Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch für den deutschen Sprachunterricht in der Volksschule

Part 8

Chapter 83,458 wordsPublic domain

Die zierlichen Rouleaux der Salonfenster sind heute nicht heruntergelassen. Bald strahlt hinter ihnen der helle Lichtglanz des Christbaums. Bis auf die Straße herab schallt der jauchzende Jubel der Kinder. Ihre Hoffnung auf die Christbescherung ist glänzend erfüllt. Eine reiche Menge von Geschenken liegt vor ihnen ausgebreitet. Die lockenden Titel der Geschichtenbücher lachen in die Augen. Das liebe Klappern der Nüsse schlägt an die Ohren. Das tiefe Roth der Aepfel reizt die Gaumen.

Aber nicht blos in den Palästen entzückt die holde Pracht der Christfestkerzen. Auch das niedere Stübchen der Souterrainbewohner dort erleuchtet ein Weihnachtslicht. Die freundlichen Gaben des Christkindes liegen hier freilich nur spärlich zuertheilt. Der zu spendende Dank der Kinder bleibt indeß auch für das Wenige nicht aus.

So ist jedes Haus in der Stadt heute ein Freudentempel. Das selige Jauchzen aus den Familienkreisen steigt preisend zum Himmel hinauf.

82. Die Zigeunerkinder.

(Zwei Beifügungen vor dem Subject.)

Eines Tages ging +mein lieber+ Vater mit mir in einen Wald, erzählte Felix. In dem Walde lagerten mehrere erwachsene Zigeuner. Ihre sechs Kinder hüpften um sie her. Drei mächtige Buchen wölbten ihre Aeste über den Fremdlingen zu einem Dache.

„Diese bunte Gruppe kann einem Maler Stoff zu einem Bilde geben,“ sagte der Vater. „Jener dicke Junge dort ist ein Prachtbursche. Seine dunklen Augen funkeln wie Sterne. Sein blendendweißes Gebiß gleicht einer Perlenschnur. Und nun sein sonnverbranntes Gesicht! Diese braune Gesichtsfarbe vollendet seine Schönheit.

Aber auch jenes kleine Mädchen dort gefällt mir. Sein pechschwarzes Haar sieht reizend aus. Solche volle Zöpfe sind unter unsern Kindern etwas Seltenes. Und wieder diese strahlenden Augen! Sind diese rollenden Augen nicht eine Pracht?

Und wie kräftig sind alle diese Kinder gebaut! Dein schwächliches Brüderchen daheim würde sich unter dem Zigeunervölkchen sonderbar ausnehmen. Selbst unsere sechsjährige Emma würde noch bedeutend abstechen.

Unsere deutschen Kinder führen freilich auch kein solches Naturleben, wie diese hier. Diese ihre gekünstelte Lebensweise thut ihrer Körperentwickelung manchen Eintrag. Trotzdem aber geht ihr aufrichtiger Wunsch gewiß nicht dahin, ein Zigeunerkind zu sein.“

83. Das Grab der Mutter.

(Eine Doppelbeifügung nach dem Subject.)

In einem Winkel +eines weitläufigen Kirchhofs+ lag ein Grab. Der Sand +des leichtgewölbten Hügels+ war noch ziemlich frisch. Der Leichenstein am oberen Ende schien nur gestern erst gesetzt zu sein.

Dieses Grab im einsamen Winkel barg eine Mutter. Die Liebe ihres treuen Herzens hatte ihrem Leben frühzeitig ein Ziel gesetzt. Die Pflege eines kranken Kindes erschöpfte ihre Kräfte. Die Nächte ohne erquickenden Schlaf griffen ihre Nerven an. Endlich befiel auch sie das Fieber des leidenden Kindes. Die Kunst der geschicktesten Aerzte vermochten sie nicht zu retten. Die Schwäche ihres angegriffenen Körpers war zu weit vorgeschritten. Sie starb.

Die Genesung des kranken Kindes schritt kurz darauf vorwärts. Nach Wochen entsetzlicher Leiden konnte es endlich zum ersten Male ausgehen. Das Grab der geliebten Mutter war dabei sein Ziel. Die Dankbarkeit seines echtkindlichen Herzens trieb es dazu.

Eine Stunde lang saß das Kind mit den blassen Wangen am Hügel. Thränen unsäglichen Schmerzes rannen über dieselben herab. Seufzer über den unersetzlichen Verlust entstiegen der Kindesbrust. Ein Gebet herzinnigen Dankes für die Liebe der Entschlafenen bewegte die Lippen.

Die Strahlen der warmen Frühlingssonne grüßten freundlich den Hügel. Die Goldworte eines tröstenden Bibelspruches blitzten hell vom Leichensteine herüber. An ihnen richtete sich das Gemüth des wehklagenden Kindes sichtlich auf. Ein Lichtstrahl aus himmlischer Höhe schien damit in sein Gemüth zu dringen. Die Thränen um die theure Dahingeschiedene rannen spärlicher. Auf dem blassen Antlitze des Kindes lagerte sich der Friede der stillen Gottergebung. Jenes Wort der heiligen Schrift aber hieß: „Ich will euch wiedersehen und euer Herz soll sich freuen.“

84. Dämmerung.

(Zwei Doppelbeifügungen nach dem Subject.)

Ein Tag +des schönen Frühlings im letztverflossenen Jahre+ ging zu Ende. Das Gewölk +über den majestätischen Berggipfeln jenseits des sanftbewegten Sees+ erglänzte im Purpurgolde. Das Lied der gefiederten Sänger des frischgrünen Waldes verstummte. Dagegen erhoben nun die Quaker im dichten Schilfe der nahen Lache ihre Stimme.

Die Heerden der reichen Güter der umliegenden Ortschaften verließen die Weideplätze. Das Geläute der dumpfen Glocken hüpfender Rinder hallte melancholisch daher. Die Bebauer der fruchtbaren Felder am diesseitigen Seeufer zogen ebenfalls heimwärts.

Das Glöcklein der hölzernen Kapelle eines nachbarlichen Dorfes mahnte zum Abendgebete. Die Häupter der biederen Bebauer jener gottgesegneten Fluren entblößten sich. Das Gebet des lieben Heilandes Jesu Christi entstieg stumm ihren Herzen.

Immer dichter zogen sich die Schatten der lieblichen Thäler längs der murmelnden Bäche zusammen. Die Sterne am nördlichen Saume des tiefblauen Himmels blickten bereits hernieder. Ein Bild des seligen Friedens aus höheren Welten bot ringsum die Natur.

85. Der Schneemann.

(Alle Arten einfacher Beifügungen.)

Der alte Winterkönig war eingezogen. Ein blitzendes Schneegewand deckte die Erde. Lange Eiszapfen zierten die Dächer. Gefrorene Fensterscheiben glänzten an den Hütten.

Da eilten mehrere Knaben in den Garten. Ihre Hände begannen sogleich zu arbeiten. Der Zweck der Arbeit war ein Schneemann.

Der Knabe Richard leitete den Bau. Robert’s Hände leisteten am meisten. Der Sohn des Arztes konnte nur zusehen.

Bald stand ein Schneemann ohne Tadel da. Der Drang zu schaffen war gestillt.

86. Der junge Storch.

(Alle möglichen Beifügungen vor und nach dem Subject.)

Ein +fleißiger+ Schüler +der ersten Klasse einer gewöhnlichen Dorfschule der sächsischen Kreisdirection Dresden+ schrieb in einem Aufsatze unter Anderem Folgendes:

Unser junger Storch auf dem bemoosten Dache der alten Scheune lugte neugierig in die Welt hinaus. Dieser anerkannte Liebling aller erwachsenen Glieder unserer großen Familie war etwa drei Monate alt. Ein neckischer Einfall des ältesten Knechtes meines guten Vaters gab ihm den Namen Davidel. Dieser sonderbare Name des jungen Storches unseres kleinen Gutes wurde bald im Dorfe bekannt. Sogar einige große Knaben aus dem nahen Nachbardorfe des freundlichen Gebirgsthales hatten ihn erfahren.

Das drollige Benehmen des schmucken Kindes unseres bejahrten Storchpaares wurde oft belacht. Am meisten freuten sich über ihn die beiden bausbäckigen Mädchen des neuen Pfarrers unserer zahlreichen Gemeinde. Auch die drei erwachsenen Söhne des reichen Barons auf der reizenden Villa am romantischen Dorfende sahen zuweilen stundenlang seinem Gebaren zu.

Die fürsorgenden Eltern unseres lieben Freundes mit den dünnen Klapperbeinen brachten ihm des Tages mehr als einmal einen Frosch. Ein solcher fetter Braten aus dem sumpfigen Grunde des fernen Erlenwaldes war ihm stets sehr willkommen. Der endliche Tod eines solchen Quakers während der tiefen Stille warmer Sommernächte war übrigens ein kurzer. Das verzweifelte Zappeln der grünen Beine des armen Schluckers dauerte kaum eine Minute.

Unsere stille Freude an dem munteren Firstenbewohner der niederen Scheune nahm indeß plötzlich ein Ende. Sein erster Ausflug auf die umliegenden Wiesen unserer umfangreichen Flur brachte ihm den Tod. Die sechs scharfen Krallen eines gierigen Raubvogels aus dem zwei gute Stunden entfernten Felsengebirge umklammerten ihn. Ein wuchtiger Stoß des mörderischen Schnabels jenes mächtigen Ungeheuers durchbohrte ihm die Hirnschale.

B. Erweiterung des Prädikates.

87. Wilhelm.

(Das Prädikat ein Hauptwort mit Beifügung.)

(Aus einem Briefe.)

Wilhelm hat einen +hellen+ Kopf. Sein Wesen hat +viel+ Einnehmendes. Er war stets ein Muster der Schule. Er ist deshalb auch der Liebling des Lehrers. Bald wird er der Oberste der Klasse werden. Diese Beförderung ist dann sein Lohn. Sie ist auch meine Freude. Wilhelm ist ja mein Freund.

Wilhelm wird einmal Lehrer der Rechnenkunst. Er hat auffallende Lust dazu. Gewiß wird er ein Rechnenlehrer ohne Tadel. Vielleicht wird er gar einmal der Rechnenmeister Adam Riese der Zweite.

88. Der Affe.

(Das Prädikat ein Hauptwort mit mehreren Beifügungen.)

Der Affe ist das +drolligste+ Thier +unserer zoologischen Gärten+. Sein neckisches Wesen wird oft +der Gegenstand allgemeinen Gelächters+. Die Affenkäfige sind daher auch die stärksten Anziehungspunkte der lieben Kinderwelt.

Die Kletterbewegungen der Affen sind oft wahre Kunststücke der höheren Turnerei. Ihre Schwänze haben dabei den nützlichen Dienst einer fünften Hand.

Der Affe hat fast stets einen ausgezeichneten Appetit nach süßem Naschwerke. Seine Freßweise hat den entschiedenen Charakter heißhungriger Gier.

Er ist kein friedliebender Freund seiner mitgefangenen Kameraden. Schnell wird er oft ein leibhaftiges Bild des heftigsten Jähzorns. Seine Zähne sind dabei die gefährlichen Dolche seiner heimtückischen Rachsucht.

Wohl aber ist der Affe ein großer Freund der schönen Tugend der Reinlichkeit. Diese Reinlichkeitsliebe ist eine der rühmlichsten Eigenschaften des gesammten Affengeschlechts.

Der Nachahmungstrieb ist eine allbekannte Eigenschaft der Vierhänder. Er wurde freilich schon oft die traurige Ursache der lebenslänglichen Gefangenschaft des südländischen Thieres.

89. Hochmuth.

(Möglichste Erweiterung des Subjects und Prädikats, insofern beide blos Hauptwörter sind.)

+Jener alte+ Nachtwächter +des kleinen Dorfes Muschelthal an dem bewaldeten Fuße des steilen Kuffenberges+ ist der einzige Bruder des reichen Fabrikherrn Hartkopf in dem freundlichen Städtchen Clervaux an der Aube.

Der greise Wächter in den finsteren Nächten hat kaum die einfache Nothdurft des täglichen Lebens in seiner ärmlichen Hütte am einsamen Dorfende. Der verwöhnte Gaumen des vornehmen Bruders dagegen hat stets eine glänzende Auswahl der leckersten Speisen aus den entlegensten Fruchtgärten der südlichen Länder.

All seine geschäftlichen Unternehmungen im großen Bereiche der vielzweigigen Eisenfabrikation waren von den günstigsten Umständen begleitete Griffe in das launenhafte Rad des menschlichen Glückes.

Dieser beneidenswerthe Schwelger an reichbesetzter Tafel ist indeß die erbärmliche Kreatur des grenzenlosesten Hochmuths. Dadurch aber wird der glückliche Besitzer aller äußern Annehmlichkeiten des irdischen Lebens zum schnöden Verleugner der heiligsten Pflichten des menschlichen Herzens. Der stolze Inhaber jener großartigen Fabrik im fernen Frankreich hat nicht die geringste Spur von brüderlicher Liebe zu dem armen Nachtwächter. Dieser schwächliche Greis wird sicher noch ein bemitleidenswerther Bewohner des heimatlichen Armenhauses. Der gewaltige Reichthum des hartherzigen Bruders ist nicht einmal ein schwacher Halm der Hoffnung auf einstigen Schutz vor einem traurigen Ende. Des armen Alten letzter Freund wird der von allem Uebel erlösende Friedensbote aus den seligen Räumen des ewigen Himmels sein.

Ergänzungen.

1. Des Zeitwortes.

~A.~ Einfache.

90. Der Schmetterling.

Im ersten Falle.

Das Schmetterlingsei ward +eine Raupe+. Die Raupe wurde eine Puppe. Die Puppe wird ein Schmetterling. Diese Verwandlung bleibt ein Naturräthsel. Sie bleibt ein Wunder. Des Wunders Schöpfer heißt Gott.

91. Ohne Glauben.

Im zweiten Falle.

Der Ungläubige entsagt +der Kindschaft mit Gott+. Er vergißt die Wohlthaten des Himmelsvaters. Er spottet der göttlichen Gnade. Seine Hand entsagt der Hilfe von oben. Er gedenkt nicht des Endes. Sein Herz entbehrt alles Trostes. Der Ungläubige bedarf unserer zurechtweisenden Hand.

92. Der echte Christ.

Im dritten Falle.

Der echte Christ glaubt +dem Evangelio+. Das Gesetz des Herrn befiehlt +ihm+. Er gehorcht dem Gesetze. Sein ganzes Leben gehört dem Höchsten. Sein Herz vertraut dem allgütigen Himmelsvater. Es folgt ihm. Es dankt ihm. Dem Allgütigen gebührt ja alle Ehre.

Der falsche Christ zürnt dem Gläubigen. Er mißtraut ihm. Er flucht ihm wol gar. Er schadet seiner Ehre.

Der fromme Christ verzeiht einem solchen Uebermüthigen. Er vergibt seinem Feinde. Er lebt seinem göttlichen Vorbilde nach.

93. Jakob.

Im vierten Falle.

Jakob besaß +viel Schlauheit+. Er überlistete +den Esau+. Dadurch erhielt er +das Recht der Erstgeburt+. Er betrog seinen blinden Vater. Dadurch erschlich er den väterlichen Segen.

Gott aber strafte den Sünder. Den Esau erfaßte die Wuth. Er ballte die Fäuste. Seine Lippen schäumten Zorn. Er haßte den Bruder. Er wollte die erlittene Schmach rächen. Seine Hand wollte den Betrüger erwürgen.

Rebekka vernahm den Racheschwur. Entsetzen ergriff ihr Mutterherz. Sie erkannte die Gefahr. Sie fürchtete den Erzürnten. Sie rief den Jakob. Schnell war ein Rettungsplan geschmiedet. Ihr Liebling mußte die Flucht ergreifen.

Auch Rebekka belog nun den blinden Alten. Sie scheute diese Sünde nicht. Die Lüge sollte Jakob’s Sicherheit bewirken.

Jakob trat die schwere Reise an. Er hatte großen Kummer zu tragen. Er mußte die zärtlich liebende Mutter verlassen. Er mußte alle häuslichen Bequemlichkeiten entbehren. Er mußte die theure Heimat meiden. Eine schwere Schuld belastete sein Herz. Ihn drückte das böse Gewissen. Die Reue quälte sein Gemüth. Vielleicht feuchteten Thränen seine Augen.

So verfolgte die Strafe den Sünder. So zeigte der Herr seinen gerechten Arm.

94. Der Lügner.

(Rückbezügliche Zeitwörter. Vierter Fall.)

Moritz entehrte +sich+, indem er der Lüge Freund war. Hatte er +sich+ einmal beschmutzt, bemühte er sich, die Schuld auf Andere zu schieben. Er beklagte sich wol gar, daß ihn ein gewisser Knabe mit Koth beworfen habe.

Diese Lügenhaftigkeit verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Einmal beschäftigte sich Moritz im Schlafzimmer. Dort befanden sich Streichhölzchen. Mit diesen spielte er. Die Hölzchen aber entzündeten sich. Das Feuer griff schnell um sich. Vergebens strengte er sich an, es zu löschen. Es ließ sich nicht mehr dämpfen. Schon bewegte es sich an einem Vorhange empor.

Moritz entsetzt sich. Er will sich entfernen. Er möchte sich am liebsten verstecken. Da tritt sein Vater herein. Dieser besinnt sich nicht lange. Er faßt sich schnell und reißt den Vorhang herunter. Dabei verbrennt er sich zwar, aber der Schmerz läßt sich ertragen. Die Flamme züngelt noch einmal empor. Bald aber hat sie sich doch unterdrücken lassen.

Moritz erdreistet sich aufs neue zu lügen. Darüber betrübt sich der Vater. Er läßt sich jedoch nicht täuschen. Er überzeugt sich, daß Moritz das Unheil angerichtet habe. Dieser sieht sich bald überführt. Die Strafe blieb natürlich nicht aus. Moritz schämte sich. Zum Glück änderte er sich bald. Er legte die Lügen ab. Er besserte sich.

95. Der Verschwender.

(Alle vier Fälle. Einfache Ergänzung.)

Valentin war +der Sohn eines reichen Edelmannes+. Sein Vater hatte mehrere Güter. Er hieß ein Millionär. Alle diese Schätze wurden Valentin’s Eigenthum. Der reiche Erbe aber wurde ein Verschwender.

Sein Charakter entbehrte +aller Grundsätze+. Er vergaß die Mahnungen seines seligen Vaters. Er achtete nicht der Mahnungen der Vernunft. Er spottete jeder Arbeit.

Valentin huldigte +allen Untugenden+. All sein Denken galt den sinnlichen Genüssen. Er fröhnte allen erdenklichen Leidenschaften. Aber die Strafe folgte dem Laster. Valentin schadete seiner Gesundheit.

Er verlor +alle Achtung+. Sein Vermögen ging den Krebsgang. Seine guten Freunde verließen ihn. Die Gläubiger dagegen suchten ihn auf. Schließlich verhaftete ihn das Gericht. Den einstigen Millionär beherbergte ein Gefängniß. Valentin erhielt eine lange Freiheitsstrafe.

Endlich hatte er sie verbüßt. Aber er war nun ein Bettler. Jetzt erst gedachte er der wohlgemeinten Rathschläge seines Vaters. Sein Gemüth erlag der Reue. Er starb den Tod eines Untergegangenen.

96. König und Volk.

(Die Ergänzung durch Hauptwörter mit Verhältnißwörtern.)

Ein König lebt +seiner Stellung gemäß+. Er glänzt infolge seiner Würde. Kraft seiner Macht regiert er. Vermöge seines Heeres schützt er. Zufolge seiner Gewalt kann er strafen. Er straft laut der Gesetze.

Das Volk steht +unter dem Gesetze+. Der brave Unterthan lebt nach den gegebenen Verordnungen. Er schweigt zu den Reden der Aufrührer. Seine Gedanken stimmen für den Frieden. Er denkt an die Schrecken einer Revolution. Sie drängt zu schrecklichen Greueln. Sie führt durch Menschenblut.

97. Im Sturme.

(Die Ergänzung ein Zeitwort in reiner Form.)

Der alte Donnergott beliebt +zu grollen+. Der Himmel beginnt +zu dunkeln+. Der Sturm fängt an zu toben. Das Schiff sucht zu entkommen. Es strebt einzulaufen. Das Fahrzeug hebt an zu kämpfen. Es scheint zu bersten. Es droht zu sinken. Der Kapitän aber hofft dennoch zu siegen.

Er befiehlt zu kappen. Er verordnet zu kreuzen. Das Matrosenvolk indeß fürchtet zu stranden. Es wünscht zu ankern.

Da mahnt der Kapitän zu gehorchen. Endlich beginnt er zu fluchen. Er droht zu züchtigen. Er gedenkt sogar zu schießen.

Der Kapitän verfügt aufs neue zu kreuzen. Die Matrosen beschließen zu gehorchen. Es gelingt endlich anzulegen. Das Schiff ist gerettet.

98. Die Wahrheit.

(Einfache Ergänzung. Alle vier Fälle.)

Die Wahrheit siegt kraft ihrer Macht. -- Sie stammt aus dem Himmel. -- Christus zeugte von ihr. -- Er starb sogar für sie. -- Was hatte er zu dulden!

99. Die Eisenbahn.

(Wiederholung aller Ergänzungen mit Verhältnißwörtern.)

Ein Eisenbahnzug wird vermöge der Dampfkraft bewegt. Die Wagen rollen auf eisernen Geleisen dahin. Man staunt über die Fahrgeschwindigkeit. Die Mitfahrenden wähnen zu fliegen.

Die Eisenbahnen wirken auf alle Handelsverhältnisse wohlthätig ein. Sie halten auf strenge Pünktlichkeit. Die Fahrten hängen nicht von der Witterung ab.

Ihr Nutzen wird von dem Publikum auch verstanden. Die Eisenbahnen streben daher nach immer größerer Ausdehnung.

Eine Eisenbahnfahrt leidet zwar auch an Schattenseiten. Die Zeitungen berichten sehr oft von Eisenbahnunfällen. Zuweilen rennt ein Zug an den andern. Wagen kommen aus den Geleisen. Infolge dieser Ereignisse verunglücken namentlich viele Bahnbeamte. Manche verunglücken freilich auch zufolge ihrer Unvorsichtigkeit. Viele denken gar nicht mehr an die Gefahr. Sie bauen leider zu sehr auf ihre Sicherheit. Einzelne wagen in dieser Hinsicht wol gar zu freveln.

Trotz alledem aber steht der Segen der Eisenbahnen weit über ihren Nachtheilen.

Hauptwiederholung.

100. Der Geburtstag.

(Erweitertes Subject. Prädikat und einfache Ergänzung.)

Das einzige Söhnchen eines reichen Kaufmanns in dem schöngelegenen Dorfe S. feierte seinen achten Geburtstag.

Der freundliche Vater des lieben Knaben hatte alle artigen Gespielen der nächsten Nachbarschaft eingeladen.

Sein biederes Vaterherz war dem frohen Treiben einer lustigen Kinderschaar hold.

Auch der lieben Mutter des munteren Willi gefiel ein solch heiteres Kränzchen aus dem glücklichen Reiche lebensfroher Kinder.

Der hellerleuchtete Salon des wohlhabenden Kaufmanns nahm das fröhliche Völkchen der zahlreichen Festgeladenen auf.

Der bunte Kranz der lebendigen Schaar entwickelte ein jubelndes Leben.

Die umsichtigen Eltern des blondlockigen Geburtstagskindes hatten für allerhand Unterhaltungen aus dem großen Bereiche der kindlichen Spiele gesorgt.

Sogar der alte Onkel des gefeierten Willi hatte eine allerliebste Auswahl verschiedener Belustigungsgegenstände mitgebracht.

Die heitere Kinderschaar des traulichen Kreises folgte der freundlichen Einladung zum Spiele.

Doppelte Ergänzung.

101. Der Thierquäler.

(Im vierten und zweiten und vierten und dritten Falle.)

Ein Herr beschuldigte +einen Fuhrmann der Thierquälerei+. Der Fuhrmann zieh ihn dafür der Lüge. Der Herr aber überführte ihn der Schandthat. Er versicherte sich seiner Person. Schließlich übergab er den Thierquäler der Polizei. Die Polizei aber überlieferte den rohen Menschen dem Gerichte.

Der Fuhrmann suchte den Richter seiner Unschuld zu versichern. Jener Herr belehrte indeß den Mann des Gesetzes eines Besseren. Der Richter verwies den Angeklagten seiner Lüge. Er überhob ihn schließlich aller weiteren Selbstvertheidigung.

Das Strafurtheil beraubte den Fuhrmann seiner Freiheit. Es überwies ihn dem Gefängnisse. Das Fluchen des Verurtheilten entband ihn der Verbüßung der Strafe nicht. Nur die Milde des Richters entließ ihn schließlich der Haft.

102. Oskar.

(Rückbezügliche Zeitwörter. Im dritten und vierten Falle.)

Der begabte Oskar ließ +sich+ an einem Schauladen +von einem schönen Bilde+ fesseln. Er erbaute +sich+ förmlich +an der herrlichen Zeichnung+. Er nahte sich der Kunstschöpfung wiederholt mit stiller Bewunderung.

Bald darauf besprach er sich mit seinem Vater. Der Vater entschloß sich zum Leihen des Bildes. Oskar verpflichtet sich dafür zum Copiren desselben. Er fürchtet sich nicht vor der Schwierigkeit.

Tagtäglich widmet er sich nun der Künstlerarbeit. Zwei Wochen quält er sich mit dem Anlegen der Figuren. Drei Wochen plagt er sich mit der Schattirung. Endlich ist die Copie fertig. Welch ein Genie spricht sich in ihr aus! Sie läßt sich kaum von dem Originale unterscheiden.

Der Vater betrachtet sie. Er giebt sich lange dem Staunen hin. Endlich spricht er zu Oskar: „Mein Sohn! Du neigst Dich ganz zur Kunst hin. Du sollst Dich ihr auch ergeben dürfen.“

103. Eine Verirrung.

(Rückbeziehung. Vierter und zweiter Fall.)

Der Korporal Schimmel befleißigte +sich der größten Pünktlichkeit+. Er entledigte +sich aller dienstlichen Aufträge+ aufs sorgfältigste. Er entäußerte sich oft sogar seiner freien Zeit. Seine soldatische Ausbildung entzog sich jedem Tadel. Während seiner ganzen Dienstzeit durfte er sich keiner Pflichtverletzung anklagen.

Später wurde er Offizier. Leider schämte er sich nun seiner niederen Abkunft. Er erinnerte sich nicht gern mehr seiner armen Eltern. Er enthielt sich sogar des Besuchs derselben.

Erst nach vielen Jahren besann er sich eines Besseren. Er entschlug sich der stolzen Gedanken. Die dankbare Kindesliebe bemächtigte sich wieder seines Herzens.

104. Bestrafte Eitelkeit.

(Doppelte Ergänzung. Vierter und vierter Fall.)

Otto’s Sparbüchse hatte sich wieder +um einige Thaler+ bereichert. Da erklärte sich der eitle Knabe +für den Ankauf einer Taschenuhr+. Bald auch setzte er sich in den Besitz einer solchen Zeitmesserin. Fast alle Augenblicke sah er sich die Uhr an. Bald aber wunderte er sich über ihren Gang. Sie kehrte sich wenig an die rechte Zeit. Sie ließ sich zuweilen sogar an das Gehen erinnern.

Da entschloß sich Otto zur Selbsthilfe. Er wagte sich an das innere Werk. Endlich machte er sich gar an die Räder.

Die Uhr aber rächte sich für diese Kühnheit. Sie bewegte sich nicht mehr von der Stelle. Otto ärgerte sich über diese Tücke. Die Uhr kümmerte sich indeß nicht um seinen Groll. Sie blieb stehen. Sie war schlecht.

Otto mußte sich als einen Betrogenen betrachten. Er sah sich jetzt um sein schönes Geld gebracht.

Er ließ sich die Eitelkeit blenden. Lange noch grämte er sich über seine Thorheit.

105. Großmuth.

(Ergänzung. Dritter und vierter Fall.)

Ein schwer verwundeter Zuave entsendete +einem deutschen Freiwilligen+ noch +einen Schuß+. Der Freiwillige hätte dem braunen Gesellen eine Kugel erwidern können. Sie würde diesem sicher das Herz durchbohrt haben. Aber der Deutsche verzieh dem tückischen Feinde die That. Er entriß ihm blos das Gewehr. Zudem schnallte er ihm den Säbel ab. Darauf aber verkündete er dem Zuaven die Gefangenschaft.

Der Schmerz der Wunde hatte dem Afrikaner die Wangen gebleicht. Ein brennender Durst erschwerte ihm das Sprechen. Der Freiwillige reichte ihm die Feldflasche. Auch ein Stück Brod gab er dem Hungrigen. Wie mundete dem Erschöpften der Schluck Wein! Wie schmeckte ihm der Bissen Brod!

Der Freiwillige indeß zeigte dem Gefangenen noch mehr Großmuth. Er verband ihm seine Wunde. Er trug ihm sein Gepäck. Er bot ihm sogar seinen Arm an.