Part 16
Da endlich langte gerade an dem Sonntage, der der Erinnerung an die Heimgegangenen geweiht ist, die Kunde von einem blutigen Kampfe um den Besitz der Hauptstadt an. Glücklicherweise ließ die Botschaft von der gänzlichen Niederlage des Feindes, die durch den Telegraphen vermittelt wurde, nicht lange auf sich warten.
Leider hatte Gotthold diesen Sieg, der für die Rettung des Landes den Ausschlag gab, mit seinem Leben bezahlen müssen. Sein Vater, der zwar für den Augenblick von diesem Schicksalsschlage wie zerschmettert schien, brach indeß keineswegs in ein verzweifeltes Wehklagen aus. Er ertrug den Schmerz über den herben Verlust, den er um des Vaterlandes willen erlitten, mit stiller Ergebung. Von seinem Sohne aber, der durch seinen Tod den Sieg erkaufen half, sprach er sein Lebelang mit sichtlichem Stolze.
69. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten.
(Der Beifügesatz umschreibt ein Hauptwort im zweiten Falle.)
Das Gesetz, wonach in Deutschland jetzt jeder gesunde junge Mann zum Militärdienste verpflichtet ist, ist gewiß ein gerechtes. Die frühere Einrichtung, welcher zufolge sich die Söhne der Reichen vom Militär freikaufen konnten, hatte große Schattenseiten. Warum sollte blos der Arme die Pflicht, den Fürstenthron zu schützen, zu erfüllen haben? Warum sollten blos die Söhne unbemittelter Eltern den schweren Eid, nach welchem der Soldat das Vaterland mit Blut und Leben zu vertheidigen hat, auf sich nehmen?
Die Zusicherung, daß Jedermann vom Staate gleichen Schutz genießt, legt auch Allen gleiche Pflichten gegen den Staat auf. Wollen wir also die weise Verfügung, kraft deren jetzt der Millionär neben dem ärmsten Nachtwächterssohne unter der deutschen Fahne steht, freudig begrüßen. Möge jeder junge Soldat den Schwur, vermöge dessen er unverbrüchliche Treue gelobt, in Ehren halten!
70. Das kindliche Spiel.
(Der Beifügesatz umschreibt ein Zeitwort in reiner Form.)
Der Trieb, demzufolge das Kind gern spielt, ist ein sehr natürlicher. Es darf darüber natürlich die Pflicht, die es für die Schule arbeiten heißt, nicht vergessen.
Sehr verschieden ist die Art, in der manche Kinder ein Spiel treiben. Kleinen Kindern muß oft die Weise, nach welcher ein Spiel zu handhaben ist, erst gelehrt werden. Sie zeigen in der Regel anfänglich das Bestreben, daß sie die Spielgegenstände am liebsten zerstören möchten.
Bei geselligen Spielen tritt leider oft die Sucht, daß der Einzelne über die Andern gern herrschen möchte, recht deutlich hervor. Man muß aber diesen Hang, demzufolge ein Einzelner allen Andern befehlen will, unbedingt tadeln. Jedem Mitspielenden muß das Recht, wonach er sich für ein gewisses Spiel entscheiden kann, freistehen.
Ebenso darf auch bei sogenannten Glücksspielen der Wunsch der Kinder, daß sie gewinnen möchten, nie zur Leidenschaft werden. Die Möglichkeit, daß man im Glücksspiele auch verlieren kann, muß jedem Spieler vorweg einleuchten.
71. Räthsel.
(Der Beifügesatz umschreibt ein Doppelhauptwort.)
Alfred und Heino gaben sich gegenseitig Räthsel auf. Alfred brachte folgende zum Vorschein:
Wie heißt das Stroh, womit das Dach man deckt, Wie nennst du das, drauf man im Bett sich streckt, Wie heißt das Dach, das man aus Stroh gewinnt, Und wie der Mann, deß Glieder Stroh nur sind? Nenn’ mir das Bier, das gleich vom Faß man trinkt, Und wieder das, das aus der Flasche blinkt. Wie heißt das Faß, dem frisch das Bier entfließt, Und wie das Glas, aus dem man Bier genießt? Wie heißen Maler, die die Stube schmücken, Und die, die uns durch Landschaftsbilder oft entzücken? Wie nennst die Stube Du, da still ein Maler schafft, Und die, drin uns der Schlaf gibt neue Kraft?
72. Die Bienen.
(Der Beifügesatz umschreibt eine Zahlbestimmung.)
Die Bienen eines Stockes, deren Zahl oft 15000 beträgt, bilden eine Art Königreich. Die Honigbienen, die ziemlich stark vertreten sind, erscheinen als die eigentlichen Arbeiter. Die Drohnen, deren Zahl geringer ist, machen den Hofstaat aus.
Neben den Honigzellen bauen die Bienen auch Brutzellen, die man ebenfalls nach Tausenden zählen kann. Die Eier, welche eine gleich große Menge bilden, legt einzig und allein die Königin.
An einem günstigen Tage kann von den Bienen eines reich bevölkerten Bienenstockes eine Honigmenge, die das Gewicht von zehn Pfund erreichte, eingeheimst werden.
73. Biblische Beinamen.
(Der Beifügesatz umschreibt eine Apposition.)
Die Sitte, in irgend einer Weise sich auszeichnenden Menschen einen besonderen Beinamen zu geben, ist uralt. Den ersten erhielt Adam, den man den Stammvater des Menschengeschlechts nannte. Einer gleichen Ehre hatte sich Abraham, der als der Erzvater bezeichnet wurde, zu erfreuen.
Zu diesen bevorzugten biblischen Personen gehört auch der König Salomo, dem man bekanntlich den Ehrentitel „der Weise“ beilegte. Unbestritten aber führt Christus, der als der Sohn Gottes bezeichnet wird, den erhabensten Beinamen.
Die biblischen Beinamen sind indeß nicht immer solcher Natur, daß die betreffende Person dadurch geehrt wird. Wir denken dabei an Herodes, welcher der Grausame benannt worden ist. Auch an Judas, der den Namen „Verräther“ führt, müssen wir uns hierbei erinnern. Ebenso ist Thomas, den man als den Ungläubigen bezeichnet hat, hierher zu rechnen. Nicht minder gehört Antiochus, den man zu den Tyrannen zählt, in diese Klasse.
Wiederholung.
(Alle Arten Beifügungen.)
74. Der sterbende Löwe.
Ein Löwe, der ein hohes Alter auf seinem Rücken trug, lag vor seiner Höhle. Die Mähne, die einst in üppiger Fülle seinen Leib schmückte, hing nur noch in dünnen Büscheln über die Schultern. Das Auge, das sonst feurig durch die Wüste spähte, stierte matt vor sich hin. Aus den früher so mächtigen Tatzen, die sich jetzt auf dem heißen Sande hinstreckten, war alle Kraft gewichen.
Das Mahl, das sich der Löwe gestern herbeigeholt hatte, war von ihm unberührt geblieben. Der gute Appetit, dessen er sich stets erfreute, schien gänzlich verschwunden. Auch an ihm behauptete das Naturgesetz, demzufolge selbst der Stärkste dem Tode verfällt, seine Rechte.
Der Wunsch, daß man den Beherrscher der Wüste gern noch einmal sehen möchte, führte eine Menge Thiere herzu. Darunter befanden sich freilich auch solche, welche die Schadenfreude herbeitrieb. Man sah sogar einige, die nun ihren Haß an dem hinfällig Gewordenen auslassen wollten.
Der Fuchs, der zu den ärgsten Feinden des Löwen gehörte, kränkte ihn mit allerlei beißenden Reden. Der Wolf, dem der Wüstenkönig einmal ein feistes Lamm abgejagt hatte, schimpfte den Sterbenden einen schändlichen Räuber. Ein Büffel, der seit Jahren in Furcht vor dem Löwen lebte, stieß ihn mit seinen Hörnern. Sogar ein träger Esel, der aus bloser Laune den König der Thiere nie leiden konnte, versetzte ihm noch einen Schlag mit seinen Hufen.
Da trat endlich ein Roß, dem der Löwe nur unlängst noch sein Junges zerrissen hatte, herzu. Es richtete sein Auge, dessen Ausdruck von Mitleid zeugte, schweigend auf den Sterbenden. Dieses edle Thier konnte die gemeine Gesinnung, derzufolge man sich an einem unschädlich gewordenen Feinde rächt, nur verabscheuen. Es hielt eine solche Handlungsweise, die nur aus Niederträchtigkeit hervorgehen kann, für die größte Schande.
Der Löwe, dem dieser Edelmuth nicht entging, warf dem Pferde einen dankbar gerührten Blick zu. Bald darauf aber machte der Tod, mit dem er schon geraume Zeit kämpfte, seinem Leben ein Ende.
75. Das Wasser.
(Desgleichen.)
Das Wasser, welches ein tropfbar-flüssiger Körper ist, bedeckt zu zwei Drittheilen die Erdoberfläche. Seine Farbe, die durch die darin aufgelösten Stoffe bedingt wird, tritt verschieden auf.
Fast himmelblau leuchten uns die Spiegel derjenigen Seen, welche sich zwischen den Alpen ausbreiten, entgegen. Im schillernden Dunkelgrün wälzt die Woge, die der Sturm auf dem Weltmeere vor sich her treibt, dem Ufer zu. Fast farblos dagegen erscheint der Strahl, der sich aus dem Röhrbrunnen ergießt.
Außerordentlich mannichfaltig sind die Formen, in denen uns das Wasser begegnet. Als Dunstbläschen, in welche es durch Wärme verwandelt worden ist, steigt es in die Luft. In Tropfen fällt es aus den Wolken, die langsam über unsern Häuptern dahinziehen, herab. Im Frühlinge überzieht es zuweilen die Flur mit Reif, der uns dann als eine Art Feenschleier erscheint. Auch in Gestalt von Graupeln, die in den höhern Luftschichten gebildet werden, bekommen wir es nicht selten zu sehen.
Grausig klingt bei mächtigem Gewitter das Herniederdonnern der Schloßen, die durch ihren Niederschlag oft große Verheerungen anrichten. Alle Eisdecken, welche im Winter die Gewässer tragen, sind Gebilde aus Wasser. Und wem wäre nicht die Entstehung des Schnees, der das Schlummergewand der Erde bildet, bekannt?
Unendlich groß ist der Segen, den das Wasser gewährt. Es erhält alles Leben, das die weite Erde trägt. Selbst das kleinste Pflänzchen, das auf dem dürrsten Sandboden gedeiht, kann ohne Wasser nicht fortbestehen.
Das Wasser trägt auf seinem Rücken Lasten, deren Gewicht Staunen erregen muß. Es setzt gewaltige Räder, durch welche wieder große Maschinen in Thätigkeit gebracht werden, in Bewegung. Durch die Eigenschaft, vermöge deren es sich durch Hitze in Dämpfe verwandelt, wird es für die riesigsten Fahrzeuge zum treibenden Elemente.
Freilich kann auch das Wasser, wenn es zur Flut wird, unsagliches Unheil anrichten. Wer zählt die unglücklichen Opfer, die schon das sturmdurchtobte Meer verschlungen?
2. Abgekürzte Beifügesätze.
76. Bete und arbeite.
Wendler, ein schlesischer Leineweber, hatte vom Leben sehr verkehrte Ansichten. Die Pflicht, sein Daheim zu erhalten, legte er lediglich in Gottes Hand. Die Annahme, Gott erhöre jedes Gebet, verleitete ihn zum Müßiggange. Der Gedanke, einen Tag verfaulenzt zu haben, störte ihn nicht.
Dagegen befriedigte ihn das Bewußtsein, heute wieder ein recht fleißiger Beter gewesen zu sein. Die Hoffnung aber, durch Gebet Alles erreichen zu können, ist eine Thorheit.
Gott, unser wahres Wohl im Auge habend, fordert auch den Gebrauch unserer eigenen Kraft. Er, obgleich von unendlicher Güte, gibt nichts im Schlafe.
Wendler, einst gar nicht unbemittelt, versank mit der Zeit in Armuth. Der Arbeit, dieser Würze des Lebens, hatte er sich gänzlich entwöhnt. Und so wurde er, alle Mahnungen unbeachtet lassend, auch noch ein vollendeter Taugenichts. Endlich mußte Wendler, unter dem Namen Betbruder bekannt, sein Brod sogar vor den Thüren suchen.
Dein Bedürfniß, täglich mit Deinem Gott reden zu müssen, verdränge daher nie den Trieb zur Arbeit. Bei dem Triebe, durch rührige Thätigkeit Dein Auskommen zu sichern, vergiß aber auch nie das Gebet.
Wiederholung.
3. Vollständige und abgekürzte Beifügesätze.
77. Napoleon I.
Napoleon, der Große genannt, war seiner Zeit der Gefürchtete von ganz Europa. Sein Eroberungsgelüste, welches keine Grenzen kannte, erfüllte manchen andern Herrscher mit Zittern. Seine Siege, für ihn selbst freilich oft recht opferschwer, wurden in den deutschen Staaten mit Entsetzen vernommen.
Ein Fürst nach dem andern mußte sich unter sein Scepter, das einer blutigen Geißel glich, beugen. Ein Land nach dem andern fiel seinem Kriegsglücke, das allerdings durch sein großes Feldherrntalent bedingt wurde, zum Opfer.
Somit schien er sein Ziel, Weltherrscher zu werden, wirklich erreichen zu sollen. Der König aller Könige aber, der allmächtige Weltenlenker, gebot endlich den stolzen Wellen. Der Stern, der zeither über dem Haupte des großen Kaisers glänzte, verdüsterte sich.
In der deutschen Nation, durch die Noth geeinigt, zog sich ein schweres Gewitter über ihm zusammen. Seine Macht, die jetzt in höchster Blüthe stand, wurde gebrochen. Auf Leipzigs Ebenen, den ewig denkwürdigen, erlitt er eine seiner furchtbarsten Niederlagen. Eine kleine Insel, welche mitten im Meere liegt, wurde dem Ueberwundenen von seinen Siegern zum Asyl angewiesen. Auf St. Helena beschloß endlich Napoleon, der gefangene Kaiser, sein sturmbewegtes Leben.
Hauptwiederholung.
4. Subjectiv-, Prädikat- und Beifügesätze.
78. Die Sklaven.
Daß es noch immer Sklaven gibt, ist eine beklagenswerthe Thatsache. Auch der Neger ist, was wir sind. Er gehört zu den Menschen, den Ebenbildern Gottes.
Furchtbar schrecklich ist das Loos, das den armen Sklaven beschieden ist. Was des Menschen höchstes Glück ausmacht, ist ihnen für das ganze Leben genommen. Die Freiheit, die goldene, kennen sie nicht. Unter einer Arbeitslast, die oft ihre Kräfte übersteigt, müssen sie ihre Tage verbringen. Die Pflicht, derzufolge sie sich dem Willen ihres Herrn bedingungslos zu unterwerfen haben, wird ihnen meist mit der Knute gelehrt.
Die allerscheußlichsten Scenen, die ein Menschenauge nur sehen kann, bietet ein Sklavenmarkt. Da stehen die armen Schwarzen, mit teuflischer List eingefangen, gleich Opferthieren. Was in ihrem Innern vorgeht, prägt sich in ihren Mienen aus. Ihren Ohren kann nicht entgehen, wie um sie gefeilscht wird.
Ihre allergrößte Besorgniß ist, daß sie von ihren Angehörigen getrennt werden könnten. Auch das Herz, das der Allvater in die Negermutter gelegt, umfängt ja ihr Kind mit zärtlicher Liebe. Auch das Negerkind, obgleich in der Wildniß aufgewachsen, erkennt seine Eltern als die besten Freunde.
Dank sei denjenigen Staaten, welche innerhalb ihrer Grenzen das Unwesen der Sklaverei abgeschafft haben. Ob dies noch in diesem Jahrhunderte allenthalben geschehen wird, ist sehr die Frage. O laßt doch die armen Sklaven wieder werden, was sie einst waren! Erhebt sie wieder zu freien Menschen, die gleiche Rechte mit uns allen haben.
IV. Ergänzungssätze.
1. Vollständige Ergänzungssätze.
79. Saat und Ernte.
(Im 4. Falle.)
Was der Mensch säet, das wird er ernten. Möchte ein Jeder beachten, daß in diesem Satze ein sehr ernster Fingerzeig für das Leben liegt.
Jeder vernünftige Mensch muß darum stets reiflich erwägen, was er thut. Er muß jederzeit bedenken, wie sich die Folgen seiner Handlungen gestalten können. Er muß mit Ruhe überlegen, wohin seine Schritte möglicherweise führen.
Der ist kein Weiser, den das Alles nicht kümmert. Diejenigen sind darum auch nicht zu bedauern, die jenen Fingerzeig nicht beachten.
Der Müßiggänger muß wissen, wohin die Faulheit endlich bringt. Der Verschwender muß einsehen, daß durch unsinnige Ausgaben auch der größte Reichthum vernichtet werden kann. Dem Schwelger muß die Erfahrung gelehrt haben, daß durch ein wüstes Leben die leibliche Gesundheit untergraben wird. Der Spieler darf sich nie verhehlen, daß die Spielwuth die Brücke zu vielen andern Lastern ist.
Von den toll in den Tag Hineinlebenden weiß man nie, wo die Fahrt zu Ende geht. Wie Mancher hat es schon am Ende seiner Tage bitter bereut, bösen Samen auf seine Lebensbahn gestreut zu haben.
Bedenke darum in frühester Jugend schon, was Dir einmal frommen kann. Träume Dir nie, Du seist vor all jenen Thorheiten sicher. Was Dich in Versuchungsstunden schützen kann, findest Du in der Religion.
Vergiß nie, was Du in diesem Artikel gelesen hast.
80. Die kranke Freundin.
(Desgleichen.)
Johanna erfuhr eines Tages, daß ihre Freundin krank sei. Sie vernahm auch, worin die Krankheit bestand. Daß der Zustand der Freundin keineswegs ungefährlich erscheine, hatte ihr deren Arzt gesagt.
Da überlegte denn nun Johanna, womit sie der Kranken eine Freude bereiten könne. Das freilich konnte sie der am Magen Leidenden nicht anbieten, was diese in gesunden Tagen gern aß.
Endlich fiel ihr ein, daß die Freundin die Feldblumen sehr liebe. Johanna wußte, wo die schönsten zu suchen seien. Sie fand daher sehr bald, was sie suchte. Das gute Mädchen verstand es ausgezeichnet, aus diesen einfachen Kindern der Flur einen reizenden Strauß zu binden.
Die Kranke errieth sogleich, woher die sinnige Gabe komme. Die Freude über dieselbe bewirkte, daß sich jene auf einige Zeit wohler fühlte.
Einige Tage später erfuhr Johanna, daß ihre Freundin auf dem Wege der Genesung sei. Wieder einige Tage darauf schrieb diese ihr sogar eigenhändig, daß sie nächsten Sonntag wieder ausgehen werde. Zugleich versprach sie, daß ihr erster Besuch Johanna gelten solle.
81. Lebensregeln.
(Im 3. Falle.)
Wer sich Dir anvertraut, dem leihe Dein Ohr. Wen Du dagegen nicht kennst, dem vertraue kein Geheimniß. Wer einer Gabe bedürftig ist, dem verschließe Deine Hand nicht. Der Dir dafür nicht dankt, dem gib noch einmal.
Wer Dich haßt, dem reiche kein Messer. Dem aber weiche nicht aus, der Dir die Hand zur Versöhnung bieten will. Danke dem, der Dich grüßt. Der Dich indeß nicht grüßt, dem zürne nicht.
Wer seine Ehre lieb hat, dem muß auch der böse Schein verhaßt sein. Wer aber von der Welt falsch beurtheilt wird, dem muß sein unbeflecktes Gewissen zum Troste dienen.
82. Mütterliche Lehren.
(Desgleichen.)
Mutter Regine mußte heute dem die Hand zum Abschiede reichen, der bisher ihr Liebling gewesen war. Wer ihre Liebe zu ihrem ältesten Sohn kannte, dem sind ihre heißen Thränen gewiß erklärlich vorgekommen. Wer auf die Wanderschaft geht, dem kann ja Mancherlei zustoßen.
Regine befahl in dieser Trennungsstunde den noch unerfahrenen Sohn dem, der jedes Menschen Geschick mit Weisheit lenkt. Darauf legte sie dem Scheidenden noch Folgendes ans Herz: „Wandere allezeit mit dem im Herzen, der auch im finstern Thale unser Stab ist. Wer das Gottvertrauen nicht fahren läßt, dem ist des Himmels Beistand immer nahe.
Traue dagegen nicht Jedem, der sich Dir als Freund anbietet. Der Weise mißtraut dem am meisten, der ihm am meisten schmeichelt. Gib jederzeit Ehre, dem Ehre gebührt. Wer Dich vor einer Thorheit warnt, dem küsse die Hand. Vergib dem, der Dich einmal beleidigen sollte.
Der Dich zum Zorne reizt, dem gehe aus dem Wege. Wem Du in irgend einer Weise helfen kannst, dem versage Deine Dienste nie. Wer Dir selbst dient, dem bleibe den Dank nicht schuldig.
Entfliehe denen, die verbotene Wege gehen wollen. Wer sich unter die Wölfe begibt, dem ist bald das Heulen gelehrt. Wem das Diebeshandwerk gefällt, dem kann ein Strick zum Halsband werden. Wer dagegen immer auf Gottes Wegen wandelt, dem wird es allezeit wohlgehen.“
83. Kindespflicht.
(Im 2. Falle.)
Der alte Vater Erasmus bedurfte, daß ihn eine liebende Hand pflegte. Zudem war er es auch würdig, daß ihm von seinen Kindern dieser Liebesdienst erwiesen werde. Niemand vermochte ihn zu beschuldigen, daß er gegen dieselben je eine Pflicht versäumt habe.
Trotz alledem aber wurde sein ältester Sohn dessen überführt, daß er den guten Alten ungebührlich behandelt habe. Der Undankbare versicherte dessenungeachtet ganz trotzig, daß er unschuldig sei.
Eines Tages ließ ihn der Geistliche des Ortes zu sich kommen und ermahnte ihn mit folgenden Worten: „Erinnere Dich dessen, der einst als der beste Sohn auf der Erde wandelte. Sei doch eingedenk alles dessen, was Dein Vater an Dir gethan hat. Werde Dir überhaupt bewußt, wie treulich Dich Deine Eltern einst gepflegt haben. Vergiß es nie, was sie für unzählige Opfer um Deinetwillen brachten.
Befleißige Dich daher, daß Du Deinem Vater all seine Liebe vergeltest. Freue Dich, daß Du ihn überhaupt noch besitzest. Zudem bedenke, daß auch Du einmal älter wirst.“
Diese Rede ging dem Sohne zu Herzen. Er klagte sich jetzt selbst an, daß er der Pflichten gegen seinen Vater vergessen habe. Er zieh sich selbst, daß er bisher ein höchst undankbares Kind gewesen sei. Und von dieser Stunde an blieb er eingedenk dessen, was das vierte Gebot von jedem Kinde fordert.
84. Ein edler Fürst.
(Der Ergänzungssatz umschreibt ein Hauptwort mit Verhältnißwort.)
Ein edler Fürst lebt nur dafür, daß es seinem Volke wohlgehe. Er trachtet zunächst darnach, daß die Landesgesetze immer vollkommener werden. Er hält aber auch darauf, daß man sie allenthalben erfülle. Er forscht, worin ein Nothstand seine Ursache haben könne. Darauf trachtet er, daß die Quelle des Uebels verstopft werde.
Ein edler Fürst kümmert sich, daß ein Jeder vor dem Gesetze gleiche Rechte habe. Er erkundigt sich angelegentlich, wie der Stand der Volksbildung sei. Er freut sich, wenn die Schulen immer größere Fortschritte erzielen. Er verwendet sich auch dafür, daß die Kunst zu immer größerer Blüthe gelange.
Ein edler Fürst sorgt getreulich für die, welche im Dienste des Vaterlandes zu Schaden gekommen sind. Er übt Gnade an denjenigen, die in Verblendung am Gesetze sündigten.
Er glaubt, daß über ihn noch ein Höherer waltet. Diesen König aller Könige aber bittet er, daß er ihm Weisheit schenke.
85. Der alte Räuberhauptmann.
(Der Ergänzungssatz umschreibt eine Zeitwort in abhängiger Form.)
Ein alter Räuberhauptmann fürchtete, daß er sein Leben noch auf dem Schaffote enden werde. Er wünschte daher, daß er bald sterben möge. Er verlangte sogar, daß man ihm Gift beibringe.
Seine Leute verneinten indeß, daß sie ihm in diesem Falle gehorchen müßten. Der alte Sünder hoffte nun von Tag zu Tag, daß er erkranken möchte.
Eines Abends glaubte er auch wirklich, daß sein Körper fiebere. Er bildete sich sogar ein, daß er bereits phantasire. Er wähnte, daß er merklich ermatte. Aber er begehrte nicht, daß man ihm etwas Stärkendes zu trinken gebe. Er vermied sogar mit allem Ernste, daß er in einen Schlaf verfalle. Die Krankheit war indeß nicht zum Tode. Seine Natur nöthigte ihn, daß er genesen mußte. Der Himmel zwang ihn, daß er noch am Leben bleibe.
86. An der Indianergrenze.
(Der Ergänzungssatz in unbestimmter Redeweise.)
Ein Farmer erfuhr, daß ein Haufen räuberischer Indianer im Anzuge sei. Sein Nachbar versicherte, daß er schon einige in der Nähe gesehen habe. Ein Kuhhirte wollte sogar wissen, daß die Räuber gegen fünfzig Mann stark wären. Ein zufällig dazukommender Reisender behauptete wieder, daß es die Indianer auf eine ganz andere Gegend abgesehen hätten.
Man einigte sich indeß, daß man in jedem Falle Vertheidigungsmaßregeln ergreifen müsse. Es wurde daher beschlossen, daß sich jeder Anwohner bewaffne. Zu gleicher Zeit aber wurde auch befohlen, daß keiner unnöthiger Weise von der Waffe Gebrauch machen solle. Ebenso wurde angeordnet, daß Niemand vorläufig seine Behausung verlassen dürfe. Namentlich empfahl der Fremde, daß ein Angriff erst abgewartet werde.
Zum Glück konnte bald darauf ein Abgesandter berichten, daß der Indianerschwarm jedenfalls vorüberziehe. Er wollte sich überzeugt haben, daß die Horde auf das nächste kleine Städtchen zusteuere. Man glaubte indeß, daß man trotzdem immer noch auf der Hut sein müsse.
Erst den nächsten Morgen nahm man an, daß nun alle Gefahren vorüber seien. Der Farmer gebot, daß Jeder seine Waffe wieder aus der Hand lege. Damit solle indeß nicht gesagt sein, daß die Räuberhorde nicht später wiederkehren könne.
2. Abgekürzte Ergänzungssätze.
87. Der Tollkühne.
Joseph bildete sich ein, ein vorzüglicher Schwimmer zu sein. Er wünschte deshalb, einmal seine Bravour zeigen zu können.
Eines Tages kündete er seinen Kameraden an, über den nahen, breiten Strom schwimmen zu wollen. Sie riethen ihm indeß, davon abzusehen. Sie beschlossen sogar, seinem Wagestücke gar nicht zuzusehen.
Joseph aber blieb dabei, seine Kraftprobe auszuführen. Er versicherte, keine Furcht zu kennen. Er bat deshalb die Kameraden, ihn zu begleiten.
Diese kamen endlich überein, ihm zum Flusse zu folgen. Der Tollkühne berechnete nicht, dem reißenden Strome nicht gewachsen zu sein. Das Schicksal verurtheilte ihn, seine Verwegenheit mit dem Leben zu büßen.
Wiederholung.
(Verschiedene Arten der Ergänzungssätze.)
88. Der feuerspeiende Berg.
Des Försters zehnjähriger Wilibald wußte recht gut, daß das Pulver ein gefährliches Ding ist. Sein Vater hatte ihm wiederholt gesagt, was für großes Unglück schon durch unvorsichtigen Umgang mit diesem Schießmaterial herbeigeführt worden sei.
Wilibald aber folgte dem nicht, der ihn schon oft gewarnt hatte. Er blieb dessen nicht eingedenk, was ihm sein Vater sagte.
Einmal nahm er sich vor, einen Sandhaufen in einen feuerspeienden Berg zu verwandeln. Er vermeinte, daß dies mit Schießpulver leicht ausführbar sei.