The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 44

Chapter 442,757 wordsPublic domain

Geboren etwa 1484 zu Bern; Maler, Staatsmann und Soldat. Er schrieb reformatorische Tendenzdramen, einen poetischen Dialog und einen prosaischen Dialog ‘die Krankheit der Messe’ 1528. Er starb 1530. Herausgegeben von Grüneisen (Stuttgart 1837); Bächtold (Frauenfeld 1878).

DIE KRANKHEIT DER MESSE.

_Cuderli Nebelkapp._

Land üch lingen[700] ir herren, die arzet! dann die Mess ist ie lenger ie schwecher, sie kürblet[701] und lurket[702] an der red.

_Doctor Schryegk[703]._

Herr früemesser, bringend uns unsern herrgott, dass wir sie versorgend!

_Früemesser[704]._

Herr doctor, ich mag in nit erlangen! der himel ist sin stůl und die erd sin fůssschemel, wie möcht ich in erlüpfen[705]?

_Doctor Schryegk._

Ich mein, du syest völler narren, dann der summer mugken! bring uns unsern herrgott, oder du můst gen Costenz uf die schiben[706], {10} bi dem gott, den ich hüt gehept und gelegt hab. _Früemesser._

Hand ir in hüt gehept, wo hand ir in hingelegt?

_Doctor Heioho[707]._

Ich hab in gessen, weistu’s nun? ich hab in gessen.

_Früemesser._

Ich mein, ir syend völler fantasten, dann ein zotteter hund flöchen im ougsten[708], und unsinniger, dann die süw[709], die sich im meer ertrankten, Matth. am viii ca. Hand ir in hüt gessen, wo sol dann ich in nemen? Lieber, ja schickend eins wegs nach dem {20} wind, der üch fern[710] das hüetlin abwarf und heissend mich glich ouch S. Bernharts berg zum goltschmid dragen, dass er in in ein gulden ring fasse, an ein finger zů stecken! Das sind mir gůt sachen!

_Doctor Heioho._

Nit vil gespeiws[711] und wenig kramanzens[712]! nemend die schlüssel und bringend uns us dem sacramenthüsli den zarten fronlichnam Christi!

_Früemesser._

Er sitzt zů der gerechten sins vaters im himel, oder unsere artickel des waren christlichen gloubens, ja die ganz heilig geschrift müest falsch sin; er ist erstanden und ist nit hie. Luce am xxiiii. Grifend ir ufhin und nemend in abher, ich bin im zů kurz, ir aber sind gross Hansen[713]!

_Doctor Heioho._

Schnell bring uns du, caplan, das heilig öl! die zit nahet sich.

_Caplan._

{10} Ich merk wol, ir meinend das öl, das man vom bischof kouft hat; des ist nit mer im büchslin, der sigrist[714] hat die schůch mit gesalbet.

_Doctor Heioho._

So ist er im ban, da mag im niemant vor sin! er můss es tür gnůg bezalen.

_Doctor Schryegk._

Schnell bringend ein liecht! louf zum beinhus! bi den ampelen zünd an wunder behend!

_Sixst Stichdennebel._

{20} Do ist weder für noch liecht, kerzen noch ampelen; ir send[715] sin nun nüt denken! es sind dis jars ob den zehen tusent müs und ratzen hungers tot, und küechlet[716] des kilchherrn junkfrouw nit halb als vil, als vor vier jaren.

_Doctor Heioho._

So hör ich wol, man brent den lieben selen weder öle, anken[717] noch unschlit und tůt inen nüt gůts nach. Dass gott erbarm, warzů ist es komen! Wer hat die irrung hie pflanzet, oder was ist die ursach?

_Pauli Wattimtauw[718]._

{30} Als der römisch versprochen aplass so vil schuldig was und gelten solt, dass er mit dem schelmen vom land můst loufen, hat er vor und e den nachtliechtern grosse ding verheissen; darumb sind sie im nachzogen, aber sie werdent alle erlöschen, ob sie in betretend, sonder so sie nit zůschub, stür[719] und hitz vom fegfür hand.

_Burki Reigelbett[720]._

Was darf man ir, der nachtliechter? die totenschedel sehend nüt, so tanzen die hülznen götzen nit; so hat gott erschaffen alle liechter, himelisch und irdisch, bi im ist die ewig klarheit und kein finsternuss. Darumb ist es ein heidnische torheit, im understan mit liechtern zů dienen.

{10} _Doctor Thoman Katzenlied[721]._

Bringend uns doch ein wenig palmen[722], dass wir ein gesegneten rouch machend für das bös gespenst[723]!

_Wolfgang Adlerei[724]._

Die wiber hand vor vier jaren das fleisch mit gereucht und sidher kein nimmermer lassen beschweren.

_Doctor Lügegk[725]._

Wo nun us? sprach der fuchs in der fallen; ietz sind wir im meer on schiff und růder. Wer kan kuechlen on für und anken, oder on federen fliegen? Es wär glich als müglich, das ganz meer {20} an den regenbogen zů henken wie ein brotwurst an ein stecken, dass es tüerr und drucken[726] wurd, als diser Mess zů helfen, so sie schon verlorn hat die rechten herzadern, nemlich das fegfür, welches in siner flucht mit im hinweg gefüert hat begrebt, dritten, sibenden, drissgost[727], vigilg und jarzit, sampt iren opfern, liechtern, wiewasser, öl und palmen. Nun rat, räter gůt, wie wir unbrämpt[728] vom kessel komend, es hilft doch weder schryen noch salben.

_Doctor Heioho._

Sölt sie uns undern henden sterben, so wurd uns nüt für den arzetlon; darumb wil not sin, uns von hinnen zů füegen! ob sie {30} denn in unserm abwesen stirbt, so wend wir sprechen, sie si ermördt.

_Doctor Schryegk._

Ich folg, ir hand’s erraten und wol troffen! hetten wir die hamerankensalb[729], so wir verschmirbt hand, wider in der büchsen, wir wöltend uns selber mit salben. Das ist nun ein verlorne red, bringt eben als vil frucht, als vogellim im pfeffer. Ich rat, wir ritend von hinnen, und wer uns fragt: wie stat es umb die Mess? wend wir antwurten: wol, wol, marter liden wol[730]! sie hatt’ gestern ein vortanz mit dem legaten.

_Doctor Lügegken knecht, Fäit Verzechdenstifel._

{10} Potz marter, herr! wo wölt ir mit den süwen[731] allen hin, die ir dise jar mit üch heim bringend? Man würt uns für fürköufer uffahen.

_Doctor Schryegk._

Lass meich ungefatzt[732]! dass deich sant Veltins arbeit besteh, els[733] bůben! eich hab sunst gnůg, das meich betrübt, woltst du meich erst gespoien[734]?

Datum zů Bergkwasser wind, nebem stuben offen, vff der zůkunfft des Herren Nachtmals. M.D. XXVIII.

_BARTHOLOMÄUS RINGWALD._

[_Scherer D._ 290, _E._ 286.]

Geboren 1530 zu Frankfurt an der Oder; 1557 Prediger, 1567 Pfarrer in der Neumark. Starb gegen 1600. Er verfasste ausser zahlreichen geistlichen Gesängen zwei Lehrgedichte und einige Schauspiele. Vgl. Hoffmann, Spenden zur deutschen Litteraturgeschichte, II (Leipzig 1844).

{20} DIE LAUTER WARHEIT.

EIN LIED DER KRIEGSLEUTE, WIDER DEN ERBFEIND, IM THON, VOM STÖRTZEBECHER, ETC.

NVn mach dich eilends auff, du Teutsche Nation, denn sih es kömpt ein Hauff, vons Türckischen Keysers Kron, mit Spiessen vnd Hellparten, mit Ross vnd Wagen viel, vnd Bogen ohne Ziel, in Vngern wolln sie warten.

Gemelte lose Leut, die rühmen sich gar frey, wie dass sie grosse Beut, von dingen mancherley, vns wollen abestreiffen. daneben alle Fest, 10 vnd Wien die allerbest, zubrechen vnd zuschleiffen.

Sie drawen[735] auch gar frech, dass sie ohn widerstand, mit Puluer vnnd mit Bech[736], das gantze Teutsche Land, stracks wollen niderbrennen, vnd aller Menschen Schar, im Blut erseuffen gar, die Jesum Christ bekennen. 20

Darumb so nemet bald die Rüstung von der Wand vnd macht euch jung vnd alt, hinein ins Vngerland mit Harnisch, Spiess vnnd Degen, mit hurtigem Geschoss, zu fuss vnd auch zu Ross, vnd zieht dem feind entgegen.

Vnd wenn jhr kommen seid dahin mit ewer Wehr, 30 so fürchtet nicht ein meit[737], das wunderliche Heer, in sich gar hoch vermessen, Seht sie nur tapffer an, in Gott dem starcken Man, sie werden euch nicht fressen.

Doch nemet euch in acht, an diesem scharffen Tantz, seid nüchtern, bett vnd wacht, vnnd stercket ewre Schantz, bey tag vnd auch bey nachte, vnnd schickt euch alle stund, 10 als solt jhr mit dem Hund, rümbspringen in der Schlachte.

Vnd da jhr vnterweil mit jm scharmützeln müst, so seid mit ewrem Pfeil, des Glaubens wol gerüst, vnd rückt hinein mit freuden, vnd brent sie mit dem kraut, geschwinde auff die haut, sie werdens vbel leiden. 20

Vnd da in solchem Ritt, ein Man zwey oder drey, im Felde blieben mit, was wer es vor Geschrey, was könt ein solches machen, Dieweil dieselben fein, in GOTT verschieden sein, und in dem Himmel lachen.

Ach wie kan doch ein Man, in dieser argen welt, 30 sein Leben besser lan, dieweil er in dem feld, auff CHRIstum wird erschossen, dieweil er auch sein Blut, der Christenheit zu gut, gar willig hat vergossen.

Deshalben seid getrost, jr Reuter vnd jhr Knecht, frey in die Feinde stost, gar Ritterlichen fecht, vnd seid also gesunnen, Ir sieget oder falt, den Glauben doch behalt, 10 vnd habt in Gott gewonnen.

Darumb wenn nun der Feind, ir seiner grossen macht, euch anzugreiffen meint, mit einer feldesschlacht, vnd kömpt daher gedrungen, in hesslicher gestalt, wie ein verdorrter Wald, geschriehen vnd geklungen.

So seid nur wolgemut, 20 gedenckt an Jesum Christ, der mit der Engel Hut, forn an der spitzen ist, Den angriff erst zu setzen, da er mit eime stich, die feinde wünderlich, wird schrecken vnd verletzen.

Vnd wenn jhr so mit Gott, vnnd Gideonis Schwert, die lesterliche Rott, 30 behertzt angreiffen werd, So wird jhr Ross vnd Wagen, darzu der Man im helm, gleich wie ein schlimmer Schelm, erschrecken vnd verzagen.

Derwegen rückt hinan, macht ewer Euglein auff, vnd schlagt in Gottes Nam, mit allen freuden drauff, Der Heiland wird euch stercken, vnnd seine Herrligkeit, 10 bey euch in diesem Streit, gewaltig lan vermercken.

Vnd da jr nun befind, das GOTTes starcke Hand, hab ewer Feinde blind, was in die Flucht gewandt, Der Christenheit zu gute, so schmeist ja ferner zu, Last jhnen keine ruh, Wascht euch in jhrem Blute. 20

Das helff euch ja die Krafft, des HErren Jesu Christ, der in der Ritterschafft der beste Kempffer ist, Vnnd kann mit schlechtem sprechen, all seiner Feinde Macht, wie gros sie wird geacht, im Augenblick zu brechen, Amen.

_FRIEDRICH DEDEKIND._

[_Scherer D._ 291, _E._ 287.]

Geboren als Sohn eines Fleischers zu Neustadt an der Leine, 1551 Pastor zu Neustadt, 1576 zu Lüneburg, wo er 1598 als Superintendent starb. Er dichtete als Wittenberger Student 1549 den ‘Grobianus’ und später geistliche Dramen. Der Grobianus wurde 1551 von Kaspar Scheidt, einem Wormser Schulmeister, verdeutscht. Herausgegeben von Milchsack (Halle, 1882).

GROBIANUS.

[Sidenote: Vng gentil ueau.]

[Sidenote: Diss ist der groben leut sententz,]

[Sidenote: Sie thůnd niemandt kein reuerentz.]

[Sidenote: Wo wolt der filtz ein ander filtzhütlin nemen.]

[Sidenote: Wer möcht der arbeit zůkomen.]

[Sidenote: Verware das grob häuptgen.]

[Sidenote: Das ist in schimpff geredt, bedenckt es aber niemand mit ernst.]

[Sidenote: Clotho colum baiulat, Lachesis filat, Atropos occat.]

[Sidenote: Trasones nostri et elati milites.]

[Sidenote: 12.

Mit solchen geseln ist gůt spatzieren gehen.]

Wer dir begegnet auff der strassen, Den soltu für sich ziehen lassen, Vnangeredt, on grůss, on bscheidt, On alle zucht vnd freundtlichkeit, Ob er schon gleich vom Adel her, Oder ein Burgermeister wer, Oder sunst säss in rhat vnd gricht, Oder die jugent vnderricht, Ein Doctor oder Predicant, 10 Rhatgeber, oder aussgesandt, Vnd wie solch Herren sind genant, Die gůt leer vnd exempel geben, Vnd füren ein vnsträflich leben: So gib bey leib kein achtung drauff, Vnd lass dein schön filtzhütlin auff: Dann soltst dus offt heraber rauffen[738], Wie bald müst du ein anders kauffen? Vnd sind darzů solch hütlin thewr, Wer gäb dir etwas dran zu stewr[739]? 20 Hüt dich vor solchem kappen rucken, Mit neigen vnd paretlin zucken. Im winter ist der lufft zu kalt, Vnd ist dein har nicht wol gestalt, Zeuchstu das hütlin dann hernider, Vnd wilts dann gleich auff setzen wider, So komen dann gleich ander Herren, Vnd můsts wider heraber zerren. Wer liess dem armen hütlin rhů? Vnd wer verloren müh darzů: Lůg ob man dir dergleichen thů. Geh still für vber, vnd passier, Dass dir dein häuptlin nicht erfrier, (Darin du hast so seltzam meuss, Vnd druff ein walt, darin vil leuss.) 10 Darneben vnsern stand betracht, Sind wir nicht all auss leymen[740] gmacht? Wer kan jm etwas setzen zu, Ist er dann gschickter weder[741] du? So sterben täglich hin zu gleich, Jung, alt, feisst, mager, arm, vnd reich. Sprich, wir sind erden[742] all zumal, Ich gäb kein nestel[743] vmb die wal, Darumb will ich kein brangens[744] treiben, Ir lasst mich doch wol bey euch bleiben. 20 Clotho jr werck hat zů gericht, Atropos niemandt vbersicht, Wann sie den letsten faden bricht: Hat sie auch je verschont eim reichen? Warumb solt ich dann jemands weichen? Vnd breit dich auss, vnd brang dahin, Vnd nimb die halben gassen ein, Vnd stoss ein andren an ein seiten, Sprich, lantzman hebah[745], gib mir weiten. Du aber gib niemandt kein platz, 30 Vnd was du magst thů jn zu tratz[746]. So du spatzieren wilt zu zeiten, Mit gsellen oder erbarn leuten, Ob er schon gschickter ist dann du, Vnd hat mehr ehr vnd gůt darzů, So will ich dir ein regel deuten, Geh allzeit auff der rechten seiten, Dass er zur lincken geh daher, Als ob er dein Discipel wer.

_JOHANN FISCHART, GENANNT MENTZER._

[_Scherer D._ 291, _E._ 288.]

Geboren zu Mainz um die Mitte des sechszehnten Jahrhunderts, erzogen zu Worms, bildete sich auf vielen und weiten Reisen, ward 1574 in Basel zum Doctor juris promoviert, lebte dann in Strassburg, Speyer und Forbach, wo er 1590 als Amtmann starb. Seine Werke sind sehr zahlreich. Er verfasste Übersetzungen, Bearbeitungen, originale Arbeiten, in Prosa und in Versen; satirischen und didaktischen Inhalts; auch Psalmen und andere geistliche Gesänge. Er war der gewaltigste protestantische Publicist nach Luther. Am bekanntesten ist seine Nachahmung Rabelais’, die ‘Affentheurliche, Naupengeheurliche Geschichtklitterung: Von Thaten vnd Rhaten der vor kurtzen, langen vnnd je weilen Vollenwolbeschreiten Helden vnd Herren: Grandgoschier, Gorgellantua vnd dess dess Eiteldurstlichen Durchdurstlechtgien Fürsten Pantagruel von Durstwelten, Königen in Vtopien, Jederwelt Nullatenenten vn̄ Nienenreich etc. etc. Durch Huldrich Elloposcleron. Getruckt zur Grensin im Gånsserich.’ (Berlin) 1590. Erste Ausgabe 1575. Herausgegeben von Kurz (3 Bde. Leipzig, 1866-67); Gödeke (Leipzig, 1880).

1.

ERNSTLICHE ERMANUNG AN DIE LIEBEN TEUTSCHEN, AUS ANLASS DIESES BEIGESETZTEN BILDS DES TEUTSCHLANDS ANGEBRACHT.

Was hilfts, o Teutschland, das dir gfalt Diss bild, so herlich sighaft gstalt[747], Das es bedeit[748] der Teutschen macht, 10 Die unter sich der welt macht bracht, Und das du weisst, das dein uralten Den namen mit rum han erhalten, Wann du dasselbig lasst veralten, Was dein voralten dir erhalten; Wann nicht dasselbig wilt verwaren, Was dein Vorfaren dir vorsparen[749]; Wann nicht den namen wilt vermeren, Der auf dich erbt von grossen eren? Was ists, das man sich rümet hoch Der eltern und folgt in nicht noch[750]? Bist aller tugend grosser preiser, Aber der tugend kein erweiser; Tust gut alt sitten hoch erheben Und schickst doch nicht darnach dein leben. Was rümst du dich vil adelichs Und tust doch nichts dann tadelichs? 10 Was rum hat der jung adler doch, Wann er sich rümt der eltern hoch, Wie sie frei wonten in bergsklüften, Und frei regierten in den lüften: Und er sitzt gfesselt auf der stangen, Muss, was der mensch nur wil, im fangen! Also, was ist dir für ein ehr, Wann rümst die alten Teutschen sehr, Wie sie für ire freiheit stritten Und keinen bösen nachbarn litten, 20 Und du achtst nicht der freiheit dein, Kanst kaum in deim land sicher sein, Lasst dir dein nachbarn sein pferd binden An deinen zaun fornen und hinden! Sollt auch solch feiger art gebüren, Das sie soll kron und scepter füren? Ja! ir gbürt für den königsstab[751] Ein hölzlin ross, welchs sie nur hab, Und füre für den adler kün Ein bunte atzel[752] nun forthin, 30 Und für den weltapfel ein ball, Den man schlegt, wann er hupft im fall. Weil heut doch schier keim[753] ernst ist mehr, Handzuhaben freiheit und ehr; Sonder man scherzt nur mit der freiheit, Sucht fremde sitten, brauch und neuheit, Und für alt teutsch standhaftigkeit Reisst ein weibisch leichtfertigkeit. Drum ist nichts, das man adler fürt, Wann man des adlers mut nicht spürt; Nichts ists, das man fürmalt die welt Und kaum ein stuck der welt erhelt: Sonder man muss erweisen fein Diss, des man wil gerümet sein, Und nicht der alten wacker taten 10 Schenden mit untun ungeraten[754]. Aufrecht, treu, redlich, einig und standhaft, Das gwinnt und erhelt leut und landschaft; Also wird man gleich unsern alten, Also möcht man forthin erhalten Den erenrum auf die nachkomen, Das sie demselben auch nachomen[755]; Und also kan man sein ein schrecken Den nachbarn, das sie uns nicht wecken, Sonder dem hund lan seinen tratz[756], 20 Zu verwaren sein gut und schatz, Gleich wie man deren noch findt etlich, Die solchem rat nachsetzen[757] redlich Und recht bedenken ire würden, Wie ir vorfaren scepter fürten. Gott sterk dem edlen teutschen gblüt Solch anererbt teutsch adlersgmüt. Secht, diss hab als ein Teutscher ich Aus teutschem gblüt treuherziglich Euch Teutschen, die herkommt von helden, 30 Bei diesen helden müssen melden, So bald ich diss teutsch bild schaut an: Gott geb, das ir es recht verstan, Und beides treu seid euern freunden Und auch ein scheu[758] alln euern feinden.

2.

AUS DEM GLÜCKHAFTEN SCHIFF.