The German Classics from the Fourth to the Nineteenth Century, Vol. 1 (of 2)
Part 36
[_Scherer D._ p. 247, _E._ 241.]
Aus einer dem 15. Jahrhundert angehörigen Handschrift der Trierer Stadtbibliothek herausgegeben von Hoffmann in seinen ‘Fundgruben’ 2, 259.
Deinde Maria ut sequitur:
Owê owê hiute! waz sol ich Oder wer wil nû trœsten mich? Sint ich den süezen hân verlorn 10 Der mich ze muoter hete erkorn. Owê owê! nû gên ich wider unde vür; Nieman tritet vür die tür, Der dise nôt welle enden! Des ringe ich arme muoter mîne hende. Owê owê der jæmerlîchen nôt! Owê, mich dunket er sî tôt. Johannes neve, nû vüere mich Zuo mîme kinde, des bite ich dich.
_Wehe wehe über den heutigen Tag! was soll ich, und wer wird mich nun trösten, da ich den Süssen habe verloren, 10 der mich zur Mutter hatte erkoren? Wehe wehe! nun geh ich auf und ab; und niemand tritt vor die Thür, der diese Noth will enden: darum ringe ich arme Mutter die Hände. Oweh, oweh der jammervollen Qual! Oweh, mich dünkt er sei tod. Johannes, Neffe, nun führe mich zu meinem Kinde, darum bitte ich dich._
Tunc vadunt ante crucem et Maria cantat plangendo cum manibus.
Owê owê der jæmerlîchen klage, Die ich muoter eine trage Al von des tôdes wâne. Weinen was mir unbekant, Sint ich muoter wart genant, 10 Und bin doch mannes âne. Nû ist ze weinen mir geschehen, Sint ich sînen tôt muoz sehen Den ich âne swære gar Muoter unde meit gebar. Owê tôt! Dise nôt Mahtû wol volenden, Daz du von dir Her zuo mir Dîne boten wellest senden. Owê der leide! 20 Der tôt der wil uns scheiden. Tôt nû nim uns beide, Daz er niht aleine Sô jæmerlîche von mir scheide. Owê! waz hât er iu getân? Muget ir ime niht sîn leben lân Und nemt mir mînen lîp? Owê! waz sol ich armez wîp! Grôzer klage ist mir nôt. Owê, læge ich vür in tôt! Vater schepfer bistû mîn, Und ich dîn gebererîn: Dîne wunden tuont mir wê. Miner klage ist worden mê, Sint dû herzeliebez kint trût 10 Wider mich niht maht werden lût. Herzekint, Dîne ougen sint Dir sô gar verblichen. Dîne maht Und dîne kraft Ist dir sô gar entwichen. Owê owê, vil lieber sun mîn! Owê der grôzen marteln dîn! Owê, wie jæmerlîchen dû hengest! Owê, wie dû mit dem tôde ringest! Ach wie jæmerlîchen bibet dir dîn lîp! 20 Eiâ, waz sol ich armez wîp, Sint ich dich, liebez kint mîn, Sihe lîden alsô grôze pîn! Des sticht mich ze dirre stunt Ein swert durch mînes herzen grunt. Simeonis grimmec swert Daz hât mich wol bevunden. Pînen bin ich wol gewert Ze disen selben stunden.
_Weh weh, welch jammervolle Klage, die ich, die Mutter, alleine trage von des Todes Gedanken. Weinen war mir unbekannt, seitdem ich Mutter ward genannt, 10 obwohl ich des Mannes ledig bin. Nun ist mir das Weinen angekommen, seitdem ich seinen Tod vernommen, den ich ohne jeden Schmerz trug unter jungfräulichem Herz. Oweh Tod! Dieser Noth machst du leicht ein Ende, wenn du von dir her zu mir deine Boten willst senden. Weh und Leid! 20 Der Tod der will uns scheiden. Tod, nun nimm uns beide, dass er nicht alleine so jämmerlich von mir scheide. Oweh! was hat er euch gethan? Könnt ihr ihm nicht seine Leben lassen und nehmt mir meinen Leib? Oweh! was soll ich armes Weib! Grosse Klage thut mir Noth. Oweh, läg ich statt seiner tod! Vater Schöpfer bist du mir, und ich, die dich geboren hat: deine Wunden thun mir weh. Meine Klage hat sich vermehrt, seit du herzliebes trautes Kind 10 zu mir keinen Laut mehr sprechen kannst. Herzenskind, deine Augen sind dir so ganz verblichen. Deine Macht und deine Kraft ist dir so ganz entwichen. Oweh, oweh mein viel lieber Sohn! Weh über deine grosse Marter! Weh, wie jämmerlich du hängest! Weh, wie du mit dem Tode ringest! Ach, wie jämmerlich bebt dir der Leib! 20 Weh, was soll ich armes Weib, da ich dich, liebes Kind mein, Sehe leiden solch grosse Pein! Damit sticht mich zu dieser Stund ein Schwert durch meines Herzens Grund. Simeons grimmes Schwert das hat mich wohl getroffen. Qualen sind mir reich beschert zu dieser selben Stunde._
Post hoc Salvator cantat: Mulier ecce filius tuus, et dicit cum hoc Rhythmo:
Sich, wîp, ditz ist der sun dîn, Johannes sol nû dîn pfleger sîn Und sol nû dîn sun wesen, Wande dû wol sihest daz ich niht mac genesen.
_Sieh, Frau, dies ist dein Sohn, Johannes soll dein Pfleger sein und soll nun dein Sohn werden, da du wohl siehst, dass ich nicht am Leben bleiben kann._
Et deinde dicit ad Johannem: Ecce mater tua, cum hoc Rhythmo:
Johannes, lieber neve mîn, 10 Ich bite dich daz dû mîner muoter pfleger wellest sîn Und daz dû trœstest ir herzeleit, Daz si durch mîne martel treit.
_Johannes, mein lieber Neffe, 10 ich bitte dich, du mögest meiner Mutter Pfleger sein und sie trösten in ihrem Herzeleid, das sie wegen meiner Marter trägt._
Johannes respondet:
Gerne, Jesus meister mîn, Ich wil gerne ir huoter sîn Und si bewarn die wîle ich leben, Sint dû mich ir ze pfleger hâst gegeben.
_Gerne, Jesus Meister mein, ich will gerne ihr Hüter sein und sie bewahren Zeit meines Lebens, Da du mich ihr zum Pfleger gegeben hast._
Maria dicit R. ad Salvatorem.
Owê Jesus, vil liebez kint mîn, 20 Wie grôz ist dînes lîbes pîn! Ach owê, wie dîn munt nû bibet! Owê des urloubes, des er mir nû gibet! Owê leit vor allen leiden! Sol ich mich nû von im scheiden Von deme der ie ist gewesen mîn trôst? Von jâmer bin ich ungelôst. Owê, wâ herberge ich die êrste naht? Mit grôzem jâmer bin ich überdaht. Ditz ist ein bitterlîcher mort. Ach liebez kint, nû sprich mir doch zuo ein wort, Ob ich dîn muoter bin. Owê! er enmac, er ist dâ hin. Er ist leider übel gereiset, 10 Wande ich bin ze mâle verweiset: Des muoz ich schiere vor leide vergân. Ach dû herter kriuzeboum, Wie dû dîne arme hâst zetân, Dâvon ich grôzes jâmers vil hân. Ach wistest dû an dirre stat, Waz man an dir gesperret hât, Dû tætest dîne arme zesamne sint Und liezest ruowen mîn liebez zartez kint. Eiâ dû sûre jüdesche diet, 20 Warumbe tœtet ir mich niet? Wand mînen trôst hât ir mir benomen. Owê, wâ sol ich hinnen komen? Nune weiz ich leider war ich vlîe. Des tôdes wil ich bîten hie.
_Wehe Jesus, mein viel liebes Kind, 20 wie gross ist deines Leibes Pein! Ach wehe, wie dein Mund jetzt bebt, weh über den Abschied, den er mir giebt! Weh Schmerz über alle Schmerzen! Soll ich mich nun von ihm trennen, von dem, der jeder Zeit mein Trost gewesen? Mit Jammer bin ich unlöslich verbunden. Oweh, wo kehre ich die erste Nacht ein? Mit grossem Jammer bin ich überdacht. Dies ist ein bitterer Mord. Ach liebes Kind, nun sprich doch zu mir ein einzig Wort, wenn ich deine Mutter bin. Weh, er kann nicht, er ist dahin. Er ist leider auf einer schlimmen Reise, 10 und ich bin zumal verweiset: drum muss ich schier vor Leid vergehn. Ach du harter Kreuzesbaum, wie hast du deine Arme geöffnet! Das bereitet mir grossen Schmerz. Ach wüsstest du nur, was man an dich gehängt hat, du schlössest deine Arme und liessest mein liebes zartes Kind ruhen. Weh du rauhes Judenvolk, 20 warum tödtet ihr mich nicht? Habt ihr mir doch meinen Trost benommen. Weh, wohin soll ich nun von hier mich wenden? Leider weiss ich nun nicht, wohin fliehen. Des Todes will ich harren hier._
Et sic residet in terram.
_THEOPHILUS._
[_Scherer D._ 248, _E._ 242.]
Von einem niederdeutschen Dichter verfasst. Aus einer dem 15. Jahrhundert angehörigen Handschrift der Stadtbibliothek zu Trier herausgegeben von Hoffmann (Hannover 1853).
_Theophilus._
Ik bin geheiten Theophilus, Myne klage begint aldus[314]. Ik was geheiten ein kloken man, An pâpheit[315] kundik my wol verstân Und ôk noch als ik hoppe. Ik was gekoren to einem bischoppe Unde sold ein here[316] syn gewesen, 10 Do verdrôt my singen unde lesen. Nu hebben sei einen anderen koren, De hevet my dôr synen toren Verdreven unde myne provende[317] nomen, Dei my plach degeliks in to komen An wyne und ôk an weite[318], So dat ik nu ein arm man heite. Seit, dat mojet[319] my also sere: Wistik ef jenich[320] duvel were Hyr an dusser êrden, 20 Syn eigen woldik wêrden! De my helpen wold dâr an, Dat ik worde so ryken man, Dat ik dem bischop unde dem stichte[321] Mochte wederstân mit gichte[322]. Is ôk an dusser stunt Jenich duvel an hellengrunt Edder an der hellen dore, De make drade sik hervore, Edder wâr hei besloten sy, De kome drade her to my! Ik beswere dy, duvel Satanas, By dem gode, de lôf[323] unde gras 10 Und alle dink geschapen hât, Des hemels lôp[324], der êrden stât[325]; Ik beswere dy by dem valle, Den gy duvele vellen alle, Da unde dyne medegenoten[326], Do gy worden van dem hemel stoten; Ik beswere dy by dem jungesten dage, Wan godes sôn kumt mit syr klage Over alle sunderlude[327], Dat du to my komes hude 20 Mit bescheide und antwôrdes my Allet des ik vrage dy!
Hyr komet nu de duvel springen unde secht to Theophilo mit greseliker stemme dussen rymen:
_Satanas._
Theophile, wat mênstu hyr mede? Dit is jo juwer[328] papen sede: Wan ju is ein vort entgân, So wil gy uns armen duvele hân, Wy en blasen ju den weder in: 30 Sus sêrdy[329] uns, eft[330] wy ju eigen syn. Jo en egen[331] wy es nicht van ju papen, Wente[332] wêr wy duvele nicht geschapen, Dat gy de leien mit uns vervêrt[333], Gy mosten ôk halden den plôchstêrt[334]. Nu twing gy uns mit juwer klôkheit, It sy uns leif, it sy uns leit, Dat wy moten to ju komen. Dû hefst my eine lange reise benomen: Ik was dâr hento India, Myne gesellen sochtik da. Dâr was de konink gestorven, Ik had syn sele na[335] erworven. 10 Tohant do ik dyn bannen hôrde Unde dyne greseliken wôrde, Do mostik rôklose[336] komen to dy. Nu sech up[337] drade, wat woltu my?
_Theophilus._
Hefstu silver unde golt So wil ik dy den dûrsten solt Den ik ye gewan verkopen: Myne sele, dei in der dopen[338] Mit godes blode is gereinet 20 Unde na synem bilde is vereinet, Dei wil ik setten in dyne hant, Ik en hebbe nein durer pant[339]. Woltu solke pande entfân, So wil ik met dy einen kôp angân.
Satanas secht weder:
_Satanas._
Nein, nein, dâr mede schaffestu nicht! Dat is uns ôk wol mêr geschicht[340], Dat wy gôt den luden geven, 30 Dat sei er wâllust mede dreven Twintich edder dertich jâr, So begunden sei dan to lesten dâr In einen wech to komen, Dat sei uns worden benomen. Doch wo em sy, is dy icht leif Gelt unde gôt, so schryf einen breif! De breif sal also wesen, Al dei en sein[341] efte lesen, Den salstu bekennen unde gein[342] Openbâr unde dâr nicht entein[343]; Dat Theophilus des duvels sy. Dyn segel[344] sal dâr hangen by, 10 Dat du dregest an dyner hant: So antwôrd my breif unde pant. Ik wil dy so vele gudes geven, Dat du hêrliken moges leven.
_Theophilus._
Wat solen dei breive myn? Myn wôrt doch recht solen syn! Ik en wil dy nicht vôrleigen[345], Wente woldik dy bedreigen, Wat dochtik dan to einem papen?
_Satanas._
Nicht, nicht! it is al anders schapen. 20 Woltu my wêrden underdân, Dyne hantveste[346] wil ik êrst entfân, Dâr inne salstu dat schryven, Dat du myn willes ewich blyven Mit lyf, mit sele. Ôk schryf dârby, Dat nein trôst mêre an dy en sy. Und ôk we vor dy bede, Dat hei dy unrecht dede. Hefstu leive to solken saken, So wil ik den kôp mit dy maken 30 Unde wil dy so vêl godes geven, Dat du moges hêrliken leven.
_Theophilus._
Ik bin darum to dy gekomen, Als du ein deil wol hefst vernomen, Dat ik gêrne jummermere Um geldes willen dyn eigen were.
_Satanas._
Dyn wille sal dy wol geschein, Ân ik wil êrst pant unde breive sein.
_Theophilus._
Nu du my dârto wolt dryven, Dat ik dy einen breif sal schryven, Dei my an myne sele geit, Dârto bin ik gâr bereit. 10 Wat helpet, dat ik dâr weder sage? Went ik môt doch al myn dage Eweliken syn verloren. Nu recket my her ein inkethoren[347], Eine vederen unde permint[348]! Dat is my recht so ein wint. Ik wil schryven ein tractât, Dat nummer myr[349] sele wêrde rât.
_KAISER UND ABT._
[_Scherer D._ 249, _E._ 243.]
In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verfasst. Herausgegeben von Keller (Tübingen 1850).
Der apt dicit:
Mulner, pis mir gotwilkumm her! 20 Dreier ret ich von dir beger: du pist ein abenteuerlich man. Wer mag das geluck am nechsten han?
Der mulner:
Herr, das ist gar guot zuo erraten, als wurst zuo essen, wenn sie sein gepraten: vil leicht kan ich euch das gesagen.
Der apt:
Mulner, ich wil dich mer fragen: was gult ein keiser, solt man in kaufen?
Der mulner dicit:
Müest ich dann ausz der müle laufen, das wundert mich von herzen ser. 10
Der apt:
Wie vil ist wassers in dem mer?
Der mulner:
Sein das die ratnus alle drei?
Der apt:
Ja, lieber mulner, hab fleisz da bei, wann mir leit nit ein kleinsz daran.
Der mulner:
Ei herr, was wer ich fur ein man, kund ich des nit und het es gesehen? 20
Der apt:
Die ret müessen vor dem keiser geschehen. Wann du sie erretst, so wil ich dir geben genuoc, die weil du magst iemer leben.
Der mulner:
Herr apt, ir sult mir warlich getrauen, oder laszt mir den kopf abhauen.
Der apt:
Mein mulner, ich gelaub dir gern! Du muost dir lassen ein platten schern, 30 und leg auch an ein kutten frei, das der keiser maint, das ich das sei....
Der mulner kumpt in der kutten und spricht zuo dem apt:
Mein herr der apt, bona dies!
* * * * *
Der apt:
Herr, ir wert nu auf sitzen.
Nu sitzt der mulner auf das wegenlein, so ziehen in die pauren in die stuben fur den keiser. Der herolt:
Ir durchleuchtiger keiser her, eur apt ist hie und hat beger, woll euch die drei rete raten hie.
Der keiser:
Wir wollen in gern horen, wie; wann groszer weisheit tet im noten, 10 sol er uns die drei sach erroten.
Der keiser:
Herr apt, habt ir die sach nu bracht?
Der neu apt:
Herr keiser, ich habsz kaum erdacht: kein dink ist mir nie seurer worden, mir und mein bruodern in dem orden, pisz wir die sach erfunden han.
Der keiser dicit:
Herr apt, herr apt, nu ratent an, 20 wie vil ist wassers in dem mer?
Der neu apt:
Das sag ich euch, genediger herr, das solt ir mir gelauben wol: das mer ist neur drei kuofen vol.
Der keiser dicit:
Herr apt, sagt, wie mag das gesein? Tet man all kuofen darausz und drein, So kunt man es umb ein tropfen nit sehen. Wie tort ir dann ein solches jehen, 30 des meres sei neur drei kuofen vol?
Der neu apt:
Des wil ich euch bescheiden wol. Wenn grosz genuoc weren die zuber, so belieb des mers nit ein tropf uber.
Der keiser spricht zuo reten:
Ir herrn, wie gefelt euch die sach? Was sol ich thuon, dan das ich lach? Muosz mich dar an benuogen lan. Das ander muosz er mich auch lassen verstan: was sei wir keiser an gelt wol wert?
Der neu apt:
Herr, gilt der grosch heur als fert?
Der keiser dicit:
Herr apt, er gilt der pfennig siben. 10
Der neu apt:
Ich find in mein puochern geschriben, dass eur genade gult vier groschen.
Der keiser:
Maint ir, wir sein als gar erloschen, oder wir sein ausz taig gemacht?
Der neu apt:
Genediger keiser, habt selbs acht! Cristus, der ward umb dreissig geben, ir gelt kaum achtundzweinzig darneben. 20
Der keiser:
Herr apt, herr apt, ich straf euch nit. Nu ratend uns hie auch das dritt, wer ie das geluck am nechsten gewan.
Der neu apt:
Genediger keiser, so hort an! Ich bin der herr, des gelauben habt! Vor was ich ein mulner, iez ein apt: und kunt ich lesen, singen und schreiben, man müest mich lan im closter bleiben. 30
Der keiser:
Nu tret zuo uns, ir alter apt! Seit ir mit im gewechselt habt und er fur euch die dinc erriet, darumb solt ir eur lebtag niet mer apt sein, und gebt im das regiment! Mulner, die schlussel gebt im in die hent und nim von im weis und ler.
Der neu apt:
Euren keiserlichen genaden dank ich ser! Ich bit euch, erlaubt mir acht tag, pis ich mein mül verkaufen mag, das ich sag meiner mulnerin, wie sie nu sei ein eptissin, und meinen tochtern und knaben, 10 das sie ein munch zuo eim vater haben, im kloster sei ich das hochste haupt.
Der keiser.
Ja, mulner, das sei dir erlaupt!
_ALBRECHT VON EYB._
[_Scherer D._ 251, _E._ 245.]
Aus Franken, wurde geboren 1420, studierte zu Pavia, erwarb dort den Doctorgrad, wurde Domherr zu Bamberg, Eichstädt und Würzburg, starb 1475. Er schrieb eine Art Anleitung zur Beredsamkeit ‘Margarita poetica’ (Nürnberg 1472); ein Ehebuch ‘Ob einem mann sey zu nemen ein eelich weib oder nit’ (Nürnberg 1472); die moralische Chrestomathie ‘Spiegel der Sitten’ erschien erst nach seinem Tode (Augsburg 1511) und enthält u. a. die Übersetzung von zwei Comödien des Plautus.
PLAUTUS BACCHIDES.
(Nach der Probe bei Cholevius, ‘Geschichte der deutschen Poesie nach ihren antiken Elementen’ I, 286).
_Götz._
Lentz, ich bin dir lang, heimlich nachgangen und hab gewartet, wo du hin willst, und als ich sehe, so möcht ein Karthäuser (Lycurgus) an den Enden verführt werden. Sag bald, wo willst du hin mit solchem Muth, mit diesem Kleid, mit solcher Hochfahrt {20} und mit solchem Umgeug (? pompa).
_Lentz._
Dahin.
_Götz._
Wie dahin? wer wohnet da?
_Lentz._
Es wohnt da Liebe, Wollust, Venus, Freud, Schimpfscherzen, Spiel, süsse Red, Halsen und Kussen (Amor, Voluptas, Venus etc.)
_Götz._
Was Heiligen sind das, was Gemeinschaft hast du mit solchen verfluchten Heiligen? (cum diis damnosissimis)
_Lentz._
Das sein böse Menschen, die frommen Leuten übel reden, und du redest auch übel den Heiligen; wahrlich du thust nit recht.
_Götz._
Ist auch ein Heilig, der da heisset Halsen und Kussen?
_Lentz._
{10} Hast du das nie gewisst? O Götz, du bist fürwahr ein grob Mensch; ich wollt wähnen, du wärst weiser denn Salomon (Thales), so bist du der grösst Narr, der da lebt, und bist so alt und weisst noch nit, wie die Heiligen heissen.
_Götz._
Wie dem Allem, mir gefällt nit das Kleid, das du anhast.
_Lentz._
Man hat es nit gemacht, dass es dir gefallen soll, sondern es soll mir gefallen.
_Götz._
Du spottest mein; ja und hättest du zehen Zungen, so sollt du doch stillschweigen deinem Schulmeister.
_Lentz._
Sicher Götz, es ist nicht ein jegliches Alter gut zum Schimpf; {20} ich gedenk jetzund mehr, wie ich hab ein guten Koch, der das Mal zubereite.
_Götz._
O Lentz, ich sehe wol, es ist alle Mühe und Arbeit an dir verloren, was ich dich je Gutes hab gelehrt.
_Lentz._
Da hab ich (auch) mein Müh verloren, dir zuzuhören, so du dein Müh hast verloren, mich zu lehren; dein Lehrung ist weder dir noch mir zu nutz kommen.
_Götz._
O du verfluchtes Mensch!
_Lentz._
Schilt mich nit, Götz; schweig still und geh mit mir zu den Frauen.
_Götz._
{10} Sieh ein Mann zu, du heisst mich Götz und nit Schulmeister?
_Lentz._
Es ist nit ziemlich, so ich bei den Frauen bin und hals und kuss sie, dass du gegenwärtig seiest als ein Schulmeister, sonder als ein Götz und gut Gesell.
_Götz._
Wird das dein Mahl sein, Halsen und Kussen?
_Lentz._
Ich hoff es, aber es steht zu Gott.
_Götz._
{20} Und wirst du bei dir haben deinen Buhlen?
_Lentz._
Ja, so du es sehn wirst, wirst du es glauben.
_Götz._
Wahrlich, es geschicht nit; ich lass es nit zugehn; ich will es deinem Vater offenbaren.
_Lentz._
Thu das nit, Götz, willst du dich hüten vor Übel.
_Götz._
Wie sagst du, hüten vor Übel?
{20} _Lentz._
Ja, ich bin deiner Ruthen entwachsen (iam excessit mihi ætas ex magisterio tuo).
_Götz._
O Höll (barathrum), wo bist du, das du mich nit verschlingest! ich hab länger gelebt, dann mir lieb ist....
_MICHEL BEHEIM._
[_Scherer D._ 252, _E._ 246.]
Der Sohn eines Webers, geb. 1416 bei Weinsberg, gest. nach 1474. Gab sein Handwerk auf, ward Soldat und Dichter, wanderte viel umher und hielt sich an verschiedenen Fürstenhöfen auf. Er schrieb viele Gedichte, theils historische Beschreibungen, theils Meistergesänge. Bekannt ist sein ‘Buch von den Wienern’ herausgegeben von Karajan (Wien 1843, 1867) und sein ‘Leben Friedrichs I von der Pfalz’ herausgegeben von K. Hofmann (München 1863). Karajan veröffentlichte ‘Zehn Gedichte Michael Beheims zur Geschichte Österreichs und Ungarns’ (Wien 1848). Geistliche Lieder Beheims wurden herausgegeben von Ph. Wackernagel in ‘Das deutsche Kirchenlied’ Bd. 2 (Leipzig 1867).
EIN MEISTERGESANC.