Part 8
Ebensowenig ist uns etwas Näheres über die +Kindheit+ und Erziehung dieser Stämme bekannt. Bei den Dinka geht die Namengebung ohne besondere Förmlichkeiten vor sich. Der erste Knabe wird gewöhnlich nach dem Großvater väterlicherseits, entsprechend das erste Mädchen nach der Großmutter genannt. Spätere Kinder kann man nach den Namen der Kühe benennen, die für den Brautpreis der Mutter gezahlt wurden. Die Dinka formen als Spielzeug für ihre Kleinen ungeschlachte Lehmfiguren, die Rinder vorstellen, ein deutlicher Beweis für die große Wichtigkeit, die sie der Viehzucht beimessen.
+Aufnahmezeremonien+ scheinen zu fehlen, aber alle Dinka und auch Schilluk lassen ihren Kindern die unteren Schneidezähne ausbrechen. Hübsch ist der Zug dieser Stämme, daß sie alle Knaben, die sich zu derselben Zeit der Prozedur unterworfen haben, als Gefährten ansehen und es ihnen zur Pflicht machen, sich gegenseitig das ganze Leben lang beizustehen. Den Prinzen bei den Schilluk dagegen läßt man die Zähne stehen, wohl in dem Gedanken, dadurch jene Sitte, die alle Menschen gleich macht, zu umgehen und den Unterschied zwischen einem Königsohn und dem gewöhnlichen Volke zum Ausdruck zu bringen.
Unter allen Stämmen ist es üblich, die +Braut+ zu kaufen; der Brautpreis besteht fast nur aus Vieh und beträgt bei den Dinka etwa zehn Kühe. Je reicher ein Mann ist, um so mehr Frauen kann er sich leisten; daher findet man die meisten Frauen auch bei den ältesten Männern, was vielfach zu ehelicher Untreue führt. Während der Verlobung bleibt das junge Dinkamädchen so lange im Hause ihrer Mutter, bis der Brautpreis von ihrem Zukünftigen voll ausgezahlt ist. Nach Erledigung dieses Geschäftes stiftet der Vater des Mädchens einen Ochsen, der geschlachtet und verzehrt wird; auch ein Tanz findet aus diesem Anlaß statt. Abends wird die Braut in das Haus der Mutter des Bräutigams geführt. Dieser schlachtet nun gleichfalls einen Ochsen und bestreicht mit dem Inhalt des Dickdarms Brust und Schultern des Mädchens. Damit scheint der Hochzeits+zeremonie+ Genüge geschehen zu sein.
Bei den mehr arabisierten Kababisch kommen häufig auch +Kinderverlobungen+ vor. Die Eltern des Knaben schicken denen des Mädchens in diesem Falle Geschenke, und beide Teile warten ab, bis ihre Kinder das erforderliche Alter erreicht haben. Ist dieser Zeitpunkt eingetreten, so setzt der Feki, ein Mann, der im Rufe eines Heiligen steht, einen bestimmten Tag für die Hochzeit fest. Alle Vereinbarungen bezüglich der Heirat machen die beiderseitigen Väter untereinander ab, dagegen wird der Brautpreis nur an die Mutter ausgehändigt. Ein Mann würde es für unter seiner Würde halten, diesen anzunehmen. Ein begüterter Kababisch läßt vor die Türe seiner Braut zwei bis drei weibliche Kamele führen und schlachtet diese am anderen Morgen. Die Mutter der Braut und die des Bräutigams bekommen jede ein besonderes Stück des Fleisches, der Rest wird für die Hochzeitsgäste aufgehoben. Darauf bauen die Angehörigen des Mädchens in ihrem Dorf ein kleines Zelt, in dem der Bräutigam sechs Tage lang wohnen muß; währenddessen versorgt ihn seine zukünftige Schwiegermutter mit Speise. Am siebenten Tage wird ein vorläufiges Zelt in der Nähe errichtet, in das Angehörige der Braut diese geleiten. Dabei wird von den Frauen getanzt und gesungen. Der Bräutigam reitet auf dem besten Pferde, das er sich beschaffen konnte, auf dieses Zelt zu, weigert sich aber nach seiner Ankunft, von seinem Roß zu steigen, bis der Vater ihm ein Geschenk versprochen hat, das bei einem Minderbemittelten meistens aus zehn bis fünfzehn Schafen besteht, dagegen aus fünf bis hundert weiblichen Kamelen, wenn es sich um einen wohlhabenderen Mann handelt. Nach Vereinbarung dieses Geschenkes steigt der Bräutigam ab und betritt das Zelt in Begleitung eines kleinen Knaben, der sein Schwert trägt. Die Braut tritt jetzt heraus, wird dreimal um das Zelt herumgeführt und kehrt dann in Begleitung einer Wärterin in dasselbe zurück. Diese vier Menschen verweilen nun eine Zeitlang darin, wobei Bräutigam und Braut kein Wort sprechen dürfen. Darauf wird letztere wieder in das Zelt ihrer Mutter zurückgeführt, während sich der angehende Ehemann sieben weitere Tage in dem nämlichen Zelt aufhalten muß. Mittlerweile bauen die Angehörigen der Braut ein bleibendes Zelt an der Stelle des vorläufigen und statten es mit allerlei Gegenständen aus dem Haushalte der Brautmutter aus. Der Bräutigam stiftet ein Stück Vieh, das vor dem Eingang zum Zelt getötet wird, worauf er sich hineinbegibt und die Ankunft der Braut erwartet, die reichgeschmückt, von den Frauen begleitet, erscheint. Wenn sie die Schwelle überschritten hat, enthüllt der Bräutigam dreimal ihr Gesicht, das sie jedesmal wieder von neuem bedeckt, dann faßt er unter ihr Gewand, reißt ihr den mit Lederfransen besetzten Gürtel ab und wirft ihn auf einen Baumzweig, der vor dem Zelt in die Erde gestoßen ist; währenddessen ruft das draußen stehende Volk dem Paare allerhand gute Wünsche entgegen.
In dieser Nacht bleibt das junge Paar endlich zum ersten Male allein. Es bleibt dort eine ziemliche Zeit lang wohnen, die zwischen einem Monat bis zu zwei Jahren schwankt; darauf siedelt es in das Zelt über, das seither den Eltern des Bräutigams gehört hatte, wo dann das junge Paar für immer Wohnung nimmt, während die Alten sich ein neues Zelt herrichten.
Das Kongobecken.
Das Kongobecken, der äquatoriale Teil Westafrikas, wird in der Hauptsache von Bantustämmen bewohnt, zwischen die eingesprengt sich vielfach noch mehr oder minder zahlreiche Pygmäen- oder Zwergstämme finden, wahrscheinlich die Überreste der Urbevölkerung, die einst ganz Mittel- und Südafrika eingenommen haben dürfte.
Von der +Körperbeschaffenheit+ der +Pygmäen+ war bereits an anderer Stelle die Rede, so daß wir hier nicht weiter darauf einzugehen brauchen. Nur ein paar Worte über ihre heutige +Verbreitung+ mögen hier folgen. Der südlichsten Ausläufer dieser Rasse, der Buschmänner, gedachten wir ausführlicher schon oben. Weiter nördlich sitzen in den Urwäldern von Kamerun die Badjeri oder Bojaeli, die Bekerelle und die Bako, im Hinterlande der Loangoküste die Bakke-Bakke, Dongo und Obongo. Von der Westküste aus verbreiten sich die Zwergvölker über das Kongobecken hinaus in zum Teil zahlreichen Trupps (Bakoa, Batua, Bopoto und so weiter) bis zu den großen ostafrikanischen Seen hin, wo sie ihre größte Dichtigkeit zu erreichen scheinen. Man kennt sie hier unter den Namen der Tiki-Tiki, Akka, Wambutti, Ewé, Ituri, Batwa und anderer mehr. Teilweise sind sie bereits Kreuzungen mit den hochwüchsigen Nachbarnegern eingegangen.
Die zentralafrikanischen Zwergvölker gehen zumeist gänzlich +unbekleidet+ (Abb. 119), nur vereinzelt legen sie sich Streifen Rindenstoffes oder Blätter um die Hüften. Beachtenswert ist das gänzliche +Fehlen von Schmuck+ bei ihnen. +Tatauierung+ und +Körperbemalung+ kennen sie auch nicht, ebensowenig sonstige Verschönerung beziehungsweise Verunstaltung des Körpers. Wo sich etwa solcher Schmuck findet, scheint er fremden Ursprungs zu sein. Die Pygmäen wohnen in den dichten, fast unzugänglichen Urwäldern und erwerben sich ihren Lebensunterhalt durch +Jagd+. Dabei bekunden sie eine bewunderungswerte Schnelligkeit und Gewandtheit, eine große Sicherheit im Gebrauch ihrer einfachen Waffen, eine ziemliche Erfindungsgabe, das Wild mit Fallen und Schlingen zu umstellen, und eine auffallende Unerschrockenheit den großen Tieren, wie Elefanten, Nashörnern und Löwen, gegenüber, denen sie tapfer zu Leibe gehen. Ihre +Waffen+ bestehen nur aus Bogen und Pfeilen (Abb. 117). Die letzteren sind mit Holz- oder Knochenspitzen ausgestattet, jedoch kommen vielfach auch schon eiserne Pfeilspitzen vor, die aber als Entlehnung von den Nachbarvölkern anzusehen sind. Gleichfalls infolge von Berührung mit fremden Völkern sind sie heutzutage auch schon größtenteils in den Besitz von Speeren gelangt. Gegen die Erträge ihrer Jagd pflegen die Pygmäen verschiedentlich auf dem Wege des stillschweigenden Tauschverkehrs die Erzeugnisse des Ackerbaus von ihren hochwüchsigen Nachbarn einzuhandeln. Sie selbst betreiben keine Ackerwirtschaft. Ihrer umherziehenden Lebensweise entsprechen auch ihre +Wohnungen+, entweder einfache Windschirme oder primitive halbrunde Hütten (Abb. 118), die ihnen nur zum Schlafen dienen. Das +Feuer erzeugen+ sie durch Quirlen mit einem senkrecht stehenden härteren Holzstabe in einem weicheren wagerecht liegenden Holz oder auch durch Aneinanderschlagen zweier Kiesel.
Über die +sittlichen Anschauungen+ der Pygmäen wissen wir herzlich wenig. Es hat den Anschein, als ob dieselben nicht auf so niederer Stufe stehen, wie die der sie umgebenden hochgewachsenen Stämme.
Die +Religion+ der zentralafrikanischen Pygmäenstämme kennt ein höchstes, im Himmel wohnendes Wesen, bald Waka, bald Nzambi oder Indagarra von ihnen genannt, das Herr über alles ist und auch als Schöpfer der ganzen Welt angesehen zu werden scheint. In seiner Hand ruht auch das Geschick der Menschen. Daher sind diese bestrebt, jenes Wesen durch Opfer günstig zu stimmen. Wird ein erjagtes Tier zerlegt, so erhält Waka das beste Stück; es wird auf dem Feuer verbrannt. Es wurde beobachtet, daß die Pygmäen bei ihren gemeinsamen Mahlzeiten von ihrem persönlichen Anteil ein Stückchen beiseite legten als Opfer für ihren höchsten Gott. Findet jemand im Walde Honig, so nimmt er nicht eher davon, als bis er ein wenig in den Wald und nach dem Himmel zu geworfen hat. Trinkt er Palmwein, so gießt er zuvor etwas auf die Erde. Dabei wird Waka angerufen und ihm gesagt, daß er seinen Anteil erhalte, wofür aber auch erwartet werde, daß er dem Spender Kraft und Gesundheit verleihe und seine Kinder vor Unheil bewahre. Beim Einsammeln der Nkulanüsse bringen gewisse Pygmäenstämme ihrem Gott Nzambi ähnliche Erstlingsopfer dar. Man pflückt eine schlechte und eine gute Nuß ab, wobei derjenige, der sie vom Baume herunterholt, mit dem Kopfe nach unten herunterklettern muß, legt sie beide in ein Loch unter dem Herde und zündet auf diesem ein neues Feuer durch Quirlen an. Um dieses tanzt man schließlich und singt dem Gotte Dankeslieder. -- Fetische kennen die Pygmäen nicht, auch Zauberei und Priestertum gibt es unter ihnen nicht. Das einzige, das an Aberglauben erinnert, sind gewisse Mittel, mit denen sie sich ihr Jagdglück zu sichern suchen.
Die übliche +Eheform+ der Pygmäen soll die Einehe sein; mehr als eine Frau legt man sich bei den Zwergvölkern selten zu. Von einigen Stämmen wird berichtet, daß die Mädchen sich frei nach ihrer Wahl den Mann suchen, aber auch wieder, daß dieser den Eltern seiner Erkorenen eine Gabe darzubringen pflegt, wohl als Entschädigung für den Verlust ihrer Tochter. Überbleibsel des +Frauenraubs+ sollen bei der Hochzeit vorkommen. Wenn der Bräutigam sich zur Verehelichung einfindet, dann trifft er die Braut im Hause ihrer Eltern nicht an, sondern muß sie im Walde, wo sie sich versteckt hat, suchen. Von weiteren Förmlichkeiten ist nichts bekannt.
Ebensowenig werden besondere Feierlichkeiten bei +Todesfällen+ abgehalten. Im allgemeinen begräbt man den Toten einfach in einem Loche. Die Batua geben ihm noch gewisse Zauberpflanzen mit ins Grab, die es ihm ermöglichen sollen, an denjenigen Rache zu üben, die seinen Tod verschuldeten. Andere Stämme legen neben den Verstorbenen Bogen und Pfeile. Beisetzungsfeierlichkeiten werden nicht veranstaltet; auch eine Trauer um den Toten gibt es nicht. Manche Stämme verlassen den Platz, wo sie den Verstorbenen beisetzten, und ziehen weiter. Der Grund hierfür dürfte in der Furcht vor der Wiederkehr des Toten zu suchen sein. Im großen und ganzen kennt man indessen bei ihnen meistens keine Geister- oder Ahnenverehrung. Nur die Batua glauben noch an ein Wiedererscheinen der Verstorbenen, die ihnen dann im Schlafe ihre Wünsche aussprechen sollen. Sie errichten auch kleine Hütten und stellen in ihnen Speise und Trank für die Verstorbenen auf.
Die +hochwüchsigen Neger+ Zentralafrikas sind +Bantu+. Ihre körperliche Beschaffenheit (Abb. 121, 123 und 136), Kleidung (Abb. 127), Art, den Körper zu schmücken beziehungsweise zu verunstalten (Abb. 122, 124, 126, 129, 130, 131 und 144), Wohnung (Abb. 120) und Lebensweise sind im allgemeinen dieselben wie die der übrigen Bantu, weswegen wir an dieser Steile hierauf nicht einzugehen brauchen. Dagegen haben sie in mancher Hinsicht andere Sitten und Gebräuche.
Unter den Kongostämmen begegnen wir wie in Westafrika den verschiedensten +Geheimbünden+ (siehe die farbige Kunstbeilage). Am Unterlauf des Kongo ist der verbreitetste der Nsi a Fwa, das heißt „Land des Totenbundes“. Wenn in dieser Gegend eine Krankheit allgemein auftritt oder die Geburtenziffer sehr herabgeht, dann gründet ein Hexendoktor eine Loge zur Aufnahme so vieler Personen jeglichen Geschlechts und Alters, als dem Bunde beizutreten wünschen. Die Aufnahme Begehrenden verfallen auf den Märkten oder auf der Straße in eine Art Starrkrampf und werden in die Loge getragen; hier bleiben sie monatelang bis zu zwei oder auch drei Jahren. Die Loge liegt in einem dichten Teil des Busches und bleibt so lange bestehen, wie sie sich für den Doktor und seine Helfershelfer bezahlt macht. Es heißt von den Mitgliedern des Bundes, ihr Körper zersetze sich bis zu dem Grade, daß nur ein einziger Knochen von einem jeden Menschen übrigbleibe. Die Familien der „Toten“ bringen täglich große Mengen Eßwaren hin und legen sie draußen vor der Loge nieder, damit der Doktor und seine Gehilfen die nötige Kraft bekommen, die Gebeine der Toten zu wenden. Die Mitglieder des Bundes gehen in der Loge nackend umher und tanzen viel; zur Begleitung dient ihnen nur ein Saiteninstrument, keine Trommeln. Da dieser Geheimbund die Brutstätte großer Unzüchtigkeit ist, wird er von den einheimischen Häuptlingen in manchen Teilen des Landes verboten. -- Ein anderer Bund heißt Nkimbo (Abb. 116); in ihn dürfen nur Männer aufgenommen werden. Die Mitglieder reiben sich mit weißem Pfeifenton ein und tragen krinolinenartige Gewänder aus Gras oder aus Palmfasern. In dieser gespenstischen Tracht ängstigen sie unter einem seltsam trillernden Ruf ihre Mitmenschen, so daß diese ihren Forderungen nach Geld und Speise willig nachkommen. Dieser Bund scheint seinerzeit von Händlern ins Leben gerufen worden zu sein, um sich bei ihren Geschäftsreisen vor den Erpressungen fremder Häuptlinge zu schützen und einander unterwegs geschäftlich behilflich zu sein; mit der Zeit wurde der Bund so stark, daß er sich anmaßte, von vorüberziehenden Karawanen eine Abgabe zu verlangen. Jetzt ist seine Macht im Abblassen begriffen. Die Aufnahmegebühr belief sich auf etwa zehn Schilling Handelsware. Wer diese bezahlt hatte, wurde so lange rund um sich selbst gedreht, bis ihm schwindlig wurde, worauf man ihn bewußtlos in die Loge trug. Hier blieb er, bis er die geheime Sprache des Bundes erlernt hatte. -- Ein Geheimbund am Kasai soll die Leichen der Verstorbenen ausgraben und sich im Schutze der Nacht an ihnen gütlich tun. Ihm gehören sowohl Männer wie Frauen an.
Ein interessantes Gebiet ist die +Religion+ der Kongovölker. In allen Kongosprachen kommt wohl ein Name für ein +höheres Wesen+ vor, aber die Vorstellungen von ihm sind ganz unklar. Es wird als der hauptsächlichste Schöpfer aller Dinge angesehen, gilt für besonders stark, reich und gut, ja für so mild und gütig, daß es niemand etwas zuleide tut. Aus diesem Grunde hält man es auch nicht für nötig, diesem höchsten Wesen Opfer darzubringen oder Gebete an dasselbe zu richten. Dafür aber befassen sich die Eingeborenen um so mehr mit den zahlreichen +Geistern+, von denen sie sich umgeben glauben. An sie wenden sie sich, wenn sie etwas erreichen wollen, sei es, daß sie den Feinden des Bittenden Schaden zufügen oder diesem selbst Gutes erweisen sollen, was von der Macht des besonderen Fetisches abhängt, den man sich vom Medizinmann kauft. Auch +Hexen+ beunruhigen die Leute, da sie die Macht besitzen, Unglück, Mißlingen ihrer Angelegenheiten, Krankheit und selbst den Tod über sie zu bringen. Gäbe es keine Hexen, keine Geister und keine Fetische, so behaupten die Kongoneger, dann würde es auch keinen Kummer, kein Unglück, keine Krankheit und selbst keinen Tod geben; die Menschen würden ohne Hexen ewig in einer Art Himmel auf Erden leben. Um den Machenschaften der Hexen zu begegnen, gibt es wieder zahlreiche Fetische und Hexendoktoren, denen die Aufgabe zufällt, jene bösen Mächte zu überlisten und die Menschen entweder vor deren Bosheit zu schützen oder diejenigen zu bestrafen, die sich lediglich aus Mutwillen und Bosheit zu Medien für die Verhexung von seiten der Geister hergeben.
Unter den Anwohnern des unteren Kongo gibt es mehr als fünfzig verschiedene +Zauberdoktoren+ (Abb. 128), und jeder Stamm am oberen Kongo besitzt seine eigene, mehr oder weniger zahlreiche Gruppe von solchen. Sie stellen die Fetische her, mit deren Hilfe sich die Menschen vor Hexerei zu schützen und sich Gesundheit und Glück zu erhalten suchen. Manche Hexendoktoren besitzen Fetische, mit denen sie jegliche Krankheit sowohl herbeiführen als auch heilen können; andere wiederum vermögen damit ihre Kunden gegen jede Gefahr zu schützen, die man sich überhaupt denken kann. Manche Fetische verleihen beim Stehlen und Betrügen Glück, und andere wieder schützen den Besitzer vor Dieben; noch andere übertragen eine solche Geschicklichkeit zum Lügen und Stehlen, daß der Besitzer eines solchen Zaubermittels niemals entdeckt werden kann. Auch verspricht der Hexendoktor seinem Kunden, ihn bei anderen Menschen so beliebt zu machen, daß jeder Nachbar sich freundlich zu ihm stellen und ihm bei seinen Unternehmungen hilfreich zur Hand gehen müsse, sei es im geschäftlichen Verkehr oder im Kampf, bei Streitigkeiten oder in Liebesangelegenheiten. Versagt etwa das Mittel, dann liegt dies daran, daß der Gegner ein noch wirksameres Gegenmittel besitzt. Aber auch diesem Übelstand kann der betreffende Hexendoktor abhelfen; sein Kunde braucht nur noch mehr zu zahlen und erhält dafür einen einflußreicheren Fetisch von ihm angefertigt. Auf diese Weise kauft sich mancher an Zaubermitteln und Fetischen wirklich arm und bringt sich an den Bettelstab, nur um die Gebühren des Hexendoktors bezahlen zu können.