The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 45

Chapter 453,223 wordsPublic domain

Da freuten sich die raisgeferten, Als sie den Rein da rauschen hörten, Und wünschten auf ain neues glück, Das glücklich sie der Rein fortschick, Und grüssten jn da mit trommeten: ‘Nun han wir deiner hilf von nöten, O Rein, mit deinem hellen fluss! Dien du uns nun zur fürdernus[759]! Lass uns geniessen deiner gunst! 10 Dieweil du doch entspringst bei uns, Am Vogelberg bei den Luchtmannen[760] Im Rheinzierland[761], von alten anen, Und wir dein tal, dadurch du rinnst, Mit baufeld ziern, dem schönsten dienst. Schalt diss wagschiflein nach begeren[762], Wir wöllen dir es doch vereren[763]; Leit es gen Strassburg, deine zierd, Darfür du gern laufst mit begierd, Weil es dein[764] strom ziert und ergetzt, 20 Gleich wie ein gstain im ring versetzt[765].’ Der Rein mocht dis kaum hören aus, Da wund er um das schiff sich kraus, Macht um die ruder ain weit rad, Und schlug mit freuden ans gestad, Und liess ain rauschend stimm da hören, Draus man mocht dise wort erkleren: ‘Frisch dran, ir liebe eidgenossen!’ Sprach er, ‘frisch dran, seid unverdrossen! Also folgt eueren vorfaren, 30 Die diss taten vor hundert jaren[766]! Also muss man hie rum erjagen, Wann man den alten wil nachschlagen[767]. Von euerer vorfaren wegen Seid ir mir wilkumm hie zugegen. Ir sucht die alt gerechtigkeit[768], Die euer alten han bereit[769]; Dieselbig will ich euch gern gonnen, Wie es die alten han gewonnen. Ich waiss, ich werd noch oftmals sehen, Solchs von euern nachkommen gschehen. 10 Also erhelt man nachbarschaft; Dann ie der Schweizer aigenschaft Ist nachbaurliche freuntlichkeit Und in der not standhaftigkeit. Ich hab vil erlich leut und schützen, Die auf mich in schiff teten sitzen, Gelait gen Strassburg auf das schiessen, Dafür[770] mit freuden ich tu fliessen; Aber kaine hab ich gelait, Noch heut des tags[771] mit solcher freud. 20 Far fort! far fort! lasst euch nichts schrecken Und tut die lenden daran strecken! Die arbait tregt darvon den sieg, Und macht, das man hoch daher flieg Mit Fama, der rumgöttin herlich; Dann was gschicht schwerlich, das würd erlich. Mit solchen leuten solt man schiffen Durch die mörwürbeln und mördiefen; Mit solchen forcht man kain merwunder Und kain wetter, wie sehr es tunder; 30 Mit solchen dörft man sich vermessen, Das ainen fremde fisch nicht fressen: Dann dise alles überstreiten, Durch ir unverdrossen arbaiten. Mit disen knaben solte ainer Werden des Jasons schiffartgmainer[772] In die insul zum gulden widder: Da wüsst er, das er käm herwider. Weren dise am meer gesessen, So lang wer unersucht nicht gwesen America, die neue welt: Dann ir lobgier het dahin gstellt. Lasst euch nicht hindern an dem tun, Das auf die haut euch sticht die sunn: Sie will euch manen nur dadurch 10 Das ir schneid dapfer durch die furch, Dann sie seh gern, das ir die gschicht Vollbrechten bei irm schein und liecht, Damit sie auch rum davon drag, Gleich wie ich mich des rümen mag, Die blatern[773], die sie euch nun brennt, Und die ir schaffet in der hend, Werden euch dienen noch zu rum Wie zwischen tornen aine blum. Ir dörft euch nicht nach wind umsehen: 20 Ir seht, der wind will euch nachwehen, Gleich wie euch nun diss wetter liebt, Also bin ich auch unbetrübt. Ihr sehet ja mein wasser klar, Gleich wie ain spiegel offenbar, So lang man würd den Rein abfaren, Würd kainer euer lob nicht sparen, Sonder wünschen, das sein schiff lief, Wie von Zürch das glückhafte schiff. Wolan! frisch dran! ir habt mein glait 30 Um euer standhaft freudigkeit. Die strass auf Strassburg sei euch offen! Ir werd erlangen, was ir hoffen; Was ir euch heut frü namen vor, Das würt den abent euch noch wor[774]. Heut werd ir die statt Strassburg sehen, So war ich selbs herzu werd nehen[775]. Heut werd ir als wolkommen gest, Zu Strassburg noch ankommen resch[776]! Nun libs wagschifflin, lauf behend! Heut würst ain glückschiff noch genent, Und durch dich werd ich auch geprisen, Weil ich solch treu dir hab bewisen.’ Solch stimm der gsellschaft selzam war Und schwig drob still erstaunet gar, 10 Es daucht sie, das sie die Stimm fül[777] Als wann ain wind bliess in ein hül[778]: Derhalb jagt sie ir ein ain mut[779], Gleich wie das horn und rüfen tut Des jegers, wann es weit erschallt Den hunden in dem finstern wald, So sie im diefen tal vorlaufen, Und die berg auf und ab durchschnaufen, Alsdan in erst die waffel schaumt[780], Und kommen auf die spur ungsaumt: 20 Also war auch dem schiff die stimm, Bekam zu rudern erst ain grimm[781]; Teten so stark die ruder zucken, Als wolten fallen sie an rucken[782], In gleichem zug, in gleichem flug, Der steurman stund fest an den pflug[783], Und schnitt solch furchen in den Rein, Das das underst zu oberst schein[784]. Die sonn het auch ir freud damit Das so dapfer das schiff fortschritt, 30 Und schin so hell in druder rinnen[785], Das sie von fern wie spiegel schinen: Das gestad scherzt auch mit dem schiff, Wann das wasser dem land zulief, Dann es gab ainen widerton, Gleich wie die ruder teten gon[786]: Ain flut die ander trib so gschwind, Das sie aim underm gsicht verschwind: Ja, der Rein wurf auch auf klain wellen, Die danzten um das schiff zu gsellen. In summa: alles freudig war, Die schiffart zu vollbringen gar.

3.

ANMAHNUNG ZU CHRISTLICHER KINDERZUCHT (1578).

{10} AUS DEM ‘KATECHISMUS.’

Was lust und fleiss haben die leut In iren gerten oft zur zeit Mit setzung, impfung und aufsetzung Etwan ein pflenzlein zur ergetzung? Wie warten sie doch sein so eben, Das sich das schösslein mög erheben? Frü machen sie im raum zur sonnen, Zu mittag sie im schatten gonnen; Da pfropfens, biegens, understützen, Beschüttens vor der frost zu schützen, 20 Messens bei ruten und minuten Sein teglich wachsen zu vermuten; Da gehen sie alle tritt hinzu, Sehen wie es aufschiessen tu. Und ist in süss all zeit und müh, Die sie damit zubringen ie: Wie viel mehr lust solt haben dann Ein hausvater und iederman, Dem gott die kinder tut bescheren, Oder befihlet, die zu leren, Das sie dieselben himmelspflenzlein, 20 Ir hauschösslein, ir ehrenkrenzlein Ziehen und schmuckn zu gottes ehren Sein wort gern hören und gern leren? Das sie zu preis dem aller höchsten, Auch mit der weil nutz sein dem nechsten? Was schöners opfer kan man geben Dem herren gott in diesem leben? Denn das sind die recht frücht und güter, Die gott gibt das man opfer wider; Das sind die ölzweig und die reben, Die fruchtbar deinen tisch umbgeben; Diss ist des hauses benedeien, Des alters früling, glenz und meien, 10 Das sind die beumlein und die palmen, Von denen David singt in psalmen, Das sie gebaut sind und gepflanzt Neben die wasserbech des lands, Welche kein hitz im sommer mindert, Noch im winter kein frost nicht hindert, Dann nicht erwelken ire bletter Oder abfallen von dem wetter, Die zu rechter zeit ir frucht bringen, Damit erfreuen sie, die tüngen, Vnd die zu letzt gott gar versetzt, Ins paradeis, sie da ergetzt, Sie macht zu ewigen himmelssprösslein, Zu gnadenfeuchten engelsschösslein. Wie solt ein lehrer und ein vater, Wa er hat ein barmherzig ader, Nicht han ein freud mit ihrer zucht, Dieweil es ist ein schöne frucht, Und noch viel mehr an inen wird 10 Natur lieblich anmutung gspürt, Als in den aller schönsten geschöpfen Daraus wir sonst ergötzung schöpfen, Das macht die lebhaft freundlicheit, Die anlachend gesprechlicheit, Die in den kindern wir all spüren, Wie sie schön all geberden zieren. Dann was ist lieblichers zu hören, Als wann die kinder reden leren? Wanns herauslispeln bald die red 20 Und rufen: abba, vater, ett[787], Rufen der muter, memm und ammen, Geben nach irer notturft namen, Brauchen den ererbt Adams gwalt, Der jedem geschöpf ein nam gab bald, Wie ist im zuzusehen wol, Wanns wankeln[788] wie ein wasserpfol?[789] Und so halslemig[790] ungwis tasten, Und wie ein engelchen erglasten[791]? Solch freundlicheit und lieblich sitten Solten die elter und ein ieden, 10 Reizen, das sie dess lieber mehr Mit kinderzucht umgiengen sehr, Dieweil solch blüend alter frisch Umsonst so lieblich gstalt nit ist Auch oft das wild und vieh bewegt, Das es zu dem ein gfallen tregt. Und dieweil die engel sich nicht schemen, Der kindspfleg sich selbs anzunemen. Wie Christus zeugt, das vor gott standen Allzeit die kinder engels gsanden: 20 Wie wolt ir dann solch arbeit scheuen, Weil es euch komt zu nutz und treuen? Dann wen mags freuen mehr dann euch, So euere kind sind tugendreich? Wie kanstu bessere ruh dir schaffen Und friedlicher in gott entschlafen, Dann so du weist, das dein kind seind Erzogen wol und drum gott freund? Und weisst, das nach dem tod dein kinder An gott han ein ewigen vormünder? 10 Zu dem solt euch auch darzu bringen, Das ir gern mit der zucht umgiengen, Dieweil Christus der herr verheisst, Das, was man solchen kindern bweist, Das wöll er halten und ansehen, Als obs im selber sei geschehen: Dann er in klar spricht: Wer ein kind In seim nam aufnimmt, im selbs dient: Wie kan man aber in seim namen Kinder aufnemen von seim stamen? Zwar[792] anders nicht, dann so die Zur gottsforcht anhallt zimlich frü, Es sei obere oder herren, Die sie in kirch und schulen leren, So wird selbs Christi drinn gepfleget Als ob man in im geren[793] treget, Und werden oberkeit und lerer Dardurch sein seugam und sein nerer. 10 Dann was sein kleinsten gliedern gschicht, Das rechnet er, das in anficht. Drum thun wol, die als dahin schlichten, Das man djugend mög recht berichten, Zu kennen lernen iren gott, Der sie von sünden, höll und tod Auch mit seins sons blut glöset hat, Und schenkt in als durch lauter gnad. Hingegen treut der herr gross pein Den, die der kleinsten ergern ein, Dann dem ein mülstein besser wer Am hals, und sein versenkt im mer. Derhalben aus mit losem gschwetz Welchs gute sitten nur verletzt! O aus mit unzucht, völlerei, Mit böser gsellschaft büberei! Raumt[794] weit von diesen zarten herzen Das gottlos gsind, das schandbar scherzen, Lasst solch wort nit mehr von euch hören, 10 Das djugend weltlichkeit muss leren[795]: Es dunkt mich, es leret sich früh, Mutwill und frechheit komt ohn müh. Ler du sie die recht gottsforcht vor, Die ist zu weisheit tür und tor, Und denk, das rechenschaft must geben Für die verderbnus und bös leben. Es lesst sich zwar nicht also schimpfen[796]: Und mit der weltlichkeit verglimpfen[797]: Du hörst wol, was dein Christus melt, 20 Sein völklein sei nit von der welt, Wiltu dein kinder weltlich machen, So stecksts dem teufel in den rachen: Dann man sol brauchen so die welt, Als ob mans[798] nit brauch, noch was gelt. Man kan nit dienen ie zugleich Gott und der welt, des teufels reich, Daher umsonst nit Christus spricht: ‘Ir Engel sehen gotts angsicht,’ Als sprech er, das sie die verklagen, 10 Die kindern hie bös vorbild tragen. O weh der welt vor ergernus, Welchs weltlichkeit heut heissen muss: Damit man reizt gotts rach herzu, Zu strafen das kalb mit der ku. Dann wie wolt gott das leiden immer, Das man sein grün setzling bekümmer, Und im dasselb beschmutzen tut, Was sein Son reinigt durch sein blut, Das man die zarte gfess verwüst 20 Die zu seim lob warn zugerüst. Bedacht[799], das der prophet sagt dort, Gott leg in kindsmund auch sein wort, Und müssen auch ir sön und töchter Sein aposteln sein und wechter, Und aus der unmündigen stamlen Will er seins namens lob auch samlen. Wie samlet er aber diss sein lob? Nemlich durch sein wort die recht prob, Das lasst er treulich durch sein lerer 10 Teilen nach glegenheit der hörer, Also das ers auch nicht verschweigt Dein kindern, wie diss büchlein zeigt, Darinn er in nach irm verstand Durch kurze fragstück macht bekant, Die fürnemst stück christlicher lere, Wie man in recht nach seim wort ere. Derwegen niemand nicht veracht Die Fragen, hie kurz eingebracht, Sondern denk, das wir müssen all Zu kindern werden in dem fall, Wollen wir andern glauben recht Die gheimnus unsers glaubens schlecht, Die kindlich einfalt muss uns füren, Und müssen lassen uns regieren Gotts worts, gleich wie das kind regiert, Des vaters red, was der ordiniert; Müssen von uns nit hoch ding halten, Sondern wie kind demütig walten, 10 Welchs Christus damals hat gemelt Da er das kind für djünger stellt. Hierum so brauch, mein liebe jugend, Diss büchlin zu ler und rechter tugend, Die dann in gotts erkantnus stehet, Das man nach seinen gboten gehet. Darzu wöll gott sein gdeien geben Und nach disem das ewig leben.

_BURKARD WALDIS._

[_Scherer D._ 297, _E._ 294.]

Dieser berühmte Fabeldichter wurde in Hessen vermuthlich um 1495 geboren, lebte aber in seiner Jugend meist im Ausland, namentlich in Livland. 1523 wurde er vom Erzbischof Jasper van Linden als Abgesandter an den Kaiser und den Pabst geschickt, um Hilfe gegen den einbrechenden Protestantismus zu verlangen. Auf dem Rückwege ward er von den Protestanten in Riga gefangen genommen, trat dann selbst zum Protestantismus über und lebte als Zinngiesser in Riga. Später kehrte er nach Hessen zurück, war Pfarrer zu Abterode (1544) und starb wahrscheinlich 1557. Herausgegeben ‘Esopus’ von Kurz (2 Bde. Leipzig, 1862); Tittmann (2 Bde. Leipzig, 1882); ‘Der verlorene Sohn’ von Milchsack (Halle, 1881); ‘Streitgedichte’ von Koldewey (Halle, 1883).

DIE LXXXIJ FABEL VOM REICHEN UND ARMEN MANN.

ZV Lübeck in der schönen Stadt 10 Ein alter Bürger sass im Rath, Der war gar reich an Gut und Hab, Da mit sich nit zu frieden gab, Er hett ein Fraw vnd keine Erben, Dennoch hört er nit auff mit werben[800], Allzeit dem Gelt vnd Gut nach tracht, Dauor er weder tag noch nacht Kein ruh nit hett, so sehr jn plagt Der Geitz, wie der Poet auch sagt, Das sich gleich mit dem Geld vnd Gut, Die lieb des Gelts vermehren thut, Nun ist am selben end der brauch, Wie sonst in andern Stedten auch, Da sind viel tieffer Keller graben 10 Darinn vil Leut jr wonung haben, Die sich nur von dem Taglohn nehren, Nach kleinem Gut auch messig zeren, Also sass auch desselben gleichen, Ein armer vnter diesem Reichen, Pflag den Leuten die schuhe zu flicken, Mit Holtz vnd Henffen drad[801] zu sticken, Dauon er sich, sein Weib vnd Kind Ernehrt, wie man vil armen findt, Jedoch war er seins mutes frey, 20 Sang, vnd war stets frölich dabey, Des abends er daheime blieb, Vnd seine zeit also vertrieb, Des wundert sich der reich gar sehr, Er dacht, was ists doch jmmermehr, Das disen armen Mann erfrewt? Nun weyss ich doch das er offt kewt An armetey[802], die jn besessen Vnd hat offt kaum das Brodt zu essen, Vorwar ich keinen fleiss nit spar 30 Biss ich sein wesen recht erfahr. An einem Sontag kurtz darnach Also zu seiner Frawen sprach, Du must dichs nit verdriessen lassen Daniden[803] vnsern haussgenossen, Zu gast bitten heut disen tag Mit seiner Frawen, das ich mag Von jm werden einr frag bericht, Die mich bekümmert vnd anficht. Er schickt baldt seinen Knecht hinunder Bat jn zu gast, das nam gross wunder Denselben armen Mann, gedacht[804] Wer hat den jetzt so kostfrey[805] gmacht? Doch gieng er hin, versagts jm nit; Nach essens sprach der Wiert, ich bit 10 Vmb ein ding hab ich euch zu fragen Drauff wöllet mir die warheit sagen: Ich weyss das euch am gut zerrinnet[806], Vnd mit ewrm thun nit viel gewinnet, Mit grosser arbeit jr euch nehrt Vnd dennocht kaum des hungers wehrt, Vnd trincken auch gar selten Wein Vnd dennocht allzeit frölich sein, Beid[807] tag vnd nacht, abents vnd morgen Als ob jr hetten nichts zu bsorgen. 20 Nun hab ich gelts vnd gutes gnug An essen, trincken, gutem fug[808], Mit gutem Wein thu mich offt kröpffen[809], Kan dennocht solchen muth nit schöpffen. Er sprach, warumb solt mich betrüben, Mein gut ist sicher vor den Dieben, Zu Wasser vnd zu Landt der halb[810] Stirbt mir kein Pferdt, noch Kuh, noch kalb, Es kan kein Kauffman mich betriegen Oder in der handlung vorliegen, 30 Vnd wie ich hab ein kleine nerung[811], So halt ich auch ein kleine zerung, Verzer nit mehr denn ich erwerb Sorg nit das ich dabey verderb, Vnd steck mein fuss nit weiter nab Denn ich wol zu bedecken hab[812], Vnd mich zu frieden geb damit: Was ich nit hab, entfellt mir nit. Ich lass mir an demselben gnügen Was mir Gott teglich thut zu fügen, Gedenck, morgen kompt auch ein tag Der vor sich selber sorgen mag. Mit solcher redt wardt er bewogen Das ern vorbass nit mehr dorfft fragen, 10 Vnd dacht, er ist recht willig arm, Billich das ich mich sein erbarm, Lieff hin, vnd bracht baldt hundert gulden Vnd sprach, damit bezalt ewr schulden, Damit ich euch jetzt will begaben Das jr ewr not zu schützen haben. Der Mann wardt fro, gieng damit hin Vnd dacht baldt das ers auff gewin, Vnd auff Kauffmannschaft mocht anlegen Damit noch hundert brecht zu wegen[813], 20 Vnd tracht mit fleiss drauff tag vnd nacht Damit jm selb viel sorgen macht, Das er vor mühe den Kopff stets hieng Vnd auff der Gassen trawrig gieng, Des singens er dabey vergass. Den reichen sehr verwundert das, Er bat jn abermal zu gast, Der Mann die hundert gülden fasst In einen Beutel, brachts jm wider, Vnd sprach, von der zeit an vnd sider[814], 30 Das jr mir habt die gülden geben Ist mir vergahn mein bestes leben. Seht hin, fahrt wol mit ewrem gut, Ich nem dafür ein guten muth. Desselben ich viel bass geniess; Das Gelt macht mir bekümmerniss. -- Solch einfalt ist gar vnderkommen[815] Vnd hat der Geitz das Landt eingnommen, Ich kenn auch jetzt viel armer leut, Doch halt ich nit, das man jetzt heut Vnder jn allen einen findt, Der gleich wie diser sey gesinnt. Es sind viel Wiert auff allen strassen Die Leut bei jn herbergen lassen, Doch solt man schwerlich ein bekommen, 10 Der dem Gast zu seim nutz vnd frommen, Ein Kopff[816], von Silber oder Golt In sein Sack heimlich stecken sollt, Wie man sagt, das ehe sey geschehen. Ists war, weyss nit, habs nit gesehen. Vielleicht man sonst wol ein bekem, Der eim eh etwas aussher[817] nem, So gar ist jetzt die gantze Welt Gericht auff das verfluchte Gelt. Dennocht so ists gewisslich war 20 Es zeugt die Schrifft so hell vnd klar, Das man nit zgleich dem Gelt kan dienen Vnd dennocht sich mit Gott versünen, Denn wer sein Datum[818] dahin richt Das er sich nur dem Gelt verpflicht, Vnd darinn all sein wollust hat, Der macht das Gelt zu einem Gott, Vnd fellt baldt in des Teuffels strick. Derhalben sich ein jeder schick, Das er seins guts ein Herre sey, 30 So ist er vieler sorgen frey.

_GEORG ROLLENHAGEN._

[_Scherer D._ 297, _E._ 294.]

Geboren 1542, zu Bernau bei Berlin, studierte in Wittenberg, gestorben 1609 zu Magdeburg, wo er Rector der Schule war. Er ward vorzüglich berühmt durch seine Nachahmung der Batrachomyomachie, der Froschmäusler genannt. Herausgegeben von Gödeke (2 Thle. Leipzig, 1876).

FROSCHMEUSELER.

BRÖSELDIEB[819] SAGT, WER MURNER[820] SEI.