzubeschwören. Die Flucht Stawrogins hatte ihn für einen Augenblick vollständig aus der Fassung...

60. Part 60

Fedjka sprang auf und seine Augen blitzten vor Jähzorn. Pjotr Stepanowitsch riß seinen Revolver hervor. Und nun kam es zu einem widerlichen kurzen Auftritt: noch bevor Pjotr Ste...

61. Part 61

»Ich ... das heißt, nicht daß ich gerade ... Infolge der Unmöglichkeit, Russe zu sein, bin ich Slawophile geworden,« sagte er, gezwungen lächelnd, mit der Schwerfälligkeit eines...

62. Part 62

»Sie wollen wohl sagen, daß Sie bei der Geburt nicht zu helfen verstehen? Aber davon spreche ich ja nicht! Eine Alte, ein altes Weib, ich bitte Sie um ein altes Weib, eine Krank...

63. Part 63

»Dann werden Sie sie bekommen. Nehmen Sie sich in acht, Kirilloff, ich habe gehört, daß die Fallsucht gerade so beginnen soll. Mir hat ein Epileptiker Wort für Wort so wie Sie d...

64. Part 64

»Jedenfalls schreien Sie nicht so, wir können sonst das Signal nicht hören. Schatoff, meine Herren ... (Teufel noch eins, wie das jetzt dumm ist!) Ich habe Ihnen schon gesagt, d...

65. Part 65

Natürlich erzählt man sich jetzt bei uns viele Geschichten und Einzelheiten über diese ganze Zeit, doch wieviel mag davon wahr sein? Das Nähere werden wohl nur die wissen, die s...

66. Part 66

»Endlich hast du es verstanden!« rief Kirilloff begeistert. »Also kann man es doch verstehen, wenn sogar so einer wie du es verstanden hat! Verstehst du jetzt, daß die ganze Err...

67. Part 67

»Na, wenn Sie's erraten haben,« raunte ihm plötzlich Pjotr Stepanowitsch mit gedämpfter Stimme geheimnisvoll zu, »ich reise mit Briefen von Julija Michailowna und muß dort drei,...

68. Part 68

Er goß das Glas bis zum Rande voll, erhob sich und schritt mit einer gewissen Feierlichkeit durch die ganze Stube zu der anderen Ecke, wo seine Reisegefährtin saß, -- das nette...

69. Part 69

Stepan Trophimowitsch blickte geradezu vorwurfsvoll in das ungewöhnlich belebte Gesicht Ssofja Matwejewnas und machte mehrmals den Versuch, sie zu unterbrechen. Sie aber ließ si...

70. Part 70

»Oh, Sie schamloser, undankbarer Mensch!« rief sie zornig aus, die Hände erhebend. »Ist es Ihnen noch nicht genug, daß Sie mich so bloßstellen und mit irgendeiner ... Oh, Sie al...

71. Part 71

Aber sie kam zu spät. Marja Ignatjewna hatte, nachdem sie die Wärterin zu Arina Prochorowna geschickt, es nicht lange allein ausgehalten, war aufgestanden, hatte sich irgendwie...

72. Part 72

Ich beschuldige wie immer niemanden. Ich habe ein grenzenlos ausschweifendes Leben versucht und meine Kraft in ihm erschöpft: aber ich liebe Ausschweifung nicht, noch wollte ich...

73. Part 73

»Wenn die Nahrungsmittel sich verringern und man mit keiner Wissenschaft weder Nahrung noch Holz zum Heizen erlangen kann, die Menschheit sich aber immer noch vermehrt, so wird...

74. Part 74

»Man hat in diesem unter Vormundschaft verlebten Leben gar zu Weniges lieb gewonnen, um für dieses Leben einzustehen. Es hat sich viel Unzucht und Leichtsinn aufgehäuft. Wenn ma...

75. Part 75

Stawrogin hatte inzwischen Näheres über ihn zu erfahren gesucht, doch was er an Urteilen über ihn zu hören bekam, war sehr verschieden und sogar äußerst widerspruchsvoll gewesen...

76. Part 76

[1] Das Wort »bürgerlich« ist hier und im folgenden nur als parteipolitische Bezeichnung zu verstehen, wie es nach der französischen Revolution und besonders im ersten Drittel d...

77. Part 77

[79] Dostojewski hat die Gestalt des Stepan Trophimowitsch zum Teil nach dem schönen, doch sehr unbedeutenden Dichter Kukolnik gezeichnet, dessen Romane Ende der dreißiger, Anfa...