DE Prosa

Königliche Hoheit: Roman

Es ist auf der Albrechtsstraße, jener Verkehrsader der Residenz, die den Albrechtsplatz und das Alte Schloß mit der Kaserne der Gardefüsiliere verbindet -- um Mittag, wochentags, zu einer gleichgültigen Jahreszeit. Das Wetter ist mäßig gut, indifferent. Es regnet nicht, aber d...

Chapters

1. Part 1

Es ist auf der Albrechtsstraße, jener Verkehrsader der Residenz, die den Albrechtsplatz und das Alte Schloß mit der Kaserne der Gardefüsiliere verbindet -- um Mittag, wochentags...

2. Part 2

»Eine Rede,« sagte der Finanzminister, »mit der Eure Exzellenz mir zu opponieren gedachten, während Sie mich damit unterstützen. -- Teuerster Baron« -- und hierbei legte Herr vo...

3. Part 3

Dies war das Gespräch des Grimmburger Arztes mit dem Großherzog. Ganz kurz darauf verließ Johann Albrecht die Burg und kehrte mit Extrazug in die Residenz zurück, hauptsächlich...

4. Part 4

Aber unterdessen verfielen seine übrigen Schlösser. Herrn von Bühl standen einfach nicht die Mittel zur Verfügung, ihre Verwahrlosung zu verhindern. Und doch war es schade um ma...

5. Part 5

Damals hatte er Unterricht bei Schulrat Dröge, Rektor der städtischen Schulen, der zu seinem ersten Lehrer bestellt war. Schulrat Dröge war sachlich von Natur. Sein Zeigefinger,...

6. Part 6

So gingen sie und stöberten, wie sie Lust hatten. Ruhe herrschte in den Korridoren, und sie sahen kaum von fern einen Lakaien. Sie stiegen eine Treppe höher und verfolgten den G...

7. Part 7

Klaus Heinrich bemerkte mit Einverständnis, daß in sachlicher Beziehung die Ansprüche, die man an ihn stellte, sich rasch verminderten. Schulrat Dröges faltiger Zeigefinger haft...

8. Part 8

Einigemal im Jahr fuhr die »Fasanerie« in die Residenz, um den Aufführungen klassischer Opern und Dramen im großherzoglichen Hoftheater beizuwohnen; besonders Klaus Heinrichs Ge...

9. Part 9

Die Stimmung hob sich mit jeder Tour. Die Bewegungen wurden freier, die Zurufe kecker. Man fing an, mit den Füßen zu stampfen und schwang beim Vorwärts und Rückwärts, während ma...

10. Part 10

Zwischen dem Lakaienpaar hindurch, das mit einem Ausdruck von Unerbittlichkeit die Lippen zusammenpreßte und die Augen schloß, hielt man Einzug in die weiß-goldene Weite des Thr...

11. Part 11

Großherzog Johann Albrecht starb an einer furchtbaren Krankheit, die etwas Nacktes und Abstraktes hatte und eigentlich mit keinem anderen Namen als eben dem des Todes zu bezeich...

12. Part 12

Klaus Heinrich verließ gegen fünf Uhr die Eremitage. Da sonniges Wetter herrschte, hatte er die Chaise bestellt, und das offene, braun lackierte Gefährt, blank gewaschen, wenn a...

13. Part 13

»Nein, ich will euch etwas sagen, was mir heute während Krippenreuthers Vortrag eingefallen ist. Hier in der Stadt lebt ein Mann, ein kleiner Rentner mit einer Warzennase. Jedes...

14. Part 14

»Danke. Nein. Es geht mir schlecht, und meine Gesundheit zeigt sich den Anforderungen, die man an mich stellt, immer weniger gewachsen. Wenn ich sage ›Anforderungen‹, so meine i...

15. Part 15

Die Sitte der Freiaudienzen war von einem wohlmeinenden Vorgänger Albrechts II. geschaffen worden, und man hielt fest daran. Einmal in der Woche war Albrecht, war an seiner Stat...

16. Part 16

»Sehr wenig, Königliche Hoheit. Lediglich ganz kleine Andeutungen davon. Nein, die Sache ist umgekehrt die, daß, wenn ich der Mann wäre, das alles zu erleben, ich nicht nur nich...

17. Part 17

Die Gräfin Löwenjoul ihrerseits gab auf stillere, aber nicht weniger sonderbare Weise Anlaß zum Gerede. Anfänglich, als ihre Person und Stellung in der Stadt noch unbekannt war,...

18. Part 18

Er hatte bis halb zwölf Uhr im Alten Schlosse »Freiaudienzen« erteilt und war nach ihrer Beendigung nicht sofort nach Schloß »Eremitage« zurückgekehrt, sondern hatte seinem Kuts...

19. Part 19

Er hielt sich aus Höflichkeit zu ihrer Linken und lächelte, wie er es tat, wenn er durch Ausstellungen geführt wurde, die Fronten von Veteranen, Turnern und Ehrenkompanien muste...

20. Part 20

»Allerdings«, sagte sie mit Bestimmtheit und sogar ein wenig gereizt. »Denn die Wohltat geschah ja an mir, als es der Erfahrungen zu viele geworden waren und der Bogen hätte spr...

21. Part 21

Mehr als einmal empfand Klaus Heinrich in seinem Gesicht die kleine schmerzliche Verzerrung, die er damals in dem der guten Schwester-Oberin gesehen, und dennoch glaubte er deut...

22. Part 22

»Sie haben einen Freund?« fragte Fräulein Spoelmann gewissermaßen erstaunt und sah ihn an. »Von dem müssen Sie mir einmal erzählen«, fügte sie hinzu. »Und auf Schloß Fasanerie s...

23. Part 23

»Königliche Hoheit!« sagte er, Glück in der Stimme, »tun Königliche Hoheit mir auch einmal wieder die Ehre an? Und das gnädige Fräulein!« setzte er mit andächtiger Stimme hinzu;...

24. Part 24

Ein andermal kam er mit gesenkter Stimme auf die »Eulenkammer« im Alten Schlosse zu sprechen und vertraute ihr an, daß neuerdings wieder Lärm darin beobachtet worden sei, was au...

25. Part 25

»Ja,« sagte er, »verzeihen Sie, das ist unsere Art von Rosen. Sie ist von dem Stock in einem der Höfe des Alten Schlosses. Haben Sie niemals davon gehört? Es hat seine Bewandtni...

26. Part 26

Dort hauste er, mit seinem Leibarzt, seiner elektrisch betriebenen Orgel und seiner Gläsersammlung, hinter den Säulen, den Bogenfenstern und gemetzten Laubgewinden des Lustschlo...

27. Part 27

»Aber, Imma, Sie müssen Geduld mit mir haben und etwas Nachsicht ... Bedenken Sie doch, ich bin noch ungelenk ... es ist fremder Boden! Ich weiß nicht, wie es kam ... Ich glaube...

28. Part 28

Aber Herr von Knobelsdorff antwortete: »Zu weit? Nein, fürchten Königliche Hoheit nicht allzu ausführlich sein zu müssen. Ich bekenne, daß ich über Euerer Königlichen Hoheit Erl...

29. Part 29

»Es war hübsch heute«, sagte sie mit ihrer gebrochenen Stimme, als er für diesmal Abschied nahm -- und er fühlte, wie ihre schmale, zartknochige Hand die seine mit kräftigem Dru...

30. Part 30

Herr von Knobelsdorff begab sich unverzüglich in die Mitte der Dinge und sprach von dem Verkehr des Prinzen Klaus Heinrich auf Schloß »Delphinenort«. Albrecht wußte davon. Selbs...

31. Part 31

Drei Viertel des Schuljahres waren so verwichen, da war, vor Weihnachten, die Ankündigung ergangen, daß der beurlaubte Professor, recht leidlich genesen, nach den Freiwochen sei...

32. Part 32

Herr von Bühl zu Bühl hatte das seine getan, um einen eindrucksvollen Zug zusammenzustellen -- den Brautzug, in welchem man sich über die Treppe Heinrichs des Üppigen durch eine...