German fiction -- 20th century

Der Abenteurer : $ Roman

Jenseits der Schiffsbrücke, auf der Deutzer Seite, hockten die spielmüden Kinder auf der Kaimauer, drückten die heißen Gesichter gegen die Eisenstäbe und blickten durch die Umzäunung über den Strom hinweg auf das langgestreckte, halbmondförmige Köln. Ein paar verlorene Strählc...

Chapters

1. Part 1

Jenseits der Schiffsbrücke, auf der Deutzer Seite, hockten die spielmüden Kinder auf der Kaimauer, drückten die heißen Gesichter gegen die Eisenstäbe und blickten durch die Umzä...

2. Part 2

Die Kinder hatten sich in die vordere Reihe gedrängt. Die kleine, schlanke Carmen hielt sich fest an Moritz Lachners Hand. Wagen auf Wagen fuhr vor. Herren in vornehmer Haltung,...

3. Part 3

»Huckepack!« befahl die Kleine, und der Alte bog schmunzelnd den steifen Nacken und ließ sie aufsitzen. Doch plötzlich warf sich das Mädchen so jäh herum, daß der Alte nur mit M...

4. Part 4

»Maria, daß ich die beiden mit ins Haus brachte! Von Heinrich Koch will ich schweigen, der tat’s aus Hilfsbereitschaft, weil ich den Terbroich nicht abschütteln konnte. Der hatt...

5. Part 5

Dann tummelten sie sich in dem von einem Öllämpchen spärlich erleuchteten Raum herum, und Carmen drückte sich ein Diadem ins Haar, ließ sich einen golddurchwirkten Purpurmantel...

6. Part 6

»Und du?« Ein feiner Spott zuckte um Kochs Lippen. »Laß gut sein, Abenteurer sind wir alle.« Er nahm sein Glas und stieß es gegen das des Freundes. »Also, wer’s am längsten aush...

7. Part 7

Es war ein abendliches Gewimmel. Fabriken und Kontore hatten Feierabend gemacht, und über die Schiffsbrücke zog es wie eine lange, schwarze Prozession. Am Zahlhäuschen staute si...

8. Part 8

Joseph Otten ließ sich auf dem Schemel nieder und wärmte sich die Hände an der bauchigen Kaffeetasse. Dann tat er einen tiefen Zug. »Donnerlütsch, Klaus, dä Kaffee hat sich nit...

9. Part 9

»Du bist doch nie zu Hause gewesen. Vor der Mutter brauch’ ich mich nicht zu genieren. Ich kann dir das nicht so sagen, aber ich weiß nun mal nicht anders, als daß sie immer zu...

10. Part 10

»Und nun schenke ich selber ein. Her mit dem Kristall aus Venedig. In kristallklarer Schale edles Traubenblut. Das sei das Wahrzeichen für den, der auszieht, ein Mann zu werden....

11. Part 11

Frau Maria lächelte vor sich hin. »Daß Sie daran so festhalten. An dem Worte ›neu‹. Sie bleibt ja doch dieselbe. Immer die, die ~wir~ für gut und schön halten, und immer die, di...

12. Part 12

Sie hob ihr Glas und trank unter der Seidenlarve. »Kein Blut — —! Das Wort hat dich also doch erschreckt. Oder dich stutzig gemacht. Weshalb, wenn wir beide uns zur selben Rasse...

13. Part 13

In Petersburg mußte Otten zwei Liederabende zugeben. Er schrieb es an Frau Maria. »Die Petersburger sind Franzosen. Sie machen aus ihrem Herzen keine Mördergrube. Wenn diese Men...

14. Part 14

»Pech!« stieß der Fabrikant kurz hervor. »Das heißt — es kann auch Glück sein. Es handelt sich um einen bedeutenden Abschluß. Soeben telephoniert mich die Fabrik an. Ich muß sch...

15. Part 15

Mechanisch wischte er über seine Stirn. Dann lächelte er verächtlich. »Natürlich erspart. Mich kann doch eine Sache nicht beleidigen, die mir so fern steht wie die Tageslaune di...

16. Part 16

Wild stob es durch sein Hirn, machte ihm das Herz rebellisch, tanzte einen Hexensabbat in Brust und Kopf. Was war gewesen? Was hatte er getan? Untreu war er sich gewesen, gegen...

17. Part 17

»Bei den Alten nicht. Aber die Jungen fordern stürmischer als früher. Oder kommt uns das nur so vor, weil wir langsamer werden. Namen werden jetzt über Nacht geprägt, Künstler a...

18. Part 18

Vor ihm schritt ein Kuttenträger, ein Mönch des Kirchleins San Giovanni. An eiserner Kette schwang er ein antikes Öllämplein, und das rotflackernde Licht beleuchtete gespenstisc...

19. Part 19

Von der Station Dormagen her rollte ein Wagen über die Chaussee. Jetzt fuhr er in die stille Stadt ein, die in sommerlicher Mittagsruhe lag, bog an der Mauer ab und hielt vor ei...

20. Part 20

Heinrich Koch hatte zu Weihnachten eine buntgefiederte Tonpfeife von Klaus zum Geschenk bekommen, die er, neben dem Hausherrn auf der Türschwelle stehend, in der kalten Winterlu...

21. Part 21

»Ja, was denn nur in aller Welt? Ich taste ja selbst im Dunkeln. Ich kann mich doch als Frau nicht auf das Spioniergeschäft verlegen. Was einem Mann ansteht, zieht eine Frau her...

22. Part 22

Sie sah ihm mit glänzenden Augen nach, als er das Zimmer verließ. Unten traf er den alten Klaus, Heinrich Koch und die Wirtschafterin. Er verständigte sie mit wenigen Worten und...

23. Part 23

Einmal erwachte sie. Es war nach Mitternacht. Und er nutzte die Gelegenheit, die Umschläge zu erneuern und ihr zu trinken zu geben. Kaum, daß sie die Kissen wieder berührte, ent...

24. Part 24

Er nahm seinen Hut, verließ das Zimmer und zog die Korridortür hinter sich ins Schloß. Die Parterrebewohner waren noch nicht von ihrer Karnevalsreise durch die Stadt zurückgekeh...

25. Part 25