Category: Novels

Die vom Niederrhein

Schiefergrau schob der Rhein seine Wassermassen an Düsseldorf vorbei. Er zwängte sich stöhnend durch die Joche der alten Schiffsbrücke und entpreßte den Bohlen und Planken der bauchigen Brückenkähne denselben hellsingenden, melancholischen Ton, den einst der lustige Bergwind d...

Chapters

1. Part 1

Schiefergrau schob der Rhein seine Wassermassen an Düsseldorf vorbei. Er zwängte sich stöhnend durch die Joche der alten Schiffsbrücke und entpreßte den Bohlen und Planken der b...

2. Part 2

Mit gefalteten Händen stand er, den Hut unterm Arm, feierlich, unbeweglich, staunend, als hätte er nie zuvor das Himmelsschauspiel genossen. Tönten nicht auch Harmonien um ihn h...

3. Part 3

»Soeben überbrachte ich der schönen Hausfrau Botschaft von meinem Jungen. Zum Leutnant befördert, vor dem Feinde, und als Marschsoldat ausgerückt. Ja, mein Lieber, so weit hätte...

4. Part 4

»Wegen Hannes?« Der junge Kunstaspirant warf sich in die Brust. »Nee, Backfische sind nicht mein Schwarm. Ich muß schon was Reiferes haben, =à la= Rubens, verstehst du? Der wußt...

5. Part 5

Hans Steinherr nahm sich vor, dem Professor nach Schulschluß eine Entschuldigung vorzutragen. Aber kaum war die Glocke des Pedells erklungen, als sich auch schon Hüsgen an ihn h...

6. Part 6

»Lieber Schack, ich habe schon als kleiner Junge nicht für die Geschichten geschwärmt, denen im Lesebuch eine Moral in Vers oder Prosa angehängt war. Wenn die Geschichte nicht f...

7. Part 7

Paolo in weißem Samtwams. Das Wams über der Brust zerrissen, die nackte Brust von Blut gerötet. Francesca hält den Taumelnden fest. Das zarte Nachtgewand liegt wie ein Duft um d...

8. Part 8

»Das Kind war die Johanna — —. Ein Schmerzenskind. Denn meine Tochter starb bald danach, und ich wurde die Mutter. Und deshalb, sehen Sie, deshalb nahm ich die geringste Arbeit...

9. Part 9

Und jedesmal, wenn der Junge nach solch einer Szene gegangen war, hatte der Maler die Arbeit beiseite geschoben und war auf die Veranda hinausgetreten, an der das Weinlaub rubin...

10. Part 10

»Ein bißchen festlichen Glanz muß Burg Springe doch hergeben,« meinte er schmunzelnd. »Ein Turnier kann ich in der Kürze der Zeit leider nicht abhalten lassen. Hoffentlich haben...

11. Part 11

»Ich spreche in vollem Ernst. Und weil ich mich bemühe, dich als einen nunmehr erwachsenen Menschen anzusehen, laß ich die Ammenmärchen, die für das Proletariat gut sind, beisei...

12. Part 12

»Wollen Sie mir nicht erwidern? Auch dann nicht, wenn ich — wenn ich Ihnen sage, daß ich — bis heute — darunter gelitten habe? Ich bin ja heute eine alte Frau. Achtunddreißig Ja...

13. Part 13

Draußen auf der Straße wartete Springe auf sie. Er tat keine Frage, und sie gingen eine ganze Weile, ohne zu reden, nebeneinander her. Aber das Schweigen brachte sie einander nä...

14. Part 14

An schmeichelnden Sommerabenden setzte sich Heinrich Springe an seinen Flügel und Hannes ließ ihren warmen Alt erklingen. Und wenn die Lieder ausgeströmt waren und die Stimmung...

15. Part 15

»Sie wissen, es ist die erste Reise, die das Schiff macht. Es ist seine Hochzeitsreise, seine Vermählung mit dem Meere. Und nun hat sich die Nacht gesenkt und die Neugier hat di...

16. Part 16

»Diesmal gilt es den anderen. Schwupp — und sie hat ein Dutzend Triumphstühle übergossen. Empfinden Sie nicht das Groteske des Vorspiels? Ganz wie bei den alten Meistern. Erst d...

17. Part 17

»Also war es doch keine Halluzination.« Er lachte, drehte sich um und sah sie mit seinen strahlenden grauen Augen an, die sonst so geheimnisvoll das Feuer behüteten. »Die andere...

18. Part 18

Über Hans Steinherrs Seele gingen die Wandlungen, welche die Außenwelt mit ihm vornahm, spurlos hinweg. Es war dasselbe Fluten und Ebben in ihm, derselbe Wechsel von Rausch, Ern...

19. Part 19

Nun stand sie auf der Höhe, und das Leben war ihr tributpflichtiger denn je. Nach der Sklavenrolle der ersten Ehe die Herrscherrolle der zweiten. Unumschränkte Freiheit, und die...

20. Part 20

In seinen Augen flackerte es, als er die Dame des Hauses in den Salon führte. Seine Haltung war noch aufrechter als sonst, seine Miene kalt und abweisend wie meist. Aber es war...

21. Part 21

»Ganz richtig. Mit Herrn Friedrich Leopold gemeinsam. Philemon und Baucis und sonstiges aus der Geschichte berühmter alter Liebespaare. Ein paarmal wollt’ ich schon den Kaplan h...

22. Part 22

Als es gegen elf Uhr ging, verabredeten sie, da das Wetter heiter war, eine Rendezvousstelle am westlichen Ausgang des Tiergartens. Springe nahm einen Wagen und fuhr zum Kurfürs...

23. Part 23

»Donnerwetter,« sagte der alte Herr eifrig, »dann heißt es eine anlegen; auf einer Basis, so groß und breit und tief und unveräußerlich, wie — na — kurz — wie ein Fideikommiß. D...

24. Part 24

Hans Steinherr war in seinem Knabenzimmer aufgewacht. Es dauerte lange, bis er sich in die Situation, in die Umgebung hineinfand. Er lag in den weichen Kissen, in denen er acht...

25. Part 25

Hans verstand zwar nicht recht, weshalb sich der alte Herr gerade heute so unbändig über die charmante Frau freute, aber er nahm an, daß das wohl die Normalempfindung Herrn Frie...

26. Part 26

Der ›Pitter‹, ein weißhaariger, unverwüstlicher Maler der älteren Generation, stand neben dem Klavier und strich mit überlegener Miene den weißen Knebelbart. Er hatte als Maler...

27. Part 27

Dann wurde er allmählich stiller, und sie saß bei ihm und wartete geduldig, bis er reden würde. Ihre weichen, warmen Hände, die jetzt auf seiner Stirn lagen, zeigten ihm, daß si...

28. Part 28

... Die Kunst Herzogs ist eine Kunst großen Stils und kennzeichnet sich durch große Vornehmheit. Sie ist vornehm, ohne exklusiv zu sein, von gedanklicher, sprachlicher und archi...