DE Prosa

Engelhart Ratgeber: Roman

Engelharts erste Kindheitserinnerung knüpfte sich an eine Feuersbrunst. Die Mutter saß am offenen Fenster, und der Knabe spielte zu ihren Füßen in der Nähe eines Kochtopfes, in dessen Innern sich Überreste von Pflaumenmus befanden. Da wurde Frau Ratgeber durch einen Aufschrei...

Chapters

1. Chapter 1

Engelharts erste Kindheitserinnerung knüpfte sich an eine Feuersbrunst. Die Mutter saß am offenen Fenster, und der Knabe spielte zu ihren Füßen in der Nähe eines Kochtopfes, in...

2. Chapter 2

Es malte sich in seinem Bewußtsein dies: nicht, daß ein Kind gebracht, sondern daß es geboren worden sei. Eine tote Buch- oder Zeitungswendung wurde in seinem Geiste flammend le...

3. Chapter 3

Nun war ein gewisser Rindsblatt in der Gesellschaft, ein rothaariger, häßlicher Knabe, der sich scharwenzelnd und prahlend um Sophie zu schaffen machte und gegen den Engelhart b...

4. Chapter 4

Adele Spanheims Herrlichkeit nahm bald ein Ende. Eines Nachmittags betrat Herr Ratgeber wider seine Gewohnheit die Küche und sah, daß Fräulein Adele mit träumerisch aufgerissene...

5. Chapter 5

»Ich weiß es,« behauptete Engelhart finster, dennoch sank in diesem Augenblick seine Wissenschaft in Nichts zusammen, und aus Groll darüber ward er störrisch. »Wie ist denn Gott...

6. Chapter 6

Im Hause der Frau Wahrmann hatte sich wenig geändert. Helene war nun ein heiratsfähiges Mädchen, aber sie machte sich wenig Gedanken darüber, und ihre Hauptsorge war auf ein har...

7. Chapter 7

Eines wirkt ins andre; auf einem Distelstrauch wachsen nicht Rosen. Engelharts Mitschüler waren in ihrem innersten Wesen zuchtlos. Nur mit der gemeinsten Notdurft der Dinge vert...

8. Chapter 8

Es vergingen noch zwei Wochen, dann stand Engelhart eines Abends mit seinem Vater im Regen vor der Bahnhofshalle, und sie warteten auf den Zug. Immer von neuem wiederholte Herr...

9. Chapter 9

Engelhart trat zum Fenster und schaute stumm in die Abendröte. Fern zwischen Häusern schwebte noch ein schmales Sonnensegment. Herz der Welt, du sollst erglühen, dachte er mit j...

10. Chapter 10

Kapellers wohnten ein Stockwerk höher. Es waren vier Brüder, die bei der Mutter lebten, lauter junge Männer, denen das bloße Aufderweltsein schon gewaltigen Spaß machte; wenn si...

11. Chapter 11

Kapellers ließen ihn wissen, daß sie den Abend auf dem Kahlenberg zubringen wollten, wenn er mitzutun Lust habe, sei er willkommen, wenn nicht, finde er kaltes Nachtessen bereit...

12. Chapter 12

Der Tag wird heiß, schwer lastet der Tornister auf den Schultern, der Kasten des Gewehrs schneidet ins Fleisch, der Helmrand beginnt auf Stirn und Augen unheimlich zu drücken. E...

13. Chapter 13

Das Paradieschen war ein winziges Gebäude, dicht am Stadtgraben erbaut; jenseits erhob sich der kolossale Turm des Ludwigstores. Zur Nachtzeit blickten die erleuchteten Fensterc...

14. Chapter 14

Amöna hatte ihn zu liebkosen versucht; sie ließ nun ab und setzte sich bleich und stumm auf den Rand ihres Bettes. Sie warf einen schnellen Blick in den Spiegel, der nebenan an...

15. Chapter 15

Tag um Tag wurde Engelharts Zusammenleben mit Schildknecht inniger, alle andern Menschen erschienen ihm fremd, und wo immer er auch sonst Anschluß und Annäherung gesucht hatte,...

16. Chapter 16

Die Generalagentur der »Minerva« lag im ersten Stock eines villenartigen Hauses vor der Stadt; im Erdgeschoß befand sich eine kleine Weinwirtschaft. Dunkelblauer Himmel strahlte...

17. Chapter 17

Zwei Stunden später war er in Oberstraß, in Schildknechts Wohnung. Schildknecht war nicht zu Hause. Engelhart wartete im Garten und malte sich still träumend das Gesicht des Fre...

18. Chapter 18

Es wurde Mitternacht, ehe Engelhart, weit in der nördlichen Vorstadt irrend, die Straße und das Haus fand, wo sein Vater wohnte. Dann mußte er lange läuten, bis Frau Ratgeber he...

19. Chapter 19

Auch diese Erwerbsquelle versiegte mit der dritten Woche. Um das Unheil voll zu machen, wurde die Mietsfrau sehr krank; sie wurde ins Spital geschafft, und Engelhart mußte ein a...

20. Chapter 20

Während Engelhart dastand und sich wunderte, während ihm graute und während er im Innern weinte, ohne sich zu verhehlen, daß sein Anrecht auf edle Tränen noch verwirkt war, sah...