Part 24
Diese Steine, in die der Aufenthalt der Wachtgötter verlegt wird, werden vor Beginn bestimmter Zeremonien mit Rindenbändern umwickelt und mit Öl eingerieben, darauf wird vor ihnen Reis mit Schweineblut ausgestreut.]
+Erkrankt+ ein Bogobo, so wird er in das Haus eines anderen gebracht, damit die bösen Hausgeister ihn aus den Augen verlieren und die guten der anderen Behausung sich seiner annehmen; sobald man aber den Eindruck des bevorstehenden Todes hat, wird der Kranke in sein eigenes Haus wieder zurückgebracht, damit sein Tod nicht die Aufmerksamkeit der bösen Geister auf das Haus des Freundes lenke. Stirbt ein Mensch dennoch im Hause eines anderen, so muß seine Familie für das Unglück, das sein Tod diesem sicherlich bringen wird, eine Buße zahlen. -- Von einer Klasse Geister glaubt man, daß sie die Schatten des Toten verzehren und Macht besitzen, den Lebenden ein Leid anzutun; sie werden manchmal direkt als gleichbedeutend mit den Geistern der Toten betrachtet.
Die +Subanun+ kennen ebenfalls zahlreiche Geister, unter anderen solche der See, der Erde, der Wälder, der Flüsse und Beschützer der Kranken. Ihre +Religion+ beruht auf einer Reihe Offenbarungen, die den +Medizinmännern+ von Zeit zu Zeit zuteil werden. Deren Tätigkeit besteht in dem Verkünden von Orakeln oder Aussprüchen der Geister, mit denen sie zu sprechen vermögen, in Opfern und Gebeten an diese und in der Heilung von Krankheiten. Die bedeutenderen unter ihnen werden hochgeehrt. Man begräbt die Medizinmänner auch nicht, sondern setzt sie unter Schutzdächern aus, da man glaubt, daß sie wieder zur Erde zurückkehren.
Den +Geistern+ werden rohe Altäre errichtet, auf denen man Reis, Hühner, Eier, Betel, Tabak und Reisbier in Krügen darbringt; auch kleine Boote setzt man mit Opfergaben beladen aufs Wasser, wohl in der Hoffnung, daß sie die bösen Einflüsse mit sich fortnehmen möchten. Auch auf +Vorbedeutungen+ legt man Gewicht; auf Grund solcher Verkündigungen wird gelegentlich eine Verlobung wieder aufgelöst oder eine Reise unterlassen, bei anderen das Vorhaben nur aufgeschoben. Viele Zeremonien dienen der Versöhnung der Geister oder ihrer Vermittlung bei unangenehmen Lagen, auch der Förderung der Ernte, dem Schutze des Hauses bei seinem Aufbau und anderes mehr.
Sehr häufig werden +Feste+ gefeiert, zu denen die Vorräte bereits beizeiten gesammelt und die benachbarten Häuptlinge eingeladen werden. Eigenartig ist die Form der Einladung; es werden Rotangstücke überbracht, die Knoten tragen, und zwar so viel, als noch Tage bis zur Veranstaltung des Festes vorhanden sind. Jeden Tag schneidet der Eingeladene einen Knoten ab, und wenn nur noch ein Knoten übrig bleibt, dann weiß er, daß die festgesetzte Zeit herangekommen ist. Haben sich die Gäste versammelt, dann werden alle Waffen beiseite gelegt und der Obhut eines oder zweier Männer übergeben. Vor Beginn des Festes pflegt ein Freund des Festgebers darauf aufmerksam zu machen, daß derjenige, der nicht den erforderlichen Anstand bewahrt, in Strafe genommen wird. -- Bei solchen Festen, die zur Erfüllung eines Gelübdes, daß ein Kranker sich erhole, oder zur Erinnerung an einen Toten, oder zu irgendeinem anderen frommen Zweck veranstaltet werden, errichtet man Altäre, vor denen die Medizinmänner die Zeremonien vollziehen. Die Gäste aber lassen sich dadurch in ihrem Vergnügen nicht im geringsten stören, da sie auf dem Standpunkt stehen, daß die ernste Seite der Feier ausschließlich Sache der Medizinmänner ist.
Wie schon erwähnt, werden die +Leichen+ der Medizinmänner im Freien ausgesetzt; der gewöhnliche Mensch wird in eine Matte gehüllt oder in einen Sarg gelegt und dann in der Erde begraben. Nach dem Begräbnis baden die Angehörigen im Flusse, bevor sie in ihre Wohnungen zurückkehren.
Es erübrigt sich noch der +Moro+ (Abb. 346) zu gedenken, Malaien mohammedanischen Glaubens, die ursprünglich Bewohner der Nordküste Borneos waren, wo sie unter der Bezeichnung Bajau oder Seezigeuner bekannt sind und erhebliche Kreuzungen mit Arabern eingegangen sind. Kurz vor der Entdeckung der Philippinen durch die Spanier nahmen sie von den Suluinseln Besitz und wurden von hier aus durch ihre Raubzüge zur See zu Anfang des vorigen Jahrhunderts eine ständige Quelle des Schreckens für die Bewohner der umliegenden Inseln, deren Besitztum und Frauen ihre Bedürfnisse befriedigen. Daher bekunden sie auch eine Abneigung gegen die Arbeit, zumal sie von früher Jugend ab bereits an die Waffen und die Seeräuberei gewohnt werden. Durch diese ihre Beschäftigung sind sie kriegerisch und furchtlos, selbst grausam geworden, trotzdem heutzutage wenig Gelegenheit für die Ausübung ihres Handwerks sich ihnen bietet, da man sehr auf sie acht gibt. Um ihrem Gewerbe leicht nachgehen zu können, haben sie ihre Wohnungen an der Küste auf Pfählen errichtet; im gegebenen Augenblick können sie von hier aus sofort in ihre Boote gelangen, die dicht vor der Tür vor Anker liegen. Es bedarf keines Hinweises, daß sie tüchtige Seeleute und des Schwimmens kundig sind.
Die Moro sind von kleiner Gestalt, schlank gebaut und doch muskulös; sie sind sehr beweglich und zeigen sehr lebhafte Augen unter einer niederen Stirn in einem kleinen Gesicht. Der Sultan von Sulu ist nominell der Herrscher aller Moro, doch wird seine Autorität auf den außenliegenden Inseln nicht immer anerkannt von denen, die ihm untergeordnete Vertrauensstellen innehaben. In jedem Dorfe nämlich liegt die Führung der Gemeinde in den Händen eines Datu oder Pangiran; daneben aber kommt auch dem Priester eine gewisse Macht zu. Mit der +Religiosität+ des Moro ist es nicht weit her; sie tritt meistens nur dann in Erscheinung, wenn er, vom Leben angewidert oder um ein Gelübde zu erfüllen, Amok läuft und möglichst viele Ketzer umbringt, ehe er mit dem eigenen Leben die Strafe seiner Begeisterung bezahlt. Die Moscheen der Moro sind in schlechtem Zustand, die vorgeschriebenen Fasten werden unregelmäßig eingehalten und sonstige Enthaltsamkeit, die der Islam vorschreibt, wird wenig beachtet, sofern man annehmen kann, daß diese Übertretung nicht bemerkt wird. Der Moro zollt zwar dem Koran große Verehrung, hat aber fast keine Ahnung von seinem Inhalt.
Die Männer tragen Hemden, Jacken und Hosen, dazu eine Schärpe in leuchtender Farbe und Kopf- oder Halstuch, Leute, die eine Wallfahrt nach Mekka unternommen haben, auch einen Turban. Ihre Gewänder sind gleichfalls kunstvoll gestickt und oft aus schwerster Seide hergestellt. Die Männer tragen das Haar herabfallend, die Frauen schlingen es zu einem mehr oder weniger phantastischen Knoten. Eine Eigenart ist das Feilen und Schwärzen der Zähne. -- Besondere Sorgfalt widmen die Moro ihren Waffen, als da sind der Barong, ein kurzes, schweres Hackmesser mit einer scharfen Schneide wie ein Rasiermesser und einem dicken Rücken, sodann der Kris, der Kampilan, ein Schwert mit zwei Griffen, und die Lanze. Diese Waffen sind durchweg aus dem allerbesten Material hergestellt, manchmal prächtig mit Gravierungen und Tauschierung aus Silber verziert.
Die Moro finden anscheinend nicht viel +Vergnügen am Tanz+, dagegen widmen sich ihm viel die Frauen, so bei Hochzeiten und anderen Gelegenheiten. Ihr Tanz kennzeichnet sich durch Bewegungen mit dem Oberkörper, die im besonderen die Arme und Hände ausführen, während die Füße überhaupt nicht in Tätigkeit treten. Die jungen Leute bekunden nur Interesse an einer Art Kriegstanz, den sie mit Schwert und Stock bewaffnet aufführen, und bei dem sie mit besonderer Geschicklichkeit und Schnelligkeit Fechterkunststücke darbieten. -- Die +Musik+, für die die Moro viel übrig haben, soll ihre Lebensweise widerspiegeln, ihr Gesang dem Rollen der See ähneln. Das am meisten gebräuchliche Instrument ist eine Art Xylophon, auf dem die Frauen oft stundenlang
spielen.
An die +Geburt+ eines Kindes knüpfen sich bei den Bewohnern des Suluarchipels einige eigenartige Gebräuche. Bei zögernder Geburt wird durch Spalten von Pinang oder Zerschneiden der Ingwerwurzel darüber Rat eingeholt, was die Ursache hierfür sein könnte, und dementsprechend werden Maßregeln getroffen. Hat die Kreißende zum Beispiel mit ihren Eltern Streit gehabt, so müssen diese sich Gesicht und Hände in einem Gefäß mit Wasser waschen und dabei geloben, nach günstigem Verlauf der Geburt ein Opfer darzubringen. Ein Teil dieses Waschwassers wird der Gebärenden zu trinken gegeben, der Rest über sie ausgegossen. Unmittelbar vor der Abnabelung ruft die Hebamme dem Kinde einen Namen zu und fragt an, ob es so heißen will; gibt es durch einen Ton seine Zustimmung, so behält es diesen Namen, verhält es sich aber ruhig, so wird ein anderer Name ausgedacht. Den abgetrennten +Nabelstrang+ eines Knaben hebt man in einem kleinen Kober auf, der von diesem, sobald er erwachsen ist, um den Hals oder den Bauch getragen wird; derjenige der Mädchen wird sofort begraben. Die +Nachgeburt+ wird mit Asche und Pinangblüten in ein Pinangblatt gewickelt und in eine Kalapanuß gelegt, die man zubindet. Eine der Geburtshelferinnen trägt sie mit bedecktem Kopfe hinaus und begräbt sie dicht bei der Wohnung; unterwegs aber darf sie kein Wort sprechen und niemand Rede stehen; sonst wird das Kind heuchlerisch. An der Stelle, wo die Nachgeburt vergraben ist, pflanzt man einen Gagabaum und zündet dort vier Nächte hindurch Harzfackeln an. Eigenartig ist die +Anerkennung des Kindes+ durch den Vater. Die Hebamme gibt die Erklärung ab, wer der Vater ist. Dieser oder einer der männlichen Blutsverwandten muß dann den Bambussplitter, mit dem die Nabelschnur durchtrennt wurde, an einem Speer befestigen. Diesen steckt der Betreffende dann in einen bestimmten Baum und erkennt durch diese Zeremonie das Kind vor allen Dorfgenossen als sein eigenes an. Der Baum verbleibt Eigentum des Kindes.
Die Polygamie ist allgemein verbreitet, da der Koran mehrere legale Frauen erlaubt. Die Frauen werden meistens gekauft; ihre Stellung ist eine ziemlich hohe. Ihre Heiratsfähigkeit beginnt mit dem dreizehnten Lebensjahr. Auf den Suluinseln soll vor der Landung der Spanier die Homosexualität sehr verbreitet gewesen sein, in dem Maße, daß auf Antrag der Frauen an dem Gliede der geschlechtsreifen jungen Männer eine eigentümliche Operation vorgenommen wurde, durch die jeder gleichgeschlechtliche Verkehr unmöglich gemacht werden sollte.
Malakka oder die malaiische Halbinsel.
Die malaiische Halbinsel, die südöstliche Spitze des asiatischen Festlandes, bildete von jeher die Brücke zwischen dem letzteren, im besonderen Indochina, und den Inseln des Malaiischen Archipels und war somit den Völkerwanderungen, die teils von China, teils von Vorderindien aus im Laufe der Zeiten dieses Gebiet überfluteten, in hohem Grade ausgesetzt. Es kann daher kein Wunder nehmen, wenn wir hier einen richtigen „Völkerbrei“ antreffen, an dem die Malaien, beziehungsweise ihnen verwandte Völker den Hauptbestandteil ausmachen. Indessen bewohnen diese heutzutage vorwiegend die Küstengegenden, während im Innern noch verschiedene Stämme wilder Ureinwohner hausen, vor allem die Semang, Senoi, Sakai (Abb. 350) und Jakhûn oder Jokol. Die Orang ûtan, Lâut, Belenda, Tanggan und andere mehr sind entweder nur Unterabteilungen dieser Völker oder ihnen verwandte Stämme. Die Semang und Senoi weisen überwiegend die charakteristischen Züge der Negrito, also der afrikanischen Grundrasse auf, die Sakai dagegen nähern sich mehr den Australiern und den Wedda, also den Angehörigen der sinoaustralischen Grundrasse; beide Völker sind vielfach miteinander Kreuzungen eingegangen. In den Jakhûn dagegen ist bereits malaiisches Blut vertreten. Alle diese Stämme leben in der Hauptsache von der Jagd, wozu sie kleine Bogen und Pfeile, auch Blasrohre (Abb. 349) mit einem in den Giftsaft des Upasbaumes getauchten Geschoß benutzen, und den Erträgen des einheimischen Bodens (Yams und andere Wurzeln). Ackerbau betreiben sie nicht, wohl aber handeln sie mit Honig, Kampfer, Gummi und anderen tropischen Erzeugnissen. Feste Wohnungen kennen sie nicht; für gewöhnlich hausen sie hinter primitiven Windschirmen, unter Laubdächern, überhängenden Felsen oder Höhlen; aber auch auf Bäumen werden sie angetroffen. Schlagen sie auf ihren Wanderungen ein primitives Lager auf, dann muß ein unverheiratetes Mädchen durch Quirlen Feuer anmachen, um mit gutem Erfolge kochen zu können. Damit man stets dazu bereit ist, trägt jeder Jakhûn das erforderliche Hölzchen am Körper oder auch auf dem Stirnband von Rinde immer bei sich. -- Die Semang erzeugen auch Feuer durch Sägen, das heißt durch Hin- und Herziehen einer Liane über ein Stück Holz.
Die +Kleidung+ der Männer besteht bei den Wildstämmen in einem Gürtel aus mehrfach gewundener Schnur oder in einer Schambinde aus Rindenstoff, bei den Frauen in einer solchen aus zahlreich herabhängenden Schnüren. Wie anderwärts besteht auch bei allen diesen Stämmen lebhafte Neigung, sich mit irgendeinem glänzenden oder farbigen Gegenstande, wie bunten Seemuscheln, Samenkernen und anderem mehr zu schmücken. Außerdem wird der Körper bemalt, jedoch nicht tatauiert. Auch Ohrdurchbohrung (Abb. 351) und Zahnfeilung kommen, von den Malaien übernommen, vor. -- Die Frauen der Semang tragen in ihrem Haar mit eigentümlichen Mustern bedeckte Kämme, aber nicht zur Zierde oder zum Halt für die Haare -- sie besitzen meist nur etwa drei Zähne --, sondern zum Schutze gegen bestimmte Krankheiten, gegen die man die Zeichnungen eingeritzt hat. Jede Frau hat eine große Anzahl dieser Zauberkämme in ihrem Besitz und tauscht sie mit anderen Frauen leihweise aus.
Mit diesen +Zaubermustern+ hat es nämlich eine ganz eigentümliche Bewandtnis. Es sind durchweg geometrische Zeichnungen (Abb. 352) in großer Reichhaltigkeit und Fülle -- man zählt ihrer gegen hundertundvierzig --, die die Semang angeblich schon von ihren Vorfahren überkommen haben. Ihre Bedeutung ist eine zeremonielle; jedes der einzelnen Muster soll eine Krankheit bezeichnen, beziehungsweise eine Blume, durch deren Geruch der Geist dieser Krankheit von dem Träger des betreffenden Gegenstandes abgehalten wird. Mit Vorliebe werden solche Zaubermuster auf den Köchern und Zaubergefäßen, sowie auf den Kämmen angebracht. Außer diesen geometrischen Mustern schnitzt man noch andere Zeichnungen auf den Bambusgegenständen ein, die Menschen, Tiere, Pflanzen, allerdings manchmal in recht schematischer Wiedergabe, veranschaulichen. Diese werden auf Gegenständen angebracht, die gleichsam repräsentativen Zwecken dienen.
Von den verschiedenen Wildstämmen Malakkas stehen die Semang in kultureller Hinsicht am tiefsten; sie sind sicher als bodenständig zu betrachten; höher stehen schon die Sakai, die sich mit ihnen vermischten. Auf der verhältnismäßig höchsten Stufe, bereits auf einer Art Halbkultur, die vielfach von den benachbarten Malaien mit übernommen wurde, stehen die Jakhûn und Belenda. Unser Wissen über diese Wildstämme ist nur ein stückweises.
Wie die Australier stellen sich auch die Semang die +Seele als einen Vogel+ vor und erklären sich die Entstehung des Menschen in der Weise, daß dieser Seelenvogel, der auf den Zweigen eines Himmelsbaumes sitzt, von Kari, dem höchsten Gotte, zur Erde gesandt, hier von dem Ehemanne getötet und der Frau zu essen gegeben werde; dadurch gehe die Seele des Vogels in den Fötus über. Sonst darf dieser Seelenvogel von niemanden getötet und verspeist werden. -- Während der +Schwangerschaft+ weicht der Orang ûtan-Mann, wenn irgend möglich, nicht von der Seite seiner Frau; durch seine Anwesenheit glaubt er das Gedeihen des werdenden Kindes zu fördern. Bei den Jakhûn wird die schwere Stunde äußerlich durch ein in die Augen fallendes Büschel von Palmblätterfasern kenntlich gemacht, damit jede männliche Person, die dies bemerkt, sogleich umkehrt; nur der eigene Mann darf in der Nähe bleiben, um helfen zu können. Für gewöhnlich aber stehen auch bei den Urwaldstämmen weise Frauen der Gebärenden bei, meistens alte Weiber, die eine bevorzugte Stellung unter den Frauen einnehmen, insofern sie von allen gemeinsam durch diese zu leistenden Arbeiten, wie Rotangwinden, Wurzelsuchen und so weiter befreit sind, dafür aber auch die Kinder des Dorfes in ihre Obhut zu nehmen haben. Ihre Hütten sind im Gegensatz zu denen der übrigen Bewohner, die auf Pfählen ruhen, direkt auf dem Erdboden erbaut und besitzen eine ganz niedere, kleine Tür, damit niemand hineinschauen kann. Denn hier pflegen die Weiber des Dorfes auch niederzukommen. In dem Augenblick, wo das Kind das Licht der Welt erblickt, erheben die Orang Lâut ein mächtiges Geschrei und schlagen dabei die Trommeln, um die bösen Geister zu vertreiben; wenn die Nabelschnur durchschnitten ist, brauchen sie von ihnen nichts mehr zu befürchten. Die weise Frau, die der jungen Mutter in ihren Nöten beigestanden hat, bläst während dieses Lärms kräftig auf das Neugeborene.
In dem Augenblick, in dem die Nabelschnur durchschnitten wird, geben die Belenda dem Kinde den +Namen+; sie nennen es entweder nach dem wichtigsten Moment, der in ihren Träumen eine Rolle spielte, oder nach dem Gegenstand, den sie am Morgen der Geburt erblickten; ein Zauberer legt dem Kinde einen von ihm angefertigten Kopfreifen aus Baumrinde um, auf dem der vereinbarte Name geschrieben steht. Die Semang nennen das Kind nach dem Namen des Baumes, unter dem es geboren worden ist. Der Nabelschnurrest der Knaben wurde von den Jakhûn an einen Wurfstein des Vaters gebunden, mit dem dieser schon einmal einen Feind getötet hatte, darauf in Seewasser getaucht, gewaschen und in den Rauch zum Trocknen gehängt, schließlich mit dem Wurfsteine aufbewahrt, bis der Knabe erwachsen war. Bei seiner Verheiratung nahm er beide Dinge in Empfang und hob sie gleichfalls auf; ein solcher Wurfstein verfehlte dann niemals sein Ziel. -- Oft säugen die Frauen der Sakai neben ihren Kindern auch noch die Jungen ihrer Haustiere, namentlich solche, denen sie zugetan sind (Abb. 353).
+Bei den Malaien+ wird die Mutter und das Kind nicht nur vor der Geburt des letzteren, sondern auch nachher gegen die bösen Geister durch mancherlei Methoden gefeit. Eine davon besteht darin, daß sie einen Heiltrank, genannt der „Hundert-Kräuter-Trank“, weil er so viel Bestandteile aufweisen soll, zu sich nehmen muß, eine andere darin, daß sie sozusagen geröstet wird. Mehrmals am Tage wird sie auf einem erhöhten Gerüst, unter dem ein helles Holzfeuer lodert, der größten Hitze ausgesetzt, eine allerdings recht grausame Behandlung, die vier bis vierzig Tage durchgeführt wird und unter Umständen das arme Opfer buchstäblich seiner Sinne beraubt oder es direkt tötet. Das malaiische Baby erhält meistens im Verlaufe der ersten Woche (anscheinend probeweise) seinen +Namen+, erkrankt es aber, dann wird es sofort von einem anderen adoptiert, wenigstens vorübergehend, und erhält damit einen neuen Namen. Auf der Ostküste der Halbinsel besteht die hübsche Sitte, auf sieben verschiedene Bananen verschiedene Namen zu schreiben und das Kind seinen eigenen selbst wählen zu lassen. Später schließt sich an die Namensgebung die +Zeremonie des Rasierens des Kopfes+ und des +ersten Nägelbeschneidens+. Jede dieser Zeremonien verlangt das Opfer zweier Ziegen, wenn das Kind ein Knabe, und nur einer Ziege, wenn es ein Mädchen ist. Die Haarabfälle und Nägel werden jedesmal am Fuße eines Obstbaumes (Bananen-, Granatbaumes und so weiter) begraben, dadurch glaubt man seine Fruchtbarkeit zu heben. Ungefähr am vierzigsten Tage wird das Kind ins Freie gebracht und den Wassergeistern vorgestellt. -- Der Eintritt der Pubertät wird festlich begangen (Abb. 354).
Die +Ehe der Semang+ ist die Einehe. Während vor ihr große geschlechtliche Freiheit herrscht, bleiben sich nach ihrem Eingehen die beiden Gatten fortan treu. Ehebruch wird mit dem Tode bestraft, indessen kann diese Strafe durch eine Geldbuße abgelöst werden, deren Höhe aber doch der für einen Mord entspricht. Zeremonien finden bei Eingehen der Ehe nicht statt. Dagegen begegnen wir solchen in ausgedehntem Maße bei den malaiischen Stämmen.