Category: Novels

Kornelius Vanderwelts Gefährtin

Das Mädchen stand mitten auf der Landstraße, als Kornelius Vanderwelts Wagen in weiter Ferne wie eine winzige Staubwolke sichtbar wurde. Die Hände hielten das im Winde flatternde Mäntelchen in den Taschen am Körper fest. Der kleine Handkoffer ruhte wohlbehütet vor dem Straßens...

Chapters

1. Part 1

Das Mädchen stand mitten auf der Landstraße, als Kornelius Vanderwelts Wagen in weiter Ferne wie eine winzige Staubwolke sichtbar wurde. Die Hände hielten das im Winde flatternd...

2. Part 2

»Lassen Sie das meine Sorge sein, Beckenried. Ob Sie einmal aus Altersschwäche, sozusagen stückweise in den Himmel kommen, oder durch einen wilden Sprung -- doch das gehört nich...

3. Part 3

»Frau Ausdemwerth ist eine sehr liebenswürdige Dame,« meinte Kornelius Vanderwelt und spürte ein leises Erröten vor den Kindern, »aber man muß nicht auf Schmeicheleien hören, so...

4. Part 4

Der Schiffer schlug sich die Mütze ins Genick, legte das Steuer um und nahm Kurs ins Freie. Und schon stand statt seiner der lange Hein vor dem Herrn aufgepflanzt, die schwarze...

5. Part 5

»Herr Vanderwelt, arme Leut haben immer Durst. Durst un Hunger. Auf en ordentlich Stampglas Schnaps, auf en staatses Frauenzimmer, dat mit einem et Tanzbein schwingt, un nich zu...

6. Part 6

»Da schlägt die Uhr drei. Seit zehn Uhr wenigstens gehören Sie ins Bett. Jetzt werde ich Sie in Ihr Zimmer bringen, und Sie stehen nicht vor Mittag auf. Ausnahmsweise werde ich...

7. Part 7

Er nahm ein Notenheft vor, blickte hinein und schlug lässig an. Es war die Mozartsche Sonate, die er geübt hatte. Lässig spielten die Hände die perlenden Tonfolgen und wischten...

8. Part 8

»Nur das Wasser verbindet die Erde,« betonte Kornelius Vanderwelt immer wieder. »Wer zur See gefahren ist, weiß es am besten und weiß vor allem, wie winzig die Erde ist und wie...

9. Part 9

»Ach nein, Fräulein Freydag,« spottete das Mädchen, »die schweren Stunden sind für die Dummen, die alle Sachen schwer nehmen. Die Klugen schlagen einen Bogen, wie wir's in der S...

10. Part 10

Kein Herbst wollte kommen, so glühte die Sonne dieses Jahres in den September, in den Oktober hinein. Der Wasserstand des Rheines senkte sich bis auf die Riffe und Bänke im Stro...

11. Part 11

Die Nachtstunden beim Matthes hatten Kornelius Vanderwelt gut getan. Das Kreisen seiner Gedanken war unterbrochen worden. Andere Bilderreihen hatten sich eingefügt. Nach kurzer...

12. Part 12

Todernsten Gesichtes, aber die Augen voll Glück erschien der Leutnant Beckenried, mit einer verlegenen Lässigkeit in Wort und Gebärde der Unteroffizier Vanderwelt. Das erste Wie...

13. Part 13

»Jetzt ist die Reihe an mir, Ausschau und Einschau zu halten, Angela-Engel. In Köln tat ich es nur blindlings, auf der Fahrt halb träumend. Das also -- das ist die Wirklichkeit.«

14. Part 14

»Nach Paris. Wie habe ich die Augen, wie habe ich die Ohren, wie habe ich alle Sinne geöffnet, um alles in mich hineinzutrinken, was die Stadt an Kunst mir bot. Alle die ungezäh...

15. Part 15

Und er blieb froh, und sie blieb es mit ihm über alle Maßen. Tief im Brunnen ihrer Kindheit verschüttete Gaben und Begabungen tauchten auf, aus den Zeiten, da sie als halbflügge...

16. Part 16

»Dazu haben Sie gewiß das Recht,« sagte Angela Freydag und knöpfte ruhig ihren Handschuh zu. »Ich vermochte nicht zu glauben, daß eine Tochter so sehr von ihrem Vater verschiede...

17. Part 17

Oft erzählte sie ihnen Geschichten aus all den Teilen der Erde, die sie auf ihren Fahrten besucht hatte: von den Indianern der Felsengebirge, den Goldsuchern Kaliforniens, den W...

18. Part 18

»Erst habe ich den Körper angestaunt, der einmal so jugendschön gewesen war. Vergeudet, vertan in einem wilden Leben, das nur sich anerkannte und seinem Begehr keine Schranken s...

19. Part 19

Eine schöne und lehrreiche Erbauungsstunde hatte der Spötter Thomas ihr Zusammensein genannt. Das Wort blieb in Angela Freydag hängen und fand den Weg zum abwägenden Verstand. E...

20. Part 20

Kornelius Vanderwelt war jetzt viel zu Hause. Die wenigen laufenden Geschäfte zu erledigen, hielt nicht schwer, und an den Wiederaufbau wollte er erst herangehen, wenn die Abrec...

21. Part 21

Vor Köln machte der Schleppzug seine erste Nacht. Es war eine Maiennacht, in der das Märchen mit der Sage einen Reigen schlang, dicht über den Augen der Schauenden. Dort geister...

22. Part 22

Droben aber, in Kornelius Vanderwelts Schlafgemach, warf er sich über des Vaters Bett und umklammerte ihn mit Armen und Händen. Und als er Angela Freydags schmerzstillende Hände...

23. Part 23

»Es heißt, daß dein einstiger Gatte und dein einstiger Schwiegervater nicht an Weichherzigkeit zugrunde gehen werden. Daß sie Geschäftsleute und nichts als Geschäftsleute sind u...

24. Part 24

»Soll ich mich durch Ihren Besuch geschmeichelt fühlen, Fräulein Magdalene, oder das niederdrückende Bewußtsein auf mich nehmen, daß es für ein junges Mädchen kein Wagnis bedeut...

25. Part 25

»Zu Frau Engel, Herr Vanderwelt. Zu der Frau, die nur das hohe Ziel kennt und sich darum nie erniedrigt. Und wenn sie Wäsche spülen müßte. Solch ein Vorbild sollten Sie sich auc...

26. Part 26

»Rheinseitig, Engel, rheinseitig. Der Rhein weiß nicht, wer ich bin, und wenn er es zu wissen glaubt, denkt er an einen waschlappigen Kerl, dem man nicht einmal eine Frau anvert...

27. Part 27

»Es sind so anstrengende Tage für uns,« klagte Frau Juliane. »Unsere Freunde tun ja für uns, was sie können, um uns über unsere trüben Gedanken hinwegzubringen, aber es bleibt d...