Category: Novels

Sämtliche Werke 1-2

Wir brauchen in Deutschland die voraussetzungslose russische Geistigkeit. Wir brauchen sie als ein Gegengewicht gegen ein Westlertum, dessen Einflüssen auch wir ausgesetzt waren, wie Rußland ihnen ausgesetzt gewesen ist, und das auch uns dahin gebracht hat, wohin wir heute geb...

Chapters

1. Part 1

Wir brauchen in Deutschland die voraussetzungslose russische Geistigkeit. Wir brauchen sie als ein Gegengewicht gegen ein Westlertum, dessen Einflüssen auch wir ausgesetzt waren...

2. Part 2

der Wille der Selbstbejahung, der »Wille zur Macht«, der dem Willen zur Selbstverleugnung, zur Selbstvernichtung entgegengesetzt ist; die Empörung gegen die alte, gegen die neue...

3. Part 3

Ja, dieses sonderbare Wort fällt »aus dem Ton der Unterhaltung heraus«: es mag ihm gleichsam im Versehen entschlüpft sein. Es ist ein jenseitiges, fast religiöses Wort. Denn, we...

4. Part 4

Er war so schlecht angezogen, daß mancher, auch der es gewöhnt war, sich geschämt hätte, in solchen Lumpen am Tage auf die Straße zu gehen. Freilich war dieses Viertel derart, d...

5. Part 5

»Das heißt völlig aussichtslos, wenn man schon im voraus weiß, daß nichts daraus wird. Sagen wir, Sie wissen zum Beispiel vorher und zweifellos, daß dieser Mann, dieser wohlgesi...

6. Part 6

»Mit mir Mitleid haben! Mitleid haben!« -- rief Marmeladoff plötzlich laut und erhob sich mit ausgestreckter Hand, sich gebärdend, als hätte er bloß auf diese Worte gewartet. --...

7. Part 7

»Mein lieber Rodja,« schrieb die Mutter, »es ist über zwei Monate her, seit ich mit dir brieflich gesprochen habe; darunter habe ich selbst gelitten, und manche Nacht haben mich...

8. Part 8

Ich habe schon erwähnt, daß Peter Petrowitsch sich jetzt nach Petersburg begibt. Er hat dort große Geschäfte vor, will in Petersburg ein öffentliches Bureau als Advokat eröffnen...

9. Part 9

So quälte er sich und peitschte sich mit diesen Fragen; es bereitete ihm sogar einen gewissen Genuß. Und alle diese Fragen sie waren ihm nicht neu und unerwartet; sie waren alt,...

10. Part 10

Er erinnerte sich wieder daran, als er an einer Speiseanstalt, einer Art Garküche, vorbeiging und fühlte, daß er Hunger hatte. Er trat ein, trank ein Gläschen Branntwein und nah...

11. Part 11

An einem anderen Tische, fast neben ihm, saß ein Student, den er nicht kannte, und dessen er sich nicht erinnerte, und ein junger Offizier. Sie hatten eine Partie Billard gespie...

12. Part 12

Ein Fluch kam über seine Lippen. Als er zufällig in einen Laden hineinblickte, sah er, daß die Wanduhr dort schon zehn Minuten über sieben zeigte. Nun mußte er sich beeilen und...

13. Part 13

Als die Klingel blechern erklirrte, schien es ihm, als ob in dem Zimmer sich jemand rühre. Einige Sekunden lauschte er. Der Unbekannte schellte noch einmal, wartete ein wenig un...

14. Part 14

Das Bureau war ein paar hundert Schritte von seinem Hause entfernt. Es war kürzlich in neuen Räumen in einem neuen Hause im vierten Stocke untergebracht worden. In dem alten Bur...

15. Part 15

Raskolnikoff gab die Feder zurück, aber anstatt aufzustehen und wegzugehen, stützte er die Ellbogen auf den Tisch und preßte mit den Händen den Kopf zusammen. Es war, als ob man...

16. Part 16

Er drückte die Münze fest in die Hand, ging etwa zehn Schritte und wandte sich mit dem Gesichte zur Newa, in der Richtung des Winterpalais. Der Himmel war ohne die geringste Wol...

17. Part 17

»Das habe ich aus Schuftigkeit gesagt ... Meine Mutter muß beinahe betteln gehen ... und ich log, damit man mich wohnen ließe und ... mir zu essen gebe,« sagte Raskolnikoff laut...

18. Part 18

Raskolnikoff wandte sich zu der Wand, wählte auf der schmutzigen gelben Tapete mit weißen Blümchen eine plumpe weiße Blume mit braunen Strichen aus und begann sie zu betrachten,...

19. Part 19

Anstatt zu antworten, ließ sich Raskolnikoff langsam auf das Kissen nieder, steckte die Hände unter den Kopf und begann die Zimmerdecke zu betrachten. Eine bedrückte Stimmung ze...

20. Part 20

Kaum aber war sie hinausgegangen, als er aufstand, die Tür zuhakte, das Bündel mit Kleidern, das Rasumichin vorhin gebracht und wieder zugebunden hatte, aufmachte und sich anzuk...

21. Part 21

»Gut. Ich hätte folgendermaßen gehandelt,« begann Raskolnikoff, indem er plötzlich sein Gesicht wieder dem Sametoffs näherte, ihn unverwandt anblickte und wieder im Flüstertone...

22. Part 22

»Also soll ich hingehen oder nicht?« dachte Raskolnikoff, indem er mitten auf der Straße an einer Kreuzung stehen blieb und sich umsah, als erwarte er von jemand das entscheiden...

23. Part 23

»Ach, Väterchen! Das sind nur Worte und weiter nichts! Verzeihung! Sehen Sie, wenn er nicht überfahren wäre, wäre er heute betrunken nach Hause gekommen, -- er hat nur ein Hemd,...

24. Part 24

»Gar im Fieber? Nein ... Du heiratest Luschin um meinetwillen. Ich aber nehme das Opfer nicht an. Und darum schreibe morgen den Brief ... mit der Absage ... Gib ihn mir morgen f...

25. Part 25

Fast nach einer Stunde vernahm man Schritte auf dem Korridor, und bald darauf wieder ein Klopfen an der Türe. Beide Frauen warteten, diesmal vollkommen dem Versprechen Rasumichi...

26. Part 26

»In bezug auf Rodja könntet ihr beide euch irren,« -- sagte Pulcheria Alexandrowna etwas pikiert. -- »Ich rede nicht von dem jetzigen, Dunetschka. Das, was Peter Petrowitsch in...

27. Part 27

»Das ist richtig,« antwortete ihm Raskolnikoff mit Bedacht, »ich erinnere mich an alles, bis auf die geringste Kleinigkeit, aber dennoch, denk dir, -- warum ich das getan und do...

28. Part 28

»Ach ... Sie sind es? ...« sagte Raskolnikoff außerordentlich verwundert, und wurde plötzlich selbst verlegen. Er dachte sofort daran, daß die Mutter und die Schwester aus dem B...

29. Part 29

»Vor dem muß man auch ein Klagelied anstimmen,« dachte er erbleichend und mit Herzklopfen, »und es recht natürlich machen. Am besten wäre vielleicht, nichts vorzuklagen. Absicht...

30. Part 30

»Sonst wurde nichts zugelassen!« unterbrach ihn Rasumichin voll Eifer, »ich schwindle nicht! ... Ich will dir ihre Bücher zeigen, -- an allem soll die sogenannte >gute Gesellsch...

31. Part 31

»Und wenn es so ist, würden Sie in diesem Falle sich entschließen, -- nun, sagen wir, wegen irgendwelcher Fehlschläge und beschränkter Verhältnisse oder auch um irgendwie die Me...

32. Part 32

»Daß es diese Alte war, war vielleicht ein Irrtum, aber die Hauptsache liegt nicht an ihr. Die Alte war nur eine Krankheit ... ich wollte schneller darüber hinweg schreiten ......

33. Part 33

»Ich weiß nicht, was ich Ihnen da sagen soll. Dieses Dokument genierte mich fast gar nicht. Ich hatte keine Lust, irgendwohin zu reisen, und Marfa Petrowna riet mir selbst ein p...

34. Part 34

Sonderbar, bis jetzt war ihm noch nie der Gedanke gekommen, »was wird Rasumichin denken, wenn er es erfährt?« Und bei diesem Gedanken blickte Raskolnikoff ihn gespannt an. An de...

35. Part 35

Diese letzte Anmaßung war dem Charakter von Peter Petrowitsch so entsprechend, daß Raskolnikoff, bleich vor Zorn und Anstrengung an sich zu halten, sich nicht enthalten konnte u...

36. Part 36

Es war ein großes Zimmer, aber außerordentlich niedrig, das einzige Zimmer, das Kapernaumoffs vermieteten; in der Wand links war eine verschlossene Tür, die zu ihnen führte. Auf...

37. Part 37

»Es lag aber einer krank mit Namen Lazarus, von Bethanien ...« sagte sie endlich mit Anstrengung, aber bei dem dritten Worte zitterte plötzlich ihre Stimme und brach ab, wie ein...

38. Part 38

»Porphyri Petrowitsch,« begann er gereizt, aber entschlossen, »Sie äußerten gestern den Wunsch, daß ich zu einem Verhöre herkommen sollte.« (Er betonte besonders das Wort _Verhö...

39. Part 39

»Ja, Väterchen, Rodion Romanowitsch, ich weiß noch ganz andere Dinge von Ihnen; ich weiß alles! Ich weiß auch, wie Sie, als es dunkelte, in der Nacht _eine Wohnung zu mieten_ gi...

40. Part 40

»Warum denn nicht; diesen armen Nikolai haben Sie wahrscheinlich auch ordentlich psychologisch in Ihrer Weise gequält und gemartert, bis er gestanden hat; haben ihm wahrscheinli...

41. Part 41

Andrei Ssemenowitsch fand ihn heute ungewöhnlich gereizt und unaufmerksam, trotzdem er ihm sein Lieblingsthema über die Errichtung einer neuen eigenartigen »Kommune« auseinander...

42. Part 42

»Man könnte es, aber ... darüber können wir nachher ... das heißt, man könnte gleich heute den Anfang machen. Wir wollen uns noch einmal am Abend sehen, es besprechen und sozusa...

43. Part 43

Ssonja beeilte sich sofort, ihr die Entschuldigung von Peter Petrowitsch mitzuteilen und versuchte so laut zu sprechen, daß es alle hören konnten, gebrauchte gewählte und ehrerb...

44. Part 44

»Nicht? Sie wissen nichts?« fragte Luschin sie noch einmal und schwieg wieder. »Denken Sie nach, Mademoiselle,« begann er dann streng, aber als rede er ihr immer noch im Guten z...

45. Part 45

»Jetzt ist mir alles vollkommen klar,« -- fuhr Raskolnikoff fort und wandte sich an Lebesjätnikoff. -- »Gleich am Anfange der Geschichte hatte ich den Verdacht, daß irgendein ge...

46. Part 46

Sie fiel kraftlos auf das Bett mit dem Gesichte auf das Kopfkissen hin. Aber nach einem Augenblicke erhob sie sich schnell, rückte zu ihm hin, erfaßte seine beiden Hände, drückt...

47. Part 47

»Sei kein Kind, Ssonja,« -- sagte er leise. -- »Welche Schuld habe ich vor ihnen? Wozu soll ich hingehen? Was soll ich ihnen sagen? Das sind alles bloß Gespenster ... Sie vertil...

48. Part 48

»Einer Pension für junge Mädchen, ha! ha! ha! Was weit herkommt, hat gut lügen -- sagt das Sprichwort!« -- rief Katerina Iwanowna aus; nach dem Lachen überfiel sie ein starker H...

49. Part 49

»Sie hat mich in diesen Tagen kein einziges Mal angeblickt und mir noch kein Wort gesagt,« dachte Raskolnikoff. Die Sonne beleuchtete hell das Zimmer; der Weihrauch stieg in fei...

50. Part 50

»Ich bin zu der Ansicht gekommen, daß es besser für uns ist, jetzt in aller Offenheit zu verhandeln,« fuhr Porphyri Petrowitsch fort, seinen Kopf ein wenig zurückwerfend und die...

51. Part 51

»Weil ich mich, wie ich Ihnen schon vorhin erklärte, für verpflichtet halte, Ihnen eine Erklärung abzugeben. Ich will nicht, daß Sie mich für ein Scheusal ansehen sollen, umsome...

52. Part 52

»Es scheint so. Zweimal habe ich es Ihnen gesagt. Die Adresse hat sich Ihrem Gedächtnisse mechanisch eingeprägt. Sie schlugen auch diesen Weg mechanisch ein, indessen streng der...

53. Part 53

»Es ist derselbe. Ich sehe, daß auch dies alles Sie außerordentlich interessiert, und werde es für meine Pflicht halten, bei der ersten besten Gelegenheit Ihre Neugier in allen...

54. Part 54

Sswidrigailoff verließ das Restaurant. Raskolnikoff folgte ihm. Sswidrigailoff war nicht sehr stark berauscht; der Wein war ihm bloß auf einen Augenblick zu Kopf gestiegen und d...

55. Part 55

»Ah, also du lügst! Ich sehe ... du hast gelogen ... du hast alles gelogen! ... Ich glaube dir nicht! Ich glaube nicht! Ich glaube nicht!« schrie Dunetschka in wahrer Wut und ve...

56. Part 56

Man erfuhr später, daß er am selben Abend, in der zwölften Stunde, noch einen sehr exzentrischen und unerwarteten Besuch gemacht hatte. Der Regen hatte noch immer nicht aufgehör...

57. Part 57

»Ein Albdrücken die ganze Nacht!« Er erhob sich zornig und fühlte, daß er ganz zerschlagen war; seine Knochen schmerzten ihn. Draußen war ein dichter Nebel und man konnte nichts...

58. Part 58

»Mit ihr habe ich viel _darüber_ gesprochen, mit ihr allein,« sagte er sinnend, »ihrem Herzen habe ich vieles davon mitgeteilt, was nachher sich in so häßlicher Weise erfüllt ha...

59. Part 59

»Es ist wohl wahr, der Durst nach Bildung ist grenzenlos; aber nachdem einer sich gebildet hat, muß es für ihn genug sein. Warum denn es mißbrauchen? Warum denn ehrenhafte Perso...

60. Part 60

Aber wenig erfreuliches konnten Dunja und ihr Mann aus diesen Nachrichten, besonders im Anfang, schöpfen. Ssonja teilte immer nur mit, daß er ständig düster, wenig gesprächig se...

61. Part 61

Sie war auch diesen ganzen Tag in großer Erregung, und in der Nacht wurde sie sogar wieder krank. Aber sie war so glücklich, daß sie fast erschrak vor ihrem Glücke. Sieben Jahre...