Entstehung und Ausbreitung der Alchemie, mit einem Anhange

Part 68

Chapter 683,465 wordsPublic domain

Die Geschichte der Bronze, der Legierung von Kupfer und Zinn, ist auf das Innigste mit jener dieses letzteren Metalls verknüpft, auf die jedoch aus verschiedenen Gründen erst weiter unten des näheren eingegangen und daher an dieser Stelle nur hingewiesen werden kann.

Die Erfindung der Bronze, sei sie anläßlich zufälligen gemeinsamen Verschmelzens von Kupfererzen und Zinnstein, oder von fertigem Kupfer und Zinn gemacht worden[5858], setzt jedenfalls gewisse metallurgische Erfahrungen voraus, namentlich solche im Darstellen und Gießen des Kupfers, und zwar eines ziemlich reinen[5859], -- wenngleich es unmöglich ist, ihr, mit ~Kahlbaum~ und ~Hoffmann~[5860], schon die klare Absicht unterzulegen, den hohen Schmelzpunkt des Kupfers (1135°) durch den niedrigen des Zinns (228°) auf den mittleren der Bronze (900°) herabzudrücken. Sie einem einzigen bestimmten Volke zuzuschreiben, etwa den Ägyptern[5861] oder den Phöniziern[5862], erweist sich als unzulässig, vielmehr scheint sie an mehreren, wenn auch nur wenigen Punkten selbständig gemacht und dann von diesen aus allmählich weiter verbreitet worden zu sein[5863], wobei sich zwar Vorderasien, Europa und Afrika als zusammengehörig ergeben, ein völlig gemeinsamer Herd aber selbst für die +alte+ Welt so gut wie undenkbar erscheint[5864]. Auch im vorliegenden Falle mahnt nämlich die +neue+ zur Vorsicht in allen weitgehenden Schlüssen, denn „in beiden Hemisphären findet sich die Kunst dieser Legierung“, wie bereits ~Humboldt~ hervorhob[5865]: so besaßen die Mexikaner, bei denen ~Cortez~ Zinn in großen Mengen gewinnen und an Geldes Statt benützen sah[5866], auch bronzene Geräte und Werkzeuge, 94% Kupfer und 6% Zinn enthaltend, und waren im Gusse größerer und großer Gegenstände wohlerfahren[5867]; die Peruaner, bei denen sich auch Wagen und Gewichte vorfanden, die in Mexiko fehlten, verstanden ebenfalls, Bronze mit 6% Zinngehalt herzustellen und zu gießen, und wandten sie zu den mannigfaltigsten Zwecken an, obwohl ihnen das Eisen nicht mehr unbekannt war[5868]; endlich bedienten sich auch einige, jedoch nicht alle Völkerschaften Chiles, vermutlich von Peru aus beeinflußt, neben der kupfernen auch bronzener Schmucksachen, Werkzeuge, Geräte und medizinischer Instrumente[5869].

Für die oben erwähnte Vermutung ~Smiths~, die Bronze sei in +Ägypten+ erfunden worden, lassen sich zureichende Gründe nicht vorbringen, dagegen kannte man sie daselbst in weit früherer Zeit, als ~Gsell~ annahm[5870], nämlich schon unter der Regierung der Thiniten und der ersten Königsdynastien[5871], also etwa seit 3000; um 2500 war sie bereits verbreiteter[5872], und dem alten Reiche scheint auch ein aus Kupfer gegossenes Gefäß anzugehören, das schon ein mittels eines Bronze-Plättchens verlötetes Loch aufweist[5873]. In einem Gedichte aus der Zeit um 2000 ist von „Riegeln aus Bronze an Türen aus Kupfer“ die Rede[5874], und spätestens um 1500 verstand man den Hohlguß auch größerer Stücke und Statuen[5875], der jedenfalls eine lange andauernde Übung voraussetzt. Die Frage, ob die Bronze, als deren Namen thisd, thesed, aber auch chesmen angegeben werden[5876], sowie die Bronze-Technik, den Ägyptern aus einem bestimmten Lande des Orients zugekommen sei, aus welchem, und namentlich aus oder über Cypern, muß vorerst unentschieden bleiben, ebenso wie die nach der Herkunft des zu ihrer Darstellung erforderlichen Zinns. Tatsache ist, daß dieses anfangs nur in sehr kleiner Menge vorhanden war[5877]: der Gehalt beträgt bei den ältesten Bronze-Funden (um 3000) nur 1-2%[5878], bei den etwas jüngeren (um 2500) schon 6%[5879], und steigt dann rasch auf die normale Höhe von 10-12%, die im 2. Jahrtausend bereits die gewöhnliche ist[5880]. Die Fundstücke umgekehrt, auf Grund ihres Zinngehaltes, einem bestimmten Zeitalter zuzuteilen, ist aber im Einzelfalle ganz unzulässig, da man zinnarme Bronzen auch in späterer Zeit weiter erzeugte, ferner aber auch Bronze-Gegenstände, wahrscheinlich aus religiösen Gründen, zu gewissen Zwecken, z. B. als Grabbeigaben, nicht anwandte, diese vielmehr (noch um 1500) ausschließlich aus reinem Kupfer anfertigte[5881]. In älteren, gegossenen Bronze-Gegenständen findet sich nicht selten ein merklicher, zwischen 6 und 12% schwankender Zusatz an Blei, offenbar weil dieses die Verflüssigung und Handhabung der Legierung erleichtert[5882], während jüngere, geschmiedete, zuweilen 1-2% Eisen enthalten, das vermutlich aus den benützten Kupfererzen herstammt und ihnen eine bedeutende, aber zur Bearbeitung der Hartgesteine doch nicht ausreichende Härte verleiht[5883]. Mit was für Werkzeugen die Ägypter Granit, Syenit, Diorit und Basalt meisterten, ist noch strittig; ein Härten der Bronze nach Art des Stahles, durch Abschrecken in Wasser oder Öl (διά τινος βαφῆς), von dem ~Proklos~ und einige Spätere fabeln[5884], darf für ausgeschlossen gelten, die Bereitung einer Art Phosphor-Bronze mittels phosphorhaltiger Beigaben ist unbewiesen und unwahrscheinlich[5885], und ein Zusatz von 22-30% Zinn macht die Bronze zwar stahlhart, aber auch äußerst spröde[5886]. Da indessen ägyptische Prägestempel des 6. Jahrhunderts v. Chr. von gerade dieser Zusammensetzung vorliegen[5887], die Sprödigkeit zum großen Teil durch Ausglühen zu beheben ist[5888], ferner sehr harte Instrumente, z. B. medizinische, durch anhaltendes starkes Hämmern hergestellt werden können[5889], endlich aber auch bronzene Feilen aufgefunden wurden[5890], so scheint die Existenz einer Hartbronze doch noch keineswegs ausgeschlossen; weitere Untersuchungen müssen Aufklärung darüber bringen, ob bei ihrer Gewinnung mechanische Behandlungsweisen die Hauptrolle gespielt haben, chemische Beimischungen (unter denen auch noch das Arsen zu berücksichtigen wäre), oder beide.

Den +Sumerern+ war die Bronze schon gegen 3000 gut bekannt, da die ältesten Schichten zu Telloh (um 2900) zahlreiche bronzene Ringe, Äxte und Götterbilder aufweisen[5891], aus der nämlichen Zeit ein prächtiger Stierkopf in Bronze herrührt[5892], und aus der nur wenig jüngeren des Königs ~Urnina~ (um 2800) zahlreiche Bronzefiguren vorliegen[5893], sowie Bronzestifte von Rollsiegeln[5894]. Um 2700 tragen die Krieger auf der sog. Geier-Stele des ~Eannatum~, Sohnes des ~Entemena~, mit Metallbuckeln beschlagene Schilde, Lederhelme mit Metallrändern, sowie Lanzen mit zweischneidigen Metallspitzen, und das Metall scheint Bronze zu sein[5895]; eine ganze Anzahl kleiner, sehr gut gearbeiteter Bronzefiguren sind nur etwa 30 Jahre nach dieser Stele angefertigt[5896]. Unter der Regierung ~Gudeas~, der zu den „Königen von Sumer und Akkad“ gehört[5897], etwa um 2300, stand die Verarbeitung von Gold, Kupfer, Zinn und Bronze auf einer hohen Stufe, und letzteres Metall wird auch in Inschriften und Zaubersprüchen erwähnt[5898]; auffälligerweise erteilen die Sumerer in dieser Periode den Göttergestalten nicht mehr den Typus ihres eigenen Volkes, sondern jenen der Semiten[5899], von denen sie anscheinend auch die Verbindung der Götter mit den Gestirnen sowie mit dem Lebenswasser übernahmen, -- wie denn auch auf dem Siegel ~Gudeas~ ein sitzender Gott Vasen hält, aus denen das Wasser des Lebens hervorsprudelt[5900]. Im Zeitalter ~Hammurabis~, um 2000, war die Bronze längst allgemein bekannt[5901], und im 16. Jahrhundert bilden bronzene Rüstungen und Waffen einen Gegenstand der Ausfuhr nach Syrien[5902]. Wie bei den Bronzen Ägyptens, so ist im allgemeinen auch bei denen Babyloniens und Assyriens der Gehalt an Zinn anfangs sehr gering, oft nur 0,1-0,3%, steigt dann auf 3-5 und später auf 10-12, zuweilen auch auf 16-20%, und wird nicht selten von einem solchen an Blei (3-7%), Antimon (4%), Eisen (2-4%,), Arsen (0,6%) und etwas Nickel begleitet, die, mit Ausnahme des Bleies und vielleicht des Antimons, wohl sämtlich aus dem benützten Rohkupfer herrühren[5903]. Bestimmte Anhaltspunkte über das Alter einzelner Gegenstände liefert aber der Zinngehalt auch hier nicht, so z. B. fand ~Berthelot~ in einigen Stücken aus dem 2. Jahrtausend 10-12% Zinn, in jüngeren (Anfang des 1. Jahrtausends) 11%, in noch jüngeren (um 800) 8,5%, aber auch 14-20%, neben 3,5-7% Blei und 2-3% Eisen oder Nickel[5904]. -- Was die Frage betrifft, ob das Land der Sumerer als die (oder doch als eine) Ursprungsstätte der Bronze anzusehen sei, so ist zu bemerken, daß +allein+ dieses Volk neben dem Worte für Kupfer, urudu, noch ein besonderes für Bronze besitzt, zabar, das „feurigrot, glänzend“ bedeutet; in einem zweisprachigen Hymnus an ~Gibil~, den Gott des Opfer-, Herd- und Welt-Feuers, den Lehrmeister der Schmiede[5905], heißt es: „Du bist es, der Gold und Silber läutert; Du bist es, der Kupfer (urudu) und Zinn (anna) mischt“[5906], und in diesen Versen wird unleugbar dem Gotte die Erfindung der Legierung zugeschrieben[5907]. Sollte aber wirklich „anna“ ursprünglich nicht Zinn, sondern Blei bedeutet haben[5908], so läge die Vermutung nahe, daß die Blei-Bronze, -- es sei hier nur an die Statue des Königs ~Bur-Sin~ von Ur (um 2600) mit 18% Blei erinnert[5909] --, älter ist als die Zinn-Bronze, und daß der anfängliche Zusatz ein solcher von Blei war, das erst späterhin durch Zinn ersetzt wurde. -- In jüngerer babylonischer Zeit führt die Bronze auch andere Namen, so z. B. weihte ~Nebukadnezar~ II. (um 600) einer Göttin je zwei Hunde aus Gold, Silber und Bronze, für welche Metalle die Bezeichnungen hurasu, kaspu, und eru oder namru stehen, d. h. „glänzendes Kupfer“[5910]. Ob der ältere Name zabar in dem noch bei den späteren Arabern gebräuchlichen zafar, zafr, safr, fortlebt[5911], ist fraglich.

In der +Ägäis+ soll nach ~Karo~ das Kreta der frühminoïschen Periode (3. Jahrtausend) Bronze noch nicht, und das der spätminoïschen (2. Jahrtausend) anfangs nur spärlich, reichlicher erst seit etwa 1600, besonders aber seit 1500, besessen haben[5912]; nach ~Meyer~ ist aber Bronze schon zu Beginn des 3. Jahrtausends bekannt[5913] und nach ~Forrer~ bald nach dessen Ende in Knossos nicht selten[5914]. Das nämliche gilt nach den zuletzt genannten Autoren von Cypern, woselbst jedoch die Bronze-Gegenstände noch lange Zeit hindurch die Formen der kupfernen festhalten und sich neben diesen nur sehr allmählich Bahn brechen[5915]. Auch die Cykladen sind, entgegen ~Karos~ Ansicht[5916], um 2500 schon reich an Bronze-Geräten, -Gefäßen und -Waffen; nur die Spitzen der dortigen Pfeile sind nicht aus Bronze gefertigt, sondern aus dem Obsidian der vulkanischen Insel Melos[5917].

Zu +Troja+ findet sich Bronze, wenngleich vereinzelt, schon in sehr tiefliegenden Schichten, und ist anfangs arm an Zinn[5918]; um 2500 ist bereits viel Bronze und solche von 8-11% Zinngehalt vorhanden[5919], um 2000 treten Schmucksachen (auch gelötete) und getriebene Gefäße auf[5920] und um 1500, in der sog. homerischen Schicht, mannigfaltige Geräte und Waffen[5921].

Das +mykenische+ Zeitalter (um 2000) war mit der Verarbeitung der Bronze durchaus vertraut, namentlich auch mit der Herstellung größerer Gegenstände in Hohlguß[5922]; der Gehalt an Zinn ist sehr wechselnd, kaum 1% bei einem Kessel aus Mykene[5923], 5,5% bei einem Schwert und 9,5% bei einem Szepter (?) ebendaher[5924], dagegen 10-13% bei Fundstücken aus Tiryns[5925]. Nach einigen Forschern waltet hierbei der Zufall, nach anderen sollen die zinnreichen Geräte durch die Phönizier eingeführt sein[5926]; die Herstellung kleinerer Gußsachen dürften diese schon sehr frühzeitig verstanden haben, und jedenfalls reichte ihre Erfahrung aus, um ihnen im 11. Jahrhundert den Guß der gewaltigen Bronzesäulen vor dem Tempel zu Gades (der sog. Säulen des ~Herkules~) zu ermöglichen, und im 10. Jahrhundert den der Prunkstücke im Tempel ~Salomons~, wobei sie Tonformen benützten[5927]. Unter mykenischem Einflusse standen auch die Inseln des östlichen Mittelmeeres sowie Sizilien[5928]; betreffs ersterer ist dem weiter oben Gesagten noch hinzuzufügen, daß in Cypern die einheimischen Erzeugnisse auch während dieser Zeit noch die alten Formen beibehielten und daher durchaus archaisch erscheinen[5929], während sich in Kreta starke babylonische Einflüsse geltend machten, deren Spuren auch die Bronze-Barren von ¼, ½ und 1 Talent babylonischen Gewichtes verraten[5930].

Unter den +Griechen+ lernten die Bronze zuerst jedenfalls jene Kleinasiens kennen, woselbst man gegen Ende des 10. Jahrhunderts z. B. in Ephesus schon Zahlbarren (ohne Prägung) in Gold, Silber, Elektron, Bronze und Blei besaß[5931] und wo auch der Hohlguß um diese Zeit längst in Anwendung stand, so daß dessen „Erfinder“, ~Theodoros~ und ~Rhoikos~ von Samos (6. Jahrhundert), von denen ~Pausanias~ und andere erzählen, in Wirklichkeit wohl nur die Verbreiter waren[5932]. Das nämliche gilt betreffs der Bronze selbst, die nach den „Wunder-Geschichten“ des ~Pseudo-Aristoteles~ ein Lyder ~Skythes~, nach ~Theophrastos~ ein Phryger ~Delas~, und nach den „Fabulae“ des ~Hyginus~ der Phönizier ~Kadmos~ zu Theben zuerst bereitet haben soll[5933]. Auch von der Erfindung durch die im Ida-Gebirge hausenden Daktylen berichten ältere Sagen[5934], doch ist es unzutreffend, daß dieser bereits ~Homer~ gedenke; bei ihm bedeutet χαλκός (Chalkós) bald Kupfer, bald Bronze, die dem geschilderten Zeitalter wohlbekannt ist und als φαεινός (glänzend), αἶθοψ (funkelnd), νῶροψ (blendend) bezeichnet wird[5935]. Wann die +europäischen+ Griechen zuerst von ihr Gebrauch machten, läßt sich nicht bestimmt angeben, doch fehlt sie z. B. noch in den tiefsten, bis in das 2. Jahrtausend zurückreichenden Schichten Olympias[5936]; auf frühzeitiges erstes Auftauchen deuten die Sagen vom ehernen Zeitalter, sowie die Anschauungen, daß Bronze als das ältere Metall sich auch besser und edler erweise als Eisen, für kultische und daher auch für medizinische Anwendungen den Vorzug verdiene, den Göttern wohlgefällig sei, ihre Stimme in seinem Klange wiedertönen lasse, die bösen Geister und Gespenster vertreibe, Zauber und Zauber-Wirkungen breche, u. dgl. mehr[5937]. Die Darstellung der Bronze aus Kupfer und Zinn, sowie ihre Eigenschaften, waren zwar spätestens im 5. Jahrhundert ganz allgemein bekannt, -- ~Empedokles~ (gest. 444) erwähnt ihrer, und ~Aeschylos~ (gest. 456) sagt, „das Erz ist ein Spiegel des Körpers wie der Wein einer der Seele“[5938] --, aber über ihr Wesen als Legierung kam man nicht ins klare; noch ~Aristoteles~ war, wie schon weiter oben ausführlich erörtert, der Ansicht, daß das Kupfer durch Zinn etwa ebenso zu Bronze „gefärbt“ werde, wie durch Galle zu „Gold“, und daß das Zinn sich völlig auflöse und im Kupfer verschwinde, wobei es dieses hart, rein, glänzend mache und „färbe“[5939]. Die griechischen Erzgießer und Künstler verstanden es, der Bronze durch allerlei Beimischungen die verschiedensten Farbentöne zu erteilen (s. das aes hepatizon, graecanicum usf. bei ~Plinius~)[5940], und dies trug vielleicht dazu bei, die aristotelische Lehrmeinung zu bestätigen und zu festigen, so daß sie als übliches Schulbeispiel dauernd in jedermanns Munde blieb, wie denn z. B. noch ~Plutarch~ (48-125) sie bei jeder Gelegenheit immer wieder vorbringt[5941].

In +Etrurien+ weisen schon die älteren Nekropolen, sowie die wiederholt erwähnten Grabstätten zu Villanova und Felsina (Bologna) viel Bronze auf[5942], die ursprünglich gegossen, sehr frühzeitig aber auch schon getrieben wurde, derart, daß die ältesten Tonwaren des Landes sich als Nachahmungen solcher getriebener Bronzegefäße zu erkennen geben[5943]; diese besitzen einen eigenartigen Stil, den die Phönizier mindestens seit dem 15. Jahrhundert nicht mehr tiefer beeinflußten[5944], und sind an ihm meist mit Sicherheit kenntlich, z. B. im Norden, wohin sie bereits in alter Zeit ihren Weg nahmen[5945]. Die auch für den vorliegenden Fall bedeutsame Frage nach orientalischen, insbesondere babylonischen Beziehungen der Etrusker, für die unleugbare religiöse Anhaltspunkte vorliegen sollen (Zauberwesen, Aberglauben, Leberschau)[5946], ist, ebenso wie die nach ihrer orientalischen Herkunft und nach der Stellung ihrer Sprache, vorläufig noch strittig und nicht spruchreif. -- Bei den +Römern+, deren Glauben und Aberglauben so vielfach an den etruskischen anknüpft, ist die kultische Bedeutung der Bronze bemerkenswert, so z. B. dürfen sich die Flamines genannten Priester gelegentlich gewisser Opfer nur tönerner Gefäße, wollener Kleider mit Erzspangen und bronzener Geräte bedienen[5947]. Noch um 300 v. Chr. stand die Bronze so hoch im Preise, daß unter den Geschenken, die ~Fabricius~ den Samniten wieder zurücksandte, außer fünf Sklaven und fünf Pfunden Silbers auch zehn Pfunde Erz aufgezählt werden[5948]. Im Laufe des 2. Jahrhunderte wurde Campanien, und ganz besonders die Stadt Capua, zum Hauptsitze einer ausgedehnten Bronze-Industrie, namentlich auch Kunst-Industrie, die seither, zumeist aber vom Beginne der Kaiserzeit an, ganz Italien sowie die Provinzen mit ihren Erzeugnissen versorgte, u. a. mit Spiegeln, deren beste, die Brundisium (Brindisi) lieferte, etwa 30% Zinn, zuweilen auch etwas Blei (5-6%) enthielten[5949]; anderen Bronzewaren wurde jedoch, besonders in späterer Zeit, viel mehr Blei beigemischt.

In +Mitteleuropa+ ist, wie schon oben erwähnt, bereits während der jüngeren Steinzeit ein Handel anzunehmen, der sich auf Feuersteine, Steinwerkzeuge, Tongeräte und primitiven Schmuck, vor allem Bernstein, erstreckte, gegen Ende der Periode aber auch Muscheln des Mittelmeeres, Glasperlen, Kupfer in Barren und Doppeläxten, Gold, Zinn und Bronze umfaßte[5950]. Die sog. Bronzezeit setzt in Mitteleuropa um 2000 ein, erstreckt sich in mehreren Stufen bis zu dem nicht überall gleichzeitig (etwa zwischen 1000 und 600) erfolgenden Eintritte der Eisenzeit, dauert aber auch während deren älteren (sog. Hallstädter) und jüngeren (sog. La Tène-)Abschnittes weiter fort, -- die Grenze beider bildet ungefähr das Jahr 400 --, und endigt vollständig erst um 100 v. Chr.[5951]; im nördlichen Europa beginnt sie erst gegen 1700 und währt bis etwa 50 v. Chr.[5952]. Da gerade jene Gegenden Mitteleuropas, in denen sich die Bronzezeit am reichsten entfaltete, damals weder Kupfer noch Zinn erzeugten[5953], das Zinnland Britannien aber keine Bronze besaß[5954], so fanden die Behauptungen einiger Gelehrten, z. B. ~Wilsers~[5955], von einer selbständigen Erfindung der Bronze in Mittel- oder Nordeuropa bisher keinen Anklang in der Wissenschaft; die allgemeine Meinung geht vielmehr dahin, daß der Gebrauch der Bronze aus dem Südosten des Weltteils, woselbst sie zuerst bekannt war, sich allmählich nach Mittel- und von da aus nach Nordeuropa ausgebreitet habe[5956]. Träger dieser Verbreitung, die um 2000 nachweisbar wird, aber erst einige Jahrhunderte später ihren Höhepunkt erreicht, waren anfangs Tauschhändler, durch deren Tätigkeit die besondere Wichtigkeit des Bernsteins, auf die schon weiter oben aufmerksam gemacht wurde, sichtlich zutage tritt[5957], später wohl auch wandernde eigentliche Erz-Händler und -Arbeiter, aus deren Händen die in den ältesten Pfahlbauten vorgefundenen bronzenen Geräte und Schmucksachen herrühren dürften[5958]. Diese wurden also zunächst in fertiger Gestalt eingeführt, und zwar offenbar von wenigen gemeinsamen Ausgangspunkten her[5959], wobei als erste Hand, anscheinend bis gegen 1500, kretische, nachher aber phönizische Vermittler ins Spiel kamen, so daß sich hieraus das Auftreten von Ringen, Barren und Geräten anfänglich kretischen, später aber (bis in die ältere Hallstädter Zeit hinein) phönizischen Gewichtes genügend erklärt[5960]. Jedenfalls „zehren die Funde aus der Bronzezeit überall vom Einflusse des Ostens und der Ägäis“[5961], und für ihren einheitlichen Ursprung zeugen die fast allerorten gleichmäßigen Formen, Verzierungen und Mischungsverhältnisse[5962]. Die ältesten weisen einen geringen Zinngehalt auf, doch steigt dieser alsbald auf den regelmäßigen von 10-12%[5963], während Blei gänzlich zu fehlen pflegt[5964]. Wann das für die allgemeine Verbreitung ausschlaggebende Gießen an Ort und Stelle begann, -- zunächst wohl durch die fremden Händler und Wanderarbeiter, nachher auch durch Einheimische --, läßt sich genauer nicht feststellen, um so mehr als fürs erste nur kleine Gegenstände in Frage kamen, die teils aus eingeführten Barren, teils aus Bruchstücken oder Resten angefertigt wurden[5965]; auf einen frühen Anfang solcher Bemühungen deutet aber die Benützung von Gußformen aus einheimischen Gesteinen, sowie die beharrliche Nachahmung der Gestalten von Stein- und Kupfergeräten[5966], die namentlich im Norden bis in späte Zeiten hinein andauert, obwohl man zu diesen auch dort schon verhältnismäßig vollendete Gegenstände anzufertigen verstand, wie Wagen, Wagenräder mit Speichen, u. dgl.[5967]. Im Laufe des 2. Jahrtausends schreitet die Gußtechnik jedoch allenthalben erheblich fort[5968]; ihr schließt sich die Treibarbeit an, die fraglos südlichen Vorbildern nacheifert[5969], und zuletzt, wohl erst seit Beginn der Eisenzeit (etwa um 1000), folgt das Schmieden, als jüngste der Künste[5970].

Über den Bahnen, auf denen die Kenntnis der Bronze nach Mitteleuropa gelangte, schwebt noch Dunkel. Zwischen der Ägäis und der ostkarpathischen Ebene walten zwar sehr alte, bis gegen 2500 zurückreichende Zusammenhänge, sie brechen aber bald nach dieser Zeit jäh ab[5971] und ob sie sich wirklich später erneuerten und zu einer Benützung des Weges Donau-aufwärts Anlaß gaben, bleibt ungewiß. Unter den westlichen Pfaden gilt als der wichtigste der längs der Rhone aufwärts bis in das Quellgebiet des Rheins und weiterhin der Donau, und dann wieder diese Flußläufe abwärts führende, doch läßt die genauere Erforschung dieses Hauptzuges noch ebensoviel zu wünschen übrig wie die seiner Verzweigungen, besonders der auf französischem Boden vorauszusetzenden; sehr auffällig sind die Bronzen der Charente, die zeitweise ebenfalls bis 3% Arsen (aus dem Kupfer herrührend) enthalten[5972], sowie einige sog. Depotfunde, z. B. die von Bonneville (um 1000?), die neben 7% Zinn bis 5% Blei und zuweilen auch Antimon führen[5973]. Was endlich die jüngeren etrurischen Einflüsse anbelangt, so soll sie ~Genthe~[5974] nach manchen Richtungen überschätzt haben, ob aber in so hohem Grade wie ~Partsch~ und einige andere Forscher behaupten[5975], bleibt fraglich.

Ein durchaus selbständiges Entstehungs- und Verbreitungsgebiet der Bronze ist, soweit sich dermalen übersehen läßt, das ostasiatische, u. a. das indische, malayische und chinesische. In +China+ erfanden nach „uralten Überlieferungen“ heilige Männer den Nutzen des Feuers und verfertigten mit seiner Hilfe Gefäße aus Kupfer und Bronzen[5976], deren Bestandteile, Kupfer und Zinn, schon unter der Regierung des völlig mythischen Kaisers ~Yü~ (angeblich um 2200 v. Chr.) von gewissen Völkern neben Gold und Silber als Tribut geliefert wurden[5977]; nach anderen, ebenso alten Erzählungen sollen aber fremde Eroberer vor unvordenklichen Jahren die Kunst der Bronze-Darstellung nach China gebracht haben[5978]. Jedenfalls ist eine erste Blütezeit der Bronzetechnik schon in die Periode 1800-1500 v. Chr. zu setzen und eine zweite in die der Tschou-Dynastie, d. i. 1000-900 v. Chr.[5979]; aus letzterer sind datierte Stücke von ganz außerordentlicher Vollendung erhalten[5980], auch liegen Rezepte über sechs verschiedene Mischungsverhältnisse vor, die den Zinnzusatz auf 20-100% des Kupfers bemessen, niemals aber auf den im Mittelmeergebiete vorherrschenden von 10-12%[5981]. Die ältesten Bronzen, z. B. die im Lössboden gefundenen Gefäße[5982], sollen ausschließlich aus Kupfer und Zinn bestehen[5983] und sich dadurch jenen der Altai-Gegenden und der Tschudengräber anschließen, die gleichfalls 20 und mehr Prozent Zinn zu enthalten pflegen[5984]; spätere Legierungen, darunter bereits die der Glocken, deren Gebrauch in China aber immerhin schon sehr alt ist, weisen dagegen nicht selten auch bis 3% Arsen und Antimon auf[5985].