DE Prosa

Memoiren einer Sozialistin: Lehrjahre

Die Rosen blühen und die Linden duften. Über dunkle Wälder und saftgrüne Matten ragen die Berge meiner Heimat zum Himmel empor, an dem die Sterne funkeln und strahlen, ungetrübt von den Dünsten der Städte und den Nebeln der Niederung. Die grauen Felsriesen schimmern silbern im...

Chapters

20. Chapter 20

Wir fuhren nach Karlsbad, -- Mama, Klein-Ilschen und ich. Wir trafen mit einem großen Kreise alter und neuer Freunde zusammen. »Wir« sage ich, -- aber im Grunde war ich gar nich...

13. Chapter 13

Während der folgenden Monate in Augsburg wurde meiner Erziehung durch die Einführung in die Wohltätigkeitsbestrebungen der guten Gesellschaft der letzte Schliff gegeben. Meine T...

19. Chapter 19

»Hab Dank, herzlichen Dank, Alix. Aber das macht die Sache nicht besser. -- Uns ein heimliches Rendezvous geben, wie -- wie ... nein, das kann ich dir nicht antun. Machen wirs k...

29. Chapter 29

Gleich darauf hörte ich Trommeln und Pfeifen: im Sturmschritt rückte die Infanterie von der anderen Seite vor, -- sie kam in unzählbaren Massen, wie aus der Erde gestampft, mit...

18. Chapter 18

Oder gehst du der vielen Gleichgültigen wegen in Gesellschaft, die sich nach deinem Befinden erkundigen, obwohl es ihnen ganz einerlei ist, wie du dich befindest, die die kostba...

14. Chapter 14

Am Sonntag morgen pflegte mein Vater ihm eins seiner Pferde zur Verfügung zu stellen. Ehe ich noch die Treppe hinab kam, die lange Schleppe meines Reitkleides stolz hinter mir s...

4. Chapter 4

Wer sich von Partenkirchen westwärts wendet, wo lockend in geheimnisvoll düsterer Pracht die Zugspitze in die Wolken steigt, und, die staubige Chaussee verschmähend, auf schmale...

33. Chapter 33

Die Tante ergriff lebhaft Gleichens Partei. »Alten Leuten mag das entsprechen. Euch Jungen aber muß der Sturm erst tüchtig um die Nase blasen,« sagte sie. »Ausgegangen sind viel...

3. Chapter 3

Warum ich mein Geheimnis verschwieg? Nicht nur, weil die Mutter ganz gewiß die Bücher verschlossen hätte, sondern weit mehr noch, weil alles, was mich am tiefsten ergriff, auch...

22. Chapter 22

Eines abends -- wir saßen wie gewöhnlich im Sande und spielten Pfänderspiele -- mischte sich ein neuer Gefährte in unseren Kreis: Graf Göhren. Er erschien mir sofort als des lus...

2. Chapter 2

In der alten Kirche, über der Gruft der Golzows und unter ihren Speeren, wurde ich getauft. Die Gutskinder hatten den düstern Raum in eine Laube von Jasmin verwandelt, -- darum...

28. Chapter 28

»Die Lüge ist der Anfang alles Verderbens, ist das Verderben selbst. Alle Schäden, an denen unsere Zeit, an denen wir selber kranken, entspringen aus diesem Grundübel. Wir sprec...

23. Chapter 23

»Sprichs ruhig aus: du hast mit dem Weib deiner Wahl gelebt! Niemand weiß bis heute, daß diese zwei Jahrzehnte die Hölle waren. Mein Stolz hieß mich schweigen. Ich wollte nicht,...

26. Chapter 26

Ein Karneval, der mich kaum zu Atem kommen läßt, ist die Ursache meines langen Schweigens. Ich will ihn durchtollen, bis zum bitteren Bodensatz genießen, weil es unweigerlich de...

7. Chapter 7

Bei mir wie bei jedem Kinde wiederholte sich, was die Kindheit der Völker kennzeichnet: ihre Phantasie ist das Mittel, durch das sie sich mit dem ungeheuern Geheimnis des Lebens...

16. Chapter 16

Über der Brücke, hinter den dunkeln Büschen und Bäumen, lag die Erde noch eingehüllt in ein durchsichtig-weißes Nebeltuch, das kecke Sonnenstrahlen zu zerreißen sich bemühten. U...

38. Chapter 38

Verblüfft sah er mich an. »In dem Recht, sich zu behaupten, seine Persönlichkeit auszuleben,« sagte er schließlich und hieb sich mit der flachen Hand auf den breiten Sportgürtel...

6. Chapter 6

Ich blieb nicht lange allein. Ein junger Mensch mit fuchsig rotem Haar und einem Gesicht voll gelber Sommersprossen, der mit seiner Mutter, einer Schriftstellerin, an der Table...

39. Chapter 39

»Du bleibst!« rief er und umklammerte mein Handgelenk. »Die sechs Monate Frist, die ich dir gestellt habe, sind noch nicht um, -- aber du zwingst mich, meine Bedingungen zu ände...

9. Chapter 9

Mehr als je war ich damals mir selbst überlassen, aber nur ein Zufall ließ mich erfahren, warum. Das Flüstern um mich her, das vielsagende Lächeln, all die weißen Linnenhaufen,...

40. Chapter 40

»Ich wollte, ich wäre es! Auf alle Tribünen der Welt würde ich steigen und die steinernen Herzen warm machen und die Schlafenden aufrütteln ...« Mit einem tiefen Seufzer warf ic...

37. Chapter 37

Meine Eltern sind seit gestern hier; vergebens bat ich sie, nach Berlin zurückkehren zu dürfen. Allein in unserer Wohnung zu sein, halten sie für unpassend, und zu Egidys zu geh...

11. Chapter 11

»Ah, da sind Sie ja auch, mein lieber Rapp,« hörte ich meinen Onkel lachend sagen, »trauen Sie sich wirklich einmal in Damengesellschaft?!« Ich wandte mich rasch nach dem Angere...

32. Chapter 32

»Na -- allerhand Achtung vor Ihrer Kurage! -- Aber -- da wir zwei die Wahrheit zu vertragen scheinen, so sag ichs frei heraus: Ihre Dummheit ist noch nicht erschöpft. Sie haben...

31. Chapter 31

Ich sehe dich heimlich lächeln. 'Ihr fehlt einmal wieder der Mann,' sagst Du. Du irrst: ich komme mir mit meinen 25 Jahren so alt vor, daß ich bereits großmütterlich mitleidig l...

35. Chapter 35

»Sie irren, -- atheistische Pfaffen, die wir in diesem Fall züchten würden, schaden unserer Sache mindestens ebenso viel wie kirchliche. Ethik wollen wir verbreiten, und in dies...

34. Chapter 34

»Die Wohltat, die Eure Exzellenz mir in Brandenburg erwiesen, rechne ich zu den höchsten Empfindungen inneren Glücks, die mich bisher in meinem Leben beseelten. Euer Exzellenz W...

27. Chapter 27

»In demselben Gegensatz, der auch die Sozialdemokratie groß zieht: dem zwischen den ungeheueren Reichtümern auf der Seite der Unternehmer und der Besitzlosigkeit, um nicht zu sa...

36. Chapter 36

Noch am Abend brachte der Diener Glyzcinskis mir ein paar Zeilen von ihm: »Eben verläßt mich Egidy. Sein Besuch war mir eine doppelte Freude: Ich erfuhr, daß er Ihre Mutter beru...

15. Chapter 15

Wo war ich? Hatte nicht der Morphiumrausch des Leichtsinns alles Gute, Starke in mir eingeschläfert? War ich nicht meinen großen Kinderhoffnungen untreu geworden? Oder: sie mir?...

8. Chapter 8

Nach monatelangem Aufenthalt in den Bergen kehrten wir heim. Der Wind, der um den weißen Schaum der Gießbäche und über das blauschimmernde Firneis fegt, bringt soviel frische Kü...

12. Chapter 12

Wurde es mir sehr schwer, bürgerliche Hausfrauentugenden zu lernen, und noch schwerer, jenen tief gewurzelten Hochmut nieder zu drücken, der sich durchaus nicht dazu verstehen w...

1. Chapter 1

Die Rosen blühen und die Linden duften. Über dunkle Wälder und saftgrüne Matten ragen die Berge meiner Heimat zum Himmel empor, an dem die Sterne funkeln und strahlen, ungetrübt...

41. Chapter 41

»Weil Sie vom Frieden Ihres Zimmers aus die Welt betrachten -- und Ihre Frau mit beiden Füßen zugleich mitten in den Strudel springt --«, Professor Tondern ging aufgeregt im Zim...

30. Chapter 30

Eine Woche später kehrte Mama zurück. Ihre Schläfen waren grau geworden, und noch fester als sonst preßten sich die schmalen Lippen aufeinander. Mit einem kühlen Blick streifte...

17. Chapter 17

Mit um so heißeren Wangen und klopfenderem Herzen vertiefte ich mich in Goethe. Auch das, was ich schon längst kannte, war voll neuer Offenbarungen für mich. In ein kleines Heft...

42. Chapter 42

Mit einem harten »Niemals« begegnete Frau Vanselow meiner Begeisterung für diesen Zusammenschluß. »Aufspielen will sich die Kurz, von sich reden machen, nachdem ihr angesichts u...

25. Chapter 25

»Meiner Ansicht nach ist die ursprüngliche Lehre Christi mit ihrem Asketismus, ihrer Verachtung des Lebens, der Freude, der Schönheit, ihrer Menschenfeindschaft, -- bei aller Be...

21. Chapter 21

Ich floh die Stufen empor, -- riß die Türe auf und setzte mich erschöpft auf die Treppe. Aber sie krochen mir nach -- auf Händen und Füßen -- wie Würmer. Mit den letzten Kräften...

10. Chapter 10

Pfarrer Eberhard war zuerst keines Wortes mächtig. Dann aber entlud sich sein Zorn schrankenlos über mir. Jede Selbstbeherrschung vergessend, schlug er mit Anklagen, Vorwürfen,...

5. Chapter 5

Mein Schulerlebnis sollte auch nach andrer Richtung nicht ohne Folgen bleiben. Edith und ich waren natürlich noch mehr als früher aufeinander angewiesen, und oft genug hatte sie...

24. Chapter 24

Mein Vater verließ die Gesellschaft, wenn dreizehn bei Tische waren, er drehte um, wenn eine Katze ihm über den Weg lief, und machte drei Kreuze, wenn ihm beim Morgenritt als Er...

43. Chapter 43

Ich versandte noch an demselben Abend meine Erklärung mit der Bitte um Unterschriften an die Presse. Kaum war sie veröffentlicht, als Onkel Walter mich mit seinem Besuch überras...