Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Part 70

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Während diese wärmeliebenden Kinder des Südens nicht zu uns gelangten, ist die +gemeine Roßkastanie+ (~Aesculus hippocastanum~) einer unserer häufigsten Parkbäume geworden. ~Aesculus~ oder ~esculus~ (vom lateinischen ~edere~ essen) hieß bei den alten Römern die immergrüne Speiseeiche (~Quercus aesculus~), welchen Namen Karl von Linné auf diesen, den Alten unbekannten Baum übertrug. ~Hippokástanon~, d. h. Pferdekastanie, nannte er sie, weil die denjenigen der eßbaren Kastanie (~Castanea vesca~) ähnlichen Samen von den Türken, gemahlen und unter das Futter vermengt, ihren Pferden gegen Husten und Dämpfigsein (Schweratmen infolge Lungenemphysem) mit gutem Erfolg gegeben werden sollen. Trotz der Ähnlichkeit der Früchte hat aber die Roßkastanie, die zu den Sapindazeen oder Seifenbaumgewächsen gehört, keinerlei Verwandtschaft mit der Eßkastanie, die mit Eiche und Rotbuche die Familie der Fagazeen bildet. Dieser 19-25 m hohe Baum mit den bekannten 5-7zählig gefingerten Blättern und weißen, rot und gelb gefleckten Blüten hat, wie erst neuerdings nachgewiesen werden konnte, seine Heimat in den Gebirgen von Nordgriechenland, Thessalien und Epirus unterhalb der Tannenregion in einer Meereshöhe von 1000-1300 m und wächst auch in der Berglandschaft von Imeretien im Kaukasus wild. Die Türken brachten ihn ums Jahr 1557 nach Konstantinopel, von wo 1576 der österreichische Gesandte Freiherr von Ungnad die ersten Früchte nach Wien sandte. Dort pflanzte Clusius die Roßkastanie zuerst im kaiserlichen Garten und beschrieb Matthiolus die Pflanze als ~Castanea equina~, auch bildete er einen Fruchtzweig derselben ab. Erst um 1616 gelangte der Baum von Konstantinopel nach Frankreich, von wo er sich, wie auch aus Wien, über ganz Mitteleuropa verbreitete und so gemein wurde, daß er hier heute der häufigste Schatten- und Alleebaum ist. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er auch in Nordamerika angesiedelt und fand hier ebenfalls weite Verbreitung, da er sehr rasch wächst, durch seine weit ausgebreitete, dichte Krone ausgiebigen Schatten spendet, durch seine prächtigen Blütenkerzen im Frühjahr das Auge erfreut und im Herbst die großen, glänzendbraunen Samen liefert, die 60 Prozent Nährstoffe, darunter 40 Prozent Stärkemehl enthalten. Trotzdem haben sie als menschliches Nahrungsmittel bis jetzt keine Verwendung gefunden, da sie durch einen ziemlichen Gehalt an Saponin unangenehm schmecken. Dieser kann nun durch Behandeln mit Alkohol entfernt werden, wodurch man ein wertvolles Nährpräparat beziehungsweise Stärkemehl zur Spiritusfabrikation gewinnt. Unverändert bilden sie ein treffliches Viehfutter, das durch den Gerbstoffreichtum der Schale ein treffliches Gegenmittel für die unvermeidlichen Folgen der Fütterung mit Grünfutter bildet. Sie lassen sich leicht aufbewahren, indem man sie an einem luftigen Ort gut trocken hält; doch dürfen sie nicht zu hoch aufeinander liegen, da sie dann schwer trocknen und leicht schimmeln. Die hart gewordene Frucht läßt man vor dem Verfüttern 24 Stunden in Wasser aufquellen, wodurch ihre Bitterkeit teilweise verschwindet. Aus den rohen Samen kann man einen trefflichen Kleister für Buchbinder und Tapezierer bereiten, der den Vorteil hat, wegen seiner Bitterkeit vor der Einnistung von Insekten geschützt zu sein. Aus den zu Kohle verbrannten Schalen gewinnt man eine ganz schöne schwarze Farbe. Die Blüten sind eine sehr ergiebige Bienenweide; das gelblichweiße oder rötliche, weiche und schwammige Holz dagegen ist wenig als Werkholz geschätzt, da es grobfaserig ist und leicht fault. Trotz ihrer langen Züchtung hat die Roßkastanie keine nennenswerten Spielarten oder Kulturformen hervorgebracht.

Kleiner als sie und mit röhrigem statt glockigem Kelch, mit zusammengeneigten statt wie bei jener ausgebreiteten Blumenblättern ist die schmutzigrot blühende +rote Pawie+ (~Pawia rubra~), ein aus dem südwestlichen Nordamerika bei uns eingeführter Zierbaum von nur 4-7 m Höhe und glatter brauner statt stacheliger grüner Samenkapsel. Letztere sind gleich den Blättern und Samen giftig und deshalb unbrauchbar als Viehfutter, was bei der altweltlichen Roßkastanie nicht der Fall ist. Mit ihren zerriebenen und zu einem Teige geformten Früchten betäubt man beim Fischfang die Fische. Die zerstoßene und gekochte Wurzel und Rinde enthält viel Saponin und wird in Amerika statt Seife zum Waschen von Wollzeug gebraucht. Ihren Namen erhielt sie zu Ehren des um die Mitte des 17. Jahrhunderts als Professor der Botanik in Leiden verstorbenen Peter Paw. Sie wird bei uns recht selten angepflanzt und bildet nur selten größere Bäume. Sehr häufig dagegen treffen wir in den Gärten und Anlagen die +rotblühende Kastanie+ (~Aesculus carnea~), ein Kreuzungsprodukt der altweltlichen Roßkastanie mit der neuweltlichen Pawie. Der Bastard hält in seinen Merkmalen so ziemlich die Mitte zwischen seinen Eltern inne. Seine rote Blumenkrone ist nicht ausgebreitet wie bei der Roßkastanie, sondern leicht zusammengeneigt und die bräunlichgrüne Fruchthülle nur spärlich bestachelt. Er wird größer als die Pawie, wenn auch nicht so groß wie die Roßkastanie; er wächst nicht so schnell wie letztere, blüht auch 2-3 Wochen später als diese. Da die rotblühende Kastanie durch Pfropfung auf den jungen Stamm der gemeinen Roßkastanie vermehrt wird, aber weniger in die Dicke wächst als diese, so entsteht meist eine sehr auffallende Stammform, indem sich dieser an der Pfropfstelle plötzlich verschmälert, eine Erscheinung, die man nicht selten auch bei Obstbäumen, besonders Apfelbäumen -- aus derselben Ursache entstanden -- beobachtet.

Etwas größer als die rote Pawie wird die +gelbblühende Pawie+ (~Pawia lutea~) mit langen gelben Blumenblättern und unbehaarten Staubbeuteln, während die +glattblätterige Pawie+ (~P. glabra~) mit kurzen gelben Blumenblättern und behaarten Staubbeuteln kleinwüchsig ist. Diese sind ebenfalls Bewohner des südwestlichen Nordamerika und lassen sich am Laube nur schwer voneinander unterscheiden. Durch schlankere Form der glatten Blättchen zeichnet sich bloß die strauchartige +kleinblütige Roßkastanie+ (~Aesculus parviflora~) aus den Bergwäldern des östlichen Nordamerika aus. Sie blüht später als die andern Arten und an den erst im Sommer erscheinenden auffallend langen und schmalen Blütenrispen treten die Staubfäden weit aus den großen, weißen Blüten heraus.

An allgemeiner Beliebtheit als prächtiger Schattenbaum wetteifert mit der Roßkastanie die +Platane+. Sie wächst rasch, bildet einen mächtigen Stamm mit kraftvoll ausgestreckten Ästen und hellgrünen, gelappten, handnervigen Blättern, die, wie diejenigen der Roßkastanie, im Herbst abgeworfen werden. Sie vereinigt die Schnellwüchsigkeit der Pappel mit dem Brennwert der Buche, weshalb es sich empfiehlt, sie besonders als Alleebaum anzupflanzen. Die dunkle, in beständiger Erneuerung begriffene Borke des Stammes blättert fortwährend in regellosen Stücken ab, so daß die jüngere, hellgefärbte Rinde zutage tritt und der Stamm malerisch gefleckt erscheint. Unscheinbar hängen die kleinen gelben männlichen und tiefroten weiblichen Blüten getrennt am Baume, bevor die Blätter zum Vorschein kommen. Aus letzteren gehen zu beinahe nußgroßen Kugeln vereinigte Früchte hervor, die noch im Winter am Baume pendeln. Aus ihnen lösen sich die mit zarten Flughaaren versehenen Früchte ab, um vom Winde verbreitet zu werden. Da der Baum sich leicht in den Ästen zurückschneiden läßt, wird er vielfach stark gescheitelt. Wer aber nur die mißhandelten, durch übermäßiges Stutzen nieder und breit gehaltenen Bäume, wie sie vielfach vor den Gasthäusern und in den Biergärten zu sehen sind, kennt, der ahnt nicht, welche Schönheit die Platane da entfaltet, wo man ihr frei und unbehindert ihre breit ausladenden Äste aus dem schlanken Stamme herauszustrecken erlaubt.

Das Geschlecht der mit den Feigen-, Brotfrucht- und Ulmenbäumen zu den Nesselgewächsen gehörenden Platanen besaß zur Tertiärzeit mit den ihnen sehr nahe verwandten Liquidambarbäumen eine viel ausgedehntere Verbreitung als heute. Während des mittleren und oberen Tertiärs waren sie durch ganz Europa, Nordasien und Nordamerika bis weit über den Polarkreis hinaus verbreitet und wuchsen sogar in Grönland und auf Spitzbergen. Vom spättertiären ~Platanus aceroides~ dürften die beiden heute noch existierenden und in der Kulturwelt angepflanzten, 10-20 m hohen Platanenarten stammen: die +morgenländische Platane+ (~Pl. orientalis~) der Alten Welt und die +abendländische Platane+ (~Pl. occidentalis~) von Nordamerika. Erstere hat stärker gelappte Blätter mit grünen Blattstielen und ein mehr in die Breite wachsendes Astwerk, während letztere nur schwach gelappte, unterseits flaumhaarige Blätter mit braunen Blattstielen besitzt und ihre Zweige mehr aufrecht stellt. Da die neuweltliche Platane die Winterkälte viel besser erträgt als die dagegen weit empfindlichere altweltliche, wird sie in Mitteleuropa häufiger als jene angepflanzt. Doch ist die bei uns fast ausschließlich gepflanzte Form das Kreuzungsprodukt beider Arten, die +ahornblätterige Platane+ (~Pl. acerifolia~), die der amerikanischen Form näher steht und wie diese winterhart ist. Ihre Vermehrung erfolgt stets durch Stecklinge.

Die morgenländische Platane findet sich an Gebirgsbächen in Wäldern unterhalb der Cedernregion bis zu 1600 m Höhe vom Himalaja bis Griechenland und Makedonien, auch auf Zypern, dem südlichen Anatolien und Persien. Sie hieß bei den Griechen ~plátanos~, von ~platýs~ breit, weil sie ihre Äste weit ausreckt. Schon in der Ilias wird sie erwähnt. Als nämlich die Griechen sich mit ihren Schiffen in der Stadt Aulis am Euripos in Böotien zum Zuge nach Troja sammelten, da lagerten sie sich „an einer Quelle unter einer schönen Platane.“ Nach Homer erwähnt dann der Dichter Theognis aus Megara um 560 v. Chr. einen Platanenhain in Lakonien, der an einem Teiche stand, mit dessen Wasser ein Winzer seine Reben tränkte. Durch ihre Größe und durch ihr Alter ehrwürdige Exemplare galten den Umwohnern als heilig. Solche heilige Platanen werden uns von alten Schriftstellern aus Lykien und Karien in Kleinasien erwähnt. Eine ähnliche Sitte muß auch in Persien geherrscht haben; denn Herodot berichtet uns vom persischen Großkönig Xerxes, daß, als er auf seinem Kriegszuge gegen Griechenland 485 v. Chr. auf dem von Phrygien nach der Hauptstadt von Lydien, Sardes, führenden Wege eine prächtige Platane traf, „er ihr einen goldenen Schmuck schenkte und einen besonderen Wächter für sie einsetzte.“ Bis in unsere Zeit findet man in Persien, Kleinasien und Griechenland solche ehrwürdige alte Platanen von einer Höhe von 30 m und einem Stammumfang bis 16 m, deren ausgehöhlter Stamm Hirten und Jägern zu vorübergehendem Aufenthalte dient. Auch der Grieche Pausanias, der im 2. Jahrhundert n. Chr. den Bädeker des Altertums schrieb, weiß auf seiner Wanderung durch Griechenland und Kleinasien hin und wieder von solchen Riesenplatanen zu erzählen, die noch mit der Heroenzeit in Verbindung gebracht wurden. So berichtet er von der bei Kaphyai in Arkadien wachsenden hohen und herrlichen Menelais, so genannt, weil sie, nach der Sage der Umwohner, vom Könige Menelaos selbst vor der Abfahrt nach Troja an der betreffenden Quelle gepflanzt worden sein soll. Und beim Flusse Pieros bei Pharai in Achaja sah er Platanen von solcher Größe, daß man in der Höhlung der Stämme einen Schmaus halten und nach Belieben darin auch schlafen konnte.

Der griechische Pflanzenkundige Theophrast im 4. Jahrhundert v. Chr. sagt: „In Griechenland wächst die Platane an einigen Stellen sehr häufig. Am Adriatischen Meere dagegen sollen kleine Platanen wachsen, ausgenommen beim Heiligtum des Diomedes (auf der Insel Diomedea an der apulischen Küste). In ganz Italien soll der Baum selten sein, obgleich es reich an Flüssen ist; das dortige Klima ist ihm nicht günstig. Der ältere Dionysios (431-367 v. Chr.), der Tyrann, hatte einige Platanen in einen Garten bei Rhegion (das er 387 erobert hatte) gepflanzt, wo man sie jetzt in der Ringschule sieht; aber sie wollen trotz aller Pflege nicht recht gedeihen. Auf Kreta soll bei Gortyna eine Platane stehen, welche ihr Laub nicht abwirft, während alle benachbarten es abwerfen. Eine ähnliche soll auf Zypern stehen.“

Zweifellos ist die Platane durch Griechen zuerst nach Unteritalien und von da später nach Mittelitalien zu den Römern gekommen, die zugleich mit dem Baum deren griechische Benennung übernahmen. Zu Ende der römischen Republik war es eine Liebhaberei der Vornehmen, raschwüchsige Platanen in den Gärten ihrer Villen anzupflanzen und sie, statt mit Wasser, mit Wein zu begießen, da ein Aberglaube solchen Trank den Fremdlingen heilsam erklärte. So wird beispielsweise vom berühmten Redner Hortensius berichtet, er habe einmal bei einer Gerichtsverhandlung seinen Kollegen Cicero gebeten, mit ihm die Reihe im Reden zu tauschen, da er notwendig auf seine Villa nach Tuskulum hinaus müsse, um seine Platane eigenhändig mit Wein zu begießen. Mit Vorliebe ruhte man in der Kaiserzeit im Schatten solcher liebevoll aufgezogener Platanen und gab sich, wie die römischen Dichter es mehrfach besangen, der Ruhe und dem Genusse des Weines hin. So bezeichnet Ovid die Platane als einen dem Lebensgenuß dienenden Baum, und Horaz empfindet es als eine Entweihung des heiligen Bodens, die fruchtspendende Erde statt mit einem nützlichen Obstbaum mit solch einem nutzlosen Schönheitsbaum zu bepflanzen. Auch Plinius bemerkt in seiner Naturgeschichte: „Die Platane (~platanus~) ist wunderbarerweise nur ihres Schattens wegen aus weiter Ferne zu uns verpflanzt worden. Erst wurde sie über das Ionische Meer auf die Insel des Diomedes gebracht, um des Helden Grab zu beschatten; von da gelangte sie nach Sizilien und von dort endlich nach Italien. Jetzt steht sie sogar im Lande der Moriner (am belgisch-französischen Strand -- doch ist dies wohl eine Verwechslung mit dem nordischen Ahorn, den Plinius selbst den gallischen oder weißen Ahorn nennt), also auf zinspflichtigem Boden, so daß auch ihr Schatten versteuert werden muß. -- Die Platanen sind jetzt zu so hohen Ehren gekommen, daß sie nun sogar mit reinem Wein begossen werden. Die Erfahrung lehrte, daß der Wein den Wurzeln gut bekam, und so hat man sie denn in der Kunst des Weintrinkens unterrichtet.

In früherer Zeit waren die Platanen der Akademie in Athen berühmt, deren 33 Ellen lange Wurzeln noch über die Zweige hinausgingen. Jetzt ist eine Platane in Lykien berühmt. Sie steht bei einer lieblichen, kühlen Quelle, neben einer Straße. Ihr Inneres gleicht einem Hause; denn sie ist hohl und ihre Höhlung mißt 81 Fuß. Ihr Wipfel gleicht einem Haine, ihre langen Äste gleichen Bäumen und werfen ihre Schatten weithin über die Felder. Ihre Höhlung ähnelt einer Felsengrotte, enthält auch rings eine Bank von bemoostem Tuffstein. Sie ist so wunderbar, daß Licinius Mutianus, der dreimal Konsul und noch neulich Legat in Lykien war, für die Nachwelt die Bemerkung hinterließ, er habe mit 18 Begleitern im Baume einen Schmaus abgehalten. Zu Polstern habe man das Laub des Baumes genommen. Vor jedem Windhauch war die Gesellschaft sicher. Dann habe er noch im Baume geruht und sei da besser aufgehoben gewesen, als in Sälen mit schimmernden Marmorwänden, bunten Gemälden und vergoldeten Prachtdecken.

Zu Gortyna auf der Insel Kreta steht eine Platane, die in griechischen und lateinischen Schriften besprochen wird; unter ihr soll nach der Sage selbst Jupiter einst geruht haben. Sie besitzt die Eigentümlichkeit, ihre Blätter nie zu verlieren. Junge Platanen, die man von ihr auf Kreta zog, haben diesen Fehler ihres Stammbaumes beibehalten; denn es ist ja ein Vorzug jedes Baumes, wenn er im Winter die Sonnenstrahlen durchläßt. Unter der Regierung des Kaisers Claudius (41-54 n. Chr.) hat Aeterninus, der Freigelassene des Marcellus, diese Platanensorte auf seine Güter bei Rom verpflanzt. Diese ausländischen Wunder stehen noch jetzt in Italien neben anderen, die in diesem Lande selbst durch Kunst erzeugt wurden. -- Durch eigentümliche Fortpflanzung und Beschneidung zwingt man die Platanen zu unglückseligen Verkrüppelungen. Ganze solche Krüppelwälder stammen von ihrem Erfinder, dem Ritter Gajus Matius, einem Freunde des Kaisers Augustus.“

Heute wäre der Ahorn noch vor der Roßkastanie dazu berufen, als Alleebaum im Innern der Städte die bisher dazu bevorzugten Linden zu verdrängen, die gegen die zahlreichen sie treffenden Schädigungen besonders empfindlich sind und deshalb sehr leicht eingehen, wenn sie nicht von alters her standen und schon stark genug waren, um den modernen Gefahren, besonders den Ausströmungen von Leuchtgas, zu trotzen. Wie wenige der zahlreichen Lindenalleen und Gruppen alter Linden bleiben am Leben, wenn die wachsende Stadt sie erreicht. Nicht nur ist die +Linde+ (~Tilia~) dem Deutschen durch Sage und Sitte teuer, sondern auch wegen ihres schnellen Wachstums, ihrem dichten Schatten und dem angenehmen Duft ihrer Blüten. Sie bildet bei uns keine reinen Waldbestände, sondern findet sich auch im Walde immer nur einzeln; dagegen wächst sie in den russischen Ostseeprovinzen in größeren Beständen. Überall in Deutschland ist die +kleinblätterige+ oder +Winterlinde+ (~Tilia parvifolia~) mit beiderseits kahlen, unterseits meergrünen, schon Mitte Mai ausschlagenden Blättern und einem größeren Blütenreichtum die gemeinere, während die schon anfangs Mai ihr Laub hervortreibende +großblätterige+ oder +Sommerlinde+ (~T. grandifolia~) mit unterseits kurzbehaarten, beiderseits grünen Blättern und weniger zahlreichen Blüten häufiger angepflanzt wird, da sie eine größere Stärke und ein höheres Alter erreicht. Die guten Eigenschaften beider, Blattgröße und Blütenreichtum, vereinigt ein durch Kreuzung beider Arten gezogener Bastard, noch mehr aber eine andere Gartenform, die als Kreuzung zwischen Winterlinde und der besonders großblätterigen nordamerikanischen +Schwarzlinde+ (~T. americana~) aus Kanada aufzufassen ist. Größere Bedeutung hat von fremden Arten außer der +abendländischen Silberlinde+ (~T. alba~) aus Nordamerika mit auf der Unterseite schwachbehaarten Blättern und großen Blüten hauptsächlich die in Ungarn, der Türkei, in Griechenland und Kleinasien heimische +morgenländische Silberlinde+ (~T. argentea~), die ~philýra~ der alten Griechen, von der Plinius sagt, daß man sie zum Binden von Kränzen gebrauche und seit alter Zeit in Ehren halte. Der niedere Baum ist durch seine wunderbar regelmäßige, eiförmige Krone von unterseits dicht weißfilzigen Blättern ein ganz besonderer Parkschmuck und hat zudem den Vorzug, erst anfangs Mai zu blühen, wenn die einheimischen Linden schon längst verblüht haben. Er verlängert also die Herrlichkeit der Lindenblüte um einen vollen Monat, was nicht nur der Naturfreund, sondern auch der Imker zu schätzen weiß. Die nicht selten gepflanzte +grüne Linde+ (~T. euchlora~) aus dem Orient ähnelt der Winterlinde, trägt aber größere, nicht rostfarbene Bärtchen in den Aderwinkeln wie sie, sondern graue Haare und bleibt im Herbste länger grün.

Statt der Linden werden in den Straßen unserer Städte, wie auch auf Dorfplätzen vielfach +Ulmen+ oder +Rüstern+ (~Ulmus~, aus dem Keltischen ~elm~) angepflanzt. Wenn ihnen auch der Reiz des Blütenduftes fehlt, so sind sie dafür widerstandsfähiger gegen die Gefahren der Großstadt; doch dürfen sie nicht zu nahe an die Häuserreihen angepflanzt werden, da ihre Wurzeln mit Vorliebe in die Grundmauern dringen und da eine bedeutende Sprengwirkung ausüben können. Leider werden deren Blätter sehr häufig von Blattläusen besiedelt und durch allerlei Gallen verunstaltet. Von unseren heimischen Arten ist die +Feldulme+ (~Ulmus campestris~) mit kurz zugespitzten, eiförmigen Blättern weniger verbreitet als die +Bergulme+ (~U. montana~) mit verkehrteiförmigen, lang zugespitzten Blättern. Beide bilden mancherlei Spielarten, von denen besonders die hängenden Formen für kleine Gärten sehr geeignet sind, in denen sie mit ihrer dichten, nach allen Seiten überhängenden Schirmkrone jede künstliche Laube überflüssig machen. Daneben finden sich Formen mit streng pyramidenförmigem Wuchse, bei andern ist das Laub dunkelrot oder weißgefleckt oder eigenartig gekräuselt. Bei den alten Griechen hieß die auch in Südeuropa noch gedeihende Feldulme ~pteléa~, bei den Römern dagegen +ulmus+, und wurde hauptsächlich gepflanzt, um den Weinreben als Stütze zu dienen. Mit Ulmenstöcken peitschten die Alten ihre Sklaven, wenn sie sich etwas hatten zuschulden kommen lassen. Ihr Holz, das in bezug auf Dauerhaftigkeit dem Eichenholze kaum nachsteht, eignet sich vorzüglich als Bau- und Werkmaterial. Da es sich nicht wirft, wurden aus ihm nach Theophrast besonders Türen angefertigt. Columella unterscheidet außer der inländischen eine gallische Ulme, die er ~atinia~ nennt und vorzugsweise anzupflanzen rät, da sie üppiger als die italienische wachse und ihr Laub vom Rindvieh viel lieber gefressen werde. Deshalb diente sie den Alten als wichtigster Futterbaum und wurde als solcher nie aus Samen gezogen, sondern durch Wurzelsprossen vermehrt. Außer den altweltlichen Ulmen werden in unsern Anlagen auch noch einige amerikanische Arten, wie ~Ulmus americana~ und ~fulva~, angepflanzt. Zu ihnen kam neuerdings die +japanische Ulme+ (~Zelkowa keaki~), die ein treffliches Nutzholz liefert. Sie ist daran erkenntlich, daß ihr scharf gezacktes Laub im Herbst sich prächtig rot färbt und so einen überaus malerischen Anblick gewährt.

Den Ulmen nahe verwandt ist die als Zierstrauch bei uns angepflanzte +hainbuchenblätterige Planere+ (~Planera carpinifolia~), nach dem Erfurter Professor Joh. Jakob Planer (1743-1789) so genannt. Sie ist im Kaukasus heimisch, gleicht den Ulmen, hat aber ungeflügelte Samen. Ebenso wird in unsern Anlagen der winterharte +nordamerikanische Zürgelbaum+ (~Celtis occidentalis~) kultiviert, der sich von den echten Ulmen hauptsächlich durch seine Früchte unterscheidet. Diese sind kirschenähnliche, orange- bis braunrotgefärbte, säuerlich schmeckende Steinfrüchte. Größere, schwarze, süßliche Früchte hat der ihm sonst ähnliche nordafrikanische, auch noch in Südeuropa wildwachsende +gemeine Zürgelbaum+ (~C. australis~), der in Oberitalien und Südtirol nicht selten angetroffen wird, zumal sein festes Holz von der Landbevölkerung zu Peitschenstöcken und Blasinstrumenten begehrt wird; bei uns gedeiht er aber nur in den wärmeren Lagen.

Gleichfalls in Südeuropa regelmäßig angebaut, um das Laub den Seidenraupen zu verfüttern, wird der ostasiatische +weiße Maulbeerbaum+ (~Morus alba~). Bei uns wird er neben dem westasiatischen +schwarzen Maulbeerbaum+ (~M. nigra~) mit schwarzvioletten statt wie bei jenen weißen, süßlich sauer schmeckenden Früchten als Zierbaum in Parks angepflanzt, kommt aber auch nur in wärmeren Lagen fort. Ebenso verhält es sich mit dem aus dem südlichen Nordamerika als Zierbaum bei uns eingeführten +amerikanischen Amberbaum+ (~Liquidambar styraciflua~) mit handförmig gelappten Blättern. In seiner Heimat liefert er durch Auskochen der zerkleinerten Zweige den zu Ofenlack und Räucherkerzen verwendeten weißen Liquidambar.