Im Kampf um die Ideale, die Geschichte eines Suchenden

Part 32

Chapter 322,190 wordsPublic domain

Und das ist wahr! Das Weib muß den Mann wieder mehr lieben um des Mannes willen, und der Mann das Weib um des Weibes willen. Denn das Weib ist für den Mann das, was Gott für die Welt ist, -- das Weib ist das Symbol für die Seele der Welt. So sei das Weib die Seele des Mannes: rein, weich, keusch, stark und feurig. Das Weib muß die Liebe selbst sein und eins mit dem Manne, dem Symbol der kreisenden, schaffenden Welt.

Und das, was beide zusammen erzeugen, bedarf unserer größten Liebe: wir müssen das Kind mehr lieben, denn es ist hilflos und bedarf unserer Stärke! So müssen wir auch die Armen mehr lieben und die Unterdrückten, denn sie bedürfen unserer Kraft! Unser ganzes Volk müssen wir mehr lieben, denn aus ihm sind wir entsprossen; und unsere Fürsten, denn sie sind unser Hort. Und die Fürsten, sie müssen ihre Völker mehr lieben; denn ohne ihre Völker sind sie wesenlose Schatten!

Wir müssen die Pflicht mehr lieben, denn sie ist das Band, das die Menschheit zusammenhält; und die Freiheit, damit jeder einzelne das werden kann, wozu er berufen ist, -- ein Mensch! Wir bedürfen größerer Liebe für den Ernst des Lebens und für die Fröhlichkeit, einer größeren, heiligen Liebe zur Einsamkeit und Ruhe nach ernster Arbeit und frohem Feste, einer größeren, heiligen Liebe für die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Wir müssen den Stolz mehr lieben, wir selbst zu sein, und müssen Liebe hegen gegen die Ehrfurcht vor dem Größeren. Wir müssen den Haß wieder lieben lernen, den Haß gegen alles Schlechte und Gemeine, gegen alles Niedrige und Kleinliche, den Haß gegen alles, was uns krank und schwach macht. Wir müssen das Wort mehr lieben, auf daß es schön und groß und gut und friedfertig sei; aber mehr noch als das Wort müssen wir die Tat lieben. Das ist der Weg, der allein unsere Kultur zum Ziele führen kann: mehr Liebe!

Wir müssen das Leben mehr lieben lernen und den Tod und vor allem Den, Der in diesem allen lebt, dieses alles umfaßt und begreift, den Geist des Alls -- Gott! Denn Gott ist die Liebe, und Leben heißt Lieben. So laßt uns mehr leben durch mehr Liebe! Denn Liebe ist Sonne, und ohne Sonne kein Leben. Wie die Sonne der Tropen soll die Liebe unser Leben durchfluten, erhellend, erwärmend! Mehr Sonne, mehr Liebe! -- -- --

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Als ich die Blätter, die mein sterbender Freund mir anvertraut, gelesen hatte, sah ich in meinem Geiste ein seltsames Bild: ein leuchtendes Leben hob sich von einem gewaltig großen, dunklen Hintergrunde ab. Aber am Horizonte lichtete sich das Dunkel. Golden und purpurn stieg da der junge Tag herauf.

Und während ich noch das Bild mit meinem inneren Auge sah, hörte ich eine schlichte, aber starke Melodie und ein Brausen, wie mächtige Orgeltöne einer wunderbar ergreifenden und erhebenden Begleitung.

Und dann schritt ich im Geiste mit traumhaft großen Schritten neben meinem Freunde über die Heide und sog den ganzen Zauberduft des Nordens ein. Er aber wies auf eine Reihe roter Ziegeldächer am Waldessaume hin, von denen leichte Wölkchen Rauch aufstiegen, -- ein Bild des Friedens.

Und höher und immer höher stiegen wir bergan, bis der Wald aufhörte, -- da, wo der ewige Schnee begann. Und das weite Land mit seinen qualmenden Städten und seinen duftenden Heiden lag wie Ameisengewimmel zu unseren Füßen.

Da verstand ich ihn, was er meinte, wenn er so oft sagte, wir müßten wieder lernen, die großen Probleme unserer Kultur aus der Vogelperspektive zu sehen.

Seltsam, -- es war mir, als ob er noch lebte, und war doch nun gestorben, wie wir alle sterben müssen. Und hatten ihn da oben unter den Schnee gebettet, -- ganz nahe der Sonne.

Und im Frühling, -- mußte ich denken, -- wenn der Schnee kam, dann löste auch sein Leib sich in seine Atome auf, und die Schneewässer nahmen sie mit zu Tal und düngten mit den Atomen die Wiesen und Äcker und verwandelten so seinen Leib in Algen, Halme und Blumen.

Aber das, was Geistiges an ihm war, seine große Liebe zu den Menschen und den Tieren und den Blumen und zu der Summe aller der Liebe, die das All durchflutet, die er Gott nannte, dieses Geistige, -- nennen wir es seine Seele -- das hatte längst Wellenringe der Liebe ausgestrahlt, die ebensowenig untergehen werden, wie die Atome seines Leibes, die die Schneewässer zu Tal führen.

Diese lose aneinandergereihten Blätter hatten eigentlich ein Buch werden sollen, hatte er mir kurz vor seinem Tode einmal anvertraut, ein großes, starkes Buch, das den Menschen helfen sollte, gesunder und froher, freier und glücklicher zu werden, ein Buch für Völker und Könige.

Aber der Tod war ihm zuvorgekommen. So sende ich denn diese Blätter in die Welt, wie ich sie von ihm empfangen habe. Mögen Wellenringe des Guten von ihnen ausgehen und, wie der Lebende es wünschend im Geiste geschaut, sich umwandeln durch Liebe in die Tat zu neuem Leben.

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Verlag von Ernst Reinhardt in München

Im Kampf um die Ideale

Die Geschichte eines Suchenden

von

Georg Bonne

Vollständige Geschenkausgabe

544 Seiten 8° -- Preis broschiert M. 4.--, gebunden M. 5.-- Gekürzte Volksausgabe 17.-- 20. Tausend. Preis gebunden M. 3.50

Eine Voraussage des Weltkrieges

Von der deutschen Dichtergedächtnisstiftung in 1500 Exemplaren angekauft

Urteile der Presse:

»~Hamburger Nachrichten~« 12. Juli 1910. Wir müssen sagen, wenn das Wesen eines wertvollen Buches darin besteht, daß es durchaus nur von dem einen geschrieben werden kann, der es schrieb, und daß es dessen ganze Persönlichkeit in sich zusammengefaßt und einen Teil von deren lebendiger Wirksamkeit auf den Leser zurückstrahlt, dann gehört das Buch sicher zu den wertvollen. Die Persönlichkeit des Verfassers spiegelt so daraus hervor, daß man zugleich Respekt vor ihr hat, Respekt vor ihrer Geradsinnigkeit und ihrem rüstigen Mut, die Dinge anzugreifen und zu wirken, wo überhaupt sich ein Wirkungsfeld zu erschließen scheint.

»~Kölnische Zeitung~« 17. August 1910. Ein warmes, lebhaft pochendes Herz breitet hier seine Sehnsucht, seine Hoffnungen und seine Ideale vor uns aus; ein Arzt, den seine Fahrten vielfach in der Welt umhergeführt haben, den seine Praxis mit dem Bettler und mit dem Protzen zusammengeführt hat, und der manches Mannes Gemüt erkundet hat, erzählt, bald behaglich plaudernd, bald mit dichterischem Schwung, aber stets des Zieles wohlbewußt, allerlei Beobachtungen, Erlebnisse und Schicksale aus dem bunten Leben der Menschen, die der Wahn und die Leidenschaft oft irregeführt und die eine treue Freundeshand zuweilen rettet. Man kann dem Werke nur gute Fahrt wünschen.

»~Neue Hamb. Zeitung~« 17. September 1910. Seine mutigen, helltönenden Anklagen gegen die kleinen und großen Mächtigen dieser Erde verdienen ein lautes Echo. Und darum ist dem Buche schnell eine zweite Auflage zu wünschen, der dann -- man müßte sich schwer getäuscht haben, wenn es anders wäre -- weitere folgen werden.

+Dr.+ ~Holitscher~ schreibt in der »~Internationalen Monatsschrift~ zur Erforschung des Alkoholismus«: Schon lange, lange habe ich nichts gelesen, was mich so tief gepackt und erschüttert hat wie diese Blätter. Ich habe sie mit dem Gefühl aus der Hand gelegt, neben diesem Prachtmenschen, der das geschrieben, gedacht und gefühlt hat, ein schwacher, armer, unwürdiger Irrender zu sein, aber auch mit dem sicheren Empfinden, daß mich dieses Buch besser gemacht hat, wie noch kaum je eins zuvor. Das ist Christentum, das ist Liebe, das ist Wahrheit! Ja, mögen die Wellenringe all des Guten, das es enthält, von ihm ausgehen, Liebe säen und neues Leben erwecken.

»~Hamburger Hausfrau~« 18. September 1910. Was für ein gesundes, starkes, freigewordenes Buch ist es! Das Donnern und Brausen des Ozeans tönt darin; die fruchtbaren Wälder rauschen in ihrem köstlichen Grün, die Maschinen stampfen; die Menschen leben ihre Ruhetage in ihren Leidenschaften und Hoffnungen; aber die Sonne des Südens steht darüber wie eine große heilige Freude, und die Sprache, die darin anklingt, ist wahr und tönend vor Liebe.

Solche Bücher braucht unsere materialistische Zeit, braucht ein Geschlecht, das der schrankenlosen Erotik weihrauchumduftete Altäre errichtet hat. Männer und Frauen aller Stände sollten es lesen. Pädagogen und Politiker, Kaufleute und Handwerker, Ärzte und Priester, keiner, er mag zu all diesen Fragen stehen wie er immer will, wird sich der flammenden Wahrheit, die aus diesen Blättern herausleuchtet, entziehen, und keiner wird unberührt bleiben von dem hohen Idealismus, der uns daraus entgegenweht.

»~Deutscher Guttempler~« 1910, Nr. 25. »Im Kampf um die Ideale« ist ein außergewöhnliches Buch. Außergewöhnlich seines eigenartigen Aufbaues wegen. Der gewaltige Stoff, die Fülle reichen Lebens, die Kämpfe und Probleme, an die uns der Dichter heranführt, ließen sich schwer in die Form einer geschlossenen romanhaften Erzählung pressen. Dafür gestattet das Buch aber demjenigen, der seinen reichen Stoff beherrscht, beliebig oft kleine Ausschnitte herauszugreifen und als selbständigen Unterhaltungsstoff einem kleinen oder großen Kreise von Zuhörern zu bieten. Neulich erlebte ich das in einer Loge in Hamburg, in welcher ein Mitglied recht geschickt die Geschichte, wie Bonne zum Orden kam und Guttempler wurde, vorlas. Das wirkte so tief, so wirklich ergreifend auf uns Zuhörer, daß wir geradezu erschüttert waren. Da ging mir die Gewißheit auf, daß hier ein wahrer Schatz für unsere Logen uns beschert worden ist, an dem wir reiche Freude finden müssen.

»~Tägliche Rundschau~« 22. November 1910. Ich habe noch kein Buch gelesen, dem in so reichem Maße die Kraft innewohnt, den ermüdeten Kämpfer zu stärken, dem Verzweifelten die Zuversicht an dem endlichen Siege des Guten wiederzugeben, es sei denn -- das Evangelium. Und in der Tat: Geist des Evangeliums ist es, der diesem Buche seine Kraft, sein Feuer und seine anziehende Milde verleiht.

Starke Persönlichkeiten fordern immer auch den Widerspruch heraus. Aber man wird stets wieder nach dem Buche greifen; denn es zieht an, es fesselt durch die Fülle und Größe der Gedanken gleich wie durch die Kraft, mit der sie vorgetragen werden, durch den Reichtum und Fülle der Empfindungen und vor allem durch die Macht der Persönlichkeit des Verfassers, von der ein suggestiver Zwang ausgeht, welcher den Leser in den Kreis seiner Ideen nötigt. Es ist ein starkes Buch; eines, welches Wellenringe des Geistes aussendet, die fortwirken werden, gleichgestimmte Schwingungen erregend. Es ist ein Trompetenruf zum Sammeln, wie er not tut in unserer Zeit, in welcher viele Menschen nur ihre eigenen Interessen sehen und verfechten, zur Sammlung um die hohen Güter unserer deutschen Kultur.

»~Die Hilfe~« 31. Dezember 1910. Das ganze Buch will nichts anders mit seinen oft lose aneinander gereihten Blättern sein als das schlichte, offene Bekenntnis eines warmherzigen und tatkräftigen modernen Arztes. Als solches kann es auch wiederum manchem Leser zu einem wertvollen, starken Lebensbuche werden. Gerade solchen, die inmitten der Nöte unseres gesamten öffentlichen und sozialen Lebens oft den Mut verlieren wollen, sei dieses Buch als Führer zu einem tatkräftigen Idealismus empfohlen. Der Druck des Buches ist ausgezeichnet und fehlerfrei.

Weitere belletristische und sozial-hygienische Schriften

von Sanitätsrat +Dr.+ ~G. Bonne~, Kl. Flottbek.

1. Ein Mahnruf aus Jungdeutschland an Jungdeutschland. Th. Stauffer, Leipzig, 1881.

2. Kampfgesänge u. Friedensklänge. Georg Hertz, Würzburg, 1891.

3. Vorschläge zur Vereinfachung und zum Ausbau unserer heutigen Arbeiterversicherungen. Georg Hertz, Dresden, 1896.

4. Die Notwendigkeit der Reinhaltung der deutschen Gewässer. F. Leineweber, Leipzig, 1901. M. 4.--

5. Die Notwendigkeit einer systematischen Dezentralisation unserer Großstädte in hygienischer und sozialer Beziehung. Gustav Fischer, Jena, 1904.

6. Unsere Trinksitten in ihrer Bedeutung für die Unsittlichkeit nebst deren Folgen. Chr. G. Tienken, Leipzig, 1901. 25 Pf.

7. Mäßigkeit, Enthaltsamkeit und Christentum. 5. Auflage. Deutschlands Großloge II des J. O. G. T., Hamburg, 1902.

8. Über den Trinkzwang beim Broterwerb. 4. Aufl. Deutschlands Großloge. 1903. 10 Pf.

9. Unsere Trinksitten in ihrer Bedeutung für den Eisenbahner und das reisende Publikum. 2. Auflage. Deutschlands Großloge II des J. O. G. T., Hamburg, 1903. 25 Pf.

10. Die Bedeutung der modernen Alkoholfrage für den deutschen Kaufmannsstand. 2. Auflage. Deutschlands Großloge II des J. O. G. T., Hamburg, 1903. 50 Pf.

11. Der Giftbaum des deutschen Volkes. 3. Auflage. Deutschlands Großloge II des J. O. G. T., Hamburg, 1903. 10 Pf.

12. Die Alkoholfrage in ihrer Bedeutung für die ärztliche Praxis. 2. Auflage. Osiander'sche Verlagsbuchhandlung, Tübingen, 1904.

13. Die Zustände in der Unterelbe u. ihren Nebenflüssen im Jahre 1911. Kommissionsverlag Gebrüder Lüdeking, Hamburg, 1912.

14. Die Klagen der deutschen Binnenfischer über die zunehmende Verunreinigung unserer Gewässer. Kommissionsverlag Gebrüder Lüdeking, Hamburg, 1912.

15. Die soziale Frage als Bergkristall betrachtet. Ein Wegweiser im Kampf um die Ideale. Vortrupp-Verlag, Hamburg, 20 Pf.

Soeben erschien von dem Verfasser von »Im Kampf um die Ideale«:

Heimstätten für unsere Helden

Ein Mahnruf an alle Vaterlandsfreunde von Sanitätsrat +Dr.+ ~Georg Bonne~, Oberstabsarzt d. R. 128 Seiten. Preis M. 1.80.

Vom Bund deutscher Bodenreformer den Mitgliedern des deutschen Reichstages überreicht.

Mehr Nahrungsmittel!

Praktische Lehren des Weltkrieges über die Notwendigkeit der Harmonie zwischen Hygiene und Volkswirtschaft von Sanitätsrat +Dr.+ ~Georg Bonne~, Oberstabsarzt d. R. 208 Seiten. Preis brosch. M. 4.--, gebunden M. 5.--

Osterglocken, Heimatklänge, Suchende Liebe

Dichtungen von ~Georg Bonne~. 243 S. Preis steif brosch. M. 2.80.

Lieder der Arbeit

Von ~Georg Bonne~. 32 Seiten stark geheftet Preis 50 Pf.

Vorwärts mit Gott!

Von ~Georg Bonne~. Lieder an mein Volk. Steif geheftet Preis 50 Pf.

Der Tempel der Schönheit

Schauspiel in drei Aufzügen von ~Georg Bonne~. Neue, für die Bühne bearbeitete Auflage. Preis M. 1.50.

Die Zeitschrift »~Bühne und Welt~« schreibt in der Nummer vom 1. Mai 1914: Das vorliegende dramatische Gedicht in drei Akten steht hoch über dem Durchschnitt. Es ist die Schöpfung eines echten Dichters und Dramatikers nach Handlung und Charakteristik. W.