The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)
Part 38
Junker Casper der sprach nein darzu: ‘das kalb muss entgelten der ku, er sol dir nicht gelingen, zu Baden in der werden statt muss im sein haupt abspringen.’
Sie wurden alle drei gen Baden gebracht, sie sassen nit lenger denn eine nacht; wol zu der selbigen stunde da ward der Lindenschmid gericht, sein son und der reutersjunge, ja junge. 30
10.
REITERLIED.
Der gutzgauch[443] hat sich zu tod gefallen von einer holen weiden, wer soll uns disen sommer lang die zeit und weil vertreiben?
Das soll sich tůn fraw Nachtigal, sie sitzt uf einem zweige, sie singt, sie springt, ist freuden voll wann andere vöglen schweigen.
Mein bůl[444] hat mir ein brief geschickt, 10 darinn da stet geschriben: sie hab ein andern lieber dann mich; darauf hab ich verzigen.
Hastu ein andern lieber dann mich das acht ich warlich kleine, da sitz ich uf mein apfelgrows ross und reit wol über die heide.
Und do ich über die heide kam mein feins lieb trauret sere; lass farn, lass farn was nit bleiben will! 20 man findt der schön junckfrewlin mere.
Der uns das liedlen new gesang, von newem hat gesungen, das haben getan zwen reuter gůt, ein alter und ein junger.
_REINEKE FUCHS._
[_Scherer D._ 259, _E._ 254.]
Der flämische Dichter Willem verfasste um 1250 den niederländischen ‘Reinaert’ nach einem französischen Original. Sein Werk wurde um 1380 umgearbeitet und fortgesetzt und um 1480 von Hinrek van Alkmer mit einer prosaischen Glosse versehen. Der niederdeutsche ‘Reinke de Vos,’ von dem hier eine Probe folgt, wurde 1498 zu Lübeck verfasst und gedruckt. Er ist eine Übertragung der Arbeit Hinreks. Herausgegeben von Lübben (Oldenburg, 1867); Schröder (Leipzig, 1872).
DAT VI. GESETTE.
Wô Brûn dê bare mit einen brêve wart gesant tô Reinken, unde wô hê ene vant unde ansprak.
_Wie Braun der Bär mit einem Brief zu Reineke gesandt ward, und wie er ihn fand und ansprach._
Dê konnink sprak tô Brûne den ber ‘Brûne, ik segge jû alse jûwe hêr, dat gî mit vlît desse bodeschop dôt. men sêt, dat gî sît wîs unde vrôt, wente Reinke is sêr valsch unde quât, 10 hê wêt sô mannigen lôsen rât, hê wert jû smêken unde vorelêgen, jâ kan hê, hê wert jû wisse bedrêgen.’ ‘Wanne nein’ sprak Brûn, ‘swîget der rede! ik segget bî mîneme swâren êde: sô geve mî got ungeval, wô mî Reinke icht hœnen sal. ik wolde em dat sô wedder inwrîven hê scholde vor mî nicht wetten tô blîven.’ Alsus makede sik Brûn up dê vârt. stolt van môde, tô berge wert; dorch eine wôstenî grôt unde lank, dâr dorch makede hê sînen gank. dô quam hê dâr twei berge lâgen: dâr plach Reinke, sîn ôm, tô jagen unde hadde den vordach dâr gewest. 10 sô quam hê vor Malepertûs tô lest, wente Reinke hadde mannich schôn hûs, men dat castêl tô Malepertûs was dê beste van sînen borgen, dâr lach hê alse hê was in sorgen.
Dô Brûn vor dat slot was gekomen unde dê pôrten gesloten vernomen dâr Reinke ût plach tô gân, dô gink hê vor dê pôrten stân unde dachte, wat hê wolde beginnen. hê rêp lûde ‘Reinke ôm, sint gî dâr binnen? ik bin Brûn, des konninges bode. hê heft gesworen bî sîneme gode: kome gî nicht tô hove tô deme gedinge unde ik jû nicht mit mî enbringe, dat gî dâr recht nemen unde geven, dat wert jû kosten jûwe leven. kome gî nicht, gî stân bûten gnâde, 10 jû is gedrauwet mit galgen unde rade. dâr umme gât mit mî, dat râde ik int best.’ Reinke hôrde wol desse wôrde êrst unde lest. hê lach dâr binnen unde lûrde unde dachte ‘wan mî dit eventürde, dat ik deme baren betâlde desse wôrt dê hê sô hômôdigen sprikt vôrt! hîr ût wil ik denken dat beste.’ dâr mit gink hê dêper in sîne veste, wente Malepertûs was der winkel vul, hîr ein gat unde gindert ein hol, hadde mannige krumme, enge und lank, unde hadde ôk mannigen seltzên ûtgank, dê hê tôdede unde tôslôt, alse hê vornam, dat hê des hadde nôt; wan hê dâr jennigen rôf in brochte edder wan hê wuste, dat men ene sochte umme sîne valschen missedât, sô vant hê dâr den nauwesten rât. 10 mannich dêr in simpelheit ôk dâr in lêp dat hê dâr in vorrêtlîken grêp.
_Der König sprach zu Braun dem Bären: ‘Euch will ich mit dieser Botschaft beehren. Ich befehl’ euch, Braun, werbt sie mit Fleiss; Doch seht euch vor, seid klug und weis‘: Sehr falsch ist Reineke und voll von Ränken. 10 Er weiss manch losen Rath zu erdenken; Er wird euch schmeicheln und belügen, Und glaubt mir, wie er nur kann, betrügen.’ ‘O nein,’ sprach Braun, ‘beruhigt euch nur, Ich sag’ euch bei meinem höchsten Schwur, So lass’ es Gott mir nimmer glücken, Wenn mich Reineke höhnen soll und berücken; Ich wollt’ es so übel ihm wieder eintränken, Dass er zu bleiben nicht wüsste mit seinen Schwänken.’ Da machte Braun der Bär sich auf Mit stolzem Muth, den Berg hinauf; Durch eine Wüste, gross und lang, Nahm er zuvörderst seinen Gang. Dann kam er, wo zwei Berge lagen, Und sein Neffe Reineke pflegte zu jagen; Er war erst dort den Tag zuvor. 10 So kam er vor Malepartus Thor. Denn Reineke hatte manch schönes Haus; Doch Malepartus, die Burg, voraus War die beste von allen gar: Da lag er, wenn er in Sorgen war._
_Als Braun nun vor dem Schlosse stand Und dessen Thor geschlossen fand, Durch welches Reineke pflegte zu geh’n, Da blieb er vor der Pforte steh’n. Und bedachte sich, was zu beginnen. ‘Freund Reineke,’ rief er, ‘seid ihr drinnen? Ich bin Braun, den der König zum Boten erkoren. Er hat bei seinem Gott geschworen, Kommt ihr nicht an Hof zu Gericht, Oder bring ich euch mit mir nicht, Da Recht zu nehmen und zu geben, So soll es euch kosten euer Leben. Bleibt ihr aus, ihr verwirkt des Königs Gnade, 10 Euch ist gedräut mit Galgen und Rade; Drum rath’ ich euch gut, mit mir zu kommen.’ Reineke hatte wohl Alles vernommen; Er lauerte drinnen und dachte bei sich: Wenn es das Glück doch wollte, dass ich Den Bären bezahlte für die Worte, Die er so hochfährtig spricht vor der Pforte! Ich will’s bedenken, das ist das Beste. Da gieng er tiefer in seine Feste._
DAT VII CAPITTEL.
Wô Reinke vorsichtigen sik bedachte unde dâr nâ ûtgink unde Brûnen mit vruntlîken wôrden wilkome hêt.
_Wie Reineke sich vorsichtig bedachte, und dann hinausgieng und Braun mit freundlichen Worten willkommen hiess._
Dô Reinke sus des baren wôrde wol vornam unde ôk hôrde, hê lôvede nicht gruntlik den wôrden stolt, 20 em was leide vor ein achterholt. dô hê dat enkede hadde vornomen, dat Brûn alleine was gekomen, desto min hê dô vorschrak. hê gink ût tô em unde sprak ‘ôm Brûne, wilkome môte gî wesen! ik hebbe recht nû dê vesper gelesen, dâr umme konde ik nicht êr komen. ik hope, it schal mî sîn tô vromen, dat gî tô mî gekomen sît. sît wilkomen, ôm Brûne, tô aller tît. 10 deme enwêt ik des jô nênen dank, dê dat schaffede, dat gî dessen gank scholden overgân, dêde is sêr swâr. gî sweten, dat jû nat is dat hâr. envant unse hêre dê konnink nû nênen anderen boden tô senden dan jû? wente gî sint dê eddelste unde grôtste van love dê nû is in des konninges hove. it wert mî sîn sunderlik tô vromen, dat gî sît her tô mî gekomen, jûwe vrôde rât wert mî helpen sêre bî deme konninge dêde is unse hêre. al hadde gî dessen wech nicht angenomen, ik wêre doch morgen tô hove komen. doch dunket mî sêre in mîneme wân, ik schal nû nicht wol konen gân: ik hebbe mî geten alsô sat; it was nie spîse dê ik at, dat ganze lîf deit mî wê dâr van.’ 10 Dô sprak Brûn ‘Reinke ôm, wat ête gî dan?’ dô sprak Reinke ‘lêve ôm, wat hulpe jû dat wan ik jû sêde wat ik at? it was ringe spîse, dâr ik nû bî leve, ein arm man enis jô nên grêve! wan wî it nicht konen beteren mit unsen wîven, sô môte wî eten versche honnichschîven. sôdâne kost at ik dorch dê nôt, dâr van is mî dê bûk sô grôt. ik môt sê eten ân mînen dank, dâr van bin ik wol half krank. wan ik dat jummer beteren kan, wolde ik umme honnich nôde upstân.’ Dô sprak Brûn alsô vôrt ‘wanne, wanne, wat hebbe ik nû gehôrt! holde gî honnich sô sêr unwêrt, dat doch mannich mit vlîte begêrt? honnich is ein sô sœten spîse dê ik vor alle gerichte prîse. 10 Reinke, helpet mî dâr bî tô komen, ik wil wedder schaffen jûwen vrômen.’ Reinke sprak ‘Brûn ôm, gî holden jûwen spot!’ Brûn sprak ‘nein, sô helpe mî got! scholde ik spotten, dat dô ik nôde.’ dô sprak wedder Reinke dê rôde ‘is dat jûwe êrnst, dat lâtet mî wetten! moge gî dat honnich sô gêrne eten, ein bûr wonet hîr, dê hêt Rustevîle, dat is men eine halve mîle: 20 bî em is sô vele honniges, vorstât mî recht, gî sêgens nî mêr mit al jûwem slecht.’ Brûnen deme stak sêr dat smer, nâ honnige stunt al sîn beger. hê sprak ‘lâtet mî komen dâr bî, ik denke des wedder, lôvet des mî. wan ik mî honniges sat mochte eten, sô môste men mî des vele tômeten.’ Reinke sprak ‘gâ wî hen up dê vârt, honniges schal nicht werden gespârt. 10 al kan ik nû nicht wol gân, recht trûwe môt jummer schînen voran, dê ik mit gunst tô jû drage. wente ik wêt nên mankt al mînen mâge den ik alsus wolde mênen, wente gî mî sêr wol wedder konen dênen jegen mîne vîende unde jegen ere klage in des konninges hof tôm hêrendage. ik make jû noch tâvent honniges sat, dâr tô van deme besten, merket dat, sô vele alse gî des jummer mogen dregen.’ men Reinke mênde: van grôten slegen. Reinke lôch sêr unde swinde, Brûn volgede eme nâ alse ein blinde. Reinke dachte ‘wilt mî gelingen, ik wil dî tô degen uppet honnichmârket bringen!’ Sê quêmen tôhant tô Rustevîls tûn. dô vraude sik sêr dê bare Brûn, men des hê sik vraude, dâr wart nicht van. 10 sô geit it noch mannigem unvrouden man.
_Als Reineke so des Bären Worte Vernommen hatte, bei der Pforte, Da glaubt’ er dem Stolzen nicht alsbald, 20 Er sorgte vor einem Hinterhalt. Doch als er’s gründlich jetzt vernommen, Dass Braun alleine war gekommen, Da war’s gar um seine Furcht gethan. Er gieng hinaus und sprach ihn an: ‘Willkommen, Ohm Braun, in meinem Heimwesen! Ich hatte so eben die Vesper zu lesen, Drum konnt’ ich nicht eher zu euch kommen. Ich hoffe gewiss, es soll mir frommen, Dass ihr hieher gekommen seid. Seid willkommen, Ohm Braun, zu jeder Zeit; 10 Weiss ich gleich dem keinen Dank, Der da schuld ist, dass ihr diesen Gang Übernahmt, der zu schwer euch war. Ihr schwitzt ja, dass euch trieft das Haar. Fand unser Herr, der König reich, Keinen andern Boten zu senden als euch? Denn ihr seid der grösste, der edelste Mann, Den man am Hofe finden kann. Doch wird es mir ganz absonderlich frommen, Dass ihr zu mir seid hergekommen. Sehr wird mir helfen euer kluger Rath Bei dem König, der uns zu gebieten hat. Hättet ihr die Fahrt nicht übernommen, Ich wär’ doch morgen zu Hof gekommen. Zwar dünkt mich jetzt in meinem Sinn, Dass ich zu gehen unfähig bin. Ich ass mich heut schier übersatt An fremder Speise, das macht mich matt; Der ganze Leib, seht, schwoll mir an.’ 10 Da fragte Braun: ‘Was asset ihr dann?’ Reineke sprach: ‘Was hülf’ euch das, Wenn ich euch sagte, was ich ass? Es war schlechte Kost, die ich hier traf; Ist doch ein armer Mann kein Graf! Wissen wir Bess’res nicht aufzutreiben, So essen wir frische Honigscheiben. Das ass ich heut’ aus Hunger auch; Davon ist mir so dick der Bauch. Ich musst’ es essen wider Willen Und kann die Schmerzen nun nicht stillen. Wenn ich was Bess’res finden kann, So rühr’ ich keinen Honig an.’ Verwundert sprach Herr Braun sofort: ‘Ei, ei, was hör’ ich für ein Wort! Dünkt Honig euch so wenig werth, Den mancher doch mit Fleiss begehrt? Honig ist eine süsse Speise, Die ich vor allen Gerichten preise. 10 Reineke, helft mir daran zu kommen, So bedenk’ ich wieder euer Frommen.’ Er sprach: ‘Ohm Braun, es ist euer Spott’: ‘O nein,’ sprach Braun, ‘so helfe mir Gott. Sollt’ ich spotten? das thu ich nicht.’ Da gab ihm Reineke, der rothe, Bericht: ‘Ist das euch Ernst, das lasst mich wissen: Seid ihr des Honigs so beflissen? Hier wohnt ein Bauer, heisst Rüstefeile, Es ist nur eine halbe Meile, 20 Der hat viel Honig, versteht mich recht, Nie saht ihr es mehr, noch eu’r ganzes Geschlecht.’ Braun den Bären gelüstete sehr, Nach Honig stund all sein Begehr; Er sprach: ‘Zeigt mir den Weg dahin, Ich gedenk’ es euch wieder, so wahr ich bin; Wann ich mich Honigs satt sollt’ essen, Man müsst’ ihn mir mit Scheffeln messen.’ Reineke sprach: ‘Nur gleich an die Fahrt! Der Honig werde nicht gespart. 10 Ich bin zwar noch gar schlecht zu Fuss, Die Liebe jedoch mich stärken muss, Und die Ehrfurcht vor des Königs Gesandten; Auch weiss ich Keinen von meinen Verwandten, Dem ich Gutes stäts so gern gegönnt; Zumal ihr mir wieder dienen könnt Gegen meine Feinde und ihre Klage, An des Königs Hof, am Herrentage. Ich mach’ euch Honigs satt und voll Noch heut’, von dem besten, merket wohl; Ihr werdet ihn nicht allen mögen.’ Doch Reineke sprach es von derben Schlägen. Reineke lief voraus geschwind, Da folgte Braun ihm nach wie blind. Reineke dachte: Will’s gelingen, Ich will dich schön auf den Honigmarkt bringen. Sie kamen bald an Rüstefeils Haus: Da freute Braun sich im Voraus; Doch des er sich freute, das ward zunicht. 10 So geht es noch manchem unklugen Wicht._
DAT VIII CAPITTEL.
Wô Reinke mit Brûnen deme baren gink unde en leidede, dâr hê honnich eten scholde, dat em ovel bequam; wô en Reinke bedrôch unde lêt en stân beklemmet in den bôme eft blocke mit deme hôvede unde beiden {20} vôten.
_Wie Reineke Braun den Bären dahin geleitete, wo er Honig essen sollte, was ihm übel bekam, und wie ihn Reineke betrog und ihn mit dem Haupt und den Füssen in einen Baum oder Block geklemmt da stehen {20} liess._
Dô dê âvent was gekomen unde Reinke dat hadde vornomen, dat Rustevîl, dê vorgesechte bûr, tô bedde was in sînem schûr,-- Rustevîl was van grôteme love ein timmerman unde hadde in sînem hove liggende eine êke, dê hê wolde klôven, unde hadde dâr in geslagen boven twei grôte kîle, dê wêren sêr glat. Reinke dê vos merkede dat: dat sulve holt was an einer sît upgeklôvet einer elen wît,-- hê sprak ‘hôret mî, Brûn ôm! 10 recht hîr in dessem sulven bôm is honniges mêr wan gî lœvet: steket dâr in wol dêpe jûwe hœvet, nemet nicht tô vele, dat is mîn rât, jû mochte dâr anders af komen quât in jûweme lîve, sît des bericht.’ Brûn sprak ‘Reinke, sorget nicht. mêne gî, dat ik sî unvrôt? mâte is tô allen dingen gût.’ alsus lêt sik dê bare bedôren 20 unde stak dat hœvet in over dê ôren unde ôk dê vordersten vôte mede. Reinke dô grôt arbeit dede: hê brak ût dê kîle mit der hast,-- dâr lach dê bare gevangen vast mit hôvet unde vôten in der êken, em halp wêr schelden edder smêken. hê plach tô wesen kône unde stark, men hîr hadde hê sîn vulle werk. sus brachte dê neve sînen ôm mit losheit gevangen in den bôm. 10 hê begunde tô hûlen unde tô brâschen, mit den echtersten vôten tô krâschen, unde makede alsô grôten lût, dat Rustevîl mit der hast quam ût: hê dachte, wat dat wesen mochte; jâ ein scharp bîl hê mit sik brochte up eventûr, efte des wêre nôt. Brûn lach dô in anxte grôt: dê klôve dâr hê in lach; ene knêp, hê brak sik unde tôch, dat hê pêp, men dat was pîn umme nicht gedân. hê vormôde sik nummer van dâr tô gân. dat mênde ôk Reinke, unde sach Rustevîle van vêrne komen mit deme bîle. hê rêp tô Brûne ‘wô steit it nû? etet nicht tô vele, dat râde ik jû, des honniges. segget mî, isset ôk gût? ik sê, dat Rustevîl kumpt hîr ût, villichte wil hê jû bedenken 10 unde wil jû up dê mâltît schenken.’ dâr mede gink Reinke wedder nâ hûs nâ sîneme slote tô Malepertûs.
_Der Abend war heran gekommen: Da hatte Reineke vernommen, Dass Rüstefeil, wie stäts er pflag, Zu Haus in seinem Bette lag. Rüstefeil war als Zimmermann Berühmt; in seinem Hofe sah’n Sie eine Eiche, die wollt er zerkloben. Schon hatt’ er eingeschlagen oben Zwei Keile, die waren glatt. Reineke merkt’ es an der Statt. Das Holz war schon an einer Seite Gespaltet in einer Ellen Weite. Er sprach: ‘Nun hört mich, Oheim Braun! 10 Seht hier, in diesem hohlen Baum Ist des Honigs mehr, als ihr wohl glaubt. Nun stecket tief hinein das Haupt, Übernehmt euch nicht, ich rath euch zum Frommen, Es möchte euch übel sonst bekommen In euerm Leib, lasst euch berichten.’ Braun sprach: ‘Reineke, sorgt mich nichten. Meint ihr gar, ich sei ein Frass? Zu allen Dingen gut ist Maass.’ Also ward der Bär zum Thoren: 20 Er steckte das Haupt bis über die Ohren Nebst den Vorderfüssen in den Spalt. An die Arbeit gab sich Reineke bald: Er brach die Keile heraus mit Kraft, Da lag der Bär in schmählicher Haft; Die Eiche klemmt’ ihm Haupt und Füsse, Ihm half nicht Schelten, noch Schmeicheln süsse; Sonst war er stark und kühn, doch nun Hatt’ er mit Überkraft zu thun. So brachte der Neffe den Ohm mit List In den Baum, aus dem keine Rettung ist. 10 Er begann zu heulen und zu schnarren, Mit den Hinterfüssen im Sand zu scharren, Und machte solchen Lärm vor dem Haus, Dass Rüstefeil eilends sprang heraus. Was bedeutet, dacht’ er, dies Geheul? Er brachte mit ein scharfes Beil Für den Fall, dass es zu brauchen wär’. Braun lag indes in Ängsten schwer. Der Kloben, drin er lag, ihn kniff, Er zog und zerrte sich, dass er pfiff: Die Müh’ war all’ umsonst gescheh’n. Schon glaubt’ er, nimmer zu entgeh’n. Auch Reineke meint’ es, und sah Rüstefeil Von ferne kommen mit dem Beil. Da rief er dem Bären: ‘Wie steht es, Braun! Esst nicht zu viel, das rath ich euch traun, Des Honigs! Sagt mir, mundet der Schmaus? Ich sehe, Rüstefeil kommt heraus; Vielleicht will er den Gast bedenken 10 Und will euch auf die Mahlzeit schenken.’ Hiermit gieng Reineke heim zuhand, Nach seinem Schloss, Malepartus genannt._
DAT IX CAPITTEL.
_Wie der gefangene Braun von den Bauern geschlagen wird, endlich doch loskommt und sich ins Wasser begiebt._