DE Prosa

Aus tiefem Schacht

Hedda stand mitten unter dem Hühnervolk und sah mit andächtiger Miene zu, wie die Magd das Futter auswarf. Der Hühnerhof war ihre besondere Vorliebe, und für ihn verschwendete sie reuelos, was von den Erträgnissen der kleinen Wirtschaft übrig blieb. Es gab da allerhand sonderb...

Chapters

1. Part 1

Hedda stand mitten unter dem Hühnervolk und sah mit andächtiger Miene zu, wie die Magd das Futter auswarf. Der Hühnerhof war ihre besondere Vorliebe, und für ihn verschwendete s...

2. Part 2

Gunther, der jüngere der Brüder, errötete leicht, obschon nicht von ihm die Rede war. Er war schlank und schmächtig und ähnelte der Mutter. Ein Paar sehr schöne und kluge, samme...

3. Part 3

Den Albert konnte sie nicht leiden. Es ärgerte sie schon, daß er sie immer »Kleine« nannte. Er bildete sich viel darauf ein, daß er ganz städtisch geworden war, und schaute die...

4. Part 4

Auf dem Auberg hatte früher ein Pächterhaus gestanden, ein merkwürdiger Bau. Das untere Stockwerk stark massiv, mit mächtigen Mauern, eine Halle mit hohen und schönen Wölbungen,...

5. Part 5

Auf dem Baronshofe mußten die drei erst August suchen, um sich anmelden zu lassen. In der Mittagshitze lag das Gehöft wie ausgestorben da. Selbst das Hühnervolk hatte den Schatt...

6. Part 6

Über das stille Antlitz der Rätin glitt etwas wie ein leichtes Schmerzempfinden, als die Musik näher und näher kam; ihrem feingebildeten Ohr dünkte der kriegerische Marsch wie e...

7. Part 7

Der alte Möller, Bertold und Fritz eilten Albert bis auf den Hausflur entgegen. Er zog sie in die Küche. »Es ist alles abgemacht,« sagte er hastig, mit vergnügtem Schmunzeln um...

8. Part 8

»Ich fang' nu auch an, alt zu werden, Herr Baron,« erzählte er, ohne die letzten Äußerungen seines Herrn irgendwie zu beachten. »Nämlich -- wenn ich mir bücke, dann knackt's mir...

9. Part 9

Gunther nickte. »Ja, Mutter, so ist's. Ich -- ich habe noch nie an das Heiraten gedacht, ihr wißt's ja selbst, und gelacht, wenn mir der und jener mit Plänen und Anerbietungen k...

10. Part 10

»Das würde nur unhöflich sein, Papa,« erwiderte Hedda ruhig. »Vorderhand glaube ich noch nicht, daß Klaus im Auschlosse sein wird. Und wenn dennoch -- dann muß es _auch_ ertrage...

11. Part 11

»... Daß Oberlemmingen einer neuen, zukunftsfrohen Ära entgegengeht -- ja, ja, mein alter, verehrter Freund Hellstern --, daran zweifle ich nicht. Ich höre, daß _mit_ unserm lie...

12. Part 12

Schellheim lächelte. »Sie war von vornherein der Meinung, daß man dem Glücke unsres Sohnes keine Schwierigkeiten bereiten dürfe.« Er seufzte. »Das ist es ja -- im Grunde genomme...

13. Part 13

Auf dem Auschlosse war die Fahnenstange, die man vergessen hatte über Nacht zu kappen, gebrochen und auf die erste Terrasse geschleudert worden. Und dort hatte sie der Pomona de...

14. Part 14

»Ach nein, Hedda, das geht nicht. Ich meine, das wäre unliebenswürdig. Ich bin Axel in gewisser Weise Dank schuldig. Lassen wir es nur bei morgen. Er muß sich sagen, daß er bei...

15. Part 15

Und Schellheim begann zu erklären. Den Anfängen nach zu urteilen, mußte man mit großen Mitteln wirtschaften. Der Quellenbau bestand aus Marmor und Schmiedeeisen; ein bekannter B...

16. Part 16

So war es verabredet worden. Der Kommerzienrat hatte die Anregung zu diesem Namen gegeben; man bedauerte nur, daß die Weihe nicht am ersten April, am Geburtstage Bismarcks, erfo...

17. Part 17

Gewiß -- aber dann hätte er arbeiten müssen. Sein Vater hatte ihm kein Barvermögen hinterlassen. Seine Dotation hatte der alte Minister in Döbbernitz gesteckt, seine hohen Gehäl...

18. Part 18

»Einverstanden, Herr Baron, aber --« Bertold holte sein dickleibiges Notizbuch hervor, feuchtete seine Fingerspitzen an und begann zu blättern. »Ich habe da nämlich noch einen k...

19. Part 19

»Sehr, sehr gern würde ich es sehen, wenn Hedda sich einmal die Schloßeinrichtung ansehen wollte. Eine Masse hübscher Möbel habe ich unterwegs kaufen können, auch hier in der Um...

20. Part 20

An einem der letzten Oktobertage war Axel auf Döbbernitz eingetroffen. Irgend eine Botenfrau hatte es auf dem Baronshofe erzählt. Es dauerte auch nicht lange, so fand sich Axel...

21. Part 21

»Dann keinen Pfennig,« sagte er rauh. »Ihm nichts mehr -- nichts!« Und plötzlich strömte wieder seine Liebe zu dem Mädchen, dessen Seele er in allen ihren Schwingungen zu kennen...

22. Part 22

»Hedda,« rief er, »du hast diesen Menschen -- diesen Menschen geliebt?!« Er achtete nicht auf die Anwesenheit Axels; ein wilder Grimm durchtobte seine Brust und schüttelte ihn....

23. Part 23

Fritz Möller hatte sich zur Hochzeitsfeier einen Frack machen lassen, in dem er wie eine große und dicke Fledermaus aussah. Auch einen neuen Zylinderhut besaß er, und dennoch sc...

24. Part 24

Hellstern setzte sich wirklich wieder hinter die Arbeit. Er hatte Sehnsucht nach seiner Tochter gehabt -- das hatte ihn still werden lassen. Nun vergrub er sich wieder in seine...