The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 8

Chapter 83,230 wordsPublic domain

Dô hûb er ain stimme, dô lêrter uns die uîande minnen. er sprach: nu uergip in, herre uater got; si ne wizzen, waz si tônt. 10 z’einer sexte daz ergie, daz man in an den galgen hie. dâ uaht er in agone daz chanf unze an die nône; dô wart gesceiden der strît, dô gesigte uns der lîp. er sprach: iz ist al uerendôt. dô gieng iz an den tôt, dô geschiet sîn heiligiu sêle uon den lîplîchen sêre. 20 durch unsich leid er die nôt. nu sehet, wî ir im sîn lônôt. Owî Marîâ Magdalênâ, wî gestônte du ie dâ, dâ du dînen herren guoten sâhe hangen unde bluoten, unde du sâhe an sînem lîbe die gestochen wunden. wî mohtest du vertragen die laitlîchen chlage sîner trût mûter Sancte Marîen der guoten! wie manigen zaher si gâben 10 ze dem selben mâle dîniu chûsken ougen, mîn uil liebiu frouwe, dô du sus sâhe handelôn dîn unsculdigen sun, dô man marterôte alsô sêre daz fleisk, daz er uon dir genomen hete. Owî Josep der guote, dô du mînen herren ab dem crûce huobe, hete ich dô gelebet, 20 ich hete dir uaste zuo gechlebet ze der piuilde hêre mînes uil lieben herren. Owî Nychodêmus, wane moht ich dir etewaz liebes erbieten ze lône unde ze mieten, daz du in abe huobe unde in sô scône begruobe! Dô got allez daz gewan, 30 dar umbe er her in werlt chom, dô liez er sînen lîchnamen zu der erde begraben. die ze der erde worden wâren, daz in die emphiengen, daz was alsô geordenôt; diu erde was geheiligôt, dâ er dô zwêne tage geruowet in dem grabe; in der selben friste dô zestôrte er die helle ueste: er uuor mit lewen chreften, 10 die grintel muosen bresten; die gaiste ungehiure di sprâchen in dem uiure, wer der wære, der sô gewaltichlîchen quæme: er bringet uns ein michel lieht, er ne wonet hie mit uns niht; neheine sunde habete er getân er ne mach hie niht bestân. An der stunde 20 dô gesigt er an dem hellehunde; sîne chîwen er im brach, uil michel leit ime dâ gescach. ich weiz, er in pant mit sîner zeswen hant, er warf in an den hellegrunt, er leit ime einen bouch in sînen munt, daz dem selben gûle allez ane offen stûnte daz mûle: swer durch sîne sunde 30 chome in sîne slunden, daz der freislîche hunt niht gelûchen mege den munt, daz er in durch pîhte unde durch pûze sînes vndanches muezze lâzzen. Dô ne wolte er niuht uermîden, dô chêrt er sich ze den sînen, die in der uinster wâren; ein niuz lieht si sâhen; uil harte frouten si sich des, si sprâchen: aduenisti, desiderabilis! Er sprach: mîn erbarmede mich ne liez, ich tæte, alsô ich iu gehiez; 10 ich hân durch iuwere nôt erliten einen crimmechlîchen tôt; die mich habent geminnet, di wil ich fuoren hinnen. swer hiute hie bestât, des ne wirt niemer nehein rât in desme hellesêre, des ne gewîse ih nimer mêre. Dô fuort er si alle mit herige uon der helle, er gab in allen gelîche 20 wider sîn rîche, die si uon sculden haten uerlorn; dô was gestillet sîn zorn.

_Da erhob er eine Stimme, da lehrte er uns die Feinde lieben. Er sprach: Nun vergieb ihnen, Herr Vater Gott; sie wissen nicht, was sie thun. 10 Es geschah zu Mittag, dass man ihn an den Baum hieng. Da kämpfte er in Todesschmerzen den Kampf bis drei Uhr Nachmittags. Da ward der Streit geschieden, der Leib besiegte uns. Er sprach: es ist ganz vollbracht. Da gieng es an den Tod, da schied seine heilige Seele von den leiblichen Leiden. 20 Unsertwegen litt er die Noth, nun sehet, wie ihr ihm dafür lohnet. Wehe, Maria Magdalena, Wie standest du je da, da du deinen guten Herren hängen und bluten sahest und sahest an seinem Leibe die gestochenen Wunden. Wie konntest du ertragen die traurige Klage seiner lieben Mutter, der guten Sancta Maria! wie manche Zähre sie gaben 10 zu demselben Male, deine keuschen Augen, meine viel liebe Frau, da du deinen unschuldigen Sohn so behandeln sahest, da man so sehr marterte das Fleisch, das er von dir genommen hatte. Ach, Joseph du guter, da du meinen Herrn vom Kreuze hubest, hätte ich damals gelebt, 20 ich hätte dir fest angehangen bei dem hehren Begräbniss meines viel lieben Herren. Ach, Nikodemus, warum konnte ich dir nicht etwas Liebes erzeigen zum Lohne und zum Preise dafür, dass du ihn abhubest und ihn so schön begrubest! Als Gott alles das gewonnen hatte, 30 weshalb er herab in die Welt kam, da liess er seinen Körper zur Erde begraben. Dass ihn die empfiengen, die zu Erde geworden waren, das war so verordnet. Die Erde war geheiligt, wo er da zwei Tage in dem Grabe geruht. In derselben Frist zerstörte er die Höllenburg; er fuhr hin mit Löwenkraft, 10 die Riegel mussten bersten, die Geister, ungeheuer, die sprachen in dem Feuer, wer der wäre, der so gewaltiglich käme? Er bringt uns ein grosses Licht, er wohnet hier nicht mit uns; er hat keine Sünde gethan, er wird hier nicht bleiben. Zu der Stunde 20 siegte er ob dem Höllenhunde; er brach ihm seine Kiefer; viel Leid geschah ihm da. Ich weiss, er band ihn mit seiner rechten Hand, er warf ihn in den Höllengrund, er legte ihm einen Ring in seinen Mund, dass demselben Scheusal immerdar das Maul offen stünde: wer durch seine Sünde 30 in seinen Schlund komme, dass der schreckliche Hund nicht das Maul schliessen könne, dass er ihn durch Beichte und Busse wider Willen los lassen müsse. Da wollte er nicht unterlassen, er kehrte sich zu den Seinen, die in der Dunkelheit waren. Sie sahen ein neues Licht, sie freuten sich des sehr. Sie sprachen: Advenisti, desiderabilis! Er sprach: meine Barmherzigkeit liess mich nicht, ich thäte denn, wie ich euch verhiess; 10 ich habe wegen eurer Noth einen grimmigen Tod erlitten; die mich geliebt haben, die will ich von hinnen führen. Wer heute hier bleibt, für den giebt es nimmer Hülfe in diesem Höllenschmerz, nach dem sehe ich nie mehr. Da führte er sie alle in Schaaren aus der Hölle, er gab ihnen allen gleich 20 sein Reich wieder, das sie durch ihre Schuld verloren hatten; da war sein Zorn gestillt._

_M._

_DAS ANNOLIED._

[_Scherer D._ 82, _E._ 74.]

Um 1110 zu Ehren des Bischofs Anno von Cöln (+ 1075) von einem niederrheinischen Dichter, wahrscheinlich im Kloster Siegburg verfasst. Herausgegeben von Bezzenberger (Quedlinburg, 1848) und Roth (München, 1847).

1.

Wir hôrten ie dikke singen von alten dingen: wi snelle helide vuhten, wi si veste burge brêchen, wi sich liebin winiscefte schieden, wi rîche kunige al zegiengen. nû ist cît daz wir denken, wi wir selve sulin enden. Crist, der unser hêrro guot wi manige ceichen her uns vure duot, 10 als er ûffin Sigeberg havit gedân durch den diurlîchen man den heiligen bischof Annen durch den sînin willen. dâ bî wir uns sulin bewarin, wante wir noch sulin varin von disime ellendin lîbe hin cin êwin, dâ wir iemr sulin sîn.

_Wir hörten oftmals singen von alten Begebenheiten: Wie schnelle Helden fochten, Wie sie feste Burgen brachen, wie sich liebe Freundschaften schieden, wie mächtige Könige untergiengen. nun ist Zeit, dass wir denken, wie wir selber enden werden. Christ, unser guter Herr, Wie manche Zeichen er vor uns thut, 10 wie er auf dem Siegberg gethan durch den trefflichen Mann, den heiligen Bischof Anno, um seinen Willen kund zu thun. daran sollen wir uns eine Lehre nehmen, dieweil wir noch die Reise vor uns haben von diesem elenden Leben hin zur Ewigkeit, wo wir dann immerdar sein sollen._

_L._

2.

Duo Cêsar duo widere ci Rôme gesan, si ni woltin sîn niht intfân: si quâdin daz er durch sîni geile haviti virlorin des heris ein michil deil, daz her in vremidimo lante ân urlôf sô lange havite. mit zorne her duo wider wante ci diutischimo lante, dâ her hât irkunnôt manigin helit vili guot; 10 her sante zuo den heirrin die dâr in rîche wârin: her clagitin allin sîni nôth. her bôt un golt vili rôt; her quad daz her si wolti gern irgezzin, obir un ieht ci leide gedân hetti. Duo si virnâmin sînin willen, si saminôtin sich dar alle: ûzir Gallia unti Germanie quâmin imi scarin manige 20 mit schînintin helmen, mit vestin halspergin. si brâhtin manigin scônin schiltrant; als ein vluot vuorin sin daz lant. duo ci Rôme her bigondi nâhin, duo irvorhtim dâr manig man, wanti si sâgin schînin sô breite scarin sîni, vanin ingegin burtin: des lîbis si alle vorhtin. Cato unti Pompeiûs rûmitin rômischi hûs; al der senâtûs; mit sorgen vluhin si dirûz. 10 her vuor un nâh jaginta, wîtini slahinta, unz in Egypti lant: sô michil ward der herebrant. Wer mohte gecelin al die menige die Cesari îltin in gegine van ôstrit allinthalbin, alsi der snê vellit ûffin alvin, mit scarin unti mit volkin, alsi der hagil verit van den wolkin. 20 mit minnerem herige genanter an die menige. duo ward diz hertisti volcwîg, alsô diz buoch quît, daz in disim merigarten ie gevrumit wurde. Oy wi di wâfini clungin, dâ di marih cisamine sprungin! herehorn duzzin, becche bluotis vluzzin; 30 derde diruntini dunriti, di helli in gegine glimite, dâ di hêristin in der werilte suohtin sich mit suertin. duo gelach dir manig breiti scari mit bluote birunnin gari. dâ mohte man sîn douwen durch helme virhouwin des rîchin Pompeiis man: Cêsar dâ den sige nam. 10

_Als Cæsar da wieder nach Rom sich begab, da wollten sie ihn nicht empfangen. Sie sagten, dass er durch seinen Übermuth einen grossen Theil des Heeres verloren habe, welches er in fremdem Lande ohne Erlaubniss so lange gehabt hatte. Mit Zorn wandte er sich da zurück zu dem deutschen Lande, wo er kennen gelernt hatte manchen sehr guten Helden. 10 Er sandte zu den Herren, die da im Lande waren: er klagte ihnen allen seine Noth, er bot ihnen Gold sehr roth; er sagte, dass er ihnen gern ersetzen wollte, wenn er ihnen je etwas zu Leide gethan hätte. Da sie seinen Willen vernahmen, so sammelten sich da alle: aus Gallien und Germanien kamen ihm da manche Schaaren 20 mit glänzenden Helmen, mit starken Panzerhemden. Sie brachten manchen schönen Schildesrand; wie eine Fluth kamen sie in das Land. Da er sich Rom zu nahen begann, da fürchtete sich mancher Mann, denn sie sahen glänzen seine Schaaren so breit, die Fahnen entgegen getragen: sie fürchteten sich alle des Lebens. Cato und Pompejus räumten das römische Haus; der ganze Senat, mit Sorgen flohen sie daraus. 10 Er fuhr ihnen nach jagend, weithin schlagend, bis nach Egyptenland: so gross ward die Kriegsflamme. Wer möchte all die Vielen zählen, die dem Cæsar entgegen eilten, von ostwärts allenthalben, wie der Schnee fällt auf den Bergen, mit Kriegsschaaren und mit Völkern, wie der Hagel fährt von den Wolken. 20 Mit kleinerem Heere wagte er sich an die Vielen. Da ward der härteste Volkskampf, wie das Buch sagt, der auf dieser Erden je gethan ward. Hei, wie die Waffen klangen, als die Pferde zusammen sprangen! Die Heerhörner dröhnten, Bäche Blutes flossen; 30 die Erde unten donnerte, die Hölle glühte ihnen entgegen, da die Stolzesten in der Welt sich mit Schwertern suchten. Da lag da manche breite Schaar mit Blute gar beronnen. Da konnte man sterben sehn, erschlagen durch die Helme, des mächtigen Pompejus Mannen: Cæsar gewann da den Sieg._ 10

_DIE KAISERCHRONIK._

[_Scherer D._ 82, _E._ 74.]

Geschichte der römischen Kaiser von Julius Cæsar bis auf Konrad III und den Kreuzzug vom Jahre 1147, in einigen, aber nicht den ältern Handschriften, nur bis zum Tode Lothars von Sachsen (1137). Ein Sammelwerk mit vielen eingestreuten gelehrten Sagen und Legenden. Die älteste uns überlieferte Fassung entstand um das Jahr 1150 in Regensburg und rührt wahrscheinlich von dem Verfasser des Rolandsliedes, dem Pfaffen Konrad, her, der aber dabei ein älteres Werk überarbeitete und fortsetzte. Später ist die Chronik mehrfach in reine Reime umgearbeitet und zuletzt bis auf Rudolf von Habsburg fortgesetzt worden. Nach der ältesten Handschrift im österreichischen Stifte Vorau herausgegeben von Diemer (Bd. I Wien, 1849), nach allen Handschriften, aber unkritisch von Massmann (3 Bde. Quedlinburg und Leipzig, 1849-54).

Ain man hie vor was: (mîn vater sagete mir daz) der zôch im ain guoten garten, des flîzt er sich vil harte; dar inne zôch er wurze unt crût: der carte wart im inneclîchen trût. ein hierz wart sîn gewar, nahtes slaich er dar uber aine stigelen nidere: dâ spranch er allez ubere, dise vil guote wurze di dûhten in suoze, unze der garte aller wuoste gelach. daz traip er vil manigen tach. der gartenære wart sîn gewar: vil sciere gereht er sich dar; als er wider ûz solte varn, 10 dô rach der arme sînen scaden: daz aine ôre er im ab slûoch. diu snelle in dane truoch. der man vârte sîn aver, er erreichet im den zagel; er sluoch in im halben abe: er sprach ‘diz zaichen dû trage! smirzet iz dich iht sêre, dune chumest her wider niht mêre.’ Iz gescach in luzel stunden: 20 dem hierze gehailten sîne wunden. er straich hin widere an sîn alte stigelen: crût unt wurze leget er im allez wuoste. der man wart sîn inne; mit vil guoten sinnen îlt er mit nezzen den garten all umbe sezzen. alse der hirz wolte widere über sîn alte stigelen, der man begraif sînen spiez, den hirz er dô an lief, durch den pûch er in stach, daz wart er dar nâh sprach: ‘diu suoze wirt dir ze sûre: 10 mîner wurze arnest du vil tiure.’ sînen hirz er dô entworhte sô er von rehte solte. ain vohe charge lac dâ bî in ainer vurhe: alse der man her dane entwaich diu vohe dar zuo slaich: daz herze si im enzucte, ir wec si dâ mit ructe. Alse der man wider chom, sîn gejac geviel im aller vil wol. 20 do er des herzen niene vant, er sluoch zesamene mit der hant; er îlte âne zwîvel, er sagetez sînem wîbe: ‘ich wil dir ain grôz mære sagen: der hirz den ich ervellet hân der was michel unt guot, wan daz er nehain herze in im entruoch.’ Dô antwurte im daz wîp 30 ‘daz west ich ê wol vor maniger zît; want der hierz lait ê den smerzen; unt het er dehain herze. do er daz ôre unt den zagel hete verlorn, er newâre niemer mêr in dînen garten chomen.’

_Ein Mann wohnte früher hier, -- mein Vater sagte mir das, -- der bestellte sich einen guten Garten: dessen befleissigte er sich sehr; darin zog er Wurzeln und Kraut: der Garten war ihm sehr lieb. Ein Hirsch wurde seiner gewahr. Nachts schlich er dahin über eine niedrige Stiegel: da sprang er immer über, diese vortrefflichen Wurzeln deuchten ihm süss. Der Garten lag ganz wüste. Das trieb er gar manchen Tag. Der Gärtner ward seiner gewahr: sehr schnell machte er sich dahin; als der Hirsch heraus gehn wollte, 10 da rächte der Arme seinen Schaden: das eine Ohr schlug er ihm ab. Seine Schnelligkeit trug ihn von dannen. Der Mann stellte ihm abermals nach, er erreichte ihm den Schwanz; er schlug ihn ihm halb ab, er sprach: ‘dies Zeichen trage du! schmerzet es dich etwa sehr, so kommst du nicht wieder her.’ Es begab sich, dass in wenig Stunden 20 dem Hirsche heilten seine Wunden. Er strich wieder hin nach seiner alten Stiegel. Kraut und Wurzeln verwüstete er ihm ganz und gar. Der Mann ward es inne; mit sehr guten Sinnen eilte er mit Netzen den Garten ganz zu umsetzen. Als der Hirsch zurück wollte über seine alte Stiegel, da ergriff der Mann seinen Spiess, den Hirsch er anlief; er stach ihn durch den Bauch. Darauf sprach er das Wort: ‘die Süsse wird dir sauer, 10 meine Wurzeln bezahlst du theuer!’ da zerlegte er seinen Hirsch, wie er von Rechts wegen sollte. Ein schlauer Fuchs lag dabei in einer Furche. Als der Mann von dannen gieng, schlich der Fuchs herzu, entzuckte ihm das Herz und entwich damit ihres Wegs. Als der Mann wieder kam, gefiel ihm seine Jagdbeute ganz wohl. 20 Da er das Herz nicht fand, schlug er zusammen mit der Hand; er eilte, ohne sich zu besinnen, und sprach zu seinem Weibe: ‘Ich will dir ein grosses Wunder sagen: der Hirsch, den ich erlegt habe, der war gross und gut, aber er trug kein Herz in sich.’ Da antwortete ihm die Frau: 30 ‘das wusste ich schon vor langer Zeit, weil der Hirsch früher den Schmerz litt; und hätte er irgend ein Herz gehabt, als er das Ohr und den Schwanz verloren hatte, er wäre nie wieder in deinen Garten gekommen.’_

_HEINRICH VON MÖLK._

[_Scherer D._ 84, _E._ 76.]

Didaktischer Dichter aus ritterlichem Stande um 1160. Er trat aus Überdruss am weltlichen Leben in das österreichische Kloster Mölk als Laienbruder und verfasste zwei Gedichte ‘Mahnung an den Tod’ und das ‘Pfaffenleben,’ das unvollendet blieb. Neu herausgegeben von Heinzel (Berlin, 1867).

MAHNUNG AN DEN TOD.

Doch verhenge wir daz etwer muge ân aller slachte sêr geleben sînen jungisten tac, daz doch vil ubel geschehen mac, nû waz ist der rede mêre? als schier sô diu arm sêle 10 den lîchnamen begît, nû sich, armer mensch, wie er lît. het er gephlegen drîer rîche, im wirt der erden ebengelîche mit getäilet als einem durftigen. ouch sehe wir sumlîch ligen mit schœnen phellen bedechet, mit manigem liechte bestechet, mirre unt wîrouch wirt dâ gebrennet ouch; unt wirt des verhenget daz diu bivilde wirt gelenget unt sich sîne vriunde gar gemäinlîchen gesamnent dar, sô ist daz in ir aller phlege, wie man in hêrlîchen bestaten mege. owê, vertäiltiu hêrschaft! 10 swenne diu tîvellîch hellecraft die armen sêle mit gewalte verswilhet, waz hilfet, swâ man bivilhet daz vil arme gebäine, sô der armen sêle mitgemäine aller häiligen widertäilet wirt? wê der nacht diu in danne gebirt! nû lâzze wir des sîn verhenget, daz bivilde werde gelenget zwêne tage oder drî, 20 oder swaz ez länger dar uber sî, daz ist doch ein chläglîch hinevart. nicht des, daz ie geborn wart, wirt sô widerzæme noch der werlt sô ungenæme. Nû ginc dar, wîp wolgetân, unt schowe dînen lieben man unt nim vil vlîzchlîchen war wie sîn antlutze sî gevar, wie sîn scäitel sî gerichtet, wie sîn hâr sî geslichtet. schowe vil ernstlîche ob er gebâr icht vrœlîchen, als er offenlîchen unt tougen gegen dir spilte mit den ougen. nu sich, wâ sint sîniu mûzige wart dâ mit er der frowen hôhvart lobet unt säite? nû sich in wie getâner häite 10 diu zunge lige in sînem munde dâ mit er diu troutliet chunde beeagenlîchen singen! nûnc mac si nicht fur bringen daz wort noch die stimme. nû sich, wâ ist daz chinne mit dem niwen barthâre? nû sich wie recht undâre ligen die arme mit den henden dâ mit er dich in allen enden 20 trout unt umbevie! wâ sint die fûze dâ mit er gie hôfslîchen mit den frowen? dem mûse dû diche nâch schowen wie die hosen stûnden an dem bäine: die brouchent sich nû läider chläine. er ist dir nû vil fremde, dem dû ê die sîden in daz hemde mûse in manigen enden wîten. nû schowe in an allen mitten: dâ ist er geblæt als ein segel. der bœse smach unt der nebel der vert ûz dem uberdonen unt læt in unlange wonen mit samt dir ûf der erde. owê, dirre chläglîche sterbe unt der wirsist aller tôde 10 der mant dich, mensch, dîner brœde.