Category: Novels

Der Bürger

„Ehrenwort!“ sagte er heftig zu sich selbst und las wieder den Titel der philosophischen Abhandlung. Seine Hand, die das Geld hielt, war naß. Der Blick zuckte fortwährend von der Broschüre zum Ziffernblatt. Der Zeiger stand knapp vor fünf.

Chapters

1. Part 1

„Ehrenwort!“ sagte er heftig zu sich selbst und las wieder den Titel der philosophischen Abhandlung. Seine Hand, die das Geld hielt, war naß. Der Blick zuckte fortwährend von de...

2. Part 2

Er überschrie noch eine Weile seine qualvolle Ohnmacht mit den Worten: „Gott, dem Allmächtigen, hat es gefallen ...“, blickte die Nadel an, die im Papageienauge steckte, den Fad...

3. Part 3

Er mußte sich auf das Kanapee setzen, über dem, in ovalen Rahmen, symmetrisch zu einem großen Oval geordnet, die vergilbten Photographien der Familie Kolbenreiher hingen. In der...

4. Part 4

„... denn wenn alle Beamten hier in diesem Bureau gewissenhaft ihre Pflicht tun – und das kann als sicher angenommen werden –, so daß keiner entlassen wird, werden Sie, Herr Sei...

5. Part 5

Von einem Philosophiestudenten war Jürgen einem dunklen, sehr schönen jungen Mädchen asiatischen Gesichtsschnittes vorgestellt worden, das ungeniert sich sofort fast ganz entkle...

6. Part 6

Und plötzlich entsann er sich des Abends, da er, geladen bei einer der vornehmsten Familien des Landes, solchen Frauen begegnet und Zeuge geworden war von Gesprächen zwischen Gr...

7. Part 7

Da verschwand Katharinas Mann. Nicht dieser, sondern Jürgen ist mit ihr verheiratet, empfängt die phantastisch wunderbar gekleideten chinesischen Würdenträger, von denen vor lau...

8. Part 8

Niemand wunderte sich über den sorgfältig gekleideten Gast; es kam öfters vor, daß elegante Bummler, Frackherren, oft sogar mit ihren Damen, nach Ball- oder Barschluß als letzte...

9. Part 9

„... Denn überall haben in Wirklichkeit die Monopolisten die ganze Macht: eine Macht, so unbeschränkt, daß auch die Schule, Kanzel, Presse, öffentliche Meinung, Polizei, Militär...

10. Part 10

„So gewiß es ist, daß die Natur die Trennung der Menschen in Klassen, das heißt: die Verhunzung des Menschen durch die kapitalistische Gesellschaftsordnung, immer wieder aufhebt...

11. Part 11

Die Maschine funktioniert, dachte Jürgen und schritt der Ausgangstür zu. Da schoß ein schon älterer, stoppelbärtiger Mann mit schwärenbesetztem Gesicht und verschleimten Augen a...

12. Part 12

Es sei, wie immer, die Brust, antwortete die Tante. Sie trug, wie immer, ihr schwarzseidenes Spitzenkopftuch, sah ganz unverändert aus. Bei dem linken Ohre beginnend, über Schlä...

13. Part 13

Sie war in dieser Stunde innerlich so grau und alt geworden, daß sie geglaubt hatte, für den Geliebten nicht einmal mehr Verachtung empfinden zu können. Und nun schlug sie, verl...

14. Part 14

Das Streichquartett spielte auf Wunsch von Jürgens Schwiegermutter zum zweitenmal die Träumerei von Schumann. Die servierenden Diener hatten weiße Handschuhe an. Das Hufeisen da...

15. Part 15

‚Da irrt er sich. Das gesamte nicht.‘ Sie hatte ihm nur die schwer zu verheimlichenden Papiere anvertraut und den größeren Teil ihrer Aktien bei ihrem alten Bankier gelassen. „D...

16. Part 16

Der Artillerieoffizier im Zimmer nebenan polterte auch jetzt: „Na, du kleiner Racker!“ Als ob nicht er und nicht sein Batteriechef, der ihm Vorbild war, sondern der schon seit H...

17. Part 17

Da unten taumelt ein empfindsamer Jüngling umher, getroffen von einem Worte, in Verzweiflung und Leid versetzt durch einen Blick. In ununterbrochene Qualen gestellt durch das Le...

18. Part 18

Angefangen hatten diese Zustände vor einem Jahre. Er geht spazieren und muß plötzlich stehenbleiben, hat Atembeschwerden, ist nicht imstande, an einem Ecksteine oder an einem Ba...

19. Part 19

„Dies ist es, was Sie von dem Vollbürger unterscheidet. Der hält diesen Zustand sehr gut aus. Denn sein Ziel ist: Haben, haben, haben und immer noch mehr haben. Und er bleibt in...

20. Part 20

Und sah, von unermeßlichem Entsetzen geschüttelt, zu, wie das Bild auf der Papprückwand erschien, und hörte die bekannten Worte: „Ich versichere Ihnen, so wahr es ist, daß sehr...

21. Part 21

Sein Schema benutzte er nicht. Denn immer, wenn er planvoll vorgehen wollte, fürchtete er, Jürgen werde zu der Zeit, da er ihn in Berlin O suche, in Berlin W sein. Er fragte vie...

22. Part 22

„Da bin ich ganz deiner Meinung, Vorstand“, wiederholte der zweite Vorstand und ließ den ersten Vorstand vorangehen, hinein in das Gesangvereinslokal, in dem die Tenor- und Baßt...

23. Part 23

„Aber nein! Das heißt, ich freue mich natürlich sehr, Sie zu sehen, Herr Kolbenreiher ... Beruhigen Sie sich! Bleiben Sie hier! Nur Ruhe!“ rief er beschwörend Jürgen zu, der ruh...