Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch für den deutschen Sprachunterricht in der Volksschule

Part 14

Chapter 143,544 wordsPublic domain

Trotzdem geht der Matrose nie mit Zagen, sondern stets mit Freuden aufs neue in See. Der wettergebräunte Seemann vermag in Stunden schwerer Noth lange zu fluchen, allein endlich auch zu beten. Er traut allerdings seiner Kraft, dessenungeachtet zuletzt aber auch der schützenden Hand Gottes.

Das Meerwasser ist zwar hell und klar, dennoch für den Menschen ungenießbar. Viele seiner Bewohner sind uns bekannt, indeß noch lange nicht alle. Es birgt unendlich viel erklärliche Naturerscheinungen, aber auch noch viel Geheimnisse.

28. Geld.

(Desgleichen.)

Viel Geld macht zwar reich, aber nicht immer glücklich. Es ist wohl ein Tröster in der Noth, indeß in vielen Fällen kein Helfer.

Der Besitz viel blinkenden Erzes verschafft nicht selten dem Menschen Ehre, dessenungeachtet aber keinen sittlichen Werth. Das Geld erschließt die Thür zu vielen Genüssen, jedoch auch das Thor zu mancherlei Sünden und Lastern. Es erfreut nicht blos, sondern verführt auch. In das eine Herz pflanzt der Mammon den Sinn des Mitleids und der Wohlthätigkeit, in das andere dagegen die Wurzel des Stolzes und des Dünkels.

So ist er unser Freund, gleichwohl auch unser Feind. Wir können durch ihn in vieler Hinsicht frei, aber auch Sklaven werden. Wir wollen daher unser Geld zwar zusammenhalten, allein niemals das Herz daran hängen.

29. Der Maikäfer.

(Begründung.)

Die Maikäfer sind sehr gefräßig, darum schädlich. Sie erscheinen fast alle zu gleicher Zeit, deshalb in großer Menge. Sie suchen im Frühlinge das junge Blätterwerk und deswegen die Gipfel der Eichen und Kastanien auf.

Sie zeugen viel Eier, demnach eine zahlreiche Nachkommenschaft. Ihre Larven ruhen tief in der Erde, folglich wohlgeborgen.

Ihre wohlgenährten, mithin fetten Leiber dienen vielen Vögeln zur Nahrung. Sie sind auch für manche Menschen eine Delicatesse und also nicht ganz ohne Nutzen.

30. Die Bibel.

(Desgleichen.)

Die Bibel ist ein vor Jahrtausenden geschriebenes und daher uraltes Buch. Sie ist durch von Gott erleuchtete Männer verfaßt, darum heilig und ehrwürdig.

Sie enthält unsere ganze Christenreligion, mithin einen unendlichen Schatz von Lehren und Wahrheit. Sie soll unser Licht und unsere Leuchte, somit ein Führer durch das Leben sein. Sie gibt uns die Zusicherung der göttlichen Liebe und Fürsorge und demnach Kraft und Muth in gefahrvollen Stunden und Tagen. Ihre frommen Sprüche erfüllen das Herz mit Vertrauen und Zuversicht auf die ewige Huld und Gnade, daher auch mit Trost und Ergebung im Unglück.

Viele Kapitel darin besingen die Wunderwerke, folglich auch die Macht und Weisheit des Schöpfers. Die Bibel sollte vor allen andern Büchern in jeder Christenfamilie heimisch sein und deswegen überhaupt den allgemeinsten Eingang gefunden haben. Jeder Getaufte, mithin auch der ärmste der Armen müßte dieses heilige Gotteswort besitzen.

Der wirkliche Jünger Jesu mag sie zu keiner Zeit, also auch nicht in den Tagen der Freude entbehren. Werde der heiligen Schrift ihre Würde und Weihe und somit der Menschheit ein unwägbarer Schatz erhalten!

Hauptwiederholung.

Alle Arten der Zusammenziehungen.

31. Die Katze.

Die Katze ist ein nützliches und oft sehr nothwendiges Hausthier. Ihr Geruch und ihr Gesicht sind scharf. Sie ist im Springen und Klettern sehr gewandt.

Ihr Charakter zeigt von Schlauheit, aber auch von Falschheit. Sie schmeichelt oft, doch kratzt sie auch leicht. Man muß ihr deshalb nicht trauen, sondern mißtrauen.

Die Katze fängt nicht blos Mäuse, sondern auch Ratten. Sie jagt nicht nur im Hause, sondern auch auf dem Felde. Nicht allein Mäuse und Ratten, sondern auch die Vögel fliehen vor ihr.

Die Katze ist schnell, demnach letzteren sehr gefährlich. Ihr Gang ist völlig geräuschlos, mithin für ihre Raubzüge von großem Vortheile. Ihr Gebiß ist scharf, darum eine tödtliche Waffe.

Die Katze ist ein getreuer Wächter gegen viele kleine Diebe, deshalb ein weitverbreitetes Hausthier.

~D.~ Zusammengesetzte Sätze.

I. Ohne Bindewörter.

32. Der Morgen.

(Zusammenstellend.)

Der Osthimmel röthete sich, der Morgen begann zu dämmern. Die Hähne krähten, die Tauben hoben an zu girren. Die Kühe rasselten mit ihren Ketten, die jungen Rosse wieherten im Stalle. Die Staare ließen ihren Frühpsalm ertönen, die Lerchen stiegen trillernd in die Luft.

Die Frühglocke ertönte, ihr frommes Morgenlied hallte treulich das Thal entlang. Die Gehöfte belebten sich, auf dem schmalen Dorfwege zeigten sich bereits einzelne Landbewohner.

Jetzt war die Sonne über die fernen Berge emporgestiegen, die ganze Natur lag verklärt im Morgenglanze. Die Blumen erschlossen ihre lieben Augen, die Thauperlen blitzten tausendfältig an den Halmen. Die Heerden zogen unter lieblichem Glockengeläute auf die fetten Triften, die Ackersleute führten ihre munteren Gespanne zum Pfluge.

So zeigte sich überall neugestärkte Kraft, so entwickelte sich allenthalben Frische und Lebenslust.

33. Auf dem Meere.

(Desgleichen.)

Der Himmel verdunkelte sich, es ward unheimlich still. Die Seeadler kreischten, die Sturmvögel umschwirrten bereits das Schiff.

Immer dunkler ward der Himmel, näher zog das schwarze Gewölk. Man hört ein fernes Brausen, es erhebt sich der Sturm. Blitze zucken, Donner grollen, die Wellen thürmen sich hoch auf.

Das Schiff wird hin und her geworfen, das Steuerruder droht zu brechen. Der Kapitän commandirt unaufhörlich, die Matrosen fliegen eilend hin und her. Man zieht die Segel ein, die Luken werden geschlossen.

Der Sturm tobt immer wilder, die Wellen gehen immer höher. Plötzlich gibt es einen gewaltigen Stoß, die Masten krachen, die Wände bersten, das Wasser strömt unaufhaltsam ein, das Schiff sinkt. Binnen einer Viertelstunde ist nur die Hauptmastspitze noch von ihm zu sehen, die ganze Bemannung hat ihr Grab in den Wellen gefunden.

34. Der junge Graf.

(Entgegenstellend.)

Ein Haushofmeister gebot seinem vornehmen Schüler zu schweigen, der junge Graf plauderte fort. Der Ungehorsame sollte Latein treiben, er tändelte mit Briefmarken.

Der Lehrer wiederholte bald darauf seinen Befehl sehr ernst, Junker Armin spielte gleichgiltig weiter. Ersterer drohte jetzt mit Bestrafung, der junge Graf lächelte.

Der Hauslehrer besaß viel Geduld, jetzt ging sie zu Ende. Er hatte den jungen Grafen lange genug mit Güte behandelt, heute sollte derselbe seinen ganzen Ernst empfinden lernen.

Der Ungehorsame fürchtete nichts Schlimmes, er täuschte sich. Bald darauf rief ein Diener zur Mittagsmahlzeit, der junge Graf erhielt keine Einladung. Nach Tische fuhr die gesammte gräfliche Familie spazieren, Armin mußte zu Hause bleiben. Armin hatte jeden Abend zwanzig französische Wörter zu lernen, heute mußte er deren noch einmal so viel seinem Gedächtnisse einprägen.

35. Eine Feuersbrunst.

(Desgleichen.)

Die Nacht eines schönen Octobertages war freundlich ins Thal gezogen, sie sollte einen traurigen Ausgang nehmen.

Gegen zwölf Uhr schlugen die Flammen aus dem dürren Strohdache einer alten Mühle, Niemand darin bemerkte es. Schon sprühten einzelne Funken durch die kleinen Fenster, die Mühlbewohner schliefen noch fest.

Die Feuerglocke ertönte, ihr Ruf kam leider viel zu spät. Man setzte die Dorfspritze in Bewegung, die Gluth war nicht mehr zu bezwingen.

Das Leben der Inwohner wurde endlich noch gerettet, ihre Habe ging verloren. Der Abend hatte sie als glückliche Menschen begrüßt, der Morgen sah sie als Bettler.

36. Frühling.

(Begründend.)

Der Frühling nahte, die Menschenherzen athmeten fröhlich auf. Die Sonne schien wärmer, der Schnee schmolz. Der Frost entwich aus dem Erdreiche, frische Pflanzenkeime trieben hervor. Die Luft wehte mild über die Fluren, die Zugvögel kamen herbei. Einzelne Blumen erschlossen bereits ihre Honigkelche, die Oede der Wiesen verschwand. Die Bäume bedeckten sich mit Blüthen, die Bienen verließen ihre Zellen.

Warmer Regen strömte nieder, die Saaten sproßten empor. Alles Leben erwachte aus dem Winterschlafe, überall zeigte sich verjüngte Kraft.

37. Die Sündfluth.

(Desgleichen.)

Die 120 Gnadenjahre waren um, das göttliche Strafgericht begann. Der Regen strömte unaufhörlich hernieder, die Gewässer traten über ihre Ufer. Die Fluthen wälzten sich die Thäler entlang, die Menschen flüchteten auf die Berge.

Die tobenden Wogen stiegen von Tag zu Tag höher, alle Sünder fanden ihren Tod. Noah’s Familie allein blieb übrig, sie war dem Herrn treu gewesen.

Wiederholung.

(Zusammenstellend, entgegenstellend, begründend.)

38. Eine Dampfwagenfahrt.

Die Bahnhofsglocke läutete, die Passagiere stiegen in die Wagen. Die Locomotive pfiff, der Zug setzte sich in Bewegung.

Anfangs bewegte er sich ganz langsam, nach wenig Sekunden rollte er schon bedeutend schnell, bald sauste er mit voller Kraft dahin. Die Telegraphenstangen huschten blitzschnell vorüber, die Fruchtäcker drängten sich gleich schmalen Bändern an einander, die Waldbäume schienen zu tanzen.

Der Zug durchschnitt herrliche Landschaften, sie konnten nur flüchtig genossen werden. Er jagte ja mit Windeseile dahin, das Auge konnte keinen Ruhepunkt gewinnen.

Inmitten der Fahrt erscholl plötzlich ein Nothsignal, die Fahrgäste erschraken.

Die Schaffner bremsten augenblicklich, Alles drängte an die Wagenfenster, Einzelne schrieen laut auf, Andere wollten durchaus hinausspringen.

Ein Unglück erfolgte nicht, der Zug blieb ruhig stehen. In der Maschine war blos eine kleine Röhre gesprungen, ein solcher Vorfall bringt selten Gefahr. Der Schaden ward ausgebessert, das Abfahrtssignal schrillte aufs neue, bald ratterte der Zug wieder die Schienen entlang. Die Fahrt ging glücklich weiter, die Aufregung unter den Fahrgästen währte noch lange.

II. Mit Bindewörtern.

39. Ein Doppelfest.

(Zusammenstellend.)

In dem Garten des Kaufmanns Löbel herrschte eines Tages ein lustiges Treiben, und dieses Treiben gab für den Beobachter ein liebliches Bild. Der Kaufmann hatte nämlich zwei Söhne, und beide Knaben feierten heute einen Festtag. Bruno beging sein Wiegenfest, und Hugo feierte seinen Namenstag.

Zu diesem Feste nun hatten sie nicht blos ihre liebsten Schulkameraden eingeladen, sondern die Eltern hatten auch noch die Kinder der Nachbarschaft herbeigezogen. Es standen den muntern Gästen nicht allein allerhand Spiele zur Verfügung. sondern es war auch für einen wohlgedeckten Tisch gesorgt.

Bald vertheilte man sich zu den verschiedenen Unterhaltungen, und die Lust nahm ihren Anfang. Die großen Knaben griffen zunächst zu den Armbrüsten, und die jüngeren Gäste eilten zuerst nach den großen Gummibällen.

Hier warf man Reifen, und dort schob eine kleine Gesellschaft Kegel. Eine Anzahl Mädchen spielten Blindekuh, auch das Topfschlagen wurde nicht vergessen. Der kleine Heinrich jagte einen großen Reifen im Garten umher, und der dicke Otto ließ einen bunten Kreisel tanzen. Julchen fuhr einen schönen Puppenwagen, und Marie beschäftigte sich mit allerhand Blumen.

Mitten über dem Garten schwebte ein riesiger Drache, außerdem ließ der Kaufmann auch noch kleine Luftballons steigen.

Bei all dieser Lust entstand weder Streit unter den zahlreichen Gästen, noch bemerkte man ein ausgelassenes Verhalten.

Die Kühle des spätern Nachmittags machte endlich dem fröhlichen Treiben ein Ende, zudem nöthigte auch die sinkende Sonne die fremden Gäste zum Nachhausegehen.

So verstrich das heitere Fest in ungetrübter Freude, und allen Theilnehmern blieb es noch lange in freundlicher Erinnerung.

40. Abend.

(Desgleichen.)

Die Sonne ging unter, und Dämmerung senkte sich auf die Erde nieder. Am Westhimmel strahlte ein leichtes Purpurgewölk, und aus den Fenstern der Berghütte blitzte der Wiederschein des herrlichen Abendgoldes. Der Lerchengesang verstummte, ebenso verhallten die Lieder des Waldes.

Die Heerden zogen still nach ihren Ställen, und die Feldarbeiter schritten ermüdet nach ihren Hütten. Traulich tönte die Abendglocke vom Kirchlein herüber, und manches fromme Herz ward durch diesen Ruf zum Gebet gestimmt.

Immer länger dehnten sich die Baumschatten auf dem Rasen dahin, und immer dichter wob die Dämmerung ihren düstern Schleier. Ueber den Blumen flatterten bereits die fahlen Nachtschmetterlinge, und in den Gehöften begannen die Fledermäuse ihren geisterhaften Kreisflug. Immer stiller ward es rings umher, und immer tiefere Ruhe senkte sich auf die müde Erde.

41. Maß halten.

(Entgegenstellend.)

Die Schädlichkeit jedweder Unmäßigkeit in leiblichen Genüssen ist bekannt, dessenungeachtet fallen der letzteren noch viele Menschen zum Opfer.

Wir sollen uns des Lebens freuen, aber unsere Freude muß in gewissen Grenzen bleiben. Wir dürfen uns an dem köstlichen Weine erlaben, doch darf es dabei nicht zu einem Rausche kommen. Wir dürfen unserem Gaumen durch wohlschmeckende Speisen gütlich thun, gleichwohl darf der Magen nie damit überfüllt werden.

Der Mensch muß die gehörige Zeit schlafen, das Zuviel ist indeß auch hier ungesund. Ein naturgemäßer Schlaf stärkt die Glieder, eine zu lange Ruhe hingegen erschlafft das Nervenleben. Auch der Tanz ist eine erlaubte Freude, nur darf diese kreisende Bewegung nicht bis zur Erschöpfung fortgesetzt werden.

Darum genieße Jeder die Freuden dieses Lebens, allein er halte in allen Dingen Maß.

42. Das Feuer.

(Desgleichen.)

Das Feuer ist eine höchst wohlthätige Gabe des Himmels, aber es hat auch schon unsägliches Unheil angerichtet. Es erhellt in finsteren Nächten unser Stübchen, allein ein einziger Funke von ihm kann unsere ganze Habe vernichten.

Das Feuer macht viele Nahrungsmittel erst genießbar, gleichwohl kann ein einziger allzuheißer Bissen uns zum Essen unfähig machen. Es verleiht unserem Zimmer während der kalten Wintertage eine wohlthuende Wärme, doch haben die glühenden Ofenwände auch schon manchem Unvorsichtigen schmerzhafte Wunden beigebracht.

Das weithin strahlende Licht der Leuchtthürme bewahrte schon manches Schiff vor entsetzlichem Unglücke, indeß die Macht der Flammen sehr vielen Seefahrzeugen einen jammervollen Untergang bereitete.

Die lustig lodernde Pechfackel verherrlicht das Friedensfest, der brennende Pechkranz hingegen ist ein Schrecken des Krieges. Tausende von Lichtern verleihen bei festlichen Gelegenheiten einer Stadt den höchsten Glanz, gleichwohl kann ein einziges Flämmchen davon sie in einen Schutthaufen verwandeln. Der Anblick eines feuerspeienden Berges gewährt ein überwältigendes Schauspiel, die Verheerungen der glühenden Lava jedoch sind entsetzlich anzusehen.

So wollen wir denn für die Wohlthat des Feuers dankbar sein, aber seine Gefahren sollen von uns nie unbeachtet bleiben.

43. Die Schule.

(Begründend.)

Die Schulzeit vergeht schnell, deshalb mußt Du sie gewissenhaft benutzen.

Sei in jeder Stunde streng aufmerksam, denn das Leben erfordert mancherlei Kenntnisse. Uebe Dich sorgfältig in allerlei Fertigkeiten, weil Du dadurch Dein Fortkommen in der Welt finden kannst. Oberflächlich Gelerntes vergißt sich bald wieder, deswegen präge Dir jede Lection recht gründlich ein.

Die Schule sucht den ganzen Menschen zu bilden, mithin muß sich ihr auch jeder Schüler mit all seinen Kräften widmen. Beherzige deshalb vor allen Dingen die heiligen Lehren der Religion, denn daraus gehet das Leben. Ein rechtschaffener Charakter ist ein sicherer Wanderstab, daher eigne Dir schon in der Schule sittliche Grundsätze an. Ein frommes Herz ist der größte Schatz auf Erden, deshalb nimm die Heilswahrheiten aus dem Munde Deines Lehrers gläubig in Dich auf. Die Schule will eben nicht blos Dein irdisches Glück begründen, demnach sorgt sie auch für Deine Seele.

Da Du nun Solches weißt, so richte Dein Verhalten danach ein.

44. Die Kartoffel.

(Desgleichen.)

Die Kartoffel ist das Brod der Armen, deshalb ist Franz Drake durch Einführung derselben zu einem Volkswohlthäter geworden.

In Deutschland tauchte sie zum ersten Male unter Karl’s V. Regierung auf, mithin fällt ihre Einbürgerung in die Mitte des 16. Jahrhunderts. Der Werth dieser Frucht wurde geraume Zeit nicht recht gewürdigt, daher verzögerte sich die allgemeine Verbreitung derselben. Manchen Regierungen dauerte dies allerdings zu lange, deswegen suchten sie den Kartoffelanbau durch Zwangsmaßregeln zu fördern.

Die Kartoffel hat in der Regel die Gestalt eines Apfels, daher nennt man sie in einigen Gegenden Erdäpfel. Weil ihr Mehl viel Nahrungsstoff enthält, mischt man es oft mit Getreidemehl zu Brod.

Die Kartoffel enthält auch Klebstoff, mithin kann sie zur Gummibereitung verwendet werden. Sie birgt ferner eine gewisse Süßigkeit, und somit findet sie sogar Eingang in Zuckerfabriken. In der Viehwirthschaft spielt sie eine ganz bedeutende Rolle, denn sie ist ein vorzügliches Mästmittel.

Der Kartoffelbau ist übrigens leicht, da diese Frucht fast in jedem Boden gedeiht.

Wiederholung.

(Zusammenstellend, entgegenstellend, begründend.)

45. Die Jagd.

Das Jagdhorn erscholl, und die Jäger brachen auf. Die Hühnerhunde bellten, auch die kleinen Dachse erhoben ihre Stimme.

Blitzender Reif lag auf den Fluren, zudem drohten die Wolken mit Schnee. Wol blies ein eisiger Wind von Westen nach Osten, aber der Waidmann fürchtet sich vor Kälte nicht.

Die Jäger gingen jetzt auseinander, jeder indeß behielt Linie. Die Hunde drängten vor, allein man hielt sie noch zurück. Bald fielen einzelne Schüsse, aber es fiel kein Hase. Die Ladungen hatten gefehlt, weil man aus zu großer Ferne geschossen hatte. Später traf jeder Schuß, denn die Jäger waren jetzt ihrer Beute näher.

Das Revier war endlich abgejagt, deshalb blies man zum Rückzuge. Das Jagdglück hatte sich günstig gezeigt, darum genoß man nun unter großer Heiterkeit das Mittagsbrod.

46. Der Brudermord.

(Desgleichen.)

Kain bestellte eines Tages seinen Acker, und Abel hütete seine Schafe. Beide waren Brüder, aber ihre Gemüthsart war sehr verschieden.

Kain’s Brust erfüllte die Mißgunst, weshalb er wol auch stets mit Neid auf seinen Bruder blicken mochte. Den Abel beseelte Frömmigkeit, auch trug sein ganzes Wesen das Gepräge der Sanftmuth.

Beide Brüder zündeten eines Tages Feuer an, denn jeder gedachte dem lieben Gott ein Opfer zu bringen. Kain opferte Früchte des Feldes, Abel dagegen verbrannte ein Schaf.

Die Opferfeuer züngelten gleichmäßig empor, die Rauchsäulen indeß nahmen eine verschiedene Richtung an. Der Rauch von Abel’s Opfer stieg in geraden Linien zum Himmel hinauf, der von Kain’s Opferaltare hingegen wälzte sich in dichten Wolken auf der Erde hin.

Das sah Kain, und sein Herz ergrimmte. Sein Bruder dünkte ihm ein besonderer Liebling Jehovah’s zu sein, somit aber war er ihm ein Dorn im Auge.

Der entsetzliche Neid trieb ihn nicht nur zum Hasse, sondern seine lieblose Seele wurde auch sofort mit Zorneswuth erfüllt.

Kain dachte in diesem Augenblick weder an den allwissenden Gott, noch kümmerten ihn die Eltern daheim. Die Mörderkeule zuckte nieder, und sein Bruder Abel stürzte todt zu Boden.

47. Entstehung des Brodes.

(Mit und ohne Bindewörter.)

Das Feld wird bestellt, der Landmann streut Samen aus, der Himmel gibt Regen und Sonnenschein, die Saaten gehen auf, sie grünen und wachsen, der Sommer bringt sie zur Reife, der Schnitter mäht sie ab, die Scheune nimmt die vollen Garben auf, der Dreschflegel stäubt die Aehren, der Mühlstein zermalmt die Körner, der Bäcker knetet den Teig, der Backofen vollendet das Gebäck und der Mensch genießt das Brod.

48. Ein Haus.

(Desgleichen.)

Das Haus hat zu kleine Fenster, sein Dach ist nur von Stroh, der Garten darum hat keine Obstbäume, auch ist das Futter darin nicht gut, die ganze Lage ist zu winterlich und die Umgebung zu einförmig, darum kaufe ich das Grundstück nicht.

49. Eine Luftschifffahrt.

(Mit und ohne Bindewort. Zusammenstellend, entgegenstellend und begründend.)

Der Luftballon hatte seine Füllung erhalten, sein Leib war mächtig geschwollen, fast wie ungeduldig drängte er nach der Abreise.

Wir stiegen drei Mann hoch in die von Weidenruthen geflochtene Gondel, und ich nahm sofort auf einem kleinen Sessel Platz. Wir freuten uns auf die seltene Fahrt, aber dennoch klopften unsere Herzen vor Bänglichkeit. Das Luftmeer ist an Gefahren dem Weltmeere gleich, denn auch jenes hat keine Balken.

Ein Signal erscholl, die Stricke wurden gelöst, der Ballon erhob sich. Die versammelte Menge wünschte uns glückliche Fahrt, Hunderte von Tüchern winkten uns den Abschiedsgruß, Tausende von Augen folgten unserem Fluge.

Unser Luftschiffskapitän warf eine Anzahl Gedichte auf die Zuschauer hinunter, auch schoß er ein Pistol in die Luft hinaus ab. Die Menge tief unten jauchzte dabei laut auf, mich durchrieselte ein bängliches Frösteln.

Unser Luftfahrzeug schlug anfänglich die Richtung nach Osten ein, bald indeß wurde es von dem Winde nach Süden getrieben. Pfeilschnell stieg es empor, dennoch erfolgte sein Flug gänzlich geräuschlos.

Die Wolken näherten sich merklich, die Landschaft unter uns trat immer mehr zurück. Unsere Blicke gewannen ein immer größeres Aussichtsfeld, dagegen schmolzen die Gegenstände auf der Erde zu immer kleineren Gestalten zusammen. Die Menschen erschienen nur noch in der Größe von schwarzen Ameisen, die Flüsse schlängelten sich wie schmale Silberschnuren dahin, die Wälder glichen großen Tinteklecksen, und die Berge amen uns wie winzige Hügel vor. Die Luft wurde jetzt nicht nur mit jeder Sekunde dünner, sondern die Temperatur sank auch merklich herab, und somit hatten unsere Lungen tüchtig zu arbeiten.

Wir mochten etwa eine Stunde unterwegs sein, da beschloß unser Kapitän den Rückzug. Er stieg an einer Strickleiter empor, und gleich darauf entstand ein kleines Geräusch. Er hatte ein Ventil geöffnet, ein Theil der eingeschlossenen Luft entwich, das Schiff begann zu sinken.

Ich hatte das Landen oft als ziemlich gefahrvoll schildern hören, deshalb wurde mir jetzt wieder nicht wohl zu Muthe. Zu unsern Gunsten war vollkommene Windstille eingetreten, kein Lüftchen regte sich. Der Ballon sank immer tiefer und schwebte jetzt etwa noch thurmhoch über einer ebenen Flur. Der Anker sank hinab, das Ventil öffnete sich noch einmal kräftig, die Luft strömte zischend aus, und der gespannte Riesenleib legte sich allmälig in Falten. Plötzlich gab es eine Art Stoß, und gleichzeitig erscholl aus dem Munde des Kapitäns ein Hurrah!

Der Ballon stand still, weil der Anker Boden gefaßt hatte. Bald standen wir wieder auf festem Grunde, und ich war außerordentlich befriedigt, denn eine solche Luftreise bietet ein unbeschreiblich wunderbares Schauspiel.

Hauptwiederholung.

(Zusammengezogene und zusammengesetzte Sätze.)

50. Der letzte Klos.

Hans und Görge waren eines Tages die Letzten am Tische. Hans hatte seinen Sitz auf des Vaters Stuhl eingenommen, der kleine Görge dagegen kniete auf einer breiten Lehnbank.

In der Schüssel befand sich noch ein einziger Klos und etwas Brühe. Beides waren die letzten Ueberreste vom Mittagsbrode, denn das Mittagsmahl war vorüber, und die Tischgäste hatten sich eben entfernt.

Hans und Görge stierten nicht blos sehnsüchtig, sondern auch habgierig den dicken und zugleich fetten Klos an. Jeder wollte ihn haben, keiner gönnte ihn dem andern, denn in beider Herzen wohnten Neid und Mißgunst. Ihre Augen funkelten, ihre Lippen glitschten im Vorgeschmacke des Leckerbissens. Einer beobachtete heimlich die Miene des andern, keiner aber wagte irgend eine Bewegung.

Der Appetit und die Ungeduld schienen sich indeß bei beiden Brüdern von Minute zu Minute zu steigern, zudem konnte ja auch jeden Augenblick die Mutter kommen und den Speiserest forttragen.

Da endlich streckte Hans beide Hände aus und faßte die Schüssel am Rande. Im Nu aber packte sie Görge an der entgegengesetzten Seite, denn er wollte sich den fetten Bissen durchaus nicht so mir nichts dir nichts entreißen lassen, am allerwenigsten sollte ihn Hans ohne alle Hindernisse verschlucken dürfen.

Nun aber entspann sich ein ebenso heftiger als lächerlicher Kampf. Hans zog hin, Görge her, und zwar erfolgte dieses Hinundher zusehends schneller und mit merklich sich steigernder Erbitterung und Wuth. Der arme Klos hatte es am übelsten dabei, denn er wurde unbarmherzig in der Schüssel herumgekollert und hätte vor Angst bersten mögen.