Category: Novels

Du Schwert an meiner Linken

Viel Worte machte der Oberst von Ottersleben nicht, als er aufstand, um an der Festtafel im Kasino seines Regiments das Hoch zu Kaisers Geburtstag auszubringen. Was hätte er auch sagen sollen, was nicht heute, am 27. Januar, in der Armee, vom Bodensee bis zur Weichsel, selbstv...

Chapters

1. Part 1

Viel Worte machte der Oberst von Ottersleben nicht, als er aufstand, um an der Festtafel im Kasino seines Regiments das Hoch zu Kaisers Geburtstag auszubringen. Was hätte er auc...

2. Part 2

Nun wurde der Kaffee eingenommen. Die Damen saßen in den Zimmern verteilt. Im Salon, um das Sofaarrangement herum, Frau von Ottersleben in ihrem schwarzen Spitzenkleid mit den S...

3. Part 3

und draußen im Freien rang der hagere elegante Landrat Doktor Graf Harffen in seiner knappen Husarenuniform der Reserve, das Monokel im Auge, förmlich verzweifelt die Hände: »Hö...

4. Part 4

»Das ist wieder ein Beweis, daß wir Eltern alle von unseren Töchtern ungefähr so viel wissen, wie ich vom Kaiser in China! Die haben ihre Geheimnisse für sich. Die beißen sich l...

5. Part 5

Trostlos machte sie kehrt, gehetzt, als seien ihr Feinde auf den Fersen, eilte sie wieder durch den Wald zurück, hinter den Geschützen vorbei, nach der anderen Seite -- voll stu...

6. Part 6

»Nun, gnädige Frau!« sagte er zu seiner Nachbarin. »Wie ist Ihnen denn nun so zumute! ... Ein nasses und ein heiteres Auge! ... Hart, seine lieben Mädels so auf einmal alle wegz...

7. Part 7

Sie hatte ihn noch nie anders als in Uniform erblickt. In dem lichten Sommeranzug, den weichen grauen Filzhut auf dem Kopf, sah er verändert aus. Und doch -- das war er. Immer e...

8. Part 8

»Lasse ~du~ es dir gut gehen!« sprach er laut. »Bringe ~du~ unseren Namen weiter zu Ehren! Du bist der Mann dazu! Du kommst noch hoch hinauf in der Armee. Das wünscht dir nieman...

9. Part 9

»Maxe ... zu dir hab' ich so Zutrauen! ... Du mußt ihr andere Anschauungen über mich und über ihre Pflicht und über das Leben beibringen. Du bist ein vernünftiger Mensch! Du nim...

10. Part 10

»Ja. Die Ottersleben standen früher immer bei der Kavallerie. Meist bei den Kürassieren, bis wir in der Franzosenzeit unsere Güter verloren. Hätten wir die noch, so könnte ich j...

11. Part 11

Der Hauptmann von Logow hatte länger als gewöhnlich im Dienst zu tun gehabt. Die Uhr zeigte Mitternacht, als er sein Haus im Hansaviertel betrat. Oben im Flur war es totenstill....

12. Part 12

Sie ging die beiden nächsten Tage wenig aus ihrem Zimmer. Bei Tisch saß sie still und aß nichts. Des Abends, wenn man beisammen war, sprach sie kein Wort. Und da Erich von Logow...

13. Part 13

Am Nachmittag desselben Tages ging Maximiliane Ottersleben mutterseelenallein weit draußen vor Straßburg in dem Grünen und Blühen der Orangerie spazieren. Eigentlich hatte sie e...

14. Part 14

Ein allgemeines »Ah!« der Bewunderung ertönte im Kreis. Die junge Frau Adda von Ottersleben erschien am Arme ihres Mannes, blaß und weiß, im Myrtenkranz und Schleier und langer...

15. Part 15

Es war eine Bewegung unter dem bunten Tuch. Ein Grüßen von rechts und links. Der Generalleutnant und Kommandeur der fünfundvierzigsten Infanteriedivision Exzellenz Olaf von Glüm...

16. Part 16

Es war beinahe dasselbe in seinen Worten, was ihr vorhin die eigenen Gedanken gesagt hatten: das Sich-Flüchten zu einem, bei dem man geborgen war. Sie konnte sich nicht helfen:...

17. Part 17

Die Nacht war weit vorgerückt. Ein feiner Hauch von Staub, ein Zittern von Hitze, eine helle Flut von Licht lag über dem Wiegen der Walzertakte, dem Wirbeln und Schleppenfegen d...

18. Part 18

»Und doch hätten wir all diese Kälte und Freudlosigkeit noch miteinander ertragen,« sagte er endlich, »wenn nicht von einer anderen Seite her die Liebe in unser Leben gekommen w...

19. Part 19

Im Hintersaal des Pschorrbräu, wo die einzelnen Regimenter ihre langen, hölzernen Stammtische besaßen, hatte sich der Grenadier mit seinen beiden Vettern, den Söhnen des General...

20. Part 20

Der Hauptmann von Logow stand auf und griff, um sich zu verabschieden, nach seinen Handschuhen, die neben ihm auf dem Stuhl lagen. Plötzlich kam ein unterdrücktes, leidenschaftl...

21. Part 21

»Der Kaiser ist noch in Mainz! Das Hauptquartier geht morgen von dort direkt gegen den Neckar, in die Gegend von Ladenburg ... Der Großherzog von Hessen ist auch drüben in Mainz...

22. Part 22

Von dem Kampfe selbst merkte man in den Vormittagsstunden in der Stadt nur den fernen Kanonendonner. Von wo er kam, ließ sich nicht sagen. Das Wetter grollte überall. Es brummte...

23. Part 23

Er jagte über das steinige, von Baumstöcken und Wurzeln durchsetzte Blachfeld hin. Er kümmerte sich wenig um die Hindernisse. Er hatte in seinem langen Reiterleben schon andere...

24. Part 24

Der Tisch war abgeräumt. Dorle Grotjan las einen vormittags angekommenen Brief ihrer Mutter vor, die nach wie vor zurückgezogen in Darmstadt in ihrem Kreis von Generalinnen z. D...

25. Part 25

»Eingeseift haben sie den Herrn Leutnant a. D.!« nickte der alte Herr. »Das kommt davon, wenn man seine Branche im S--tich läßt. Ich bin nun schon 'n büschen schlecht auf den Au...

26. Part 26

Die übrigen drängten sich um den neuen Major. Es war ein Händegeschüttel und Glückwünschen. Alles machte frohe Gesichter. Erich von Logow lachte mit. Er war aufgestanden. Seine...

27. Part 27

Die Jüngere schüttelte stumm das Haupt. Ulla von Logow wiederholte, erschöpft in die Kissen niedergleitend: »Da lieg' ich!... Ich werd' auch wieder aufstehen und mich wieder hin...

28. Part 28

»... dann weiß ich doch noch lange nicht, ob sie mich als Pflegerin will! Ich kann doch nicht hier um Urlaub bitten und dann dort abgewiesen werden, so gut wie ihr!«

29. Part 29

Ulla schlug noch einmal die Augen auf. Eine Bewegung ging über ihr Gesicht. Sie erkannte die beiden, die an ihr Lager traten. Sie reichte ihrem Mann die Hand. Es war ein schwach...