Shabbethai Tzevi, 1626-1676 -- Fiction

Die Juden von Zirndorf

Gemächlich schwebt die Zeit hin über die Länder und über die Geschlechter, und wenn sie auch Städte zertritt und Wälder zerstampft und neue Städte und neue Wälder hinwirft mit gleichgültiger Gebärde, so vermag sie doch dem heimatlichen Boden niemals seine Lieblichkeit zu raube...

Chapters

1. Part 1

Gemächlich schwebt die Zeit hin über die Länder und über die Geschlechter, und wenn sie auch Städte zertritt und Wälder zerstampft und neue Städte und neue Wälder hinwirft mit g...

2. Part 2

Die Kinder folgten ihm auf den Straßen, so daß die Mütter seinen Namen lobpriesen. Und er ließ verkünden, daß er vom Flusse Sabbation aus die zehn Stämme nach dem heiligen Lande...

3. Part 3

Als Rahel dies vernahm, erwachte sie aus ihrer langen Apathie. In ihr war nur ein Gedanke: daß sie fort sollte aus dem Land, wo der Geliebte wohnte; denn in ihrer heißen und err...

4. Part 4

In den Gassen des Hofmarkts war die Nacht zum Tag geworden. Überall standen aufgeregte Leute. Von Ottensoos, Schnaittach, Unterfarrnbach und Hüttenbach waren die Juden hereingek...

5. Part 5

Und alles versank allmählich in der Dämmerung. Er ging heimwärts. Die dumpfe, gleichsam drohende Geschäftigkeit, die überall herrschte und die immer mehr anschwoll, erweckte ein...

6. Part 6

Endlich erreichte die Karawane den Wald, – nach vier Stunden. Ein Fußgänger hätte den vierten Teil dieser Zeit nötig gehabt. In sanfter Steigung sollte es nun bergan gehen, aber...

7. Part 7

Zacharias Naar und Zirle blieben für immer verschwunden. Ihr Leben verlor sich in eine Folge von Sagen und schließlich wurden auch ihre Thaten märchenhaft. Geschlecht auf Geschl...

8. Part 8

Die Frauen und die Kinder unterhielten sich abseits. Nur Enoch blickte starr auf die beiden Männer und sein gelbes Gesicht mit dem struppigen Bartrand schien ganz versteinert zu...

9. Part 9

Die Kirchweihbuden füllten den Kohlmarkt, die Königsstraße bis zur protestantischen Kirche und zum grünen Markt. Eine festestrunkene Menge wogte dort. Die Ausrufer der Schaubude...

10. Part 10

Sie lachte nervös und fuhr fort, Agathon zu putzen. Sie legte ihm eine weiße Stickerei um den Hals, gab ihm rote Saffianschuhe, in die er kaum hineinkam, weiße Handschuhe, eine...

11. Part 11

„Ich weiß nicht, was im Buch steht,“ entgegnete sie lakonisch. „Ich will dir sagen, die Juden sind viel bessere Menschen als wir, edlere Menschen. Sie trinken nicht, sie betrink...

12. Part 12

Isidor Rosenau kam „auf einen Sprung“ und wurde sehr lau begrüßt. Er, der bisweilen kleine, atheistische Anwandlungen verspürte, begann einen etwas gedehnten Vortrag über Widers...

13. Part 13

Bojesen ging hinein. Vor dichtem Rauch sah er zuerst überhaupt nichts. Ein säuerlicher Geruch von abgestandenem Bier drang auf ihn ein. Dann sah er im Hintergrund neben dem Büff...

14. Part 14

„Ach Agathon, ich mag dich so gern leiden,“ sagte Monika erglühend. „Du bist so still und so gut, und alles, was du sagst, ist so warm! Ich glaube, dich könnte ich nicht weinen...

15. Part 15

Auf der Bühne erschienen in einem matten, grünen Licht vier Männer mit düstergrünen Gewändern, so enganschließend, daß sie wie nackt aussahen, grünen Gesichtern und begannen ein...

16. Part 16

Es gab zwei Wesen im Hause, die ihn oft und viel beschäftigten. Das eine war Frau Thella Hellmut, das andere Sema. Jene hatte das Schreckhafte, das sie anfangs für ihn gehabt, v...

17. Part 17

In diesem Augenblick ging viel vor in Agathons Seele. Er sah dieses zarte Geschöpf vor sich, wie sie in jeder Stunde mehr hinwelkte. Er sah die kleinen, mondlichtübergossenen Hä...

18. Part 18

Danach war es lange Zeit still im Zimmer. Bojesen hatte nicht vom Boden aufgeblickt. Gedalja begann wieder. „Ich waaß nit, was de hast gethan un was de hast vor im Leben, Jeanet...

19. Part 19

Er drückte ihr unentschlossen die Hand und sagte beklommen gute Nacht. Kaum war er fort, so bereute er tief, was er gethan, doch die Stimme des Lämelche Erdmann schreckte ihn em...

20. Part 20

Als er am nächsten Morgen, dem Feiertag, der vielleicht der friedlichste Tag des Jahres ist, weil der Schnee selbst die Schritte der Kirchenbesucher leiser macht, weil er einen...

21. Part 21

„Und Sohnesgefühle!“ fügte Bojesen verächtlich hinzu, indem er an Gedaljas Schicksal dachte. „In Ihrem Haus scheint das erblich zu sein. Wo ist da der berühmte jüdische Familien...

22. Part 22

Es war sehr spät, als er ging. Die Gassen waren leer und still. Er wußte gar nicht, wie er heim gelangte. In seiner Wohnung war alles finster. Lange stand er auf dem Korridor in...

23. Part 23

Auf einmal fuhr einer jener entsetzlichen Blitze herab, die den ganzen Himmel in Stücke zu reißen scheinen. Ein fürchterlicher Schlag folgte, der kaum fünf Sekunden andauerte. D...

24. Part 24

„Du meinst vielleicht, es ist dieser Atheismus,“ begann Agathon wieder. „Nein, das wäre ja borniert. Die Atheisten sind bloß ungezogene Kinder und sie wollen selber Papa spielen...

25. Part 25

In der Schenke qualmte nur eine einzige Lampe. Die Fenster waren geschlossen und schienen auch seit Jahrzehnten geschlossen zu sein, der Atmosphäre nach zu schließen. Draußen wa...

26. Part 26

Gudstikker war indes das lange Schweigen unbehaglich. Er bemerkte eine gewisse Veränderung in Agathons Wesen, seit dieser bei ihm eingetreten war. „Ach, Sie kommen wohl wegen de...

27. Part 27

Jeanette schwieg lange. Dann begann sie mit etwas erhobener Stimme wieder. „Ich werde mein Lebelang diese Stunde nicht vergessen, Agathon, und wenn ich so alt würde, wie die Erd...

28. Part 28

_Maupassant_ ist als Dichter wohl auch in Deutschland zu bekannt, als daß er besonderer Empfehlungen bedürfte. Die Genialität, die ihn stets gleichsam den seelischen Kern einer...