Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde

Part 23

Chapter 233,183 wordsPublic domain

Die Indonesier Luzons sind alle fest angesiedelte +Ackerbauer+, aber dabei durchweg noch Kopfjäger oder waren es wenigstens bis in die neueste Zeit hinein; denn die amerikanische Regierung sucht natürlich mit allen Mitteln diesem Unwesen Einhalt zu gebieten. Die +Igorroten+ wohnen im nördlichen Luzon in festen Dörfern, deren Bevölkerung drei- bis viertausend Köpfe ausmacht. Jedes Dorf enthält in seiner Mitte das Gemeindegerichtshaus (Abb. 328), in welchem der Häuptling zusammen mit den Ältesten die Streitigkeiten schlichtet und die sonstigen Gemeindesachen ordnet. Auch dienen diese Häuser ähnlichen Zwecken, wie in Ozeanien die Junggesellenhäuser; es wohnen und schlafen in ihnen die Unverheirateten, es werden in ihnen die Gäste empfangen und beherbergt und schließlich auch die Kriegstrophäen aufbewahrt. Der Zutritt zu diesen Häusern ist dem weiblichen Geschlecht verboten; die unverheirateten Mädchen schlafen ebenfalls in besonderen Hütten. Die +Tinguianen+ hausen in den rauhen Gebirgsabhängen des nordwestlichen Luzon. Sie haben es in geschickter Weise verstanden, sich trotz der ungünstigen Geländeverhältnisse den Boden zu Ackerzwecken nutzbar zu machen. Um Ackerland zu gewinnen, ziehen sie an den Bergabhängen eine Steinmauer, hauen dahinter den Steinboden ab und füllen ihn auf, bis sie eine Terrasse hergestellt haben; hinter dieser errichten sie eine zweite Steinmauer, die sie wieder auffüllen, und fahren so fort, bis sich schließlich Stufe über Stufe die Abhänge hinauf erhebt. Für die Bewässerung dieser +Terrassenfelder+ sorgt man in der Weise, daß man das Wasser eines Bergstromes auf die höchste Terrasse leitet und es, wenn diese Terrasse genügend begossen worden ist, auf die nächst darunterliegende laufen läßt und so weiter. Manchmal ist es erforderlich, lange Dämme aufzuwerfen und zwischen ihnen gleichsam wie in einer Wasserleitung den Gebirgsbach große Strecken weit zu dem Punkt, wo man ihn sich nutzbar machen will, hinabzubefördern. Der beständige Kriegszustand, unter dem die Tinguianen mit ihrer Nachbarschaft leben, weil sie eifrige Kopfjäger sind, hat sie gezwungen, sich in befestigte Ansiedlungen zurückzuziehen. Ihre Verfassung ist eine oligarchische; kein Häuptling steht an der Spitze der Gemeinde, sondern einige wenige ältere Männer regeln die Geschäfte. Bei den bis in die jüngste Zeit üblichen +Kopfjagden+ gingen die Krieger zunächst mit dem Speere vor; bei Handgemenge aber verließen sie sich auf ihren Schild, ihre Kopfaxt und ihr Jagdmesser. Mit dem Schild, der an seinem oberen Rande mit drei Sprossen ausgestattet ist (Abb. 329), versuchten sie dem Gegner zwischen die Beine zu fahren, um ihn hinzuwerfen, ihm dann weiter mit der Axt einen Schlag auf den Kopf zu geben, um ihn kampfunfähig zu machen. Sodann trat das untere Ende des Schildes in Wirksamkeit. In seine beiden Sprossen wurde der Hals des Opfers wie in eine Knopfgabel eingezwängt, und dann der Kopf vom Rumpfe abgetrennt. Wenn die Sieger mit ihren Trophäen (Abb. 331) heimgekehrt waren, wurde eine große Feier abgehalten, die wie üblich in Tanz, Gesang und Schnapstrinken bestand. Die besondere Vorliebe der Filippino für Tanz und Musik erwähnten wir bereits oben. Unter den üblichen Musikinstrumenten kommt auch die Nasenflöte vor (Abb. 330), auf der eine klagende Melodie gespielt wird, dadurch, daß man leise mit einem Nasenloch hineinbläst, während das andere verstopft ist, um keine Kraft zu vergeuden. Nach Beendigung des Kriegstanzes werden die erbeuteten Köpfe in kleine Stücke gespalten und eines davon als Andenken an die Tapferkeit der Sieger jedem Gaste überreicht, der es mit nach Hause nimmt. Bei anderen Stämmen, zum Beispiel den Ifuago, werden die von den Kopfjägern heimgebrachten Schädel in den Häusern aufbewahrt (Abb. 332).

Die Tinguianen bekunden eine große +Fertigkeit in der Herstellung von Schmiedearbeiten+, und dabei ist das dazu zur Verwendung kommende Handwerkszeug ein ganz primitives. Zwei ausgehöhlte Holzkloben oder Palmenstämme, in denen Stempel mit einem Federbündel, das die Höhlung genügend füllt, auf und nieder bewegt werden, bilden den Blasebalg. Das untere Ende eines jeden Baumzylinders setzt sich in einen Bambusstab fort, der mit ihm durch Tonmasse verbunden ist und horizontal bis zum Schmelzofen zusammen mit dem Bambusstab des anderen Zylinders verläuft. Wird der Stempel nach unten gestoßen, dann drängt er die im Zylinder befindliche Luft nach dem Schmelzgut, wird er sodann wieder hochgezogen, dann fallen die Federn zusammen und lassen die Luft von oben eindringen, und so fort. Das glühend gemachte Eisen wird auf einfachen großen Steinen, die als Amboß dienen, mittels schwerer Steinhämmer zusammengeschweißt und darauf noch mittels kleiner Metallhämmer weiter bearbeitet. Ist der auf diese Weise geschmiedete Gegenstand fertig, so wird er noch durch wiederholtes Erhitzen gehärtet und dann in kaltes Wasser gestürzt. Der Ruhm der Schmiedeerzeugnisse der Tinguianen hat sich auf alle Nachbarstämme ausgebreitet und dazu beigetragen, daß ihre Speere und Kopfäxte nicht nur auf Luzon, sondern auch darüber hinaus im ganzen Archipel Absatz finden.

Die +Religion+ der Luzonvölker gipfelt in Animismus und Ahnenkultus. Die Igorroten glauben außer an eine Reihe Gottheiten, die durch die Ahnengeister mit ihnen in Verbindung steht, noch an ein höheres Wesen. Man sucht diese Götter durch Opfer gut zu stimmen; rohgeschnitzte Holzstücke stellen die Geister vor. In der Nähe eines jeden Dorfes befindet sich ein geweihter Baum, in dem, wie man annimmt, die Ahnengeister ihre Wohnung haben; vor das Wohnhaus legt man Reis und andere Speisen für sie auf kleine Bänke hin (Abb. 333). Die Tinguianen glauben mittels der Hilfe von bestimmten Medien mit den Geistern, deren sie eine ganze Schar besitzen, sprechen zu können; die Geister nehmen dabei von diesen Medien Besitz und verkünden durch deren Mund selbst, was man tun soll. Zu diesem Zwecke begibt sich der Vermittler in einen in der Nähe des Dorfes gelegenen Hain und bringt dort den Pinaing auf einem Altar Opfer dar. Diese sind eigenartig geformte Steine (Abbild. 337); in ihnen sieht man den Aufenthaltsort der Geister, die das Dorf beschützen; ihre Köpfe werden eingeölt, ihr Hals mit Rindenbändern umwunden und vor ihnen außerdem noch Blut von einem geopferten Schweine zusammen mit Reis ausgeschüttet. Bevor man das Tier tötet, wird es auf die Erde gelegt, Betelnuß und Kalk kommt darauf zu liegen (Abb. 334), sodann wird es vom Medium mit geölten Fingern bestrichen, das dabei die Götter auffordert, dem bevorstehenden Opfer ihre Aufmerksamkeit zu schenken (Abb. 336). Wenn man annehmen kann, daß die Geister von dem geopferten Tiere genügend genossen haben, wird das Schwein für die Beteiligten weiter zurechtgemacht und verspeist. Natürlich finden im Anschluß hieran auch wieder Tänze statt. Der Glaube an die Macht und das Interesse der Geisterwelt ist so stark beim Volke eingewurzelt, daß jedes Ereignis des gewöhnlichen Lebens von Kundgebungen dieser Anschauungen begleitet wird.

Alle Igorrotenstämme stehen auf einer +hohen Stufe der Moral+. Die Keuschheit der Mädchen wird ängstlich behütet; um Anfechtungen nicht ausgesetzt zu sein, müssen die unverheirateten Mädchen die Nächte in besonders hierzu bestimmten Schlafhäusern zubringen (Abb. 338). Ein Fehltritt wird mit schweren körperlichen Züchtigungen und sogar mit dem Tode bestraft. Bei einem bestimmten Stamme hat der Verführer die Pflicht, das Mädchen zu heiraten oder ihr als Buße ein vollständiges neues Gewand und ein trächtiges Schwein zu schenken; auch muß er ein der Liebelei etwa entsprungenes Kind unterhalten. Sobald zwei Verliebte die Zustimmung ihrer Eltern erhalten haben, müssen sie eine Art Probeehe eingehen. Es wird ein großes Fest veranstaltet, während dessen die beiden allein in eine Hütte eingesperrt werden und sich etwa vier bis fünf Tage lang bis zum Schluß des Festes darin aufhalten; Speisen werden ihnen verabreicht. Nach Ablauf dieser Frist steht es jedem Teile frei, von der Heirat Abstand zu nehmen, er muß dann aber Buße an seinen Partner zahlen. Tritt der junge Mann zurück, so hat er dem Mädchen eine Anzahl Gegenstände zum Geschenk zu machen und die gewiß nicht geringen Kosten des Festes zu bestreiten, tritt dagegen das Mädchen zurück, so fallen ihr die Unkosten der Feier zu. Wird das Mädchen aber schwanger, so muß der Mann sie heiraten. Bei einigen Stämmen der Igorroten kann der Mann seine Frau sechs Monate nach der Hochzeit wieder verlassen, falls sie innerhalb dieser Zeit nicht guter Hoffnung geworden ist. Ist dieser Fall aber eingetreten, dann ist er für immer an sie gebunden und kann getötet werden, sofern er die Ehe einseitig aufhebt. Von den +Geburtsgebräuchen+ der Igorroten ist wenig bekannt. Kommt ein Kind mit umschlungener Nabelschnur zur Welt, so wird es sofort begraben, weil man von ihm fürchtet, daß es später seinen Eltern nach dem Leben trachten könnte. Zwillinge werden gleichfalls als unglückbringend angesehen und aus dem Wege gebracht, es müßte denn sein, daß sich ein Nachbar ausfindig machen läßt, der sie adoptiert; in diesem Falle stehen keine schlimmen Folgen von ihnen zu befürchten.

Bei den Tinguianen werden bereits für ganz junge Kinder von den Eltern die Ehen abgeschlossen; man bezahlt für das Mädchen eine Kaufsumme. Aber erst von der Pubertät an leben beide Teile zusammen. Naht der Zeitpunkt des Eheabschlusses, so überreicht der Bräutigam seinen Schwiegereltern eine wertvolle Kanne und darf sie von diesem Zeitpunkte an nicht mehr bei Namen nennen. Die Eltern des Mädchens machen eine Schüssel Reis zurecht und füllen in eine Kokosnußschale Wasser; beides stellen sie zwischen das Paar auf die Erde (Abb. 339). Das Mädchen nimmt eine Handvoll Reis, drückt die Körner zu einem Ballen zusammen und läßt sie zwischen die Bambusstäbe des Fußbodens hindurchfallen, als Opfer für die Geister. Der Jüngling ballt ebenfalls eine Reiskugel zusammen und wirft sie in die Höhe. Bricht sie nach dem Herabfallen auseinander oder kommt sie ins Rollen, so gilt dies als ein böses Vorzeichen dafür, daß das Paar sich untreu werde oder daß seine Kinder sterben werden; bleibt sie aber an der Stelle liegen, wo sie hingefallen ist, dann liegt die Zukunft für die jungen Eheleute günstig. Sie trinken von dem kalten Wasser aus der Kokosschale, und die eigentliche Ehezeremonie ist vorüber. -- Die Ifugao des nördlichen Luzon (Abb. 340) feiern die Hochzeit mit einer größeren Festlichkeit.

Ein +Begräbnis+ in einem Tinguianendorf ist ein großes Ereignis. Der Tote wird in seine besten Gewänder gekleidet und in sitzender Stellung gegen die Wand des Zimmers gelehnt (Abb. 341); um und über ihn werden Decken und andere wertvolle Geschenke aufgehäuft, deren Geisterseelen seiner Seele zu den Ahnen nach Maglawa, dem künftigen Heim, zu folgen haben. Während des Begräbnisses, das gewöhnlich drei Tage dauert, muß die Witwe unter einer weißen Decke verbleiben und wird samt der Leiche Tag und Nacht von Wehklagenden bewacht, aus dem Grunde, daß nicht böswillige Geister dem Toten schaden und den Tod der Hinterbliebenen herbeiführen können. Am Morgen des dritten Tages versammeln sich alle Freunde und Verwandte im Hause des Toten, worauf ein jeder männliche Gast etwa hundertfünfzig Hiebe erhält, „damit sie alle ebenso betrübt seien, wie die Familie des Toten“ (Abb. 344). Mit Einbruch der Nacht setzt sich eine alte Frau vor die Leiche, bedeckt sich ihr Gesicht mit den Händen und beginnt laut zu klagen und den Geist des Verstorbenen zu bitten, in ihren Körper einzutreten. Daß dieser Wunsch erfüllt ist, zeigt sich sodann daran, daß sie sich wie besessen gebärdet und ohnmächtig zusammensinkt. Einen Augenblick läßt man sie in diesem Zustande, darauf bringt man Feuer und Wasser und verscheucht dadurch den Geist; die Verzückte macht aber zuvor noch den Anwesenden Mitteilung von des Toten letztem Willen. Der Tote wird in einer Gruft unter dem Hause begraben, in der bereits einer oder mehrere seiner Vorfahren ruhen; die Familie bleibt noch viele Tage lang mit verschiedenen strengen Tabu belegt, und das Grab wird dauernd bewacht, damit sich ihm keine feindlichen Geister nähern.

Auf der +Insel Mindanao+ sind die wichtigsten Stämme die +Subanun+ auf der westlichen Halbinsel des Eilands, die +Bogobo+ an den Abhängen des Berges Apo. Die +Kleidung+ dieser Leute ist die übliche der Filippino; besonders malerisch soll die Tracht der Bogobostämme sein. Die Männer halten ihr Haar mit Tüchern zusammen (Abbild. 343), deren Spitzen sie mit Perlen und Troddeln verzieren; oft tragen sie über einem enganschließenden Hemd einen kunstvoll mit Perlen besetzten oder bestickten Rock, der vorn offen ist. Die Beinkleider sind gleichfalls an ihrem unteren Rande mit einem perlenverzierten oder ausgestickten Streifen besetzt. An Stelle der Taschen trägt jeder Mann auf seinem Rücken einen kunstvoll mit Perlen besetzten hanfenen Beutel, der mit Troddeln und Schellen (eigenem Erzeugnis der Eingeborenen) umrandet ist. Die Kleidung der Bagobofrauen ist nicht minder künstlerisch. Die bis auf den Rock reichende und am Halse fest anschließende Jacke, wodurch der Oberkörper vollständig verhüllt wird, ist auf den Schultern und den Ärmeln, am Halse und Taillenschluß ebenfalls bestickt, oft auch mit komplizierten Mustern in Muschelscheiben oder Perlen verziert. Männer wie Frauen tragen außerdem um den Hals Perlenschnüre, die oft frei bis auf die Brust herabfallen, sowie Schellenarmbänder. Die Frauen lieben es auch, sich die Arme mit Messing- und Muschelschmuck, die Beine und Knöchel mit Spangen zu überladen, an denen Klappern und Schellen sitzen.

Die +Bogobo+ (Abb. 347) sind zwar nominell einem Herrscher unterstellt, aber die Unterhäuptlinge erkennen nicht immer seine Herrschaft an. Neben ihnen (Datus genannt), die Recht zu sprechen und darauf zu achten haben, daß Übertreter des Gesetzes bestraft werden, verfügen auch noch +Priesterinnen+ über eine gewisse Macht. Es sind dieses meistens Frauen in mittleren Jahren, die unter anderem große Fertigkeit in der Webekunst besitzen und von den Geistern sich berufen fühlen, eine „Mabalian“ zu werden; sie sind auch in der Arzneikunde bewandert und pflegen die Kranken. Als Auszeichnung dürfen sie eine besondere Tracht tragen, die sich keine andere Frau beilegen darf, sonst würde sie von den Geistern bestraft werden. Die Pflicht dieser Priesterinnen ist es, die Zeremonien zu leiten, die zur Besänftigung der Geister beständig abgehalten werden, und ihnen im besonderen Opfergaben darzubringen. Auch bei der Geburt sind sie hilfreich. Ist ein Kind geboren, dann reibt die Priesterin dessen Augen und die der Zuschauer mit einer besonderen Art von Erde ein, damit sie nicht blind werden, und erhält dafür eine Belohnung in Geld.

Bei den +Subanun+ (Abb. 345) unterziehen sich beide Eltern vor der +Geburt+ ihres zu erwartenden Kindes einer Reihe Einschränkungen bezüglich der Kost sowohl wie der Beschäftigung. Der Gatte darf nicht anders als ruhig und gebückt einhergehen, vielleicht aus Furcht, er könnte die Aufmerksamkeit böser Geister auf sich lenken. Er darf das Sparrenwerk seines Hauses, ebensowenig andere Dinge, nicht festbinden, weil er sonst dadurch Verwicklungen bei der Geburt herbeiführen würde und anderes mehr. Die Geburt spielt sich selten im eigenen Hause ab, vielmehr wird für die Mutter kurze Zeit vor ihrer Niederkunft abseits eine kleine Hütte erbaut, in die man allerlei Zaubermittel hängt. Der Grund für diese Absonderung liegt vielleicht in der Furcht, die Frau könnte während der Geburt im Wohnhaus sterben. Nach ihrer Niederkunft muß die junge Mutter noch tagelang in der Hütte verweilen und wird dabei der Hitze eines großen Feuers ausgesetzt, ein recht unangenehmes Verfahren, das wohl zur Austrocknung vorgenommen wird und meist große Brandwunden hinterläßt. +Knaben und Mädchen+ der Subanun gehen jahrelang vollständig nackend, sie sind nur mit Zaubermitteln behängt gegen böse Geister. Sie erhalten nicht eher einen Namen, als bis sie vier oder fünf Jahre alt geworden sind. Für Knaben und Mädchen gibt es keine besonderen Schlafräume, wie bei anderen Philippinenstämmen; sie schlafen mit den Eltern zusammen.

Mit der +Heirat der Subanun+ sind keine bemerkenswerten Sonderbräuche verbunden; das Wichtigste ist dabei die symbolische gegenseitige Reisfütterung des Paares aus einer gemeinsamen Schüssel, wozu der Priester den Segen der Geister anruft. Die Eltern vereinbaren das Nötige bezüglich des Brautpreises. Die Schwiegereltern werden mit großer Achtung behandelt; der junge Ehemann redet den Vater und die Mutter seiner Frau nicht mit ihrem Namen an, die Frau erweist den Eltern ihres Mannes die gleiche Höflichkeit. Von Polygamie, die wohl gestattet ist, wird selten Gebrauch gemacht, weil dies ein Luxus ist, den sich nur die Reichen leisten können. Da die Ehe der Subanun mehr auf Verstandesgrundlage denn auf solcher des Gefühls beruht, so erklärt es sich, daß sie von langer Dauer ist und durch Untreue nicht getrübt wird. Diese Sicherheit wird durch das Bewußtsein noch erhöht, daß die Partei, die danach trachtet, die Ehe zu lösen, Entschädigung zahlen muß oder eines Teils des ihr Ausgesetzten verlustig geht.

Die +Bogobo heiraten+ in einem verhältnismäßig viel späteren Alter als anderswo auf den Philippinen; die die Ehe eingehenden Teile sind manchmal schon zwanzig Jahre alt. Die Eltern bringen für gewöhnlich die Partie zustande, die dann in aller Form bei einer Versammlung von Freunden und Verwandten, wobei zwei Gemeindehäuptlinge die beiden Personen vertreten, ihre Bestätigung findet. Der Vater des Mädchens macht stets ein Gegengeschenk, das ungefähr der Hälfte der Hochzeitsgabe von seiten des Bräutigams entspricht, damit es nicht heißt, er habe seine Tochter verkauft. Die Hochzeit findet aber dann noch nicht statt, sondern der Jüngling muß erst ein Jahr lang für seinen zukünftigen Schwiegervater arbeiten. Die Hochzeitszeremonie ist die gleiche wie anderwärts; Braut und Bräutigam bedienen sich gegenseitig mit Reis aus einer gemeinsamen Schüssel, und die Priesterin bringt den Geistern Opfer dar. Die Jungvermählten begeben sich zwar in ihr eigenes Heim, der Ehemann aber muß noch jahrelang gewisse Dienste für die Familie seiner Frau verrichten.

Die +Religion+ der Bogobo ist der Geisterkult; für sie hat man in den Häusern besondere Vorrichtungen als Wohnung geschaffen, damit sie beständig zugegen sein und alles, was die Menschen tun, fördern können. Die Zahl der +Geister+ ist sehr groß; sie üben einen besonderen Schutz für bestimmte Menschen aus, so zum Beispiel kümmert sich ein Geist um die Krieger, ein anderer um die Weber, ein dritter um die Messingarbeiter und so weiter. Der Geist, dem alles Eßbare gehört und der nach den Feldern und Ernten sieht, erhält einen Schrein für sich mitten auf dem Reisfeld erbaut; nachdem die Ernte eingetragen ist, wird ihm zu Ehren eine große Feier abgehalten. Ein Geist führt die Rolle des Oberhauptes aller Geister; er ist es, der die Welt erschaffen hat und der stets sein Opfer zuerst erhält, sobald irgendeine Zeremonie vollzogen wird. Ihm sind die anderen Geister auch untertan. Interessant ist der Aberglaube, daß, wenn Kinder aus zwei Familien sich heiraten, sich die besonderen Schutzgeister jeder Partei miteinander verschmelzen und fortan ein Geist werden, der das Paar beschirmt. Die Geister, die die Krieger beschützen, sind mit besonderer Macht ausgestattet und dürfen auch nur von solchen Kriegern angeredet werden, die eine oder mehrere Personen bereits getötet haben; auch ein Mann, der den Verehrer einer ungetreuen Frau umbrachte, zählt zu diesen Bevorzugten. Diese Krieger haben die Berechtigung, ein besonderes Gewand zu tragen, und wenn sie mehreren Menschen im Kriege den Garaus gemacht haben, diesem einen weiteren Schmuck hinzufügen. Gelegentlich bringt man den Schutzgeistern der Krieger ein Menschenopfer, das in einem Sklaven oder einem Gefangenen besteht; Sklaverei ist eine anerkannte Einrichtung der Bogobo und das Bedürfnis nach Sklaven führt oft zu Einfällen bei den Nachbarstämmen. Bei diesem Opfer darf ein jeder teilnehmen, der während des Jahres von Unglück geplagt wurde, oder jede Familie, in der ein Todesfall vorgekommen ist; Vorbedingung ist aber, daß dem Datu das Opfer bezahlt oder ein eigenes gestellt wird. Der zum Opfer auserlesene Sklave wird mit über den Kopf zusammengebundenen Händen an einen Baum gestellt und über ihn ein Gebet gesprochen. Darauf wird ein Speer mit sehr langem Schaft gegen seine linke Brust gerichtet und alle, die zum Kauf des Sklaven beigetragen haben, beteiligen sich insofern an dem Opfer, als sie den Schaft entweder halten oder ihn berühren. Auf ein bestimmtes Zeichen wird der Speer sodann durch das Herz gestoßen. Die Leiche erhält dann noch eine Anzahl Stichwunden und wird begraben. Hieran schließt sich eine Zeremonie, bei der zwei bekränzte Stangen hoch aufgerichtet werden, um das Ereignis zu kennzeichnen, die Krieger sich stark betrinken, ihre Taten dabei rühmen und so weiter.