Category: Novels

Sämtliche Werke 7-8

Die »Idee« des Jünglings (des jungen Dolgoruki), dieses bis zur äußersten Grenze geführte persönliche Prinzip, erinnert an die Idee Raskolnikoffs, nur kommt der Jüngling der religiösen Erkenntnis und Rechtfertigung näher als jener.

Chapters

1. Part 1

Die »Idee« des Jünglings (des jungen Dolgoruki), dieses bis zur äußersten Grenze geführte persönliche Prinzip, erinnert an die Idee Raskolnikoffs, nur kommt der Jüngling der rel...

2. Part 2

Der Roman »Der Jüngling« ist im Jahre 1875 erschienen, steht also in der Reihenfolge der fünf großen Romane Dostojewskis zwischen den »Dämonen« und den »Brüdern Karamasoff«. Sch...

3. Part 3

Ich muß vorausschicken, daß ich niemals habe erfahren oder auch nur erraten können, womit es eigentlich zwischen ihm und meiner Mutter begonnen hat. Ich bin durchaus zu glauben...

4. Part 4

Eine solche Aufforderung von diesem verschlossenen, stolzen Menschen, der sich so hochmütig und nachlässig zu mir verhalten und sich bis dahin, nachdem er mich gezeugt und dann...

5. Part 5

Etwa anderthalb Jahre, bevor ich ihn kennen lernte, hatte er einen Anfall gehabt, d. h. er war irgendwohin gereist und unterwegs, wie es hieß, »unzurechnungsfähig« geworden; und...

6. Part 6

»Es war natürlich eine Dummheit, aber ich war gereizt. Und so schleppten sie mich denn gute drei Werst in der Hitze bis in die äußerste Vorstadt, traten in ein einstöckiges hölz...

7. Part 7

Die andere war -- Anna Andrejewna, Werssiloffs legitime Tochter, die drei Jahre älter war als ich. Sie lebte mit ihrem Bruder bei den Fanariotoffs, und ich hatte sie bis dahin n...

8. Part 8

»Hören Sie,« wandte ich mich leise an ihn -- ich konnte es nicht zurückhalten, was sich mir auf die Lippen drängte, und ich sagte es ganz freundschaftlich zu ihm und hatte ihn d...

9. Part 9

Ja, ich hatte wirklich Angst gehabt, zu Dergatschoff zu gehen, wenn auch nicht aus dem Grunde, den Jefim annahm. Ich hatte Angst und hatte mich schon in Moskau vor ihnen gefürch...

10. Part 10

Er lebte in einer kleinen Wohnung von zwei Zimmern, wohnte dort ganz allein, und jetzt, nach der Rückkehr von der Reise, sogar ohne Bedienung. Sein Koffer war zwar schon aufgesc...

11. Part 11

Die Generalin Achmakoff hatte die Unvorsichtigkeit begangen, als ihr Vater, der alte Fürst Ssokolski, sich im Auslande von seinem Anfall schon zu erholen begann, einen sie selbs...

12. Part 12

Übrigens will ich mich jetzt, wo ich mit meinen Aufzeichnungen bis zu dieser Stelle gekommen bin, endlich einmal entschließen, »meine Idee« auseinanderzusetzen. Ich werde sie zu...

13. Part 13

Mit einem Wort: auf diese Weise nicht Geld zu erwerben oder nicht erlernen zu können, wie man Geld erwirbt, wäre unnatürlich. Und ebenso unnatürlich wäre es, bei ununterbrochene...

14. Part 14

Einmal im Sommer, es war im Juli, zwei Monate vor meiner Abreise nach Petersburg, als ich schon ganz frei geworden war, bat mich Marja Iwanowna, nach dem »Troïtzki Possad« zu ei...

15. Part 15

Sie errötete vor Verlegenheit. Ihr Gesicht hatte entschieden etwas überaus Anziehendes ... Es war ein treuherziges, durchaus nicht gewöhnliches Gesicht, ein wenig bleich, vielle...

16. Part 16

»Du hast recht, mein Freund; aber einmal muß man es doch aussprechen, damit später nie wieder daran gerührt werde. Du bist aus Moskau hergekommen, um hier sogleich zu rebelliere...

17. Part 17

»_Ce Touchard_ kam wütend mit dem Brief in der Hand herein und trat an unseren großen Eichentisch, an dem wir alle gerade lernten, packte mich an der Schulter, riß mich vom Stuh...

18. Part 18

»Genug, ich bin mit Ihnen vollkommen einverstanden und halte Sie für so klug, daß ich hoffe, Sie werden mir nicht gar zu lange den Kopf waschen. Sie lieben ja so sehr das Maßhal...

19. Part 19

»Jedenfalls sehe ich, daß du es auf deinem neuen Wege noch weit bringen wirst. Ist _das_ nicht am Ende auch >deine Idee<? Fahre nur so fort, mein Freund, du hast zweifellos Anla...

20. Part 20

Zunächst begann mir Wassins Zimmer schrecklich zu mißfallen. »Zeige mir dein Zimmer, und ich sage dir, was für einen Charakter du hast,« -- wirklich, man könnte das Sprichwort a...

21. Part 21

Die Junge stand im Korridor, die Ältere einen Schritt hinter ihr in der Tür. Ich weiß nur noch, daß dieses arme Mädchen nicht häßlich war, vielleicht zwanzig Jahre alt, aber mag...

22. Part 22

Ich eilte nach Hause und -- sonderbar -- ich war sehr zufrieden mit mir. Natürlich spricht man nicht so mit Frauen, und noch dazu mit solchen Frauen, oder nein: mit einer solche...

23. Part 23

»Nein, ich meinte das nicht in dem Sinne, sondern man müsse achtgeben, daß bei ihnen nicht irgendeine Geschichte passiert ... Übrigens, alle solche Geschichten pflegen, ob nun s...

24. Part 24

Aus Moskau waren sie gekommen. Sie war schon lange Witwe, »aber doch Hofrätin«, wie sie sagte; ihr Mann hatte sein Beamtengehalt gehabt und fast nichts hinterlassen, »außer eine...

25. Part 25

Ich erwachte erst gegen halb elf und traute lange meinen Augen nicht: auf dem Diwan, auf dem ich am Abend eingeschlafen war, saß meine Mutter und neben ihr -- die unglückliche M...

26. Part 26

»Erlauben Sie, Fürst,« sagte ich stockend, während ich meine beiden Hände auf den Rücken legte, »ich muß Ihnen offen sagen, -- und es freut mich, daß ich das im Beisein unseres...

27. Part 27

»Nein, ich mache kein finsteres Gesicht, Lisa, das war nur so ... Sieh, Lisa, ich spreche es lieber offen aus: das ist so eine meiner Eigenheiten, daß ich es nicht liebe, wenn m...

28. Part 28

Wie, war das alles? Aber das war ja gar nicht das, was ich brauchte! Ich hatte etwas ganz anderes erwartet, natürlich die _Hauptsache_, aber ich begriff nun und sah ein, daß es...

29. Part 29

An diesem Morgen des fünfzehnten November traf ich ihn beim »Fürsten Sserjosha«. Ich war es auch gewesen, der ihn und den Fürsten wieder zusammengeführt hatte; aber ganz abgeseh...

30. Part 30

Nebenbei bemerkt: daß er mir gerade mit der Französischen Revolution als Beispiel kam, darin erblickte ich wieder eine von seinen kleinen schlauen Anspielungen, die mich diesmal...

31. Part 31

»Ärgern Sie sich nicht, und seien Sie nicht so stolz. Haben Sie nur ein wenig Geduld, und hören Sie mich an. Dann können Sie wieder stolz sein. Das mit Anna Andrejewna wissen Si...

32. Part 32

»Lachen Sie nur, lachen Sie nur über mich!« rief ich wie berauscht; denn dieses ganze Gespräch und die Richtung, in der es sich bewegte, gefielen mir ungemein. »Wenn Sie es tun,...

33. Part 33

Sie hatte diese ganze wilde Tirade mit großen offenen Augen angehört, sie sah, daß ich zitterte. Ein paarmal hatte sie mit einer reizenden furchtsamen Gebärde ihre kleine behand...

34. Part 34

Mir war es nicht gelungen, die Geneigtheit dieser Dame zu erwerben; ja, sie verhielt sich jetzt noch feindlicher gegen mich und fiel schließlich wegen jeder Kleinigkeit über mic...

35. Part 35

»Mit nichts, mein Freund; die Schnupftabaksdose schloß sich gleich darauf nur noch fester, und was das Auffallendste ist: sie hat mich das gefragt, obgleich ich niemals auch nur...

36. Part 36

»Selbstverständlich hinfahren!« entschied ich, während ich nach Hause eilte, »und zwar sofort hinfahren! Wahrscheinlich werde ich sie ganz allein antreffen, aber auch wenn sie n...

37. Part 37

Ich hoffte selbstverständlich nicht, die Wette zu gewinnen: sechsunddreißig Chancen gab es gegen eine, daß Zero nicht herauskam; ich wettete aber, um mich wichtig zu machen, um...

38. Part 38

»Er weiß es natürlich, aber er will es nicht wissen, das ist schon so, das sieht ihm ähnlich! Nun gut, du lachst vielleicht über die Rolle des Bruders, über den dummen Bruder, w...

39. Part 39

»Ich muß Ihnen die Geschichte unserer Begegnung ganz erzählen, ohne etwas zu verschweigen,« fuhr er fort. »Der Anlaß war ein Geheimnis, das ich mit mir herumtrage, und das ich n...

40. Part 40

Diese ganze Nacht träumte mir vom Roulette, vom Spiel, von Gold und von Berechnungen: ich mühte mich vergeblich, einen Einsatz oder eine besondere Chance zu berechnen, und diese...

41. Part 41

Sie nahm einen Brief vom Tisch, gab ihn mir und blieb erwartungsvoll vor mir stehen. Ich erkannte sofort die Handschrift Werssiloffs: es war ein Brief von ihm an Katerina Nikola...

42. Part 42

»Sie meinen, daß wir's mit dem Spiel versuchen? Aber das ist doch das einzige!« rief ich. »Geld ist ja alles! Nur wir zwei sind solche Heilige, Bjoring hat sich doch verkauft, A...

43. Part 43

Endlich erhob sie sich, um fortzugehen; da kam aber gerade Touchard herein und erkundigte sich bei ihr mit lächerlich wichtiger Miene, ob sie mit den Fortschritten ihres Sohnes...

44. Part 44

Als ich an jenem Abend Serschtschikoffs Spielzirkel verlassen hatte, und man dort wieder ruhiger geworden war, hatte Serschtschikoff nach dem Wiederbeginn des Spiels auf einmal...

45. Part 45

Ich finde, wenn ein Mensch lacht, wird es in der Mehrzahl der Fälle widerlich, ihn anzusehen. Am häufigsten äußert sich im Lachen der Menschen etwas Gemeines, etwas, was den Lac...

46. Part 46

Ich erhob mich und ging hinaus. Sie gab ihm die Tropfen und brachte ihn ins Bett. Auch ich legte mich wieder in mein Bett, aber ich war sehr erregt. Eine große Neugier war in mi...

47. Part 47

»Nun hör' schon auf, Alexander Ssemjonowitsch, hast mich doch schon genug gescholten,« sagte Makar Iwanowitsch lachend. »Nun, und wie ist es denn, Väterchen Andrei Petrowitsch,...

48. Part 48

»Makar Iwanowitsch, Sie haben wieder das Wort >Schönheit< gebraucht, >innere Schönheit<, und gerade dieses Wort hat mich noch gestern und alle diese Tage gequält ... und überhau...

49. Part 49

Ich versprach ihm, so zu beten, denn ich fühlte, daß ich ihm mit diesem Versprechen eine große Freude bereiten würde. Und in der Tat sah ich, wie sein Gesicht vor Freude aufleuc...

50. Part 50

Der Winter ging vorüber, und gerade am Ostersonntag, am heiligen Feiertag, fragt Maxim Iwanowitsch wieder einmal: >Wie geht es denn jenem Knaben?< Den ganzen Winter über hatte e...

51. Part 51

Ich komme jetzt zu der Schlußkatastrophe, deren Erzählung meine Aufzeichnungen abschließen soll. Doch um weitererzählen zu können, muß ich zunächst vorgreifen und etwas erklären...

52. Part 52

Ich habe von ihrer Beziehung zu Wassin schon gesprochen. Sie holte sich von ihm Rat: nicht nur, um uns zu zeigen, daß sie unseres Rates nicht bedurfte, sondern auch, weil sie Wa...

53. Part 53

»Ach, ja,« sagte er in gesellschaftlich nachlässigem Tone, als erinnere er sich zufällig, »ach, ja! An dem Abend ... Ich hörte davon ... Aber wie steht es denn mit Ihrer Gesundh...

54. Part 54

»Das ist nicht so zu verstehen,« rief ich, »es hat einen Augenblick gegeben, wo auch ich an seine Liebe zu dieser Frau glaubte -- aber das ist es nicht ... Ja, und selbst wenn e...

55. Part 55

Ich erriet sofort, daß er über mich schon unterrichtet war und wohl nicht nur meinen Namen, sondern auch meine ganze Lebensgeschichte kannte, und ganz genau wußte, worauf Lamber...

56. Part 56

»Hör' mich an, Arkadi: wenn so ein Bjoring gewagt hätte, mich in Gegenwart einer Dame, die ich vergöttere, zu schlagen und zu beschimpfen, -- ich weiß nicht, was ich mit ihm get...

57. Part 57

Fast laut stieß ich es hervor, und ich stand zum drittenmal still -- diesmal wie von einem Keulenschlage getroffen. Die ganze Qual der erniedrigenden Erkenntnis, daß ich mir sol...

58. Part 58

Unterwegs sagte er nur in ein paar Worten, daß Tatjana Pawlowna bei Mama geblieben sei usw. usw. Er hatte mich untergefaßt und führte mich. Seine Wohnung lag nicht weit von dort...

59. Part 59

»Und da hatte ich denn einen wunderlichen Traum, der um so überraschender war, als mir noch nie etwas Ähnliches geträumt hatte. In der Dresdener Galerie hängt ein Bild von Claud...

60. Part 60

»Das ist kein Buchgedanke. Oder übrigens -- meinetwegen. Trotzdem traf da alles zusammen: ich liebte deine Mutter doch wirklich und aufrichtig, nicht mit abstrakter Liebe. Hätte...

61. Part 61

Am nächsten Morgen erwachte ich viel frischer und gutherziger. Ich machte mir sogar Vorwürfe -- und zwar ganz unwillkürlich und aufrichtig -- weil ich, wie ich mich erinnerte, m...

62. Part 62

Meine ganze Qual bestand in der Frage: Wenn es wahr ist, daß er _sie_ seit gestern nicht mehr liebt, wo kann er sich dann heute aufhalten? Antwort: am ehesten bei mir, dem er ge...

63. Part 63

Als ich so reichlich vier Stunden im Restaurant gesessen hatte, stürzte ich wie in einem plötzlichen Anfall hinaus, natürlich zu Werssiloff und fand ihn, versteht sich, nicht zu...

64. Part 64

»Guten Tag allerseits. Ssonjä, ich wollte dir heute unbedingt diesen Blumenstrauß bringen, an deinem Geburtstag, deshalb bin ich auch nicht zur Beerdigung gekommen, weil ich mit...

65. Part 65

»Ich habe noch nicht zu Ende gesprochen,« beeilte sie sich, hinzuzufügen und errötete dabei noch mehr. »Ich wollte vielmehr sagen, daß ich die Lächerliche bin ... schon deshalb,...

66. Part 66

Schon bei meiner ersten Begegnung mit Lambert -- damals, als ich in seiner Wohnung allmählich »aufgetaut« war -- hatte ich ihm wie ein rechter Dummkopf anvertraut, daß ich das D...

67. Part 67

Es dämmerte bereits, und die Uhr war schon vier, als ich wieder bei Tatjana Pawlowna klingelte. Marja, ihre Köchin, antwortete mir auf meine Frage in unhöflichem Tone, sie wäre...

68. Part 68

Schon auf der Treppe vernahm ich einen großen Lärm in unserer Wohnung. Die Tür zu ihr war offen. Im Vorzimmer stand ein mir unbekannter Bedienter in Livree. Meine Wirtsleute, so...

69. Part 69

Der Plan bestand darin: Tatjana Pawlowna und mich kurz vor Katerina Nikolajewnas Ankunft, also kurz vor halb zwölf, aus der Wohnung zu locken, wenn auch nur auf eine Viertelstun...

70. Part 70

Ich erwähnte auch schon den Tod des alten Fürsten Nikolai Iwanowitsch. Der gute und sympathische alte Herr starb bald nach jenen Ereignissen -- übrigens doch erst einen ganzen M...

71. Part 71

[8] Es gilt bei den Russen als unhöflich, eine bekannte Person nur mit dem Familiennamen zu nennen; die höfliche Form, auch in der Anrede, ist der Taufname mit dem Patronymikon....