The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 48

Chapter 483,265 wordsPublic domain

LANDS KNECHT SPIEGEL.

Dess Kriegs art, frucht vnd lohn, Magst du hierinn verstohn.

ALS ich vor dreyssig Jaren, Noch Jung vnd vnerfahren, Offt hört vom Kriege sagen, Vnd mir auch hart anlagen Mein Gsellen, das ich hin Solt in den Krieg mit jhn, Auch etwas zuerfahren, 10 Das ich in alten Jaren Daruon zusagen west[913], Fürsagten mir das best, Das ich ein lust gewunn Zum Krieg, vnd dem nachsunn, Wie noch manch Junges blut, Auss vnwissenheit thut. Nun, eins Nachs gegem Tag, Als ich frey munder lag, Erschin mir hell vnd pur 20 Der gross Gott der Natur Genius, sprach zu mir: Wolauff Gsell, das ich dir Den Krieg thu zeygen on, Sein art, frucht vnd sein lohn, Wenn ich dir den fürstell, Nach dem dir ausserwel In disen Krieg zuziehen, Oder jhn gar zufliehen. Nachdem da nam er mich, 30 Führt mich hoch vbersich Hindurch den klaren lufft, Vnd auff der Erden grufft Mir zeigt ein weytes thal, Verwüstet vberal, Verhawen warn die Wälder, Zertretten die Bawfelder, Würtz, Kraut, Laub vnde Grass Als abgefretzet was, 10 Sampt allerley Getreyd, Vnd aller wunn vnd weyd, Vnd die edlen Weinreben, All fruchtbar Bäum darneben Waren all abgehawen, Die Ecker vngebawen, Auch stunden die Weyer Von Visch vnd Wasser leer, Auch zeigt er mit darumb Ein vber grosse sumb, 20 Lang vnd breyt etlich meyler Dörffer vnd kleine Weyler Die brunnen[914] hoch vnd lo,[915] Eins theils die lagen do In der Aschen, vnd rochen[916], Zeigt mir wie sich verkrochen Die Bawern in den Wälden, In heckn vnd finstern hälden[917], Der ich doch vil sah schetzn[918], Fahen, Martern vnd pfetzn, 30 Auch wie da an den Strassen, Vor den Dörffern sassen Weib vnd die kleinen Kinder, Hin war Rossz, Schaf vnd Rinder, Auch jhr Schätzgelt eingraben, War hin von den Kriegsknaben, Sampt Futter vnd Getreyd, Dess sassens in hertzleyd, In hunger, durst vnd frost, Elend ohn allen trost, Vnd westen nit wohin, Nach dem zeigt er mir in 10 Den Bergen mannich Schloss, Welche durch das Geschoss, Warn hart worden bekümmert, Zerscherbet vnd zertrümmert, Vnd aussgebrendt mit Fewer, Doch stund noch etlich gmewer, Sonst all NotFest[919] zerstört, Kein Adel man drinn hört, Hin war als Frawen Zimmer, Vnd als was man vor jmmer 20 Geflöhnet[920] hett darein, Das war hin gross vnd klein, Nach dem er mir auch hat Gezeiget die Hauptstatt, Die vor war vest beschlossen, Jetzt durch den Feind zerschossen, Jhr Pastey[921] warn zerschellet, Thürn vnd Brustwör gefellet, Mit Pölern[922] hart gedrenget, Vnd mit Puluer zersprenget, 30 Die Mawer vnd den Graben Gar aussgefüllet haben, Auch lag da noch vom sturm Kriegsrüstung mancher furm[923], Von den die Statt ward gewunnen Das Wasser vnd die Brunnen Warn abgraben vnd gnommen, Als wir darob sind kommen, Zeigt er mir hin vnd her All gassen öd vnd lär, Elend stund das Rathauss, All Grechtigkeit war auss, Niemand hett straff noch schutz, 10 Es lag gemeiner Nutz, Freyheit, Original, All Pollicey zumal, Es schwieg Rath, Gsetz vnd Recht Es galt Herr wie Stadtknecht, War als verjagt vnd blöd, Auch stund die Kirch gar öd, Geblündert jhrer zier, Kein Freyheit war in jhr, Kein Ampt noch Sacrament, 20 Als Kirchengsang hett end, Kein Glocken noch kein Vhr, In jhr gehöret wur, Da war kein Priester mehr, Hin war jhr Würd vnd Ehr, Derhalb das Göttlich Wort Ward darinn nit gehort Mehr auff dem Predigstul, Auch stund gantz öd die Schul, Niemand da mehr studieret 30 In Künsten Arguiret, Kein freye Kunst gelehret, Dardurch würde gemehret Die zucht, weissheit vnd Tugend, Bei der blüenden Jugend, Auch stunden all Hämmer vnd Mül, Auch sah ich alle Stühl In den Werkstätten lär, Ich sah kein Handwercker Darinn schmieden noch drehen, Bachen[924], schneyden noch nehen, Schmeltzen, Giessen noch Weben, Graben, Zimmern, darneben 10 Buchtrucken noch Binden, Blieb alles dahinden, Sticken vnd Seidenfitzen, Mahln, Gulden oder schnitzen, Sah weder Badn noch schern, Lär waren all Tafern[925], Sah kein Hochzeit noch Tentz, Kein Bulerey noch Krentz, Kein Seytenspiel, hofiern, Kein Kurtzweil noch Thurniern, 20 Trawrig war all jhr wandel, Aller Gewerb vnd Handel Vom Krieg gefeget was, Vnsicher war die Strass, Auff alle Mess vnd Märck, In Summa all Handwerck Vnd Händel lagen nider, Ich schawet hin vnd wider Die Häuser alle offen, Das Volck hett sich verschloffen[926], 30 All winckel hin vnd dar Mit klag erfüllet war, Mit seufftzen, gschrey vnd weinen, Von grossen vnd von kleinen, Dann all Häuser in zorn Zerrissn, geblündert worn, Aller Haussrath war hin, Pettgwand, Silber vnd Zinn, Kleyder vnd die Barschafft, Der gantzen Burgerschafft, Dergleich gemeine Stadt, 10 War an jhrem vorrath, Beraubt, sampt aller Schätz, Erst sah ich das all plätz Vnd Gassn vol Burger lagen, Erschossen vnd erschlagen, Im Blut geweltzt jhr Leiber, Darbey Töchter vnd Weiber Sassen ein grosse Schar, Raufften jhr eygen Har, Wanden vor leyd jhr Händ, 20 Ihr vil waren geschend An jhr Weiblichen Ehr Von dem vnzüchting Heer. Genius sprach zu mir: Nun will ich zeygen dir Auch das gewaltig Heer, Das mit blutiger Weer Die Landschafft hat verhert, Schlösser vnd Städt vmbkehrt, Was sie für werth vnd lohn 30 Auch entpfangen daruon. Schnell mit mir Genius Durch die Wolcken hin schuss Vber ein weittes Feld, Das stund voller Gezeld, Vnd darumb Circkel rund Ein Wagnburg gschlossen stund, Da lag die blutig Rott An der Erd in dem Kot, Samb[927] lebendig begraben, In jrn Hüttn gleich den Raben, Gantz Wetterfarb vnd hager, Hungerig, dürr vnd mager, Ihre Kleyder zerrissen, 10 Erfaulet vnd zerschlissen, Bey der Nacht sie erfrurn, Beym Tag hart peinigt wurn Von der Sonn, hitz vnd staub, Macht sie gantz matt vnd taub, Regen vnd vngewitter, Herb kalte Wind warn bitter, Die Leuss in nassem Kleyd, Theten auch vil zu leyd, Offt ward gesperrt das Land, 20 Bracht mangel an Prouant, Derhalb Alter vnd Junger Musst leyden grossen hunger, Wann sie dann hetten wol, Warens denn gar stüd vol[928], Frassens fleisch hinein gar, Wans kaum halb gsotten war, Durch so vnorndlich leben Thet sich bey jhn begeben Das jhr vil waren kranck, 30 Vmb sie war gross gestanck, Sie hetten Breun vnd Ruhr, Vil jhr begraben wur, Kein rhu thetens auch haben Mit schantzen vnd mit graben, Mit Tagwach vnd schiltwachen, Vnd andern Kriegessachen, Der Pfenningmeister[929] gar Offt zu lang aussen war, Vil loffen auff die Beut, Zaltens offt mit der heut[930], Vil auch durch Armut kamen Das Feind vnd Freunden namen, Die henckt man dann an Galgen, O wie sah ich ein palgen[931], 10 Ein Gottlestern vnd schwern, Das niemand kund erwehrn, Auff dem vmbplatz vil ringer Lagen Händ vnde Finger, Ohn zahl jhr worden wund, Die man offt schlecht verbund, Das sehr vil Krüppel gab, Ich sah von oben ab, Wie sie litten zumal Vom Feind gross vberfal, 20 Auch kamen vom Scharmützel Ihr offt herwider lützel, Auch zeigt er mir von ferren In eim Zelt die Kriegsherren, Theten vil anschläg machen, Felten doch in vil sachen, Dess war jhn heimlich bang, Der Krieg verzog sich lang, Das Land gar zugewinnen, Offt thet jhn Gelts zerrinnen, 30 Bey all jhren auffsetzen[932], Der Vnderthanen schetzen, Denn thet der Krieg sie tringen[933], Eylend Gelt auffzubringen, Musten zu underpfand Versetzen jhr eygen Land, Ihr Kleinat vnd Credentz, Gieng auch dahin behends, Ietzt fehlt Puluer, dann Bley, Vnd ander Municey[934], Dem reysing Zeug gebrach Fütterung vnd Obtach, Das wasser mancher zeyt 10 Dem Läger war zu weyt, Offt ward Proviant verlegt, Der Lerman[935] sie erschreckt, Klag kam abend vnd morgen, Auch mustens hart besorgen, Ihn würd heimlich vergeben[936], Ander aufsetz darneben, Auch fürchtens mancherley Auffruhr vnd Meuterey In jhrem eygnen Heer, 20 Auch ereygnet sich mehr Vntrew jhrer Amptleut, Ihr vil trugen schalksheut, Auch war jhr kundschafft schlecht Offt falsch vnd vngerecht, Auch wurd jhn hin vnd wider Vil Post geworffen nider, Dardurch kam an den Tag Jhr heimlicher vorschlag, Von jhnen fiel auch ab 30 Etlich Stätt, sich begab Ir Bundgnossn wurden gweltigt, Noth, angst wurd manigfeltigt, Ihr Land vnd Fürstlich gnad Stund als auff dem glückrad, Der Feind auch auff sie zug, Das Läger an sie schlug, Beyd theil zuthun ein Schlacht, Wurden ordnung gemacht, Beyde zu Fuss vnd Ross, Abgieng das Feldgeschoss, Dass gleich das Erdrich kracht, Nach dem gieng an die schlacht, Vom Gschütz war ein gedöss, 10 Von Rossen ein gestöss, Ein stechen vnde hawen, In dem da thet ich schawen Das ein Heer siegloss floch, Der ander Hauff abzog. Genius liess mich sehen, Bald die schlacht ward geschehen, Die Walstatt diser Wisen, Sah ich mit Blute fliesen, Da grosse hauffen lagn 20 Erstochen vnd erschlagn, Eins theils lagen todwund Echtzten noch mit dem Mund, Eins theils hört ich laut gemmern Seufftzen vnd kläglich wemmern Vnd nach dem Tode schreyen, Auss ängsten sie zu freyen. Genius zeigt herab, Wie man auch vrlaub gab Dem gantzen hellen Hauffen, 30 Ach wie sah ich ein lauffen, Beyde von Jung vnd Alt, Dess Sold nicht gar bezahlt, Derhalb die strassen schlecht Lag gar vol Krancker Knecht, Ihr vil sah wir gefangen, Auch an den Baumen hangen, Ihr vil die Bawern erschlugn, Gantz elend sie heimzugn, Wann der tausent theil gleich Nit heim kam gsund vnd reich, Der meist theil kam zu Hauss Erger dann er zog auss, 10 Vol Laster vnd Vntugend, Also die blüend Jugend Im Krieg verdorben war, Das jhr anhangt vil Jar. Genius sprach zu mir: Sag an Gsell, wie gfelt dir Der Krieg vnd die Kriegsleut, Sein art, frucht, lohn vnd peut? Ich antwort jhm gar klug, Dess Kriegs hab ich genug, 20 Dieweil ich hab mein leben, So will ich mich begeben In kein Krieg nimmermehr, Weil er ohn nutz vnd Ehr Handelt, allein mit schaden Wirdt Land vnd Leut beladen, Welche der Krieg thut rühren, Sampt denen die jhn führen, Derhalb der Krieg ich sag Ist lautter straff vnd plag, Dess gar soll müssig gan Ober vnd Vnterthan. Da antwortet Genius Vnd sprach: Gesell man muss Dess Feindes sich offt weren, 10 Der wider Recht vnd Ehren Bekümmert Leut vnd Land, Allda mit thewrer hand Wehrt man sich recht vnd billig, Da solt du auch gutwillig, Deim Vatterland beystahn, Als ein ehrlicher Mann, Dran setze Leib vnd Blut, Krafft, Macht, Gwalt vnde Gut, Dein Vatterland zu retten, 20 Als auch die Alten theten, Das frid vnd rhu jhm wachs, Spricht von Nürnberg Hans Sachs.

3.

AUS DIE WITTEMBERGISCH NACHTIGALL, DIE MAN JETZT HÖRET ÜBERALL.

Wach auff, es nahend gen dem tag! Ich hör singen im grünen Hag Ein wunnigkliche Nachtigal, Ihr stimb durchklinget Berg und Thal. Die Nacht neigt sich gen Occident, Der Tag geht auff von Orient, Die rotbrünstige Morgenröt Her durch die trüben Wolcken geht, Darauss die liechte Sonn thut plicken Dess Mondes schein thut sie verdrücken[937]; Des ist jetzt worden bleich und finster, Der vor mit seinem falschen glinster[2] Die gantzen Herd Schaf hat geblend, Das sie sich haben abgewend Von ihrem Hirten und der Weyd Und haben sie verlassen beyd, 10 Sind gangen nach des Mondes schein In die Wildnuss den Holzweg ein, Haben gehört des Löwen stimb Und sind auch nachgefolget jhm, Der sie geführet hat mit liste Gantz weit abwegs tieff in die Wüste; Da habens ihr süss Weyd verlorn, Hant gessen Unkraut, Distel, Dorn ... Zu solcher Hut haben geholffen Ein gantzer Hauff reissender Wolffen ... 20 Auch lagen vil Schlangen im Grass, Sogen die Schaf ohn unterlass Durch all Gelid biss auff das Marck. Dess wurden die Schaf dürr und argk Durchauss und auss die lange Nacht Und sind auch allererst erwacht, So die Nachtigall so hell singet, Und des Tages Gelentz[938] herdringet, Der den Löwen zu kennen geit[939], Die Wölff und auch jhr falsche Weid. 30 Dess ist der grimmig Löw erwacht, Er lawret und ist ungeschlacht Uber der Nachtigal Gesang, Das sie melt der Sonnen auffgang ... Der schein niemand verbergen kan. Nun das ihr klärer möcht verstan, Wer die lieblich Nachtigal sey, Die uns den hellen tag ausschrey, Ist Doctor Martinus Luther, Zu Wittenberg Augustiner, Der uns auffwecket von der Nacht, Darein der Mondschein uns hat bracht. Der Mondschein deut die Menschen Lehr Der Sophisten hin und her Innerhalb der vierhundert Jaren, 10 Die sind nach ihr Vernunfft gefaren Und hant uns abgeführet ferr Von der Evangelischen Lehr Unseres Hirten Jesu Christ Hin zu dem Löwen in die Wüst. Der Löwe wird der Bapst genennt, Die Wüst das Geistlich Regiment, Darinn er uns hat weit verfürt Auff Menschensünd, als man jetzt spürt ... Darumb, ihr Christen, auss der Wüste 20 Kehrt zu dem Hirten Jesu Christe! Derselbig ist ein guter Hirt, Hat sein Lieb mit dem Tod probiert[940], Wie samlet er aber diss sein Lob? Nämlich durch sein wort, die recht prob, Das lasst er trewlich durch sein Lehrer Theylen nach gelegenheit der Zuhörer, Also, das ers auch nicht verschweigt Den Kindern, wie diss Büchlein zeigt, Darinn er ihn nach jhrm Verstand 30 Durch kurtze Fragstück macht bekant Die fürnemst stück Christlicher Lehre, Wie man jhn recht nach seim wort ehre. Derwegen niemand nicht veracht Die Fragen, hie kurtz eingebracht, Sondern denck, das wir müssen all Zu Kindern werden in dem fall, Wollen wir anders glauben recht Die gheimnuss unsers glaubens schlecht. Die kindlich einfallt muss uns führen, Und müssen lassen uns Regieren Gotts wort, gleich wie das Kind regiert Des Vatters Red, was der ordiniert; Müssen von uns nicht hoch ding halten, Sondern wie Kind demütig walten, 10 Welchs Christus damals hat gewelt, Da er das Kind für die Jünger stelt. Hierumb so brauch, mein liebe Jugend, Diss Büchlin zu Lehr und rechter Tugend, Die dann in Gotts Erkantnuss stehet, Das man nach seinen Gebotten gehet. Darzu wöll Gott sein gdegen[941] geben Und nach disem das ewig Leben.

4.

FABEL.

{20} DER KRÄMER MIT DEM AFFEN.

Ein Krämer sein Krämerey trug Darmit er hin vnd wider zug Auff alle Kirchwey in dem Land, Auff den Dörffern, wo er die fand, Darmit er sich gar kaum ernehrt, Mit müh vnd arbeit streng vnd hert[942], Lid darbey hitz, frost, hunger vnd kommer Nun begab sich im heissen Sommer, Dass diser armer Krämer alt Sein krämerskorb trug durch ein Wald, 30 Nun schien die Sonn so vberheiss, Das vber sein Leib loff der schweiss, Gieng daher helig[943], müd vnd schwach, In dem ein Brünnlein er ersach, Das in eim gelben sand auffqwül[944], Gantz silberfarb, klar frisch vnd kül, Zu dem der Krämer nider sass In schatten in das grüne Grass, Vnd sein Krämerskorb von jm setzt, Vnd seines vnmuts sich ergetzt, Thet sich mit disem Brünnlein laben, Vnd gedacht jhm allda zu haben 10 Ein halbe stund ein stille rhu, Vnd höret den Waldvögeln zu, Wie sie sungen mit freyer stim, In dem giengen die augen jm Zu, vnd bey dem Brünnlein entschlieff, In süssem schlaff gar hart[945] vnd tieff, Vnter eim hohen Kistenbaum[946]. Im schlaff gedaucht jn in dem Traum Wie er auff einr Dorff-Kirchwey wer, Darauff sehr vil Gelds löset er, 20 Von Bawersvolck alten vnd jungen, Die sich vmb seinen Kram vast drungen[947]. Dess wurd der Krämer frewden vol Im schlaf, das es im gieng so wol, In dem ein Aff ersehen was[948] Den Krämer ligen in dem Gras. Der lof, vnd bracht im Wald daher Bey zweintzig Affen, oder mehr. Die Affen alle vmb jn stuhnden, Bleckten jr Zän, sein spotten kunden, 30 Aus fürwitz bald der Affen hauff Brachen jm sein Krämers-Korb auff, Vnd schütten jm herausser gar All seine elende Krämers Wahr, Als Brüch[949], Pfeiffen vnd Schlötterlein[950], Niesswurtz, Zucker vnd Brentenwein, Leckuchen[951] süssholtz, dergleich gneschlein[952] Gürtel, Nestel vnd Kindstäschlein Spiegel, Schelln, Kämb[953] vnd Harpand, Fingerlein[954], Nadel, das alles sand[955] Hieng der fürwitzen Affen Hauff Im Walde in dem Baumen auff, An den Esten hin vnde her, Samb im Wald ein Dorfkirchwey wer. Nach dem die Affn aneinander hiengen, 10 Ein Tantz vmb den Krämer anfiengen ... Die Schu jm von sein Füssen zugen, Vnd sie jhm in den Wald vertrugen ... Von disem so ist munter worn Der Krämer, vnd schnell aufferwacht, Fuhr auff, vnd gar vngeschlacht[956], Die Affen aber flohen bald, Hin vnd her zerstrewt in dem Wald, Vnd dem Krämer alle entloffen; Der fund seinen Krämerskorb offen, 20 Der war von aller Wahr gantz ler, Die hieng in Baumen hin vnd her, Vnd dazu in Hecken vnd Stauden, Die samlet er mit schweiss vnd schnauden[957]. Ein theil war jhm zu hoch gehangen, Dieselben kund er nit erlangen. Was er erlanget, packt er ein Widerumb in den Kramkorb sein, Vnd zog also barfuss darvon; Must spot vnd schmach zum schaden hon. 30

DER BESCHLUSS.

Also sich hie in diser zeit Manch Mann mit grossr müh vnd arbeit Kan sich gar kümmerlich ernehrn, Mit Weib vnd Kind hungers erwehrn, Mit schwerer Armut ist beladen, Vnd ist gantz jederman ohn schaden Mit seim Gewerb was er thut treiben, Kan doch vor den Affen nicht bleiben, Welche man sonst nent die Spottvögel, Welche sind frech, fürwitz vnd gögel[958], Die öffnen vnverschembt allzeit Eins guten Mannes heimligkeit Spott weiss mit jhren hinterschlegen, 10 All sein ding zum ärgsten ausslegen, In all seim Handl jn verunglimpffen, Sehr grob mit wort vnd wercken schimpffen[959] Wiewol mit solchem groben schimpff Kompt der gut Mann vmb ehr vnd glimpff Dardurch der gut Mann wird veracht, Wenn aber der in ernst erwacht, Vnd redet den vnd jenen an, Was er geredt hat vnd gethan, Als denn solch Spottvögel fliehen, 20 Vnd den Kopff auss der Schlingen ziehen Wischen das Maul, drollen darvon, Keiner wil nichts geredet hon, Oder sie geben für jhm glimpff[960], Es sey geschehn in gutem schimpff. Solches sind recht vntrewe tück, Vnd arg, neckische Bubenstück, Welches thut gar kein Byderman, Derselb schertzen vnd schimpffen kan, In fröligkeit ohn allen schaden, 30 Dass sein Nechster bleibt vnbeladen, Beyde an glimpff, Ehren vnd Gut; Solchs abr der Schandvogel nicht thut, Sonder schertzweiss aussbreit er das, Vnd doch auss bitter neyd vnd hass, Alls was er sicht, hört vnd erfehrt, Er alle ding zum ärgsten kehrt. Solch Affen vnd Schandvögel auff Erd Die sind gar keiner Ehren werd. Sie richten an vil vngemachs. Nur mit jn hin! das wünscht Hans Sachs.

Anno Salutis MDLVIII. Am 19. Tage Decembris.

5.

AUS DER COMEDIA: DIE UNGLEICHEN KINDER EVÆ.

{10} Ausgabe: Nürnberg bey Christoff Heussler 1558.

_Actus III._

Adam vnnd Eua geen ein, vnd Abel selb sechst, Kain auch selb sechst.

_Adam spricht._

Eua ist das hauss gezirt Auff das wenn der Herr kummen wirt Das es als schön vnd lüstig Ste Wie ich dir hab befolhen Ee.

_Eua spricht._

Alle ding war schon zu bereyt Za nechten[961] vmb die versperzeit. 20

_Adam spricht._

Ir kinderlein ich sich den Herrn Mit seinen Engeln kummen von Ferrn Nun stelt euch in die ordnung fein Vnd bald der Herre dritt herein Neygt euch und bietet jm die hend Schaw zu wie stelt sich an dem End Der Kain vnd sein Galgen-rott Sam wöllen sie fliehen vor Gott.

{30} _Der Herr geet ein mit zweyen Engeln, geyd den segen vnd spricht._

Der Fried sey euch jr Kinderlein.

_Adam hebt sein hend auff vnnd spricht._

O Himelischer Vater mein Wir dancken in vnsrem gemüt Das du vns Sunder durch dein güt Heimsuchst in vnser angst vnd not.

_Eua hebt jr hend auff vnd spricht._

Ach du trewer Vatter vnd Got. Wie soll wirs verdienen vmb dich Das du kumbst so demütigklich 10 Zu vns elenden an diss ort Dieweil ich hab veracht dein wort Vnd gefolgt der hellischen schlangen Da ich die gröst sünd hab begangen Wider dich, drumb wirt mein gewissn Bekümmert, geengst vnd gebissn.

_Der Herr spricht._