Category: Novels

Ruth

In der Morgenstille war nichts vernehmbar als das helle, langgezogene Trillern der kleinen Buchfinken im jungen Birkenlaub. Die breite, ungepflasterte Straße, die sich, nicht weit von der russischen Hauptstadt, in der Richtung der finnländischen Bahnlinie ins flache Land erstr...

Chapters

1. Part 1

In der Morgenstille war nichts vernehmbar als das helle, langgezogene Trillern der kleinen Buchfinken im jungen Birkenlaub. Die breite, ungepflasterte Straße, die sich, nicht we...

2. Part 2

Erik hatte die blauen Hefte hervorgezogen und blätterte darin, wobei er jedoch von Zeit zu Zeit einen Seufzer ausstieß. Im Grunde waren dies wirklich recht langweilige Schulheft...

3. Part 3

Wie eines jener kleinen Insekten, welche zum Schutz vor feindlichen Mächten die Farbe des Holzes oder des Laubes annehmen, auf dem sie sitzen, so verhielt sich, halb unbewußt, a...

4. Part 4

Sie nahm ihre Mütze vom Kopf und besann sich. In Gedanken durchlief sie die ganze Entstehungsgeschichte ihres Entschlusses, vom ersten Schuleindruck an, -- aber die ließ sich ja...

5. Part 5

»Keine Bilder. Nur ein Knallbonbon. Das brachte er mir einmal vom Kaiser mit. Von einem Galadiner. Ich glaubte so bestimmt, es müßten goldene Kleider drin sein. Aber Großpapa me...

6. Part 6

Und als er nun in jener Sturmnacht in seinen hohen Schifferstiefeln und seinem nassen Wollwams hereintrat, da hörte sie auf zu beten und streckte ihm mit einem Freudenschrei bei...

7. Part 7

Ruth merkte nicht, daß er ging. Sie blieb mit emporgezogenen Knieen sitzen, die Arme auf die Kniee, und das runde Kinn auf die geballten Hände gestützt, wie auf zwei Säulen. So...

8. Part 8

»Ich möchte nicht, daß du später allein bleibst, ohne Beschäftigung und Morgenfrische,« sagte Erik; »arbeiten sollst du nicht. Vielleicht solltest du mit mir zur Schule kommen....

9. Part 9

»Ja!« sagte sie froh, »Sie wollten sie mir aus dem Kopf herausnehmen und alle für sich behalten. In den Kopf sollte nur lauter Vernünftiges hinein. Sie sagten damals: ›Nun sind...

10. Part 10

Wie sie es vorausgesehen, befand sich Erik erst Stunden später auf dem Heimweg. Er hatte mit vielen andern dem Freunde das Geleit bis zum Moskauer Bahnhof gegeben, und dann blie...

11. Part 11

Als sie damals aus seiner Stadtwohnung nach Hause fuhr, hatte sich ihr fortwährend ein ganz abscheulicher Vergleich aufgedrängt. Sie konnte denselben nicht verscheuchen. Immer s...

12. Part 12

Erik stand mit einemmal im Halbdunkel dicht neben ihr. Er hob die Hände und strich leise über ihr Haar hin, so daß sie sich in den weichen, lockigen Wellen verloren, und dann bl...

13. Part 13

In dieser Nacht lag Klare-Bel viel wach und dachte an Ruth und an Erik. Sie hatte bestimmt geglaubt, Ruth werde bis zum Spätherbst bei ihnen im Haus und dann, vom Hause ihres On...

14. Part 14

Erik war außer stande, sich wieder schlafen zu legen; er kleidete sich vollständig an. Er fühlte sich frei; wie erfrischt von einem langen, gesunden Schlaf, wie gekühlt und gest...

15. Part 15

Klare-Bel im Hintergrunde der Wohnstube, in einem großen, bequemen Lehnstuhl. Jonas am Eßtisch: er hatte die Lampe dicht herangerückt, um besser sehen zu können, was er in sein...

16. Part 16

»Es mag ja sein. Aber dann kam wohl noch allerlei hinzu, was nur im Mündlichen liegt. Dein ganzes Wesen kam hinzu. Du bist ja so jung und frisch im Wesen, Erik.«

17. Part 17

»Weil ich diese Stütze hasse, -- diesen Halt, der mich ersetzen soll. Nein, weil ich mich dessen schäme, -- daß er mich ersetzen muß. Weil ich kein Mitleid mehr mit dir habe, --...

18. Part 18

Warwara war sehr überrascht, als sie am nächsten Tage Erik auf der Straße traf und von der bereits jetzt bevorstehenden Abreise seiner Frau hörte. Sie redete auf das lebhafteste...

19. Part 19

»Deine schönen Märchengeschichten,« fuhr er nach einer kurzen Pause fort, »habe ich dir zerschlagen müssen, weil sie dein volles Leben aufhielten. Das schmerzte nicht sehr, denn...