Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde

Part 12

Chapter 123,030 wordsPublic domain

Die nordamerikanischen Indianer +glauben+, sofern sie nicht zum Christentum übergetreten sind (Abb. 178 und 179), +an eine Welt von Geistern+, die der durch die fünf Sinne sich offenbarenden materiellen Welt nach ihrer Meinung übergeordnet ist. Die Geister (Abb. 180) befinden sich überall: in der Erde, in der Luft, im Feuer und im Wasser, wie überhaupt in allem, was von diesen vier Elementen umschlossen ist. Townshend führt hierfür eine interessante Beobachtung an. Er versuchte einmal einem Navajo einen neuen Bogen, den dieser sich selbst angefertigt und bereits zu einem glücklichen Schuß auf einen Hirsch benutzt hatte, abzukaufen, erhielt aber eine abschlägige Antwort. Der Indianer wollte ihn auf keinen Fall abgeben, denn, wie er sagte, besitze sein neuer Bogen, obwohl seiner Hände Werk, jetzt einen eigenen Geist, und der erste Schuß habe ihm bewiesen, daß dieser ihm freundlich gesinnt sei; daher getraue er sich nicht, sich von dem Bogen zu trennen. Dieser Mann erkannte wohl die guten Eigenschaften des Bogens, wie seine gelungene Form, die Straffheit seiner Sehne und die Dehnbarkeit an, dachte sich aber dahinter in dem Bogen ein Wesen mit einem, seinem eigenen ähnlichen Empfinden, das imstande und auch gewillt sei, ihm auf der Jagd zu helfen und unter Umständen zu schaden. In ähnlicher Weise denken sich die Indianer die ganze Welt um sich her von unzähligen Geistern bevölkert, deren Verhalten gegen sie von ganz unberechenbarer Bedeutung sei.

Die Algonkinsprache besitzt ein Wort manito oder manitou, das man oft als eine verallgemeinernde Bezeichnung anwendet, um damit die Summe der geheimnisvollen Mächte hinter der sinnlichen Welt auszudrücken. Kitchi Manitou oder +großer Geist+ faßt man dann gleichsam als gleichbedeutend mit Gott auf. Inwieweit dieser Gedanke an einen großen Geist, der alle übrigen in sich einschließt, auf christliche Lehren, die die Missionare im Lauf der Jahrhunderte übermittelten, zurückzuführen ist, läßt sich schwer sagen. Die Vorstellung von einem großen Geist ist aber zweifellos unter den Indianern weitverbreitet, und je höher ein Stamm entwickelt ist, um so deutlicher tritt sie in die Erscheinung. Doch gilt dieser große Geist nicht immer für so gütig, wie er mächtig ist. Die Sioux- und Foxindianer schildern Kitchi Manitou in ihrer großartigen Schöpfungssage als ein Wesen, das seine Kinder erschlagen ließ aus Furcht vor ihrer Rivalität und zur Strafe dafür in eine Indianerhütte an der Küste des Weißen Stromes am Firmament (unsere Milchstraße) verbannt wurde. Sein ihn überlebender Sohn Wi-sa-kae machte die üblichen Abenteuer eines Kultheros durch: er versuchte auf den Flügeln des Bussards, der damals so bunte Farben wie ein Papagei trug, zu seinem ihm befreundeten Ahn, der Sonne, aufzufliegen. Der hinterlistige Bussard glitt aber unter ihm weg, und der Held fiel auf die Erde, wobei er nur mit knapper Not der Gefahr entging, in Stücke zerschlagen zu werden. Zur Strafe wurde das ganze Bussardvolk dazu verurteilt, Erdarbeiten zu verrichten, um die Erde für die Menschen, die Wi-sa-kae zu erschaffen gedachte, vorzubereiten. Auch haben von der Zeit an die Bussarde ihre prächtigen Farben verloren und sind dem Haß und der Verachtung der Menschen preisgegeben. Darauf schuf Wi-sa-kae aus roter Erde die Menschheit, lehrte sie allerlei Künste und Tänze und machte sie mit der Jagd und dem Maisbau bekannt, überhaupt mit allem, was zu ihrem Glück nötig war. Als er dies alles getan hatte, sagte er den Menschen lebewohl und teilte ihnen zugleich mit, daß er nach dem Norden gehe und in Eis und Schnee sich eine Hütte bauen wolle; er werde sie aber alljährlich beim ersten Schneefall wieder besuchen und eines Tages in seiner eigenen Gestalt, doch in Jugend und Schönheit, wieder vor ihnen erscheinen, um die Menschen dann in das glückliche Land im Westen zu führen, wo sein Bruder über die Geister ihrer Ahnen regiere; darauf werde er selbst wieder umkehren und die Welt, aus der er sie fortgeleitet hätte, zerstören. Diese Erwartung der Wiederkunft des Helden besteht bei den Indianerstämmen fast durchweg. Wie man in Europa während des Mittelalters von der Wiederkehr des Königs Artus, Karls des Großen und Barbarossas träumte, so erhofft der Indianer Nordamerikas fast täglich das Wiedererscheinen des Wi-sa-kae. Townshend beobachtete, wie die Pueblos jeden Morgen, in ihre Decken gehüllt, auf den flachen Dächern ihrer Häuser standen und Ausguck nach Osten hielten, von wo sie den Messias, der von ihnen gegangen, zurückerwarteten. Von Peru, Yukatan und Mexiko an bis zu den Jagdgründen des weiten Nordens warten die Indianer auf die Wiederkehr ihres halbgöttlichen Heros, der sie die Künste des Friedens und des Krieges lehrte. Nicht immer aber wird dieser Held für so wohlwollend und gerecht gehalten, wie die Sioux den ihrigen hinstellen; die Indianer schufen sich eben ihre Götter nach ihrem eigenen Ebenbild, und so war ihr Held nur zu oft mit denselben Tugenden und Lastern ausgestattet wie die Indianer selbst.

Selbstverständlich hat kein Stamm seine Überlieferungen unverändert zu erhalten vermocht; da sie von Geschlecht zu Geschlecht sich vererbten, ist manches vergessen oder falsch verstanden worden, und da auch die Lebensweise der Menschen sich manchmal änderte, so hielten die übernatürlichen Wesen damit Schritt und paßten sich den neuen Forderungen an, indem auch sie sich änderten. Die Navajo zum Beispiel, ein unstetes Hirtenvolk, haben keinen Oberhäuptling und denken sich ihre Geisterwelt ebenso demokratisch, wie sie selbst es sind. Sie glauben daher an viele mächtige Geister, die von ihnen versöhnt werden müssen, kennen aber kein höheres Wesen, das die übrigen beherrscht. Interessant ist es, daß der bedeutendste dieser Geister, Estsanatlehi, das heißt „die Frau, die jung ist“, als weiblichen Geschlechtes gilt. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß man diese Vorstellung der Natur entnommen hat, die gegen Ende des Jahres alt wird und sich in jedem Frühjahr verjüngt. Dieser Geist, der auch unter dem Namen Whailahay bekannt ist, gilt für das höchste Wesen in der Welt der Abgeschiedenen, wo es die Flußübergänge bewacht, die überschritten werden müssen, um zu den glücklichen Jagdgründen oder Weideplätzen der Geister zu gelangen. Whailahay nimmt sich ihres Geschlechtes sehr an: ein Navajo, der bei Lebzeiten seine Frau mißhandelt hat, findet schwerlich Gnade vor ihr, wenn er den Fluß, der zum Paradies seines Stammes führt, überschreiten will. So kommt es, daß die Frauen der Navajo ganz im Gegensatz zu denjenigen anderer Stämme, die gewissermaßen nichts sind als geduldige Arbeitstiere, sich in hohem Grade am öffentlichen Leben beteiligen.

Welcher Art oder welchen Geschlechtes die Geister auch sein mögen, um deren Gunst sich die Indianer bemühen, alle müssen von ihnen in erster Linie durch besondere feierliche Handlungen, vor allem +Tänze+ (Abb. 182), besänftigt werden. Vor einem solchen Zeremonialtanz unterziehen sie sich gewöhnlich einer Läuterung, entweder durch längeren Aufenthalt in einem Schwitzhaus oder durch Fasten; danach erscheinen sie entkleidet und bemalt, mit Masken und Perlen geschmückt, sowie mit Fuchsschwänzen und grünen Girlanden behängt, tanzen in langsamem, feierlichem Reigen und rufen die Geister an, daß sie ihnen Sonnenschein oder Regen, Fruchtbarkeit oder erfolgreiche Jagd gewähren. Die Pueblos und unter ihnen namentlich die Hopi pflegen Tänze, meist Maskentänze (Abb. 181, 183, 184, 185 und 188 sowie die farbige Kunstbeilage) aufzuführen, um sich die Hilfe ihrer Stammesahnen zu sichern; Maismehl oder Blütenstaub wird verstreut, wenn es sich darum handelt, die Erntegeister anzugehen. Menschenopfer werden wohl nur noch äußerst selten dargebracht. Von den Pawnees wird berichtet, daß sie vier Tage und ebensoviel Nächte tanzten, bevor sie ihrem höchsten Geist, Triava, Menschen opferten, um Kriegsglück und eine gute Ernte von ihm zu erlangen.

Tänze sind indessen nicht die einzigen religiösen Handlungen, mit denen die Indianer sich ihren höheren Mächten nähern. Die +Navajo+ zum Beispiel tanzen wenig, sie lassen dafür ihre Priester +Gebete+ an die Götter richten und fromme +Lieder+ dazu +singen+, auch ihnen Perlen- oder Federschmuck sowie Zigaretten +opfern+, die sie mit feststehenden Mustern bemalen. Ihre eigenartigste Anbetung besteht jedoch in der +Herstellung heiliger Bilder im Sande+, den sie auf dem Boden ihrer Medizinhütten ausbreiten. In ihm stellen sie Götterbildnisse nach überlieferten Mustern dar, indem sie Pulver verschiedener Färbung auf den glatten Sand streuen. Außerdem wird als Opfergabe noch Blütenstaub oder Maismehl über diese Figuren gestreut. In Krankheitsfällen werden Prisen des heiligen Sandes als Medizin verabreicht, bei einem lahmen Fuß zum Beispiel etwas von dem die Füße bildenden Sande, bei Kopfschmerz Sand vom Haupte des Gottesbildes und so weiter. Was dann von dem Bilde noch übrig bleibt, wird hinausgefegt.

Die Puebloindianer blasen bei ihren gottesdienstlichen Handlungen Daunenbläschen in die Luft, damit diese zusammen mit ihren Gebeten in die Höhe steigen.

Die Hopi führen einen besonders interessanten Tanz auf, den +Schlangentanz+. Er findet im August statt und dauert jedesmal neun Tage; die Hauptstätte dafür ist Walpi (Abb. 173 und 186). Seine Teilnehmer sind Mitglieder der Brüderschaften der Schlange und der Antilope, die offenbar aus früheren Familientclans hervorgegangen sind und sich zu diesen umfangreichen Gemeinschaften entwickelt haben. Die Priester werden in den Kiwas oder heiligen Kammern zu der ihnen zufallenden Arbeit geweiht; es sind dies Räume, die aus dem Sandsteinfelsen herausgehauen wurden und nur von oben her, mit Hilfe einer Falltür oder Leiter (Abb. 187), Zutritt gestatten. Adlerfedern, Wiesel- und Stinktierfelle schmücken die oberste Sprosse der Leiter. Man schafft bunten Sand in die Kiwas, der, ähnlich wie bei den Navajo, in einem kunstvollen Mosaik von überlieferten Mustern und religiöser Bedeutung zu Altären und Bildnissen verarbeitet wird (Abb. 189). Um die derart errichteten Altäre werden heilige Abzeichen und Fetische aufgestellt. Ferner wird ein Zaubertrank aus Kräutern, Honig und Kornblütenstaub zurechtgebraut und eine geweihte Pfeife mit großer Feierlichkeit nach den sechs Himmelsrichtungen zu geraucht. Die Hopi zählen deren nämlich sechs: Nordwesten, Südwesten, Südosten, Nordosten, Zenith und Nadir; jeder dieser Richtungen ist eine besondere Farbe und Gottheit zugeteilt. Die Festlichkeiten (Abb. 190 und 191) werden mit der Jagd auf Schlangen eingeleitet. Bei ihrem Beginn treten die Schlangenpriester, nur mit einem Lendenschurz und Mokassins bekleidet, mit aufgelöstem Kopfhaar hervor; sie sind mit einem Schlangenbüschel (Abb. 166), das aus einer oder zwei Adlerfedern an einem Griffe besteht, einem langen Stock zum Graben oder einer Hacke und einem Lederbeutel ausgerüstet. Jede Schlange, ausgenommen Wasserschlangen, wird von ihnen aufgestöbert. Treffen sie auf eine giftige, dann fahren sie mit dem Schlangenbüschel über sie hin; dies scheint eine Art hypnotischer Wirkung auf das Tier auszuüben, denn es verhält sich daraufhin ruhig. Nun ergreifen sie mit der einen Hand die Schlange beim Genick, oder, falls dies nicht möglich ist, beim Schwanz, lassen die andere Hand rasch bis zum Halse gleiten und stecken sie in den Beutel. Sind die Beutel gefüllt, dann bringen die Priester sie nach der Kiwa, wo geschickte Hände die Schlangen in große irdene Gefäße legen. Hier verbleiben sie für den Rest der Festtage; sie werden von den Priestern in einem heiligen Wasser gebadet, in heiligem Maismehl gerollt und zusammen mit den Fetischen in dem Sandmosaik des Altars gewälzt. Eine große Rolle spielen bei den Feierlichkeiten noch die +Bahos+ oder Gebetstäbchen. Es sind dies lebhaft gefärbte, befiederte Stäbchen oder Brettchen von verschiedener Länge (wenige Zentimeter bis zu einem halben Meter, je nach ihrer Aufgabe), die man allenthalben, vielfach in Gruppen zusammengestellt, bald in der Nähe der Dörfer, bald auf freiem Felde, in Felsspalten oder im Triebsande antrifft; die Bahos sind von großer Bedeutung im Leben der Pueblos. Am häufigsten trifft man sie in nächster Nähe der Niederlassungen an, wo sie auf einem bis zu etwa einem Meter hohen Aufbau, einer Art Altar, neben Opfern der üblichen Art, darunter Flußgeröll, absonderlich geformte Steinknollen, Bruchstücke versteinerten Holzes sowie abgenutzte und zerschlagene Steingeräte, liegen. In weiterer Entfernung von den Dörfern finden sich die Bahos in Felsnischen aufgestellt. Die Bahos sind, wie gesagt, aus bestimmten Holzarten hergestellte Stäbchen oder Brettchen, die man mit bunten Farben anmalt und mit gewissen Kräutern, Vogelfedern, Baumwolle und mit einem mit Mehl oder Honig zur Nahrung des Baho angefüllten Maisblattsäckchen besteckt. Die Anfertigung geht unter bestimmten Förmlichkeiten (Rauchen vor und nach der Herstellung, Sprechen von Gebeten) vor sich. Diese Gebetstäbchen sollen eine Vereinigung von Symbolen darstellen, deren Deutung im einzelnen vielfach unsicher ist, und, nachdem sie geweiht sind, vermittelnd zwischen Gläubigen und Göttern wirken. Das Wesen des Baho ist einmal eine Bekräftigung oder Verkörperung des mündlichen Gebets, weiter aber auch ein symbolisches Gebet und schließlich noch eine Huldigung für die Götter beziehungsweise ein Opfer für sie. Oft werden zwei Bahos aneinander gebunden, sie sind dann das Sinnbild von Mann und Frau.

Während des Schlangentanzes der Hopiindianer nun werden solche Gebetstöcke auf dem Altar aufgestellt und hierauf während der ganzen neun Tage beständig Gebete gesprochen und andere feierliche Handlungen vorgenommen. Priester und Schlangen leben Tag und Nacht in der Kiwa zusammen. Am sechsten Tage wird in der Kiwa der Antilopengemeinde ein Mysterium über den Ursprung der Schlangenbrüderschaft aufgeführt. Zu diesem Zwecke werden ein junger Mann der Schlangen- und eine junge Frau der Antilopenbrüderschaft auserwählt und besonders ausgeputzt; der letzteren wird ein geweihtes Kornabzeichen in die Hand gegeben. Beide stellen sich vor dem Altar auf. Der Antilopenhäuptling eröffnet die feierliche Handlung mit einem Gebet, in dem er um reichlichen Regen für die Saat und um eine gute Ernte fleht. Hierauf werden sechzehn überlieferte Gesänge vorgetragen, die zum Thema die Legende von der Entstehung des Schlangenclans haben. Dieser zufolge ging vorzeiten eines Tages ein Hopijüngling mit Namen Tiyo bis an den Rand des Grand Cañon und sah dort die brausenden Gewässer des großen Koloradoflusses. Er baute sich eine Arche und fuhr den Fluß hinab, bis er zum Salzsee kam und in diesem auf einer Insel landete. Hier begegnete ihm die Spinnenfrau (die gleichzeitig auch die Erdgöttin ist); sie war sehr freundlich zu ihm und führte ihn auf einer Regenbogenbrücke über den See in ein anderes Land und hier wieder in eine Schlangenkiwa. Dort hingen Schlangenhäute an der Wand, und die Menschen waren ganz ebenso wie Tiyo selbst Rothäute. Als er dann aber aufgefordert wurde, sich umzusehen, da waren diese Menschen auf einmal mit den Schlangenhäuten angetan und glichen Schlangen. Die Spinnenfrau war unserem Helden nun behilflich, diesen Schlangen ein Mädchen namens Teuamana als Braut für ihn abzugewinnen und beiden die Heimkehr zu erleichtern. Aber erst nach vielen Abenteuern kam das Paar wohlbehalten in der Heimat des Hopijünglings an. Diesem Paar nun ist der Schlangenclan der Hopi entsprungen, und darum können die Leute ohne Furcht mit den wilden Schlangen als mit ihren Brüdern umgehen und sie dazu bewegen, ihre Gebete um Regen in die Geisterwelt zu tragen.

Zahlreiche andere Förmlichkeiten werden von den verschiedensten Indianerstämmen vorgenommen, um ihren +Feldern Fruchtbarkeit zu verschaffen+. Für gewöhnlich aber sind es Maskentänze, mit denen sie diesen Zweck verfolgen. Die Irokesen führen solche im Januar als sogenannte Neujahrstänze auf. Die Masken (Abb. 193), die sie dabei tragen, sind meistens aus Holz angefertigt und sollen bisweilen schon zwanzig bis hundert Jahre in Gebrauch sein. Sie verlangen Tabak als Opfergabe und sind böse, wenn nicht mit ihnen getanzt wird. Sie gleichen menschlichen Gesichtern mit weitgeöffnetem, breitem oder trichterförmigem Munde, sind meistens aus Holz angefertigt und tragen eine Perücke aus Haaren vom Pferdeschwanz, einen Streifen Büffelhaut, ein Geflecht von Maiskolbenhülsen und anderes derart. Ohne Zweifel sollen sie Vegetationsdämonen vorstellen. Die mit ihnen bekleideten Tänzer stecken in Anzügen aus zerrissenen Kleidern oder Maishülsen und haben darunter allerlei umfangreiche Gegenstände angebracht, so daß sie Krüppeln oder Mißgestalteten ähnlich sehen; sie tragen ferner eine Rassel und Keulen in den Händen. Ein derartiger Maskentanz wird von einem Augenzeugen folgendermaßen geschildert: Die Tänzer erschienen vor dem Beratungshause, wo sich die Männer versammelt hatten, und schlugen mit ihren Rasseln und Knütteln unter seltsam grunzenden Ausrufen an die Wände des Hauses. Die Schläge wurden immer heftiger, der Lärm immer ohrenbetäubender. Plötzlich flog die Tür auf und die Tänzer erschienen; sie krochen aber auf allen vieren herein, wanden sich dabei wie Krüppel und schüttelten ihre Rasseln und Stöcke über den Boden hin. Erst in der Mitte des Raumes richteten sie sich auf. Der Tanz dauerte nur kurze Zeit, worauf die Tänzer nach ihrem Gefallen im Beratungshause umhergingen und durch ihre Masken die Frauen anstierten und den Kindern Furcht einflößten. Gelegentlich rief der Leiter der Festlichkeit diesen und jenen von ihnen herbei, gab ihnen etwas Tabak, nachdem er solchen schon vor Beginn des Tanzes an alle Teilnehmer wohl als Opfergabe verteilt hatte, und forderte sie auf, noch auf eine bestimmte Art zu tanzen, verschiedene Tiere nachzuahmen oder auch Schlittschuhläufer, Lokomotiven und dergleichen. Dabei kam es zu ziemlich platten und schlüpfrigen Spässen.

Eine eigenartige Regenzeremonie (Abb. 194) kennen die Zuñi, die von einer besonderen Priestergenossenschaft, den zehn Koy-e-á-ma-shi, um die Sommersonnenwende in der Gestalt von Dämonen, zum Teil mit tierähnlichen Masken, ausgeführt wird. Sie stellen sich dabei in einer Reihe auf, wobei sie die Worte Du-mi-chim-chi, Du-mi-chim-chi-a-a singen, und bewegen sich halb gehend, halb trabend unter den Dachtraufen der Häuser hin durch alle Gassen und um die Außenmauern des Dorfes herum. Jeder läßt dabei seine Hände auf den Hüften seines Vordermannes ruhen, der Führer des Zuges hat die seinigen auf die Knie gestützt; die Leute gehen also leicht nach vorn gebeugt und sind, abgesehen von einem groben und rauhen dunkelblauen Tuch um die Lenden, nackt. Während dieser drollige Zug sich unter den vorspringenden Dächern der Häuser fortbewegt, stehen oben die Frauen mit Krügen voll Wasser, das teilweise nicht gerade von reinster Beschaffenheit ist, und gießen es auf die Köpfe und Leiber der Männer aus. Bisweilen wird vor Ankunft des Zuges, während die Frauen auf ihn warten, mit der Hand ein wenig Wasser aus dem Kruge geschöpft und ausgeschüttet, nach der Annahme von Fewkes, dem wir diese Schilderung verdanken, wohl eine Art Opfergabe. Die Mitglieder der Prozession suchen auf jede Weise möglichst naß zu werden und scheinen um so befriedigter zu sein, je mehr sie bei der Begießung eingeweicht werden. Während des ganzen Vorgangs werden nur die oben wiedergegebenen Worte wiederholt. Es handelt sich hierbei offenbar um Vegetationsdämonen, die die Feldfrüchte vertreten und an deren Stelle das befruchtende Naß empfangen. Die Zuñipriester der Koy-e-á-ma-shi beteiligen sich auch an den heiligen Tänzen, den Korkokshitänzen, die gleichfalls den Zweck verfolgen, Regen und gute Ernte zu erzielen. Sie betreten zusammen mit den Koko, den Haupttänzern, das Dorf und treiben allerlei Späße meist schlüpfriger Natur, die unter den Zuschauern sichtlich großes Vergnügen hervorrufen. Obgleich diese unanständigen Vorführungen mit dem eigentlichen Zweck der Feierlichkeit nichts zu tun haben, so geht ihnen sicherlich eine tiefere Bedeutung nicht ab; die beischlafähnlichen Bewegungen, die dabei meistens vollführt werden, sollen die Befruchtung andeuten. Auch die Moki, ein anderer Pueblostamm, kennen ähnliche religiöse Tänze zum Gedeihen des Pflanzenwuchses: die Anakatschina, bei denen die Ausführenden maskiert auftreten. Einer dieser Tänzer, der den Vegetationsdämon Kokopeli darstellt, ist mit einem ungeheuren Phallus und einem vogelartigen Schnabel ausgestattet.