German fiction -- 20th century

Der Weg nach Heilisoe

Vom St.-Niklas-Turm fielen drei helle Glockenschläge. Gleich darauf antworteten aus der Ferne Maria zum Rosenhag und der Heilige Geist. Dann war es wieder still. Das Abendgeläut, das um diese Zeit über Märkte und krumme Gassen wogte, setzte nicht mehr ein. Der Lobgesang, in de...

Chapters

1. Part 1

Vom St.-Niklas-Turm fielen drei helle Glockenschläge. Gleich darauf antworteten aus der Ferne Maria zum Rosenhag und der Heilige Geist. Dann war es wieder still. Das Abendgeläut...

2. Part 2

Und die Alte erzählte aufs neue, was sie wohl tausendmal schon berichtet hatte. »Als du geboren warst, sah ich, daß ihre Kraft zerging, und sie wußte es auch und war ganz still...

3. Part 3

»Wie?« fragte sie. Sie sah ihn wieder kühl an und zog ruhig ihre Hand zurück. Ein Schwärmer? fragten ihre Blicke. Sie neigte den Kopf ein wenig und ging. Auf der Schwelle wandte...

4. Part 4

Es war ein Abschied, als sollten sie sich nimmermehr wiedersehen. Engelke stand in ihrer Tür, hatte den Mund hart geschlossen und sah den beiden mit starren Augen nach. Da ginge...

5. Part 5

Malte trieb die Arbeitenden an, da der Umbau mit dem Ausgang des Winters beendet sein mußte, doch bei ihnen stieß sein fieberndes Eilen auf eine starre Wand. Er mußte verdrossen...

6. Part 6

Marfa verließ das Haus selten. Sie hütete ihre Mutterhoffnung, doch Güldenfey wußte, das war es nicht allein, was sie in der Verborgenheit festhielt: sie sehnte sich nach Harro,...

7. Part 7

Vom Binnenhafen drang der Geruch im Wasser faulenden Unrats. Die Fenster der Schenken, hinter denen das Lärmen der Zecher und die Klänge einer Harmonika durcheinanderbrausten, w...

8. Part 8

Er las: »Treffe mit dem Schwedenzug heute nachmittag auf dem Stadtbahnhof ein. Verspätung infolge des Eisganges wahrscheinlich. Unterbreche die Fahrt dort auf kurze Zeit, um mit...

9. Part 9

Er wurde warm, aber seine Zerstreutheit fand kein Ausruhen bei ihr, solange er den heftigen Puls ihrer Unruhe empfand. Von seinen politischen Dingen mochte er nicht zu ihr reden...

10. Part 10

Seit jenem Tage, da meine Ehe in die Brüche gegangen war, haßte ich das Geld, und jeder Tag hat es mir bestätigt, daß die Geldherrschaft der größte Fluch ist, der jemals über di...

11. Part 11

Es war augenfällig: sie waren vor ihr geflohen, sie wollten nichts mit ihr zu schaffen haben. Am Vormittag mußte es geschehen sein, und schon nahmen andre von dem traurigen Raum...

12. Part 12

Dann zogen sie weiter, zum Heiligen Geist, zum Kronswinkel, zum Kurhof, und überall, wo sie standen, sangen sie von Marienweh und dem Trost, den der bringe, der in der Weihnacht...

13. Part 13

Malte dachte über das Wort nach, während Jörg droben bei Frauke war. Ein seltsamer Mensch, dieser jüngste Treß! Doch vermochte er darum nicht wie einst gering von ihm zu denken. --

14. Part 14

Sie wunderten sich, daß Marfa am nächsten Tage nicht aufstehen mochte. Es hatte begonnen zu schneien; sie lag, ohne zu sprechen, und sah in die langsam niedersinkenden Flocken....

15. Part 15

Mellin reckte sich in der Brust. »Verhaften? Mich, seit zweiundzwanzig Jahren in der Firma Treß als Packmeister beschäftigt, unbescholten, als Schöffe wiederholt tätig gewesen,...

16. Part 16

Ein Paar blasse Hände lagen in einem Schoß. Sie hatten unruhig gezuckt und wurden nun sanft und gelassen. Ein Mund war hart verschlossen gewesen, als Jörg gesprochen, er war jet...

17. Part 17

Ach ja, am Bühnenhelden tadelte man, wenn er nicht wußte, was er sollte: Schwächling. Und doch war das Heldentum dieser Erde nichts als ein Ringen mit Zweifeln, ein Vergehen in...

18. Part 18

Sie betraten den Hausflur, der wohl als Warteraum gedacht war. Man blickte durch hohe Fenster auf den Hof und auf alte Bäume eines dahinterliegenden Gartens. Jörg überhörte gefl...

19. Part 19

Ist da nicht Frauke? Er vernimmt ganz deutlich ihre Worte: Ein andrer wolltest du sein als du bist. Steht dort nicht die Frau an der Tür, die Frau in ihrem zerknüllten Anzug? Un...

20. Part 20

Wie viele Orte wollten sie noch besuchen! Die alte Kirche auf dem Klostergelände, die immer den Eindruck einer verwahrlosten Alten machte, zwischen deren rohem Holzschnitzwerk u...