Wir ritten für Deutsch-Ostafrika
Part 18
Der Buschstreifen war leider schmal und bot keine Deckung gegen Infanteriefeuer. Jenseits desselben war kein Feind zu sehen. Also weiter! Wenige Galoppsprünge – da bekam ich aus dem Busch halbrechts von mir ebenfalls starkes Feuer. Ich wandte links und ritt, mit dem Kolben stoßend – ich vermißte meine alte schwere Feldartillerieplempe sehr –, buchstäblich durch feindliche Schützen, die aufgestanden waren, aber erst hinter mir her schossen, als ich bereits durch war, vorher wohl auch nicht schießen konnten, wollten sie nicht ihre eigenen Leute anknallen, vor denen ich nach links abgebogen war. In meiner Nähe sah ich nur noch den Gefreiten Arno Förster. Da stürzte sein Tier, warf ihn schwer, und ich war allein.
Ich konnte keine 20 Schritt weit sehen, aber ich glaubte jetzt raus zu sein und galoppierte vorgebeugt, nachdem ich mir den Tropenhut fest über den Kopf gezogen hatte, hinein in den dichten Dornbusch. So schoß ich blindlings in eine Abteilung von 150 berittenen ~Southafrican Scouts~ hinein, die hinter dem Dornbusch hielten und jetzt mit gutem Erfolg Revolverpraxis an mir übten. –
Im Handgemenge zu Meia-Meia verlor meine Kompanie neun Europäer. Kriegsgeschichtlich ist Meia-Meia als das Grab der Berittenen 9. Schützenkompanie zu betrachten. An einen Ersatz von Europäern war angesichts des sich auch bei den Feldkompanien stark fühlbar machenden Mangels an solchen nicht zu denken. Es war daher das Gegebene, daß, nachdem noch einige Europäer meiner Kompanie zu Feldkompanien versetzt worden waren, der fast nur noch aus Askari bestehende Rest der tapferen Neunten mit der Berittenen Achten verschmolzen wurde und in ihr aufging. Das Konkurrenzunternehmen hatte doch gesiegt!!
* * * * *
Es bleibt nur noch kurz zu erzählen, wie es kam, daß ein Mann, dessen Hand die Axt, den Pflug, die Flinte und die Zügel zu führen geliebt hat, die Feder in die Hand nahm.
Nach einem für den berittenen Soldaten sehr verdrießlichen Fußmarsch von fünf Wochen unter den Strahlen der tropischen Sonne und durch den knietiefen losen Sand der Etappenstraße langten wir im Kriegsgefangenen-Sammellager zu Nairobi an. Hier gab mir die englische Kommandantur ein großes rotes Taschentuch, ein Rasiermesser und einen Rasierspiegel. Ereignisse wiederholen sich – ich dachte an den elfjährigen Knaben, der für Reisebedarfsartikel auch auf Taschentücher verfallen war. Nachdem ich noch meine Taschenuhr an einen englischen Tommy verkauft und mir eine Khakihose gekauft hatte, war ich reisefertig für den Abtransport nach Vorderindien.
In Indien steckte man mich hinter den Stacheldraht des A-Camps im Gefangenenlager zu Ahmednagar. Als ich eingeliefert wurde, war das A-Camp bereits von 800 Mann und zwei Milliarden Wanzen bevölkert. Im A-Camp waren vertreten die Spitzen der Wissenschaft, Professoren des Sanskrit, der Nationalökonomie, der Chemie, der Zoologie, deutsche und österreichische Kaufleute und Missionare aus Hinter- und Vorderindien, aus Siam, die ganzen Mannschaften der im Indischen Ozean gekaperten Handelsmarine vom Offizier bis zum Heizer, sämtliche deutschen Vagabunden, die sich im fernen Osten herumgetrieben hatten, kurz Abenteurer jeder Gattung und zwei Milliarden Wanzen.
Sintemalen es sich um ein deutsches Gefangenenlager handelte, hatte dieses natürlich einen großen Wellblechschuppen, der je nach Tageszeit und Laune als Kirche, Theater, Universität, Konzertsaal oder Vortragsraum diente. Da Wanzenjagd als einzige Betätigung auf die Dauer von dreieinhalb Jahren nicht befriedigen kann und da ich doch auch etwas zur Unterhaltung meiner 800 Con-Abenteurer beitragen wollte, verfiel ich auf den für mich gewiß sehr abenteuerlichen Plan, ihnen von meiner Berittenen Neunten zu erzählen. Ich schrieb mir’s auf, und 16 Leseabende waren das Resultat.
Am ersten Abend waren in dem großen Wellblechschuppen höchstens 20 bis 30 Mann da – ja, wenn nicht ein Prominenter des Lagers die Bühne betrat, ließen die Familienväter sich in ihrem Dauerskat nicht stören, und das junge Blut umschwärmte lieber die Tische, an denen »Gottes Segen bei Cohn« gespielt wurde. Am zweiten Abend war der Wellblechschuppen gefüllt, am dritten mußten seine Wände entfernt werden, und von da ab versammelten sich an jedem Leseabend die gesamten Lagerinsassen in dem und um den seiner Wände beraubten Wellblechschuppen.
Der Nachwelt wäre es doch beinahe verlorengegangen. Als wir repatriiert werden sollten, kam die Verfügung heraus, daß unser Gepäck auf alles im Lager Geschriebene strengstens zu durchsuchen und dieses zu beschlagnahmen sei.
Da baute mir ein Kamerad, der Schiffszimmermann war, einen Handkoffer mit doppeltem Boden. In diesem Koffer habe ich meine Aufzeichnungen, so klein geschrieben, daß ich sie heute nur noch mit der Lupe lesen kann, trotz aller Revisionen am 7. Februar 1920 in Rotterdam glücklich an Land gebracht.
_Die Koehler Reihe_
bringt in über 60 Bänden packende Erlebnisbücher, Zeugnisse deutschen Geistes und deutscher Leistung
Senta Dinglreiter
Deutsches Mädel auf Fahrt um die Welt
»Wenn man vermeint, es könnten über New York, die Prärien, die Golbgräberstädte, über Japan, China und Indien keine Reisebücher mehr geschrieben werden, so muß man dies Buch zur Hand nehmen, um vor Neuem und Fesselndem zu stehen. Es birgt in sich die Liebe zu Deutschland, die Weite der Welt, das Herz der Frau und den Reiz des Abenteuers ...«
(_Leipziger Abendpost_)
Kapitän Kircheiß · Meine Weltumseglung
mit dem Fischkutter »Hamburg«. Dieser 2. Offizier von Luckners »Seeadler« ist ein Kerl, der sich nur auf den Planken wohlfühlt, stets auf Abenteuer bedacht. Er hat es nach dem Krieg als »Landratte« nicht mehr ausgehalten, mit einem Fischkutter umfuhr er die Welt. Was er dabei erlebt und in zahllosen Vorträgen für sein Vaterland geleistet hat, erzählt er mit Spannung und Humor. »Kircheiß’ Buch in einer bestens ausgestatteten billigen Ausgabe – das ist ein erfreulicher Zuwachs zur Seefahrtsliteratur.«
(_Kölnische Zeitung_)
Christine Holstein · Deutsche Frau in Südwest
»Unter den besten Erscheinungen des Schrifttums über kolonisatorische Arbeit der letzten Zeit taucht das Buch einer Frau auf, die über das Wirken und Schaffen einer deutschen Farmerin in Südwest schreibt. Christine Holstein erzählt deren Leben mit einer Eindringlichkeit und Überzeugungskraft, mit einer Sachlichkeit sondersgleichen, die aber ihren Schilderungen nichts an Spannung nimmt.«
(_8-Uhr-Blatt Nürnberg_)
Jeder Band in Ganzleinen gebunden RM 2.85
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Unterschiedliche Schreibweisen von Ortsnamen wurden beibehalten. Das Inhaltsverzeichnis wurde an den Anfang des Buches verschoben. Der fehlende Titel des ersten Kapitels wurde ergänzt.