Category: Essays, Letters & Speeches

Das Bücher-Dekameron Eine Zehn-Nächte-Tour durch die europäische Gesellschaft und Literatur

Von den Spießhörnern bis zur Todtnauer Hütte jagt der Schneesturm schon den dritten Tag. Das Zastler Loch ist verhüllt und um Herzogenhorn ballt sich die Schneeflut zu neuem Angriff. Zum Bärental häuft sich der Schnee schon wie Meer. Als ich zuletzt Sie traf in ähnlicher Lage,...

Chapters

1. Part 1

Von den Spießhörnern bis zur Todtnauer Hütte jagt der Schneesturm schon den dritten Tag. Das Zastler Loch ist verhüllt und um Herzogenhorn ballt sich die Schneeflut zu neuem Ang...

2. Part 2

Boccacces Jahrhundert hatte die Pflicht zu genießen, was bleibt einem Gentleman anderes heute, als die Freiheit, sich mit seiner Zeit in Ordnung zu bringen. Man kann das auch be...

3. Part 3

Ich bin wie trunken, gesättigt vom Atem aller großen Zeiten durch meine Heimat gefahren und die Bäume hatten etwas Erkennendes in ihrem Dunklerwerden und die Vögel in ihrem Schw...

4. Part 4

In Lyon traf ich in einer gebildeten Gesellschaft einen Kaufmann, der dachte, preußisch und deutsch sei zweierlei. Er hatte Recht wider Wissen. Preußisch ist leichter zu fangen...

5. Part 5

Aber auch die Prinzen haben sich an dem Rand der großen Symphonie deutscher Dichtung eingestellt. Aus den Märchen schon hob sich die leichte Grazie der mit seltsamer Jugendwürde...

6. Part 6

Nun kam Molière. Um Stil, koste es was es wolle, zu kriegen, krampfte sich Gottsched, der klüger war als die ihn verlachen, an Boileau und Aristoteles und schlug den Hanswurst ü...

7. Part 7

Zu einem Mädchen, das er gehabt, sagte der blondperückte Übersetzer Shakespeares: »Liebes Kind, vergiß nie diese weihevolle Stunde, wo A. W. von Schlegel dich küßte!« Ich nehme...

8. Part 8

Nimm die Memoiren der großen Katharina von Rußland hinzu, die Briefe der bis zu den weißen Haaren hin geliebten Ninon de Lenclos, die Novellen der Bibel, die Briefe der wilden C...

9. Part 9

Männern sollte von der Natur erst in den sechziger Jahren, wenn sie statt mit Frauen sich mit Schnepfenköpfen zu beschäftigen beginnen, das kritische Amt vorbehalten sein. Ich f...

10. Part 10

Zweimal nur gelang es vor Heine, einen Zipfel der Epoche lustig und erhaben zu stehlen aus der Rüstkammer der sortierten aber nie gesammelten deutschen Begriffe, das war in »Min...

11. Part 11

In Deutschland sind erst nach der Revolution einige Kabaretts eingezogen, die das Tagesereignis glossieren, die Literatur dazu wurde von Herrn Mehring, Tucholsky, Reimann und Ri...

12. Part 12

Darum sind die krampfhaften Messiasse mit den moralischen Wegweisern am Hut und den Kommandos zur Läuterung auf der Zungenspitze bedingungslos verdächtig, weil eine Epoche, wenn...

13. Part 13

In dem Zirkus der Eitelkeiten, in dessen Logen die Nation gar nicht einmal saß, liefen wie junge Engländer des Mittelalters die Männer des Sturms und Drangs herum, die Schlegels...

14. Part 14

Er ist ein aristokratisches Stil-Chamäleon. Die Sünde der Epoche hat in ihm einen Sylvester Schäffer gefunden: er schießt und dichtet, spielt auf dem Pferd Violine, läuft Seil,...

15. Part 15

Ich war eine Weile stumm, denn auf dem Baum tanzten die Schatten der Vögel derart herum, daß es wie ein nächtlicher Spuk vor der Himmelsilhouette stand, und jede Bewegung führte...

16. Part 16

Heiliger Mars. Wer nur jenen unterbeamtenhaften Begriff des Vaterländischen hat, daß lediglich Generäle und Kaiser ihm Ideale darstellen, kommt leicht in die schändliche Lage, n...

17. Part 17

Sie sind eine amüsante Posse in der Art des Malers Ensor, der mit einem hemmungslosen und narzissisch lüsternen Grauen auch die ganze Gegenwart vernichten möchte. Aber in ihrer...

18. Part 18

Vielleicht werden zur Herrschaft gekommene Sklaven uns auf ihre neue Lebenstafel kreiden, wenn die anderen uns verwerfen. Aber die Sklaven der Dummheit und der Böswilligkeit wir...

19. Part 19

Die Expressionisten haben immerhin dahinaus zu gedeutet und die Richtung einer ganzen Generation angegeben, während die Georgianer in ihren Höhlen mit anmutig gepuderten Fingern...

20. Part 20

Ach, der deutsche Frühling hat nichts gemein mehr mit den Gefühlen jenes erheblichen Meister-Dichters aus Seldwyla, und dessen Knochen sind nicht seine Bausteine und seine Asche...

21. Part 21

Der Streit, den Barbusse und Rolland nunmehr ausgefochten haben, ist der Kampf um die Gewissensfrage jedes einzelnen gewesen. Barbusse wollte aus dem Débacle des Kriegs den Bund...

22. Part 22

Wir sind das Meer geworden, wohin die unheilvoll produktiven Skandinaven ihre Regatten machen. Es ist leicht sie zu gliedern, wo man sie ja langsam alle bis zu den armseligsten...

23. Part 23

Es bleibt, Mijnheer, wenn Sie fragen, was Kunst sei und was standhielte, gehalten gegen die aufbäumende Kraft des Daseins, es bleibt, über die ewigen Bewegungen der Jahreszeiten...

24. Part 24

In meinem Wappen stehn unter dem springenden Löwen die sechs Punkte des Gleichgewichts und der Gelassenheit. Ich habe auch die drei Bilder noch nicht in das Haus meiner Väter in...

25. Part 25