Part 6
Der +Honig+ ist in der Tat ihre wichtigste Speise, von der sie selbst behaupten, daß sie sich nie so wohl befinden, als wenn sie tüchtig davon essen. Da er ihnen auch meistens reichlich zur Verfügung steht, so betreiben sie damit Tauschhandel und erhalten auf diesem Wege von den Singhalesen, die ihn ebenfalls sehr lieben, ihre eisernen Pfeilspitzen und Beile, sowie Tuch, Kokosnüsse und Reis. Das Einsammeln des Honigs, des Wabenerzeugnisses der Bambara (indischen Felsenbiene), ist recht umständlich. Die Bambara bauen ihre Nester vorzugsweise in den Spalten hoch oben in den Felsen an fast unzugänglich erscheinenden Stellen, zu denen man nur mittels Strickleiter gelangen kann. Bevor die Wedda auf diesen Leitern, die sie sich aus Rotang anfertigen, herabsteigen, lassen sie ein brennendes Bündel grüner Blätter herab, um die Bienen auszuräuchern oder zu betäuben. Sodann steigt einer aus der Gesellschaft auf der schwankenden Leiter hinunter, ebenfalls mit einer schwelenden Masse Blattwerk ausgestattet, während der Schamane der Gemeinde am Rande des Felsens steht und Zaubergesänge an die Geister der Verstorbenen richtet, auf daß sie den Honigeinsammler auf seiner „goldbesetzten Schnur“, wie sie die Leiter benennen, beschützen. Dieser führt außer seinem Feuerbrand noch einen kräftigen, etwa zweieinhalb Meter langen Stock mit vier Zinken, um die Waben loszureißen, (auch wohl einen Pfeil zur weiteren Hilfe) und einen festen Behälter aus Hirschfell zur Aufnahme des Ertrages, beides an einer Schlinge am Unterarm, mit sich. Für gewöhnlich schließen sich alle Gemeindemitglieder zur Gewinnung des Honigs zusammen und verteilen die Beute gleichmäßig ohne Rücksicht auf den, der sich den Gefahren des Einsammelns aussetzte. Die Frauen begleiten ihre Männer zu den Felsen und zu den Spalten, wo die Bambara ihre Nester anlegen; sie halten Fackeln während der Nacht, die man zum Einsammeln bevorzugt, und singen während der ganzen Zeit Lieder.
Die +Religion+ der Wedda ist ein Toten- und Geisterkult. Nach der allgemeinen Annahme wird der Geist eines jeden Verstorbenen (Mann, Frau und Kind) wenige Tage nach dem Tode ein Yaka; wie manche allerdings behaupten, sollen nur Männer dieses Vorzuges teilhaftig werden, die in ihrem Leben sich durch Tapferkeit, Charakterstärke und Geschicklichkeit auszeichneten oder die Macht besaßen, die Geister der Verstorbenen zu beschwören. Diese Geister der Verstorbenen werden insgesamt als Nae Yaku bezeichnet; sie erscheinen den Überlebenden als wohlgesinnte Verwandte und Freunde, sofern sie gut behandelt werden, lassen aber ihren Zorn und Unwillen an ihnen aus und sind ihnen direkt feindlich gesinnt, wenn man sie vernachlässigt. Daher sind die Wedda bemüht, sie sich durch Darbringen von Opfern (Abb. 76 u. 77) geneigt zu machen. Außer den gewöhnlichen Yaku beten die Wedda noch eine Art Obergeister an, die Seelen zweier Brüder, die einst berühmte Jäger waren, Kande Yaka und Bilinde Yaka; nach dem allgemeinen Glauben sollen die Nae Yaku zu diesen gehen, um etwas für ihre überlebenden Angehörigen, im besonderen bei der Ausübung der Jagd, zu erreichen, und ihnen in gewissem Sinne Dienste leisten. Haben die Wedda Unglück auf der Jagd gehabt, dann wenden sie sich mit Bitten an diese großen Geister. Ihre Anrufe bestehen in einem Tanz um einen in die Erde gesteckten Pfeil (Abb. 79); die Tänzer schlagen sich dabei im Takte mit den flachen Händen auf ihre Seiten und rühmen die Tüchtigkeit des Kande als Jäger. Gelegentlich werden auch größere Feste vor Antreten eines Jagdzuges gefeiert. Nach der Schilderung, die Seligmann von einem solchen gibt, wurden zunächst Reis, Kokosnuß und Pfefferschoten mit bestimmten Wildstücken gekocht und in einer Lichtung des Dschungels als Opfer hingestellt. Der Schamane hockte sich davor nieder, wendete sich mit gefalteten Händen an die beiden Kande und Bilinde Yaka (Abb. 81), dankte ihnen für den bisherigen Erfolg, den sie auf der Jagd den Leuten verliehen hätten, und forderte sie schließlich auf, von dem Opfer zu nehmen (Abb. 82). Nach kurzer Zeit, währenddessen die Geister, wie man annahm, sich versorgt hatten, wurde die Speise von den Wedda aufgezehrt. Darauf wurden auf freiem Platze in der Nähe der Höhle drei Stöcke zusammengebunden und auf diese ein tönerner Napf, Kirikoraha, gesetzt und darüber ein Zeremonialpfeil gelegt (Abb. 83). Alle stimmten nun Gebete an die Yaku an, der Schamane tanzte mit dem Pfeil und einer Kokosnuß in den Händen um das Gestell und schlug beides kräftig aneinander, so daß die Kokosnuß zerbrach; die ausfließende Milch ließ er in die Schüssel laufen; dabei sang er gleichfalls Beschwörungsformeln. Aus der Art und Weise, wie die Nuß sich spaltete, weissagte er, ob das nächste Tier, das erlegt werden würde, ein männliches (bei glattem Bruch) oder ein weibliches (bei zackigen Rändern) sei. Nachdem er darauf weitergetanzt und die Teilnehmer ihre Beschwörungsgesänge fortgesetzt hatten, untersuchte der Schamane auch die Milch, indem er sie sich durch die Finger laufen ließ und etwas auf seinen Pfeil schüttete (Abb. 84). Zunächst fiel er nun erschöpft in die Arme eines der Zuschauer, erholte sich aber bald wieder, füllte seine hohle Hand mit Milch und prophezeite unter Erschütterung des Körpers und Luftschnappen einigen der Anwesenden gutes Glück bei der Jagd. Sein aufgeregtes Wesen zeigte jetzt den Teilnehmern an, daß er vom Kande Yaka besessen sei; er kauerte sich zusammen und tat so, als verfolge er in Fußspuren die Fährte eines Tieres (Abb. 85). Darauf erhielt er Bogen und Pfeil und setzte unter großer Aufregung das Aufspüren des Wildes fort, bis er endlich einen Korb, der vor ihm auf die Erde gesetzt worden war, mit dem Pfeil durchschoß. Bald darauf verließ der Geist den Zauberer, und die Zeremonie war zu Ende. Zum Schluß wurde der Inhalt der Kokosnuß, die dem Yaka geopfert worden war, an die Festteilnehmer verteilt; ein jeder bemühte sich, etwas zu erhalten, damit ja nichts davon verloren gehe. Von der Milch wurde etwas den Hunden auf die Köpfe gerieben, damit sie tüchtiger beim Aufspüren und Erfassen des Wildes würden.
Ähnliche Tänze, bei denen es zur Besessenheit kommt, werden zur Heilung von Krankheiten veranstaltet; sie spielen sich um und unter einem laubenartigen Gestell (Kolamaduwa) ab, von dessen wagrechten Stäben Blätterbüschel herabhängen (Abb. 87). Die Feststellung, welcher Yaka die Krankheit verursacht hat, geschieht dadurch, daß der Wedda einen Bogen auf seinen Fingern balancieren läßt und abwartet, bei wessen Namennennung dieser in Schwingungen gerät (Abb. 88).
In gleicher Weise wird der Schutz der Yaku für den guten Verlauf einer +Geburt+ angerufen. Man schlägt drei kräftige Pfosten mit gabelförmig gespaltenem Ende in die Erde und bindet an sie eine Menge Baststreifen an. Zwei Leute, von denen einer der Vater der Schwangeren sein muß (Abb. 86), tanzen zwischen diesen Pfosten umher, die während der Zeremonie den anzurufenden Geistern zum Aufenthalt dienen sollen, und benehmen sich bald darauf wie besessen. Der Vater ergreift einen Stock, der an seinem Ende gleichfalls eine Anzahl Baststreifen trägt, den Wila, fuchtelt mit ihm unter Geschrei in der Luft herum, so daß die Streifen weit weg flattern, nähert sich darauf seiner Tochter, schwingt den Wila über ihren Kopf und hüllt sie für einige Sekunden damit ganz ein, wobei er gleichzeitig das Geschlecht des kommenden Kindes voraussagt (Abb. 89). Darauf nimmt er den Wila wieder fort, schwingt ihn noch einmal, zieht ihn über die Frau nach unten, so daß die Blätter ihren Kopf und Körper streifen, und fegt dann weiter damit über den Erdboden; er tut dies, um die Schmerzen der Kindesnöte von der Schwangeren gleichsam hinwegzuwischen. Damit hört seine Besessenheit auf. Nach einer kurzen Pause geht er noch einmal zu den Baststreifen, die auf einem Haufen daliegen, nimmt ein paar von ihnen in die Hand (Abb. 90) und ruft den Geistern, wobei er noch ihre Anwesenheit voraussetzt, die Worte zu: „Ane! Möge irgendwelches Unheil meinem Kinde dieses Mal nicht widerfahren. Du mußt ihr gestatten zu landen“ (das heißt aus ihrem Meer von Mühsalen zu entkommen).
Die +Kinder+ der Wedda wachsen ohne besondere Erziehung heran; die einzige Beschäftigung, die ihnen systematisch gelehrt wird, ist das Einsammeln des Honigs. Das Nachahmen der Erwachsenen nach dieser Richtung scheint ein beliebtes Spiel der Kleinen zu sein.
Die +sexuelle Moral+ ist bei den Wedda von jeher eine außerordentlich hohe gewesen und ist es auch jetzt noch; sowohl Verheiratete wie auch Unverheiratete sind gewohnheitsgemäß keusch. Die Leute leben streng monogam und halten sich die gegenseitige Treue bis in den Tod. Bei seiner +Werbung+ bringt der junge Mann dem Vater seiner Erkorenen Geschenke in Gestalt von Honig, getrocknetem Wild und Fleisch der Warneidechse dar, dieser ruft seine Tochter herbei und übergibt sie der Obhut ihres Gatten, für den sie sofort ein Gürtelband anfertigt. Bei der +Heirat+ überläßt der Vater meistens seinem Schwiegersohne ein Stück Land, für gewöhnlich einen Hügel, der von einer Kolonie Felsenbienen bewohnt ist, oder er schenkt ihm etwas aus seinem persönlichen Besitze, wie einen Bogen oder ein bis zwei Pfeile, auch wohl einen Hund. Ein anderer Brauch, der jetzt bereits im Schwinden begriffen ist, besteht darin, daß der Bräutigam zugleich mit den Eßwaren für den Vater des Mädchens diesem eine Haarlocke überreicht, die entweder von seiner Schwester oder von ihm stammen muß. Es war dies früher allgemeine Sitte und gehörte gleichsam zur Hochzeitszeremonie; unterließ der Bräutigam dieses Geschenk, so konnte das Mädchen darauf bestehen, daß sie eine Haarlocke erhielt. Anderseits aber war es auch Pflicht der Schwester des Bräutigams, sich für diesen beziehungsweise seine Braut eine Haarlocke abschneiden zu lassen, wenn sie wußte, daß es sich dabei um eine Hochzeitsgabe handelte. Nur wenn die Schwester zufällig fort oder überhaupt nicht vorhanden war, mußte der junge Mann die Locke seinem eigenen Haar abschneiden. Der Grund für diese eigentümliche Sitte ist ein ganz prosaischer. Bei den Wedda ist es allgemein üblich, daß die Frauen, aber nur die verheirateten, falsche Haare tragen, angeblich, damit der Haarknoten recht kräftig aussehen soll. Diese Erklärung erscheint aber recht unwahrscheinlich für ein Volk, das so herzlich wenig Wert auf sein Äußeres legt, wie die Wedda.
+Witwen+ dürfen sich wieder verheiraten, gewöhnlich verbinden sie sich mit einem unverheirateten Bruder des verstorbenen Mannes, sofern dies möglich ist. Auch ihre sexuelle Moral steht ebenso hoch wie die der unverheirateten Mädchen. -- Auffällig ist, daß bei den Wedda sich Kinder von Bruder und Schwester, also Cousin und Cousine über Kreuz heiraten dürfen, eine Verbindung, die anderwärts für Blutschande gilt.
Trotzdem die Religion der Wedda in einem Totenkult gipfelt, machen sie mit ihren +Verstorbenen+ keine besonderen Umstände. Stirbt jemand, so bleibt sein Körper einfach in der Höhle oder unter dem Felsenspalt liegen, wo der Tod eintrat; die Leiche wird weder gewaschen noch bekleidet oder in irgend einer Weise geschmückt, man läßt sie auf dem Rücken liegen und deckt sie nur mit Blättern und Zweigen zu; in früheren Tagen wälzte man noch einen Stein auf die Brust, jedenfalls um zu verhindern, daß die Seele austrete und die Überlebenden belästige. So schnell wie möglich wird die Höhle von den Angehörigen verlassen und für längere Zeit gemieden. Nach Jahren pflegen die Söhne zumeist wieder zu dieser Stätte zurückzukehren und die etwa noch vorhandenen Knochen einfach in den Dschungel zu werfen. -- Um die Geister gut zu stimmen, hält man es gewöhnlich für notwendig, den Verstorbenen eine Opfergabe, meistens ein bis zwei Wochen nach dem Tode, darzubringen; dieses Opfer muß aus gekochtem Reis und Kokosnußmilch, häufig auch noch aus Betelblättern und Arekanuß bestehen. In jeder Gemeinde gibt es wohl immer einen Schamanen, der die erforderliche Macht und die Kenntnisse besitzt, um die Geister, die Yaku, anzurufen; er fordert die kürzlich Verstorbenen auch auf, zu kommen und das ihnen dargebotene Opfer anzunehmen. Der Yaka kommt, nimmt von dem Schamanen Besitz und spricht durch dessen Mund mit heiseren gutturalen Tönen, daß er mit dem Opfer zufrieden sei und sich bemühen werde, den Angehörigen seiner Sippe bei der Jagd behilflich zu sein; oft gibt er ihnen auch an, welche Richtung die Männer beim nächsten Jagdausflug einzuschlagen haben, um Beute heimzubringen. Nachdem die Seele den Schamanen verlassen hat, verzehren die versammelten Hinterbliebenen den Reis, gewöhnlich sogleich an der Stelle, wo sie das Opfer darbrachten.
Die herrschende Klasse auf Ceylon sind die +Singhalesen+, ein aus Nordindien eingewanderter Volksstamm, der zwar bei seinem Erscheinen schon gemischt war, aber im großen und ganzen doch in seinem Äußeren die Merkmale des Hindutypus seines Ursprungslandes bewahrt hatte. Dementsprechend besitzen sie feine, regelmäßige Züge; besonders die Frauen sind manchmal wirkliche Schönheiten (Abbild. 91). Von ihren dunkelhäutigen Mitbewohnern der Insel unterscheiden sich die Singhalesen durch ihre größere Gestalt (die Männer im Durchschnitt hundertdreiundsechzig Zentimeter), eine geringere Pigmentierung der Haut, die ein helles Braun oder hellbräunliches Gelb aufweist, eine größere und schmalere, feinere Nase und reichliches Körper- und Barthaar; schöngepflegte Vollbärte sind keine Seltenheit unter ihnen.
Die Singhalesen +wohnen+ zumeist in +Dörfern+ (Abb. 93) in den Tälern und Falten der Gebirge im Innern, sowie an der Küste; hier größtenteils in besonderen Vierteln der großen Städte.
Ihrem +Charakter+ nach sind die Singhalesen klug, höflich, würdevoll und ernst, auch selbstbewußt; die des Unterlandes aber verweichlicht, schlaff und energielos. Dieser Eindruck wird noch durch ihre +Kleidung+ erhöht. Ein um die Hüften geschlungenes Tuch macht bei beiden Geschlechtern das nationale Gewand aus; es hat bei den Männern verschiedene Länge, je nach der sozialen Rangordnung seines Trägers. Die Singhalesen zerfallen nämlich in eine Reihe +Berufskasten+; die vornehmste Kaste stellen die Goiwansa (die höheren Beamten und Grundbesitzer); es folgen sodann im Range die Karawo (Fischer), die Tschaudo (Palmweinbauern), die Atschari (Handwerker allerlei Art) und so weiter; auf der niedrigsten Stufe stehen die Rodiya (Abb. 92), denen jeglicher Verkehr mit Menschen höherer Klasse verboten ist. Diese Paria dürfen ihr Gewand nur bis zu den Knien, höchstens bis zu den Waden reichen lassen, dagegen die Goiwansa dürfen ein solches bis zu den Knöcheln tragen, was für große Vornehmheit gilt. In den Städten des Unterlandes tragen die Männer außerdem noch eine nach europäischem Schnitt angefertigte Jacke, im Berglande aber gehen sie mit entblößtem Oberkörper einher. Einen besonders weichlichen Eindruck macht die +Haartracht+ der Männer. Ihr langes Haar wird nach hinten zusammengerafft und durch einen halbkreisförmig gebogenen, quer über den Hinterkopf gelegten Schildpattkamm zurückgehalten. Im Oberland, wo diese Tracht nicht üblich ist, wird das Haar durch ein um den Kopf gelegtes Tuch hochgehalten oder bleibt auch ganz unbedeckt. Der Rock der Frauen gleicht dem der Männer; es wird von ihnen gleichfalls ein langes Tuch um den Unterkörper geschlungen, aber es ist so lang, daß es noch den Oberkörper einzuhüllen vermag. Sein Ende wird nämlich über die linke Schulter geworfen und an der Taille wieder unter das untere Stück eingesteckt. Den untersten Kasten ist es verboten, mit dem gleichen Stück auch den Oberkörper zu bedecken; sie müssen hierzu ein besonderes Tuch verwenden. -- Alle Singhalesen bekunden eine große Vorliebe für Schmuck, von dem wohl keine Körperstelle freigelassen wird; Finger, Vorder- und Oberarm, Hals, Ohren, Taille und selbst Fußgelenke und Zehen werden, wenn es die Verhältnisse erlauben, mit Schmuck gleichsam überladen, der nach Möglichkeit aus Edelmetallen (Gold und Silber) sowie aus Edelsteinen und Perlen besteht. Bei festlichen Gelegenheiten wird von den Frauen ein wahrer Prunk entfaltet; wo der eigene Besitz dazu nicht ausreicht, wird der Zierat von guten Bekannten geliehen.
Die Singhalesen sind ein +ackerbautreibendes+ Volk; in den Städten üben sie auch verschiedene Handwerke aus und bekunden hierin einen entschieden künstlerischen Sinn. Die meiste Arbeit im Haus, sowie im Garten und auf dem Felde verrichtet die Frau.
Alle Singhalesen bekennen sich zum +Buddhismus+ (Abb. 94), aber ihre +religiösen Übungen+ umfassen mancherlei Handlungen und Zeremonien aus anderen, niederer stehenden Religionen, unter anderem das Darbringen von Opfergaben, und ein verwickeltes Ritual zur Versöhnung verschiedener Klassen von Teufeln, Yakan genannt, sowie zur Beseitigung schädlicher Einflüsse von seiten der Gestirne oder lokaler Gottheiten, der Geister von Ortshäuptlingen und sonstigen bedeutenden Persönlichkeiten, darunter auch einigen Königen. Dieser Geister muß es eine große Menge geben, denn Listen, von denen man weiß, daß sie unvollständig sind, zählen deren ungefähr hundertzwanzig mit Namen auf. Man hält sie im allgemeinen für wohlgesinnt und wohlwollend, aber oft auch für feindlich und schädlich und bringt ihnen daher Opfer dar. Alle diese Dienste verrichten geschulte Vermittler oder Priester. Unter den heiligen Handlungen, die sie vornehmen, um einen Dämon zu bewegen, daß er von seinem Opfer Abstand nehme, das er mit Krankheit heimgesucht hat, machen verschiedentlich Tänze (Abb. 95 und 96) den Hauptanteil an den Zeremonien aus; in anderen Fällen werden Opfer dargebracht und phantastischer Kopfschmuck und Masken getragen (siehe die farbige Kunstbeilage). -- Wie im übrigen Indien, so werden auf Ceylon für den Tempeldienst besondere Tänzerinnen, die sogenannten Nautschmädchen (Abb. 80), schon von klein auf ausgebildet.