The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)
Part 9
_Doch setzen wir den Fall, dass einer ohne jeder Art Schmerz den jüngsten Tag zu erleben vermöchte, was doch schwerlich eintreten wird, nun was ist darüber zu sagen? So bald die arme Seele 10 den Leib verlässt, nun sieh, armer Mensch, wie er daliegt. Hat er auch drei Reiche beherrscht, ihm wird ebensoviel Erde mitgetheilt, wie einem Dürftigen. Auch sehen wir manch einen liegen mit schönen Teppichen bedeckt, mit manchem Lichte besteckt, Myrrhe und Weihrauch wird da auch verbrannt; und es wird angeordnet, dass das Begräbniss hinausgeschoben wird, und sich seine Freunde alle ins gemein da versammeln, dann sind alle darum bemüht, wie man ihn herrlich bestatten möge. O weh! enterbte Herrschaft! 10 Wenn die teuflische Höllenmacht die arme Seele mit Gewalt verschlingt, was hilft es, wo immer man das elende Gebein begräbt, wenn der armen Seele die Gemeinschaft aller Heiligen aberkannt wird? Weh der Nacht, die ihn dann hinwegrafft! Nun wollen wir annehmen, das Begräbniss werde verschoben zwei oder drei Tage, 20 oder auch noch etwas darüber, es ist doch ein klägliches Abfahren. Nichts, was je geboren ward, wird so abstossend und der Welt so unangenehm. Nun tritt hin, schöne Frau, und schaue an deinen lieben Mann und betrachte sorgfältig, wie sein Antlitz gefärbt ist, wie sein Scheitel gerichtet, wie sein Haar geschlichtet. Sieh recht genau zu, ob er sich auch fröhlich zeigt wie damals, als er öffentlich und ins geheim die Augen nach dir blitzen liess. Nun sieh, wo sind seine müssigen Worte, mit denen er von der Frauen-Pracht lobend erzählte? Nun sieh, wie lahm (wörtlich: in welcher Verfassung) 10 ihm die Zunge im Munde liegt, mit der er Liebeslieder anmuthig singen konnte! Nun vermag sie nicht hervorzubringen Worte noch auch nur einen Laut. Nun sieh, wo ist das Kinn mit dem neuen Barthaare? Nun schau, wie schlaff die Arme und Hände da liegen, mit denen er dich aller Enden 20 koste und umfieng! wo sind die Füsse, mit denen er schritt in höfischer Zucht unter den Frauen? ihm musstest du oftmals nachblicken, wie die Hosen ihm am Beine sassen: die nutzen sich nun leider wenig ab. er ist dir nun gar fremd, dem du ehemals die Seide ins Hemd an mancher Stelle hineinziehen musstest. nun schau ihn in der Mitte an: da ist er aufgebläht wie ein Segel. schlimmer Geruch und Dunst steigt aus dem Bahrtuch und lässt ihn nicht lange (mehr) mit dir auf Erden wohnen. Weh über dies klägliche Sterben! Ja der schlimmste Tod 10 der gemahnt dich, Mensch, deiner Schwäche._
_TROST IN VERZWEIFLUNG._
[_Scherer D._ 86, _E._ 78.]
Ein poetisches Fragment von einem unbekannten Dichter. Herausgegeben von Scherer Zeitschrift für deutsches Alterthum, B. 20.
Daz ich dem herzen sô nâhen gesprochen hân, daz hân ich ân schulde niht getân: grôziu nôt ist mir von im kunt: ez sanchte mich unz in den grunt, ez hât mir sô vil ze leide getân dâ von ich immer gnuoch ze sagen hân. wande dô mir got geschuof daz leben, hiet er mir dô ein herze gegeben, daz ein lîp möhte getragen, des wolt ich im immer gnâde sagen: wande es wær tûsent man genuoch des ich eine an mînem herzen truoch. Sâ dô ich êrste wart geborn, dô het mîn herze ûf mich gesworn. nu wesse ich des eides niet und volgete im als ez mir riet. nu leitt ez mich einen tieffen wech und versatzte dô prukke unde stech. 10 dô ich wider wolde varn, mit strichen und mit hâlscharn het ez mich umbesetzet, sô ein hasen in einem netze. nu chunde ich niht ûz gewenchen. dô begunde ich denchen ‘ez hât mich verrâten.’ daz ich im ie gevolgit, daz rou mich ze spâte: wande ez chunde ân schaden niht ergân. ich sach di vîende bî mir stân; 20 der chom dô ein michel her: dô satzte ich mich ze deheiner wer. si sluogen mir ein verchwunden: deheiner wer ich begunde. dô ich ze verhe was versniten, iesâ chunde ich wol der wunde site, daz ich ir nimmer mohte genesen, ez muos mîn tôt wesen. vil sêre rou mich daz leben. nu chunde ich mir deheinen trôst gegeben: wande an den selben stunden dô gedâhte ich nâch der wunden ‘waz hilfet aller arztlist, 10 sît diu wunde sô tief und verborgen ist. si muoz ungeheilt bestân und mac mir wol ze dem tôde gân.’ iedoch bat ich allenthalben swâ man pflach guoter salben, daz man mir ein wênich streich dar an. nu vant ich nie deheinen sô guoten man der mir durch got gein einem hâre wolt geben. dô swant mir nâch mîn leben, wande niemen wart sô guot 20 der mir trœsten wolt den muot. dô wart ich trûrich und unfrô. iedoch chom ez alsô daz mir ein rîcher herre enbôt, er wolt mir buozen mîn nôt und âne mâsen machen heil. dô wart ich frœlîch unde geil. Nu wil ich iu sagen an disen stunden, welhez doch sîn di wunden und der vîende hâlscharn den ich ân schaden niht moht enpfarn. 10 dô ich in mîner chintheit durch mînes herzen eit dem tiufel und der werlt wart undertân, dô ich mich dô chunde enstân, dô erchande ich schier durch nôt daz mich daz herze leittet ûf den tôt. nu wolt ich di werlt iesâ hân gelân. nu begunde si mich vaste zuo ir vân mit ir manigen tûsent listen, daz ich ez vur baz friste 20 unz si mich sô zuo ir het genomen daz ich mit nihte von ir chunde chomen. wande si twanch mir hende und vuoze mit ir bittern suoze und mînen lîp alsô gar: dô ich ir rehte genam war, sô gedâhte ich ich muose bî ir bestân, und swie ich si immer wolde gelân. dô nam ich aber in mînen muot, ob dehein heilige wær sô guot der mir durch got ze helfe chæme und mich genædechlîch von der werlt næme. 10 swie vil ich dô gebat und gelas, wânde ich des tiufels martirær was, sô half mir ir deheiner niet: an mir verzagte alliu himelischiu diet. nu wart ouch mir sô zorn, ich wânde ich wær zer helle geborn. ich lie dô mîn gebet stân, ze beiden handen liez ich ez gân. dô ich michs aller minste versach, nu hœret welch ein gluke mir dô geschach! 20
_Wenn ich dem Herzen so viel Vorwürfe gemacht habe, so habe ich das nicht ohne guten Grund gethan. Grosse Noth habe ich von ihm erfahren: es senkte mich bis in den Grund, es hat mir so viel zu Leide gethan, dass ich davon Zeit Lebens genug zu erzählen habe. Ja, hätte Gott, als er mir das Leben schuf, mir auch ein Herz gegeben, das ein Leib tragen könnte, so würde ich ihm immer Dank dafür sagen. Aber es wäre für tausend Menschen genug gewesen, was ich allein in meinem Herzen trug. Gleich zuerst als ich geboren wurde, da hatte sich mein Herz schon gegen mich verschworen. Ich aber wusste von dem Eide nichts und folgte ihm, wie es mir rieth. Da führte es mich einen tiefen Weg und versetzte Brücke und Steg. 10 Als ich zurückkehren wollte, da hatte es mich mit Stricken und heimlichen Fallen umstellt und mich gefangen, wie einen Hasen in einem Netze. Da konnte ich nicht von der Stelle. Nun erst kam mir der Gedanke: es hat mich verrathen. Dass ich ihm je gefolgt, das reute mich zu spät: nun konnte es ohne Schaden nicht mehr ablaufen. Ich sah die Feinde dicht bei mir stehn; 20 deren kam da eine so gewaltige Schar über mich, dass ich mich nicht erst zur Wehr setzte. Sie schlugen mir eine tiefe Wunde. Ich liess mich nicht auf irgend welchen Widerstand ein. Als ich lebensgefährlich getroffen war, da erkannt’ ich sofort das Wesen der Wunde, dass ich nimmermehr genesen konnte, dass es mein Tod wäre. Gar sehr war mir das Leben zur Last. Ich konnte mir keinen Trost geben. Damals dacht’ ich bei meiner Wunde: ‘Was hilft alle Kunst der Ärzte, 10 da die Wunde so tief und verborgen ist? Sie muss ungeheilt bleiben und wird mir wohl noch den Tod bringen.’ Dennoch bat ich allenthalben, wo man gute Salben hatte, man möchte mir ein wenig darauf streichen. Aber ich fand keinen einzigen barmherzigen Menschen, der mir um Gottes Willen auch nur um eines Haares Werth gegeben hätte. Da schwand mir beinahe das Leben, denn niemand war so gütig 20 mich zu trösten. Da wurde ich traurig und unfroh; doch kam es dann so, dass mir ein mächtiger Herr entbot, er wollte mir meine Noth lindern und mich ohne Narben heilen. Da wurde ich fröhlich und heiter. Nun will ich euch aber auch sagen, was die Wunden waren und der Feinde Hinterhalt, denen ich ohne Schaden nicht entgehn konnte. 10 Nachdem ich in meiner Kindheit in Folge der Verschwörung meines Herzens dem Teufel und der Welt unterthan geworden, musste ich, so bald ich zu Verstande kam, erkennen, dass mich daz Herz in den Tod führte. Da hätte ich gerne die Welt verlassen, aber sie zog mich nun erst recht an sich mit ihren tausendfältigen Künsten, so dass ich es weiter hinausschob, 20 bis sie mich so fest an sich geschlossen hatte, dass ich auf keine Weise mehr von ihr loskommen konnte. Denn sie fesselte mir Hände und Füsse mit ihrer bitteren Süsse und nahm mich so ganz gefangen, dass ich meinte, ich müsse bei ihr bleiben, wie sehr ich auch strebte, von ihr zu lassen. Nun richtete ich wieder meine Gedanken darauf, ob nicht einer der Heiligen so gütig wäre mir um Gottes Willen zu Hilfe zu kommen und mich gnädig von der Welt zu befreien. 10 Wie viel ich da auch betete und klagte, denn um des Teufels Willen litt ich Qual, kein einziger hat mir geholfen: an mir verzweifelten alle himmlischen Heerscharen. Da überkam auch mich der Zorn, ich meinte, ich wäre für die Hölle geboren. Und liess mein Beten sein, mit beiden Händen warf ich es weg. Aber da ich mich dessen am wenigsten versah, hört, welch ein Glück mir da geschah!_ 20
DIE KREUZZÜGE.
_EZZOS GESANG VON DEN WUNDERN CHRISTI._
[_Scherer D._ 89, _E._ 80.]
Ezzo, Scholasticus zu Bamberg, verfasste das Gedicht im Auftrag des Bischofs Günther von Bamberg, vermuthlich auf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem, 1064. Herausgegeben in den Denkmälern Nr. 31; vgl. auch Zeitschrift für deutsches Alterthum XXIII, 210.
Duo got mit sîner gewalt sluoch in êgyptisce lant,-- mit zehen blâgen er se sluoch,-- Môyses der vrônebote guot, er hiez slahen ein lamb: vil tougen was der sîn gedanc. mit des lambes pluote die ture er segenôte, er streich ez an daz uberture: der slahente engel vuor dâ vure. 10 swâ er daz pluot ane sah, scade dâ inne nien gescah.
Daz was allez geistlîch, dàz bezeichnôt christenlîchiu dinc: der scate was in hanten, diu wârheit ûf gehalten. duo daz wâre ôsterlamp chom in der Juden gwalt unt daz opher mâre làg in crûcis altâre, duo wuoste der unser wîgant des alten wuotrîches lant: den tievel unt al sîn here, dèn versualh daz rôte toufmere.
Von dem tôde starp der tôt. diu helle wart beroubôt, duo daz mâre ôsterlamp 10 fur unsih geopheret wart. daz gab uns frîlîche vart in unser alterbelant, beidiu wege unte lant, dar hab wir geistlîchen ganc. daz tagelîche himelprôt; der gotes prunno ist daz pluot: swâ daz stuont an dem uberture, der slahente engel vuor dâ fure.
Spiritalis Israel, 20 nû scowe wider dîn erbè. wante dû irlôset bist de jugo Pharaonis. der unser alte vîant der wert uns daz selbe lant, er wil uns gerne getaren: den wec scul wir mit wîge varen. der unser herzoge ist sô guot: ub uns ne gezwîvelôt daz muot,-- vil michel ist der sîn gewalt,-- mit im besizze wir diu lant.
O crux benedicta, àller holze beszista, an dir wart gevangan der gir Levîâthan. lîp sint dîn este, wante wir den lîb ernereten ane dir. 10 jâ truogen dîn este die burde himelisce. an dich flôz daz frône pluot. dîn wuocher ist suoz unte guot, dâ der mite irlôset ist manchunn allez daz der ist.
Trehtîn, dû uns gehieze daz dû wâr verlieze. du gewerdôtost uns vore sagen, swenn dû wurdest, hêrre, irhaben 20 vòn der erde an daz crûci, dû unsih zugest zuoze dir. dîn martere ist irvollôt. nû leiste, hêrre, dîniu wort. nû ziuch dû, chunich himelisc, ùnser herze dar dâ dû bist, daz wir die dîne dienestman von dir ne sîn gesceidan.
O crux salvatoris, dû unser segelgerte bist. disiu werlt elliu ist daz meri, mîn trehtîn segel unte vere, dîu rehten werch unser seil: dîu rihtent uns die vart heim. der segel, der wâre geloubo, der hilfet uns der wole zuo. 10 Der heilige âtem ist der wint, der vuoret unsih an den sint. himelrîche ist unser heimuot, dâ sculen wir lenten, gotelob.
_Als Gott mit seiner Gewalt schlug in Egyptenland,-- mit zehn Plagen schlug er sie,-- Moses, der treffliche heilige Bote, er hiess ein Lamm schlachten: sehr geheim war seine Absicht. Mit des Lammes Blute segnete er die Thür, er strich es an den Überpfosten: der Würgengel fuhr da vorüber. 10 Wo er das Blut erblickte, in dem Hause geschah kein Schade._
_Das war Alles geistlich zu verstehn, das bezeichnet christliche Dinge. Das Schattenbild war vorhanden, die Wahrheit aufbewahrt. Als das wahre Osterlamm kam in der Juden Gewalt, und das herrliche Opfer lag auf des Kreuzes Altar, da verwüstete unser Held des alten Wüthrichs Land: den Teufel und sein ganzes Heer, die verschlang das rothe Taufmeer._
_Von dem Tode starb der Tod. Die Hölle war beraubt, als das herrliche Osterlamm 10 für uns geopfert ward. Das gab uns freie Fahrt in unser altererbtes Land, über Weg und Steg thun wir einen geistlichen Gang. Das tägliche Himmelsbrot; Gottes Brunnen ist das Blut: wo das stand an dem Überpfosten, da schritt der Würgengel vorüber._
_Geistliches Israel, 20 nun erblicke von neuem dein Erbe, dieweil du erlöset bist von dem Joche Pharaos. Unser alter Feind der verwehrt uns nun dasselbe Land, er will uns gerne schädigen: den Weg müssen wir mit Kampf zurücklegen. Unser Herzog ist so gut: Wenn uns nicht zweifelt das Gemüth, gar gross ist seine Gewalt,-- mit ihm behaupten wir das Land._
_O gebenedeites Kreuz, aller Hölzer bestes, an dir ward gefangen der gierige Leviathan. Leben sind deine Äste, dieweil wir das Leben gerettet an dir. 10 Ja es trugen deine Äste die himmlische Bürde. Auf dich floss das hehre Blut. Dein Wuchs ist lieblich und gut, damit erlöset ist die ganze Menschheit, die da ist._
_Herr, du hast uns verheissen, was du in Wahrheit vollführen wolltest. Du geruhtest uns zu versprechen, wenn du würdest, Herr, erhoben 20 von der Erde auf das Kreuz, du würdest uns zu dir ziehen. Deine Marter ist erfüllt. Nun erfülle, Herr, deine Worte. Nun zieh du, himmlischer König, unser Herz dahin, wo du bist, damit wir, deine Vasallen, von dir nicht getrennt sind._
_O Kreuz des Erlösers, du bist unsere Segelstange. Diese ganze Welt ist das Meer, mein Herr der segelnde Ferge, die guten Werke sind unser Seil: die bestimmen unsere Heimfahrt. Das Segel, der wahre Glaube, der hilft uns wohl dazu. 10 Der heilige Geist ist der Wind, der führt uns über die Fluth. Das Himmelreich ist unsre Heimat, da sollen wir landen, Gottlob._
_WILLIRAMS ERKLÄRUNG DES HOHEN LIEDES._
[_Scherer D._ 90, _E._ 81.]
Williram von Geburt ein Franke, in Paris erzogen, Mönch zu Fulda, Scholasticus zu Bamberg, und später Abt zu Ebersberg in Baiern, wo er 1085 starb. Herausgegeben von Seemüller ‘Willirams deutsche Paraphrase des Hohen Liedes’ (Strassburg, 1878).
(Cap. III. v. 11.) _Egredimini et videte, filiæ Syon, regem Salomonem in diademate quo coronavit eum mater sua in die sponsionis illius et in die lætitiæ cordis eius._ +Gêt ûz, ír iúncfróuuon, ír da búiuuet in Syon! tûot uuára dés cúninges Salomonis unte der corônon, da ín sîn mûoter mít hât gezîeret in {20} sînemo máheltáge unte in démo táge sîner fréuue!+ Ír gûoten sêla, ír der hîe bírt _positæ in specula fidei_, unte ír gedínge hât daz ír cúmet _in atria cælestis Hierusalem_, tûot iu sélbon êinan rûm, daz íuuich nechêin uuérlih _strepitus_ geírre, ír ne gehúget álliz ána der _mysteriorum_ íuueres _redemptoris_ unte der dúrninon corônon, dîe ímo _Judaica gens_ ûf sázta, díu sîn mûoter uuás _secundum carnem_. Dîe dúrnînon corônon dîe trûog ér gérno dúrh íuueren uuíllon, daz íuuih _cælestis gloria amplecteretur_. Daz neuuárt álliz nîet sînes úndanches, nóbe nâh sînemo uuíllen, uuánt íz gescáh in sînemo máheltáge, do ér ímo sélbemo máhelta mít démo uuídemen sînes hêiligen blûotes dîe _Ecclesiam non habentem maculam aut rugam_; íz gescáh ôuh in démo táge sînero fréuue, do ér sích fréuueta, daz mít sînemo tôde díu uuérlt irlôset uuárt uóne des tûiueles geuuálte unte uóne démo êuuegen tôde.
{10} (Cap. IV. v. 1.) _Quam pulchra es, amica mea; quam pulchra es. oculi tui columbarum absque eo quod intrinsecus latet._ +Uuîe scône du bíst, frûintin mîn, uuîe scône du bíst! Dîn ôigon sint tûbon ôigon âne dáz, daz án dír ínlachenes uerhólan íst.+ Du bíst scône an dînen uuérchon, uuánte dú nîet scántlîches ne tûost, daz mînen ôugen mísselîche; du bíst ôuh scône an dînen uuórton, uuante dú in dîner _prædicatione_ nîene mêinest âne mîn êra unte _fraternam utilitatem_. Dîn ôugon sínt tûbon ôugon, uuánte díu êinuáltige an dír skînet, dîe dích der _spiritus sanctus_ lêret, _qui per columbam figuratur_. Díu scône íst an dír {20} âne dáz, daz nóh ínlachenes an dír uerhólan íst, daz íst díu _spes cælestium præmiorum_, dîe íh nóh dir gíbon _in fine seculorum_.
_Capilli tui sicut grex caprarum quæ ascenderunt de monte Galaad._ (_v._ 2.) _Dentes tui sicut grex tonsarum ovium quæ ascenderunt de lavacro, omnes gemellis fœtibus, et sterilis non est in eis._ +Dîn uáhs íst sámo gêizze córter, dáz der gêt ûffe démo bérge Galaad, unte sínt ábo dîne zéne sámo daz córter déro gescórenon scâffo, dîe der ûfgênt uóne uuáske ál mit zuînelero zúhte unte íro nechêin íst únbârig.+ In dînen _conuenticulis_ skînent bêide _doctores_ ióh _auditores_. Díu {30} ménige _fidelium auditorum_ íst glîh démo gêiz córtare, uuánte sîe síh _peccatores_ bekénnent, _capra enim sacrificium est pro peccato_, unte dóh sîe sîn _constituti in seculari actione_, díu âne súnta uuésan nemág, sîe stégerent îe dóh gérno mít íro gelôiben, mít gebéte, mít _eleemosyna_ unte mít ánderen uuóletâten ze démo gíth hûffen _id est ad me_. Álso Galaad uuás _aceruus testimonii inter Jacob et Laban_, álso bín íh ín _apud patrem testis in cælo fidelis_. Álso der hûffo sích búret an êinemo stêine unte álso ûf uuéhset, álso bín íh ín _lapis angularis, super quem ædificandi sunt_, ánne mír uíndent ôuh sîe dîe uuêida des êuuegen lîbes. Ábo dîne _doctores_, dîe der _per dentes figurantur_, uuánte sîe _cibos sacræ scripturæ exponendo comminuunt, ut possint glutiri a populis_, dîe sínt glîch dén gescórenon scâffon, dîe der uóne uuáske gênt, uuánte sîe bêide sínt _abluti baptismo_ unte állen uuérlîchen rîchdûom uuílligo hína hând geuuórfan nâh mînemo râte, _ut me expeditius sequi possint_, unte sîe sínt ôuh _gemellis fœtibus_, uuánte sîe hábent _dilectionem meam et proximi_; {10} uóne dánnan níst íro nechêin únbârig, _quia omnia quæcumque faciet prosperabuntur_.
(_v._ 3.) _Sicut vitta coccinea labia tua, et eloquium tuum dulce._ +Dîne léfsa sínt sámo êin rôta bínta unte dîn gekôse íst sûozze.+ Dîne _doctores, qui per labia figurantur_, dîe kúndent démo lûite dîe rôte mînes blûotes, da mít íh sîe erlôsta, unte sîe sínt ôuh _ardentes in fraterna dilectione_, álse _coccus_ brínnet _in suo colore_, unte sîe héftent _multitudinem auditorum in unitatem fidei_, álse díu bínta zesámene duínget dîe ménige déro lókko. Íro gekôse íst ôuh sûozze, uuánte sîe dîe sûozze des êuuegen lîbes démo lûite {20} kúndent.
_DAS ALEXANDERLIED._
[_Scherer D._ 92, _E._ 83.]
Von dem Pfaffen Lamprecht nach dem französischen Original des Alberich von Besançon wahrscheinlich um 1130 verfasst. Herausgegeben von Weismann, mit Übersetzung (2 Bde. Frankfurt, 1850); und in Diemers ‘Deutschen Gedichten des XI. und XII. Jahrhunderts’ (Wien, 1849); am besten von Kinzel (Halle 1884).