Category: Novels

Vögelchen

Fürsten der Erde und Sklaven, blutig gegeißelt, Kamen wie Brüder zusammen im Dome unserer Andacht: Den Friedenskuß brachten wir allen gezeichneten Stirnen, Der Erde drückendste Träume wie heimlich Seufzen der Mutter waren uns verständlich Und, wo sich abwandten unsere Brüder v...

Chapters

1. Part 1

Fürsten der Erde und Sklaven, blutig gegeißelt, Kamen wie Brüder zusammen im Dome unserer Andacht: Den Friedenskuß brachten wir allen gezeichneten Stirnen, Der Erde drückendste...

2. Part 2

Es begab sich, daß Mannsthal, der Doktor und Vögelchen an einem blauen Juliabend an das jenseitige Ufer des Sees ruderten. Dort war vor kurzem ein verlassenes Schloß zu einer Fr...

3. Part 3

Die Admiralin stand auf und sagte: »Pfui, schämen Sie sich.« Vögelchen erbleichte. Einen Augenblick hielt sie den Atem an, dann brach es aus ihr aus: »Pfui, ja pfui über Sie all...

4. Part 4

Vögelchen war sogleich von Argwohn erfüllt. Sie haßte es, von fremden Leuten betrachtet zu werden. Blicke krochen ihr bis an die Haut und verursachten ihr oft Unbehagen. So hatt...

5. Part 5

Adalbert Mannsthal war damals zweiundzwanzig Jahre alt, aber auch er schien älter in seiner Selbständigkeit und er war in jeder Weise beherrscht und sicher in seinem Auftreten....

6. Part 6

Als Vögelchen den Brief verschloß, träumte ihr Blick den Garten hinab zum See, der sich dort wie eine tiefblaue Wand aufstellte. An seinem Ende erblickte sie einen aufschnellend...

7. Part 7

Der Respekt vor dem Vater hatte den jungen Uhrmacher bislang gehindert, sein wahres Gefühl zu zeigen. Er liebte Rosina nicht mehr, er schämte sich ihrer und immer gab es ihretwe...

8. Part 8

Ausreißen konnte man immer noch. So gab er sich scheinbar zufrieden. Aber die Stadt begann ihren verderblichen Einfluß zu üben. Hatte er am See nur seiner Arbeit an dem Buche »V...

9. Part 9

»Ach!« sagte Hedwig traurig. »Er war kein Hund. Er liebte mich und deshalb trieb ihn der Haß. Er hat die Brauerstochter geheiratet, nun hält er's bei ihr nicht aus und läuft mir...

10. Part 10

»Hier ist es schön,« sagte sie. »In der Stadt dort ist alles so betäubend. Hier habe ich auch dich. Auch in der Nacht kommt noch all das Viele von den fremden Frauen dir nach. D...

11. Part 11

Als er in Paris angekommen war, fand er es zunächst erstaunlich, daß, wiewohl die Mitternachtstunde nicht fern, viele Menschen vor kleinen Tischen dichtgedrängt auf der Straße s...

12. Part 12

Vögelchens Lippen lispelten es und sie waren bleich wie die einer Toten. Und nun hörte er die Stimme der Leroux, die heiser kreischte, und er hörte sie nicht. Marguerite hatte s...

13. Part 13

»Ja,« erwiderte er voll Andacht, »denn es gibt auch rächende Engel. Die Frau aber in ihrer Vollendung kennt nur Linderung und Verzeihen. Aber an sie zu glauben, ich hielt es für...

14. Part 14

Während dieser Zeit hatte Givo Arabella ein einziges Mal gesehen, der Besuch seiner Mutter hatte ihn verhindert zu Angele zu kommen. Dies eine Mal hatte er sie in der Nähe des O...

15. Part 15

Eine hellklingende Glocke rief um zwölf Uhr alle Bewohner zu Tische. Ein Säugling und ein Zweijähriges blieben mit der Amme auf dem Zimmer. Vor dem Essen mußte immer ein anderes...

16. Part 16

»Jung mit grauen Haaren,« sagte Celia. »Um so stärker erleben wir die Liebe, wenn sie spät kommt. Aber wie immer wir sie erfahren, sie muß uns willkommen sein. Wir dürfen nicht...

17. Part 17

Konrad wehrte mit wortloser Geste dem Redeschwall. Nun rückte Marguerite nahe an ihn heran, legte den Arm um seine Schulter, kniff ihn ermunternd in den Arm und sagte: »Wer weiß...

18. Part 18

Nachmittags entfernte sich Arabella, nachdem sie Cecile einen Brief zurückgelassen. Helene sah ihr angstvoll nach. In einem Päckchen hatte sie das Nötigste für die Reise. Es war...

19. Part 19

Nonnengesang hatte sie an diesem Morgen geweckt. Sie sah das fast blödsinnige Lächeln der Priorin, das aus einer Welt heiliger Einfalt zu kommen schien. Dort im Gasthof erwartet...

20. Part 20

»Das dachtest du, Gaston? Wolltest mir wohl Gute Nacht sagen?« fragte Celia mit Milde. »Ein anderes Mal stürm' nicht so, Gaston.« Er küßte ihre Hand, vor Givo verneigte er sich...

21. Part 21

»Ach Gott, Sie haben geläutet,« rief sie -- sie bemerkte die Nachbarin, schlug ihr die Türe vor der Nase zu und geleitete den Gast in das Atelier, das ihr und dem eben abwesende...

22. Part 22

Nun kam der Tag, wo Givo ihr sagen mußte, daß er nun mit der Mutter wohnen würde. Mutter, konnte sie es begreifen, war ihr nicht ein leeres Wort, was andere als unantastbares Gu...

23. Part 23

Helene war nach ihrem Aufenthalt bei Arabella mit Alphi zu dessen Vater übergesiedelt und hatte das verwaiste Hauswesen neu eingerichtet. Sie war fast siebzehn Jahre alt und ihr...

24. Part 24

Da kam ein Brief von Adalbert und Angele, dem einige Zeilen von Karinskis Hand beigefügt waren. Man war zusammen in Nizza, in dem unvergleichlich schönen Villenbesitz Mannsthals...

25. Part 25

Als er des Morgens erwachte, erkannte er sie im Dämmerlicht. Sie schlug die Augen auf und lächelte. Er sah fern den Strand, ihr Kindergesicht mit den klaren Augen, die zu ihm au...

26. Part 26

Als Zora mit Manuel kam, die Kleine zu holen, ließ Helene das Kettchen unter das Kleidchen der Kleinen gleiten. Als es abends im Eisenbahnzug entkleidet wurde, sah es Givo. Er e...

27. Part 27

Die Türen der anstoßenden Räume waren offen und darin die kleinen Kunstwerke auf Tischen mit schwarzen Tüchern aufgereiht. »Wie eine Aufbahrung,« dachte Vögelchen und es war ihr...

28. Part 28

Es war an dem Tag, der dem Eröffnungsabend des Gastspieles Calese voranging, als Arabella, von plötzlichem Lufthunger ergriffen, das Fenster ihres Salons öffnete. Ein föhnartige...

29. Part 29

Überall sind nun die Eingänge in das brennende Haus von drängenden Menschen verrammt, von übelriechendem Qualm und Finsternis. Givo aber hat sich einen Weg erkämpft, eine Türe r...