The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)
Part 57
Ein hübscher junger Kerl gebahren in Westfalen, Sick vörgenamen had, he wolde Wyssheit halen[1041]: He hedde wol gehört, dat men in keinem Land, Als in Franckrick alleen fünd Wyssheit und Verstand. Vernufft de lege dar, als Dreck licht up der Straten, Ein jeder kond darvan einn groten Sack vul vaten[1042]: Dar konde men _discours_ und _Complementen_ lehren, Dörch welke men nu kömt in ansehn, und tho ehren. Als he was tho Parys gewesen achtein[1043] Weken, Kond he so wol Frantzösch als ein Frantzose spreken, He wüste _cermoni_, he konde _caresse_ driven, Darmit kam he tho Hus, willkamn van Man und Wyven. Vnd wyl he altidt hed der Hocheit nagejaget, Ward he dörch GOttes Gnad up einem Huse Vaget[1044]. 10 Vaget up einem Huse, und Schriver up dem Schlate, Sehr hoge Ampter sind, van grœt profit und bate[1045]: Der Buer se früchten[1046] mœt, und dantzn na ere Pipen, Idt drüppet[1047] all van Geld, wor se man henne gripen. Se bilden sick vel in, und willen grötter syn, Als am Frantzöschen Hoff _Cardinal Mazarin_. In sodanem _respect_ was de darvan ick rede. Einmals reep[1048] he den Kock, und also tho em sede: ‘_Escoute Cuisinier_, von meinen _Cameraden_ Hab ich zwei oder drei zum _desieuner_ geladen, 20 Mach myr ein gut _potage_, mit alle _appertenance_, Wie man es _à la Cour dressiren_ pflegt _en France, à la nouvelle mode_, du solt _incontinent_ Für dieses dein _travail_ haben ein gut _present_. Ich wil _à la pareille_ dein Freund sein _en effait_, Mach mir die Suppe nur so wie ich hab geredt.’ De Kock sprack, ‘ja Her Vagt, als gy hebben[1049] gespraken, So wil ick juw de Supp up goden gloven kaken[1050].’ He lachde bi sick sülvst, und rönde[1051] na der Köken[1052], Begünd uth allen winkeln de Pötte[1053] uth to stöken[1054], 30 Koel, Arfften[1055], Grütt[1056], Warmbeer[1057], ded he tosamen schrapen[1058], Vnd goet idt altohoep[1059] in einen groten Grapen[1060], Dartho dede he, dat idt schold schmecken desto schmucker, Eine hand vul stötten Peper, und anderthalff lot Zucker. Dat muste kaken dick, als Weitenmehlen Brie[1061], Nümmer heb ick gesehen ein solke _companie_. Als idt nu was bereit, und ferdig altomahle[1062], Gaff idt de Meister up in eine sülvern Skale, He bröcht[1063] idt tho den Heern, de alle darna töffden[1064]. Men[1065] do de goden Lüd de kakeratze[1066] pröffden, De Ogen würdn en groet, vul runtzeln kam de Stern, Ein jeder hedd de Supp weddr uth gespiet gern. 10 De ein seed, ‘_fi diabl, par ma foy_ dat schmeckt brösig[1067], De Kock de dat gekaeckt, de moet syn dum und dösig[1068].’... De ander sprack: ‘fi, fi, bö, bö, potz veltes[1069] Wunden, Man schold mit sülker Supp vergeven[1070] Kattn und Hunden,’ Ein _inventarium_ recht nu ick maken moet, Van allem wat my waant[1071] im Lyve bös und goet. Hyrmit so toch he loes: ein Wort twe Ellen lanck, Bald twischen sine Tene herfloet under de Banck, Se müsten de dar wern sünt Olrick all anropen. Mit einem Spanschen Reed[1072] de Vaget quam gelopen, 20 ‘_Coqvin_,’ sed he, ‘_Cojon, Vidase_[1073], loser Tropff, Itzunder wil ich dir eins langen auff den Kopff, _Cuisinier de Houdan_[1074]: was ist das für ein fressen? Hastu noch nicht gelernt _potage_ recht zu _dressen_? Was _pesle mesle_ ist das? was sinds für dolle sachen Darmit du uns in sampt darffst solchen eckel machen? Ich wolt dich setzen lahn auffs newe holtzern Pferd, Wenn ich dich, _Maqvereau_[1075], achtet meines Zornes werth.’ ‘I Heer Vagt,’ sed de Kock, ‘wil gy mi so betalen? De Supp is thogericht als gy mi hebt befahlen, 30 Gy seden my, ick schold juw[1076] eine Suppe kaken Even up sülck maneer als gy hadden gespraken. Idt was jo althomahl verplümpert[1077] wat gy spreken, Idt was tho samen schrapt uth Düdschland, Franckrick, Greken, So is de Suppe ock, se is van velen stücken, Ein jede vör sick sülffst hed sick wol könen schicken, Men nu is se vermengt, nu is se nicht vel werth, Schmeckt nicht na Fisch noch Flesch, hefft wedder Kop noch Stert[1078]. Also wen gy Frantzösch und Düdsch thosamen rören[1079], So kant kein Düdsch verstahn, schold he idt schon anhören, Men weet nicht wat idt is, und moet so wat narahmen[1080], Ehr ment[1081] vernehmen kan, und up de Mening[1082] kahmen. 10 Darüm gnedig Heer Vagt, wen gy wilt Suppe eten, So spreket Düdisch mit Frantzöschem nicht besmeten[1083].
_JOACHIM RACHEL._
[_Scherer D._ 365, _E._ 369.]
Geboren 1618 zu Lunden im Ditmarschen. Auf der Schule zu Hamburg, auf der Universität in Rostock und Dorpat. Später Hauslehrer und Schullehrer. Er starb 1669 als Rector der Schule in Schleswig. Er dichtete zuerst im Anschluss an Lauremberg niederdeutsch und schrieb dann hochdeutsche Satiren nach classischen Vorbildern. Herausgegeben von H. Schröder (Altona 1828); vgl. Sach ‘J. R. Ein Dichter und Schulmann des 17 Jahrhunderts’ (Schleswig 1869).
JOACHIM RACHELS, EHEMALIGEN RECTORS ZU WESLINGBUREN CARMEN, WORIN DER ALTEN DITHMARSCHEN PROVERBIA UND RITUS GAR ORDENTLICH WERDEN ANGEFÜHRT.
Nu, min dochter, segg van harten, Wat dünkt Di bi Reimers Marten? is it nicht een karschen[1084] knecht? lank van leden[1085] rik van goede un vam allerbesten bloede, weer he Di nicht even recht?
Jarrens Dulffs, sin oldervader[1086] was een deftich[1087] landberader, ja! he was een weldich[1088] mann van de acht un veertich heeren, de Ditmarschen to regeeren plegten, eer’t de fient gewann.
In de groten landesfeide[1089] schloech he up der grönen heide mangen schoenen Holsten[1090] doet: he schloech lustich up de deusen[1091] 10 dat se pepen un mit steusen[1092] musten laten haer un bloet.
As de havik vör de küken gung de groete garde striken[1093], kam der Jarrens Dulffs in’t felt: Alle fiende musten springen, alle fründe musten singen: ‘dat’s een kerel! dat’s een helt!’
Schapken schlachten[1094] na de rammen[1095] und de twige na dem stammen: 20 Marten is ok goeder haer[1096]. Marten schall sik nicht verkrupen[1097], de mit em up’t best will supen, de neem em de füste waer.
Karsten Palk leet sik gelüsten em to kamen in sin füsten: man dar was neen vordeel bi. Karsten mochte stan und trampen[1098] un mit beeden föten stampen[1099]: ‘Schit[1100], see Marten, dat’s vör di!’
Marten gung man ut der katen[1101], wull mit gunst wat lopen laten dar bisüden[1102] bi de boes[1103]. he sprak to de andern heeren: ‘leven fründe, stat mit eeren!’ darna schloech de Karsten loes.
Man he kreech sin deel ok wedder, 10 Marten greep em up sin ledder, neem darna dat knif[1104] herut. he hat em dat levent namen, was dar nemant twischen kamen: Karsten kreech en blaue snut[1105].
Dat was recht, min goede Harke[1106], solk lohn hört up solke warke! Sü! ik bin ie mar[1107] een wif, mar schall ik mi brüen[1108] letten, dar will ik entgegen setten, 20 hut un haer un’t heele lif.
Ister ichtes wat to braden[1109], Marten wert darme geladen; Marten achter, Marten vör. Wenn se na dem ringe riden[1110], edder um den Rolant striden, he geit mit de büte dör[1111].
Tweemal is he konink heten, do se na den schiven schöten, dar he eenen leepel[1112] wann. Tweemal heft he in der reegen[1113] den faslavents haen[1114] gekreegen un darto de tinnen kann.
Wenn se vör dat karspel[1115] treden 10 un tosamen sik bereden, Marten heft de grötste eer; he heft--schull Di’t nicht gefallen?-- eenen ganzen kop[1116] vör allen, as wenn he de vaget[1117] weer.
Lat de andern fri wat seggen, Marten weet it umbtoleggen[1118], Marten is vörn düvel klok. All de buer de möt wol swigen un vör Martens mütz sik nigen 20 edder vör sin sündagsbrok[1119].
Wenn he in der karken singet un mit siner stimme klinget, hei! wo röpt he över all! ja! so röpt he trotz den mester[1120], trotz heern Peter un sin köster, dat em eener nadoen schall.
Un dat schastu ok wol weten[1121], dat he klei[1122] het ünner’n föten[1123] dat he Di neen pracher[1124] is. he het nümmer not van Gelde, geit mit seven mann to felde an sin deerens[1125], dat’s gewis.
He het lammer[1126], ploech und eggen, he het höner, de em leggen, he het so veel quik un krup[1127] as een husmann to mach föden, 10 un dar schastu Di vör höden, nich een schillink schult darup.
Wat schit ik up hunnert morgen, wenn ik sit in schult un sorgen un heb nicht een frien klut[1128]. Wenn mi gripert[1129] na geit schliken, dörf ut miner dör nicht kiken[1130], as nu manger schulen[1131] moet.
Da dörf Marten nicht vor schrömen[1132], em schall van dem düvel drömen, 20 keem he em tor havestee[1133]; wo schall he dat fell em rüken[1134] un den langen galgen[1135] striken, dat he heid un weid vul dee.
Schustu weten, wat vör linnen, wat vör kopper, wat vör tinnen, wat vör ingoet[1136], dat he het: Balljen[1137], tönnen, nie scheepels[1138], veer un twintich holten leepels, borsten, kann un mangelbret.
Telsche Krei[1139] kann he wol wunnen, mar so hat he’n daler[1140] funnen! solk een gröne, snatje[1141] tev[1142]! is ja först van veertein jahren, 10 dar schall he ie wol me fahren, nümmermehr, so lank ik lev!
Se weet nicht een kohl to kaken nicht een kunkelpip[1143] to maken, nicht een fladen, nicht een ei: Schöttel mit der tungen waschen un ut beeden schrappen[1144] naschen, dat’s een doen vör Telsche Krei.
Darum Harke, lat Di raden, to Din vordeel, nicht to quaden[1145], 20 kombt eens Marten wedder her, so mustu den schalk wat deken[1146], dinen betern pels[1147] antreken un em doen de grötste eer.
Eerst mustu Di flechten letten un din ninen peel[1148] upsetten, denn dorna tor dören stan; seggen: ‘Marten, west willkamen! ei, dorch Gott, lat uns tosamen, lat uns in der dörnse[1149] gan!
Ei, kambt an, min goede Marten, up een spilken in de karten um een söslink int gelach, edder ok na juw bedünken 10 um een krosken[1150] uttodrinken, is it doch nu hilge dach[1151].’
Dann dorna lat mi man snaken, ik will Di wol wider baken[1152]! O! dat is min eerste nit. Eer he’t waer wart, will’k em krigen, wenn de moet begunt to stigen un dat hart im munde sit.
Wenn dar is to diske dragen, so mustu em flitich kragen[1153]: 20 ‘Ei nu, Marten, goede frünt, ei, dorch Gott, neemt van dem schinken! dar lüst juw eens up to drinken. neemt! it is juw vul wol günnt.’
Kombt he up Geert Lümmels köste[1154], dat he Di eens gröten müste mit een krosken edder kann, so sprik: ‘ik heb wol vernamen! juw drunk is mi sehr willkamen! Marten, stöt juw nawer[1155] an!’
Wo lank wiltu noch so leven un de schüfel alltit geven[1156]? entlik mustu doch darbi! Dörtich jahr sünt all verflaten, 10 dat ik Di heb kersten[1157] laten, weer it nicht eens tit mit Di?
Ok heb ik van dinen saken all mit Hebke Fei gespraken: eer dünkt, dat wol wesen mach. Hebke Fei holt veel van Marten: darum rad ik Di van harten: set em neenen langen dach[1158]!
‘K weet neen beter tit to ramen[1159]: umb den Silmaent[1160] lat em kamen, dat’s noch seven weken lank; länger deent it nicht to töven[1161], eer he mocht uns noch bedröven un gan eenen andern gank.
Man dat segg ik Di to vören: lat neen jawort van Di hören, eer Du Dinen Markbref[1162] hest. dar kannt Du den schalk me dwingen, 10 dat he nicht moet höher springen, as Du em den tögel[1163] lest.
Harke see: de goede Marten, de liggt mi so deep in harten, dat ik alltit süchten[1164] moet. wor ik bin, dat geit he schnüffeln, wat schall ik em länger schüfeln? -- Neen -- ik -- summe[1165] Got -- ik doet!
_FRIEDRICH VON LOGAU._
[_Scherer D._ 365, _E._ 369.]
Geboren 1604 in Schlesien. Er war Rath des Herzogs von Brieg und Liegnitz und Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft. Er starb 1655 zu Liegnitz. Ein Jahr vor seinem Tode veröffentlichte er seine ‘Sinngedichte,’ eine Sammlung von mehr als 3000 grossentheils kurzen Gedichten. Herausgegeben von Eitner (Tübingen 1872); Auswahl von demselben (Leipzig 1870).
1.
VON MEINEN REIMEN.
Sind meine Reime gleich nicht alle gut und richtig, So sind die Leser auch nicht alle gleich und tüchtig.
2.
AN MEIN VÄTERLICH GUT, SO ICH DREY JAHR NICHT GESEHEN.
Glück zu, du ödes Feld! Glück zu, ihr wüsten Auen! Die ich, wann ich euch seh, mit Threnen muss betauen, Weil ihr nicht mehr seyd ihr: so gar hat euren Stand Der freche Mord-Gott Mars grund auss herum gewand. Seyd aber doch gegrüst, seyd dennoch fürgesetzet Dem allem, was die Stat für schön und köstlich schätzet. Ihr wart mir lieb; ihr seyd, ihr bleibt mir lieb und werth; Ich bin, ob ihr verkehrt, noch dennoch nicht verkehrt. 10 Ich bin, der ich war vor. Ob ihr seyd sehr vernichtet, So bleib ich dennoch euch zu voller Gunst verpflichtet, So lang ich ich kan seyn. Wann dann mein seyn vergeht, Kans seyn, dass Musa wo an meiner Stelle steht. Gehab dich wol, O Stadt! die du in deinen Zinnen Hast meinen Leib gehabt, nicht aber meine Sinnen. Gehab dich wol! mein Leib ist nun vom Kerker los; Ich darff nun nicht mehr seyn, wo mich zu seyn verdross. Ich habe dich, du mich, du süsse Vater-Erde! Mein Feuer gläntzt nunmehr auff meinem eignen Herde. 20 Ich geh, ich steh, ich sitz, ich schlaf, ich wach umbsonst; Was theuer mir dort war, das hab ich hier aus Gunst Des Herren der Natur um Habe-Dank[1166] zu nissen Und um gesunden Schweiss; darff nichts hingegen wissen Von Vortel[1167] und Betrug, von Hinterlist und Neid, Und wo man sonst sich durch schickt etwan in die Zeit[1168]. Ich ess’ ein selig Brot, mit Schweiss zwar eingeteiget[1169], Doch dass durch Beckers Kunst und Hefen hoch nicht steiget, Das zwar Gesichte nicht, den Magen aber füllt Und dient mehr, dass es nährt, als dass es Heller gilt. Mein Trinken ist nicht falsch, ich darf mir nicht gedenken; Es sei gebrauen zwier[1170], vom Bräuer und vom Schenken. Mir schmeckt der klare Safft; mir schmeckt das reine Nass, Das ohne Keller frisch, das gut bleibt ohne Vass, Drum nicht die Nymphen erst mit Ceres dürffen kämpffen, Wer Meister drüber sei, das nichts bedarff zum dämpffen, Weils keinen Schweffelrauch noch sonsten Einschlag hat, Das ohne Geld steht feil, das keine frevle That 10 Hat den iemals gelehrt, der dran ihm liess genügen. Der Krämer fruchtbar Schwur und ihr genisslich[1171] Lügen Hat nimmer Ernt’ um mich[1172]; der viel-geplagte Lein Der muss, der kan mir auch anstat der Seiden seyn. Bewegung ist mein Artzt. Die kräuterreichen Wälde Sind Apotheks genug. Geld, Gold, wächst auch im Felde; Was mangelt alsdann mehr? Wer Gott zum Freunde hat, Und hat ein eignes Feld, fragt wenig nach der Stat, Der vortelhafften Stat, da Nahrung zu gewinnen, Fast ieder muss auff List, auff Tück’, auff Ränke sinnen. 20 Drum hab dich wol, o Stat! Wenn ich dich habe, Feld, So hab ich Haus und Kost, Kleid, Ruh, Gesundheit, Geld.
3.
VOM OPITIO.
Im Latein sind viel Poeten, immer aber ein Virgil; Deutsche haben einen Opitz, Tichter sonsten eben viel.
4.
HOFFNUNG.
Auff was gutes ist gut warten, Und der Tag kommt nie zu spat, Der was gutes in sich hat; Schnelles Glück hat schnelle Fahrten.
5.
DAS HÖCHSTE GUT.
Zum höchsten Gut in dieser Welt Wehlt jeder, was ihm selbst gefällt. Gar im Schoss sitzt der dem Glücke, Dem gegeben sind vier Stücke: Ein gütig GOTT, Ein liebes Weib, Ein frischer Leib, Ein selig Tod.
6.
WELT-GUNST.
Die Welt-Gunst ist ein See, Darinnen untergeh, 10 Was wichtig ist und schwer: Das leichte schwimmt daher.
7.
DAS BESTE DER WELT.
Weistu, was in dieser Welt Mir am meisten wolgefällt? Dass die Zeit sich selbst verzehret, Vnd die Welt nicht ewig währet.
8.
LEBENS-SATZUNG.
Leb ich, so leb ich! Dem Herren hertzlich; Dem Fürsten treulich, Dem Nechsten redlich. 20 Sterb ich, so sterb ich!
9.
BITTRE LIEBE.
Lieben ist ein süsses Leiden, Wenns nicht bitter wird durch scheiden. Bittres wil ich dennoch leiden, Dass ich Süsses nicht darff meiden.
10.
FREUNDSCHAFFT MITT GOTT.
Wenn ein Mensch mit GOTT gut steht, Der steht wol, wenns übel geht, Denn er kan die höchsten Gaben, Vater, Bruder, Tröster haben.
11.
WIEDERVERGELTUNG.
Für gut nicht gutes geben, ist eine böse That; Für böses böses geben, ist ein verkehrter Rath; 10 Für gutes böses geben, ist schändlicher Beginn; Für gutes gutes geben, gebühret fromem Sinn; Für böses gutes geben, ist recht und wol gethan; Dann dran wird so erkennet ein rechter Christen-Mann.
12.
FREMDE TRACHT.
Alamode-Kleider, Alamode-Sinnen; Wie sichs wandelt aussen, wandelt sichs auch innen.
13.
DER DEUTSCHE FRIEDE.
Was kostet unser Fried? O wie viel Zeit und Jahre! Was kostet unser Fried? O wie viel graue Haare! Was kostet unser Fried? O wie viel Ströme Blut! Was kostet unser Fried? O wie viel Tonnen Gut! Ergetzt er auch dafür und lohnt so viel veröden? Ja, wem? Frag Echo drum! Wem meint sie wol? (Echo:) Den Schweden.
14-16.
DIE DEUTSCHE SPRACHE.
Deutsche mühen sich ietzt hoch, deutsch zu reden fein und rein; Wer von Hertzen redet deutsch, wird der beste Deutsche seyn.
* * * * *
Ist die deutsche Sprache rauh? Wie dass so kein Volk sonst nicht Von dem liebsten Thun der Welt, von der Liebe, lieblich spricht?
* * * * *
Kan die deutsche Sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern, krachen, Kan sie doch auch spielen, schertzen, liebeln, gütteln, kürmeln[1173], lachen. 10
_CHRISTIAN WEISE._
[_Scherer D._ 366, _E._ 370.]
Geboren 1642 zu Zittau, studierte in Leipzig, wirkte als Professor in Weissenfels und als Rector in Zittau verdienstlich. Er führte das Studium der deutschen Sprache und Dichtung auf der Schule ein. Starb 1708. Als Dichter vertrat er die Gegenrichtung von dem Lohensteinschen Schwulst. Er wollte nicht ‘den Namen eines wolsetzenden, eines hochbegeisterten, sondern eines einfältigen und deutlichen Concipienten verdienen’. Seine Theaterstücke sind sehr zahlreich. Herausgegeben von Fulda ‘Die Gegner der zweiten schlesischen Schule.’ (Stuttgart, o. J.)
AUS DEN ÜBERFLÜSSIGEN GEDANCKEN DER GRÜNENDEN JUGEND.
DU liebstes vaterland! vergönne deinem sohne, Dass er sein eitles thun der welt zu schauen giebt, Ich sehne mich darbey nach keinem andern lohne, Als wann die hohe gunst den guten willen liebt. Ich muss es zwar gestehn, es sind geringe sachen, Daraus ein blosser schertz, und sonsten nichts entspringt, Jedoch, ein kurtzes lied kan sich belieblich machen, Wann nur die rechte Zeit es auf die Bahne bringt: Ich bin kein Opitz nicht, der bleibt noch unser meister, Und sein berühmter thon reist durch das sternen-dach, Hingegen fliegen sonst die lobens-werthen geister Kaum auf den halben weg mit schwachen federn nach. Wiewohl ich darff mich nicht in die gesellschafft mengen, Die durch den lorber-zweig das haar um sich verbindt, 10 Mein glücke führt mich sonst auf kunst-beliebten gängen, Da dieses neben-werck gar wenig stunden findt. Doch liebstes Vaterland, ich werde dir gefallen, Dass ich im schreiben nicht ein sprach-tyranne bin, Ich folge deiner zier, und richte mich in allen Auff alte reinigkeit und neue kurtzweil hin, Ich bin so eckel nicht, ich lasse mir belieben, Was die gewohnheit itzt in langen brauch gebracht, Hätt unser alterthum nicht so und so geschrieben, So hätt es dieser kiel auch anders nachgemacht. 20 Und weil die Teutschen viel aus andern sprachen borgen, So muss ich ebenfalls mich auch darzu verstehn: Ein ander, dens verdreust, mag sich zu tode sorgen, Gnug, dass die Verse gut, die Lieder lieblich gehn. Ist diss nicht puppenwerck, wer etwas grosses heissen, Und seinen lorbeer-krantz mit golde zieren will, Der muss das ABC aus seiner ordnung schmeissen, Bald hat er nicht genug, bald hat er gar zu viel, Da ist ein wort nicht recht, has haben die Lateiner, Gelehnt und nicht geschenckt; das kommt aus Griechenland, 30 Da wird der thon zu lang, da wird die sylbe kleiner, Die sprache die wird nur nicht gäntzlich vmbgewandt. Der arme Zizero ist auch ins Z gerathen, Der sonst fast oben an, in seiner reihe steht, Vielleicht weil ein gemüth, in diesen helden-thaten, Gar langsam auf den glantz der redens-künstler geht. Sanct Felten ist hinauff biss an das F gestiegen, Und er verdient fürwahr die ehr-bezeugung nicht: Der Kwarck muss in das K aus seinem Neste fliegen, Ob gleich die gantze welt den händeln widerspricht, Der Käyser soll bey uns nicht weiter Käysser heissen, Er soll dafür ein Ertz- und grosser König seyn, Wer uns diss tapffre wort will aus der zunge reissen, Raubt uns der völcker ruhm, mit unsers landes schein, Ein solcher klügling hat gewiss nicht viel gelesen, Und hat ers ja gethan, so möcht er in sich gehn, Dass unsre Deutschen auch nicht narren sind gewesen, 10 Und dass man alles kan ohn diesen tand verstehn. Ein ander mag sich mehr mit diesen Leuten zancken, Mein ungebundner fuss geht in der einfalt fort, Und mein erregter sinn verwickelt die gedancken, Mehr in der sachen selbst, als in ein kahles wort. Hier hab ich nur geschertzt, doch wird man leicht gedencken, Dass, wie ich meiner lust allhier genug gethan, Ich, wann ich künfftig will die augen höher lencken, Mit gleicher fertigkeit die feder richten kan. Ich bin auch nicht so kühn, den Momus zu verfluchen, 20 Weil er den höhnschen mund nur an die Götter setzt. Solt er diss schlechte werck zu seiner rache suchen? Nein, er ist viel zu stoltz, wann er die zähne wetzt. Drum bin ich auch vergnügt, und lege diese lieder, Halb furchtsam und darbey halb trotzig vor die welt. Es falle wie es will, so komm ich doch nicht wieder, Der himmel hat den fleiss mir sonst wohin bestellt.
_FRIEDRICH RUDOLPH LUDWIG FREIHERR VON CANITZ._
[_Scherer D._ 368, _E._ 372.]