Westafrikanische Kautschuk-Expedition
Part 29
1889 5 Tonnen 1890 30 „ 1891 21 „ 1892 63 „ 1893 167 „ 1894 275 „ 1895 531 „ 1896 1116 „
Nach Hamburg wurden an Kautschuk eingeführt:
1894 4771 Tonnen im Werte von 16148120 Mk. 1895 5424 „ „ „ „ 18819850 „ 1896 7191 „ „ „ „ 25108210 „
so daß also unser großes Emporium augenblicklich einen mehr als sechsfach so bedeutenden Kautschukhandel hat als Antwerpen und fast ein Viertel der gesamten Weltproduktion nach Hamburg gelangt.
Weit weniger erfreulich stellt sich aber die Sache dar, wenn wir den Herkunftsländern des in den Hamburger Handel gelangenden Kautschuks nachgehen. Nicht weniger als 3832 Tonnen, also über die Hälfte der gesamten Einfuhr, gelangt erst über andere europäische (nicht deutsche) und nordamerikanische Häfen nach Hamburg, darunter 2895 über Großbritannien, 209 über Belgien, 174 über Frankreich, 117 über Portugal, 138 über die Niederlande, 131 über die Vereinigten Staaten etc. Aus Brasilien kommen nur 69 Tonnen direkt, aus Afrika dagegen 2864, d. h. fast ein Drittel der gesamten afrikanischen Ausfuhr, darunter
aus Deutsch-Westafrika 305 „ dem übrigen Westafrika 1700 „ Deutsch-Ostafrika 204 „ Sansibar 51 „ dem übrigen Ostafrika 326 „ Madagaskar 276
Es wird hierdurch also die auch sonst, geltende Regel bestätigt, daß der Handel der Flagge folgt; nur Westafrika teilweise, sowie Madagaskar, wo gerade viele deutsche Häuser ansässig sind, machen darin eine Ausnahme; schon Sansibar exportiert trotz der vielen dort ansässigen deutschen Häuser den größten Teil nach England, und nur von den deutschen Schutzgebieten geht der größte Teil (⅔ bis ¾) direkt nach Deutschland.
Wir sehen also aus diesen Erörterungen, daß
1. der Kautschukhandel stetig und rapide wächst,
2. Deutschland im Kautschukhandel eine hervorragende Stellung einnimmt,
3. der Kautschukhandel sich im allgemeinen nach der Flagge des Landes richtet,
4. der Kautschukexport Brasiliens stetig zunimmt,
5. der Kautschukexport in Afrika nur noch im Congostaat beträchtlich zunimmt, in den meisten Ländern hingegen abnimmt,
6. der Kautschukexport Deutsch-Westafrikas schon bedeutend abnimmt, derjenige Ostafrikas kaum mehr zunimmt.
Anhang II.
Gutachten über die von Lagos eingesandten Kautschukproben des chemischen Laboratoriums für Handel und Industrie (Dr. Rob. Henriques). Berlin.
Die von Herrn +Schlechter+ am 1. März übersandten Proben, bestehend aus:
1. Milch einer Ficusart von Lagos,
2. daraus gewonnener Kautschuk, kalt koaguliert,
3. „ „ „ kochend koaguliert,
4. kleine Probe Kickxiamilch von Lagos,
habe ich mit folgendem Resultat untersucht:
Zu 1. Die Ficusmilch stellte eine dünne, leicht bewegliche Flüssigkeit vom spezifischen Gewicht 0.98 dar. Eingesandt waren 75 ccm.
Die Milch koaguliert beim Ansäuern mit Essig- oder Mineralsäure nicht in der Kälte, wohl aber rasch in der Wärme, wobei sich der Kautschuk in Form eines Klumpens in bräunlich gefärbten Serum ausscheidet und aus diesem herausgenommen und gewaschen werden kann. Es wurden so gewonnen aus 50 ccm: 13.5 g feuchtes = 9.3 g trockenes Rohprodukt.
Gehalt des trocknen Rohprodukts an Asche: 0.18 pCt., „ „ „ „ „ Kautschukharzen: 22.6 pCt.
Der entharzte Ficus-Kautschuk war zwar kein erstklassiges Produkt, immerhin aber ein echter, mäßige Elastizität zeigender Kautschuk. Die sogenannten Kautschukharze bildeten eine weiße, anscheinend krystallisierte, in heißem Aceton lösliche feste Masse.
Die Proben sub 2 und 3 ergaben:
Zu 2. Wasser 8.21 pCt., Asche 1.70 „ Kautschukharz 31.02 „
Zu 3. Wasser 4.84 pCt., Asche 1.04 „ Kautschukharz 23.09 „
Die Probe 3 (kochend koaguliert) stimmte mithin mit dem von mir aus der Milch erhaltenen Produkt im wesentlichen überein. Die Ficusmilch durch Verdunstenlassen an der Luft zu koagulieren (wie No. 2), empfiehlt sich mithin nicht. Der aus 2 und 3 gewonnene entharzte Kautschuk stimmte unter sich und mit dem aus der Milch gewonnenen völlig überein.
In Anbetracht dessen, daß das Entharzen eines solchen Ficus-Kautschuks sich technisch sehr wohl ausführen läßt und daß das dann gewonnene Produkt ein weit brauchbarerer Kautschuk ist als der aus guten Flakes und derartigen Waren herzustellende, möchte ich den eventuellen Wert einer Rohware wie No. 3 auf etwa 4.50 Mark pro Kilo normieren. Kautschukhändler und -fabrikanten werden ihn aber wahrscheinlich etwas niedriger taxieren. Was die Taxen von dieser Seite betrifft, so möchte ich noch darauf hinweisen, daß größere Mengen von den Eingeborenen kaum so trocken hergestellt werden könnten wie diese kleinen von Herrn +Schlechter+ koagulierten Mengen. Nasse Rohware von einem so großen Harzgehalt wie der vorliegende repräsentiert sich aber sehr schlecht und wird vorerst recht niedrig bewertet werden.
Sollte sich diese Lagos-Ficus auch in unseren Kolonien finden, so wären die Eingeborenen zu einem fleißigen Sammeln und Verarbeiten des Saftes anzuhalten, der immer ein billiges, für Sekundawaren wohl verwendbares Produkt liefern würde. Einen derartigen Baum aber plantagenmäßig anzupflanzen, dazu könnte ich nicht raten, selbst wenn die Ficus, worüber wohl nichts bekannt ist, besonders rasch anzapfungsfähig wäre. Für Anbau und Kultur sollten vorerst meines Erachtens nur solche Pflanzen in Frage kommen, die ein gutes, elastisches, auch ohne weitere Reinigung wenig Harz enthaltendes Produkt geben.
Zu 4. Die mit eingeschickte kleine Probe Kickxiamilch reichte eben hin, um daraus etwas Kautschuk zu koagulieren und mit dem der +Preuß+schen Kickxiamilch von Kamerun zu vergleichen. Die Lagos- und Kamerun-Milch verhielten sich, betreffend die Art des Koagulierens, völlig gleich, und auch die daraus gefertigten Kautschukproben waren von gleicher Vorzüglichkeit.
Die wichtigsten der von Herrn +Schlechter+ aus Westafrika mitgebrachten Kautschuk- und Kautschuksaftproben habe ich nunmehr untersucht, und erlaube ich mir, darüber folgenden Bericht zur Verfügung zu stellen:
1. +Landolphia von Ngoko.+
Spezies unbestimmt. Am 21. Oktober 1899 an Ort und Stelle koaguliert: 45 ccm der Milch wurden mit ebenso viel Wasser verdünnt und nach Zusatz von 5 ccm Bossassangasaft gekocht. Erhaltener Kautschuk: 16 g. -- Aussehen: Wurstförmiges Stück, sehr elastisch. Trocken und gut. Weiß mit dunkeler Außenschicht.
+Analyse+: Kautschuk: 82.28 pCt. Wasser: 11.26 pCt. Kautschukharze: 5.32 „ Asche: 1.14 „
2. Landolphia von Bonga am Sanga.
Spezies unbestimmt. Am 16. August 1899 an Ort und Stelle koaguliert. Aus 20 ccm erhalten 12 g Kautschuk. -- Aussehen: Kleiner Kuchen von gleicher Farbe wie 1. Ebenfalls sehr elastisch und gut; wenn auch stark wasserhaltig, doch erstklassiges Produkt.
+Analyse+: Kautschuk: 72.43 pCt. Wasser: 21.20 pCt. Kautschukharze: 1.06 „ Asche: 0.31 „
3. Kickxia elastica.
a) Milch derselben. In Ngoko direkt von dem Baum abgelassen und 700 ccm, versetzt mit 35 ccm Salmiakgeist (30 pCt.), in eine sofort versiegelte Weinflasche gefüllt. Trotz dieser Vorsichtsmaßregeln ist die Milch nicht unverändert in meinen Besitz gekommen. Ein großer Teil Kautschuk war freiwillig koaguliert. Von diesem wurde die Milch abgegossen, von der noch 300 ccm isoliert werden konnten; diese verhielt sich genau wie die im vorigen Jahre von mir untersuchte Kickxiamilch von Dr. +Preuß+ (siehe „Tropenpflanzer“ 1899, S. 257 und „Gummizeitung“, XIII, 1899, No. 26). Spezifisches Gewicht: 0.990. Weder Mineral- noch organische Säuren fällen Kautschuk aus, ebenso wenig gelingt es mit dem zum Koagulieren der Landolphia verwendeten Bossassangasaft, die Kickxiamilch zum Koagulieren zu bringen, man muß vielmehr, wie ich schon früher schrieb, den Saft zum Kochen bringen (was sich auch mit dem Verfahren der Eingeborenen deckt) und gewinnt dann unter Rühren der mit Wasser verdünnten Milch, angesäuert oder nicht, den festen Kickxia-Kautschuk.
Über die eigentümlichen Koagulationserscheinungen, die dabei die Milch zeigt, soll an anderer Stelle berichtet werden. Der fertig koagulierte Kautschuk wurde in Stücke geschnitten, ordentlich gewaschen und an der Luft getrocknet. Zerschneidet man die größeren Stücke mit Scheren in kleinere (vielleicht Würfel von 2 bis 3 cm Seitenlänge), so gelingt es, selbst hier bei warmer Witterung in acht bis zehn Tagen den Kautschuk auf etwa 10 pCt. Wassergehalt zu trocknen, ohne daß man eine Oxydation zu befürchten hätte, besonders wenn man die trocknenden Massen öfter umschaufelt. Dies Verfahren dürfte sich zur Einführung bei den Wilden empfehlen, die oftmals monatelang trocknen, um eine trockene, bessere Ware zu erzielen.
Die 300 ccm Milch -- es wurde nur eine gemessene Menge verarbeitet -- enthalten 104.5 g Kautschuk von der Zusammensetzung:
Kautschuk: 82.17 pCt. Wasser: 10.10 pCt. Kautschukharze: 6.72 „ Asche: 1.01 „
Der freiwillig koagulierte Kautschuk aus der Milch wog nach dem Waschen und Trocknen 217 g und enthielt:
Kautschuk: 82.39 pCt. Wasser: 10.57 pCt. Kautschukharze: 6.35 „ Asche: 0.69 „
Es ergaben also 700 ccm Milch 321½ g Verkaufsware mit rund 10 pCt. Wasser = rund 46 pCt. vom Milchvolum.
b) 1.628 l Kickxiasaft, von +Schlechter+ am 13. September 1899 in Ngoko durch Kochen der verdünnten Milch koaguliert, gaben 870 g Kautschuk folgender Zusammensetzung:
Kautschuk: 84.86 pCt. Wasser: 9.99 pCt. Kautschukharze: 4.96 „ Asche: 0.19 „
Diese sowie die folgenden Sorten c) und d) dürften aber zur Zeit der Wägung bedeutend wasserreicher gewesen sein, als sie es in dem Zustand waren, wo sie analysiert wurden. Vergl. die Ausbeute aus Milch (desselben Baumes) und +Schlechters+ Angaben.
c) 1.575 l Kickxiasaft, am 10. September 1899 von +Schlechter+ durch Kochen mit Bossassangasaft koaguliert. Erhalten 835 g Kautschuk.
Die Analyse ergab:
Kautschuk: 82.56 pCt. Wasser: 11.19 pCt. Kautschukharze: 5.80 „ Asche: 0.45 „
d) 130 ccm derselben Milch wurden (13. September 1899) auf Lehm ausgegossen, der Kautschuk nach zwei Tagen gesammelt. Erhalten 74 g.
Die Analyse ergab:
Kautschuk: 76.13 pCt. Wasser: 15.11 pCt. Kautschukharze: 4.89 „ Asche: 3.85 „
e) Ein Kautschukstück endlich, das +Schlechter+ am 14. September in Ngoko nach Art der Para-Kautschuk-Gewinnung räucherte (Gewicht: 215 g), ergab folgende Zahlen:
Kautschuk: 80.20 pCt. Wasser: 13.53 pCt. Kautschukharze: 4.75 „ Asche: 1.52 „
Praktischen Wert hat das Verfahren für den Kickxia-Kautschuk natürlich nicht; es bestätigt sich nur so eine Vermutung, die ich ebenfalls früher äußerte („Tropenpfl.“ 1898, S. 259), daß sich der Kickxia-Kautschuk wahrscheinlich gut räuchern ließe.
Die Proben b) bis d) von +Schlechter+ waren zumeist cylindrische Stücke von durchschnittlich 4 cm Durchmesser und 2 cm Höhe, ebenfalls an der Oberfläche gebräunt, mit weißem Kern, wie die kleiner geschnittene Ware, die ich aus der Milch gewinnen konnte. Der Kautschuk stellt sich den besten Congo-Sorten zur Seite, soweit man darüber nach Laboratoriumsversuchen urteilen kann. Fabrikationsversuche müssen entscheiden, wie sich der Kickxia-Kautschuk dabei bewährt, denn zwei von verschiedenen Pflanzenfamilien stammende Kautschuke sind nicht chemisch identische Körper, sondern nur nahe Verwandte und können sich chemisch gewaltig unterscheiden, so auch bei der Vulkanisation ein recht verschiedenes Verhalten zeigen. Vorsicht bei der Einführung neuer Sorten ist also zu empfehlen.
Der Bossassangasaft, der Saft verschiedener Cactusarten, der überall im Congo-Gebiet zum Koagulieren der Landolphiamilch verwendet wird, erwies sich, wie zu erwarten stand, als stark saurer Pflanzensaft (100 ccm Saft neutralisiert mit 19.75 ccm n/2 Alkali). Von diesen Säuren sind nicht ganz ein Fünftel mit Wasserdämpfen leicht flüchtig und zeigen den Charakter der Essigsäure, der nicht flüchtige Rest besteht aus hochmolekularen Säuren, sowie aus niedrigermolekularen vom Charakter der Oxalsäure, deren Kalksalze mit Chlorcalium aus dem Saft fallen. Die nähere Untersuchung des Saftes, erschwert dadurch, daß leicht Zersetzungen durch Schimmelpilze in dem ohne Zusätze transportierten Material eintreten, steht noch aus.
VII. Kapitel.
Die botanischen Ergebnisse der Expedition.
In den nachstehenden Zeilen habe ich versucht, eine kurze Schilderung der Vegetationsverhältnisse der von mir auf meiner westafrikanischen Reise durchzogenen Gebiete zu geben. Da diese Reise sehr beschleunigt werden mußte und vor allen Dingen die botanische Erforschung der Gebiete erst in zweiter Linie in Betracht kam, so ist es natürlich, daß manche Eindrücke, welche ich bei einem so flüchtigen Durchzuge gewonnen habe, nicht durchaus die richtige Beurteilung treffen werden. Um eine pflanzengeographische Skizze eines Gebietes aber geben zu können, dazu gehört meiner Ansicht nach mehr als ein Aufenthalt, der so kurz bemessen war, wie ich ihn leider nur hatte.
Unter den nördlicheren von mir bereisten Gebieten muß Togo vor allen Dingen das Interesse des Pflanzengeographen in Anspruch nehmen, da die Zone an der Küste und im Innern mehr Verschiedenheiten aufweist als die der angrenzenden Gebiete. Es wird eine interessante Frage in der Zukunft sein, zu erforschen, welche Ursachen die Steppengebiete in Togo so weit bis zur Küste vorgeschoben haben, während doch die Nachbargebiete mit Ausnahme eines Teiles der Goldküste einen viele Meilen breiten Urwaldgürtel an der Küste aufweisen. Die Kenntnis der Flora dieses Schutzgebietes liegt bei uns noch recht im Argen, und steht weit hinter jener zurück, welche wir bereits über die der Küstenländer von Kamerun erlangt haben.
Dem Reisenden, welcher von der Küste kommt, fallen drei verschiedene Vegetationszonen auf, welche in kurzen Abständen hintereinander folgen. Die erste dieser Zonen ist ein schmaler Buschsteppengürtel, welcher sich längs der Küste hinzieht, darauf folgt die gemischte Gras- und Baumsteppen-Zone, die durch das zum Teil bewaldete Agome- und Agu-Gebirge unterbrochen wird, und schließlich die Waldzone, welche aber keine regelmäßige Ausdehnung hat.
Die Buschsteppe der Küste hat einen ausgesprochen xerophytischen Charakter und ist vor allen Dingen gekennzeichnet durch das Fehlen der Ölpalme und die auffallende Spärlichkeit der Gräser. An der Stelle, wo ich diese Zone durchschritten habe, wies sie nur eine Breite von etwa drei Marschstunden auf. Die Vegetation setzt sich zunächst nur aus mannshohen Büschen oder aus noch kleinerem Gesträuch zusammen. Nur hin und wieder zeigt sich ein verkrüppelter Baum, oder, wenn wir tiefer in diesen Buschgürtel eingedrungen sind, eine Säule, welche selbst den stärksten Stürmen Trotz bietet, ein +Baobab+ (+Adansonia digitata+). Die Sträucher gehören vorzugsweise den Euphorbiaceen und Rubiaceen an, unter welch letzteren die +Gardenia Thunbergia+ durch ihren sparrigen Wuchs und ihre stark duftenden, anfangs weißen, später gelblichen Blüten besonders ins Auge fällt. Nicht selten finden sich die fleischigen Zweige von +Sarcostemma aphyllum+ R. Br. oder anderer Asclepiadaceen; dickstämmige Senecio-Arten winden sich über die Sträucher hin. Auch die Tiliaceen-Gattung +Grewia+ in sehr sparrigen Formen zeigt hin und wieder ihre gelben Blüten im Verein mit stacheligen Akazien. Uns ist über die Flora gerade dieser Küsten-Buschsteppe noch recht wenig bekannt, da keiner der wenigen Sammler des Gebietes derselben Interesse entgegengebracht zu haben scheint. Ich selbst durchzog diesen Teil des Landes zu einer Zeit, als nach langer Dürre die mit Staub dicht bedeckten Gebüsche gar keine Blüten zeigten. Nach dem Regen sollen auch einige kleinere Kräuter auftreten, doch sind uns dieselben und ihre Verwandtschaften noch gar nicht bekannt.
Eine viel weitere Ausdehnung besitzt die zweite, die Gras- und Baumsteppen-Zone. Dieselbe begann auf meiner Reiseroute bei dem Dorfe Akeppe. Ölpalmen treten in dieser häufig auf. Vor allen Dingen aber charakteristisch für sie sind die weiten Glasflächen, welche mit einzelnen Bäumen bedeckt sind. Da wo die Läufe der nur periodisch fließenden Bäche es zulassen, haben sich wohl auch kleine Buschwaldgruppen gebildet, welche für den Botaniker stets eine Fülle interessanter Formen bergen. Ich bin fest davon überzeugt, daß sich die Flora dieser Grassteppen, wenn sie erst besser bekannt sein wird, als sehr reichhaltig erweisen wird. Außer einer Fülle von Gramineen und Cyperaceen finden wir hier besonders viele Scrophulariaceen. In kleinen Büschen leuchtet allenthalben das prachtvolle +Cycnium camporum Engl+. mit seinen großen weißen Blüten aus dem Grase hervor. +Striga+ ist in mehreren Arten vertreten, unter denen besonders diejenigen mit scharlachroten Blüten unser Auge fesseln. +Sopubia Dregeana+ bildet kleine Büsche mit Trauben rosenroter Blüten. Compositen sind nur schwach vertreten. Besonders sind es die Aspilien, welche uns mit ihren weißen oder gelben Strahlblüten auffallen. Hier und dort erhebt sich auch eine schlanke +Coreopsis+ oder eine seltene Aedesia, die mit ihren langen, grasähnlichen Blättern bei oberflächlicher Betrachtung alles andere hinter sich vermuten läßt, als eine Composite. Nächst den Scrophulariaceen sind es die Rubiaceen, welche hier sich durch Formenreichtum auszeichnen, und unter ihnen besonders die +Oldenlandien+, von denen uns die verschiedensten Typen von der schlanken O. virgata W. bis zu der zierlichen O. +Heynei+ Oliv. begegnen. Außerdem fallen dem flüchtig Durchreisenden noch Euphorbiaceen, Gentianaceen, kleine Leguminosen, besonders +Cassia+ und +Indigofera+-Arten, sowie Malvaceen und Asclepiadaceen auf. Unter den letzteren finden sich einige Typen, die mit Formen der ost- und südafrikanischen Steppen verwandt sind. An Monocotyledonen fehlt es auch nicht. Vor allen Dingen müssen unter diesen die Orchidaceen erwähnt werden, welche mit ihren prachtvollen schlanken Blütenständen der Steppe zur Zierde gereichen; unter diesen sind es besonders +Eulophia+-Arten (+E. cristata+ Stend. und +E. dilecta+ Schltr.), welche sich auszeichnen. Selten lugt aus dem Grase eine weiß- oder grünblütige +Habenaria+ oder an schattigeren Stellen eine +Nervilia+ hervor. Zwei andere sogleich ins Auge fallende Pflanzen möchte ich hier nicht unerwähnt lassen. Die Anchomanes-Arten, welche durch ihre gefleckten, stachligen Stengel und die hellgrünen oder violetten Spathen auffallen, sind sehr verbreitet, obgleich sonst Araceen nicht zu den häufigeren Repräsentanten der Steppenfloren gehören. Eine andere auch nicht selten anzutreffende Pflanze ist die merkwürdige +Tacca pinnatifida+. Es würde mich zu weit führen, wollte ich hier in dieser kurzen Skizze alle die interessanten und schönen Pflanzen erwähnen, welche ich in jenen Steppen beobachtet habe.
Die Baumvegetation setzt sich vorzugsweise aus Leguminosen, Sterculiaceen, Euphorbiaceen und vor allen Dingen Combretum-Arten und Bassiastämmen zusammen.
Da, wo sich längs der Wasserläufe Buschwald gebildet hat. finden wir eine Flora, welche der der dritten Zone auffallend ähnlich ist. Nur eines ist mir in jenen Buschwäldern südlich des Agome-Gebirges aufgefallen, nämlich das vollständige Fehlen der +Kickxia africana+.
Wie ich schon oben erwähnte, hat die dritte Vegetationszone, die Urwaldzone, eine sehr unregelmäßige Ausdehnung. Diese Erscheinung ist wohl zum großen Teile auf die ausgedehnten Wald- und Grasbrände zurückzuführen, welche von den Eingeborenen gewohnheitsgemäß angesteckt werden, teils um das Wild aus seinen Verstecken hervorzujagen, teils um neuen fruchtbaren Boden für die Anpflanzungen zu gewinnen.
In diesem Walde finden wir eine ziemlich dichte Unterholzvegetation, so daß wir denselben fast als Buschwald bezeichnen müssen. Nicht selten ist der Boden über weite Strecken hin mit +Alpinien+, die häufig Manneshöhe erreichen, bedeckt. An lichteren Stellen gesellen sich zu diesen die +Costus+-Arten, und hier und dort läßt die +Sanseviera+ ihre schön marmorierten, breiten Blätter aus dem Dickicht hervorleuchten. In der Bildung des Unterholzes spielen die Rubiaceen und Euphorbiaceen die Hauptrolle. +Cissus+-Arten, zierliche Asclepiadaceen und Apocynaceen und seltener Menispermaceen bedecken diese Büsche häufig vollständig; an den Stämmen aber winden sich die riesigen Lianen empor, welche ihren Blütenflor in den hohen Baumkronen entwickeln.
Der ganze Buschwald ist mehr oder minder dicht bestanden mit Kickxia africana und anderen kleineren Bäumen aus den Familien der Apocynaceen, Rubiaceen, Euphorbiaceen, Combretaceen etc. Diese wiederum werden überragt durch die Waldriesen, welche über sie noch ein Schutzdach bilden. Die letzteren setzen sich zusammen aus Leguminosen, Moraceen (Chlorophora), Euphorbiaceen und Combretaceen. Über die einzelnen Arten dieser Familien ist noch viel zu erkunden, da es sehr schwer ist, von ihnen Blüten und Früchte zu erlangen.
Dem Waldgebiet Togos ist dasjenige der Hinterländer von Lagos sehr ähnlich, doch bildet die Waldzone daselbst einen breiten Gürtel, welcher direkt an der Küste beginnt. Erst hinter diesem Gürtel erstreckt sich dann die Graszone in einer Entfernung von mindestens 60 km von der Küste. Die Flora des westafrikanischen Waldes ist auffallend arm an Formationsverschiedenheiten, es sei denn, daß solche durch hohe Gebirge oder sonstige klimatische Einflüsse in ihrer Entwickelung begünstigt werden. Auch in den Wäldern des Yoruba-Landes finden wir dieselben Pflanzen wieder, welche wir bereits aus Togo kennen gelernt haben. Häufiger sind daselbst die Leguminosen und Apocynaceen; statt der Kickxia africana Bth. ist Kickxia elastica Preuß verbreitet. Da die Urwaldkomplexe einen bedeutend größeren Umfang besitzen, haben sich mehr Baumriesen erhalten: vor allen Dingen sind Ceiba- und Bombax-Arten, sowie andere Sterculiaceen in riesigen Exemplaren verbreitet.
Das Grasgebiet, welches auf der von mir begangenen Route kurz vor Ibadan beginnt, zeigt einen mehr hügeligen Charakter als die Steppen von Togo, und häufiger als dort finden wir Unkräuter, welche wohl durch die Menschen über weite Regionen des Niger-Gebietes verbreitet sind. Zu ihnen zählen die verschiedenen Amarantaceen und Compositen, Acalypha-Arten, Malvaceen und Tiliaceen. Mit Ausnahme der wenigen aus dem Sudan bis in die Yoruba-Länder herabsteigenden Arten ist die Flora jener Steppen denen von Togo sehr ähnlich, aber entschieden erheblich ärmer an Arten.