The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)

Part 37

Chapter 373,536 wordsPublic domain

Hie wil ich Michel Behamer mit singen machen offenber wie ketzer und auch zauberer manchen menschen petœren, und stellen sich doch in dem schein als ob si frum und geistlich sein; vil manchen si in hellepein[350] verleiten und petauben[351] mit wildem ungelauben 10 und ach artikeln mancherlei und vil zauberstücken dabei, daz als perüret ketzerei, daz ir ein teil solt hœren. des ersten wurt[352] euch hie benannt vil ungelauben mancherhant, daz mit warsagen wurt bekant von den die sich an nemen[353] kunftige ding zu offenbarn; das sie an dem fewer ervarn und an den wolken wellen larn[354] und an des windes wehen: auch mein[355] si es zu sehen an dem wasser und an der erd; an dem sand es in kundig werd und mit puncten. hort waz geverd[356] 10 sölhe ketzer hie gemen[357]. auch wellen si ein solhs erscheinn mit teufelhaften menschn unreinn und auch mit toten, die si meinn zu erkiken[358] mit zaber[359]; darzu mit der vogel geschrei und ach wuhin ir fliegen sei, mit messen[360] und mit mancherlei unglauben also grossen; und mit den würfeln losen und mit dem salter und der schrift. ach wirt unglaub durch trem[361] gestift, und mit der teufel antwirt[362] prift[363] man solhs unglauben aber und auch mit sternen sehen. wer 10 zu vast daran geloubet, der velt ach in unglaben, und mer wer glabt in tages zeite, das eine für die andern bei dem menschen gluckhaftiger sei. ach ist das grosse ketzerei, wer glaubt in die geschöpfen, daz die menschen stöpfen[364] und uflegen waz im beschicht: wan ob daz also wer gericht, 20 so gings keim menschen anders nicht dan im würd of geleite[365]. daz ist ein grosser ungelab: wan uns got freien willen gab, daz wir mit werken gen hell ab oder gen himmel keren. auch wirt manch ungelaub behert[366] der von beswerung widervert, da man die teufel mit beswert, und auch von manchem segen, des tœreht cristen pflegen, und ach von wurzeln oder craut, oder daz man warsagern traut, daz einer eim in sein hant schaut, im vil dings wil vermeren[367], und im selb nichts gutz sagen kan. 10 ach nimpt sich mancher zaberns an, daz die leut zamen mussen han beid veintschaft ader libe. ich tun euch mer unglaben kunt. wer auch gelaubt das man pegund[368] die leut an sprechen für den gsund[369]. auch sagt man wie daz trollen[370] in Norwegen sein sollen. nu hon ich verr[371] durch varn die lant, das mir kein troll nie wart bekant. 20 hort auch von lüpeln[372] mancherhant, daz ich euch füre gibe, von valschen kractarn[373], und der man etwaz bei im tragen began, das er davon gelück sol han. hort, mer wil ich euch sagen. ez ist ach ketzerlich geverd, wer glaubet daz der alb[374] uf erd von unzeitigen kinden werd, der die weib tu betauben. der ach des hat gelauben, daz man mit heissem wasser und heiss eisen schuldig leut erfund, 10 und ach mach den manslachter[375] kund mit anrüern des erslagen. auch wirt unglaub do mit bewert[376], das man eins toten sel beswert[377] und zwingt das sie erwider vert und sagt wie ir beschichte. auch wirt unglaub da mit gepreut[378], daz man gelaubet daz die leut zu wolfen werden. daz sein neut[379] wan ketzerlich unglaben. 20 auch etlich glauben haben, ieglichs haus hab ein schreczlin[380]: wer das ert, dem geb es gut und er; auch vint man das * an der berecht nacht[381] seinen tisch richte[382]. etlich glaben daz kline kind zu pilweissen[383] verwandelt sind. auch wie die schreczlin so geswind uf vich reiten und varen. auch sprechen ir etliche me von unholden, ich daz verste, wie das die machen reif und schne, schauren[384] und regens giessen; wie sie mit börsten[385] schiessen, und den leuten ir mich versteln, 10 und den mannen nemen ir gseln[386] und sy zu irer liebe weln[387] mit irem zauber karen[388]. mit tauf, mit krisem[389] und weichbrun[390], mit des mon scheinen und der sunn und vil sach mein sie es ze tun; das als unglaben seine. auch meinen etlich mit geschrei und mit gedœn und ach dabei mit segen und mit ketzerei 20 die weter[391] zu vertreiben. noch vint man mancherhand gestüp[392], da ich ietzunt nit innen grüp[393]. dis ist alles nit wann gelüp[394], das man nit glaben selle: wann ob ez wol also beschicht, so ist ez doch umb anders nicht, dann es der teufel nur zuricht, das sein unglab werd veste. darumb rat ich daz beste, wer mit solhem zauber umb ge, das er abloss und davon ste, e es in bring in ewig we in das abgrund der helle.

_HANS ROSENBLÜT._

[_Scherer D._ 250. _E._ 244.]

Hiess vermuthlich Hans Schnepperer und war Büchsenmeister der Stadt Nürnberg, an deren Kämpfen er 1449 theilnahm. Er suchte, wie er selbst angiebt, zeitweise als Wappendichter an den Höfen der Fürsten und Herren seinen Unterhalt und schrieb hauptsächlich Fastnachtspiele, Erzählungen und Schwänke. Sieh v. Keller ‘Fastnachtspiele aus dem 15. Jahrhundert’ 3 Bde. (Stuttgart 1853). Seine ‘Weingrüsse’ und ‘Weinsegen’ herausg. von Haupt in ‘Altdeutsche Blätter’ Bd. 1, 401.

WEINGRUSS.

Gott gruss dich, du lieber landtmann! Keinen bessern gesellen ich nye gewan Vnd den ich lieber bei mir wil wissen, Wenn ich des morgens hab angepissen[395]. Wenn ich dich hab in meinem trunkvass, 10 So dynest du mir zu tisch vil pass Denn alle die truchsessen die da leben. Got behut den pergk den stock vnd die reben Daran du hewer gewachssen bist. Gott fuge deim stock pfel[396] pant vnd mist Vnd sunnen vnd regen vnd auch ein man, Der dich wol sneyden vnd hacken kan Das du biss jar mugst wider geraten, Die grossen weck, die veisten praten, Wenn ir drew bei einander seyt, 20 Das es mir vil mer frewden geyt Dann harpffen, geygen, tantzen vnd paden. Dorumb wil ich dich zu gast laden: Kum spet oder frw, so wil ich dich einlassen Vnd wil dich nicht lang an der thur lan possen[397].

_HUGO VON MONTFORT._

[_Scherer D._ 253, _E._ 247.]

Graf Hugo II, Herr von Bregenz, geb. 1357, begann seine dichterische Thätigkeit 1396. Er bildet mit einigen andern Dichtern der Zeit den Übergang der älteren höfischen Poesie in die spätere lyrische Volkspoesie und den Meistergesang. Herausgegeben von Bartsch (Tübingen 1879); Wackernell (Innsbruck 1881).

Ich schrib dir gerne cluoge wort, So hast du min hertz gfangen, Min lieber buol[398], min höchster hort! Du hasts in dinen banden.

Von gold ein ketten die ist vin, Damit hast du es beschlossen: Din eigen wil es iemer sin, Des ist es unverdrossen.

Und hat mir nüwlich[399] potschaft tan, Es well sich von mir ziehen 10 Und well in dinem dinst bestan, Zuo diner liebi fliehen.

Und spricht, daz es kein anders trib, Es well bi dir beliben, (Im gefiel uff erd nie bas ein wib), Zuo diner liebi schiben[400].

Also hast du mir das hertz abtrünig gmachen Mit gewalt an alle fürbot[401]: Ich muoss mins schaden selber lachen. Uns beide behuet der ewig got! 20

Ich chan mich zwar nicht ab dir clagen, Du tuost mim hertzen guetlich; So wil ich ie die warheit sagen: Bi dir so ist es frödenrich.

Geben nach Crists gebürt vierzehenhundert jar (Das schrib ich dir mit einem wort) Und in dem andern (das ist war), Min lieber puol, min höchster hort!

_OSWALD VON WOLKENSTEIN._

[_Scherer D._ 253, _E._ 247.]

Aus Tirol, geboren 1367, gestorben 1445. Er machte mit Hugo von Montfort eine Wallfahrt nach Jerusalem und suchte ritterliches Wesen und Dichten wieder zu beleben. Herausgegeben von Weber (Innsbruck 1847).

Wuninklicher wol gezierter may, dein suess geschray 10 pringt freuden mangerlay, besunderlich wo zway an ainem schœnen ray[402] sich muetiklich verhendelt[403] han. Gruen ist der perg ow gevild und tal; die nachtigal und aller voglin schal man hœret ane zal erklingen uber al. 10 Seyd[404] nu die zeit wennt[405] lieplich ungemach, so wach, lieb, ach! zwar mir sol wesen gach zu hengen[406] der hin nach, der ich lang nye gesach, uncz mich ir ermlin weyss umbfan.

_VOLKSLIEDER._

[_Scherer D._ 253, _E._ 248]

Herausgegeben in Wackernagel ‘Das deutsche Kirchenlied,’ B. II. (Leipzig, 1867); Uhland ‘Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder’ (Stuttgart, 1844, 45); Hoffmann von Fallersleben ‘In dulci iubilo. Nun singet und seid froh’ (Hannover, 1854); Liliencron ‘Die historischen Volkslieder der Deutschen,’ 5 Bde. (Leipzig, 1865-69); Böhme, ‘Altdeutsches Liederbuch’ (Leipzig, 1877).

1.

_In dulci iubilo_ nu singet und seit fro! alle unser wonne leit _in præsepio_; sie leuchtet vor die sonne _matris in gremio; que est a et o, que est a et o_.

_O Jesu parvule_, nach dir ist mir so we, 10 tröste mein gemüte, _o puer optime_, durch aller jungfraun güte, _o princeps glorie. trahe me post te. trahe me post te!_

_Mater et filia_, o jungfrau Maria, hettest du uns nicht erworben _celorum gaudia_, so wär wir alle verdorben _per nostra crimina. quanta gratia, quanta gratia!_

_Ubi sunt gaudia?_ nierne[407] wen alda, 10 da die engel singen _in nova cantica_ mit iren süssen stimmen _in regis curia_. eia wär wir da, eia wär wir da!

2.

Ein kindlein ist geboren von einer reinen mait! Gott hat ims auserkoren in hoher wirdigkeit. 20 Ein sun ward vns gegeben zu trost an alles mail[408]: Daz sult ir merken eben; er bracht vns alles heil.

Ave, du Gotes minne! wie wol ir mit im was! 20 Heil werde trosterinne! vnd do sie sein genas, Gros freud wart vns gekundet von einem Engel klar; Wirt nimmer mer durchgrundet[409], sagt vns die schrift fürwar.

Freut euch der selden[410] mere: Messias der ist kumen. Er hat an alls gefere[411] die menschait an sich gnumen. Fur vns mit ganzen treuen volbracht er alle dink. 10 Der greis wolt sich verneuen: er ward ein jungelink.

Got vater in dem trone was mit der zarten weis. Die tochter von Syone hat wol den hochsten preis. Drei edel kunig milde die brachten reichen solt; zugen vber gefilde nicht anders als Got wolt.

Elend ward jn bekande; die seld must fere[412] bas, Ferr in Egypten lande: Herodes trug jn has. Er zog in nach mit listen: manch kint vergos sein blut. Got wolt sich lenger fristen: das was vns allen gut. 10

Wol dreisig iar vnd mere trug er fur vns die not; Wol umb sein rechte lere leid er fur vns den tod: Danck wir im zu den stunden! Hilf, edler kunig rein! Sein heiliglich fünf wunden solnt vns genedig sein.

3.

Wolauf, jr brüder allzumal, _quos sitis vexat plurima_. 20 ich weiss ein Wirt klug überall, _quod vina spectat optima_. sein wein mischt er nicht mit dem saft, _e puteo qui sumitur_. ein jeder bleibt in seiner krafft, _e botris ut exprimitur_.

Herr wirt, bringt uns ein guten wein, im keller _quod est optimum_! 20 die brüder wöllen frölich sein, _ad Noctis usque terminum_. wer greinen[413] oder murren will, _ut canes decet rabidos_, der mag wol bleiben aus dem spil, _ad porcos eat sordidos!_

4.

ZECHLIED.

Den liebsten bulen[414] den ich hab der leit beim wirt im keller, er hat ein hölzens[415] röcklein an und heist der Muscateller; er hat mich nechten[416] trunken gmacht und frölich heut den ganzen tag, gott geb im heint[417] ein gute nacht!

Von disem bulen den ich mein wil ich dir bald eins bringen, er ist der allerbeste wein, macht mich lustig zu singen, frischt mir das blut, gibt freien mut, als[418] durch sein kraft und eigenschaft, nu grüss dich gott, mein rebensaft!

5.

LASS RAUSCHEN!

Ich hort ein sichellin rauschen, wol rauschen durch das korn, ich hort ein feine magt klagen: 10 sie het ir lieb verlorn.

‘La rauschen, lieb, la rauschen! 10 ich acht nit wie es ge; ich hab mir ein bulen erworben in feiel[419] und grünen kle.’

‘Hast du ein bulen erworben in feiel und grünen kle, so ste ich hie alleine, tut meinem herzen we.’

Lass rauschen, sichele, rauschen 20 und klingen wol durch das korn! weis ich ein meidlin trauren, 20 hat iren bulen verlorn.

6.

HASEL.

Es wolt ein mägdlein tanzen gen, sucht rosen auf der heide, was fand sie da am wege sten? eine hasel, die war grüne.

‘Nun grüss dich gott, frau Haselin! von was bist du so grüne?’ ‘nun grüss dich gott, feins mägdelein! von was bist du so schöne?’

‘Von was dass ich so schöne bin, das kan ich dir wol sagen: ich iss weiss brot, trink külen wein, davon bin ich so schöne.’

‘Isst du weiss brot, trinkst külen wein und bist davon so schöne: 10 auf mich so fällt der küle tau, davon bin ich so grüne.’

‘Hüt dich, hüt dich, frau Haselin, und tu dich wol umschauen! ich hab daheim zwen brüder stolz, die wollen dich abhauen.’

‘Und haun sie mich im winter ab, im sommer grün ich wider; verliert ein mägdlein iren kranz, den findt sie nie mer wider.’ 20

7.

ZWEI KÖNIGSKINDER.

Et wassen[420] twe künigeskinner, de hadden enanner so lef[421], de konnen to nanner nich kummen, dat water was vil to bred[422].

‘Lef herte, kanst du der nich swemmen? lef herte, so swemme to mi! ick will di twie keskes[423] upstecken un de sölld löchten to di.’

Dat horde ne falske nunne up ere slopkammer, o we! se dei de keskes utdömpen[424], lef herte blef[425] in de se.

Et was up en sunndage morgen, de lüde wören alle so fro, nich so des königes dochter, de augen de seten[426] er to.

‘O moder,’ sede se, ‘moder! mine augen dod mi der so we; 10 mag ick der nich gon spazeren an de kant[427] von de ruskende[428] se?’

‘O dochter,’ sede se, ‘dochter! allene kanst du der nich gon, weck up dine jüngste süster und de sall met di gon.’

‘Mine allerjüngste süster is noch so n unnüsel[429] kind se plücket wol alle de blömkes de an de sekante sind. 20

Un plückt se auk men[430] de wilden un lett de tammen[431] ston, so segged doch alle de lüde, dat hed dat künigskind don.

O moder,’ sede se, ‘moder! mine augen dod mi der so we, mag ick der nich gon spazeren an de kant von de ruskende se?’

‘O dochter,’ sede se, ‘dochter! allene sast[432] du der nich gon, 30 weck up dinen jüngsten broder! und de sall met di gon.’

‘Min allerjüngsten broder is noch so unnüsel kind, he schütt[433] wull alle de vügel[434] de up de sekante sind.

Un schütt he auk men de wilden un lett de tammen gon, so segged doch alle de lüde, dat hed dat künigskind don.

O moder,’ sede se, ‘moder! min herte dod mi der so we, 10 lot annere gon tor kerken! ick bed an de ruskende se.’

Do sad de künigsdochter upt hœfd[435] ere goldene kron, se stack up eren finger en rink von demanten so schon.

De moder genk to de kerken, de dochter genk an de sekant, se genk der so lange spazeren bes se enen fisker fand. 20

‘O fisker, leveste fisker! ji könnt verdenen grot lon, settet jue netkes[436] to water, fisket mi den künigesson!’

He sette sin netkes to water, de lotkes[437] sünken to grund, he fiskde un fiskde so lange, de künigsson wurde sin fund.

Do nam de künigesdochter von hœfd ere goldene kron: 30 ‘süh do, woledele fisker! dat is ju[438] verdende lon.’

Se trock[439] von eren finger den rink von demanten so schon: ‘süh do, woledele fisker! dat is ju verdende lon.’

Se nam in ere blanke arme den künigsson, o we! se spranc met em in de wellen: ‘o vader un moder, ade!’

8.

TANHAUSER.

Nun will ich aber heben an 10 von dem Danhauser singen und was er wunders hat getan mit Venus, der edlen Minne.

Danhauser was ain ritter gůt wann er wolt wunder schawen, er wolt in fraw Venus berg zu andren schönen frawen.

‘Herr Danhauser, ir seind mir lieb, daran sölt ir gedenken! ir habt mir ainen aid geschworn: 20 ir wölt von mir nit wencken.’

‘Fraw Venus! das enhab ich nit, ich will das widersprechen, und redt das iemants mer dann ir gott helf mirs an im rechen!’

‘Herr Danhauser, wie redt ir nun? ir sölt bei mir beleiben; ich will euch mein gespilen geben zu ainem stäten weibe.’

‘Und näm ich nun ein ander weib ich hab in meinen sinnen: so můst ich in der helle glůt auch ewiklich verprinnen.’

‘Ir sagt vil von der helle glůt, habt es doch nie empfunden, gedenkt an meinen roten mund! der lacht zu allen stunden.’

‘Was hilft mich euer roter mund? er ist mir gar unmäre[440]; 10 nun gebt mir urlob, frewlin zart, durch aller frawen ere!’

‘Danhauser! wölt ir urlob han ich will euch kainen geben: nun pleibt hie, edler Danhauser, und fristen euer leben!’

‘Mein leben das ist worden krank, ich mag nit lenger pleiben; nun gebt mir urlob, frewlin zart, von eurem stolzen leibe!’ 20

‘Danhauser, nit reden also! ir tůnd euch nit wol besinnen; so gen wir in ain kemerlein und spilen der edlen minne!’

‘Eur minne ist mir worden laid, ich hab in meinem sinne: fraw Venus, edle fraw so zart! ir seind ain teufelinne.’

‘Herr Danhauser, was redt ir nun und dass ir mich tůnd schelten? 30 und söltt ir lenger hier innen sein ir mŭstens ser engelten.’

‘Fraw Venus! das enwill ich nit, ich mag nit lenger pleiben. Maria můter, raine maid, nun hilf mir von den weiben!’

‘Danhauser, ir sölt urlob han, mein lob das sölt ir preisen, und wa ir in dem land umb fart nemt urlob von dem greisen!’

Do schied er widrumb auss dem berg in jamer und in rewen: 10 ‘ich will gen Rom wol in die statt auf aines bapstes trewen.

Nun far ich frölich auf die ban, gott well mein immer walten! zu ainem bapst der haist Urban ob er mich möcht behalten.--

Ach bapst, lieber herre mein! ich klag euch hie mein sünde die ich mein tag begangen hab als ich euch will verkünden. 20

Ich bin gewesen auch ain jar bei Venus ainer frawen, nun wolt ich beicht und bůss empfahn ob ich möcht gott anschawen.’

Der bapst het ain steblin in seiner hand und das was also durre: ‘als wenig das steblin gronen mag kumstu zu gottes hulde.’

‘Und sölt ich leben nun ain jar, ain jar auf diser erden, 30 so wölt ich beicht und bůss empfahn und gottes trost erwerben.’

Do zoch er widrumb auss der statt in jamer und in laide. ‘Maria můter, raine maid! ich můss mich von dir schaiden.’

Er zoch nun widrumb in den berg und ewiklich on ende: ‘ich will zu meiner frawen zart, wa mich gott will hin senden.’

‘Seind gottwillkomen, Danhauser! ich hab eur lang emboren[441]; 10 seind willkom, mein lieber herr, zu ainem bůlen ausserkoren!’

Es stond biss an den dritten tag, der stab fieng an zu gronen, der bapst schickt auss in alle land: wa Danhauser hin wär komen?

Do was er widrumb in den berg und het sein lieb erkoren, des můss der vierde bapst Urban auch ewig sein verloren. 20

9.

LINDENSCHMID.

Es ist nit lang dass es geschah dass man den Lindenschmid reiten sah auf einem hohen rosse, er reit den Reinstrom auf und ab, hat sein gar wol genossen[442], ja genossen.

‘Frisch her, ir lieben gsellen mein! es muss sich nur gewaget sein, wagen das tut gewinnen; wir wöllen reiten tag und nacht biss wir ein beut gewinnen!’

Dem marggrafen von Baden kamen newe mär wie man im ins gleit gefallen wär, das tet in ser verdriessen; wie bald er junker Casper schreib: er solt im ein reislein dienen!

Junker Casper zog dem beurlein ein kappen an, er schickt in allzeit vorne daran 10 wol auf die freie strassen: ob er den edlen Lindenschmid fünd den selben solt er verraten.

Das beurlein schiffet über Rein, er keret zu Frankental ins wirtshaus ein: ‘wirt! haben wir nichts zu essen? es kommen drei wägen, seind wol beladen, von Frankfurt auss der messen.’

Der wirt der sprach dem beurlein zu: ‘ja wein und brot hab ich gnug, 20 im stall da sten drei rosse, die seind des edlen Lindenschmid, er nert sich auf freier strassen.’

Das beurlein dacht in seinem mut: die sach wird noch werden gut, den feind hab ich vernommen; wie bald er Junker Casper schreib dass er solt eilends kommen!

Der Lindenschmid der het einen son, der solt den rossen das futter tun, 30 den habern tet er schwingen: ‘stet uf, herzliebster vatter mein! ich hör die harnisch klingen.’

Der Lindenschmid lag hinderm tisch und schlief, sein son der tet so manchen rief, der schlaf hat in bezwungen. ‘ste auf, herzliebster vatter mein! dein verräter ist schon kommen.’

Junker Casper zu der stuben ein trat, der Lindenschmid von herzen ser erschrak. ‘Lindenschmid, gib dich gefangen! zu Baden an den galgen hoch, daran so soltu hangen.’ 10

Der Lindenschmid der war ein freier reutersman, wie bald er zu der klingen sprang: ‘wir wöllen erst ritterlich fechten!’ es waren der bluthund also vil, sie schlugen in zu der erden.

‘Kan und mag es dann nit anders gesein, so bitt ich umb den liebsten sone mein auch umb meinen reutersjungen, und haben sie iemands leid getan darzu hab ich sie gezwungen.’ 20