The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)
Part 40
Wann du des sattels nerest dich, So kanstu warlich me dann ich. Es můss ein wilde narung sin, Den sattelpfenning bringen in. 10 Hat der sattel solche kraft, Das nimt ein selzam rechenschaft. ‘Ja frilich, herr, das mügt ir sagen, Solt ich min kost vom sattel nagen Und des stegreifs mich erneren, Vil böser wörter můss ich hören. Hört mir zů, ich wills üch leren, Man seit von künig Ferinand, Wie er vil nüwer inselen fand Bi dem Calecutterland, Darin man fand vil spezeri, Silber, gold was ouch dabi. 10 Inselen finden ist kein kunst, Ich habs ir manchen glert umsunst; Inselen find ich, wann ich will: Ich schrib min gsellen in der still, Die ouch ein solchen sattel haben Und in dem stegreif künnent traben. Wann man fart gen Frankfurt hin Und ich ein schiff weiss uf dem Rin, Dann zwing ichs faren zů dem land, Darin vil spezeri ich fand, Silber, gold und tůchgewand. Solch inselen find ich mit mim kunden 10 Und habens uf dem Rin gefunden, Das vor kein mensch nie hat gewist, Das spezri da gewachsen ist. Ich bin der erst, ders funden hat An der unerkanten stat; Noch schadts mir nit an miner eren, Das ich des sattels mich erneren, Erzühe min kind kurz von der hand, Als der lanssknecht uf dem land; Ich halts fürwar ein kleine schand. 20 Solt man die strassen allzit frien, Das bilger, kouflüt sicher sien, So wer doch nüt der fürsten hůt. Wir machen in ir gleit nun gůt. Wann wir ein insel funden haben, Absagent wir mit rüterknaben, Der wir keine me hont ton, Wir hetten dann den roub dar von. Es heisst bi uns das rüterspil Setz uf, der mit uns keglen will. Wir sind die nüwen insel finder Vnd lerent unser jungen kinder, 10 Von dem sattel suppen kochen Und wie man sol die puren bochen[519], Land und lüt und dörfer kriegen, Ein knebel zwischen die befzen fiegen Den stegreif halten und den zoum, Ein puren binden an ein boum, Fůssisen werfen, für inlegen, Wie man den finden gat entgegen, Das korn verwůsten, rebstöck brechen Und einen undern gul[520] abstechen, 20 Fahen, fieren und verblenden, Meisterlichen keren, wenden, Das der pur nit anders gloubt, Er si des tütschen lands beroubt; So ist er an derselben stat, Do ich in vor gefangen hatt. Der arbeit můss er uns ergetzen, So wir in fahen an zů schetzen. Dann hont wir aber etlich jor Zů brassen, als wir hattent vor. Komt uns die armůt wider an, So můss der sattel aber dran, Vnd sůchent mer der spezeri, Oder ob kein insel si Uf der Tonau, uf dem Rin, Den sattelzins zů bringen in. Hett Absolon den sattel gspart, Do er sins vaters finde ward, 10 Er wer im har nit bliben hangen, Durchrant mit so vil scharfer stangen; Do in im staken so vil spiess, Ward im die rüteri nit siess. Was darf ich vil von Juden sagen, Mir gdenkt, das wol in unseren tagen Herzog Karle von Burgund Durch rüteri gieng gar zů grund. Hannibal der hatt gross macht, Dennocht hat in der sattel bracht, Das er dran erworget ist. Der sattelnarung vil gebrist, Ja frilich heisst er rüterspil, Setz uf wer mit in spilen will, Sie kartens also wunderlich, Eins ums ander, stich um stich. 10 Nüt schedlichrs ist uf disen dingen, Dann um ein hütlin fleisch zů springen, Das rüterspil wills also han, Des setzen wirs all samen dran.’
_KAISER MAXIMILIAN I_ (1493-1519).
[_Scherer D._ 263, _E._ 258.]
Der Theuerdank, ein allegorisch-episches Gedicht, ward von Maximilian selbst entworfen und theilweise ausgeführt. Es enthält die Darstellung seiner Brautwerbung um Maria von Burgund und anderer ritterlicher Abenteuer. Das Werk wurde von Treizsaurwein von Ehrentreiz und vom Probste Melchior Pfinzing (1481-1535) beendigt und zum Druck befördert. Es erschien zuerst 1517, in prächtiger Ausstattung, namentlich mit vorzüglichen Holzschnitten von Hans Schauffelin, dem Schüler Albrecht Dürers (Neu her. von Haltaus, Quedlinburg 1836; Gödeke, Leipzig 1878). Ein andres allegorisch-historisches Gedicht, der ‘Weisskunig’, wurde ebenfalls vom Kaiser begonnen, aber erst 1775 veröffentlicht.
THEUERDANK.
Wie Theurdannckh durch Fürwittig aber in ein geferlichait mit einem Löwen gefüert ward.
Eines tags da fürt Fürwittig den helden mit im fälschiglich umspazieren durch ein gassen darin ein leo, aus der massen gross und freissam[521] gefangen lag. Alsbald[522] den Fürwittig ersach, fiel im in seinen sinn: möcht ich zu diesem löben bringen dich in das kleine häuslein hinein, so hoffet ich, es solt in pein derselb löb bringen dich fürwar. In den gedanken kamens dar. 10 Fieng der Fürwittig an und sprach: ‘Hier, in diesem hölzen[523] gemach man ein löben gefangen hält. Warlich der möcht werden gezält für teurlich[524], freidig[525] und manhaft, der demselben löben aus kraft griff trutzlichen in seinen mund, dann er kennt zu der selben stund geleich einen freidigen man und lässt in widerum weg gan 20 von im genzlichen on alls leid. Doch so rat ichs bei meinem eid nit, das ir solt euchs underfahen; dann wurdet ir schaden empfahen, so mocht mir drin werden die schuld gegeben, dardurch ich eur huld verlür, das het ich nit geren. Wolt irs aber nit emperen, so mügt ir das tun, ob ir wellt. Aber der küngin es gefällt 30 wol, wann sie hört von einem man sagen, der sich darf understan der geleichen erlich[526] sachen. Euren namen wurdt ir machen in gar vil manchem fremden land durch solch tat mit eren bekant.’ Der Teurheld[527] zu dem löwen gieng und sich das zu tun underfieng, bedacht die sachen auch nit bass, dann er darfür hielt, alles das, so im der Fürwittig sagt vor, es bescheh on list und wär war; greif damit den löwen in schlund. Der stund vor im als ein zam hund, 10 dann er des helds mandlich[528] gemüt erkant, darum er mit nicht[529] wüt gegen im, als er vor het tan; Teurdank gieng on schaden darvon. Des wundert sich Fürwittig ser, gdacht heimlich: ich sich, das nit mer mich wellent mein ränk und anschläg helfen, ich gedenk wol der täg[530], er wär ie nit komen darvon. In den danken sach er hergon 20 gegen im den teurlichen held. Zu dem er sprach: ‘herr, euch erwält billichen mein frau zu der e, dann ich dergleichen sach nit me gehöret hab von eim sagen bei allen meinen lebtagen. Und dieweil ichs selbs hab gesehen, so mag ichs mit warheit jehen[531] und öfnen der edlen küngein, die wird darob voll freuden sein.’ 30 Mit den worten sie hin kamen widerum zu haus und namen von einander ein gute nacht. Fürwittig sich weiter bedacht, wie er möcht durch subtilig weg den held bringn, das er niderläg. Sein bosheit die lernet[532] in das, wiewol es alls[533] verloren was.
_HEINRICH STEINHÖWEL._
[_Scherer D._ 265, _E._ 261.]
Geboren zu Weilderstadt an der Wirm, promovierte 1442 zu Padua in der Medicin, wurde Arzt in Esslingen und 1450 als Stadtarzt nach Ulm berufen, starb 1482. Er ist durch seine Übersetzungen aus dem Lateinischen für die deutsche Prosa wichtig. Von seinen Übersetzungen sind besonders hervorzuheben: der Roman ‘Apollonius von Tyrus’ Augsburg 1471 (her. von K. Schröder, Leipzig 1873); der ‘Äsop’ Ulm zwischen 1476-1480 (her. von Österley, Tübingen 1873); Boccaccio’s ‘de claris mulieribus’ Ulm 1473. Die Übersetzung von Boccaccio’s ‘Decameron’ (her. von von Keller, Stuttgart 1860) wird ihm mit Unrecht zugesprochen.
1.
DIE VIII FABEL VON DEN FABELN VND DEN SCHAUFEN.
Ain jünger hett besondern lust, mangerlay fabeln ze hören und batte synen maister, daz er im ain lange sagen wölte. Do sprach der maister zuo im: Wartt, daz zwischen uns itt beschehe[534] als ains mals zwischen ainem künig und synem fabelsager geschahe. Der {10} jünger batte den maister im das ze sagen; do sprach der maister: Ain künig hett ainen maister der gar vil und mangerlay hystorien sagen kunde, und wann der künig ruowen wolt, so waz syn ordnung, daz er im fünff fabeln sagen solte, damit er syn müdes gemüt und krefften wider erholet[535] und erkükte[536]. Uf ain zyt als der künig abends in syn bett gienge und den vergangen tag mit mangerlay geschäfftes überladen nun müd waz, daz er nit geschlaffen kund, begeret er mer fabeln zuo hören, wann syn gewonhait was. Der maister sagt im dry ander aber gar kurcze. Do sprach der künig: Du hast gar kurcze gesagt. Ich wolte gern ain {20} lange hören; darnach liesse ich dich schlauffen. Des verfolget[537] im der maister, und fieng an ze sagen: Ain rycher pawr[538] nam zuo im tusent pfund pfenning, und zoget uff ain iarmarkt und kouffet darumb zwei tusent schauff, ietlichs umb ain halbes pfund pfenning. Do er aber die schauff von dem jarmarkt haim trib, was der bach, über den er tryben muoss, so ser gewachsen von zuofliessendem güswasser, daz er weder durch den furt[539] noch über die brucken tryben mocht. Do suochet er mangerlai weg, wie er die schauff hinüber brächte. Ze letzt fand er ain kleines schifflin, darinne er nit mer dan ains oder zway zemal mocht überfüren. Also fänge {10} der paur an die schauff überzefüren je zwei und zwei. Mit disen worten entschlieffe der maister also by dem künige. Der künig weket in bittende, daz er die fabel gar uss wolt sagen. Do sprach der sager: Herr, das wasser ist gross und ist das schifflin klain und sint die schauff one zal. Lasse den pawren die schauff vor alle hinüber füren, so will ich darnach sagen, wie es im mit den schauffen ergienge. Mit disen schimpffworten[540] stillet er den künig, daz er benügig ward und vergündet[541] dem sager[542] ze schlaffen. Darumb, lieber sun, (sprach der lerer zuo dem jünger) wilt du mich fürbas bekümern ze sagen, so würd ich dir dises byspil für heben.
2.
{20} DIE XV. FABEL VON DES KÜNIGES SCHNYDER UND SYNEM KNECHT.
Untrüw umb böslist iecz gemain ist, und das du dir nit beschenhen wilt, das tuo kainem andern. Des hör ein schimpffrede. Ain künig hettainen schnyder, der ieder zyt syne klaider wol kund machen, ouch iedem menschen nach synem wesen[543]. Er hette ouch vil guoter knecht, die fast wol[544] neyen[545] kunten, under denen was ainer, Nedius gehaissen, der für die andern alle der best was. Uff ain zyt als der hochzytlich tag nachnen was, berüffet der künig den selben schnyder, und sprach zuo im. Du solt mir und mynen {30} dienern uff dises fest kostliche klaider machen, und tuo das unverzogenlich[546], und dar umb daz kain verziehen dar inn beschähe, ordnet er inen ainen obmaister Eumicus gehaissen, der in uff wartet, daz sie ennlich[547] solten arbaiten, und sie mit essen und trinken wol versähe. Uff ain zyt als Nedius nit anhaimisch[548] was, gabe Eumicus den schnydern allen warmes brot und hönig zuo ander spys und sprach zuo inen: Ir söllen Nedio synen tail behalten. Do sprach der maister, Nedius ässe kain hönig, ob er ouch da wäre. Do Nedius komen was, sprach er: Ir habent on mich geessen und mir mynen tail nit behalten. Do sprach Eumicus: Dyn maister sagt, ob du wol hie gewesen waurest, dannocht hettest kain hönig geessen. Nedius schwige dar zuo, und gedacht emsiglichen[549], {10} wie er synem maister möcht widergelten. Und uff ain zyt, do der maister nit gegenwirtig was, füget sich under andern reden, daz Eumicus zuo Nedio sprach: Sag mir, Nedie, ob du ie kain bessern zuoschnyder gesehen habest, wann dyn maister ist. Antwürt Nedius: Ja, herr, er wäre fast gut, wa die krankhait in nicht so ser bschwärte. Do in Eumicus fraget, waz krankhait er an im hette, do sprach der Nedius zuo im: Ja, herr, er würt ouch etwan so wütend tobsüchtig und so gauchlingen[550], wa man nit bald dar vor wäre mit binden oder villycht mit ruotenschlahen, nieman möchte sicher by jm belyben. Do sprach Eumicus: Habt ir aber kain {20} zaichen, dar by ir kennen mügent, wann in die krankhait an wölle stossen? Nedius antwürt: Herr, ja. Wann er umb sich hin und her senhen würt und mit den füssen[551] uff die taffeln klopffen, mit den füssen strögeln[552] und synen stuol, dar uff er siczet, uff heben, so komt die tobsucht an in. Do sprach Eumicus: So will ich dester bas[553] warten, das niemand von im geleczet[554] werde. Du tuost wol dar an, sprach Nedius. Unlang dar nach, als Eumicus und syn diener by den schnydern warent, verbarg Nedius dem maister syne scher, und als er schnyden solt, und die scher nit enfand, ward er[555] umb sich senhen und uff die büny[556] klopffen mit den henden, {30} ob er die scher itt höte, und synen stuol uff heben. Do wenet Eumicus, in wolte die tobsucht an komen, und schuoff als bald, daz man in binden solt, und do er sich weret und schryen ward, schluogen sie in so lang, uncz daz sie müd wurden und er blöd[557] ward. Do er sich aber wider erholet, sprach er: O herre warum hast du mich so hart lassen schlahen? Antwürt Eumicus. Maister, ich hab das dir zenucz gethan, wann Nedius hat mir gesagt, wie du zuo ettlichen zyten tobsüchtig werdest und nieman vor dir sicher sie, und dir nit ee noch bass geholffen werden, wann durch binden und schlahen. Do sprach der maister in zorn bewegt zuo Nedio: Sag, du schalk, wa hast du erfaren, oder von wannen waist du, daz ich tobsüchtig würd? Nedius antwort und sprach: Zuo den zyten als du erfurest, daz ich warm brot und honig nit essen mocht, do ward mir dyn tobsucht kund gethan. Diser antwürt {10} lachent Eumicus und allen gesellen, und merktent, daz er syne schuld mit gelycher müncz wolte bezalen. Nach gemainem sprichwort: Ein gefatterschaft über den zon, die andern herwider. Darumb, was du dir nit beschenhen wellest, das tuo kainem andern.
_EULENSPIEGEL._
[_Scherer D._ 266, _E._ 261.]
Die vielfach erweiterte Geschichte eines Menschen des Namens Eulenspiegel, der wahrscheinlich im vierzehnten Jahrhundert wirklich gelebt hat. Sie wurde 1483 in Niederdeutschland niedergeschrieben und etwa um 1500 ins Hochdeutsche übertragen und zuerst gedruckt. Herausgegeben von Lappenberg (Leipzig 1854), Neudruck (Halle 1885).
WIE VLENSPIEGEL ZU BERLIN EINEM KÜRSSNER WOLFF FÜR WOLFFSPELTZ MACHET.
Gros[558] listige leut sein die schwaben, vnnd wo die des ersten[559] hinkommen vmb narung vnnd die nicht finden, da vertirbet ein anderer gar. Doch sein jr etliche auch mehr geneiget auff den bierkrug vnnd auff das sauffen, denn auff jhr arbeit, deshalben jhre {20} werckstat wüst ligen u. s. w. Auff eine zeit[560] wonet ein kürssner[561] zu Berlin, das was ein schwab, seins handwercks seher künstreich, auch guter anschleg[562]; er was reich vnnd hielt ein gute werckstat, denn er mit seiner arbeit an jhm het den fürsten des landts, die ritterschaft vnnd viel guter leut vnnd bürger. Also begab es sich, dass der fürst des lands ein grossen hoff[563] mit rennen und stechen des winters halten wolt, darzu er sein ritterschafft vnnd andere herren beschreib[564]. Als denn keiner der hinderst sein wil, worden zu denselben zeiten viel wolffspeltz bei dem vorgemelten kürssner zu machen bestelt. Das war Vlenspiegel gewar, kam zu dem meister vnnd bat jhn vmb arbeit. Der meister bedorfft auff die zeit gesinde, was seiner zukunfft[565] fro, vnd fragt jhn, ob er auch Wolff machen künd. Vlenspiegel sagt: ja; er wer nicht der minst[566] jm Sachssen land bekant. Der kürssner sprach: ‘lieber knecht, du kömpst mir eben recht. Kom her, des lohns wollen wir vns wol vertragen.’ Vlenspiegel sagt: ‘ja, meister, ich sihe euch wol so {10} redlich an[567]. Ihr werdet selbs erkennen, wenn jhr mein arbeit sehet. Ich arbeit auch nicht bei den andern Gesellen; ich mus allein sein, so kan ich mein arbeit nach willen vnd ungeirt[568] machen.’ Also gab er jhm ein stüblein ein[569], vnd legt ihm für viel wolffsheut, die zu peltzen bereit waren, vnd gab jhm die mass von etlichen peltzen gros vnd klein. Also begund Vlenspiegel die Wolffsfell an zu gehn[570], schneid zu vnd macht aus allen den fellen eitel wolff vnd füllet die mit hew vnnd macht jhn bein von stecken, als ob sie all lebten. Da er nu die Fell all zerschnitten vnd die wolff aus gemacht hat, da sprach er: ‘meister, die Wolff sind {20} bereit. Ist auch etwas mehr zu thun?’ Der meister sprach: ‘ja, mein Knecht; nehe[571] sie als viel du das jmer thun kanst.’ Mit dem gieng er hinaus jnn die Stuben: da lagen die Wolff auf der erden, klein vnd gros; die sahe der meister an vnd sprach: ‘was sol das sein? dz dich der ritt schit[572]! was hastu mir grossen schaden gethan! ich wil dich fahen vnd strafen lassen.’ Vlenspiegel sagt: ‘meister, ist das denn mein lon? ich hab es doch nach ewrem eigen willen gemacht; jhr hiesset mich, doch Wolff machen. Hettet jhr gesagt: “mach mir Wolffs peltz;” das het ich auch gethan; und het ich das gewost[573], das ich nicht mehr {30} danck solt verdient haben, ich wolt so grossen vleis nicht gebraucht haben.’ Also schied der gut from Vlenspiegel von Berlin, vnd lies niergent guten rhum hinder jhm, auch ward jhm selten etwas gutes nach gesagt; vnd zog also gen Leipzig.
_JACOB TWINGER VON KÖNIGSHOFEN._
[_Scherer D._ 267, _E._ 262.]
Geboren zu Strassburg 1346, trat in den geistlichen Stand, starb 1420 zu Königshofen. Er schrieb eine grössere Chronik, die bis auf das Jahr 1415 reichte, und eine kleinere, die bis auf das Jahr 1391 reichte. Er folgt meist der Chronik Closeners. Herausgegeben von Hegel, ‘Chroniken der deutschen Städte viii und ix’ (Leipzig 1870, 1871).
VON DER GRÔSSEN GEISCHELFART.
Dô men zalte M. CCC. xlix. jôr, viertzehen nacht nôch sungichten[574], dô kôment gên Strôsburg wol CC. geischelære[575]; die hettent leben und wîse an in alsô ich hie ein teil sagen wil. Zuom êrsten sô hettent siu gar kostbere vanen von samîttüechern und von baldeken[576], ûf[577] zehen oder acht vanen, und alsô menige gewunden kertzen: die truog men in vor wô siu in stette oder in dörfer giengent, und stürmede alle glocken gegen in. und die geischelære giengent den vanen nôch ie zwêne und zwêne mittenander, und hettent alle {10} mentelîn an und hüete ûf mit rôten criucen. zwêne sungent vor und denne die andern alle nôch. und ir leis[578] und ir gesang was alsô.
Nu ist die betevart[579] alsô hêr[580]. Crist reit selber gên Jerusalêm; er füerte ein criuce in sîner hant. nu helfe uns der heilant! Nu ist die betevart alsô guot. hilf uns, herre, durch dîn heilges bluot das du an dem criuce vergossen hest und uns in dem ellende gelôssen hest. Nu ist die strôsse alsô bereit 20 die uns zuo unser frowen treit[581], in unser lieben frowen lant. nu helfe uns der heilant! Wir sullent die buosse an uns nemen, das wir gotte deste bas gezemen[582] aldort in sîns vatter rîch. des bitten wir dich alle glîch. sô bitten wir den heilgen Crist der aller welte gewaltig ist.
Sô siu alsus in die kirchen kôment, sô kniuweten[583] siu nider und sungent:
Jhêsus der wart gelabet[584] mit gallen: des sullent wir alle an criuce vallen. 10
und dô vielent siu alle criucewys an die erden das es clapperte. und sô siu ein wîle alsus gelôgen, sô huop ir vorsenger an und sang:
Nu hebent ûf iuwer hende, das got dis grôsse sterben wende. Nu hebent ûf iuwere arme, das sich got über uns erbarme.
und denne stuondent siu ûf, und dôtend sus dristunt[585]. und denne luodent siu die liute heim zuo imbisse[586], und eins luod zweinzig, {20} eins zehen, und ieglîches nôch sînen statten, und buttentz in wol[587].
Und dis was ir regel. Wer in die bruoderschaft wolte und an die buosse tretten, der muoste xxxiiij. tage dar inne sîn und blîben, und muoste alsô vil phennige hân, das ime alle tage vier phennige an geburtent[588]: das wôrent xj. schillinge phennige und vier phennige. und dar umbe sô entorstent siu nieman heischen[589]. siu getorstent ouch keine herberge heischen noch in kein hûs komen, men lüede[590] in denne drin, und füerte siu denne ône heischen drin. siu getorstent ouch zuo keiner frowen gereden. welcher aber das brach, der kniuwete vor sînen meister und bîchtet es ime. sô satte {30} ime der meister buosse und sluog ime mit der geischeln ûf sînen rucke und sprach:
Stant ûf durch der reinen martel[591] êre, und hüete dich vor den sünden mêre.
Siu hettent ouch ein gesetzede das siu phaffen under in hettent: aber ir keiner solte meister under in sîn noch an iren heimelîchen rôt gôn.
Wenne siu nu woltent büessen: alsô nantent siu das geischeln; das was zuom tage zwürent[592], früege und spôte; sô zogetent siu zuo velde ûs: sô liute men die glocken, und giengent ie zwêne und zwêne und sungent iren leich alsô vor geseit ist. und wenne siu kôment an die geischelstat, sô zugent siu sich ûs nacket und barfuos untz an die bruoch[593] und dôtent kittele oder wîsse lînen an, und die giengen in von dem nabel untz ûf die füesse, und leitent sich nider {10} an einen wîten creis. und wie ieglîcher gesündet hette, dernôch leit er sich. was er ein meineidiger bœsewicht, sô leit er sich ûf eine sîte und rekete sîne drîe vingere ûf. was er ein êbrecher, sô leit er sich ûf den bûch. sus leitent siu sich in meniger hande wîs nôch maniger hande sünde. dô by erkante men wol was sünde ieglîcher getôn hette. sô siu sich alsus hettent geleit, sô vieng ir meister an wô er wolte und schreit über einen und rüerte in mit sîner geischeln und sprach:
Stant ûf durch der reinen martel êre, und hüete dich vor den sünden mêre.
{20} Sus schreit er über siu alle, und über welchen er schreit, der stuont ûf und schreit dem meister nôch über die vor ime lôgent, untze siu alle ûf gestuondent. und sungent denne und geischeltent sich mit riemen: die hettent vornân knöpphe und nôlden[594] dar in gestecket; und sungent maniger hande leis. die stônt in der crôniken ûf unser frowen hûs geschriben: dar umbe lôsse ich siu hie under wegen durch kürze willen. und wenne siu sich alsus gegeischeltent und gesungent, sô las einer under in einen brief; und siu sprôchent der engel hette in von himel her abe brôcht. und in dem briefe stuont wie das got erzürnet wære über der welte sünde und wolte siu hân {30} under lôssen gôn: dô wurde er gebetten von sîner muoter und von sînen engeln das er sich solte erbarmen über die welte; und vil anders dinges stuond in dem selben briefe geschriben. und wenne der brief gelesen wart, alsô zogetent siu wider in die stat singende ie zwêne und giengent iren vanen und kertzen nôch.
Ouch wenne siu sich geischeltent, sô wart gar grôs zuo loufen, und das volk weinte und hette grôsse andâht: wan das volk wônde[595] und gloupte das der brief von dem himele her abe wære komen, und alles das siu seitent, das es alles wôr wære. und wenne die phaffen sprôchent wô by men erkennen solte das die geischelvart gerecht wær und wer den brief besigelt hette, dô entwurtent siu und sprôchent wer die ewangelien besigelt hette. Sus brôchtent siu die liute das zuo, das men den geischlæren mê gloubete denne den priestern. und wô siu in die stette kôment, dô kam gar vil volkes in ire bruoderschaft, die ouch geischelære wurdent.