Category: Novels

Die Ströme des Namenlos

Es gibt Zeiten und Stunden und halbe Nächte, in denen ich immerfort über die Ehe meiner Eltern nachdenken muß. Und manchmal scheint mir, mein Leben sei, als es mir noch unbewußt war und in meiner Mutter beschlossen, schöner und mächtiger und reicher gewesen, als nachher, da ic...

Chapters

1. Part 1

Es gibt Zeiten und Stunden und halbe Nächte, in denen ich immerfort über die Ehe meiner Eltern nachdenken muß. Und manchmal scheint mir, mein Leben sei, als es mir noch unbewußt...

2. Part 2

»Du, Elsbeth, die Flaig hat dich gestern elend angelogen. Ich hab's gleich nicht geglaubt und heut morgen meine Mutter gefragt, die kennt die Flaig's ganz genau. Die Frau ist bl...

3. Part 3

Da kam mich ein wunderliches Sinnen an: Worte stiegen mir auf und Reime, und Sonnen und Sterne und Tränen gingen mir im Kopf herum, daß ich ihnen nimmer wehren konnte.

4. Part 4

Oder kleidete ich mich leise an und verließ das Haus, um droben im Wald einsame Gänge zu tun; und es schien mir, als liege da mein Leben vor mir, wie im Mondlicht die stillen La...

5. Part 5

Am Morgen gingen wir in einer tauigen, kühlen Frühe vor die Stadt hinaus, Urschel pfiff durch die stillen Gassen, daß hie und da ein verschlafener Kopf spähend an den Scheiben e...

6. Part 6

Später, als es dunkel war, gingen wir noch zusammen an den Fluß hinunter. Es war eine wundersame stille Nacht, Brücke und Wasser lagen schimmernd im feierlichen Lichte des Monde...

7. Part 7

Zu Anfang war ich auch bei der mäßigsten Arbeit sterbensmüde, matt und abgeschlagen in allen Gliedern; Frau Finkenlohr aber lachte dazu und meinte, es ginge allen Fremden so in...

8. Part 8

Alsdann waren wir in der stillen, kühlen Kirche; das Licht floß in ruhigen Strahlen durch die dunkelfarbenen Fenster in den hohen Raum. Der Herr spielte, die Musik schien mir se...

9. Part 9

Nun wußte ich freilich, was er meine: er hatte das Gedicht in der Hand, das mir an jenem Morgen eingefallen war. Das wurde nun auf einmal gefährlich lebendig; ich war voller Sch...

10. Part 10

In großer Bestürzung und Verlegenheit ging ich schnell hinaus und auf meine Kammer. Unausgekleidet saß ich auf dem Rand meines Bettes, starrte erschrocken in das Dunkel und hört...

11. Part 11

Das Dichten selber aber wurde mir allmählich zum gesteigerten Genusse und zur leisen Leidenschaft. Ich sehnte mich darnach, daß jene fremde Macht wieder über mich käme und mich...

12. Part 12

Und nun war es wiederum so: wäre Herr Fouqué ein Rentner oder Baron oder schließlich auch Kanzleirat mit sieben zu verschlafenden Bürostunden täglich und gesichertem Gehalte gew...

13. Part 13

Ich muß gestehen, daß ich dabei nicht unbeeinflußt war. Unserem Haus gegenüber wohnten im Oberstock zwei bejahrte, ledige Schwestern namens Heitenreiter. Sie hatten in häusliche...

14. Part 14

Er ging mit mir hinein, die Kinder sprangen uns entgegen, und in einem weißen Bett lag eine saubere und vergnügte Frau und hatte ein winzig Kleines an der Brust. Ich gab ihr die...

15. Part 15

Die Buben waren prächtige und aufrichtige Kerle, bloß von solch unbändiger Wildheit und einem solchen Leichtsinn, daß mir Margret in ihrer Kindheit noch als Lamm dagegen erschie...

16. Part 16

Die Stadt lag mit dem Zug zu fahren eine Stunde von der unsern weg; ich erfand nun Adolf gegenüber eine Ausrede, fuhr hin und wurde von dem Redakteur und seiner lebhaften Frau f...

17. Part 17

Dazu hatte mich schon nach ein paar Wochen ein Uebel befallen, das schlimmer als dies alles war; eine Sehnsucht nach körperlicher Arbeit. Ach, ich kannte dieses drängende und sc...