Im Kampf um die Ideale, die Geschichte eines Suchenden

Part 30

Chapter 303,541 wordsPublic domain

Dann das rote Licht vom ersten Feuerschiffe.

Da, die Lichter von Cuxhaven. Die Anker zu Grund. Wir müssen erst den Schein vom Hafenarzt haben. Nach den üblichen Formalitäten, dem Vorlegen der Krankenlisten, Einhändigen des Passagierscheines, noch ein kurzes Beisammensein in der Kajüte. Der Kollege wundert sich, daß der Kapitän und ich nur Zitronenlimonade trinken. -- Wunderlich, wie schwer die Ärzte sich dem Fortschritte anbequemen. Die Suggestion der akademischen Trinksitten! -- -- -- -- --

»Freilich, man könne sich selbst als Studierter den neuen Anschauungen nicht mehr ganz verschließen,« meint der Kollege. »Auch in Cuxhaven würde neuerdings viel weniger getrunken als früher, seitdem der neue Amtsrichter dort sei. Merkwürdig, was so ein einzelner Mensch mit einem Herzen voll Liebe und dem Willen zur Tat beschaffen könne. -- Mein junger Freund, den ich von Jugend auf gekannt! -- Der Vater, Kollege, war Korpsstudent gewesen. Also mußte der Junge es auch werden. Ein schöner, strammer Bursche. Fast hätte es ihm den Magen und die Nerven gekostet, wie tausend anderen auch. Aber die beiden geheimnisvollen Kräfte, die die Heimat ihn gelehrt, die hatten ihn hochgerissen. -- In kürzester Zeit habe er,« berichtet der Kollege weiter, »mit dem Kollegen Bulle zusammen einen Arbeiter-Bauverein gegründet. Der Bürgermeister der Stadt stände ihm wacker zur Seite, -- eine Volksbibliothek, Volksunterhaltungsabende, Kunstausstellung -- Cuxhaven habe noch nie so etwas erlebt, -- aber es sei famos, -- und die Stammtische noch nie so leer gewesen, wie dieses Jahr, es sei, als ob ein neuer Geist über die Stadt käme.« -- -- --

Ein Händedruck. -- »Gute Nacht!« »Gute Fahrt!« -- Der Kollege fährt wieder an Land.

Ich aber sehe im Dunkel der Nacht leuchtende Wellenringe des Geistes weiter und weiter hellende, wärmende Kreise ziehen. -- --

Morgen früh sind wir daheim! Schon ist alles gepackt. Da liegt noch mein Bändchen Gedichte für meines Herzens Königin, -- der »Sonnenscheinsamen« -- der Samen aus dieser Fahrt ins Land der Sonne.

Noch einmal, ehe er aus meinen Händen geht, lese ich Blatt für Blatt; -- er sei der Schlußstein in diesem Berichte meiner Reise, die ich antrat, um das Elend der Menschheit zu vergessen, und deren Frucht für mich geworden war, daß ich mich selbst wiederfand in neuer Kraft, zu neuem Lieben, zu neuem Kämpfen, zu neuem Schaffen! Deren Frucht für mich geworden war die Erkenntnis, wie wenig der einzelne an sich bedeutet gegenüber der ganzen großen Menschheit, und wie doch diese ganze große, nach Glück und Leben sich sehnende Menschheit ein einziger, großer Organismus ist, in dem ein jedes Glied seine heilige, große Aufgabe hat.

In diesem Sinne, in dieser Erkenntnis will ich leben, solange ich atme. -- --

Vor mir lagen meine Lieder.

Sonnenscheinsamen.

Sonnenscheinsamen Schenktest du mir, Geliebte! Sonnenscheinsamen! Ich aber streut' ihn Mit vollen Händen In die Herzen der Menschen, In reich und arm, In hoch und niedrig, Ohne zu fragen, Ob sie ihn wollten. Und die ihn nicht wollten, Bedurften seiner am meisten; Denn sie saßen im Dunkeln Und hatten vergessen, Daß es noch Sonnenschein gab auf der Erde. Und von den Klugen und Weisen Riefen die meisten: Halt' ein, du Fürst, du Verschwender, Weißt du nicht, was du tust? All deinen Sonnenschein Entnimmst du dem Herzen Und streust ihn, Ohne an dich zu denken, Über die Erde, Als ob dein Reichtum Nimmer enden könnte! -- Toren und Narren! Zürn' ihnen nicht! Sie kennen dich nicht, Geliebte, Noch deinen Samen. Kennen nicht seine Kraft Und wissen nicht, Daß, je mehr ich ihn säe, Je mehr des wärmenden Lichtes aufgeht, Und um so mehr von diesem deinen Samen In mich zurückfällt, Wuchernd und werbend!

Mein Sang von der Freiheit und von der Liebe.

Was wißt ihr von Freiheit, Ihr, die ihr nimmer Aus dem Gewühl der Städte entranntet, Eingepfercht zwischen den Mauern der Häuser, Den Rücken gebeugt vor Fürstenthronen Und Fürstendienern! Was wißt ihr von Freiheit! Ihr, die ihr nimmer das Weltmeer kreuztet, Ihr, denen nimmer der Sturm ums Haupt gebraust, Die ihr die Wogen am Bug des Schiffes nicht branden hörtet! --

Jauchzend stehe ich auf sausendem Schiff, Über mir funkelt des Südens Kreuz Und das Schwert des Orion. -- Brausend durchschneidet mein Kiel die Flut, So weit das Auge reicht, kein Land, Nur unbegrenztes, unendliches Meer. Ich aber trinke, in langen Zügen Satt mich trinkend, selige Freiheit, Eins mich fühlend in meiner Seele Mit dem Geiste der Welten, Der über die Meere herrscht und über die Erde Und alle Gestirne. Und meine Seele ist bei ihm Und lebt in ihm Und fühlt sich eins mit ihm Als Herrn der Welt! -- Allein der Herr der Welt Ist die Liebe! Ihr aber macht euch Gesetze, Die der Liebe spotten und somit des Herrn! Wißt ihr, was Tropensonne heißt? Habt ihr die glühenden Strahlen empfunden? So ist die Liebe! Den Tod besiegend und Leben erweckend, Eis des Nordens in Dampf verwandelnd, Meere kochend, Daß sie entströmen In heißen Wogen ihren Gestaden, Weithin tragend in grünen Wellen Die Sonne des Südens, Daß sie an Nordlands kalten Gestaden Wonnespendend Wunder des Frühlings lieblich zaubern. Mich durchglühte die Tropensonne Und weckte mir Liebe, Glühend heiß wie sie selbst, Nordlandeis in Dampf zu verwandeln! Und kraft dieser Liebe Breche ich eure Gesetze, Die euch in Fesseln halten, Wie der Nordsturm die Bäche In unserer Heimat in Eis verwandelt, Daß sie die Fluren nicht tränken können. Eure Gesetze und Sitten, Euren Glauben und eure Dogmen, Die euch verbieten, euch so zu lieben, Wie der euch zeigte, Der die Sonne in euer Leben brachte In nur einem Gesetz, Einem einzigen, sonnigen: Liebet euch untereinander! Ihr aber tötet euch untereinander Kraft eurer Gesetze, Und haßt euch gegenseitig Und steinigt euch Kraft eurer Sitten! Um was? Um eures Glaubens, eurer Dogmen, Eurer Sitten willen! Eure Sonne aber schlugt ihr ans Kreuz! -- Habt ihr das Kreuz des Südens gesehen? Habt ihr der Tropen Sonne gespürt? Habt ihr des Sturmes Brausen gehört Auf wogendem Meer? Sie lachen eurer und eurer Gesetze Und erzählen von unendlicher Wärme und Größe, Die nie versieget, An die ihr nicht tasten könnt Mit euren Händen Und eurem Menschenverstande Und eurer Kälte, -- Von Wärme und Größe, Die ewig frei war, und ewig es sein wird! Und das Meer und die Sonne Und der brausende Sturm Und die ewige Schönheit vom Kreuz des Südens, Sie alle haben es mich gelehrt, Eure Gesetze erbärmlich und klein zu finden, -- Würdig euch Menschen, -- Und bar der Liebe! Und so lache ich euer und eurer Gesetze Und Sitten und toten Dogmen, Und habe Mitleid mit euch Und liebe euch In all eurer Kleinheit Und eurer Härte und Kälte, Und will euch auftauen mit meiner Liebe, Wie der Golfstrom des Nordlands Gestade auftaut, Und stürmen wie der Sturm, Reinigend, stärkend, Und lieben, wie die Sonne der Tropen, Heiß, versengend und Leben weckend, Überreich' Leben! Und kraft des sonnigsten Gesetzes, Das der sonnigste Mensch euch gab, Liebe ich die, die ihr verachtet, Liebe ich die, die ihr hasset, Denn sie bedürfen der Liebe! -- Lieb' ich euch alle! Denn ihr alle bedürft der Liebe! Und auf dem starken Fittich meiner Liebe Über Tod und Grauen Trage ich euch empor zum Herrn der Welten, Dem Geist der Liebe, Mit dem ich eins mich weiß Als Herrn der Welt!

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Weißt du, wer ich bin? Weißt du, wer ich bin? Ein Stückchen bin ich vom Nagel Am kleinen Finger der Gerechtigkeit. Wehe dir, wenn du Arme drückst Oder Bedrängte! Hüte dich, daß du die Wahrheit nicht in den Schmutz ziehst, Daß sie aussieht, wie eine weiße Rose, Die du im Uferschlamme des Sees zertreten hast! Hüte dich, daß du nicht Recht in Unrecht Und Unrecht in Recht verwandelst! Wisse, die Gerechtigkeit hat ein feines Gefühl Selbst in dem Nagel ihres kleinen Fingers, Und ich führe ihrer Hand den Weg, Um dich zu packen! Darum hüte dich! --

Weißt du, wer ich bin? Weißt du, wer ich bin? Ein Stäubchen bin ich im Weltenall, Getragen von einem Sonnenstrahl, Von einem Strahl aus jener Quelle, Die ewig war und ewig sein wird! Von einem Strahl aus jener Quelle, Aus der seit Ewigkeiten Alle Liebe und alle Wärme fließt. Und wenn du im Elend bist; Und wenn du einsam oder in Sorgen bist; Wenn du arm oder gedrückt bist; Wenn Krankheit dich quält Und Schmerz Und Angst vor dem Ende: So komm zu mir, dem Sonnenstäubchen, Und kraft des Strahls, durch den ich lebe, Will ich dich lieben und dich erwärmen, Daß deine Sorgen und deine Schmerzen, Und was dich drückt, In nichts zerfließt -- Nimm mein Leben, -- nur komm! --

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Merkwürdiges erleb' ich! Ich sehe die Dinge, wie sie sind, Und sage, was ich sehe! Und andere sehen die Dinge Ebenso wie ich, Und sagen, sie sähen sie anders! Sie glauben, sie hätten Vorteil dadurch, Oder es ist ihnen bequemer. Aber sie merken nicht, Daß ihre Worte wie Nebel sind, Die die Wahrheit verdunkeln, Wie die Nebel im Winter die Sonne verdunkeln! Und andere glauben, klug zu sein, Wenn sie das, was sie sind und wollen, verstecken, Und tun, Als ob sie anders wären und anderes wollten! Und sehen nicht, Daß sie ebenfalls nur Nebel erzeugen! Und dieser Nebel hüllt unser ganzes Volk ein! Aber die Wahrheit ist stark und hell, Wie die Sonne, Und scheint durch allen Nebel hindurch, Oft nur in Strahlen, Oft hellt sie ihn ganz. Wie ein Licht scheint sie im Dunkeln, Daß man sie so leicht finden kann, Wie ein Licht im Dunkeln! Und je näher wir kommen, Desto größer und heller scheint uns das Licht; Und je mehr wir in die Wahrheit eindringen, Desto heller wird es in uns! Sie gleicht einem Leuchtturm, Der fernher über das finstere Meer Unserem Schiffe den Weg zeigt Zur fernen Küste! -- Du bist der Leuchtturm Auf dem finstern Meere meines Lebens, Geliebte! Einem Licht im Dunkeln gleichst du, Wie du der Wahrheit gleichst, So hell und klar. Das kommt, Ihr beide habt eine Mutter: Die Sonne!

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Den Tod fürchtest du, Den Allbezwinger? Ach, ich versteh' dich! Toren malten ihn dir mit Sense und Hippe, Und dich schreckt das Gerippe Und die Furcht vor dem Nichts, Dem Unbekannten, Großen, Leeren, Dem Nichts! Ist es nicht so? Sei ruhig und ängstige dich nicht Und laß dir erzählen! Ich kenne ihn! Zweimal trat er an mich heran. Als er zuerst mir nahte, Da lag ich auf meinem Schmerzenslager, Fiebernd, röchelnd, Nach Atem ringend, Das Herz voll Sorgen wohl um die Meinen. Da kam er Mit leisem Schritt Und sanfter Hand: Noch fühl' ich sie, Wie sie sich kühlend legte auf die glühende Stirn, Sanft, ganz sanft. Und wie die Augen schwer wurden, Wurde mein Herz mir leicht, Oh, so leicht, Als ob ich Schwingen hätte, Und alle Sorgen fielen von mir ab, Alle Schmerzen schwanden, -- So ruhig wurde es drinnen, So himmlisch ruhig, -- Mir war's, Als wüchs' ich über mich hinaus, Und größer, immer größer, Um in eins zu fließen Mit dem Geiste der Welt. -- Und ich genas. Und wieder trat er dann zu mir, Zum zweitenmal. Als auf der Meerfahrt sich der Sturm erhob, Die Wogen berghoch sich zusammentürmten, Um donnernd auf das schwanke Schiff zu schlagen. Da trat er wieder zu mir her, Sanft, ganz sanft, Und wiegte mich, Wie mich die Mutter wiegte, So daß ich mich als Kind noch einmal träumte, Als glückersehnend Kind. Und selig trank ich in Erinnerung Noch einmal all der Zeiten Sonnenschein. Und heut noch dank' ich ihm die Stunde, In der er mir dies süße Glück verlieh. Und nun erwart' ich ihn zum drittenmal. Er komme, wann er kommt. Ich weiß es, er ist sanft und mild; Er löscht nicht aus, Er lindert nur die Schmerzen Und zaubert dir dein geistig' Aug' So groß und weit, Daß du dein irdisches gar gern entbehrst. Sieh die Natur: In weißes, weiches Laken Hüllt der Schnee sie ein. Du meinst, sie sei gestorben? Tor, sie lebt! Dort unter dem Schnee, Da lebt es und webt es! In starrender Rinde Und rauhem Kern, Da treibt es und keimt es! Und kommt der Frühling Mit seiner Sonne, Warte nur, Sing' und freu' dich! Schau nur, Welch blühendes, schwellendes, sonniges Leben Der schwarzen Erde entsprießt, Alles, was in ihr verborgen lag, Vermodernd, verwesend, In neues Leben verwandelnd, Das zur Sonne drängt, Weil es von der Sonne stammt! Und auch du stammst aus der Sonne! Auch dich decken sie einst Mit weißem weichen Laken Und senken dich, Wie ein Samenkorn von der Wintersaat, In die Erde, Damit, wenn dein Frühling kommt, Was von dir aus der Sonne stammt, Zur Sonne emporwächst. Aber gib acht! Was du an Sonne und Liebe erhaschen kannst, Trink es in dich hinein, Wie die Blume die Sonne in sich hineinsaugt. Trink Sonne und Liebe, Soviel du nur kannst, Und strahle sie wieder von dir, Erhellend, erwärmend, Als ob du selbst ein Stückchen Sonne seist! So mehre den Sonnenkern in dir, Jenes wunderbare Teil in dir, Das du von ihm empfingst, Dem Allewigen, Aus dem alle Sonne und Liebe stammt. Und fürchte dich nicht vor dem Tod: Denn er ist sanft Und zeigt dir nur den Weg, Der dich vom Nebeltal der Erde Wieder dorthin führt, Woher du stammst. Sei froh und fürchte dich nicht!

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Ich lag im Grase und unter Blumen, Bunt und blühend, vertraulich nickend, Am Busen der Erde, der Mutter aller. Am fernen Waldessaum entstieg dem dunklen Tann Des Meilers grauer Qualm, Mich mahnend an der andern Menschen Treiben. Und wie es kam -- ich weiß es selber kaum: Ich fühlte mich so jung, war wieder Kind, Und mit den Schwestern, all den Blumen, Da spielte ich und neckte mich; -- Ihr seid doch meine Schwestern, nicht? Und du? Du Mutter Erde, Bist du nicht unsre Mutter? Oder etwa nur, weil wir dich so nennen, Nicht, weil du es bist? Aber wurzelt nicht in deinem Schoße Der gewaltige Eichbaum, Die Blume am Wege Und in des Meeres unendlicher Tiefe Weit um sich greifender Algen bunte Pracht, Wie in der Mutter Schoße das Kind, Angeheftet mit feinen Fäden, Nahrungssaugenden, Wachstumspendenden? -- Oh, daß ich dich halten könnte, Wie ich die Mutter umfing, Da ich als Kind noch selig am Busen ihr ruhte. Und ich? -- aber hier ruhe ich ja! Wer will's mir denn wehren, Wer mich reißen von deinem Busen? Wurzeln wir denn nicht alle in dir? Saugen wir all nicht aus deinem Boden Nahrung und Kraft? Sind denn nicht alle deine Geschöpfe Unsre Geschwister? Atmest du nicht für uns, deine Kinder, Stärkende Himmelsluft ein? Hauchst du nicht aus, des wir nicht bedürfen, Was uns nur schadet, Daß es zurzeit als himmlischer Segen Umgewandelt herniederträufle, Wenn du, die durstigen Kinder zu tränken, Wasser des Himmels begierig schlürfest? Ist nicht das Feuer, das wir gebrauchen, Dein Feuer, Deine Glut, An der wir uns wärmen? Und empfängt nicht das Kind Vom Geiste der Mutter seinen Geist? Ist es nicht ebenso dein Geist, Derselbe Geist, der uns alle beseelt, Der uns alle umfaßt? Der deinige nicht wiederum ein Teil des Weltgeists, Abgesplittert und zugehörend? -- Weh' über die Brüder, die glauben, Daß sie allein etwas sind! Wären sie es, sie wären ein Nichts in dem Weltall! Wenn sie es könnten! -- Nicht rollet der Donner, damit wir uns schrecken; Aber wohl tut ihr dran, Wenn ihr erschrecket und merket, Daß vor dem Blitz auch ihr euch ducken müßt, Gleich euren Brüdern im Walde -- ob all eures Wissens!

An meine Feinde.

Ich kenne euch, meine Feinde! Euch, die ihr euren Brüdern den Fuß auf den Nacken setzt Und sie zertretet, Als ob sie Gras wären! Euch, die ihr, Kreuzspinnen gleich, In euren Netzen sitzet, Tagediebe, In euren Spelunken, Lauernd, daß ihr vom Laster der Brüder, Von ihren Schwächen Eure schmutzigen Groschen zusammenkratzet! Euch, Die ihr sie in Häusermassen zusammenpferchet, Damit sie euch zinsen! Euch, die ihr in Palästen wohnt Und in getäfelten Häusern, Bei Braten und Wein schwelgt, Zu Pferde und in Karossen dahinjagt Und über die schlechten Zeiten jammert Und die begehrliche Masse des Volks! Ich kenne euch alle! Ihr ewig Gerechten, Ihr Stolzen und Harten, Die ihr euch scheut, im Kirchengedränge Den Ellbogen euch an einem der Sünder zu reiben, Dem nicht so feines Tuch, wie euch, Die sehnigen Arme und Beine umkleidet. Und euch, ihr Tugendhaften, Die ihr so sicher euren Weg geht, Weil ihr die Kraft zum Sündigen nicht habt! Und euch, ihr Männer, Die ihr die Kraft nicht habt, Eure Frauen mit Liebe zu sättigen, Geschweige denn, Daß ihr die Seele eines Weibes versteht, Ihr, die ihr kaum ahnt, Was Seele heißt! Erbärmlich Volk! Otterngezücht! -- Durch einen Wald schritt ich Und fand ein Nest von jener Sorte, Die die Natur Mit dem Zickzackstreifen im Rücken gezeichnet. Zischend bäumten sie hoch Und wollten mich beißen. Ich aber sprang mit beiden Füßen Mitten in sie hinein Und zertrat die Brut. Oh, könnt' ich auch euch, Ihr Krämer und Wucherer, Ihr Brenner und Brauer, Die ihr als Kirchenälteste so fromm tut Und das Volk vergiftet, Euch scheinheilige Pharisäer, Die ihr angebt, Das Christentum gepachtet zu haben, Und deren Herzen Das einzige Gesetz, Das Gott uns gab: »Liebet euch untereinander!« So fremd ist, Wie Erbarmen der Otter, -- Könnt' ich auch euch Wie dieses Otterngezücht zertreten! Mir träumte als Knabe, Auf weißem Rosse ritt ich durchs Land, In blinkender Rüstung, Ein Ritter des Herrn, Schwingend in meiner Hand Ein flammendes Schwert. Krämer, die Branntwein verkauften, Hatten den Krieg entfesselt; Weithin verwüstet lag schon das Land. Mordend und brennend zogen sie aus, Lachten und logen, Sie brächten Kultur. Glückliche Völker sanken dahin In Elend und Schmach. Ich aber schwang in erhobener Linken Die Fackel der Wahrheit, Den Arm gegürtet mit blinkendem Schild, Der war die Liebe zu meinen Brüdern. Todwund kamen sie an Und heischten Hilfe! Ich aber nahm sie unter den Schild! Und mit der Rechten schwang ich mein Schwert, Das hieß Gerechtigkeit. -- Oh, daß meine Kraft zehntausendfach wäre Und mein Leben tausendfach, Um euch, ihr Otterngezüchte, zu vernichten! Aber solange ich atme, Will ich mit euch kämpfen! Zittert vor mir! Denn ich bin zähe und stark, Und meine Freunde sind wie Sand am Meere! So fürchte ich euch nicht! Ich kenne euch, meine Feinde, Und danke euch, Daß ihr euch so nennt! Ich bin stolz auf euch! Und habe Mitleid mit euch, -- Denn reihenweise sehe ich euch sterben In der Blüte der Jahre, Weil ihr auf meinen Rat nicht hörtet Und auf die Klugheit meiner Freunde! So habe ich Mitleid mit euch Und eurem Ende! --

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An meiner Seite schreitet ein Weib, Ernst und still, Und doch heiter und fröhlich. Ich liebe sie, Denn sie ist gütig gegen mich Und überschüttet mich mit Reichtum. Sie verleiht mir Kraft Und meinem Leben Würze. Nachts ruht sie an meiner Seite Und sorgt, daß kein Gram In mein Herz dringen kann. Sie richtet meine Blicke auf den Weg, Den ich zu gehen habe, Und räumt die Hindernisse mir aus dem Weg. Wenn ich müde werde, So küßt sie meine Stirne Und haucht mir neue Kräfte ein. Meine Ohren hält sie mir zu Mit weicher Hand, Wenn die Spötter zischeln, Und zeigt meinen Augen Den Pfad, Wenn die Feinde dräuen. -- So gehe ich geradeaus, Und finde mein Ziel. -- Toren sagen, Sie sei hart und unerbittlich. Sie kennen sie nicht, Weil sie sie nicht lieben, Nicht lieben, wie ich, Für den sie Leben ist! Kaum kennen sie ihren Namen! Du, meine Geliebte, Meine Pflicht!

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Du hast Furcht? Fürchte dich nicht! Du bist traurig? Traure nicht! Siehe, ich war niedergebrochen Unter Furcht und Trauer, Und meine Seele lag am Boden, Wie mein Leib. Da dachte ich an die, Die meine Sonne ist, Und erhob mich Und genas Und übte meine Kraft. Schlangengleich Umwanden Furcht und Trauer Meine Seele Und bissen nach meinem Leben. Ich aber faßte sie Und erwürgte sie Und befreite mich aus ihren Ringen. Und nun, Siehe, Stehe ich vor dir, Stolz und frei Und stark Und reiche dir meine Hand Und hebe dich zu mir empor. Hab' Mut und hoffe, So hast du Kraft! Versuch' es nur! Schau' nur, es geht. -- Schon strahlt dein Auge. Glaube mir, Hoffe, Und folge mir!

Einer Mutter.

Dein Einziger ist dir genommen, Mutter, Dein brauner Knabe? Oh, ich verstehe deinen Jammer, Deinen Schmerz! Dein Einziger! Und welch ein Junge! Wie leuchteten seine braunen Augen Unter den dunklen Locken! Wie lachte sein roter Mund! Wie straff und fest waren diese jungen Beine, Wie kraftvoll die Arme! Wie hob sich die Brust, Wenn er deinem Gatten Vom Wagen herab Die Fruchtkörbe reichte Und die Körbe Gemüse! Ja, weine nur, Mutter, Weine heiße Tränen, Laß sie wie Bäche im Frühling fließen! Wahrlich, er ist es wert! Traure um ihn, Weine und traure! Aber nicht verzweifeln! Wie alt ist dein Gatte? Dreiundvierzig? Und stark und gesund? -- Wie könnt' er anders! -- Und du? Wie alt bist du? -- Vierzig Jahre, sagst du? Ich kenne Frauen, Die mit zweiundvierzig freiten, Und die mehreren starken Söhnen Das Leben schenkten! Du schüttelst dein Haupt Und seufzest? Hör' zu, was ich dir sage Und glaube mir: Warte, bis sich nun wieder Der Mond erneut. Kommt der Gatte dann heim, Empfang ihn wie einstens, Strahlend, Hoffnungsfreudig. Schling' deine Arme um seinen Hals, Küß ihm von seiner Stirne, Von seinen Lippen, Von seinen Augen seinen Gram, Euren Gram. -- Und sitzt ihr beim Mahl, Erzähl' ihm, Leise, leise, Daß niemand es hört, Dir hätte geträumt, Selig, selig, Ihr wäret noch jung, Ganz jung, Und hättet Gott gebeten, So recht von Herzen, Und er hätte euch erhört Und euch geschenkt Einen wonnigen Buben Mit dunkelen Locken Und braunen Augen. -- Und ehe ihr zur Ruhe geht, Erzähl' ihm deinen Traum Noch einmal! Und hoffe!

Vergeltung.