The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)
Part 39
Dô quam Rustevîl altôhant, den baren hê sus gevangen vant. 20 hê lêp hastigen mit eineme lôpe dâr hê dê bûre wuste tô hôpe, dâr sê hêlden gesterî. hê sprak ‘komet hastigen mit mî, in mîneme hove is ein bare gevangen, dat segge ik jû vorwâre.’ sê volgeden em alle unde lêpen sêre, islik nam mit sik sîne were wat hê êrst krêch ût sînem werke: dê eine eine forke, dê ander eine harke, dê dridde ein spêt, dê vêrde eine rake, 10 dê vîfte einen grôten tûnenstake; dê kerkhêre unde dê koster beide, dê quêmen dâr ôk mit ereme gerêde; dê papemeiersche, dê hêt vrôw Jutte-- dat was dê dê dê besten grutte konde bereiden unde kocken-- dê quam gelôpen mit ereme wocken dâr sê des dages hadde bî geseten, den armen Brûne mede tô meten. dô Brûn hôrde dat rochte sô grôt, dâr hê lach up sînen dôt, hê tôch mit pînen dat hœvet ût, men dâr binnen blêf bekleven dê hût bî beiden ôren umme dat hœvet her. ik mêne, men sach nü lêtlîker dêr. dat blôt em over dê ôren ran. al brochte hê dat hœvet ût, nochtan bleven beide vôte dâr in al vast. doch ruckede hê sê ût mit der hast 10 al râsende, eft hê wêre van den sinnen: men nochtan bleven dê klâwen dâr binnen, dâr tô dat fel van beiden vôten. dat honnich was nicht van deme sôten dâr em Reinke, sîn ôm, van sêde. eine quâde reise Brûn dô dede, jâ it was eine sorchlîke vârt. dat blôt lêp vaste over sînen bârt dê vôte dêden em wê sô sêr, hê konde nicht gân wêr nâ edder vêr. Rustevîl quam unde begunde tô slân, sê gingen en altômâlen an, al dê mit em quêmen her, Brûnen tô slân was al er beger. dê pape hadde einen langen staf, wô mannigen slach hê eme gaf! hê konde nergen gân efte krûpen. sê quêmen up en in eineme hûpen, ein dêl mit spêten, ein dêl mit bîlen; 10 dê smit brachte beide hamer unde vîlen, etlîke hadden schuffele, etlîke spaden, sê slôgen en âne alle gnâden, alle gêven sê em mannigen slach dat hê sik bedede dâr hê lach. al slôgen sê, jâ dâr enwas nên sô klêne: Slobbe mit deme krummen bêne unde Lûdolf mit der brêden nese, alderwrêdest wêren eme dese. hê slôch mit sîner holten slingeren, 20 Gerolt mit dem krummen vingeren unde sîn swâger Kuckelrei; aldermeist slôgen desse twei, Abel Quack unde dâr tô vrouw Jutte, unde Tâlke Lôrden Quacks dê slôch mit der butte, nicht dese alleine, men al dê wîve, dê stunden al nâ Brûnen lîve; hê môste nemen al wat men eme brochte. Kuckelrei makede dat meiste gerochte, wente hê was dê eddelste van gebôrten: 10 vrôw Willigetrût vor der kafpôrten, dê was sîn môder, dat wuste iderman, wê aver sîn vader was, dâr wust men nicht van; doch sêden dê bûr under malkander, it wêre dê stoppelmeter, dê swârte Sander, ein stolt man dâr hê was allein. Brûn môste ôk van mannigem stein den worp entfangen up sîn lîf: sî worpen nâ em, beide mans unde wîf. int leste Rustevîls brôder her sprank, dê hadde einen knuppel dicke unde lank unde gaf em int hœvet einen slach dat hê wêr hôrde edder sach: van deme slage entsprank hê mit sîneme lîf, al râsende quam hê mankt dê wîf unde vêl mankt sê alsô sêr, dat der vîve quêmen int revêr dat dâr bî was unde ôk sêr dêp. hastigen dô dê pape rêp 10 unde was schêr half vorzaget ‘sêt, gindert vlüt vrûw Jutte mîn maget beide mit pelze unde mit rocke! sêt, hîr licht ôk noch er wocke! helpet er altômâlen nû, twei tunne bêrs dê geve ik jû, dâr tô aflât unde gnâde grôt.’ sus lêten sê Brûnen liggen vor dôt unde lêpen hastigen hen mankt dê wîve unde hulpen en ût deme water al vîve.
Dê wîle sê hir mit wêren vorwôrn, krôp Brûn int water van grôten tôrn unde begunde van grôtem wê tô brummen. hê mênde nicht dat hê konde swummen, sîn andacht was unde begunde tô denken, dat hê sik sulven wolde vordrenken, up dat en nicht mêr slôgen dê bûre. dô weddervôr em noch dit eventûre: hê konde noch swommen unde swam tô degen. 10 jâ dô dit dê bûre alle sêgen, mit grôtem gerochte unde mit gremen sprêke sê ‘wanne, wî mogen uns wol schemen!’ sê hadden dâr umme grôte undult unde sprêken ‘dit is desser wîve schult. in untît quêmen sê hîr tô mâte. sêt, hê swommet wech sîne strâte!’ sê sêgen den blok unde worden des enwâr, dat dâr noch in sat beide hût unde hâr van vôten unde ôren. dat was en lêf, sê rêpen ‘kum wedder, ôrlôse dêf! hîr sint dîne ôren unde hantschen tô pande!’ sus volgede em tô deme schaden schande, doch was hê vrô dat hê entgink. hê vlœkede deme bôme dê ene vink, dâr hê van vôten unde ôren wes lêt; hê vlœkede Reinken dê ene vorrêt-- dit was dat gebet dat hê dô las, 10 dê wîle hê in deme water was. dê strôm lêp snelle unde vast, den drêf hê nedder mit der hast unde quam in einer kôrten wîle vil nâ bî kant eine mîle. hê krôp tô lande bî dat sulfste revêr. nî werlde sach jêmant bedrôveder dêr: hê mênde sînen geist dâr up tô geven unde trôste dô nicht lenger tô leven. hê sprak ‘ô Reinke, dû valsche creatûr!’ ôk dachte hê up dê quâden bûr, dat sê en sus hadden slagen tôr stûpen, unde dat Reinke en hêt sô dêp in krûpen.
_Da kam Rüstefeil gerannt: Als er den Bären gefangen fand, 20 Da gab er hastig sich ans Laufen: Er wusste einen Bauernhaufen Im Wirthshaus sitzen überm Bier. Er sprach: ‘Kommt eilends all mit mir! Es hat sich in meinem Hofe dort Ein Bär gefangen, auf mein Wort!’ Sie folgten ihm all und liefen sehr; Ein Jeder nahm mit sich seine Wehr, Was er zuerst zu fassen bekam, Der die Gabel, jener die Harke nahm, Der dritte den Spiess, der vierte den Rechen, 10 Der fünfte gieng einen Stab aus dem Zaune brechen. Der Kirchherr und der Küster beide Kamen auch hin mit ihrem Gereide. Die Pfaffenköchin, Frau Jutte genannt, Die die beste Grütze im ganzen Land Bereiten konnte, auf den Socken Kam sie gelaufen mit ihrem Wocken, An dem sie den ganzen Tag gesessen, Den armen Braun damit zu messen. Als Braun hörte den Lärm mit Angst und Noth, Gefangen lag er auf den Tod, Da zog er das Haupt heraus mit Gewalt; Doch sitzen blieb ihm in dem Spalt Von Gesicht und Ohren Haar und Haut: Ein kläglicher Thier ward nie geschaut. Das Blut ihm über die Ohren lief. Zwar bracht er das Haupt heraus, doch tief Hielt ihm der Spalt die Füsse gefasst. Nun ruckt’ er sie auch heraus in Hast, 10 Als wär’ er rasend und ganz von Sinnen. Da blieben ihm die Klauen drinnen Und das Fell dazu von beiden Füssen. Der Honig war nicht von dem süssen, Zu dem ihm Reineke Hoffnung gemacht. Eine üble Reise hatte Braun vollbracht, Ja, es war ihm eine sorgliche Fahrt: Das Blut lief hell über seinen Bart; Die Füsse schmerzten ihn so sehr, Er konnte nicht gehen noch stehen mehr. Da kam Rüstefeil, der zu schlagen begann; Sie fielen ihn all zumalen an: Alle, die mit ihm kamen daher, Braunen zu schlagen war ihr Begehr. Der Pfaffe trug einen langen Stab. Wie manchen Schlag er damit ihm gab! Er konnte sich nirgend nur verschnaufen, Sie bedrängten ihn in dichtem Haufen, Ein Theil mit Spiessen, ein Theil mit Beilen, 10 Der Schmied mit dem Hammer und mit der Feilen; Etliche hatten Schaufeln, etliche Spaten: Damit zermürbten sie ihm den Braten. Sie gaben ihm so manchen Schlag, Dass er im eigenen Unrath lag. Ihn schlugen Alle, die Grossen und Kleinen, Schloppe mit den krummen Beinen, Und Ludolf mit der breiten Nase, Die schlugen ihn, als wär’s ein Hase. Auf seine krummen Finger stolz, 20 Schlug ihn Gerold mit dem Riegelholz, Und sein Schwager Kukelrei; Am schlimmsten schlugen ihn die Zwei, Abel Quak und dazu Frau Jutte, Und Talke Lorden Quacks, die schlug mit der Butte. Nicht die allein, nein all’ die Frau’n, Nach dem Leben stunden sie dem Braun. Er musste nehmen, was man ihm brachte; Kuckelrei des Lärms am meisten machte. Denn er war der edelste von Geburt. 10 Frau Willigtraut von der Schweinefurt War seine Mutter, das war bekannt, Sein Vater aber blieb ungenannt; Doch raunten die Bauern unter einander, Der Stoppelmesser wär’s, der schwarze Sander, Ein stolzer Mann für sich allein. Auch musste Braun von manchem Stein Den Wurf empfangen auf seinem Leib Sie warfen nach ihm, Mann und Weib. Zuletzt kam Rüstefeils Bruder gesprungen Und hat einen mächtigen Knüttel geschwungen Und gab ihm einen Schlag auf’s Haupt, Dass er aller Sinne lag beraubt. Dem Schlag entsprang lebendig Braun, Wie rasend fuhr er zwischen die Frau’n, Und hatte sich so als Weiberhasser, Dass ihrer etliche fielen in’s Wasser, Das da vorbeifloss, ziemlich tief. Da begann alsbald der Pfaff’ und rief 10 Und war beinah’ schon halb verzagt: Da treibt Frau Jutte, meine Magd; Die in dem Pelz und grauen Socken; Seht, hier liegt auch noch ihr Wocken. Nun helft ihr allzumal davon! Zwei Tonnen Bieres geb’ ich zum Lohn, Auch sollt ihr grossen Ablass kriegen!’-- Da liessen sie Braun für todt da liegen, Und liefen hastig zu den Weibern, Sie herauszuzieh’n mit nassen Leibern._
_Da sie dies betrieben, dieweil Kroch Braun ins Wasser in zorniger Eil’, Und brummte dabei vor Schmerz und Grimmen. Er dachte sich nicht, er könne schwimmen, Er wusste nicht andern Rath zu erdenken, Als sich hier selber zu ertränken, Dass ihn die Bauern nicht mehr schlügen. Da wollt’ es sich ihm so glücklich fügen, Er konnte noch schwimmen, und schwamm fürwahr. 10 Ja, als dies die Bauern wurden gewahr, Mit grossem Lärmen und mit Grämen Riefen sie: ‘Wetter, wir müssen uns schämen!’ Sie sahn’s mit grosser Ungeduld Und sprachen: ‘Das ist der Weiber Schuld; Zur Unzeit sind sie hieher gekommen: Nun ist er seiner Wege geschwommen.’ Sie besah’n den Block und wurden gewahr, Dass noch darin sass Haut und Haar von Ohren und Füssen: das war ihnen lieb. Sie riefen: ‘Komm wieder, ehrloser Dieb, Hier sind deine Ohren und Handschuh’ zu Pfande!’ So folgt’ ihm auf den Schaden die Schande! Doch war er froh, dass er entgieng. Er fluchte dem Baum, der ihn fieng, Ihm die Haut von Füssen und Ohren schied; Er fluchte Reineken, der ihn verrieth. Dies war das Gebet, das er da sprach, 10 Dieweil er in dem Wasser lag. Der Strom lief schnell und sonder Rast; Er trieb herab mit gleicher Hast. Und ward in einer kurzen Weile Herabgeführt wohl eine Meile. Da kroch er aus der Flut an’s Land: Betrübter Thier hat die Welt nicht gekannt. Den Geist schon meint’ er aufzugeben, Er getraute länger nicht zu leben. Er sprach: ‘O Reineke, falsches Geschöpfe!’ Auch dacht’ er an die Bauerntröpfe, Wie die ihn geschlagen und ausgestaupt, Weil er so tief hinein gesteckt das Haupt._
_SEBASTIAN BRAND._
[_Scherer D._ 262, _E._ 256.]
Geboren zu Strassburg 1457, studierte zu Basel und wurde 1489 Doctor beider Rechte. Später ward er Stadtschreiber zu Strassburg und von Kaiser Maximilian zum Rath und Pfalzgrafen erhoben. Starb 1521. Ein satirischer und didactischer Schriftsteller. Sein berühmtes ‘Narrenschiff’ erschien zuerst Basel 1494 und ward oft nachgedruckt. Es wurde in das niederdeutsche, in lateinische Hexameter und hiernach in das Französische, Englische und Niederländische übersetzt. Herausgegeben von Zarncke (Leipzig 1854), Gödeke (Leipzig 1872).
1.
Wer sinen kinden übersicht irn můtwil und sie strofet nicht, dem selbst zů letzst vil leides gschicht.
VON LER[445] DER KIND.
Der ist in narrheit ganz erblint, der nit mag acht han, das sin kint 10 mit züchten[446] werden underwiszt, und er sich sunders[447] daruf fliszt, das er sie losz[448] irr gon on straf glich wie on hirten gönt die schaf, und in all můtwil übersicht, und meint, sie dörfen[449] strofens nicht, sie sigen[450] noch nit bi den joren, das sie behalten in den oren was man in sag, si strof[451] und ler. o groszer dor, merk zů und hör: die jugent ist zů bhalten gring[452], sie mercket wol uf alle ding; was man in nüe häfen[453] schitt, den selben gsmack[454] verlont[455] sie nit. ein junger zwig sich biegen lot[456]. wann man ein alten understat[457] 10 zu biegen, so knellt[458] er entzwei, zimlich[459] strof bringt kein sorglich gschrei; der růt der zucht vertribt on smerz die narrheit usz des kindes herz; on strafung selten iemens lert[460]. alls übel wechszt, das man nit wert: Hely was recht und lebt on sünd, aber das er nit stroft sin kind, des stroft in got, das er mit klag starb, und sin sün uf einen tag. 20 das man die kind nit ziehen wil, des findt man Catilinen vil. es stünd ietz umb die kind vil bas, geb man schůlmeister in, als was Phenix[461] den Peleus sinem sůn Achilli sůcht, und zů wolt důn; Philippus durchsůcht Kriechenland bisz er sim sůn ein meister fand: dem gröszten kunig in der welt wart Aristoteles zůgsellt; 30 der selb Platonen hort lang jar, und Plato Socratem darvor. aber die väter unser zit, darumb das sie verblendt der git[462] nemen sie uf sölich meister nůn[463], der in zům[464] narren macht ein sůn und schickt in wider heim zů hus halb narrechter[465], dann er kam drus. des[466] ist zů wundern nit daran, das narren narrecht kinder han. Crates, der alt, sprach, wann es im zůstůnd, wolt er mit heller stim schreien: ir narren unbedacht, 10 ir hant uf gůtsamlen grosz acht und achten nit uf uer kind, den ir sölich richtum samlen sind[467]. aber uch wirt zůletst der lon, wan uer sůn in rot sönt[468] gon und stellen zücht und eren nach, so ist in zů dem wesen gach[469], wie sie von jugent hant gelert; dan wirt des vatters leid gemert und frist sich selbst[470], das er on nutz 20 erzogen hat ein winterbutz[471]. etlich důnt sich in bůben rot[472], die lästern und gesmächen got; die andern henken an sich säck[473]; dise verspielen rosz und röck; die vierden prassen tag und nacht. das würt usz solchen kinden gmacht, die man nit in der jugent zücht und mit eim meister wol versicht. dan anfang, mittel, end, der ere 30 entspringt allein usz gůter lere. ein löblich ding ist edel sin, es ist aber frömbd, und nit din, es kumbt von dinen eltern har[474]; ein köstlich ding ist richtum gar, aber das ist des glückes fall, das uf und ab danzt wie ein ball; ein hübsch ding der welt glori ist, unstantbar[475] doch, dem alzit gbrist[476]; schonheit des libes man vil acht, wert etwan doch kum ubernacht. glich wie gesuntheit is vast liep und stielt sich ab doch wie ein diep. 10 grosz sterck acht man für köstlich hab, nimt doch von krankheit, alter ab; darumb ist nützt[477] undötlich[478] mer und bliblich[479] bi uns, dan die ler. Gorgias frogt[480], ob selig wer von Persia der mächtig her? sprach Socrates: ‘ich weisz noch nüt, ob er hab ler und tugent üt[481]’, als ob er sprech, das gwalt und golt on ler der tugent nützet solt[482]. 20
2.
Wer nit die rechte kunst[483] studiert derselb im wol die schellen[484] rürt und wurt am narrenseil[485] gefürt.
VON UNNUTZEM STUDIEREN.
Der Studenten ich ouch nit fůr[486] sie hant die kappen vor zů stůr[487], wann sie allein die streifen[488] an der zipfel[489] mag wol naher gan[490]; dan so sie solten vast studieren, so gont sie lieber bůbelieren[491]. die jugent acht all kunst gar klein; sie lerent lieber ietz allein was unnütz und nit fruchtbar ist; dasselb den meistern ouch gebrist, das sie der rechten kunst nit achten, unnütz geschwetz allein betrachten, ob es well tag sin[492] oder nacht? ob hab ein mensch ein esel gmacht, 10 ob Sortes[493] oder Plato louf? solch ler ist ietz der schůlen kouf[494]. sind das nit narren und ganz dum, die tag und nacht gant domit um und krützigen sich und ander lüt? kein bessere kunst achten sie nüt. darum Origenes von in spricht, das es sint die frösch gesin und die hundsmucken[495], die do hant gedurechtet[496] Egyptenlant. 20 domit so gat die jugent hin, so sind wir zů Lips, Erfort, Wien, zů Heidelberg, Menz, Basel, gstanden, kumen zů letst doch heim mit schanden. Das gelt das ist verzeret do, der truckeri[497] sint wir dan fro, und das man lert ufftragen win, darusz wurt dan ein Henselin[498]. so ist das gelt geleit wol an. studentenkapp wil schellen han! 30
_JOHANN GEILER VON KAISERSBERG._
[_Scherer D._ 280, _E._ 276.]
Geboren 1445 zu Schaffhausen, studierte zu Freiburg und Basel, ward Doctor der Theologie, predigte zu Freiburg, Würzburg und Strassburg. Hier starb er 1510.
1.
VON KIRCH NARREN.
+Die andere schel+[499] ist: gotz dienst irren[500]. Es seint ettlich, wan sie in die kirchen wöllen gon, so rüsten sie sich, als wolten sie gon beissen[501] oder jagen, und nemmen die vögel mit den schellen uff die hend, und ein huffen hünd: so klinglen da die schellen unnd beissen die hünd einander, und wird der predicant geirret, und hœrt man nit, was man im chor singt, und künnen die lüt nit betten. O brüeder, es ist nit da ein feld venandi sed veniandi, zejagen, aber zevenjen[502]. Nun wiewol es ynn allen menschen {10} straffbar ist, so stot es doch geweichten[503] leuten übeler an, dan anderen: als dann vil pfaffen thuontt, die vögel uff den henden tragen, mitt federspil[504] umbgond; dar umb das sie edel[505] seint, so wenen sie, inen zimm das und anders noch weitter (baz), den anderen priestern; wann am morgen so seint sie priester, und am andern tag ein edelman. Denen sol geantwurt werden, wie ein buer ein mal eim bischoff ein bequemliche[506] oder guote antwurt gab.
Es reit ein bischoff uff ein mal über feld mitt viertzig pferden und mit seim zug: da liess ein buer den pfluog ston und sach dem zeug zuo, und het das mul offen und die hent jn die seitten gestelt. {20} Der bischoff der sach es, reit zuo im unnd sprach: ‘meier[507], was denckstu, das du uns also zuoluogst?[508]’ Der buer sprach: ‘Her, ich hab gedacht, ob sant Martin auch also mitt eim reisigen zeug geritten sei, der auch ein bischoff was.’ Der bischoff wart rott im antlit, schamt sich und sprach: ‘Ich bin nit allein ein bischoff, ich bin auch ein weldtlicher fürst; jetz bin ich ein fürst. Wiltu aber ein bischoff sehen, so kum uff den tag in die kirchen, so würd ich das fron ampt haben.’ Der buer fieng an lachen, das er in einander hotzlet[509]. Der her fraget yn, wess er lachte. Der bur sprach: ‘herr, da lach ich, da gott vor sei: wan der teuffel den fürsten am letsten nimpt, was thet dan der bischoff dar zuo?’ Also fuor der bischoff dar von und het ein antwurt gelœsst.
2.
VON PREDIG NARREN.
+Die andere schel+ ist: nitt recht predig hœren. Und wie sol man recht hœren? In dreierlei weg: Zuo dem ersten mit fleiss. {10} Ein schuoler mit grossem fleiss loset[510] er zuo dem doctor, der siech dem artzet, und ein lantzmann[511] dem botten[512]. Also sollen wir fleisslichen zuohœren dem predicanten: der ist unser doctor und artzet und bott. Gedenck, was fleiss und ernst du an kerst, wan man dir das heilig sacrament gibt, das es nit uf das erterich fal. Selichen fleiss ker an zuo dem wort gotz, das nit minder ist, dan der leib Christi, seit sanctus Augustinus. Zuo dem anderen sol man predig hœren behaltlich, Matth. 23. Wa für wer es, das man predig horte, wan man es nit behielte. Dar umb sollen wir sein wie ein fenster, das lasst den sonnenschyn und das liecht durch sich gon; {10} aber schne, regen und hagel lasst es nit hin yn. Aber leider vil seint gleich eim sibi[513], oder eim büttel[514] und eim seythuoch[515]: da bleiben fliegen und wuost[516] darin, aber das guot laufft als da durch; also das guot an der predig ist von inen verloren, aber was lecherlich ist und spöttig und bœss, das behalten sie, und seint gleich eim hündle der edlen, wan man ym etwas guotz beut zeessen, so laufft es etwan einer mucken nach; und seint gleich eim fischen garn[517], die weil es im wasser ist, so ist es vol wasser, so bald es uss dem wasser kumpt, so ist es ler. Von denen seit der weiss (Pred. 21): +eins narren hertz ist wie ein zerbrochen fass, es behalt {30} kein wyssheit, und ein zerbrochen fass kein wein+.
Zuo dem dritten sol man hœren gehorsamlich, wan so dar umb prediget man, das man es sol thuon u. s. w.
_THOMAS MURNER._
[_Scherer, D._ 263, 286, _E._ 257, 282.]
Geboren angeblich 1475 zu Oberehenheim bei Strassburg, besuchte die Franciskaner Schule zu Strassburg, durchzog Frankreich, Deutschland, Polen als fahrender Schüler, studierte zu Paris Theologie, 1499 zu Freiburg die Rechte; dann Guardian des Franciskaner Klosters zu Strassburg, 1506 vom Kaiser Maximilian zum Dichter gekrönt, um 1509 Doctor der Theologie in Bern. Er führte ein unstätes Leben und wurde oft von seinen Gegnern gezwungen, seinen Aufenthaltsort zu wechseln. In Strassburg veröffentlichte er 1512 sein satirisches Werk ‘die Narrenbeschwörung’ (her. von Gödeke, Leipzig 1879), eine Nachahmung von Brands ‘Narrenschiff.’ In demselben Jahre erschien seine ‘Schelmenzunft,’ welche aus Predigten entstand, die er zu Frankfurt am Main gehalten hatte (photolithographische Nachbildung her. von Scherer, Berlin 1881). Im Kirchenkampf nahm M. zunächst für Luther Partei, dann aber wurde er einer seiner heftigsten Gegner und schrieb das Schmähgedicht ‘Von dem grossen Lutherischen Narren, wie ihn Doktor M. beschworen hat’ Strassburg 1522 (her. von Kurtz, Zürich 1848). Unter den vielen Schriften, die er sonst noch verfasst hat, ist am bekanntesten seine ‘Gäuchmatt’ Basel 1519, ein derbe Satire gegen die Weiber. Er starb um 1536 zu Oberehenheim, wo er eine kleine Pfründe hatte.
DIE NARRENBESCHWÖRUNG.
Aller adel weisst im land, Wann wir schon kein erbteil hant, Wir künnen uns der armůt weren, Allein von disem sattel neren.
DIE SATTELNARUNG[518].