Kulturgeschichte der Nutzpflanzen, Band IV, 2. Hälfte

Part 69

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Außer der süddeutschen +gemeinen Zwerg+- oder +Steinmispel+ (~Cotoneaster vulgaris~) und der +filzigen Steinmispel+ (~C. tomentosa~), beide mit rosenroten Blüten und prächtigroten Früchten, werden auch die aus Nordeuropa und Sibirien bei uns eingeführte +schwarzfrüchtige Zwergmispel+ (~C. nigra~), die aus dem Orient stammende +doldentraubige Zwergmispel+ (~C. racemiflora~) mit roten Früchten, der bei uns im Winter schutzbedürftige südeuropäische +immergrüne Feuerdorn+ (~C. pyracantha~ -- nach der schon von Dioskurides genannten Bezeichnung ~pyrákantha~, d. h. Feuerdorn) mit weißen Blüten und den Winter über hängenbleibenden feuerroten Früchten, wie auch die immergrüne, rotfrüchtige +rundblätterige Zwergmispel+ (~C. rotundifolia~) aus dem Himalaja in unsern Gärten und Anlagen als Ziersträucher gepflanzt. Weiße Blüten, wie alle zuletzt genannten, haben auch die gleicherweise wie jene in unsern Parks gezogenen +Felsenmispeln+ (~Aronia~), von denen die laubarme +gemeine Felsenmispel+ (~A. rotundifolia~) mit haselnußgroßen, schwarzblauen, rundlichen Früchten und die +kanadische Felsenmispel+ (~A. canadensis~) angenehm schmeckende Früchte liefern, welche besonders in Frankreich als ~amélanches~ häufig gegessen werden.

Von den Rosenblütlern sind ferner die meist weiß, seltener rot blühenden +Spiersträucher+ (~Spiraea~) zu nennen, von denen gegen 50 Arten und zahllose Kreuzungen dieser anspruchslosen Sträucher bei uns angepflanzt werden, obschon sich ihre Blüten weder durch Farbenpracht, noch durch Wohlgeruch auszeichnen. Als Gartenzierpflanzen und zu Hecken beliebt sind der 1-2 m hohe rosenrot, aber auch weiß blühende +weidenblättrige Spierstrauch+ (~Spiraea salicifolia~), und der weißblühende +gamanderblätterige Spierstrauch+ (~S. chamaedryfolia~), beide aus Sibirien, dann der +hainbuchenblätterige+ (~S. carpinifolia~), der +schneeballblätterige+ (~S. opulifolia~), der +doldentraubige+ (~S. corymbosa~), der rotblühende +filzblätterige+ (~S. tomentosa~), alle aus dem östlichen Nordamerika, der +Douglasische+ (~S. douglasii~) aus dem westlichen Nordamerika, der hübsche +pflaumenblätterige+ (~S. prunifolia~) mit roten und der +dreilappige+ und +prächtige Spierstrauch+ (~S. trilobata~ und ~callosa~) aus Ostasien, speziell Japan, beide mit weißen Blüten. Die meisten dieser Formen trifft man nicht selten verwildert auch außerhalb der Gärten an.

Statt der einfachen, meist gezähnten Blätter der Spiräen besitzen die +Fiederspieren+ (~Sorbaria~) gefiederte Blätter. Die am häufigsten angepflanzte Form derselben ist die 2-2,6 m hohe +vogelbeerblätterige Fiederspiere+ (~S. sorbifolia~) mit bis 30 cm langer pyramidaler Rispe von weißen Blüten aus Sibirien und Nordchina. Ebenfalls aus Ostasien kam die bis 2 m hohe +japanische Kerrie+ (~Kerria japonica~) -- zu Ehren des englischen Gärtners Kerr so genannt, der zu Anfang des vorigen Jahrhunderts nach China und Japan reiste und viele Pflanzen von da in Europa einführte -- als Zierstrauch zu uns und wird wegen ihrer schönen, goldgelben, fast immer gefüllten, vom Frühling bis zum Herbst fortblühenden Blüten und der geringen Pflege, die sie verlangt, fast überall in den Gärten angepflanzt. Da die Blüten nach Form und Farbe sehr an diejenige der Hahnenfüße (~Ranunculus~) erinnern, wird das Ziergewächs auch als Ranunkelstrauch oder japanische Honigrose bezeichnet. Nahe mit diesen verwandt ist die auch bei uns als Rasenzierstrauch kultivierte, nach dem deutschen Arzte Arnold Gillen, der 1627 ein lateinisches Botanikbuch in Kassel herausgab, genannte +dreiblätterige Gillenie+ (~Gillenia trifoliata~) aus dem östlichen Nordamerika.

Von ebendort stammt der bei uns häufig in Anlagen zu treffende und schon fast verwilderte, bis 5 m hohe ~Hirschkolben-Sumach~ oder +nordamerikanische Essigbaum+ (~Rhus typhina~), so genannt, weil seine sauren roten Früchte zur Verstärkung des Essigs dienen. Seine weitreichenden, mit ihrem braunen Filz an ein im Bast stehendes Hirschgeweih erinnernden Schößlinge und Wurzelausläufer sind außerordentlich zäh und schlagen immer wieder aus. Das schöngefiederte, sattgrüne Laub nimmt im Herbste wie dasjenige der gleichfalls aus dem östlichen Nordamerika stammenden Jungfernrebe und zahlreicher anderer Pflanzen jenes Erdteils eine prachtvolle rote Färbung an. Das Holz dient als Nutzholz, und in seiner Heimat werden die Blätter zum Gerben benutzt. Ebenfalls in Nordamerika heimisch ist der +glatte Sumach+ (~Rh. glabra~), dessen Fiedern unterseits nicht fein behaart, sondern glatt sind. Seine Rinde wird in den Vereinigten Staaten zum Gerben benutzt. Ihm ähnlich, aber in allen Teilen kleiner, ist der in den Mittelmeerländern heimische +Gerber-Sumach+ (~Rh. coriaria~), dessen zu Pulver zerkleinerte Zweige und Blätter unter dem Namen +Schmack+ in den Handel gelangen und zum Gerben der Häute und Schwarzfärben dienen. In Spanien wird damit das Saffian- und Korduanleder bereitet, dessen Herstellung die christlichen Spanier von den Arabern übernahmen. Schon die alten Griechen, namentlich die Bewohner von Megara, gerbten mit seinem Holze Leder und färbten Wolle goldgelb. Außerdem benützten sie die säuerlich schmeckenden, ebenfalls gerbstoffhaltigen Beeren zum Stopfen bei Durchfall und als Gewürz, besonders zu Fleischspeisen.

Seiner Giftigkeit wegen gefürchtet und dennoch nicht selten zur Bekleidung von Lauben angepflanzt wird der +Giftsumach+ (~Rh. toxicodendron~). Er ist ein ebenfalls aus Nordamerika stammender Kletterstrauch mit dreizähligen Blättern und kleinen, grünlichen Blütenrispen. Alle Teile desselben enthalten einen gelblichweißen, an der Luft schwarz werdenden Milchsaft, der bei der Berührung eine Hautentzündung hervorruft, bei empfindlichen Personen sogar Schwindel- und Krampfanfälle erzeugt. Ähnlich giftig ist der gleichfalls an der Luft schwarzwerdende Saft des früher besprochenen ostasiatischen +Firnis-Sumachs+ (~Rh. vernificera~), aus dem die Japaner ihren berühmten Lack herstellen. Aus den Früchten des in China und Japan heimischen +Wachs-Sumachs+ (~Rh. succedanea~) wird das in großen Mengen aus Japan exportierte Japanwachs hergestellt, während vom ebenfalls in Ostasien heimischen +geflügelten Sumach+ (~Rh. semialata~) die durch Blattläuse (~Aphis chinensis~) erzeugten, langgezogenen, blasenförmigen Gallen gewonnen werden. Von diesen, als Gerbmaterial wichtigen, chinesischen Galläpfel erfuhren wir bereits, daß sie seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts einen wichtigen Handelsartikel bilden und in Menge aus China ausgeführt werden. Auch diese Sumachart ist in unsere Gärten eingeführt worden und an den eleganten, großen Blättern zu erkennen, deren Spindel etwas geflügelt ist.

Viel gepflanzt wird bei uns auch der in Südeuropa und im Orient bis nach China heimische +Perückenstrauch+ (~Rh. cotinus~), dessen lockere Rispen von grüngelben Blüten zur Fruchtzeit die Blütenstiele außerordentlich verlängern und aus den unfruchtbaren Blüten zahlreiche rotbraune Wollfäden hervorsprossen lassen, so daß der Fruchtstand wie eine wildzerzauste Perücke auf dem Strauche sitzt. Theophrast nennt ihn ~kokkygéa~ und Plinius in Anlehnung an die griechische Bezeichnung ~coccygia~. Die gerbstoffreiche Rinde und die Blätter dienten schon im Altertum zum Gerben und das Holz zum Gelbfärben von Leder zu Gürteln und Schuhen. Noch heute wird es als ungarisches Gelbholz oder Fisetholz zum Fournieren und Gelbfärben gebraucht.

Nahe verwandt mit den Sumacharten ist der +ostindische Tintenbaum+ (~Semecarpus anacardium~), welcher in seinen Früchten die ostindischen Elefantenläuse liefert, die unreif zur Herstellung einer unverlöschlichen schwarzen Tinte und eines Firnis, reif dagegen zur Heilung von Hautkrankheiten benutzt werden. In der ganzen Gattung sind scharfe Stoffe sehr verbreitet und zum Teil von so gefährlicher Wirkung, daß man z. B. sich während des Regens fürchtet, unter einen Baum von ~Semecarpus heterophylla~ zu treten, weil die davon abfließenden Tropfen auf der Haut Entzündung hervorrufen. Am allerbösartigsten in dieser Beziehung ist der an den Flußmündungen des malaiischen Archipels nicht seltene +Renghasbaum+ (~Gluta rhengas~), der Arbeitern, die ihn zu fällen versuchen, mit seinem Safte geradezu lebensgefährliche Geschwüre verursacht, so daß ihn in seiner Heimat kein Mensch anrührt, geschweige denn verletzt.

Mit den verschiedenen Sumacharten, speziell dem amerikanischen Essigbaum, wird vielfach wegen der Ähnlichkeit der Blätter der ebenfalls in unseren Parkanlagen als Schattenbaum angepflanzte südchinesische +Götterbaum+ (~Ailanthus glandulosa~) verwechselt. In seiner Heimat heißt er wegen der Höhe von 16-19 m Götter- oder Himmelsbaum. Er wäre einer unserer wertvollsten Parkbäume, wenn er nicht gar zu leicht das Opfer strenger Winter würde. Die Pflanze besitzt ein außerordentlich rasches Wachstum und läßt sich, so lange sie jung ist, in rohem, frisch aufgeschlossenem Boden leicht versetzen, ist also für Neuanlagen von Gärten wie geschaffen. Dabei sind die großen, rotüberlaufenen Fruchtstände im Herbst ein prächtiger Schmuck, so unscheinbar auch die gelbgrünen, im Juli in dichten Rispen erscheinenden Blüten sind. Neben den gewöhnlichen zwitterigen Bäumen gibt es auch getrenntgeschlechtige, so daß nicht alle blühenden Bäume auch Früchte tragen können. Die ölreichen Samen sitzen in der Mitte eines schraubig gedrehten, zungenförmigen Flugblattes und werden durch den Wind verbreitet. In China lebt auf diesem Baume die Raupe des prächtigen, großen Ailanthus-Spinners (~Saturnia cynthia~), welche in zwei Ernten jährlich so viel Seidenmaterial liefert, daß es dort seit Jahrhunderten zur Herstellung von Kleidern vewendet wird. Die Raupe ernährt sich von den bis 1 m langen gefiederten Blättern und wurde zur Seidengewinnung mit seinem Nährbaum auch in Südfrankreich und Algerien eingeführt. Ab und zu kann der Schmetterling auch bei uns angetroffen werden.

Ein ebenfalls sehr schöner, 10-15 m hoher, sehr rasch wachsender, aber wegen seiner Empfindlichkeit gegen Frost nur an geschützten Stellen vorkommender und auch da nur selten blühender ostasiatischer Baum ist der +japanische Kaiserbaum+ (~Pawlonia imperialis~ -- nach Anna Pawlona, der Tochter des russischen Kaisers Paul I. und Gemahlin Wilhelms II., Königs der Niederlande, so genannt). Er besitzt große, langgestielte, ganzrandige, behaarte Blätter und aufrecht gestellte Rispen von großen, hell blauvioletten, angenehm duftenden Blüten. Drei kleeförmig geordnete Blätter desselben bilden das japanische Kaiserwappen. Das leichte Holz findet vielfache Verwendung, und aus dem Samen gewinnt man ein Öl, das in Japan zur Herstellung gewisser durchsichtiger Papiersorten dient.

Dem ostasiatischen Ailanthus sehr nahe verwandt ist der aus dem südlichen Nordamerika stammende und bei uns als Gartenzierstrauch beliebte +gemeine Lederbaum+ (~Ptelea trifoliata~). Dieser bis 5 m hohe Strauch mit dreizähligen Blättern, die beim Reiben unangenehm riechen, bildet kreisrunde Flügelfrüchte aus, die an diejenigen der Flatterulme erinnern.

Wegen noch größerer Frostempfindlichkeit bei uns in Töpfen kultiviert und den Winter über im Keller oder Kalthaus aufgestellt wird der in allen Teilen einen bitteren, giftigen Saft enthaltende +Oleander+ oder +Rosenlorbeerbaum+ (~Nerium oleander~). Diese, dem Immergrün (~Vinca~) nahe verwandte, beliebte Schmuckpflanze unserer Wohnungen und Gärten ist ein in den warmen Mittelmeerländern wildwachsender, sehr leicht durch Stecklinge zu vermehrender baumartiger Strauch, der von seiner in die Augen fallenden Eigenschaft, die Wasserläufe und kiesigen Rinnen oder Schluchten, in denen sich nur vorübergehend die Wildbäche nach heftigem Regen gegen das Meer hinabwälzen, zu begleiten und einzufassen, von den Griechen den Namen ~nérion~, von ~nerós~ fließend -- es sei hier nur an Nereus, den Wassergott, und die Nereiden, die Göttinnen des flüssigen Elements erinnert --, erhielt. Diese Bezeichnung übernahmen dann die Römer. Trotz dieses bevorzugten Standortes ist aber der Oleander durchaus keine eigentliche Wasserpflanze und ersteigt auch die steinigen Halden der Berge, an denen oft Nebel lagern. Merkwürdig ist, daß die Alten bis auf Plinius und Dioskurides die so charakteristische Pflanze der südlichen Landschaft nicht nannten, so daß V. Hehn auf die falsche Vermutung kam, der Oleander sei in der Zeit zwischen Theophrast († 286 v. Chr.) und dem Ende der römischen Republik (das auf den 2. September 31 v. Chr. durch den Sieg von Cäsar Octavianus, seit 27 v. Chr. Augustus beigenannt, über Antonius und Kleopatra fällt) vermutlich aus dem pontischen Gebirge zuerst nach Griechenland und von da später auch nach Rom gekommen. Es ist dies offenbar eine Verwechslung mit der pontischen Alpenrose (~Rhodondendron ponticum~), denn der von den Griechen auch als ~rhododéndron~, d. h. Rosenbaum oder ~rhododáphnē~, d. h. Rosenlorbeer, bezeichnete Oleander kommt im pontischen Gebirge überhaupt nicht wild vor.

In der römischen Kaiserzeit war der Rosenlorbeer bei den Ärzten und dem Volke in Italien so bekannt und als Gift gefürchtet wie heute, wo er in Süditalien ~amazzo l’asino~, d. h. Eselmörder, heißt. Der aus Kilikien gebürtige Arzt Dioskurides sagt in seiner Arzneimittellehre: „Der bekannte Strauch ~nérion~ oder ~rhododáphnē~ oder ~rhododéndron~, der längere und dickere Blätter hat als der Mandelbaum -- hier folgt die weitere Beschreibung -- wächst in Paradiesen (vom persischen ~pardes~, d. h. Park) und in Ufergegenden und an den Flüssen. Seine Blüten und Blätter wirken schädlich auf Hunde, Esel, Maultiere und die meisten Vierfüßler; den Menschen aber sind sie, mit Wein getrunken, heilsam gegen den Biß von Tieren, besonders wenn man Raute hinzumengt. Kleinere Tiere aber, wie Ziegen und Schafe, sterben, wenn sie einen Aufguß davon trinken.“ Palladius, der im 4. Jahrhundert n. Chr. ein noch im Mittelalter vielfach benutztes Werk über den Landbau in 14 Büchern schrieb, erwähnt ihn als Mittel die Mäuse damit zu vertilgen, indem man deren Gänge und Löcher mit Blättern dieses Baumes verstopft.

Während der Oleander in Südeuropa eine Höhe von 5, ja selbst 7 und 8 m erreicht, sieht man ihn in Deutschland in den Kübeln kaum über 3 m hoch werden. Die von Juni bis September erscheinenden duftlosen Blüten sind bei der wildwachsenden Pflanze karminrot, doch hat man aus Samen zahlreiche Spielarten mit einfachen und gefüllten, verschieden nuancierten roten und weißen Blumen gezogen. Aus Indien stammt der +wohlriechende Oleander+ (~N. odoratum~), der längere und schmälere Blätter von frischem Grün und sehr angenehm duftende größere, weiße, rosenrote oder fleischfarbene Blüten mit purpurnen Linien in der Röhre besitzt. Die gelb blühenden Varietäten sind empfindlicher als diese und deshalb auch weniger bei uns verbreitet. Der in Ostindien wachsende +Färberoleander+ (~N. tinctorium~) liefert eine Art Indigo.

Ebenfalls ein Mitglied der immergrünen, mediterranen Strauchvegetation, der wegen seiner schönen Belaubung häufig auch als Zierstrauch kultiviert wird, bei uns aber über den Winter im Kalthaus untergebracht werden muß, ist der zu den Erikazeen gehörende gemeine +Erdbeerstrauch+ (~Arbutus unedo~), dessen erdbeerähnliche, aber etwas fade schmeckenden Früchte vom gelehrten römischen Schriftsteller Varro (116-27 v. Chr.) mit Eicheln, Brombeeren und Holzäpfeln zu den Nahrungsmitteln der Urzeit, also zu denen, die die jungfräuliche Erde dem Menschen von selbst darbot, gerechnet wurde. Jetzt, da man bessere Früchte in Menge besitzt, verschmäht man seine 2-2,5 cm dicken, scharlachroten Früchte trotz ihres säuerlich-süßen Geschmacks, sowohl in Griechenland als auch in Italien und überläßt sie den Vögeln, für die sie ja ursprünglich von der Pflanze bestimmt waren; nur in Spanien, wo der schöne Strauch namentlich in der Sierra Morena häufig zu finden ist, werden sie zahlreich auf den Markt gebracht. In sehr großer Menge genossen, sollen sie betäubend wirken und Kopfschmerzen verursachen. Sie enthalten ziemlich viel Zucker und können auch zur Branntweinfabrikation benutzt werden. Der stattliche Strauch oder kleine Baum von 3-5 m Höhe, mit rotberindeten Zweigen und großen, lederartigen, denjenigen des Lorbeers ähnlichen, immergrünen Blättern und hängenden Trauben von weißen oder rosenroten Blüten findet sich in ganz Europa wild und wird wie sein Verwandter, der in Griechenland und im Orient heimische ~Arbutus andrachne~, in wärmeren Gegenden in Gärten kultiviert. Letztere Art fällt durch ihren glatten, rötlichen Stamm auf. Die lateinische Bezeichnung ~arbutus~ hängt wohl nicht mit ~arbor~ Baum, sondern mit einer noch im althochdeutschen ~ertberi~ (Erdbeere) erhaltenen indogermanischen Benennung der Frucht nach ihrer Ähnlichkeit mit der Erdbeere zusammen.

Auch die trockene, sonnige Standorte liebenden +Ginsterpflanzen+ sind in den Macchien reich vertreten. Verwandt mit dem +Gaspeldorn+ (~Ulex europaeus~), der als englischer Ginster (jetzt ~broom~ genannt) dem englischen Königsgeschlecht der Plantagenet -- von ~planta genista~ Ginsterpflanze -- seinen Namen gab, und dem +Besenstrauch+ (~Sarothamnus vulgaris~), welche beide prächtig gelb gefärbte Blütentrauben hervorbringen, mit denen sie einen wirklichen Schmuck mancher sonst an Vegetation armer Gegenden bilden, sind die früher besprochenen Cytisusarten, zu denen unser Goldregen gehört.

Ebenso typische Repräsentanten der mediterranen Strauchvegetation sind die bis 1,6 m hoch werdenden +Cistrosen+ (~Cistus~), von den alten Griechen ~kístos~ und in Anlehnung daran von den Römern ~cistus~ genannt. Sie besitzen an reichverzweigten Ästen bräunlichgrüne, klebrige Blätter und weiße bis rosenrote Blüten mit zahlreichen gelben Staubfäden. Gepflückt welken sie äußerst rasch, doch entfalten sich an Zweigen, die man ins Wasser steckt, alsbald neue Blüten. Diese aromatisch duftenden Ciststräucher tragen nicht wenig dazu bei, den Macchien ihren charakteristischen Geruch zu verleihen, den die Schiffer, z. B. in der Nähe von Korsika, im offenen Meer schon aus weiter Ferne riechen zu können angeben. Nach diesem würzigen Duft seiner Heimatinsel sehnte sich auch Napoleon I. auf St. Helena vor seinem Ende zurück. Das Gummiharz, das die Ciststräucher ausschwitzen, war unter dem Namen ~ladanum~ oder ~labdanum~ früher ein berühmtes, von orientalischen und griechischen Ärzten vielbenutztes Heilmittel. Heute wird es nur noch zum Räuchern verwendet. An den Wurzeln der Cistrosen schmarotzt die brennend gelbrote, große Blüten ohne Blätter entwickelnde Rafflesiazee ~Cytisus hypocystis~, der nördlichste Vertreter der sonst auf die Tropen beschränkten Familie, die in der auf Sumatra heimischen und von Elefanten verbreiteten ~Rafflesia Arnoldi~ die größte Blüte der Welt mit 1 m Durchmesser hervorbringt.

Ebenfalls sehr häufig in den Macchien ist die +Mastixpistazie+ (~Pistacia lentiscus~), die hier nur als Strauch auftritt, während sie unter anderen Bedingungen, vor allem freistehend, zu einem etwa 4,5 m hohen Baume emporwächst. Sie hat dunkelgrüne, paarig gefiederte, lederartig zähe, oben glänzende Blätter, die sich durch einen harzigen Geruch auszeichnen, und in roten Trauben beieinanderstehende kleine Blüten. Die Frucht ist eine kugelige, schwärzliche Steinfrucht. Als ein Hauptbestandteil der immergrünen Macchien ist sie im ganzen Mittelmeergebiet heimisch und wird vielfach kultiviert, so besonders im nördlichen Teile der Insel Chios, wo durch Einschnitte in den Stamm und die Zweige der aus kleinen, weißen oder gelben, durchscheinenden, in der Hitze wohlriechenden Körnern bestehende Mastix gewonnen wird. Seinen Namen, im Griechischen ~mastíchē~ (von ~mastázo~ ich kaue) hat er von der im Orient von alters her besonders bei den Frauen gebräuchlichen Sitte, ihn zur Kurzweil zu kauen, wie es die Nordamerikaner mit ihrem ~gum~ tun. Er erweicht nämlich im Munde und soll das Zahnfleisch stärken und den Atem parfümieren. Jährlich kommen etwa 500000 kg Mastix im Werte von einer halben Million Mark in den Handel; bei uns findet er vornehmlich zur Bereitung von Räucherpulver, Firnissen und Lacken Verwendung. Das harte Holz dient zur Anfertigung von Zahnstochern und Einlegearbeiten, aus den Blättern bereitet man in Algerien einen als ~lentisque~ bezeichneten Gerbstoff und aus den Samen preßt man Öl.

Mit der Mastixpistazie ist die +Terpentinpistazie+ (~Pistacia terebinthus~) verwandt. Auch sie ist durch das ganze Mittelmeergebiet verbreitet, entfernt sich aber mehr von der Küste als die vorige Art und wird in Tirol noch bei Bozen angetroffen. Sie wächst auf trockenen, sonnigen Hügeln, ist in den Macchien gewöhnlich strauchartig, wird aber sonst zu einem kleinen Baum und trägt auffallende, unpaarig gefiederte Blätter, große, aus zahlreichen Blüten zusammengesetzte Trauben und kleine, dunkelrote Früchte. Durch Einschnitte in die Rinde liefert sie den cyprischen Terpentin oder den Terpentin von Chios, ein feines, flüssiges Harz, das besonders früher als ein geschätztes Heilmittel verwendet wurde. An den Enden der Äste entstehen durch die Stiche einer Blattlaus (~Aphis pistaciae~) große bockshornartig gestaltete, dickwandige, harte, grünrote, harzreiche Gallen, die 60 Prozent Gerbsäure und 15 Prozent Gallussäure enthalten. Früher wurden auch sie als Medikament benutzt, doch dienen sie heute fast nur noch zum Färben von Seide und Wein. Aus den angenehm bitteren Samen, die in Griechenland heute noch als ~kokonetza~ gegessen werden, preßt man ein fettes Öl.

Schon die Jugend der alten Perser wurde angehalten, im freien Felde zu leben und sich von Terebinthenfrüchten, Eicheln und wilden Birnen zu ernähren. Als der Mederkönig Astyages auf dem Throne sitzend sah, wie sein Heer von den Scharen des Cyrus geschlagen wurde, rief er entsetzt aus: „Wehe uns, wie tapfer sind diese terebinthenessenden Perser.“ In Syrien und Palästina wird die Terpentinpistazie zu einem stattlichen Baum, dem in den ältesten Zeiten göttliche Ehren gespendet wurden. Schon Abraham schlug sein Zelt unter den Terebinthen Mamre zu Hebron auf und baute dem Herrn daselbst einen Altar. Dort erschien ihm der Herr und gab ihm seine Verheißung, er werde trotz des hohen Alters der Sarah einen Sohn bekommen und ein großes Volk werde aus ihm hervorgehen, das werde gesegnet sein unter allen Völkern. Die Stätte, wo der Hain Mamre gestanden, wurde noch viele Jahrhunderte nach Abrahams Tod als geweihter Ort verehrt, an welchem man Opfer darbrachte und wo die Umwohner Markt abhielten. Eine andere heilige Terebinthe war die des Jakob zu Sichem, unter der zu Josuas Zeit die Bundeslade stand und von Josua ein steinerner Altar errichtet wurde. Dort versammelten sich noch zur Zeit der Richter alle Männer von Sichem und erhoben Abimelech zum König. Auch zu Gideon kam der Engel des Herrn unter einer Terebinthe zu Ophra, und Gideon baute daselbst einen neuen Altar, nachdem er die hölzerne Bildsäule der Aschera der Midianiter umgehauen hatte. Endlich hat auch die Terebinthe zu Jabes historische Berühmtheit durch ihre Erwähnung im Alten Testamente erlangt. In späterer Zeit, als der Jahvekultus geistiger geworden war, stießen sich die Propheten besonders an diesem sonst heidnischen Baumkult speziell der Terebinthe, unter der auch die Toten -- es sei hier nur an Rebekkas Amme Debora erinnert -- mit Vorliebe begraben wurden.