Part 12
Wer? Was that er? Was? Woraus? (Der Knabe bildete Figuren aus Wachs.)
Wer? Wie war er? Wo? (Der Knabe war lustig im Garten.)
Wer? Was thut er? Wen? Wie oft? (Der Knabe begießt die Blumenstöcke alle zwei Tage.)
Wer? Was that er? Wann? Wem? Was? Der Diener überbrachte vorhin dem Herrn einen Brief.
Den schwächeren Schülern +gebe+ man die einfachen Sätze zu dem Zwecke, sie nach den vorgeschriebenen Fragen zu erweitern. Z. B.: Der Jäger schoß. Der Bote übergab. Der Knabe schnitzte. Der Feind entriß u. dgl. m.
Druck von Metzger & Wittig in Leipzig.
Sprachbilder
nach
bestimmten Sprachregeln.
Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch
für den
deutschen Sprachunterricht in der Volksschule.
Für Lehrer und Schüler
gearbeitet von
Franz Wiedemann,
Oberlehrer an der Neustädter Bürgerschule in Dresden.
Zweiter Theil.
Leipzig.
Alfred Oehmigke’s Verlag.
(Moritz Geißler.)
Inhalts-Verzeichniß.
~C.~ Der zusammengezogene Satz.
I. Einfache Zusammenziehungen.
Seite.
Zwei Subjecte 1. Die Wilderer 1
Mehrere Subjecte 2. Drei Verdienstvolle 2
Zwei Aussagen 3. Die zahme Gans 3
Mehrere Aussagen 4. Martin 4
Zwei Beifügungen 5. Ein guter König 4
Mehrere Beifügungen 6. Der Bergmann 5
Zwei u. mehrere Ergänzungen 7. Die Sonne 6
Desgl. 8. Der Blinde 7
Zwei Ortsbestimmungen. Verhältnißwörter 9. Eine Landplage 8
Desgl. Umstandswörter 10. Der Christbaum 9
Zwei Zeitbestimmungen 11. Der Kranke 9
Desgl. 12. Die Glocken 11
Zwei Best. der Art u. Weise 13. Elise 12
Desgl. 14. Das Kanonenfieber 12
Zwei Beweggründe 15. Gott und wir 14
Zwei Zwecke 16. Die Kuh 14
Zwei Stoffe 17. Der kleine Künstler 14
+Wiederholung.+
Alle Arten Zusammenziehungen 18. Ludwig und Günther 15
Forts. 19. Die Luft 16
Forts. 20. Einfache Kost 17
Forts. 21. Zwei Brüder 18
II. Mehrfache Zusammenziehungen.
Subjective, Ergänzungen, Beifügungen etc. 22. Zwei berühmte Sänger 18
Forts. 23. Der Winter 19
Forts. 24. Stolz und Eitelkeit 20
III. Arten der Zusammenziehung.
Zusammenstellend 25. Ein Kampf 21
Desgl. 26. Die Erzväter 22
Entgegenstellend 27. Das Meer 23
Desgl. 28. Geld 24
Begründend 29. Der Maikäfer 24
Desgl. 30. Die Bibel 25
=Hauptwiederholung.=
Alle Arten der Zusammenziehung 31. Die Katze 25
~D.~ Zusammengesetzte Sätze.
I. Ohne Bindewörter.
Zusammenstellend 32. Der Morgen 26
Desgl. 33. Auf dem Meere 27
Entgegenstellend 34. Der junge Graf 27
Desgl. 35. Eine Feuersbrunst 28
Begründend 36. Frühling 28
Desgl. 37. Die Sündfluth 29
+Wiederholung.+
Zusammenstellend, entgegenst., begründend 38. Eine Dampfwagenfahrt 29
II. Mit Bindewörtern.
Zusammenstellend 39. Ein Doppelfest 30
Desgl. 40. Abend 31
Entgegenstellend 41. Maß halten 32
Desgl. 42. Das Feuer 32
Begründend 43. Die Schule 33
Desgl. 44. Die Kartoffel 34
+Wiederholung.+
Zusammenstellend, entgegenst., begründend 45. Die Jagd 35
Desgl. 46. Der Brudermord 35
Mit und ohne Bindewörter 47. Entstehung des Brodes 36
Desgl. 48. Das Haus 36
Mit und ohne Bindew., Zusammenstellend, entgegenst., begründend 49. Eine Luftschifffahrt 37
=Hauptwiederholung.=
Zusammengezogene u. zusammengesetzte Sätze 50. Der letzte Klos 38
~E.~ Satzgefüge.
I. Subjectivsätze.
1. Vollständige Subjectivsätze.
Der Subjectivsatz voran 51. Natur 40
Desgl. 52. Gottvertrauen 41
Der Subjectivsatz zuletzt 53. Der Hund 41
Der Subjectivsatz voran u. zuletzt 54. Die Erde 42
2. Abgekürzte Subjectivsätze 55. Selbsterkenntniß 43
+Wiederholung.+
Vollst. u. abgekürzte Subjectivs. 56. Die Todten 43
=Hauptwiederholung.=
Zusammengesetzte Sätze u. Satzgefüge 57. Im Winter 44
II. Prädikatsätze.
Prädikatsätze 58. Gott und der Mensch 45
=Hauptwiederholung.=
Subjectiv- u. Prädikatsätze 59. Ein trauriger Pfad 45
III. Beifügesätze.
1. Vollständige Beifügesätze.
Der Beifügesatz zuletzt 60. Ein Schulkreuz 46
Der Beifüges. in der Mitte 61. Ein muthiger Knabe 47
Der Beifügesatz umschreibt ein Eigenschaftswort 62. Flora 48
Desgl. ein Mittelwort 63. Eine Bergpartie 49
Desgl. ein Besitz anzeig. Fürw. 64. Verschiedene Besitzungen 50
Desgl. eine Ortsbestimmung 65. Ein Todtenbette 51
Desgl. eine Zeitbestimmung 66. Deutschland 52
Desgl. eine Art u. Weise 67. Der Lebensmüde 53
Desgl. einen Grund oder Zweck 68. Vaterlandsliebe 54
Desgl. ein Hauptw. im 2. Falle 69. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten 55
Desgl. ein Zeitw. in reiner Form 70. Das kindliche Spiel 56
Desgl. ein Doppelhauptw. 71. Räthsel 56
Desgl. eine Zahlbestimmung 72. Die Bienen 57
Desgl. eine Apposition 73. Biblische Beinamen 57
+Wiederholung.+
Alle Arten Beifügungen 74. Der sterbende Löwe 58
Desgl. 75. Das Wasser 59
2. Abgekürzte Beifügesätze 76. Bete und arbeite 60
+Wiederholung.+
Vollständ. u. abgekürzte Beifüges. 77. Napoleon I. 61
=Hauptwiederholung.=
Subjectiv-, Prädikat- und Beifügesätze 78. Die Sklaven 62
IV. Ergänzungssätze.
1. Vollständige Ergänzungssätze.
Im 4. Falle 79. Saat u. Ernte 63
Desgl. 80. Die kranke Freundin 64
Im 3. Falle 81. Lebensregeln 65
Desgl. 82. Mütterliche Lehren 65
Im 2. Falle 83. Kindespflicht 66
Der Ergänzungss. umschreibt ein Hauptw. mit Verhältnißwort 84. Ein edler Fürst 67
Desgl. ein Zeitw. in abhängiger Form 85. Der alte Räuberhauptmann 67
Der Ergänzungss. in unbestimmter Redeweise 86. An der Indianergrenze 68
2. Abgekürzte Ergänzungssätze 87. Der Tollkühne 69
+Wiederholung.+
Verschiedene Arten der Ergänzungssätze 88. Der feuerspeiende Berg 69
=Hauptwiederholung.=
Subjectiv-, Prädikat-, Beifügungs- u. Ergänzungssätze 89. Das Reisen 71
V. Anführungssätze.
1. Wörtlich.
Der Hauptsatz voran 90. Die Bibel der Natur 72
Desgl. zuletzt 91. Beim Brande 73
Desgl. in der Mitte 92. Zwiespalt 74
+Wiederholung.+
Alle drei Fälle abwechselnd 93. Die Weidenraupe 74
2. Nicht wörtlich.
Der Hauptsatz voran 94. Das Wetter 75
Desgl. zuletzt 95. Am Krankenbette 76
Desgl. in der Mitte 96. Der Fund 76
+Wiederholung.+
Alle drei Fälle 97. Ochs und Esel 77
Wörtlich u. nicht wörtlich 98. Das Gespenst 78
=Hauptwiederholung.=
Subjectiv-, Prädikat-, Beifüge-, Ergänzungs- u. Anführungssätze 99. Ehre das Alter 79
VI. Umstandssätze.
1. Umstandssätze des Ortes 100. Unschuldig Verfolgte 80
Desgl. 101. Reichthum 81
2. Umstandssätze der Zeit.
~a.~ Gleichzeitigkeit.
102. Peter der Große 83
Desgl. 103. Aus dem Tagebuche eines Kriegers 82
~b.~ Ungleichzeitigkeit.
104. Gewissenhaftigkeit 84
+Wiederholung.+
Gleich- und Ungleichzeitigkeit 105. Das Wüstenungeheuer 84
Umstandssätze des Ortes und der Zeit 106. Die Missionäre 85
3. Umstandssätze der Art u. Weise.
~a.~ Unverkürzt.
~aa.~ Ohne Vergleichung.
107. Roderich 86
~bb.~ Mit Vergleichung.
108. Ein Sprichwort 87
~b.~ Abgekürzt.
109. Auf der Wolfsjagd 88
+Wiederholung.+
Unverkürzt u. abgekürzt 110. Die Rettung 89
Umstandssätze des Ortes, der Zeit u. der Art und Weise 111. Eine Lebensgeschichte 90
4. Umstandssätze des Grundes.
~a.~ Wirkliche Gründe.
~aa.~ Stoff. Ursache. Erkenntnißgrund.
112. Die Fledermaus 91
~bb.~ Beweggrund. Zweck. Ziel.
113. Mutterliebe 92
+Wiederholung.+
Alle Arten Umstandssätze des Grundes 114. Der Mensch 93
Umstandssätze des Ortes, d. Zeit, der Art u. Weise u. des wirklichen Grundes 115. Der Apfelbaum 94
~b.~ Mögliche Gründe.
~aa.~ Bedingungssätze.
116. Der sterbende Vater 95
~bb.~ Einräumungssätze.
117. Die Zunge 96
+Wiederholung.+
Bedingungs- und Einräumungssätze 118. Bildung 96
Umstandssätze des Ortes, der Zeit, der Art u. Weise, des wirklichen u. möglichen Grundes 119. Die Raubritter 97
5. Einschaltsätze.
120. Ein Dieb 99
=Hauptwiederholung.=
Subjectiv-, Präd.-, Ergänz.-, Umstands-, Anführungs- und Einschaltsätze 121. Der Mäusethurm 99
~F.~ Mehrfach gegliederte Sätze etc.
Alle Arten Sätze 122. Gellert 102
Desgl. 123. Geistesgegenwart 103
Zwei vollständige Satzgefüge verbunden 124. Schlaf u. Tod 105
Es beziehen sich mehrere Nebensätze auf einen Hauptsatz 125. Die Zukunft 105
Desgl. 126. Hier und dort 106
Desgl. 127. Das Turnen 107
Der Nebensatz enthält wieder einen Nebensatz 128. Die Thierschutzvereine 107
Desgl. 129. Ein Apfelkern 108
Desgl. 130. Eine Wohlthäterin 109
Der Anführungssatz ist ein Satzgefüge 131. Grille und Ameise 110
Zusammengezogene, zusammengesetzte Sätze u. Satzgefüge verbunden 132. Eine Geburtstagsscene 111
Die Periode 133. An Dich 112
~C.~ Der zusammengezogene Satz.
~I.~ Einfache Zusammenziehungen.
1. Der Wilderer.
(Zwei Subjecte.)
Der Mond und die Sterne standen bereits am Himmel. Ihr Glanz und ihr Geflimmer warfen einen matten Silberschein auf die stille Flur. Ringsumher lagerten tiefe Ruhe und ernster Friede. Nur einzelne Frösche und Unken erhoben in dem schilfdurchwachsenen Teiche noch ihre Stimmen.
Da traten ein Vater und sein erwachsener Sohn aus einem Gebirgswalde hervor. Aus ihren Zügen sprachen Rohheit und finsteres Wesen. Ihre leisen Schritte und ihre ganze Haltung bekundeten große Vorsicht.
Auf des Sohnes Schultern lagen ein Reh und zwei Hasen. Ueber den Rücken des Alten hingen eine kurze Büchse und ein großes Netz. Ihr Aeußeres und ihr scheues Verhalten ließen sie sofort als Wilddiebe erkennen.
Stumm schlichen Vater und Sohn über die Felder dahin. Kein Wort, kein Laut kam über ihre Lippen.
Bald hatten beide ein kleines Gebüsch erreicht. Hier aber traten ihnen plötzlich der Flurschütz und sein Hund entgegen. Schreck und Verwirrung bemächtigten sich der Diebe. Das kräftige Halt und die angelegte Doppelbüchse des Flurschützen kamen ihnen doch zu unerwartet. Weder Vertheidigung noch Flucht konnte sie retten. Blut und Leben hätten dabei auf dem Spiele gestanden.
Nach wenig Minuten schritten der alte und der junge Wilddieb als Gefangene voran. Der Flurschütz und sein Hund folgten. Traurig blickten Mond und Sterne auf das düstere Bild hernieder.
Wuth und Aerger lagerten auf den Zügen der beiden Verbrecher. Ihr Weg führte in die Frohnveste. Nach etwa einer Stunde sperrten sie Schloß und Riegel von dem freien Leben ab.
Wochen und Monate zogen an ihren Kerkermauern vorüber. Endlich erfolgten das letzte Verhör und der Richterspruch. Feld- und Wilddieberei werden vom Gesetze hart geahndet. Vater und Sohn wanderten auf das Zuchthaus. Hier quälten sie nun freilich Reue und Gewissensbisse. Doch die Erkenntniß kam zu spät. Ehre und Freiheit waren verspielt.
Was aber hatte jene Beiden nach und nach auf die verbrecherische Laufbahn geführt? Arbeitsscheu und Leichtsinn waren die einzige Ursache.
2. Drei Verdienstvolle.
(Mehrere Subjecte.)
Kuh, Ziege und Schaf sind außerordentlich nützliche Hausthiere. Nicht nur ihr Tod, sondern auch ihr Leben gewähren uns mancherlei Vortheile. Milch, Butter und Käse würzen ja fast täglich unser Mahl. Sowohl die Kuh und die Ziege als auch das Schaf erzeugen durch ihren Dünger Fruchtbarkeit der Aecker. Wird den Kindern nicht oft auch ein Ziegenböcklein oder ein Lamm zum Vergnügen gehalten?
Noch mehr Vortheil und Gewinn erwachsen aus ihrem Tode. Nicht blos Rind und Schöps, sondern auch das Ziegengeschlecht geben uns ein nahrhaftes Fleisch. Rinder-, Schöpsen- und Ziegenbraten essen wol alle Leute gern. Aber nicht blos ihr Fleisch, sondern auch ihr Fell, zudem ihre Haare und ihre Hörner sind sehr nützliche Artikel. Stiefeln, Schuhe und Pantoffeln, außerdem Taschen, Gürtel und Riemen, sogar Zäume und Sättel wachsen auf dem Rücken des Rindes. Weder Arme noch Reiche können deshalb dasselbe entbehren.
Aus dem Felle der Ziege erstehen haltbare Schürzen, feste Handschuhe, sogar dauerhafte Beinkleider. Haus-, Schaf- und Reisepelze, sowie auch Müffe, Pelzstiefel und Reisedecken kommen vom Felle des Schafes. Und wie viel Kleidungsstücke, Stickereien und andere Schmuckgegenstände werden nicht erst aus seiner Wolle gefertigt!
Den außerordentlichen Nutzen dieser Thiere erkannten schon die ältesten Nationen und Völkerstämme. Schon Abraham, Isaak und Jakob besaßen große Heerden. Rinder und Schafe bildeten ihre größten Reichthümer.
3. Die zahme Gans.
(Zwei Aussagen.)
Die Gans ist ein Haus- und Wasservogel. Ihr Rumpf ist oval und ziemlich stark. Ihre Füße haben Nägel und Schwimmhäute. Ihr Hals ist lang und sehr beweglich. Der Schnabel hat eine breite Gestalt und eine abgerundete Spitze. Das Gefieder ist dicht und oft buntfarbig.
Die Stimme der Gans ist weder klangvoll noch melodisch. Sie schnattert und gackert blos. Ihr Gang ist breitspurig und wacklig. Sie schwimmt zwar vortrefflich, fliegt aber schwerfällig. Ihre Eier sind allerdings groß, aber als Speise nicht eben gesucht. Ihr Fleisch dagegen ist sehr wohlschmeckend und darum beliebt.
Die Gans ist namentlich wegen ihrer Federn sehr nützlich und deshalb sehr verbreitet. Sie wird daher in manchen Gegenden ganz besonders gehegt und gepflegt.
4. Martin.
(Mehrere Aussagen.)
Martin war seinen Eltern ein unfolgsames Kind, in der Schule ein fauler Schüler und überhaupt ein ungezogener Knabe. Er war nicht blos zänkisch und schadenfroh, sondern auch lügenhaft und tückisch. Sein ganzes Benehmen war roh, wild und flegelhaft. Er hörte auf keine Mahnung, achtete keinen Tadel, ließ sich durch keine Strafe bessern.
Seine Bücher hatten nicht nur Schmuzflecken und Blattohren, sondern auch keine Schalen mehr. Seine Kleider waren selten ganz, reinlich und in guter Ordnung. Natürlich wurden seine Schulcensuren immer geringer, kläglicher und entehrender.
So war Martin seinen Eltern ein Angst-, Sorgen- und Schmerzenskind. Ebenso hatte der Lehrer mit ihm nichts als Verdruß und Aerger.
Und was war die traurige Folge von all diesen Jugendsünden? Martin wurde später ein Faulenzer, ein Betrüger, ein Dieb und zuletzt ein Bewohner des Zuchthauses.
5. Ein guter König.
(Zwei Beifügungen.)
Ein weiser und gerechter König ist für ein Land ein großes Glück. Er sorgt für das Wohl der Städte und Dörfer. Er fördert die Stätten der Wissenschaft und Kunst.
Seine ebenso wohlwollenden als strengen Gesetze gewähren allen Unterthanen Schutz. Er unterstützt den Fleiß der Handwerker und Bodenbebauer. Er weiß den Segen einer guten Schulbildung und einer frommen häuslichen Erziehung zu würdigen. Er spendet jedem wirklichen Verdienste wohlverdiente und ermunternde Anerkennung.
So strömt Segen von seinem erhabenen, gottbegnadeten Throne über das ganze Land. Allenthalben erblüht geistiges und leibliches Glück.
Das Volk weiß dann aber auch ein solch fürsorgliches und väterliches Regiment zu schätzen. Mit vertrauensvollen und dankbaren Herzen blicken Alle zu dem Throne auf. Jeder Gutgesinnte zeigt nicht blos freudigen, sondern selbst aufopfernden Gehorsam. Für einen solchen Fürsten zieht das Volk willig in den gefahrvollen, blutigen Kampf. An der Gruft eines solchen Landesvaters steht es mit Herzen voll Weh und Schmerz.
6. Der Bergmann.
(Mehrere Beifügungen.)
Der Bergmann hat einen nicht blos mühsamen, sondern auch gesundheits-, ja lebensgefährlichen Beruf. In dem tiefen, dunklen, unheimlichen Schachte ist seine Werkstätte. Die unterirdische ununterbrochene Nacht ist sein Werkeltag. Das kleine, dürftige Flämmchen seiner Grubenlaterne ist seine Sonne.
Die Gefahr zu ersticken, zu verbrennen oder verschüttet zu werden schwebt fortwährend über seinem Haupte. Kann doch jeden Augenblick ein sogenanntes böses Wetter aus dieser oder jener Wand hervorbrechen. Kann doch jeden Tag das an sich zwar feste, aber weitgespannte Steingewölbe über dem armen ruhig arbeitenden Manne zusammenbrechen. Nicht selten droht ihm auch Unheil durch des Wassers tückische, verheerende Macht.
Leider sind dergleichen schreckbare, grauenhafte, herzerschütternde Unglücksfälle gar nicht selten. Die Bergwerke wurden schon für Tausende von braven, biedern, redlich sich nährenden Menschen zum frühen, jammervollen Grabe.
All diesen Gefahren aber geht der Bergmann tagtäglich mit muthigem, gottvertrauendem Herzen entgegen. Er zeigt überhaupt viel frommen, gottesfürchtigen Sinn.
Vor jedem größeren Bergwerke erblickt man ein kleines, einfaches Bethaus. Hier stärkt er sich durch eine zwar kurze, aber erhebende Andacht zu dem schweren und gefahrvollen Gange in die Tiefe.
Trotz der Arbeit voller Aengste und Bedrohnisse erhält der Bergmann aber doch nur einen bescheidenen, fast kärglichen Lohn. In Bergmanns Hütte herrscht daher nicht selten bittere, drückende Noth. Schwarzes, trockenes Brod bildet häufig seine Mahlzeit nach einer langen, erzfundreichen Schicht. Sein zufriedenes, genügsames Gemüth hilft ihm indeß auch dieses schwere, freudenleere Loos ertragen.
7. Die Sonne.
(Zwei und mehrere Ergänzungen.)
Die Sonne führt verschiedene Titel und Namen. Der Dichter nennt sie die Mutter der Erde, die Königin des Tages, auch wol den Quell alles Lichtes. Der Sternkundige bezeichnet sie einfach als Fix- oder Standstern.
Unendlich groß sind ihre Segnungen. Sie regiert Tag und Nacht. Sie spendet der Erde Licht und Wärme. Ihr milder Strahl erquickt sowohl die Menschen als auch die Thiere und die Pflanzen.
Sie ruft den Frühling und den Sommer. Sie läßt den Herbst und den Winter einziehen. Sie zaubert das zarte Keimblättchen aus der Erde, die üppige Knospe aus dem Zweige, die purpurne Blüthe aus dem Kelche, die goldene Frucht an des Baumes Krone.
Sie zeugt die Raupe in dem winzigen Ei und den Schmetterling in der geheimnißvollen Puppe. Ihre segnende Bahn streut Leben, Glück und Freude aus. Sie scheint Gerechten und Ungerechten.
Und wie verherrlicht sie ihren Auf- und Niedergang! Welche Genüsse bereitet sie da dem Auge und dem gefühlvollen Herzen! Wen sollte nicht ein schöner Sonnenaufgang sowohl mit Bewunderung und Entzücken, als auch mit Dankgefühlen und stiller Andacht erfüllen? In wem erzeugte nicht ein schöner Sonnenuntergang nicht allein frohes Staunen, sondern auch ernste Betrachtungen?
Die Größe und Majestät der Sonne erkannten daher auch schon die ältesten Völker. Einige ließen ihr sogar Anbetung und göttliche Verehrung zu Theil werden.
8. Der Blinde.
(Desgleichen.)
Ein Blinder hat ein unsäglich schweres Loos, ein unendlich hartes Geschick zu ertragen. Sein Leben ist reich an Gefahren und Entbehrungen. Ihn kann weder der farbige Blumenteppich des Frühlings, noch das blitzende Diamantkleid des Winters, weder das majestätische Sternenzelt, noch das liebe Bild eines schönen Menschenantlitzes erfreuen.
Er kann nie des Entzückens über eine reizende Landschaft, nie des Jubels über das herrliche Farbenspiel eines Regenbogens, nie auch der ergreifenden Gemüthsbewegung bei dem Anblicke wildzuckender Blitze theilhaftig werden. Auf jedem seiner Wege muß er stets seiner Unsicherheit und Hülflosigkeit eingedenk sein. Er muß jeden Laut, jedes kleine Geräusch beachten. Nur selten kann er des Stockes oder einer leitenden Hand entbehren.
Ein solcher Unglücklicher verdient daher unser Mitleid, unsere herzlichste Theilnahme, unsere Unterstützung. Man muß natürlich an jedem Unglücklichen, ganz besonders aber an dem Tauben, Stummen und Blinden Barmherzigkeit üben. Ein diese Pflicht Vergessender ist weder unserer Achtung und Liebe, noch des Christennamens und der Gnade Gottes würdig.
9. Eine Landplage.
(Mehrere Ortsbestimmungen. Verhältnißwort.)
Sowohl in Ungarn als auch in Serbien und Bosnien hausten ehedem sehr gefährliche Räuberbanden. Ihre Schlupfwinkel befanden sich in den dortigen Gebirgen und Wäldern. Ihre Lager schlugen sie in Höhlen und Felsenkesseln auf.
Weder in den Städten, noch in den Dörfern war man vor diesem rohen Gesindel sicher. Einzelne der kühnen Gesellen wagten sich sogar am hellen Tage auf die Marktplätze, auf öffentliche Vergnügungsorte und in die Gotteshäuser. Kein Reisender konnte auf Wegen und Straßen für sein Leben unbesorgt sein. Immer mußte er ängstlich vor, neben, um und wol auch hinter sich blicken. Konnte ja doch jeden Augenblick ein solcher Wegelagerer aus einem Dickicht, hinter einer Felsenecke oder aus irgend einer Vertiefung hervorgesprungen kommen. Konnte ja doch auf jedem Schritte das tödtliche Rohr für ihn schon an einem Baumstamme, auf einem Erdhügel oder auf einer Felsenkante angelegt sein.