Category: Humour

Sonderlinge

Wenn man die Menge betrachtet, sind fast alle Leute gleich. Und wenn man in den Einzelnen schaut, ist fast jeder ein Original. Man soll auf allen Bäumen der Welt ja nicht zwei Blätter finden, die ganz gleich sind, und im unermeßlichen Menschenwald ja nicht zwei Gesichter, die...

Chapters

1. Part 1

Wenn man die Menge betrachtet, sind fast alle Leute gleich. Und wenn man in den Einzelnen schaut, ist fast jeder ein Original. Man soll auf allen Bäumen der Welt ja nicht zwei B...

2. Part 2

Unter dieser alten weltmunteren Sandsteingruppe nun saß ein Bettelmann. Er saß jahrelang dort, immer nur an sonnigen Tagen, er saß auf dem Sockel, er saß sogar manchmal der eine...

3. Part 3

Jawohl, wer fünfzig Jahre lang am sausenden Webstuhl der Zeit steht, der müßte es endlich doch weghaben, wie die Fäden geknüpft, geschlungen und die Knoten wieder gelöst oder ze...

4. Part 4

Augustin Kernschimmler war unverheiratet geboren und blieb also unverheiratet. Er lebte so nach seiner Art behaglich und zufrieden dahin und eine Entgleisung von dieser Lebensba...

5. Part 5

Du weißt, daß ich für das Frauenkloster die Altarstatue geschaffen habe. Vor Jahren schon. Seither war mein Künstlerherz oft in jener Klosterkirche bei den reichen Kunstschätzen...

6. Part 6

»Die kann ich nicht zulassen!« rief halb ernsthaft, halb humoristisch erregt die Königin. »Um höfische Torheiten zu schützen, muß ich die Zensur verhängen. Denn ich weiß, was si...

7. Part 7

Einer der Ortskundigen will aber dieser Schrift nicht Glauben schenken; sie sei aus einer alten Sagung gezogen und zum Spott auf die Leutlein oben am Schüsserlbrunn angewandt wo...

8. Part 8

»Teure, ehrwürdige Patres und Fratres! Wir haben eben ein Beispiel erlebt, wie über einen der Geist kam, bei dem wir es nicht vermeint hätten. Vielleicht hat sich Gott der Stimm...

9. Part 9

An der Pforte des reichen Mannes drängten sich die Armen aller Art. Herr Eberhard unterschied nicht mehr strenge zwischen verdienter und unverdienter Armut, er half wo und wie e...

10. Part 10

Er eilte in den Keller, entspundete ein Fäßchen und steckte einen Schlauch hinein, um die Gottesgabe in den bereiten Krug herauszuheben. Doch, als er mit dem Atem hob und als es...

11. Part 11

»Mensch!« rief der Wirt, »ich sage dir, nimm eine ältere! Eine Achtzigjährige, die wenigstens bald stirbt. Die Vierzigerin überdauert deine schönsten Jahre; du bist an sie gebun...

12. Part 12

Jetzt war er tief verzagt. -- Wenn einer nichts mehr hinabzugießen hat, so muß man die Gurgel zubinden, hat einmal einer gesagt -- das leuchtete dem Zillacher-Anderl ein. Wenn d...

13. Part 13

»Gar gut,« so hub sie an, »ist es mir mein Lebtag nit ergangen, aber die liebste Zeit ist mir doch im Steinernen Elend gewesen. Mein Vater ist Bretterschneider gewesen im Steine...

14. Part 14

Jetzt begann er ganz unvermittelt vom Blitz zu erzählen: »In der Siebenbrunnkirche hat der Blitz eingeschlagen. Beim Turm ist er herab, hat die Orgel zerrissen, nachher zur Kanz...

15. Part 15

»Bravo!« schnarrte der alte Offizier, »das ist wieder einmal ein Brustkorb!« Mit der Faust hieb er darauf, daß es dröhnte. »Hören Sie! Das ist Grundton. Nein, nein, lieber Junge...

16. Part 16

»Donnerwetter noch einmal, der dicke Wirt! Will er bei der nächsten Wahl wieder in die Gemeinde?« Die Klügeren rieten: Ansingen wird er uns wieder einmal wollen, und da gibt er...

17. Part 17

Die Haushälterin hatte mich nicht mehr an der Tür gefunden. Doch vor dem Erfrieren war keine Gefahr mehr, erstens, weil mir dieser Leute Gastfreundschaft heiß gemacht hatte in d...

18. Part 18

Sie gingen in die Kirche, es war kein Mensch mehr drin. Die Leute hatten sich satt gebetet und dabei Appetit für ein Mittagessen bekommen. Die drei stiegen auf das Chor. Der Pfa...

19. Part 19

Im heurigen Frühsommer, als auf den freien Matten die Hitze zu groß ward, als auf den Wiesen die klaren Bächlein im Sande versickerten und das kurze Federgras zu gelbem Heu welk...

20. Part 20

Der Johann griff sich an sein also bedachtes Haupt und schwieg. Nichtig ist's eh, dachte er, wenn sie im Winter was zu essen haben wollen, muß man jetzt ernten. Daß er für sich...

21. Part 21

Überhaupt -- und das Wörtlein hat Meister Florin immer auf der Zunge -- überhaupt, das fliegt so über alles hin, da steckt alles d'rin, was der Sprecher meint, aber nicht weiß,...

22. Part 22

Da stieg der Oberamtmann selber einmal hinauf gegen den Hinterberg mit der Absicht und der festen Überzeugung, den närrischen Kauz mit Güte zu bekehren. Er kam eher zurück, als...

23. Part 23

Hingegen war er glücklich, wenn er unterwegs irgendwo einen jener grübelnden Handwerksleute traf, die über alles sinnieren, nach allem fragen oder im Notfalle auch alles selbst...

24. Part 24

Wir hielten gemeinsamen Ausblick mit freiem Auge, wie mit Fernrohren, wir tranken uns gegenseitig Wein zu, steckten dann in die leeren Flaschen unsere Visitkarten und friedeten...

25. Part 25

Sie ist einfach genug. Sie ist schlicht, wie der Doktor selbst war. Auf einer Gebirgspartie verunglückte der reiche Baron Schuß von Überschuß. Der Chirurg des Alpendorfes, in we...

26. Part 26

Malchus Zacharias Rosenkranz lebte schon seit einigen fünfzig Jahren in dem Dachstübchen des Pfarrhofes, und ihm sind auch die Tage bekannt, die er noch hier verleben wird. Er w...

27. Part 27

»Martha, meine Martha!« erscholl in dem Augenblicke eine Stimme, und ein Weib stürzte zum Brunnengeländer, auf das sich Malchus erschöpft mit seiner Beute gesetzt hatte. Nun ers...

28. Part 28

Der alte Malchus Rosenkranz humpelte gebeugt am Stabe durch das Dorf. Er kam jetzt von der Kirche, wo er eine Beichte abgelegt und die Kommunion empfangen hatte. Vor dem alten B...

29. Part 29

Es gibt ja böse Buben, hier wie dort. Der Unterschied, daß die Landkinder sich vor dem Waldteufel fürchten, während die Stadtjugend mit ihm ihren Spaß hat. Wie die löbliche Poli...