Im Kampf um die Ideale, die Geschichte eines Suchenden

Part 31

Chapter 313,719 wordsPublic domain

Du hast mir weh getan, Wie noch kein Mensch mir weh getan! Ich habe dich lieb gehabt Wie meine Seele, -- Und du hast mich betrogen! Du hast mich verraten und verleumdet Und hast mir giftige Pfeile in mein Herz gesenkt. Ich ahnte nur, was Sünde war, Wußte es aber nicht, -- Du hast es mich gelehrt. Wenn ich nicht wäre, wie ich bin, Und wenn ich nicht ich wäre, Sondern wäre wie die andern, So würde ich dich jetzt hassen Und dich verachten, Ja, dich töten! Fast wäre ich gestorben deinetwegen Und hätte mich verloren Und alles, was mir schön und lieb ist, Deinetwegen! Und du, du hast mir weh getan, Wie noch kein Mensch zuvor! Aber ich hasse dich nicht Und verachte dich nicht; Denn mein Gott ist nicht dein Gott, Ist nicht der Gott der Rache, Sondern der Liebe! Mein Gott gleicht der Sonne Und nicht der Finsternis. Der Sonne, die im Frühling Die Blumen weckt Und die Vöglein Und die Herzen! Der Sonne, die im Sommer Die Traube reift Und der Rose ihr Düften zaubert! Der Sonne, die uns Leben schenkt Und uns lieben lehrt Und scheint über Gerechte und Ungerechte! Und dieser Gott lehrte mich, Auch dich, Auch dich zu lieben, Die ich so lieb gehabt Wie meine Seele, Und die mir nun so weh getan, Wie noch kein Mensch zuvor! Und da du in Not bist, So will ich für dich sorgen Und dir raten und helfen Und dir Vater und Mutter sein Und Sonne deines Lebens, Wie meines Lebens Sonne es mich gelehrt!

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Oh, klage nicht, daß Schmerzen dir beschieden! Denn hätt'st du keine Schmerzen je erlitten, Wie könntest du die Leiden anderer empfinden? Und hätten andere für dich nicht so gelitten, Wie könnten sie dann deine Schmerzen ahnen? Und einsam ständest du im Leide Und verlassen, Und deine Tränen flössen ungesehen. Oh, danke Gott für deine Schmerzen; Denn sie sind das Band, Das dich den anderen verbindet Und dich und sie zu Menschen macht! So laß aus deinem Leide Blumen wachsen, Die andern Freude, Leben spenden! Schau' nur den Frühling! Aus Winterkälte erhebt er sein Haupt Und streut Blumen und Düfte Über die Erde, Die wunden Herzen froh zu erquicken, Und hat doch selbst soeben erst Den Winter überwunden. Und wenn dein Herz in Stürmen steht Und Wintersnacht, Wisse: Anderer Herzen stehen im Frühling Und überschütten dich mit Blumen und Düften Und Sonnenschein! Und ehe du dich's versiehst, Vergeht dein Winter!

Einer Freundin.

Einen Schrein voll Kostbarkeiten Sandtest du mir, Wie von liebender Hand gepackt. Und ich, -- Was soll ich Armer dir dafür schenken? Siehe, mein Leben gehört den anderen, Und meine Liebe einer anderen. Meine Zeit gehört meinen Armen Und meine Kraft meinen Kranken. So nimm denn meine Freundschaft. Die gleicht einem Bergsee Droben zwischen den Firnen. Kristallklar und hell ist sein Wasser; Bis auf den Grund siehst du die weißen Kiesel. Dunkelgrün spiegeln in ihm Sich schweigende Fichten, Ernste, hochragende. So seien die Gedanken, Die in dem Spiegel unserer Freundschaft Leben gewinnen, Ernst, hochragend. Und unsere Freundschaft sei Kristallhell und klar, Rein und erfrischend, Wie das Wasser jenes Bergsees Dort oben hoch zwischen den Firnen!

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Herr, nun danke ich dir, Daß du mich sündigen ließest! Denn nun weiß ich, Daß die Sünde lieblich und wonnig ist Im Beginn, Wie Honig schmeckt Und wie Veilchen duftet, -- im Beginn! Aber nachher, Wenn der Duft verflogen, Schmeckt sie wie Galle Und beißt, wie ätzend Gift! Herr, nun danke ich dir, Daß du mich sündigen ließest! Denn nun weiß ich, Wie weh es tut, Und wie es krank macht Und schwach Bis zum Tode! Und hast mich mit deiner starken Hand Noch gerade gehalten, Eh' sie ganz mich verschlang In Tod und Verderben! Herr, nun danke ich dir, Daß du mich sündigen ließest! Denn nun weiß ich, Wie anderen zumute ist, Die niederbrechen unter der Last der Sünden, Todwund, Und nicht die Kraft mehr haben, Aus dem Meer von Galle Und ätzend Gift Mit starkem Arm sich emporzurudern Und nach dir zu greifen, Der du Licht und Sonne bist Und Wärme und Liebe, Aus der ich entstamme, Aus der wir alle entstammen! Herr, nun danke ich dir, Daß du mich sündigen ließest! Denn nun weiß ich, Warum du es tatest, Du Allgütiger und Allweiser: Du wolltest ein Werkzeug haben Deiner Güte, Das geschickt sei zum Helfen Und zum Vergeben, Zum Heilen und Reinigen Und zum Emporreißen zu dir, Du Sonne unseres Lebens! So mußte ich den Weg finden Von Anfang an! Herr, ich danke dir; Denn nun weiß ich, Meine Sünde war nur eine Stufe Aus dem Dunkeln ins Helle!

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Nicht nach Orden und Titeln Steht mein Begehr, Noch nach Ruhm, Oder dem schwellenden Siegesgefühl; Denn wenn ich den Sieg hätte, Müßt' ich ja ruhen, Wär' ja der Kampf beendet. Aber der Kampf ist's ja gerade, Der Kampf um die Wahrheit, Der das Leben erst lebenswert macht, Seien der Feinde auch noch so viel! Auch nicht nach Reichtum sehne ich mich, Noch nach weichlichen Polstern Nach reichlichem Mahle. Aber vielfach ist mein Begehr, Was mir das Leben lebenswert macht: Wohl liebe ich es, Auf feurigem Roß Durch die Berge zu reiten, Oder auf sausendem Schiff die Meerflut zu teilen, Auch zu berauschen mich An den Rosen im Garten Oder in stiller Frühlingsnacht am Dufte der Veilchen, -- Unter mir schläft in sanftem Nebel Das liebliche Waldtal, Übergossen vom silbernen Zauberschein Des Mondes, -- Vor allem als Mann mich zu fühlen, Als Freier, Unter den rauschenden Kronen meiner Eichen Im Kreise meiner Söhne, Meiner starken, gewandten, Blondlockigen, mit strahlenden Augen, In meinem Garten Mit ihnen Mit Speer oder Pfeilen Um die Wette zu schießen, Wie die Ahnen vor tausend Jahren, Oder kunstvoll mit ihnen Schnellsegelnde Schiffe zu bauen! Zartes, Innigeres, das ich nicht singe, Kenne ich, was mich berauscht Und mich zwingt, Im Gefühle der Mannesvollkraft Meine Arme zu recken, Gleichsam als ob Erinnerung An Schöpfers Urkraft mich durchglühte. Und doch schafft dieses alles Nimmer des Lebens treibende Kraft. Aber mannesfroh macht es, Den Mächtigen trotzen, Wenn sie Unrecht tun Und den Schwachen bedrängen, Der sich nicht selber zu helfen weiß. Und gegen der Mächtigen trutzigen Willen Recht zu Recht bringen, Der Witwen Tränen trocknen, Dem Armen das Seine verschaffen, Schwachen Frauen und weinenden Kindern Gegen den harten Bedränger Hilfe und Hort sein. Dem Elenden helfen aus seiner Verzagtheit, Dem Sinkenden Mut in die Seele hauchen, Daß er aufs neue An die Sonne, an das Leben, An die Liebe, die göttliche, glauben lernt. Den Weisesten im Lande, Vom Staate gestempelt, Zeigen, daß auch sie irren, Daß ihre Wege in Irrsal führen Und Not, Neue Wege ihnen weisend Zu größerem Ziel. -- Das ist Mannesarbeit, Frohe, beglückende, Selig berauschende! -- Nicht nach Orden und Titeln steht mein Begehr, Noch nach Ruhm und Denkmälern! Aber die Wellen meines Geistes Sollen ringförmig ausstrahlen Im Leben meines Volkes, Als ob du einen Stein wirfst In einen tiefen und klaren Bergsee -- Und ringförmig brechen sich die Wellen Weithin, Bis ans Ufer, Und wenn der Stein längst versunken, Immer noch kräuselt der See: -- Du weißt's, Wovon. So weiß der, Der aller Seelen Seele ist, In dem wir alle eins sind, Von wessen Stein die Wellenringe stammen, Die der Menschheit Geistessee Bewegten. Denkmäler? Ruhm? Ja, ich will Ruhm, will Denkmäler! Wenn ich sterbe, Sollen Arme seufzen Und Witwen weinen. Und die Fenster der Häuser -- Still, ich höre Kinderjubel und Singen glücklicher Menschen -- Dorten am Waldesrand Und am Bergesabhang Und drunten im stillen Tal, Die ich den Armen gebaut, Sie sollen in der Abendsonne funkeln: Er hat uns gebaut! --

Wahrheit und Freiheit.

Dank, Vater, daß du mich werden ließest Als Sohn meiner Heimat! Ein Kind des Sturms und des freien Landes, Wo Freiheit rufend atmet die Luft, Wo Freiheit donnernd brandet das Meer, Wo Freiheit rauschend duftet der Wald, Wo Meer und Land und Luft mich lehrte, Fröhlich und furchtlos die Wahrheit zu sagen! Denn nur der Freie kämpft für die Wahrheit, Knechte genügen sich nachzubeten, Fürchtend den Kampf und seine Früchte, Wunden und Wehe und winkenden Tod! Nur wer gewohnt, dem brausenden Sturme Trotz zu bieten in langer Wanderung Oder durch brandender Wogen Gedränge Sorglos auf sausendem Kiele zu fahren, Dem gelüstet nach Kampf als dem höchsten Glück, Um Wahrheit zu kämpfen als höchstem Wunsch! Weil nur die Wahrheit die Menschheit fördert In Wellenkreisen, die weiter reichen Als winkender Tod! Dank, Vater, daß du mich werden ließest Als Sohn meiner Heimat Ein Kind des Sturms und des freien Landes, Wo Sturm und Meer und weite Heide Seit Ewigkeiten zum Leben rufen Wahrheit und Freiheit!

Meinem Volke!

Ein Lied will ich euch singen, Das ihr nimmer hörtet. Duft von Rosen und Veilchen spürt ihr nicht, Wenn ich es singe; Aber Teergeruch von Schiffstauen Nehmt ihr wohl wahr, Und Meerluft läßt euch freier atmen, Salzige, herbe, die Brust euch dehnende. Gebt acht! Saitenspiel paßt nicht zu seiner Begleitung, Wohl aber Wogengebraus Und Sturmgeheul, Knattern der Segel im Wind Und das Rasseln der Ketten, Wenn der Anker zu Grund fährt. Auch das Schärfen von Axt und Pflugschar Paßt zur Begleitung. Mein Lied, das ich euch singe, So neu es ist, Uralt ist es doch schon. Vergessen nur haben es viele von euch In Wohlleben und Rausch! Vor tausend Jahren schon sangen's die Väter, Mächtig, siegesmutig. Sie vererbten es euch! Ihr aber trankt aus Gläsern und Krügen Euch träge und stumpf! Wenn aber einst eure Enkelkinder -- Was Gott mög' geben -- Von neuem erwachen, Dann werden sie wieder, Wie unsere Väter vor tausend Jahren, Jubelnd das Lied singen, Wie groß die Welt, Wie herrlich und weit, Und die Freiheit Berauschend und manneswert! Singen werden sie das uralte Lied, Das ewig neue, Zur Fahrt übers Meer. Und zum Schärfen der Pflugschar. Hört zu! Vor tausend Jahren lebten im Norden Unsere Väter. Rauh waren die Berge, von Eis bedeckt, Schneebeladen. Wie der Bergstrom im Frühling, So wuchs unseres Volkes rasch keimende Schar. Zu enge wurden die Weideplätze Der rötlichen Rinder. Da wanderten sie in hellen Scharen, Die einen gen Westen Auf rauschendem Kiel Weit über des Weltmeers wogende Flut. Die andern aber zogen gen Süden Und kamen in Deutschlands sumpfige Wälder. -- Dort hausten sie lange. Da trafen sie schlaue römische Händler; Die brachten ihnen, Aus Eisen geschmiedet, Schwerter und Speere Und tauschten dafür Des Urs und des Bären zottige Felle. Und die Händler erzählten von einem Lande, Das südwärts läge, In dem die Sonne im Winter selbst Wonnig schiene, Goldene Äpfel in dunklem Laube, Schwellende Trauben voll süßer Beeren Lockend reiften. Da horchten die Väter Und tauschten Blicke, Pläne schmiedend. Doch fern sei das Land, So mahnten die Händler, Und beschwerlich der Weg Über der Alpen schneeige Höh'n. Da lachten die Helden Und jubelten laut Und riefen einander: Wohlauf denn zum Süd! Doch wiederum mahnten die Händler bang, Kriegerisch sei der Römer Volk, Schwertkundig und waffengewohnt Untertan ihnen der Erde Rund! Lachen lohnte der Warnung Wort! Nicht länger hielt es die Väter mehr: Schöner noch schien ihnen nunmehr das Ziel.

So zogen sie aus, In hellen Scharen, Wohl über der Alpen eisigen First. Jauchzend und lachend Auf ihren Schilden Fuhren die Helden fröhlich zu Tal. Doch in dem Kampf Um das sonnige Land Sanken der Helden beste dahin. Wehe, wehe, noch Schlimmeres gab's! Was der Besiegten Schwerte entkam, Das entnervte des Südens feuriger Wein. -- Zerstoben, verweht das wandernde Volk. Die aber der Nordsee Wogen durchkreuzten, An Englands Gestaden Wohnsitz fanden. Sie bauten Schiffe Und kreuzten weiter Und weithin wurde ihrer die Welt. Doch die Welt ist so groß, die Welt ist so weit, Und das Meer so blau, Wie Kornblumen im Felde, Und so frei. -- Nun hört, was ich sag'! Wacht auf aus dem Schlaf Und schauet umher: Zu eng wird's im Land, In dem ihr haust Seit Vätergedenken! Drum Schiffe gebaut Und hinaus in die Welt! Wälder hab' ich gesehen jenseits des Meeres, Unendlich große. Weithin aufs Meer Trug der Landwind den Duft Von all den Blüten, Die den Urwald schmücken. -- Wo Wald wächst, wächst auch Korn. Groß sind die Wälder Und harren der Axt. Schmiedet Äxte! Weideplätze weiß ich, Weite, unendliche, -- Felder für Weizen und herrliche Früchte. Schmiedet Pflüge! Weite Länder, Die der Menschen harren. Liebt euch! Und Hände werden euch wachsen, Das Land zu meistern. Drum hinaus in die Welt! Und Schiffe gebaut, Schnellfahrende! Schmiedet Anker und Kiel! In eherne Kessel zwingt mir den Dampf! So durchschneidet die Flut! Und wo immer den Anker Ihr rasselnd senkt, Da sei die Welt, Die weite, sonnige, Die himmlisch freie, Euer, Ihr freien Söhne des Nord! Wacht auf!

Euch Königen.

Höret mein Lied! Schaut um euch und schaut rückwärts, Ob das, was ich singe, Wahr sei und recht! Ihr aber werdet sehen: Es ist so! Ungerechtigkeit verwüstet alle Länder, Und loses Leben stürzet die Stühle der Gewaltigen! So höret nun, ihr Könige, Und merket! Lernet, ihr Richter auf Erden! Horcht auf, ihr, die ihr über viele herrschet, Und nehmt's euch zu Herzen, Ihr, die ihr euch erhebt über die Völker! Denn euch ist die Obrigkeit gegeben vom Herrn! Und die Gewalt vom Höchsten, Welcher wird fragen, wie ihr handelt, Und forschen, was ihr ordnet! Denn ihr seid seines Reiches Amtleute; Aber ihr führet euer Amt nicht fein, Und haltet kein Recht! Und tut nicht nach dem, Was der Herr geordnet hat! Er wird gar greulich und kurz über euch kommen, Und es wird gar ein scharf Gericht gehen Über die Herren! Denn den Geringen widerfährt Gnade. Aber die Gewaltigen werden gewaltig gestraft werden, Denn der, so aller Herr ist, Wird keines Person fürchten, Noch keines Mächtigen Macht scheuen! Er hat beide, die Kleinen und die Großen, gemacht Und sorget für beide gleich! Über die Mächtigen aber wird ein stark Gericht gehalten werden! Mit euch, Tyrannen, rede ich, Auf daß ihr Weisheit lernet, Und daß es euch nicht fehle! Denn wer heilige Lehre heiliglich hält, Der wird heilig gehalten! Und wer dieselbige wohl lernet, Der wird bestehen! -- So laßt euch nun meine Rede gefallen; Begehret sie und laßt euch lehren! Denn die Weisheit ist schön und unvergänglich, Und läßt sich gerne sehen vor denen, Die sie lieb haben, Und läßt sich finden von denen, Die sie suchen! Ja, sie begegnet Und gibt sich selbst zu erkennen denen Die sie gern haben! Wer sie gern bald hätte, Der bedarf nicht vieler Mühe: Er findet sie vor seiner Tür auf ihn warten! Denn nach ihr trachten, Das ist die rechte Klugheit! Und wer dürstet nach ihr, Darf nicht lange sorgen! Denn sie gehet umher und suchet, Wer ihrer wert sei! Und erscheint ihm gern unterwegs, Und hat acht auf ihn, daß sie ihm begegnet! Denn wer sich gerne läßt weisen, Das ist gewißlich der Weisheit Anfang! Wer sie aber achtet, Der läßt sich gern weisen, Wer sich gern weisen läßt, Der hält ihre Gebote; Wo man aber die Gebote hält, Da ist ein heilig Leben gewiß! Wer aber ein heilig Leben führt, Der ist Gott nahe! Wer nun Lust hat zur Weisheit, Den macht sie zum Herrn. Wollt ihr nun, ihr Tyrannen im Volk, Gern Könige und Fürsten sein! So haltet die Weisheit in Ehren, Auf daß ihr ewiglich herrschet.

Meiner Königin!

Um eine Handvoll Sonnenschein Für meines Lebens Arbeit bat ich dich! Da griffst du strahlend In den blauen Himmel Und warfst mir lachend Eine Handvoll Sonne zu -- Und Wunder über Wunder! In Sonne strahlte plötzlich alles Land. Und sonnenübergossen stand ich da. Und wohin ich ging, Und wohin ich kam, Zu reich und arm, Zu krank und siech, Sie alle faßten meine Hand Und küßten sie: Du Sonnenspender, hilf uns! Gib uns von deiner Wärme, Deinem Licht, Und führ' uns! Da zog ich alle an mein Herz, Ob reich, ob arm, Ob krank und siech, Und küßte sie auf ihre Stirn Und ihren Mund Und heilte sie. Doch keiner wußte, Daß es deine Sonne war, Die sie geheilt, Die du vom Himmel mir herabgeholt. Nur einer weiß es, Der auch deine Sonne ist, Und das genügt. Du aber hab' Dank Für deine Wärme und dein Licht, Das du auf meinen Lebensweg Mir warfst, Und laß zum Dank Für dich mich leben In deiner Sonne!

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Als ich zu Ende gelesen, warf ich mich angekleidet auf mein Lager. Und als ich so dalag, und nun, ein Heimkehrender, meine Reise überdachte, da war es mir, als sei das abgebrannte Gotteshaus in mir selbst wieder neu erstanden. Wie unten in den Gewölben der zerstörten Kirche die vermoderten Gebeine von Generationen ruhten, so hatte ich die verrotteten Vorurteile, die uns und unsere Kultur hemmen und binden, abgestreift und in dem tiefsten Keller meines Herzens begraben.

Aus der Fülle der Erinnerungen aus meiner Jugend und meiner Kampfzeit heraus hatte ich, wie die Bauleute auf den stehengebliebenen Fundamenten der alten Kirche den neuen Bau ausführten, neue Kraft, neue Hoffnungen geschöpft und nun mit der Kraft der neuen Erfahrungen und Erkenntnisse einen neuen Turm in den Himmel meiner Hoffnungen und meines Aufwärtsstrebens erbaut.

Fest und gerade wuchs er empor. Säulengleich trug die Erkenntnis von der Bedeutung des Weibes als der Sonne unseres Lebens die Kuppel des ganzen stolzen Baues: das uns über die Erde hebende Bewußtsein, daß wir eins sind in unserem Geiste mit dem Geiste, der das All beherrscht, mit Gott, -- dem Geiste, dessen Wesen gipfelt in dem einen Begriffe, in der Liebe -- in der Liebe zu unserem eigenen besseren Ich, in der Liebe zu unserem Nächsten, in der Liebe zu unserem Volke, in der Liebe zur Menschheit! -- --

Dann schlief ich ein, und schlief so tief und ruhig, wie auf der ganzen Reise nicht, -- wie einer, der weiß, daß er nun bald daheim ist.

Wundervoll führte mich mein Traum. Ich saß in der neuerbauten, großen Michaeliskirche, neben mir, Hand in Hand, mein Weib. Und an der Orgel saß Gustav, mein lieber, junger, blinder Freund, dem ich von Pará aus den Text zu meinem Oratorium geschickt hatte. Aber er war sehend geworden.

Und um ihn herum der Kirchenchor. Es war das Fest der Einweihung der neuen Kirche. Der Senior hatte seine Predigt gerade beendet. Nun erklang die Orgel. Wie die Melodie sich mit meinem Texte verwob, als nun der Chor einsetzte! -- So ist's im Leben, -- unser eigenes, inneres Leben ist die Melodie, -- die Begleitung, das ist der Lärm des Tages, die Freude und die Not, die uns umgibt; jauchzend und klagend begleitet sie uns durchs Dasein, wo immer wir auch sein mögen; -- dumpf und tief, wie die Baßnoten der Begleitung klingen die Nöte und das Leben der fremden Völker in unseres eigenen Lebens Symphonie hinein, -- machtvoll, ergreifend, bestimmend, -- und doch immer wieder drängt die eigene Melodie sich vor mit ihrer Sehnsucht nach Liebe und ihrer Sehnsucht, Liebe zu geben. --

Und mein Kaiser saß in der Kirche, mitten unter seinem Volke, um unseren neuen Tempel weihen zu helfen! --

Da schließlich klang das Oratorium aus in einen Jubelhymnus, alle Not übertönend, mit allem Irdischen, mit dem Tode selbst uns versöhnend. -- Dann andachtsvolle Stille, -- und -- -- -- -- --

Und nun, -- was ist das? --

Mir träumte weiter, die Tür sprang auf und herein stürmte die Schar meiner Kinder, mit Blütenzweigen in den Händen, und jubelten und lachten und küßten mich.

Plötzlich wachte ich auf. Der Kapitän hatte mich bei der Schulter gefaßt und schüttelte mich: »Doktor, wir sind in Hamburg! Liegen Sie hier bei offener Kabinentür, daß der Schnee Ihnen auf die Koje weht!« -- Da sprang ich auf. Und wie ich aus der Tür auf Deck trat, brach durch allen Nebel und winterliches Gewölk mit einem Male in vollem. Strahlenglanze die Sonne durch, das Schiff, den Hafen, die Vaterstadt und weiterhin den Fluß, die Deiche, die weiten Heideberge mit Frühlingszauber überschüttend. Vor mir aber lag hochaufragend, neu erstanden aus Schutt und Asche, in hellem, goldenen Sonnenlichte die neuerbaute Kirche und auf hohem Hügel ihr gegenüber übermenschlich, groß, ernst, hoheitsvoll, gebieterisch, wie der Geist der Weltgeschichte selbst, das granitene Standbild des größten deutschen Mannes, des Mannes der Tat.

* * * * *

So war ich denn wieder daheim. Einst war ich niedergebrochen gewesen durch die Größe des menschlichen Elends und die Lieblosigkeit der Menschen und hatte gedacht, all diesem zu entfliehen, wenn ich übers Meer ging. Aber ich fand Elend und Herzeleid, wohin ich ging. Doch das Elend, das mich erdrücken wollte, das Elend meiner Heimat, meines Volkes, meines Vaterlandes lernte ich aus der Ferne übersehen, -- ich gewann neuen Überblick.

Ich übersah aus der Ferne die Scharen der Mitkämpfenden besser, als ich es vordem in der Heimat gekonnt hatte, sah, daß die Scharen der Freunde und Gleichgesinnten bereits Legion war, -- gerade da draußen in der Fremde, da war es mir so recht zum Bewußtsein gekommen, welch gewaltige Zahl der Besten und Klügsten in der vordersten Schlachtreihe kämpfte.

Gleichzeitig lernte ich fremde Menschen kennen, von denen der eine dieses, der andere jenes Unglück erlitten -- und überwunden hatte, fremde Völker, von denen das eine dieses Elend, das andere jenes Elend aus der Welt geschafft und so unsere menschliche Kultur gefördert hatte.

Da wurde ich befreit von dem Drucke, der auf mir lastete, und bereichert und gekräftigt und gesundet kehrte ich heim, -- mit neuer Kraft, zu neuem Leben, zu neuem Kampfe, zu neuem Lieben.

Denn das war der größte Gewinn dieser Reise, das fühlte ich, -- die Einsicht, daß wir vor allem dieser einen Kraft mehr bedürfen, als bisher, um das Unglück und das Böse, um alles Dunkele, um den Tod zu überwinden, dieser einen Kraft viel, viel mehr bedürfen, als wir je uns klar gemacht, -- der Liebe: Der Liebe zu unseren Vorfahren, der Liebe zu unseren Kindern und Kindeskindern, der Liebe zu Kraft und Gesundheit, der Liebe zu unserem Körper, als dem Gefäße unserer Seele und dem Samen für unsere Nachkommen, der Liebe zur Schönheit, der Liebe zur Kunst, der Liebe zur Natur; der Liebe zu unserer Rasse, zu dem Menschengeschlechte, wie der Liebe zu den Pflanzen und zum Tiere; der Liebe zu unserer Heimat mit ihren Hecken und Blumen, mit ihren Flüssen und ihren Wäldern, mit ihren Heiden und ihren Seen, zu unserem Vaterlande, zum Meere, dem unendlichen Meere, und zu der Ferne dort drüben über dem Ozean, wo Raum für neue Menschheiten ist.

Wir müssen die Erinnerung mehr lieben; denn sie verlängert unser Leben ins Unendliche, weil wir aus der Unendlichkeit stammen. Und die Hoffnung, denn sie ist der Pfad, der uns aus kalten Schattentälern zu sonnenbeschienenen Höhen führt!

Vor allem aber müssen wir die Gegenwart mehr lieben. Schön soll sie sein und reich an Liebe und Sonnenschein für uns und die anderen, damit die Erinnerung aus ihr schöpfen und die Zukunft auf ihr fußen kann!