Vögelchen

Part 29

Chapter 292,698 wordsPublic domain

Überall sind nun die Eingänge in das brennende Haus von drängenden Menschen verrammt, von übelriechendem Qualm und Finsternis. Givo aber hat sich einen Weg erkämpft, eine Türe reißt er auf, da fährt er entsetzt zurück, über eine Stiege kommt glühendes Blei geflossen, in Kaskaden springt es daher. Ein Ausgang wird endlich freigelegt, Beamte, Feuerwehrleute, Offiziere versuchen mit Fackeln einzudringen, manch einer kehrt wieder um, aber Givo tastet ihnen nach und bald ist er im Innenraum, sucht in den entsetzlichen Trümmern die Logen zu erkennen. Aber von oben her sind die Galerien herabgestürzt und der Platz, der ehemals das Parterre vorgestellt, ist ein entsetzlicher Trümmerhaufen von qualmendem Holz und Menschenresten. Noch ist die Hitze und der Rauch so groß, daß ein übermenschlicher Wille nur das Vordringen möglich macht. Grauenvoll ist der Anblick der ragenden Traversen der Galerien, an denen Leichenteile hängen, hohnvoll sind noch da und dort metallene Schnüre zierlich um verkohlte Stoffdraperien geschlungen, glühend schmelzende Gasrohre ragen wie feurige Bäume empor. Givo weiß, in diesem Hause ist niemand mehr am Leben, auch Zora nicht, wenn sie nicht gleich die Loge verlassen hat, von der aus sie sich leicht hatte retten können. Aber er folgt den Männern und, wo sie eingreifen um Leichen zu bergen, ist er an erster Stelle. Dann fällt ihm ein, daß Zora seither in ihre Wohnung zurückgefahren sei und ihn dort erwarten mochte. Er sieht es wieder vor sich, wie sie ihn am Arm faßt, um mit ihm hinauszudrängen, und er sich losreißt, über die Brüstung ins Parkett springt und in rasender Angst, er könne die fliehende weiße Gestalt aus dem Auge verlieren, nach rückwärts drängt, wo sie durchkommen muß, ehe sich der Weg vor dem Ausgang teilt. Wie er dann, auf einem Sitze stehend, um nicht abgedrängt zu werden, Arabella zuruft und winkt und -- Ewigkeit dünkten ihm diese Augenblicke -- endlich sie in seinen Armen hochhebt und hinausträgt. Im Gang draußen, im atemberaubenden Gedränge erlischt das Licht. Arabella sprach nicht, sie preßte nur fester die Arme um seinen Nacken, zwischen Qual und Gefahr fühlten sie traumhaft das unfaßbare Glück des Wiedersehens. Dann trat die Stockung ein und erst da, im endlos scheinenden Warten, wußte er, daß er nicht beide mehr retten kann, die Geliebte und die Frau. Blitzschnell hatte er es überdacht, Arabella, die Gefährdete, hinauszutragen und gleich dann nach Zora auszuschauen, die den näheren Weg ins Freie hatte. In der Finsternis aber hätte er Zora nicht wiedergefunden. Und ebensowenig vermöchte er nun nach Stunden eine Spur von ihr zu erblicken. Ein grausiges Abwarten steht ihm bevor, falls er die Frau nicht zu Hause findet. Als man im Hotel die Frage, ob seine Frau heimgekehrt sei, verneint, fühlt er nicht Schmerz und Sorge um sie, die vielleicht durch seine Schuld zugrunde geht. Er weiß nur dumpf das Elend der vielen dort; das seine ist ein Teil von dem ihren. Die englische Bonne, die über Noemis Schlaf wacht, weiß nichts vom Feuer. Er sagt ihr rasch, was geschehen ist und daß er zurückkehre zu helfen und zu bergen. Für Zora nichts. Er zweifelt an ihrer Rückkehr. Er hat sie aufgegeben.

Die folgenden Tage vergehen unter Nachforschen zwischen entstellten Leichen und Leichenresten auf der Brandstätte, in Spitälern und Totenkammern. Von verkohlten Klumpen, zerbrochenen Skeletten, deren Gesichter keine Spur mehr eines physiognomischen Ausdruckes trugen, nährte sich stundenlang sein suchender Blick. Hier und dort klebte noch ein Fetzen eines Kleidungsstückes, an manchen Fingern glänzte ein Ring. Auf der Brust lag manchem das vorgefundene Geld, das in der Hitze seine Formen verändert hatte. Das Kind war neben dem Greise gebettet, der Handwerker im Kittel neben der reichgekleideten Dame, um die noch goldene Ketten hingen, kunterbunt waren sie aneinandergereiht, furchtbar zur Strecke gebracht. Aus dem entsetzlichen Gemenge verkohlter Leichen wurde in den Foyers nach Reliquien gesiebt und geschaufelt. Weniges nur bot Anhaltepunkte zur Agnoszierung der Toten. Eine kleine rührend zarte Hand fand sich, die Hand eines Kindes oder einer jugendlichen Frau, verkalkt und am Gelenk abgetrennt, die Nägel schmal und gepflegt. Givo erschrak, denn sie erinnerte ihn an Vögelchens Zartheit. Inmitten des Grauens stürzte er weg, um sich zu vergewissern, daß sie lebe, daß sie nicht etwa, aus Angst um ihn sich in den Brand wagend, ihr Leben verloren hat. Wieder stand er vor ihrem Hause, zu dem ihn vor dem tragischen Wiedersehen schon Sehnsucht getrieben hatte. Er erfuhr vom Portier, daß die Gräfin bei ihrer Mutter sei, er hätte Auftrag ihn zurückzuhalten, falls er Herr Givo wäre. Aber Imanuel kann und will nicht, will Arabella nicht sehen, bevor die traurige Arbeit nicht zu einem Ende gekommen ist. Eine schauererregende Ausstellung muß er besuchen. Auf weißen Porzellantellern liegen im Polizeihause die gesammelten Reliquien der Toten. Kleiderfetzen, Schmuckstücke, Sacktücher, Schlüssel, Kämme, Liebespfänder, allerlei Kleinigkeiten, die man bei sich zu tragen pflegt. In einem Zimmer ist auf Tischen eine große Anzahl von Uhren zur Schau gestellt. Manche ticken noch laut, als wäre ein Rest vom Leben ihrer Besitzer in ihnen zurückgeblieben. Geisterhaft stille und laut erregte Menschen irren mit Givo zwischen den tragischen Resten. Traurige Gewißheit wird manchem zuteil, der die armseligen Überbleibsel des Vermißten wiederfindet. Aber Givo, wiewohl er vor dem Schauerlichsten nicht zurückschreckt, um eine Spur zu finden, erforscht nichts. Ist Zora -- immer wieder kommt ihm dieser Gedanke -- freiwillig verschwunden, wie sie so oft gedroht, wenn ihre Nerven anstürmten gegen Givos kühlen Frieden. Aber sie, die sich einen Künstlernamen erworben, konnte sie im Leben untertauchen, als wäre sie wirklich verbrannt, konnte sie zu einem ungenannten Stäubchen werden, sie, die mit aller Kraft nach Ruhm gestrebt?

Machte sie es wahr, was die Asketen ihrer Sekte predigen, aufzugehen im lebendigen All, ein heimlich beseelter Teil, sonst nichts? Und Noemi, deren Zärtlichkeit sie nur ungern geduldet, würde die sie nicht aus ihrem Verborgensein locken? Er wußte dies eine: wo immer sie war, sie hatte verschwinden wollen. Rettung war ihr möglich gewesen trotz aller Verhängnisse. Zunächst dem Ausgang war ihre Loge gelegen. War sie um seinetwillen, um der Gefährdung willen, in die er sich begeben, zurückgeblieben? Es kam keine Antwort auf diese Fragen.

Asche

»So jemand zu mir kommt und haßt nicht seinen Vater, Mutter, Weib, Kinder, Brüder, Schwester und dazu sein eigenes Leben, der kann nicht mein Jünger sein.«

(Lukas 14, 33.)

Arabella, deren Nerven schon vor der Katastrophe mit Hochdruck gearbeitet hatten, fand kaum die Kraft sich all des Entsetzlichen zu besinnen. In ihren Fieberträumen sah sie ein blutendes Feuermeer und daraus hervorsteigen ihn, den Geliebten, den Erwarteten, das Heiligtum ihrer Liebe zu Himmeln entführend, die kein Rauch mehr von irdischem Geschehen berühren kann. Und sie sah wahr, Givo hatte sie gerettet, hatte nach jahrelanger Trennung das Kleinod seines Gefühles aus dem brennenden Unheil getragen. Wie körperlos war diese Rettung, nicht die Frau hatte er dem Untergang entrissen, das Weib, das er besitzen wollte, die Hülle war es seines geheimen Heils, das er durch Jahre der Kämpfe, der Sehnsucht hinter siebenfach verschlossenen Altären anbetend verwahrte. Ihn verlangte nicht nach Lebendigem. Was er über die Gräfin Arabella Karinska erfuhr, das hatte wenig gemein mit dem Gral seiner Seele. Eine junge Frau, vom Geld ihrer Anbeter in einem kleinen Palast lebend -- Vollblutpferde, die ein niedliches Kammermädchen mit Zucker füttert, scharren vor dem Tor -- während oben ein Fenster sich öffnet und die Herrin zusieht, wie es den Lieblingen mundet: so hatte, im Parke verborgen, Givo, der Mann, der nach der Geliebten Sehnsucht trug, sie erblickt. Eine verwöhnte Frau, die nichts mehr weiß vom Jammer der Welt, von den Elendvierteln von London, den Judenverfolgungen in Rußland, dem Sklavenhandel und der Nachtarbeit der Fabrikskinder. Zwischen seinem Leben und Streben und dem ihren, das im Luxus versandet, liegt eine Welt. Aber ihre Seelen wissen nichts von dieser Kluft, sie leben vereint untrennbar, unentwirrbar. Daß er sie retten konnte und darob Zora verlor, daß diese ins Unerklärliche verschwand, es erstaunte ihn nicht. Nichts war ihm wunderbar, ihm, der im Wunderbaren lebte, ihm, der Erden des Schmerzes wie unter den gekrampften Händen eines ohnmächtigen und dennoch unablässig schöpferischen Gottes tief unter sich zucken fühlte. Wie weit war er gewandert seit jener Nacht, da ihm das lichte Vögelchen mit dem zuweilen so schwermütigen Gezwitscher entflogen war! An die Gestade mythischer Welten war er gelangt. Er schrieb ihr:

»Geliebte, ich sende Dir mein Kind. Seine Mutter ist tot, verschwunden. Sie war eine Unglückliche. Ich habe, wie Du weißt, auch meine Mutter getötet, nun diese Frau. Laß mich Dir fern bleiben. Ich tauge nicht zu Frauen. Mein Weg ist nicht wirtlich. Bleib fern ihm! Ich will Deine heiligen Füße nicht blutig sehen im Dornengestrüpp dieses Weges. Du sollst die Musik der Sphären mit mir teilen, nicht das Wimmern der Menschenqual, das meinen Tag einsingt: Wenn mein Kind bei Dir Heimat fände, wie dankte ich es Dir! Sei ihm, was Cecile Dir einst war. Ich komme, wenn ich nicht mehr besessen bin von den Bildern des Grauens, die in den Leichenkammern der Verkohlten sich in meine Augen brannten. Ich komme, Dich zu umarmen und zu -- gehen. Dein

Givo.«

Luise meldet einen Herrn. »Ein Herr in Uniform, von der Marine,« sagt sie. Arabella liegt müde danieder und immer schreckt sie zusammen, wenn es läutet, denn sie erwartet Givo. Zuerst meint sie, wenn er käme, würde alles gut, die Vereinigung vollendet, wenn er auch vom Gehen schrieb, aber wie sie so lange wartend liegt, kommt wieder Hellsichtigkeit über sie und sie weiß, daß sie ihn nicht wieder gewinnen kann. Die Stunden schleiern wie Asche auf sie herab und sargen sie ein. Als Luise den Marineoffizier meldet, weiß sie gleich, daß es Normayr ist. Sie hat ihn nicht gesehen seit jener Fastnacht, nur einmal dem immer in der Ferne Versprengten einen Gruß durch einen Kameraden gesandt. Nun ist er gekommen, weil er in Triest, sich eben ausschiffend, in den Zeitungen las, daß auch sie im brennenden Theater gefährdet gewesen. Seltsam, oft muß sie an ihn gedacht haben, denn er ist ihr nicht fremd; sie fühlt plötzlich eine stille Geborgenheit, die von seiner Ruhe ausgeht und die ihr die Qual der Wartestunden nimmt. Und obwohl das Gespräch konventionell bleibt, ist eine verborgene Herzlichkeit, eine wissende Wärme unter den Worten geborgen: die Hoffnung auf ein sicheres Wiedersehen zu ruhigerer Zeit. Wie er dann gegangen ist, um bald wieder sich für eine Nordpolexpedition einzuschiffen, rinnen rasch, sie selbst überraschend, Tränen über ihre Wangen herab. Sie weiß selbst nicht, wem sie gelten, ihm, Givo, sich selbst. Dem Leben wohl, dem Leben!

Und tagsdarauf stand ein blasses Kind mit großen, stillen Augen und dem lieblichsten Mund neben seiner englischen Nurse vor der Türe der fremden Gräfin, bei der es nun wohnen sollte. »Gehen wir nicht hinein?« fragte es. »Oh luk!« Die Kleine hatte glückselig den Papagei erblickt. Arabella hörte den Ausruf des Kindes und stürzte aus ihrem Bette, ihrer entkräfteten Glieder wieder mächtig. »Mein Kind, mein Liebling!« Noemi erschrak nicht. Die Frau im weißen Gewand mit dem blassen Dulderangesicht glich einem Engel. Es kam ihr eine Erinnerung, ohne daß sie es wußte, und unwillkürlich griff sie an ihr Perlenkettchen. Dann sagte sie leise der knieenden Frau, auf die Wange deutend, in deren Blässe das Feuermal brannte: »Was hast du da? Tut es weh?«

»Nein, Kind, nein, nichts schmerzt mehr, denn nun bist du ja bei mir, bei mir,« und sie verbarg ihr Antlitz in der Kleinen Lockenhaar.

Etwa drei Monate nach diesen Begebenheiten erhielt der Graf wieder ein Schreiben:

»_Mon cher_ Nicolai, es geht besser, seitdem ich draußen in Heiligenstadt wohne. Mutter ist bei mir. Sie, die alles stiller um mich macht. Und Noemi heißt der Glücksquell, aus dem ich schöpfe. Ich brauche Dir nichts zu sagen von diesem meinem zweiten Leben, in das ich zurückgekehrt bin, nachdem ich es damals in Tresano in den Tagen, als ich Dich zum ersten Male sah, verließ. Unbewußt war ich ja wohl oft darin zu Gaste und gefühlt hab' ich es immer in den Liebesumarmungen, und wenn ich schöner Musik lauschte, da war ich ihm am nächsten. -- Jetzt aber lebe ich in Weihe. Du wirst es mir nicht glauben, ich war froh, als Givo abgereist war. Ich ertrug seine Nähe nicht, es war, als müßte ich vor Glück vergehen, als müßte er in diesem zweiten Feuer mit mir verbrennen. Es war zu viel. Das ist nichts für Menschen, so ein überirdisches Glück! Givo ist jetzt in Russisch-Polen, lebt dort unter den orthodoxen Juden, die er erretten will. Ich verstehe nicht ganz, wie er es plant. Ich glaube, er will ihnen Liebe wecken, Sie leben nur im Geist, sagt er, er möchte sie zurückführen zu den Dingen. Er möchte ihnen das ruhelose Irren nehmen, ihre Seelen sollen in ein höheres leibliches Leben eintreten, um zu gesunden. Er sieht das heutige Judentum wie eine Abnormität, eine Krankheit. Dort, wo es auf schönen Wegen war, soll es in ein Sektenwesen ausgeartet sein, das er zurückleiten will zur Liebe. Wer könnte es besser als er, der sich niemals über die anderen erhebt, sondern ihresgleichen wird, um zu helfen. Aber ich fürchte, er wagt zu viel. Wirst Du ihn beschützen dort? Ich weiß, daß er schwach ist, ich weiß es. Ich vertraue ihn Dir an, Nikolai!

Und was mich betrifft? Dein Scheidungsbrief ist vorläufig überflüssig. Manuel ist vor den Gerichten nicht Witwer, weil er keinen Beweis erbringen konnte, daß seine Frau verbrannt ist. Eine Reihe von Jahren muß hingehen, bis der Tod gesetzlich beglaubigt ist. Und wozu auch eine Ehe eingehen? Wir sind einig, wie wir es immer waren, und ein Leben wie Mann und Weib es führen, scheint uns nicht beschieden zu sein. Er muß seinem Genius Deva Nahuscha folgen und sein Lebenswerk weiterfördern in Klüften und Bergen, in denen ihm göttliche Sonne strahlt. Vielleicht ist er ein Märtyrer und ich muß ihm dereinst mit meinen Haaren das Herzblut stillen wie Magdalena des Heilands Füße trocknete. Leb wohl. Du hörst Heiteres, sobald der Frühling mich Frierende erwärmt. Deine

Bella.«

Ende

Aus den nachgelassenen Schriften des Maurus Perbon geht hervor, daß sein Meister Imanuel Givo, dem er sich anläßlich seiner Lehrerschaft in Polen und Rußland anschloß, während eines Pogroms, fälschlich für einen Juden gehalten, deren Verteidigung er übernommen hatte, um das Leben kam. Dem Bericht ist hinzugefügt: »Seine Tochter Noemi Cecilia lebt bei seiner Herzensfreundin, der Frau Arabella von Normayr.«

Wie ersichtlich, hatte sich Arabella mit ihrem Jugendfreund, dem nachmaligen Admiral, vermählt. Mannsthal besuchte sie vor ihrer Verheiratung und bei dieser Gelegenheit soll sich ein Unglück ereignet haben, das allerdings glimpflich ablief. Auf nicht völlig aufgeklärte Art ging in den Händen der Gräfin ein Revolver los und traf ihren Stiefvater an der Schulter. Die Dienstboten behaupteten, daß zur nämlichen Stunde die Herrin im Hause vergeblich und sehr erregt nach ihrer heißgeliebten Ziehtochter, der vierzehnjährigen Noemi, gesucht habe und diese schließlich schwer geängstigt bei dem wunderlichen Herrn Mannsthal angetroffen hatte. Luise, die noch immer bei ihr diente, wollte gehört haben, wie die Gräfin zu der alten Frau Gunter gesagt hatte: »Gott sei Dank, ich kam gerade recht.« Der alte Herr Mannsthal war dann vor der Hochzeit, die in aller Stille stattfand, noch mit dem Arm in der Schlinge abgereist.

Die zweite Ehe der Gräfin Karinska, die mit dem Grafen Nicolai bis zu dessen Tode in regem Briefwechsel verblieb, soll still und sehr glücklich gewesen sein. Doch starb Arabella von Normayr allzufrüh an einer akuten Herzkrankheit.

Angele hatte die traurige Pflicht ihren Gatten, den Admiral, zu verständigen, der sich eben auf einer Seereise befand. Über das Meer dröhnte ein Kanonenschuß. Dreihundertzwanzig Matrosen knieten und beteten. Eine schwarze Fahne stieg langsam mastaufwärts und flatterte im Abendwind, der von den Küsten Japans Blütenduft auf den Schwingen trug. Leise löste sich über den gleichmäßigen Wellen der grünlichen See die schmale Rauchsäule in die Unendlichkeit.

Ende

Druck von »Norbertus« Buch- und Kunstdruckerei vorm. J. Roller & Co. Gesellsch. m. b. H., Wien.

Anmerkungen zur Transkription

Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Weitere Korrekturen sind hier aufgeführt (vorher/nachher): [S. 98]: ... Flügel sie zuweilen streiften, und wir ihr dann auch vor ... ... Flügel sie zuweilen streiften, und wie ihr dann auch vor ...

[S. 237]: ... versorgte sie tagsüber das neun Monate alt Kindchen, ... ... versorgte sie tagsüber das neun Monate alte Kindchen, ...

[S. 270]: ... blaß, er neigte sie vor, die Antwort rasch aufzufangen. ... ... blaß, er neigte sich vor, die Antwort rasch aufzufangen. ...

[S. 371]: ... Mistelweg des Heiles bruderselig vom Stamme schnitt. ... ... Mistelzweig des Heiles bruderselig vom Stamme schnitt. ...